„Musik bietet einen Hafen an“ Martha M. Harreiter, Sopran _ Wien 8.9.2022

Liebe Martha, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf als freischaffende Sängerin gestaltet sich abwechslungsreich, je nachdem, ob ich gerade zuhause bin, probe und Projekte vorbereite oder ob ich für Produktionen und Konzerte unterwegs oder auf Reisen bin.

Tägliche Fixpunkte sind für mich Körperarbeit, Üben, Repertoire-Studium und Organisatorisches (d.h. E-Mails, Calls, Meetings, Marketing inkl. Aufnahmen, Veranstaltungen…). Während der letzten zwei Saisonen ging ich auch musikfernen Beschäftigungen nach. Ich schätze nun die zurückerlangte Zeit für die Musik ganz besonders. Natürlich bringt das nach den Covid-Jahren auch viel Arbeit des Neuaufbaus mit sich. Um bei all dem die Ruhe zu bewahren, helfen mir Meditation und Zeit in der Natur. Gemeinsame Erlebnisse mit meinen Lieblingsmenschen, Klavier spielen und lesen sind für mich „Inseln“, die mir Freude und neue Inspiration schenken.

Martha M. Harreiter, Sopran

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir sollten den Widrigkeiten, die wir aktuell durchleben, als Zivilgesellschaft entschlossen entgegentreten. Ich wünsche mir, dass wir einander aufbauen, Probleme gemeinsam lösen und die Schwächsten unter uns schützen. Ich bin überzeugt, dass wir großen Themen wie dem Klimawandel als Gemeinschaft begegnen müssen und dass der Einsatz für den Frieden, im Kleinen wie im Großen, nie vergeblich ist.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?  

Wir erleben seit Beginn der Covid-Krise sehr instabile Zeiten, verbunden mit einer ständigen Beschleunigung des Alltags und großen Verunsicherungen. Musik darf für mich einen Hafen anbieten, in dem man im Augenblick des Hier und Jetzt, bei sich ankommen kann. Manchmal entsteht dabei auch eine Klarheit im Herzen, die einen all die guten Möglichkeiten wieder erkennen lässt, die uns das Leben schenkt. Musik soll aufbauen und begleiten, sie darf wertfrei spiegeln, was uns bewegt.

Was liest Du derzeit?

“Was uns frei macht. Für eine Spiritualität der Entfaltung” von Matthias Beck

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Es ist ein großer Unterschied, ob ich etwas weiß, oder ob ich es liebe; ob ich es verstehe, oder ob ich nach ihm strebe.” (zugeschrieben Francesco Petrarca,

1304-1374) und immer R. M. Rilkes Briefe an einen jungen Dichter: “Die Zukunft steht fest, lieber Herr Kappus, wir aber bewegen uns im unendlichen Raume.”

Martha M. Harreiter, Sopran

Vielen Dank für das Interview liebe Martha, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Martha M. Harreiter, Sopran

www.marthaharreiter.com

Instagram-Account @harreiterma

Fotos_Andrej Grilc

2.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„periscopisches“ Tibor Schneider, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Esslingen/D 8.9.2022

GIVE PEACE A CHANCE

periscopisches


Gegenminzen auf dem feld.

Immer einen schritt im vacuum voraus.

Vor allem die leiber in der luft.

Evident durch den mond als zeugen.

Provinzbücher alter zeitgenossen.

Ein grausamer caltwettervorhang den caum jemand spürt.

Als ob die sternencinder zu früh in der oblast galiziens ausriefen:

Caiser unser imperator mutti.

Ein mütterchen winkt mit fleischlosen zähnen den drohnen ab.

Aus uns wird noch ein geniales genixe!

Caum fliegt ein schmettreling über die mauer.

HOPS sagt die lovely bloom.

Aber & allerdings gehen gechillt zum croaten essen.

Nicht dass man dort die turmalingartenwirkung nicht kennen würde.

Cein krieg wohnt den birnen gegen die/den äpfelsinnen inne.

Es geht ganz einfach auch ohne some kind of humanes periscop.


Tibor Schneider, 24.8.2022

Tibor Schneider, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Tibor Schneider, Schriftsteller

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 24.8.2022.

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„Schwerer als das Licht“ Tanja Raich. Roman. Blessing Verlag.

Tanja Raich, Schriftstellerin

Da sind das Meer und die Insel. Da ist ein Mensch und da sind die anderen. Ein Gegenüber zu allem. Ein täglicher Kampf beginnt. Gegen die Natur, gegen den Tod. Gegen die Zeit hier, die sich dem Ende zuneigt…

„War es schon Tag geworden oder war immer noch Nacht? Welchen Weg sollte sie dieses Mal nehmen? Kurz spürte sie den Boden nicht mehr. Eine Leere umgab sie, ein großes Nichts, das sie langsam verschluckte…“

Tanja Raich, für ihren Debütroman „Jesolo“ (2019) für den Österreichischen Buchpreis wie dem Alpha Literaturpreis nominiert, katapultiert Leserin und Leser mit ihrem zweiten Roman „Schwerer als das Licht“ gleichsam in eine mitreißende Wort- und Bilderwelt, von der es, wie für die namenlose Ich-Erzählerin im täglichen dystopischen Lebenslauf von Hunger, Angst und Einsamkeit kein Entkommen gibt. Es ist eine faszinierende direkte Sprach- und Erzählkraft, die unmittelbar bildlich wie situativ hineinzusetzen vermag und in welcher Wörter wie Farben auf der Leinwand Aktion, Spannung wie Empathie in Form und Ansprache einzigartig zu erzeugen vermögen.

Literaturgeschichtlich nimmt Tanja Raich in „Schwerer als das Licht“ äußerst bemerkenswert den existentiell gesellschaftskritischen Kontext des Verschwindens, etwa bei Ingeborg Bachmann, Ilse Aichinger oder Birgit Birnbacher, auf und führt diesen in einen elementaren Kontext eines Überlebenskampfes der Natur gegenüber weiter, in dem der Mensch ganz auf Bedürfnis und Instinkt gestellt ist und sich gegen das Verschwinden angesichts der elementaren Gewalt der auflösenden Welt selbst stemmt. Es ist ein postkultureller dystopischer Zustand, in dem Kraft, Macht der Natur in den Fokus des Ausgangs- wie Horizontpunktes des Menschseins und -vergehens treten. In allem zerstörerischen Movens des Bestimmt-, und Umgebenseins von Natur klingt aber auch eine Seinsklammer von Anfang und Ende im Hoffnungshorizont an und nimmt damit eine apokalyptische Wendung als Referenz hinzu.

„Eine packende wie raffiniert hintergründige dystopische Parabel über Mensch, Natur und Zeit, die in expressionistischer Sprachschönheit vielstimmige spannende literarische Referenzen anklingen lässt und damit selbstbewusst umgeht.“

Tanja Raich, Schriftstellerin

Romanneuerscheinung: „Schwerer als das Licht“ Tanja Raich. Roman. Blessing Verlag.

Besprechung_Walter Pobaschnig 9/22

Alle Fotos_Portrait_Walter Pobaschnig_Station bei Malina_ Wien 6/20

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„Holzofen heizen, Frühstück richten, Hund versorgen, Schwammerl suchen“ Tanja Wildbahner, Schriftstellerin _ Radenthein/Ktn. 7.9.2022

Liebe Tanja, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Holzofen heizen, Frühstück richten, Hund versorgen, Schwammerl suchen, Ofen heizen fürs Mittagessen, im Trivial Pursuit gegen meine Kinder verlieren, wieder den Ofen anschüren, um Kaffee zu kochen. Dazwischen ganz viel lesen und Bogenschießen. So sehen derzeit meine Urlaubstage in unbeschwerter Abgeschiedenheit auf einer Kärntner Alm aus.

Tanja Wildbahner, Schriftstellerin  

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Diese Frage ist für mich ohne Kontext zu offen gestellt, um sie konkret beantworten zu können.  Außerdem kann ich nur für mich selbst sprechen und nicht für alle. Dies bedeutet in meinem Fall, dass ich JETZT GERADE hoffe, den Schulstart mit drei Kindern ohne gröbere Zwischenfälle hinter mich zu bringen, während parallel diverse Renovierungsarbeiten am Haus laufen. Natürlich könnte ich hier Stellung beziehen zur Welt- und Innenpolitik, aber ich bin der Meinung, das führt zu weit und gleichzeitig zu nichts, denn die ganz persönlichen Themen, die für jede und jeden Einzelnen von uns Bedeutung haben, können auf diesem Weg kaum gelöst werden.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Jede Kunstform sollte auf Perspektivenvielfalt achten und sich nicht für eine Retter – Oper-Täter-Kategorisierung instrumentalisieren oder gar missbrauchen lassen. Damit geraten alle Beteiligten in ein Dreieck der Hilflosigkeit. Solches schwarz-weiß-Denken brauchen wir nicht, um unsere Gesellschaft voran zu bringen, denn dies, so zeigte es uns die Geschichte bereits, führt zu nichts als Spaltung und Terror.

Was liest Du derzeit?

Jan M. Malecki (2021). A history of Krakow for everyone.

Rebecca Gablé (2011). Der dunkle Thron.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„It´s the end of the world as we know it. And I feel fine.” (Michael Stipe aus dem gleichnamigen Song von R.E.M.)

Tanja Wildbahner, Schriftstellerin  

Vielen Dank für das Interview liebe Tanja, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Tanja Wildbahner, Schriftstellerin  

https://www.schriftstellerin-radenthein.com/

Fotos_privat

5.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„As a warless child“ Kathrin Schadt, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Berlin 7.9.2022

GIVE PEACE A CHANCE

AS A WARLESS CHILD
         I DON´T FIND APPROPRIATE WORDS ABOUT WAR

hitzik G abe                                     (Baskisch)

  so’zsI z                                           (Usbekisch)

         bezmoV nyy                                      (Ukrainisch)

          E ajiz ean alkalam               (Arabisch)

  sen P arola                                    (Esperanto)

        senzaparoll E                                        (Korsisch)

di-iA ith                                           (Walisisch)

   h C akarr mae                              (Birmesisch)

  bE zmolvnyy                                 (Russisch)

 Ni:Śabd A                                                   (Nepalesisch)

        spraC hlos                                          (Deutsch)

mal mosH aneun                                      (Koreanisch)

 hA dal la’aan                                (Somali)

oN lshun                                         (Jiddisch)

       gan C haint                                          (Irisch)

 t E u bisa ngomong                      (Sundanesisch)

Kathrin Schadt, 26.8.2022

Kathrin Schadt, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Kathrin Schadt, Schriftstellerin

Kathrin Schadt, mehrere Buchpublikationen. In mehrere Sprachen übersetzt. Auszeichnungen für Literatur, Film, Hörfunk. Veröffentlichungen auch als Journalistin in Printmedien (u.a. DIE ZEIT, FAZ). Gastgeberin für internationale Literaturfestivals. Gründerin der Poesiewerkstatt POEDU. Zuletzt erschienen: POEDU – Poesie von Kindern für Kinder (ELIF VERLAG 2022, 2023); Hrsg. Anthologie „Brotjobs & Literatur“, (Verbrecher Verlag, 2021); Greta klebt da, Kinderbuch trilingual (Bübül Verlag, 2021). Auszeichnungen zuletzt: Franz-Edelmaier-Residenz für Literatur und Menschenrechte 2022, Aufenthaltsstipendium für aktuelles Romanprojekt. Momentan bewegt sich ihr Leben zwischen Stuttgart, Berlin und Barcelona, mit ihren beiden Töchtern Greta und Noe.

Foto_Alexander Rademakers

Walter Pobaschnig _ 26.8.2022.

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Station bei Falco_“Im Stiegenhaus gab es ein freundliches „Hallo, wie geht`s?““ _ Wohnhaus Falco, Sänger, Musiker _ Wien 6.9.2022

Wohnhaus Falco_Wien 1983-1996_
Falco, Sänger, Musiker (*1957 Wien +1998 Dominikanische Republik)

Gespräch Nachbar: „Falco lebte hier von Mitte der 1980er Jahre bis zu seinem Umzug in die Dominkanische Republik (1996 Anm.) Dann übernahm seine Mutter seine Wohnung im Haus bis sie ins Pflegeheim zog.

Falco war hier im Haus der Hans Hölzel und wir begegneten und grüßten uns freundlich im Stiegenhaus wie alle Nachbarn. Sein Lebensrhythmus als Musiker war anders als meiner, daher begegneten wir uns nicht so oft.

In seiner Wohnung hat er sich einen schalldichten Raum als Arbeitsraum für seine Musikprojekte hergerichtet. Im Haus war da nichts zu hören.“

Gespräch Nachbarinnen (Tochter/Mutter): (Tochter) „Ich war 5 Jahre alt als Falco hier einzog. Ich bin mit ihm als Nachbar aufgewachsen. Es war eigentlich unauffällig. Für meine Freunde war das natürlich sehr besonders.

Wenn wir es nicht gewusst hätten, dann wäre es von seinem Lebensstil hier nicht ersichtlich gewesen, dass er ein Superstar ist. Da waren wir Kinder wahrscheinlich auffälliger und lauter als der Herr Johann Hölzel (lacht).

Einzelne Fans kamen und kommen immer noch hierher. Aber das sind keine Massen an kreischenden Fans. Damals und heute nicht. Mein Bruder wurde in den 1980/90er Jahren öfters von weiblichen Fans angesprochen, weil sie zu Falco wollten.

Falco kam zur Geburtstagsparty meiner Schwester. Sie lud dazu alle BewohnerInnen im Haus mit einem Aushang ein. Falco kam auch und brachte als Geschenk eine signierte Schallplatte, die rote Pressung Falco 3, mit. Leider wurde die Schallplatte dann bei einer weiteren Party gestohlen.

Das Bild mit der schwarzen Sonnenbrille, das war ganz er. Man hat ihn nie ohne Sonnenbrille gesehen. Ob Sommer, Winter. Im Stiegenhaus gab es ein freundliches „Hallo, wie geht`s?“, da war gar keine Arroganz, aber es gab jetzt keine weiteren Gespräche, Begegnungen.“

(Mutter) „Ich habe lange nicht mitbekommen wer da neu eingezogen ist. Meine Kinder vermutlich früher. Falco wohnte hier alleine. Mit seinem Einzug hat er den Raum über meinem Schlafzimmer schalldicht adaptiert. Er war ein sehr angenehmer Zeitgenosse und es hat sich niemand beschwert.

Er hatte mal eine Freundin mit einem Hund. Mit dem Hund wurde nur Englisch gesprochen. Nach seinem Tod wohnte seine Mutter noch lange hier. Ich kannte sie sehr gut. Wir haben da nachbarschaftlich auch geholfen.“

Falco (Hans Hölzel) wurde am 19.Februar 1957 in Wien geboren und zog nach den ersten großen Musikerfolgen („Der Kommissar“ 1981) von Wien-Margarethen (er übernahm da die kleine Wohnung der Großmutter) in eine neue größere Wohnung in Wien-Neubau mit Musikstudio um.

„Von den ersten großen Lizenzabrechnungen…und einem kleinen Vorschuss obendrauf hatte sich Hans eine Wohnung im 7.Wiener Gemeindebezirk..gekauft, das wurde über lange Jahre für Hans Fluchtburg und Insel, Rückzugsgebiet und sicherer Hafen.“

Horst Bork, Falco: Die Wahrheit. Schwarzkopf&Schwarzkopf Verlag. 2020, 51.

Horst Bork war von 1983 bis 193 Falcos Manager und enger persönlicher Vertrauter

Nach dem Umzug in die Dominikanische Republik 1996 starb Falco bei einem Autounfall ebendort am 6.Februar 1998. Am 14. Februar 1998 wurde Falco in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof unter großer Anteilnahme beigesetzt.

Falcos „Rock me Amadeus“, 1985, Produzenten: Bolland&Bolland,
erreichte als bis heute als einziges deutschsprachiges Lied die Spitze der US-Charts.

Falcos Mutter, Maria Hölzel, starb am 13. April 2014 im Alter von 87 Jahren. Maria Hölzel wurde im Grab ihres Sohnes beigesetzt.

Falcos Vater Alois Hölzel starb am 19. August 2019 im Alter von 91 Jahren.

Wohnhaus Falco_Wien 1983-1996_

Herzlichen Dank an alle BewohnerInnen für die freundliche Kooperation!

Alle Fotos&Interviews_Walter Pobaschnig

literaturoutdoors 9_22

„Kino ist mehr als nur Filme zu zeigen!“ Marie Theres Relin, Schauspielerin _ Wasserburg/Inn/D 6.9.2022

Liebe Marie Theres, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nach dem Aufstehen starte ich, wie alle Wohlstandswesen der westlichen Welt, meine technischen Geräte – meist noch vor dem Kaffee. Dann versuche ich dem entgegenzuwirken und meinen Geist durch Yoga und Bewegung – wie Schwimmen oder Radfahren – in Schwung zu bringen.

Ab dann ruft die Disziplin: als Kreative muss ich mir für all meine Projekte die Arbeitszeit selbst einteilen in meinem One-Woman-Unternehmen. Plakate, Booklets, Flyer, Webdesign, Texte zu den unterschiedlichsten Projekten. Ich hab viele Baustellen. Meine Region18 Kinoevents, meine Teneriffa Reisen, meine Bücher … und mein neuester Streich ist Fernsehen ins Kino zu bringen oder besser ihre Stars. Kleine Sünden –> https://region18.de/kleine-suenden/  oder Barbara Wussow und die Schwarzwaldklinik als „5 € Luxus-Event“. -> https://region18.de/barbara-wussow/

Kurz: All meine Berufe – von der Hausfrau zur Eventmanagerin – sind mega anstrengend. Ein Königreich für eine Rolle! Die Schauspielerei wurde mir in die Wiege gelegt und ist für mich wie Urlaub. Wie herrlich weisungsgebunden und gut bezahlt zu sein.

Marie Theres Relin_
Schauspielerin, Autorin, Journalistin, Region18-Kinoevents, Reiseleiterin, Frauenrechtlerin, Mutter, Hausfrau

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dankbarkeit. Wenn man Dankbarkeit verspürt, wird man sich der Dinge bewusst und nimmt nicht alles selbstverständlich. Das geht von der Natur, übers Wasser, dem Zwischenmenschlichen bis zur Kunst. Egal was, Dankbarkeit spitzt jeden Gedanken.

Besonders wichtig ist für mich zudem der Feminisierung der Altersarmut entgegenzuwirken. Wenn wir die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung – „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ – auch umsetzen würden, hätten wir schon viel erreicht. Tatsache ist aber, dass Frauen generell weniger verdienen als Männer. Warum? Auch in Sachen Familienplanung ist ein Umdenken nötig. Denn merke: Ohne Mütter gibt es auch keine Gesellschaft!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Hoch lebe die Wiederholung. Nur ein ständiges Wachrütteln bewegt die zum Teil in Lethargie steckende Gesellschaft.

Kunst, Theater, Kino sollten den Bildungsauftrag noch im Hinterkopf haben und nicht nur zur Unterhaltung dienen. Die Magie des geschlossenen Raums kann viel bewegen, vor allem auch Emotionen. Mit meinem Charity-Baby „Kino Frauen aller Kulturen“ konnte ich die unglaublichen Fortschritte der Frauen beobachten. Mein Inklusionsprojekt läuft mittlerweile sehr erfolgreich in 4 Städten (München, Wasserburg, Trostberg und Kaiserslautern). Kino ist mehr als nur Filme zu zeigen!

Was liest Du derzeit?

Maxi Wander „Guten Morgen Du Schöne“ – Gesprächsprotokolle von 19 Frauen über Lust, Leben, Sehnsucht, Forderungen und Lebenswandel. Der Klassiker ist nach wie vor aktuell. Das ist mein Buch für unterwegs.

Daheim lese ich – wiedergefunden auf dem Flohmarkt – von David Douglas Duncan „Picasso und Jaqueline“. Eintauchen in eine andere Welt. Was für eine Liebe, was für ein Frauenschicksal. 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Den Schlusssatz von Mario de Andrades Gedicht „Meine Seele hat es eilig“ (siehe Gedicht unten):

„Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.“

MEINE SEELE HAT ES EILIG.

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.

Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat:

Die ersten isst es mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig sind, beginnt es sie wirklich zu genießen.

Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen, die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind.

Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeit zu kämpfen.

Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren. Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.

Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.

Meine Zeit ist zu kurz, um Überschriften zu diskutieren.

Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süßigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind.

Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden.

Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen.

Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten.

Es ist das, was das Leben lebenswert macht.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren. Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.

Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden.

Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden als die, die ich bereits gegessen habe. Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.

Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

von Mario de Andrade (San Paolo 1893-1945)

Marie Theres Relin_
Schauspielerin, Autorin, Journalistin, Region18-Kinoevents, Reiseleiterin, Frauenrechtlerin, Mutter, Hausfrau

Vielen Dank für das Interview liebe Marie-Theres, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Buch-, Kino-, Kunst-, und Gesellschaftsprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Marie Theres Relin_Schauspielerin, Autorin, Journalistin, Region18-Kinoevents, Reiseleiterin, Frauenrechtlerin, Mutter, Hausfrau

marie-theres.com 

Fotos_1) Thomas & Thomas / Martin Hangen 2) © Agentur Schneider Press/ Richard Fechter

4.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ganz begreift man nie“ Achim Engstler, Schriftsteller _Give Peace A Chance _ Hannover 6.9.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Ganz begreift man nie.

Im besten Fall zum Teil.

Versucht, die Dinge klar zu sehen,

Ehrlich, im Licht, von allen Seiten,

Philosophisch vielleicht, mit

Einem Blick von Nirgendwo.

Alles viel verlangt. Führt auch zu nichts.

Cf. die Skeptiker: Pro und Contra haben gleiches Gewicht,

Epoché ist nötig, die Zurückhaltung des Urteils.

Aber:

Cf. Laotse, andererseits, der verschwand,

Hinfort ritt, auf einem Maultier,

Als gesagt war, was er zu sagen hatte.

Nachwelten interessierten nicht, nicht der

Chromglanz des Ruhms.

Ein bescheidener Mensch. Friedlich.


 Achim Engstler, 4.9.2022

Achim Engstler, Schriftsteller  

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Achim Engstler, Schriftsteller  

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 4.9.2022.

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„Im Leben war ich Eure Plage“ Luthers Welt und sein Vermächtnis. Lyndal Roper. Klett-Cotta Verlag

2017. 500 Jahre Reformation. Viele Feierlichkeiten begleiten weltweit dieses besondere religions- wie welthistorische Ereignis.

Lyndal Roper, an der Universität Oxford lehrende Historikerin, die mit ihrer 2016 erschienen Biographie über die zentrale Gestalt dieser weltverändernden Epoche – Martin Luther – ein viel Aufmerksamkeit erregendes Buch verfasste „Der Mensch Martin Luther, steht nun auf der Kanzel der Wittenberger Stadtkirche. Die Tochter eines australischen Pfarrers in Melbourne denkt am Weg die Kanzelstufen hinauf nun an ihren kürzlich verstorbenen Vater und seinen Weg zur sonntäglichen Predigt und die Herausforderung des Wortes zwischen Himmel und Erde als Botschaft von Mensch zu Mensch. So war es bei Martin Luther, ihrem Vater. Und wie wird es jetzt sein? Für sie selbst?

Lyndal Roper beginnt ihre Ansprache unter dem Eindruck des antisemtischen Reliefs auf der Außenseite der Kirche und dies ist auch Thema im anschließenden Gespräch im Pfarrhaus. In diesem und danach reift der Gedanke ein weiteres Buch über den Menschen, Mann, Gelehrten seiner Zeit Martin Luther wie seine Darstellung und Rezeption in der Zeit wie der Jahrhunderte danach zu schreiben.

Das beeindruckende Ergebnis ist nun diese vorliegende Ausgabe, in welcher in sieben Kapitel umfangreiches historisches wie zeitgeschichtliches Material die Fragestellungen zur Person Luthers und seiner Lebens- und Geisteswelt wie der Nachgeschichte, behandelt werden. Dabei gibt es neben bester historischer Forschung auch viele kritische aktuelle Bezugspunkte.

„Ein wichtiges wie spannendes religionshistorisches Buch, das viele Aspekte zu Leben, Werk und Wirkung Martin Luthers öffnet und Impulse zu kritischer Reflexion bietet.“

Buch: „Im Leben war ich Eure Plage“ Luthers Welt und sein Vermächtnis. Lyndal Roper. Klett-Cotta Verlag

Walter Pobaschnig 9_22

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„Den Menschen helfen, zuhören, ihre Sorgen teilen“ Brigitte Lichtenhofer-Wagner, Bildende Künstlerin _ Wien 5.9.2022

Liebe Brigitte, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Eigentlich nicht anders als an den vergangenen letzten Tagen, Monaten, 2 Jahren. Nach dem Aufstehen, ziemlich früh, muss ich zuerst einmal meinen Geist und Körper mit kleinen Dehnungs- und Turnübungen auf den Tag vorbereiten. Dann Badezimmer, Kaffee, Kaffee, Kaffee und steht nichts Besonderes im Terminkalender, verbringe ich den Tag im Atelier.

Die erste Zeit im Lockdown habe ich genossen. So viel Zeit, die ich mit skizzieren, malen, neue Ideen umsetzen, ausfüllen konnte, war schon lange nicht vorhanden. Auch trudelten Auftragsarbeiten herein, also ich hatte genug zu tun.  Mit Freunden, der Familie wurde telefoniert, geschrieben – ich verspürte keinen sozialen Entzug. Ich bewegte mich viel im Freien, in der Natur, da ich einen Hund zu betreuen hatte, mir ging nichts ab!  Glaubte ich!  Den Entzug der Umarmung, eines Lächelns, der Mimik des gegenüber Sitzenden bekam ich nach dem 2.Lockdown zu spüren.

Da zeigte sich wieder, wie sehr man auf sich und die anderen achten muss, um nicht in ein tiefes Loch zu fallen.

Aber nun, wo fast wieder alles möglich ist, die Kunst-Angebote stehen im Überfluss bereit, habe ich das Gefühl, die Besucher, Konsumenten halten sich etwas zurück. Es ist nicht mehr so wie früher, in den letzten Jahren ist etwas mit uns geschehen.

Brigitte Lichtenhofer-Wagner, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was zählt? Was ist wichtig? Was kann ich beitragen? Das sind gute Fragen, die ich gar nicht so einfach beantworten kann! Es ist sehr komplex, dazu gehört ebenso die Frage wie wir mit dem Klimawandel umgehen, der Nachhaltigkeit und worauf wir achten sollen.

Aber ganz wichtig ist meiner Meinung nach, dass wir uns respektvoll begegnen. Achtung voreinander haben, den Menschen, die es nötig haben, helfen, ihnen zuhören, ihre Sorgen teilen und aufzeigen, auch wenn es unangenehm ist.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die Empathie, das Mitgefühl bzw. Einfühlungsvermögen sind Grundfähigkeiten, die wir brauchen, um als Gemeinschaft existieren zu können.

Das gilt ebenso für die Kunst. Sie hat die Möglichkeit, in subtilster Weise sowohl die Schwächen als auch die Stärken des gesellschaftlichen Zusammenlebens aufzuzeigen. Die Kunst kann inspirierend wirken und so auf manche Sicht- und Denkweisen positiv Einfluss nehmen.  

Was liest Du derzeit?

„Wilderer“ von Reinhard Kaiser-Mühlecker

„Bild und Zeit“ eine Theorie der Bildbetrachtung von Johannes Grave

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Immer, wenn wir lachen, stirbt irgendwo ein Problem“  (Da ich ein positiv denkender Mensch bin und gerne lache, war dieses Zitat mein erster Impuls)

„jedes Ende ist ein neuer Anfang“

Brigitte Lichtenhofer-Wagner, Bildende Künstlerin

Vielen Dank für das Interview liebe Brigitte, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Brigitte Lichtenhofer-Wagner, Bildende Künstlerin

https://www.atelier-lichtenhofer.at/show_content.php?hid=1

Fotos_privat.

8.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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