„Musik bietet einen Hafen an“ Martha M. Harreiter, Sopran _ Wien 8.9.2022

Liebe Martha, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf als freischaffende Sängerin gestaltet sich abwechslungsreich, je nachdem, ob ich gerade zuhause bin, probe und Projekte vorbereite oder ob ich für Produktionen und Konzerte unterwegs oder auf Reisen bin.

Tägliche Fixpunkte sind für mich Körperarbeit, Üben, Repertoire-Studium und Organisatorisches (d.h. E-Mails, Calls, Meetings, Marketing inkl. Aufnahmen, Veranstaltungen…). Während der letzten zwei Saisonen ging ich auch musikfernen Beschäftigungen nach. Ich schätze nun die zurückerlangte Zeit für die Musik ganz besonders. Natürlich bringt das nach den Covid-Jahren auch viel Arbeit des Neuaufbaus mit sich. Um bei all dem die Ruhe zu bewahren, helfen mir Meditation und Zeit in der Natur. Gemeinsame Erlebnisse mit meinen Lieblingsmenschen, Klavier spielen und lesen sind für mich „Inseln“, die mir Freude und neue Inspiration schenken.

Martha M. Harreiter, Sopran

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir sollten den Widrigkeiten, die wir aktuell durchleben, als Zivilgesellschaft entschlossen entgegentreten. Ich wünsche mir, dass wir einander aufbauen, Probleme gemeinsam lösen und die Schwächsten unter uns schützen. Ich bin überzeugt, dass wir großen Themen wie dem Klimawandel als Gemeinschaft begegnen müssen und dass der Einsatz für den Frieden, im Kleinen wie im Großen, nie vergeblich ist.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?  

Wir erleben seit Beginn der Covid-Krise sehr instabile Zeiten, verbunden mit einer ständigen Beschleunigung des Alltags und großen Verunsicherungen. Musik darf für mich einen Hafen anbieten, in dem man im Augenblick des Hier und Jetzt, bei sich ankommen kann. Manchmal entsteht dabei auch eine Klarheit im Herzen, die einen all die guten Möglichkeiten wieder erkennen lässt, die uns das Leben schenkt. Musik soll aufbauen und begleiten, sie darf wertfrei spiegeln, was uns bewegt.

Was liest Du derzeit?

“Was uns frei macht. Für eine Spiritualität der Entfaltung” von Matthias Beck

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Es ist ein großer Unterschied, ob ich etwas weiß, oder ob ich es liebe; ob ich es verstehe, oder ob ich nach ihm strebe.” (zugeschrieben Francesco Petrarca,

1304-1374) und immer R. M. Rilkes Briefe an einen jungen Dichter: “Die Zukunft steht fest, lieber Herr Kappus, wir aber bewegen uns im unendlichen Raume.”

Martha M. Harreiter, Sopran

Vielen Dank für das Interview liebe Martha, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Martha M. Harreiter, Sopran

www.marthaharreiter.com

Instagram-Account @harreiterma

Fotos_Andrej Grilc

2.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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