„Worte sind mein Verband, mein Pflaster“ Eva Christina Zeller, Lyrikerin _ Tübingen/D 16.10.2022

Liebe Eva, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Gerade unterrichte ich creative writing im Hamilton College, Clinton in Upstate New York und lese hier aus meinem gerade erschienenen Roman „Unter dem Teppich“, der in Teilen schon übersetzt wurde und hier „under the rug“ heißt. Es ist schön, in interessierte und aufgeweckte Gesichter der jungen, angehenden AutorInnen zu blicken, die mir Fragen stellen, als hätte ich eine Ahnung wie man schreibt!

Eva Christina Zeller, Lyrikerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Stellen Sie, Walter Pobaschnig die Frage im Kontext von Klimawandel, Krieg oder Covid?

Mit welchen Schrecklichkeiten oder Herausforderungen müssen wir zurechtkommen? Zum Krieg wurde so viel geschrieben und gesagt. Ich verstehe ihn nicht, wenn ich versuche ihn zu verstehen, dann stehen mir die Haare zu Berge und ich weiß nicht, wie ich mein tägliches Kleinklein bewältigen soll. Krieg zu führen ist verrückt, weil wir den Abgrund vermessen. Aber den Klimawandel nicht aufzuhalten und nur Feigenblätter zu verteilen, ist genauso verrückt.

Aber ich muss mich an die eigene Nase fassen. Ich bin in die USA geflogen, um hier zu arbeiten, um Studierenden meine Gedichte und Geschichten vorzulesen und um ihnen zu erzählen, warum ich schreibe und wie ich schreibe. Kreativität ist eine Kraft und das Schreiben hat mein Leben gerettet, um es pathetisch auszudrücken. Wie das genau vor sich ging, steht in meinem neuen Roman. Ich flog auch hierher, um meine ehemalige Gastfamilie von vor 45 Jahren zu besuchen. Wie kann ich dies rechtfertigen?

Ich sehe hier in den USA die allgemeinen Gegensätze überdeutlich. Die Reichen in ihren großen Autos und riesigen Häusern, die Auswahl von zwanzig verschiedenen Arten von Peanutbutter und gleichzeitig die Wohnungslosen auf der Straße, die die Mieten nicht mehr bezahlen können. Diese Gegensätze sind kaum auszuhalten und machen mich wütend.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?  

Für mich ist sie Nahrung. Ich lese Gedichte, ich schreibe Gedichte. Ich  gehe in die Natur und schaue mir die Bäume an. Sie geben mir einen guten Grund am Leben zu sein. Als ich gerade an der Westküste in Nordkalifornien in einem artist retreat war, hörte ich fast jeden Morgen die Erde beben und es tat weh, wenn wieder ein Redwoodtree, ein Mammutbaum, viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte alt, gefällt wurde.

Was liest Du derzeit?

Ich lese Gedichte von Elizabeth Bishop und das Buch der Anthropologin Nastassja Martin „An das Wilde glauben“. Wie können wir westliche Psychologie und Rationalität auf der einen Seite und den Pantheismus und Animismus auf der anderen Seite nicht nur als Gegensätze betrachten? Dieser Frage geht die Autorin aufgrund einer tätlichen Begegnung und Verletzung mit einem Bären nach. Ich kann nur dadurch leben, dass ich eine Verbindung mit Mensch und Tier und Baum aufzubauen versuche, das klingt jetzt plump. Nichts anderes mache ich in meinen Gedichten: ich verbinde mich mit Worten. Worte sind mein Verband, mein Pflaster. 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?  

„Ich war bereits einmal Knabe, Mädchen, Pflanze, Vogel und flutentauchender, stummer Fisch“

Empedokles, Über die Natur, Fragment 117

„Zur Ruhe kommen

Wenn der Leib unaufhörlich

in Bewegung gehalten wird,

wird er müde.

Wenn der Geist unaufhörlich

in Bewegung gehalten wird,

wird er sorgenvoll;

und Sorge verursacht Erschöpfung.

Das Wesen des Wassers ist,

dass es klar wird,

wenn man es in Ruhe lässt,

und still,

wenn man es nicht stört.“

Dschuang Dsi

Vielen Dank für das Interview liebe Eva Christina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Eva Christina Zeller, Lyrikerin

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Foto_Wolfgang Irg

6.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Romy Schneider war immer alles“ Phoebe Violet, Musikerin _ 40.Todesjahr Romy Schneider _ Wien 16.10.2022

Phoebe Violet_Musikerin, Malerin _
acting Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris)

Liebe Phoebe, welche Bezüge, Zugänge gibt es vonDir zu Romy Schneider?

Als Kinder haben wir zu Hause die Sissi Trilogie ungefähr 500 mal gesehen.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

 “L’Enfer” von Henri-Georges Clouzot. Der Film wurde nie vollendet, aber Teile davon sind online verfügbar. Dieser Film ist für mich ein Gesamtkunstwerk, sie natürlich auch.

Romy Schneider spielte in ihren Filmrollen sehr intensiv und ausdrucksstark, auch körperlich, und ging bis an die Grenzen des persönlich Möglichen. etwa in den Filmen „Nachtblende“, „Trio infernale“ oder „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“. Wie siehst Du als Künstlerin die Darstellerin Romy Schneider in Ihrem Kunstgenre?

Unfassbar. Die Farbpalette, die sie von sich zeigte, war immer anders, immer auf der Suche nach Neues. Ich mache mir fast Sorgen um sie, wenn ich sie auf der Leinwand anschaue. Es geht so tief hinein, wie sie spielt. Sie nimmt alles auf, da gibt es keine Wände.

Müssen Mensch und Kunst sich immer ganz nah, intensiv berühren, um das Publikum erreichen und auch berühren zu können?

Die Frage finde ich seltsam gestellt. Weil Kunst und Mensch sind nicht zwei voneinander getrennte Sachen. Kunst entsteht in einem; durch einen. Somit kann ich nicht sagen, dass ich “nah zur Kunst stehe”, wenn Kunst aus mir kommt. Es ist einfach immer da. Kunst macht man nicht für ein Publikum. Kunst macht man, weil es aus einem raus muss. Diese Eile ist so voll mit Leidenschaft und Ehrlichkeit, dass es andere berührt. Oder nicht. Weiss ich nicht…

Gibt es Momente in der Kunst, in der sich gleichsam die Kontrolle im Kunstprozess verlieren kann? Und wenn ja, was holt einen dann zurück?

Die von der Gesellschaft festgestellte Realität.

Würdest Du einen Film von Romy Schneider gerne spielen und wenn ja, warum?

 Nein.

Es gibt von Romy Schneider sehr viele Fotoserien. Gibt es eine Serie, die Du hervorheben möchtest?

Ich kenne nicht viele, aber es gibt eine Fotoserie von der deutschen Fotografin Helga Kneidl: Romy Schneider ganz entspannt, Schneidersitz, in einem Blumenkleid, schulterlos, Zigarette in der Hand. Diese Leichtigkeit finde ich wunderschön.

Wie siehst Du Romy Schneider vor der Fotokamera? Ist sie da Schauspielerin oder Privatperson oder beides?

Ich glaube, sie war immer alles.

Auch unser Projekt ist ein szenisches Foto/Interviewprojekt. Wie hast Du Dich im Vorfeld darauf vorbereitet und was ist Dir dabei wichtig?

Ich dachte an Kleidung. Und durchwühlte mein Kleiderschrank. Las auch ein bisschen über sie. Aber nicht viel. Da kommt so viel Tratsch und private Sachen, die ich nicht erfahren will.

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich (Kunstberuf)?

Ich glaube, es gibt eine Schwelle des Ruhmes, wo es sehr schwer wird, das eigene Leben für sich zu behalten. Mir stört es sehr, wenn interessante Persönlichkeiten und KünstlerInnen durch ihr Privatleben zerstört werden. Es ist, als ob sich die Masse erfreut, wenn sie erfahren, dass diese unfassbare Person in Wirklichkeit doch leidet. Dann wird sie „normal“. Ich kann mir vorstellen , dass es für den meisten unvorstellbar ist, dass Menschen so pervers sein können, Genuss in der Qual anderer zu finden. Aber angeblich ist das Verkaufen vom Verfall des eigenen Privatlebens ein tolles Geschäft. „Skandal“ bedeutet „viel kassieren“. Und Geld bezahlt die Rechnungen; nicht Menschlichkeit. Der Umgang mit Romy Schneider war ja nicht anders.

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Kunstberuf?

Das Leben besteht aus persönlicher Weiterentwicklung. Wenn das aufhört, ist man tot. Wie zuvor gesagt, Kunst und Mensch-sein gehen Hand in Hand. Kunst für mich ist eine Reflexion oder Darstellung von eigenen Prozessen oder Prozessen anderer, die man internalisiert und kristallisieren möchte. Ohne persönliche Entwicklung findet nichts statt.

Wie war Dein Weg zur Kunst und welche Erfahrungen hast in Wien gemacht?

Ich bin mit Kunst aufgewachsen. Wir – meine Schwester und ich – hatten einen sehr respektvollen und gleichzeitig sehr zugänglichen Bezug zur Welt der Kunst. Das habe ich meiner Mutter zu verdanken. Wien hat meine künstlerische Ader auf jeden Fall unterstützt. Es sind 20 Jahre Erfahrungen in Österreich, davon 16 in Wien. Da wusste ich nicht, wo ich anfangen würde.

Was wünscht Du Dir für den Kunstberuf?

 Ich habe keine Wünsche. Nur viele Ideen, die ich umsetzen werde.

Was sind Deine kommenden Projekte?

Es entstehen gerade mehrere. Ich möchte erst darüber sprechen, wenn sie klarer sind.

Was möchtest Du Kunststudenten*innen mitgeben?

Gar nichts. Sie sollen es selbst herausfinden.

Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?

Ich habe mich damit nicht befasst. Ich sehe nur, was sie als Künstlerin hinterlassen hat. Und das ist wunderschön.

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Ob sie mit mir auf einen Kaffee gehen möchte.

Was kann eine Künstlerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

Ihre Perspektive.

Phoebe Violet_Musikerin, Malerin _
acting Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris)

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Phoebe Violet_Musikerin, Malerin

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Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_10.2022

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Walter Pobaschnig 10_22

„Golofshan hieß sie und sah auf ihrem Hochzeitsfoto aus wie Jeanne Moreau“ Tania Kibermanis, Autorin _ Give Peace A Chance _ Hamburg 16.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Golofshan hieß sie und sah auf ihrem Hochzeitsfoto aus wie Jeanne Moreau.

Inzwischen dürfte sie weit über Siebzig sein, aber reiten kann sie bestimmt immer noch, besser als jeder Kerl.

Vor ein paar Jahren sind wir uns im Iran begegnet, in einem Dorf am Kaspischen Meer, wo es Bergleoparden gibt und man die Sterne viel heller sieht als hier.

Einen Hund darf man im Iran nicht haben, weil das den Mullahs nicht gefällt, aber sie hatte einen, in ihrem geheimen Garten hinter einem riesigen Tor.

Politik interessierte sie nicht, aber sie sagte: Die Frauen hier im Norden sind stark, sie machen das Geld, und die Männer bleiben zu Hause.

Eine halbe Nacht lang saßen wir in ihrer Webstube zwischen bunten Stoffen, auf denen sie Geschichten erzählt, für die man keine Sprache braucht. 

Auch geheime Zeichen webt sie ein, ganz subversiv.

Chadorshab – so heißen die aus Wollfäden gesponnenen Märchen, es bedeutet: Arbeit, die man in der Nacht tut.

Es gab heißen Tee, den wir aus Untertassen schlürfen, und ihre Tochter war auch dabei, sie ist

Anwältin und geht an den Wochenenden mit jungen Mädchen in den Wald, um ihnen zu zeigen, wie man Feuer macht und sich auch ohne Männer behaupten kann.

Chamenei wettert gegen alles, was Freude macht – und er scheint von besessen zu sein von  

Haaren, die man nicht sehen darf, aber Golofshan trug ihr Kopftuch stets trotzig am Hinterkopf.

An sie denke ich inzwischen jeden Tag, wenn ich die Nachrichten sehe, und ich weiß, dass sie sich

Nicht kleinkriegen lässt, auch nicht von einem geifernden

Chamenei, der nichts anderes hat als seine Haarobsession.

Es ist jetzt Zeit, die alten Männer mit euren Haaren aus ihren Sesseln zu fegen -du, Golofshan, und all die anderen.

Tania Kibermanis, Text und Fotos _ 9.10.2022

Tania Kibermanis  _Autorin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Tania Kibermanis  _Autorin

Fotos_Iran -Tania Kibermanis; Portrait – privat.

Walter Pobaschnig _ 9.10.2022.

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„Kunst ist vielleicht etwas, das uns später trotz allem als Menschen kennzeichnen wird“ Kurt Fleisch, Schriftsteller _ Wien 15.10.2022

Lieber Kurt, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Sehr unregelmäßig. Im Idealfall stehe ich zu Mittag auf, gehe dann meinem Broterwerb nach. Am späten Abend Mahlzeit zur ZIB2, danach gegebenenfalls Sozialleben. In der Ruhe der Nacht Chaos im Kopf: Medienkonsum (Text, Bild); verliere mich… oftmals Schreibversuche, die derzeit eine Suche darstellen. Vor der Morgenröte ein Bier, abschließend die Qual des Einschlafens.

Kurt Fleisch, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, das ist sehr unterschiedlich. Verständnis, selbst für das Unverständliche, Solidarität und Empathie für andere sindTugenden, die für uns alle wichtig wären. Es herrscht eine seltsame Stimmung… die Aufforderung zu jeder Krise, zu jeder Thematik Stellung zu beziehen. Like, Dislike. Menschen sind aber keine Schaltkreise, die nur zwischen 0 und 1 differenzieren. Persönlich ist es mir wichtig, unentschieden bleiben zu dürfen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Stehen wir nicht immer schon stets vor einem Aufbruch? Ich denke, die moralisierende Empörung (in vielen Bereichen) findet doch wieder nur auf dem Boden jener pervers-abgehobenen spätkapitalistischen, postkolonialen Welt statt, die eben diese Welt ausgebeutet, sich einverleibt hat. Ich fürchte, wir stehen nicht vor einem Aufbruch, wir stehen vielmehr vor einem Abgrund. Und die Kunst ist vielleicht etwas, das uns später trotz allem als Menschen kennzeichnen werden wird.

Was liest Du derzeit?

Ich bin ein sehr langsamer Leser — letzten Monat habe ich begonnen mit: Macht der Wiederholung von Marc Rölli sowie Nietzsche. Ein Lesebuch von Gilles Deleuze.

Um nicht nur Philosophie zu lesen, stehen vorerst zumindest zwei Titel für den September auf der Liste: Lento Violento von Maria Muhar und Schwerer als das Licht von Tanja Raich.

Für depressive Tage bleibt immer noch Thomas Bernhard.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Um an die vorherige Frage anzuschließen, ein Zitat von Deleuze (in diesem Satz könnte man auch Bernhard anstelle von Nietzsche einsetzen):

„Wer Nietzsche liest, ohne zu lachen, ohne viel zu lachen, ohne oft und manchmal wie verrückt zu lachen, für den ist es, als ob er Nietzsche nicht läse.“

Vielen Dank für das Interview lieber Kurt, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Kurt Fleisch, Schriftsteller

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6.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gedanken an Frieden“ Alexandra Huß, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Bochum 15.10.2022

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Gedanken an Frieden

Im

Vers

Enthüllt


P steht für Palmen am Meer und

E für das Eis in der Hand

A erzählt vom Aufgang der Sonne und

Chancen, die

Ein jeder träumen mag, wie

Abendgedichte zum Frühstück

C ein Chalet in den Bergen

H ist ein Hafen in dir

A wird geändert in á la carte

Nach Belieben nachgießen, nach dem Krieg, für den Frieden, nach Herzenslust

Champagner

Ein für alle Mal


 
Alexandra Huß, 7.10.2022

Alexandra Huß, Schriftstellerin

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Alexandra Huß, Schriftstellerin

Alexandra Huß | Autorenwelt

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Walter Pobaschnig _ 7.10.2022.

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„Güte“ Sarah Krampl, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Villach 14.10.2022

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Güte

Ist heute ein

Verpöntes Wort

Ein Grund sich aufzuregen

Probleme werden

Erfunden

Auch dann, wenn alles gut ist.

Chinesen

Europäer

Araber

Chancen

Hat heute jeder.

Altruismus ist vielleicht doch angebracht

Nur keine falsche Scham.

Charisma

Ein Wort unter vielen anderen Wörtern.


Sarah Krampl, 11.9.2022

Sarah Krampl, Schriftstellerin 

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Sarah Krampl, Schriftstellerin 

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Walter Pobaschnig _ 11.9.2022.

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„Die Kunst hat die Gabe etwas voranzutreiben“ Silvia Salzmann, Tänzerin _ Höchst/Vbg. 14.10.2022

Liebe Silvia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tag geht momentan von 8 bis mindestens 21 Uhr. Ich bin an einem Tag mit mehreren Projekten gleichzeitig beschäftigt. Diese Arbeit an einem Tag reicht von künstlerischen Prozessen, wie den Proben und der thematischen Recherche von Projekten, über bürokratische Arbeiten mit Anträgen, Konzepten und Abrechnungen zu Aufführungen.

Silvia Salzmann_Tänzerin, Choreographin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zuhören zu können, offen zu sein, ehrlich zu bleiben zu sich und anderen. Und in kleinen Begegnungen und Schritten die Magie zu finden.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz, der Kunst an sich zu?

Das Risiko einzugehen zu reflektieren und miteinander zu sprechen und zuzuhören.

Die Kunst hat die Gabe etwas voran zu treiben und Menschen zusammen zu bringen. Der Tanz löst direkt im Körper etwas aus, eine Bewegung die sich innerlich regt und etwas bewirkt: Im Verhalten, im Denken, im Fühlen, im Handeln jedes einzelnen.  

Was liest Du derzeit?

NORA (ein Puppenheim) von Henrik Ibsen

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mich interessiert nicht so sehr wie sich Menschen bewegen, sondern was sie bewegt. – Pina Bausch

Silvia Salzmann_Tänzerin, Choreographin

Vielen Dank für das Interview liebe Silvia viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanz-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Silvia Salzmann_Tänzerin, Choreographin

AKTUELL

Fotos_Sarah Mistura

2.10.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wir frühstücken mit Blick auf den Märchengarten, bis der Frost kommt“ Dagmar Cechak, Schriftstellerin _ Klagenfurt 13.10.2022

Liebe Dagmar, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Normalitäten als normal empfinden, gleich in der Früh. Beim Öffnen der Haustür, um die Zeitung hereinzuholen, mit der Nachbarin plaudern, ohne auf Distanz zu gehen. Zum Glück kommt mein Zeitungsausträger noch pünktlich. Das Surren und Brummen der Kaffeemaschine hören, den Duft des frischen Bauernbrotes einsaugen, alles was nötig ist auf das ziselierte Tablett häufen und in den Wintergarten tragen. Wir frühstücken dort, mit Blick auf den Märchengarten, bis der Frost kommt.

Das Schweigen genussvoll, nur untermalt vom Rascheln der umgelegten Seiten. Lesen, Kaffeetrinken, Essen, Rausschauen. Tagesbeginn.

Dann erledigen, was erledigt werden muss.

Dann, wenn Zeit ist, Schreiben, Lesen, Überarbeiten. Mit der Malerin reden, die meine Freundin ist über ihre Art zu Malen, über meine Art zu schreiben, über Bilder, Texte und die Welt. Mit den Autorinnen meiner Gruppe, scribaria, Schreibimpulse austauschen, gemeinsam schreiben, die besten Texte in ein Buch verpacken. (2022 präsentiert den neuesten Band: „Zukunftsreich“)

Familienzeit nehmen. Die Ideen der Jungen und der ganz Alten aufsaugen und dann doch die eigenen verwenden, die durch den Austausch vielleicht abgeschliffen, umgeformt, verformt oder aufpoliert werden oder ganz neu.

Lang sind die Abende und gut. Und kurz die Nächte.

Dagmar Cechak, Schriftstellerin 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Kritisch sein und wachsam, das ist wichtig. Meinungen nicht ändern, nur weil „alle“ das plötzlich tun. Analysieren, durch-schauen durch trübe Gewässer und versuchen, den Anker nicht aus den Augen zu verlieren, der tief unten am Grund das Boot noch hält.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es kommt die neue Sparsamkeit. Die Älteren haben sie schon kennengelernt in der Kindheit. Man hat sie gesehen bei den Großeltern, hat ein wenig darüber gelächelt, wenn nichts weggeworfen wurde, wenn aufgepasst wurde auf Dinge, damit sie lange halten. „Nachhaltig“, das Wort kannte man nicht, man war es einfach. Manche haben es vielleicht übernommen, weil sie schon immer was gegen Verschwendung hatten. Die haben es heute leichter. Die anderen sehen die zahlreichen genialen Spar-Vorschläge, die Internet / Influencer /Trendsetter und sogar Politiker hervorbringen, mit beeindrucktem Erstaunen und benennen sie englisch. So passen die langweiligen Werte der Alten in unsere Zeit, und man „saved“ Lebensmittel, isst „the best of the rest“, „upcyclt“ was das Zeug hält, und schaltet demnächst vielleicht glatt das Licht aus, das sinnlos den ganzen Tag vor sich hin brennt.

Die bildende Kunst ist schon aufgebrochen in neue Welten, die aus dem Alten entstehen, bedient sich gerne verschiedener Abfallprodukte des täglichen Lebens oder der Industrie, arbeitet damit, arbeitet um und macht sichtbar.

Die Literatur sucht Worte im Wortlosen, sucht Sagbares im Unsagbaren, sie berichtet und erzählt, sie darf werten und urteilen, denn sie ist Literatur.

Und trotzdem finde ich, dass Kunst und Literatur im Allgemeinen nicht immer eine Rolle haben müssen. Sie müssen gar nichts, denn gerade diese Freiheit ist Kunst

Was liest Du derzeit?

Utopia von Thomas Morus

Gerade beendet: Adas Raum von Sharon Otoo und In ihren Stiefeln von Katharina Springer

Nebenher immer wieder Krimis

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Die Fähigkeit, etwas schön zu finden, ist die einzige mögliche Erlösung im Leben“. (Martin Walser in einem Interview)

Vielen Dank für das Interview liebe Dagmar, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Dagmar Cechak, Schriftstellerin 

Foto_privat

8.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Realitätsverweigerung“ Chris Adel, Schriftsteller_Give Peace A Chance_Wien 13.10.2022 

GIVE PEACE A CHANCE


Realitätsverweigerung


Gut eingehüllt in einer Blase, 

Ich und meine Familie, mit unseren sieben Sachen. 

Verblendet – ich schaue, höre weg, wenn ein Wort vom Krieg fällt; 

Essen bleibt mir im Hals stecken, Neuronen geraten auf die schiefe Bahn; 



Penetrant sind die News, sie werden ausgeblendet, 

Einzig die Lotterie are the powers that be, 

Auch die Flüchtlinge halte ich nur für Besucher, 

Christ bin ich schon lang nicht mehr, im kapitalistischen Sinn 

Erst ab fünf Richtigen lohnt sich ein Lottogewinn erst richtig. 



Außerdem: mein Baby ist mein Herr und Meister, 



Café Hawelka, mein Manuskript, die Teilzeitarbeit ist prekär  

Hausfrau, meine Frau strampelt wie ich! 

Ab und an ein Dreier für einen Einspänner! 

Nun, beim Abendessen, beobachten wir die vorüberfliegenden Urlaubscharterflüge – 

China,Columbia? – und ich denke, sie haben dieselben Überlebensmechanismen: 

Erst neulich glaubten sie wie ich eine glückverheißende Lüge! 


Chris Adel, 24.8.2022

Chris Adel, Schriftsteller  

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Chris Adel, Schriftsteller  

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Fotos_privat

Walter Pobaschnig _ 24.8.2022.

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„Mozarts Musik ist Schönheit und reine Perfektion“ Hristina Susak, Komponistin _Wien/Berlin 13.10.2022

Hristina Šušak, Komponistin, Performancekünstlerin _ Wien _ Berlin

Liebe Hristina, wir treffen uns hier im Herzen Wiens am Stephansplatz zu einem Fotoshooting. Hast Du im Stephansdom bereits eine Aufführung Deiner Kompositionen gehabt?

Im Stephansdom hatte ich leider noch keine Aufführung, da zeitgenössische Musik nicht so oft in Kirchen gespielt wird. Es ist aber mein großer Wunsch, meine Musik in Zukunft auch in einer Kirche und vielleicht genau im Stephansdom aufzuführen und dazu habe ich schon manche Ideen.

Ich bin von der Akustik von Kirchen fasziniert, welche auch meiner Kompositionästhetik entspricht. Auch eine Kirche für sich bedeutet viel für mich.

Dein neuer Lebens- und Kunstmittelpunkt wird jetzt Berlin. Wann und wie bist Du in Berlin angekommen?

Seit Oktober 2021 unterrichte ich Tonsatz an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Jetzt beginne ich parallel mit dem postgradualen Studium „Meisterklasse Komposition“ beim weltberühmten Kompositen Mark Andre an der Hochschule in Dresden.

Es hat auch geklappt, dass mein Verlobter mit seinem Doktorat in Physik auch in Berlin anfängt und wir sind vor ein paar Tagen gemeinsam nach Berlin umgezogen.

Berlin ist derzeit einer der wichtigsten Orte für Komposition und für Kunst generell.

Ich bin mit Berlin auch emotional verbunden, da mein Papa dort im Deutschen Herzzentrum und an der Charité Univerisität seine Subspezialisierung gemacht hat und ich als Kind ihn sehr oft besucht habe.

An welchen Projekten arbeitest Du derzeit?

Derzeit habe ich viele spannende Projekte, was mich sehr glücklich macht. Der weltberühmte Komponist Toshio Hosokawa hat mich bereits für 2 Aufträge im Japan vorgeschlagen und im Dezember soll ich nach Tokyo fliegen! Da wird mein neues Stück von der noh-Sängerin (traditionelle japanische Stimme) Ryoko Aoki in Kioi Hall uraufgeführt. Im März wird auch mein weiteres Stück für Shakuhachi und Blockflöte in Yodobashi Kirche gespielt.

Weiters wurde ich auch von meinem derzeitigen Professor Mark Andre für zwei Projekte vorgeschlagen: mein Orchesterstück Τα Άχραντα Πάθη wirs im Semperoper von der Hochschulorchester der HfM Dresden aufgeführt und im Juni noch ein neues Stück vom MDR Orchester. Weitere Aufführungen habe ich z.B. diese Woche in Wien in der Alten Schmiede, nächste Woche in Leipzig im Rahmen vom Impuls Festival. Im Frühling kommen noch zwei Aufführungen vom Phace Ensemble im Wiener Konzerthaus, dann weiter vom Arditti Quartett, usw.

Wir sind jetzt am Weg zum Mozarthaus. Welche Bedeutung hat Mozart für Dich persönlich und als Komponistin?

Seit meiner Kindheit ist Mozart mein Lieblingskomponist aller Zeiten; nicht nur ein Lieblingskomponist, sondern auch eine Lieblingspersönlichkeit. Als ich klein war und auch später während meiner Schulzeit, wusste jeder, dass ich mit Mozart verheiratet war. 🙂

Die Schönheit und die reine Perfektion, gleichzeitig eine vollkommene Einfacheit, sind für mich in Mozarts Musik wie ein Axiom. „Wenn man etwas nicht einfach erklären kann, hat man es nicht verstanden“ sagte damals A. Einstein; dieses Konzept fühle ich auch immer wieder: wenn ich komponiere, wenn ich konzeptuelle Performances mache, wenn ich über Mathematik und Physik lese, oder wie auch immer im Alltag.

In der Musik Mozarts fühle ich mich wie Zuhause.

Welche weiteren Komponisten*innen sind für Dich bedeutsam?

Von den älteren definitiv Bach und Tschaikowsky: seine slawische Melancholie und besonders die Orchestration. Aus dem 20. Jahrhundert schätze ich sehr die Klangsprache vom Krzysztof Penderecki und György Ligeti und von den lebenden Komponistinnen identifiziere ich mich mit der Musik von Toshio Hosokawa, Mark Andre und Iris ter Schiphorst. Von allen drei habe ich auch eine große Unterstützung, wofür ich sehr dankbar bin. Ich glaube, manche Leute auf unserem Lebensweg sind einfach das Schicksal.

Hat Dich Wien als Komponistin inspiriert?

Auf jeden Fall. Ich bin nach Wien als junges Mädchen gekommen und in dieser auch musikalisch so traditionsreichen Stadt wurde mir die ganze Welt der zeitgenössischen Musik eröffnet. Am Anfang war es für mich sehr schwierig, solche große Änderungen in meiner musikalischen Denkart zu akzeptieren, aber dank meiner Professorin Iris ter Schiphorst, die mich nicht nur als Komponistin sondern auch als Person unterstützt hat, habe ich meine eigene Sprache und den Weg in die zeitgenössische Musik gefunden.

Wir spazieren jetzt über den Wiener Graben. Welche Orte schätzt Du in Wien besonders?

Vor allem das Mozarthaus. Als ich nach Wien umgezogen bin, war ich da sehr oft. Einmal habe ich zu meinen Eltern gesagt, ich besuche das Mozarthaus so oft wie die Kirche.

Meine Uni, MDW, ist auch einer der wichtigsten Orte in Wien für mich. Da habe ich mit siebzehn Jahren mit meinem Studium angefangen; da habe ich 9 Jahre verbracht; da bin ich als Komponistin, Künstlerin und Person aufgewachsen.

Ist der Herbst eine Jahreszeit, die Du persönlich und auch als Komponistin schätzt?

Jede Jahreszeit inspiriert mich im Moment, wenn sie kommt. Der Herbst ist wahrscheinlich meine Lieblingsjahreszeit. Da beginnt die Uni, beginnt das Chaos, aber gleichzeitig die Melancholie und das Konzept der Vergänglichkeit.

Was wirst Du an Wien vermissen?

Vor allem alle meine Freunde und Professorinnen, meine Uni, das Mozarthaus, kleine Straßen, und natürlich der starke Wiener Wind, welcher meine Frisur immer kaputt gemacht hat und worauf ich immer wieder geschimpft habe . 🙂

Hristina Šušak, Komponistin, Performancekünstlerin _ Wien _ Berlin

Herzlichen Dank für das Interview, liebe Hristina, alles Gute für Deine aktuellen Pläne und das Ankommen in Berlin!

„Vienna Calling“ _ Porträt in Wort und Bild_

im Gespräch und Fotoporträt_

Hristina Susak, Komponistin, Performancekünstlerin _ Wien_Berlin

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _10.10.2022

Walter Pobaschnig  10_22

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