Derzeit gehe ich es sehr gemütlich an. Mir ist letztens aufgefallen, dass ich seit meinem Abschluss auf der Schauspielschule vor 10 Jahren jeden einzelnen Sommer gearbeitet habe. Diesen Sommer aber, habe ich beschlossen, gönne ich mir mal – wenn auch nicht den Ganzen. Anfang August beginnen die Proben für das nächste Projekt. Im Herbst spiele ich zum ersten Mal in Villach (Kärnten), der Stadt, in der ich aufgewachsen bin, darauf freue ich mich schon sehr.
Aber bis dahin besteht mein Tagesablauf aus Ausschlafen, dann ewig Café trinken, Radio hören und irgendwas lesen, Kochen, Freunde treffen, Kino, Konzerte, Donauinsel kurz Urlauben und oft sitze ich einfach nur da und schaue. Wegen der extremen Hitze mache ich das sehr gerne auch Zuhause.
Rina Juniku, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Was mir wichtig ist, ist Verständnis zu haben und dies zu zeigen – selbst, wenn es nicht immer leichtfällt. Anderen mit Respekt und einer gewissen Grundhöflichkeit zu begegnen, auch wenn man verschiedene Ansichten vertritt – nach dem Motto „agree to disagree“. Und ich meine nicht, dass man keinen eigenen Standpunkt haben und den auch verteidigen soll, im Gegenteil. Nur würde ich mir weniger Aggression dabei wünschen. Also denke ich, dass es auch wichtig wäre, einfach mal ein bisschen lieb zueinander zu sein.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Eine Stimmung des Aufbruchs ist klar spürbar. Individuell wie gesamtgesellschaftlich. Im Großen wie im Kleinen. Es hat was Überwältigendes. Damit geht auch oft das Gefühl der Angst einher und die darf nicht Überhand gewinnen.
Keine Angst! Das ist wesentlich denke ich. Keine Angst, respektvolles Miteinander und viel Ausdauer. Wir dürfen nicht aufgeben, sonst haben wir schon verloren – jede/r Einzelne muss sich dessen bewusst sein.
Das gilt ganz besonders auch für die Kunst. Nur muss die Kunst nicht lieb sein sondern laut, ungemütlich und pur. Sie darf es nicht Recht machen wollen. Sie muss Missstände aufzeigen, in welcher Form auch immer. Und das radikal! Kunst schafft einen Raum in dem wir einander ganz intim begegnen. Das darf nie verloren gehen. Gerade für den Wandel (einer Gesellschaft) spielt Kreativität eine besonders wichtige Rolle, um mit Gewohntem zu brechen, neue Blickwinkel zu erschließen und möglicherweise sogar Lösungsspielräume aufzuzeigen – im Sinne sozialer Gerechtigkeit.
Was liest Du derzeit?
Im Moment eigentlich nur den Falter.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Du hast deine Kindheit vergessen, aus den Tiefen deiner Seele wirbt sie um dich. Sie wird dich so lange leiden machen, bis du sie erhörst. (Narziss und Goldmund v. Hermann Hesse)
Vielen Dank für das Interview liebe Rina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Andrea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Einen festgesetzten Tagesablauf habe ich nicht. Es gibt Recherche- Inspirationsphasen – meist vor dem Laptop oder mit Bücher. Danach die Konkretiesierungsphase mit Stift und Papier oder andere Materialien die ich zusammenklebe, fotografiere mit dem Laptop bearbeite und weiterentwickle. Dies leitet in die Realisierungsphase, Pläne zeichnen (wieder am Laptop), mit Menschen in Kontakt trete, in der Welt herumlaufe um genau das zu finden was ich suche und brauche. Die Intensivphase kurz vor der Fertigstellung des Projektes wird es nochmal besonders spannend. Jedes Einzelteil sollte schon da sein wo es sein sollte und wünscht sich eine letzte Überprüfung.
Da ich in verschiedenen Projekten mitarbeite, fallen diese Phasen meist auch aufeinander. Das bedeutet für meinen Tagesablauf, dass ich an jedem Tag immer etwas Anderes mache. Jedes Thema und jedes Projekt, bei dem ich mitarbeiten darf, hat eine andere Thematik, andere Schwerpunkte und verlangt nach einer individuellen Herangehensweise. Aber genau darum bin ich Bühnen – und Kostümbildnerin geworden.
Zurzeit befinde ich mich in Spittal, Kärnten in Quarantäne, also mein Tagesablauf ist sehr eintönig geoworden. Das wird sich hoffentlich bald wieder ändern.
Andrea Meschik, Bühnen-, Kostümbildnerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Aufgrund der Informationsflut die über uns jeden Tag hereinbricht, meist nicht von der positiven Sorte, neigt man zu misanthropischen Zügen. Besonders wichtig ist es für das eigene körperliche Wohlbefinden zu sorgen und die Stärke zu besitzen nicht die Hoffnung aufzugeben.
Gegenseitiger Respekt und Wohlwollen sollte an erster Stelle stehen und nicht von Neid verdrängt werden.
„Die Neider sterben wohl, doch niemals stirbt der Neid.“ (Moliére)
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Der Begriff Neubeginn und Aufbruch haben sofort etwas Aufregendes an sich. Vor allem, wenn man nicht weiß wo die Reise hingehen wird. Wir werden es miterleben und mitgestalten. Was Aufregenderes kann es gar nicht geben. Unsere Fantasie und unsere Vorstellungskraft sind nun gefragt, aber auch unsere Fähigkeit der Selbstreflexion.
Die Rolle der Kunst wird in der Gesellschaft immer seinen berechtigten Platz beibehalten. Sowie die Gesellschaft sich dreht und wendet wird auch die Kunst dementsprechend antworten. Es gilt die gesellschaftlichen Entwicklungen, Ungleichgewichte, Benachteiligungen weiterhin aufzuzeigen. Fluchtwege/ Auswege und Utopien wie Dystopien zu entwerfen und auszustellen, Lösungsvorschläge aufzuzeigen wie auch weiterhin wichtige Fragen zu stellen.
Was liest Du derzeit?
„Push“ von Sapphire
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Can you read the whole thing?“ I say, „A Day at the Beach.“ She says very good and closes the book. I want to cry. I want to laugh. I want to hug and kiss Miz Rain. She make me feel good. I never readed nuffin´before.
Vielen Dank für das Interview liebe Andrea, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Bühnen-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lisa Kröll, Schauspielerin _ Wien _ reenacting Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris)
Liebe Lisa, gibt es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Schauspielprojekten?
Romy Schneider und ich haben beide in »Der Prozess« von Franz Kafka gespielt. Sie hat in der Verfilmung von 1962 unter der Regie von Orson Welles die Rolle der Leni verkörpert, ich die Frau des Gerichtsdieners in einer Dramatisierung von 2017 bis 2020 am Pygmalion Theater Wien unter der Regie von Geirun Tino.
Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?
Romy Schneider war bis zu ihrem Tod davon überzeugt, keine wirklich bedeutenden Filme gedreht zu haben. Aber beim »Prozess« hatte sie zum ersten Mal das Gefühl, etwas Außerordentliches geleistet zu haben. Deshalb möchte ich der vorhin erwähnten Prozess-Verfilmung eine besondere Gewichtung geben.
Auf ihre »Sissi«-Filme, die sie weltberühmt gemacht haben, werde ich nicht näher eingehen, denn das würde Romy wohl nicht besonders freuen! Sie hat so stark dafür gekämpft, ihr »Sissi«-Image abzuschütteln, um sich beruflich weiterentwickeln zu können.
Unbedingt erwähnen möchte ich auch noch, wie professionell sie die Rolle in ihrem letzten Film »Die Spaziergängerin von Sans-Souci« gemeistert hat. So kurz nachdem ihr eigener Sohn mit 14 Jahren beim Überklettern eines Zaunes gestorben war, mit einem fast gleichaltrigen Jungen vor der Kamera zu stehen, war bestimmt schwierig!
Romy Schneider spielte in ihren Filmrollen sehr intensiv und ausdrucksstark, auch körperlich, und ging bis an die Grenzen des persönlich Möglichen. Etwa in den Filmen »Nachtblende«, »Trio infernale« oder »Die Spaziergängerin von Sans-Souci«. Wie siehst Du als Schauspielerin die Darstellerin Romy Schneider?
Ich feiere alle Schauspielerinnen und Schauspieler, die mit Leidenschaft ihren Beruf ausüben und beim Spiel nicht darauf achten, ob sie schön oder toll als Person rüberkommen oder sich selbst dabei wohlfühlen, sondern alle Energie in die Rolle stecken. Das schätze ich auch an Romy Schneider.
Wenn ich eine Rolle annehme, dann ebenfalls mit vollem Einsatz. Ich mag keine halben Sachen.
Müssen Mensch und Rolle sich immer ganz nah, intensiv berühren, um diese spielen und auch das Publikum berühren zu können?
Auch wenn Romy stets den Eindruck erweckte, ihre Rollen mit eigenen Erfahrungen auszufüllen, betonte sie selbst immer: »Jeder, der glaubt, ich sei wie in meinen Filmen, ist ein Idiot.« Das kann ich für meine Rollen am Theater nur bestätigen. (lacht)
Würdest Du einen Film von Romy Schneider gerne spielen und wenn ja, warum?
Bisher war ich als Schauspielerin sehr aktiv auf der Bühne, den Bereich Film habe ich jedoch stiefmütterlich behandelt. Die intensive Beschäftigung mit Romy Schneider hat aber mein Interesse für diese Sparte geweckt!
Es gibt von Romy Schneider sehr viele Fotoserien. Gibt es eine Serie, die Du hervorheben möchtest?
Mir gefällt die Fotoserie von Helga Kneidl aus dem Jahr 1973 besonders gut. Die Theaterfotografin hat drei volle Tage mit Romy in Paris verbracht, in dieser Zeit aber nur wenige Male den Auslöser gedrückt. Diese Bewusstheit spürt man in den Bildern. Es sind unglaublich pointierte, intime Momentaufnahmen entstanden, die in starkem Kontrast zu heutigen Bildern von Stars auf Instagram stehen, die sich rund um die Uhr selbst inszenieren können.
Auch die Aufnahmen des Fotografen Will McBride aus dem Jahr 1964 finde ich sehr gelungen, welche wenige Monate nach der Trennung von Alain Delon in einem Pariser Hotelzimmer entstanden sind.
Wie siehst Du Romy Schneider vor der Fotokamera? Ist sie da Schauspielerin oder Privatperson oder beides?
Meiner Meinung nach liebten die Kameras Romy Schneider. Ihre natürliche Art und die makellose Schönheit waren wie für das harte Kameraauge gemacht. Sie trat auch ungeschminkt vor die Linse – in ihrer Eigenschaft als Schauspielerin.
Auch unser Projekt ist ein szenisches Foto/Interviewprojekt. Wie hast Du Dich im Vorfeld darauf vorbereitet und was ist Dir dabei wichtig?
Ich habe viele Informationen über Romy eingeholt und versucht, ihre Persönlichkeit und ihre Faszination zu verstehen. Auch die beiden vorhin erwähnten Fotoserien von ihr habe ich als Inspirationsquelle verwendet.
Schön finde ich auch, bei solchen Projekten spontanen Impulsen zu folgen und zu beobachten, wohin sie einen führen.
Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?
Ich glaube, dass die Öffentlichkeit in diesem Beruf immer eine große Rolle spielt – schließlich leisten Schauspieler*innen ihre Arbeit nicht für sich selbst, sondern für ein Publikum.
In Romys Leben war die mediale Berichterstattung seit ihrer frühen Jugend allgegenwärtig und vermutlich muss man in diesem Beruf lernen, damit umzugehen. Aber als ein Pressefotograf – als Krankenpfleger getarnt – die Leiche ihres Sohnes fotografierte, wurde meiner Meinung nach eine Grenze überschritten. Romy Schneider fragte zurecht: »Wo ist da die Moral? Wo ist das Taktgefühl?«
Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950ern das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?
Veränderungen wie Ortswechsel können immer eine große Bereicherung sein und neue Projekte bieten. Das Genre zu wechseln birgt große Entwicklungsmöglichkeiten. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie mir in diesem Beruf jemals langweilig werden soll!
Wie war Dein Weg zum Schauspiel und welche Erfahrungen hast Du in Wien im Schauspielberuf gemacht?
Durch meine theaterbegeisterte Mutter kam ich schon früh mit dem Theater in Berührung. Aber dass »Schauspielerin« auch ein wirklicher Beruf ist und nicht nur eine Leidenschaft, wurde mir erst bewusst, als ich mich aus Neugierde nach der Matura an der Schauspielschule in Tirol beworben hatte – und aufgenommen wurde. Eigentlich war ich schon für »Vergleichende Literaturwissenschaften« an der Uni Innsbruck eingeschrieben, aber dieses Studium habe ich dann ganz spontan nicht angetreten. Zum Glück! Schauspielerin zu sein ist so ein wunderbarer Beruf! Genau so spontan habe ich im dritten Semester nach Wien gewechselt und dort 2018 mein Studium abgeschlossen. Schon während der Ausbildung wurden mir in Wien fordernde Rollen angeboten, und so bin ich »ungeplanter Weise« in der Hauptstadt geblieben.
Ich schätze die vielseitige Schauspielszene in Wien sehr und ich liebe die unzähligen kleinen wie großen Theater mit ihrem ganz besonderen Charme. Allerdings gibt es nicht genügend bezahlte Projekte, um alle Kunstschaffenden zu beschäftigen und Nachwuchsschauspieler*innen haben es oft schwer, eine Gelegenheit zu bekommen, gesehen zu werden.
Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?
Dass eine Mindestgage in der freien Szene eingeführt wird. Leider glauben immer noch viel zu viele Arbeitgeber*innen in diesem Bereich, dass man mit der Liebe zum Beruf seine Miete und Lebensmittel bezahlen kann.
Was sind Deine kommenden Projekte?
Nach dem Solostück über Ulrike Meinhof, das ich bereits seit 2017 spiele, hat mich im Kontrast dazu ein weiteres, aber lustiges gereizt. Und vor kurzem ist mir genau so eines angeboten worden! Die Proben dafür sind schon fast in der Endphase und in wenigen Wochen werde ich es zeigen können. Zusätzlich habe ich laufende Stücke am Pygmalion Theater Wien wie »Die Schachnovelle« oder »Die Macht der Gewohnheit«. Eine Wiederaufnahmepremiere von »Die Suffragetten« ist für Juli geplant. Es gibt also viel zu tun!
Was möchtest Du Schauspielstudent*innen mitgeben?
Es ist ganz normal, in diesem Beruf klein anzufangen und Absagen zu bekommen. Bleib dran, wenn dein Herz für die Schauspielerei brennt! Otto Schenk erzählt zum Beispiel in seiner Biografie, wie er in seinen Anfängen vor ganz wenig Publikum gespielt hat – einmal sogar nur für eine Frau und ihre zwei Hunde …
Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?
Der untersuchende Staatsanwalt beließ Romys Tod als Geheimnis, indem er keine Obduktion anordnete – dies hat zu vielen Spekulationen geführt. In der Presse wurde zunächst meist von einem Suizid gesprochen, die offizielle Todesursache im Totenschein ist »Herzversagen«. Eine mögliche Erklärung könnte der psychische Stress durch den Tod ihres Sohnes und eine Mischung aus Alkohol, Schlaf- und Aufputschmitteln sein, die für ihren geschwächten Körper zu viel waren.
Was kann man von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?
Dass man seiner Leidenschaft folgen und Veränderungen wagen muss! Die 13-jährige Romy notierte bereits in ihrem Tagebuch: »Wenn es nach mir ginge, würde ich sofort Schauspielerin werden. […] Jedesmal wenn ich einen schönen Film gesehen habe, sind meine ersten Gedanken nach der Vorstellung: Ich muß auf jeden Fall einmal eine Schauspielerin werden. Ja! Ich muß!« Diese Leidenschaft hat sie sich über all die Jahre behalten. Und sie hatte den Mut, in einem anderen Land mit fremder Sprache beruflich nochmals neu zu beginnen.
Romy Schneider hat auch viele Interviews gegeben. Gibt es ein Interview, das Dich besonders anspricht und möchtest Du vielleicht ein Zitat hervorheben?
»Man kann einen Augenblick lang nachdenken, aber dann muss man weitermachen. Stehenbleiben ist für mich nicht möglich. Man stürzt sich in die Arbeit, weil man es tun muss – und es hilft auch ein wenig zu vergessen.« So beantwortete Romy Schneider die Frage, woher sie so kurz nach dem Tod ihres Sohnes die Kraft nahm, mit einem fast gleichaltrigen Burschen einen neuen Film zu drehen.
Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Akrostichon bitten?
Romantikerin sucht die wahre Liebe
Ohnmacht ob der Schicksalsschläge
Medien – nicht immer nur Freund und Helfer
Yesterday, all her troubles seemed so far away
Lisa Kröll, Schauspielerin _ Wien _ reenacting Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris)
40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:
Liebe Natalie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Am Morgen unterrichte ich Online Yoga. Damit habe ich gleich zu Beginn des 1. Lockdown begonnen und es ist immer noch ein schöner Start in den Tag.
Anschließend Ruderergometer, danach noch ein wenig Krafttraining und raus in die Au mit dem Hund. Ebenfalls im Lockdown hat sich eine Studiengruppe von Feldenkrais Practitioner gebildet. Wir treffen uns regelmäßig online und studieren intensiv die praktische und theoretische Arbeit von Moshe Feldenkrais. Er hat uns wertvolles Material hinterlassen, Bücher, originale Audio- und Videodateien. Aus diesen online Treffen ergaben sich neue Kontakte auf die nun weitere live Projekte folgen.
Ich reise auch wieder und freue mich auf die zukünftige Arbeit mit KollegInnen. „natureofself“ ist ein weiteres Projekt das ich in den letzten 2 Jahren weiterentwickelt habe. Hier verbinde ich u.a. Ideen und Erfahrungen der Feldenkrais Methode mit meiner künstlerischen Arbeit als Tänzerin und Performerin.
Auch im Alltagsstress Möglichkeiten zu finden, um sich seiner selbst und der Umwelt bewusst zu werden. Etwas zu tun, dass uns gut tut, uns stärkt, weiterhin Zeit zu haben für sich und die Lieben.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Mehr als Aufbruch und Neubeginn nehme ich Veränderung und Flexibilität war. Kunst und Kreativität finden statt, auch in den letztlich 2 Jahren. Unabhängig von Standorten zeigt sich deren Kraft dank des menschlichen Schaffenswillen.
Was liest Du derzeit?
Ich habe mir jetzt zum ersten Mal eine Graphic Novel zugelegt. Das ist für mich ein neues Genre. Ich bin gerade erst am Anfang mit dem Buch, kann also noch nichts dazu sagen, freu’ mich aber darüber.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Moshe Feldenkrais South Bend Workshop, September 1980 : The next sign of good health: […] a system that can not take a shock and recover is a weak system. Any healthy system can take a shock and recover, fall and recover, be knocked about and recover: that’s a healthy system. It’s not a system that can avoid being in danger. It’s a system that can take risks because it can recover.
Vielen Dank für das Interview liebe Natalie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanz-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Marco, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da ich mich zur Zeit im Urlaub am Meer befinde, beginnt mein Tag mit schwimmen.
Danach frühstücke ich, anschließend lese oder schreibe ich etwas. Ich versuche gerade ein Buch fertigzustellen, dass ich diesen Sommer beenden möchte. Nach dem Mittagessen ruhe ich mich aus, die klassische Siesta. Dann wird wieder gelesen, geschrieben und am späten Nachmittag geht es wieder ans Meer. Hin und wieder mache ich mit meiner Familie Ausflüge.
Marco Grosse, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wir müssen innerlich wieder frei werden. Freiheit ist ein Wort, das zuletzt selten vorkam, dessen Bedeutung oft missverstanden wird. Wir müssen offen bleiben und uns nicht in einer Blase verschließen. Dies könnte andernfalls längerfristig zu Intoleranz und Furcht vor Andersdenkenden führen. Toleranz heißt, die Existenz anderer Meinungen zu akzeptieren, sich mit anderen Vorstellungen auseinanderzusetzen und bereit zu sein, sich auch überzeugen zu lassen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Sicherlich ist in den letzten Jahren durch eine Reihe von Ereignissen einiges aus dem Gleichgewicht geraten. Grundlegende gesellschaftliche Mechanismen müssen wieder verstanden werden. Werte, die überzeugt haben, sollten bestätigt werden. Jetzt bieten sich aber auch viele Möglichkeiten einer Neuausrichtung an. Alle Kulturschaffenden sind gefragt, das Denken zu fördern und von jedem zu fordern. Sich nicht mit Vorgegebenem zufriedengeben, auch zu hinterfragen, gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen, zu Neuem zu stimulieren, das ist eine wichtige Aufgabe der Literatur und der Kunst.
Was liest Du derzeit?
Massimo Bontempelli, „Gente nel tempo“.
Joachim Sartorius, „Die Prinzeninseln“.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Hannah Arendt: „Kein Mensch hat (nach Kant) das Recht zu gehorchen.“
Federico Fellini: „Der einzig wahre Realist ist der Visionär.“
Vielen Dank für das Interview lieber Marco, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Marco Grosse, Schriftsteller
Foto_privat
9.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Ulrike, wie siehst, erlebst Du unser so dramatisches Zeitgeschehen derzeit?
Das tägliche Leben: ein Balance-Akt zwischen dem Anspruch und der Notwendigkeit, die Sinne und das Gehirn offen und empfänglich zu halten und dem Bedürfnis, der Notwendigkeit, auch zu filtern und zu verdrängen, mit einem Ziel: nicht am Weltgeschehen zu ersticken, sondern so hilfreich und sinnvoll wie möglich zu handeln, auch im Kleinen, in der Familie, in freundschaftlichen, kollegialen und professionellen Kontexten.
Was bedeutet diese Situation im Moment für Dich als Schriftstellerin? Gibt es unmittelbare Auswirkungen? Gibt es Projekte der literarischen Bearbeitung des zeitgeschichtlichen Stoffes?
Ich komme ursprünglich aus einer politischen Familie, bin aber selbst leider kein besonders politischer Mensch. Politik ist für mich – wenn sie mit dem redlichen und ehrlichen Anspruch reflektiert und praktiziert wird, mittels ihrer allen Menschen und ihrer Umwelt ein gutes Leben zu ermöglichen – eine ungeheuer wichtige, aber komplizierte Angelegenheit, und ich ziehe meinen Hut vor allen Menschen, die sich ihr wahrhaftig widmen. Ich verwende für mein Gefühl zu wenig Zeit auf politische und wirtschaftliche Themen, lese zu wenig Zeitung, sehe zu wenige Diskussionsrunden etc., um mich fundiert äußern zu können. Wenn ich einmal freie Zeit habe, lese ich lieber Literatur als die Tagespresse. Ich habe und hatte auch noch nie das Bedürfnis, bewusst bzw. betont politische Kunst zu machen. Kunst ist aus meiner Sicht vor allem frei und unabhängig und soll und muss es auch bleiben: losgelöst von moralischen Ansprüchen und politischen Einflüssen.
Wir sind hier an einem literarischen Bezugspunkt der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*1926 Klagenfurt *1973 Rom) in Wien. Welche Bezüge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann?
Mannigfaltige. Das ist eine schlichte Tatsache. Ich lese und liebe Ingeborg Bachmanns Texte, seitdem ich eine junge Frau war. Ich habe so ungefähr alles gelesen – nicht immer zu Ende, aber zumindest hineingelesen –, was es von ihr gibt, Gedichte, Erzählungen, Essays, Hörspiele, Libretti, Briefwechsel, „Malina“…, natürlich auch Bücher über sie und ihre Literatur. Ich bewundere Ingeborg Bachmanns Umgang mit Sprache, ihre Klarsicht, ihre Kompromisslosigkeit, ihre Kühnheit, ihre Radikalität. Sie ist ihr Leben lang eigenständig und unabhängig ihren Weg als Künstlerin gegangen, mit einer, so scheint es mir, Schwerelosigkeit und Intuition, die ihresgleichen suchen.
Liegt derzeit ein Buch Ingeborg Bachmann bei Dir am Schreibtisch oder Nachtkästchen?
Ich habe das Projekt mit dir, Walter, zum Anlass genommen, um endlich „Ein Ort für Zufälle“, Ingeborg Bachmanns Dankrede zur Verleihung des Georg-Büchner-Preises, zu lesen. Das ist ein starker expressionistischer Text, in dem viel gebündelte Energie steckt, Wut, Gefühl überhaupt, Mut, Grenzüberschreitung, das mag ich. Außerdem spielt der Text in Berlin und erzählt von meiner Heimatstadt, die ich, obwohl ich mittlerweile gut in Wien angekommen bin, immer noch vermisse. Auch das setzt mich nahe an ihn heran.
Außerdem lese ich im Moment zum ersten Mal seit ungefähr 20 Jahren „Malina“ wieder. Nicht selten geht es mir mit Büchern, die ich als junge Frau fantastisch fand, so, dass ich sie heute nicht mehr ganz so großartig finde, was immer auch eine leichte Enttäuschung ist, eine kleine Wunde. Mit „Malina“ ist es aber überraschenderweise andersherum: Als junge Frau konnte ich so gut wie nichts mit dem Roman anfangen, und heute sagt er mir einiges, auch wenn ich immer noch nicht weiß, ob ich ihn wirklich „gut“ im Sinne von gelungen finde. Aber darum geht es auch gar nicht.
Welche Texte von Ingeborg Bachmann möchtest Du hervorheben und warum?
Ich habe eine Vorliebe für ihre Gedichte und Erzählungen, die mich an zahlreichen Stellen besonders berühren, vor allem aufgrund ihrer oft außergewöhnlichen, ausdrucksstarken, Sprachbilder. Die Begabung Ingeborg Bachmanns war in diesem Bereich gewaltig und gleichzeitig ganz natürlich, so sehe ich das. Und da trifft sie mich im Innersten.
Ingeborg Bachmann nimmt in ihrem umfassenden Werk viele unmittelbare biographische, topographische wie gesellschaftliche Bezugspunkte in Auseinandersetzung wie kritischer Emanzipation auf. Welche Schwerpunkte möchtest Du hervorheben?
Ich gehe beim Lesen und beim Schreiben primär intuitiv vor, nach meinem Gefühl. Mich interessieren nicht vor allem die – intellektuellen – Intentionen von Künstler*innen und ihren Werken, ihre Botschaften, Hintergründe, Anliegen, Vorhaben, sondern ich will von einem Text, einem Kunstwerk, berührt und bewegt werden, auf eine Weise, die ich nicht erklären können muss, die aber dazu führt, dass ich mir Wörter, Sätze, Bilder, Textstellen, Eindrücke merken, sie abschreiben, in mir behalten und bewegen möchte. Ingeborg Bachmanns Literatur ist aus vielerlei Hinsicht bemerkenswert, visionär, kraftvoll. Das haben viele gut und klug beschrieben, dem muss ich nichts hinzufügen. Dennoch ist es für mich zuallererst ihr Umgang mit Sprache, der mich an die Texte fesselt, die sprachlichen Bilder, die Ingeborg Bachmann findet, kreiert und lebendig werden lässt.
Wie wesentlich ist das Benennen und „Zumuten von Wahrheit“ in Leben und Gesellschaft, Geschichte und Gegenwart, in der Literatur für Dich? Welche literarischen Wege gehst Du da?
Ich glaube, Kunst ist immer nur dann wesentlich und bemerkenswert, wenn sie den Betrachter*innen und Rezipierenden Wahrheit zumutet: die Wahrheit ihrer Schöpfer*innen, die Wahrheit eines authentischen Gestusʼ, die Wahrheit einer ehrlichen, offenen Haltung. Dabei bedeutet „Wahrheit“ natürlich nicht „Realität“. Die – künstlerische – Wahrheit, die ich meine, kann auch aus sogenannten Lügen bestehen, aus wahren Lügen: Jede Inszenierung birgt auch Wahrheit in sich, wenn sie nicht primär gemacht, sondern entstanden ist. Diesem Grundsatz versuche ich in meinem Schreiben zu folgen. Manchmal scheitere ich, manchmal gelingt es mir, glaube ich. Es ist nicht leicht, es ist jeden Tag eine neue Herausforderung, aber es ist essenziell, für die Kunst und das Leben. Aus meiner Sicht.
Wie war Dein Weg zum Schreiben?
Ich bin erstmal die Hälfte meines Lebens vor dem Schreiben weggelaufen, weil ich, auch durch das Aufwachsen in einer Akademikerfamilie, viel zu hohe Ansprüche daran hatte, was (m)ein mögliches Schreiben betraf: Wenn ich als Schriftstellerin nicht mindestens so gut, originell, schöpferisch, weltbewegend wäre wie Virginia Woolf, und das natürlich unmittelbar, müsste ich gar nicht erst damit anfangen – jahrzehntelang habe ich das gedacht. Aus heutiger Sicht erscheint mir das idiotisch, zumal ich, immer dann, wenn ich schreiben musste, in der Schule, in Kreativ-Workshops etc. eine Wahnsinnsfreude daran hatte und völlig versunken bin in meinen Texten – ein Geschenk, das mir sonst nur die Schauspielerei, das Theater in meinem Leben gemacht hat. Das allein hätte zählen müssen! Aber so war es leider nicht.
Der Weg über die Kinderliteratur, die ich mit Mitte 30 out of the blue zu schreiben begann – im Grunde, weil mein ältester Sohn mich darum bat – und mit der ich zum Glück sofort eine gewisse Art von Erfolg hatte, war für mich wie eine Art Schleichweg, ein Schlupfwinkel. Ich fühlte mich in dem Bereich freier als in der Erwachsenenliteratur, vermutlich auch, weil ich zu dem Zeitpunkt weniger Bücher für Kinder als für Erwachsene kannte und mich nicht so stark unter Druck gesetzt habe, mit irgendwelchen Erfolgsautor*innen mithalten zu müssen. Ich habe einfach losgeschrieben und dann innerhalb von wenigen Jahren fünf Romane für Kinder bei Aladin veröffentlicht, einem Label des Carlsen-Verlags, bis ich wieder an einem Punkt in meinem Leben angelangt war, an dem ich etwas Neues ausprobieren wollte. Also habe ich mich an das Schreiben meines ersten Romans für Erwachsene gemacht. Der war nicht gut genug und schlummert seitdem als Halbleiche auf der Festplatte meines Computers, aber ich hoffe, dass ich ihn eines Tages wiederbeleben und in verbesserter Form auferstehen lassen kann.
Durch Corona musste ich dann so viel in meinem Brotjob arbeiten – und ich hab ja auch noch drei Söhne, zu meinem großen Glück, mit denen ich mein Leben verbringe –, so dass ich nur noch bruchstückhaft Zeit für das Schreiben fand. Also habe ich vor eineinhalb Jahren mit dem Schreiben von Lyrik begonnen; das kann ich besser zwischendurch in den vollgestapelten Tag schieben, in den frühen Morgen, die späte Nacht oder eine kurze, unverhoffte Mittagspause. Innerhalb kürzester Zeit entstand so mein erster Lyrikband, den ich zusammen mit der deutschen Künstlerin und Schriftstellerin Johanna Hansen 2021 in der Wiener edition melos publiziert habe. Alles ging schnell und intuitiv, war kein Kraftakt, sondern eine helle Freude für mich.
Welche Rolle kam Deiner Familie in Deinem Weg des Interesses am Schreiben zu?
Ich komme aus einer Familie, in der die Sprache und Mehrsprachigkeit, Literatur und der Umgang mit Büchern, Lesen, Vorlesen und auch Schreiben eine zentrale Rolle gespielt haben. Das war einerseits inspirierend, ein Geschenk, das mich natürlich geprägt und beeinflusst hat, andererseits aber auch hemmend, weil die daraus resultierenden Vorbilder für mich wie Riesen waren, die meinen eigenen künstlerischen Weg beschattet und lange sogar verstellt haben.
Bei Ingeborg Bachmann ist das Vaterbild ein sehr kritisch bewertetes, weil von Krieg und Faschismus beeinflusstes, geprägtes und weitergebendes. Was unterscheidet Dein Vaterbild da?
Oh, ich hatte zum Glück einen im wahrsten Sinn des Wortes wundervollen Vater: Er war liebevoll, aufmerksam, lustig, einfallsreich, fördernd und fordernd, präsent, unterstützend, hingebungsvoll. Sein größtes Geschenk an uns, seine drei Töchter, war aus meiner Sicht, dass er uns immer für voll genommen hat, uns immer auf Augenhöhe begegnet ist: Wir waren von Anfang an gleichberechtigte und gleichwertige Diskussionspartnerinnen für ihn. Ich habe meinen Vater über alles geliebt. Leider ist er schon 2014 gestorben und war davor jahrelang schwerkrank.
Mein Vater hat sein Leben lang geschrieben und davon geträumt, als Künstler erfolgreich zu sein, als Schriftsteller oder Regisseur. Er musste aber auch Geld verdienen, war ein sehr guter, strenger und engagierter Gymnasiallehrer, und er hat sich während seines Lebens in einigem verlaufen und verheddert, hat Energie, die er aus meiner Sicht in sein Schreiben und vor allem in den Versuch, publiziert zu werden, hätte stecken können und sollen, in anderen ,Projekten‘ verschwendet, wenn man das so sagen kann. Schon als junge Frau habe ich mir deswegen geschworen, dass mir das nicht passieren würde.
Ist Dein Vaterbild auch literarisches Thema?
Das weiß ich nicht genau. Unbewusst bestimmt. In meiner Kinderbuchreihe „Zara“ hat die Protagonistin eine besonders innige Beziehung zu ihrem Vater. Da haben meine Erfahrungen mit meinem eigenen Vater mich sicher beim Schreiben beeinflusst. Ansonsten schreibe und lebe ich zeit meines Lebens, das kann ich wohl so sagen, mit und gegen „den großen Mann“ an. Wer das genau ist, was er für mein Leben und mich bedeutet und inwiefern er Einfluss auf mein Schreiben hat – ich weiß es nur ansatzweise. Als Mädchen und junge Frau hatte ich die Angewohnheit, mit meinen Fingern auf alle möglichen Flächen, Bettlaken, Notizblöcke, Schulhefte, Tischplatten, die Worte „der große Mann“ zu schreiben, ohne zu wissen, was das bedeutete. Ich weiß das bis heute nicht, aber was ich weiß, ist, dass ich schon in der Schule immer wieder auf teilweise vehementen Widerstand gegen mich gestoßen bin und auch Attacken von „großen Männern“ erlebt habe, mit ihnen konfrontiert war – als ein Mädchen, das aus verschiedenen Gründen aus dem Rahmen fiel. Damals habe ich mir nichts mehr gewünscht, als nicht aus dem Rahmen zu fallen, einfach ,ganz normal‘ zu sein, was auch immer man darunter zu verstehen hat. Diese Auseinandersetzung hat mein Leben geprägt und so auch mein Schreiben, natürlich. Als deutlichste Spur findet man sie bislang vor allem in einigen meiner Gedichte wieder, denke ich.
Du bist eine sehr vielseitige Schriftstellerin, Künstlerin. Welche Schwerpunkte gibt es da in Literatur und Kunst?
Ich will in meinem Leben, nicht nur im Schreiben, immer alles ausprobieren, worauf ich Lust habe, und was mich herausfordert. Ich kann und will nicht stillstehen, mich nicht ausruhen auf, bei und mit dem, was ich schon ,kann‘, sondern ich will immer weitergehen, mich neuen Herausforderungen stellen, Neues lernen. Diese Einstellung war und ist mein Leben lang essenziell für mich, und aus ihr – und aus der Notwendigkeit, Geld zu verdienen – erklärt sich auch, warum ich in so vielen unterschiedlichen literarischen Gattungen unterwegs bin. Im Moment habe ich die meiste Freude beim Schreiben von Lyrik und dialogischen, theatralen Texten. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wohin es mich schreibend weiter verschlägt. Das lasse ich auf mich zukommen.
Du lebst in Wien. Bist Du auch in Wien aufgewachsen? Welche Bedeutung hat Wien für Deine literarischen Projekte?
Ich bin eine waschechte Berlinerin, und damit meine ich, dass ich dort nicht nur 35 Jahre meines Lebens gelebt habe, sondern dass ich dort auch geboren bin. Berlin ist und bleibt mein Sehnsuchtsort, meine Heimatstadt. Dennoch ist auch Wien, wo zwei meiner drei Söhne geboren sind, mittlerweile ein Zuhause für mich und das vor allem wegen der Menschen, die mir hier begegnet sind, und die geliebte, treue Freund*innen geworden sind.
Wie bei Ingeborg Bachmann gibt es auch in Deinen Projekten künstlerische Kooperationen. In Deinem aktuellen Buch – PARISER SKIZZEN /JE TE FLINGUE, Ulrike Schrimpf/ Johanna Hansen, Edition Melos 2021 – gibt es einen Dialog in Wort und Bild zwischen Dir und Deiner Schriftstellerkollegin und Künstlerin Johanna Hansen.
Wie kam es zu diesem Projekt und welche Schwerpunkte setzt Ihr darin gemeinsam? Sind weitere gemeinsame Projekte geplant?
Ich war auf der Suche nach einer Künstlerin, zu deren Bildern, Skizzen, Fotos etc. ich schreiben könnte. Auch hier habe ich wieder eine Art Schleichweg genommen, einen Schlupfwinkel gesucht. Ich hätte es niemals gewagt, ,einfach so‘ Lyrik zu schreiben. Das wäre mir tollkühn erschienen, verstiegen, als Hybris. Mein Vater – vielleicht in diesem Punkt doch auch ein bisschen „ein großer Mann“ für mich – hatte mir immer erklärt, Lyrik sei die anspruchsvollste literarische Gattung schlechthin, außerdem gebe es schon unglaublich viele schlechte Gedichte, da müsse man nicht noch seinen eigenen Mist hinzufügen. Kristian Kühn von „Signaturen“, der mir von Beginn an total unvoreingenommen begegnet ist – schließlich kam ich ursprünglich ,nur‘ aus dem Bereich der Kinderliteratur (das werde ich ihm nie vergessen; eine solche Unvoreingenommenheit ist eine Besonderheit im Literaturbetrieb!) – schlug mir vor, ich solle den Kontakt zu Johanna Hansen suchen, wir könnten möglicherweise etwas miteinander anfangen, hätten uns etwas zu sagen. Er hatte recht! Ich glaube, ich nahm im März 2021 Kontakt zu Johanna auf, und innerhalb der nächsten drei Monate entstanden, ohne dass wir uns jemals persönlich begegnet wären, die „pariser skizzen“, die dann wiederum ein paar Monate später in der edition melos in Wien erschienen sind, mittlerweile in der vierten Auflage. Das war und ist ein riesiges, künstlerisches und auch menschliches Glück für mich! Johanna und ich verstehen uns intuitiv, wir mussten nie über irgendetwas erhitzt diskutieren oder gar streiten. Mittlerweile haben wir uns natürlich auch persönlich kennengelernt. Und ja, wir werden weitere Kunstprojekte miteinander verwirklichen. Im Moment denken wir über ein Unterfangen nach, bei dem wir beide schreiben werden, nicht nur ich allein, und auch Johannas Bilder werden wieder eine gewisse Rolle spielen.
Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
Im Moment arbeite ich an zwei Fachbüchern, einem neuen Roman für Erwachsene, einem weiteren Lyrikband und einem erzählenden Sachbuch, natürlich nur teilweise parallel, vor allem nacheinander. Mir ist schon vorgehalten worden, ich sei in zu vielen literarischen Gattungen gleichzeitig unterwegs, das könne man nicht ernstnehmen, ich müsse mich mehr fokussieren. Ich sehe das aber anders! Man kann diese Vielfalt durchaus als Stärke erleben und wahrnehmen. Ich mache, was mir Spaß macht und worauf ich Lust habe, Schreiben ist für mich vor allem etwas Lustvolles und Sinnliches, und letzten Endes ist alles Schreiben, egal, in welcher Gattung und in welchem Genre. Das ist es, was ich bin: eine Schreiberin, a writer. Ich mag den englischen Begriff, mehr als die deutschen Begriffe „Autorin“ und „Schriftstellerin“, die mir im Vergleich dazu sperrig und prätentiös vorkommen.
Im Juni findet der 46.Bachmannpreis in Klagenfurt statt. Hast Du Dich für eine Teilnahme beworben? Welche Bezüge gibt es von Dir zu diesem renommiertesten deutschsprachigen Literaturwettbewerb?
Soweit ich weiß, kann man sich dort nicht initiativ bewerben, aber ehrlich gesagt habe ich das für mich bisher nicht in Betracht gezogen. Wie gesagt, ich arbeite an verschiedenen Texten, warten wir es also ab.
Dafür habe ich lustige und auch bemerkenswerte Erinnerungen an den Bachmannpreis vor vielen Jahren, an dem Uwe Tellkamp teilnahm und gewann. Ich war damals eine junge Frau und arbeitete als Literaturagentin in einer Berliner Literaturagentur. In dieser Funktion durfte ich nach Klagenfurt reisen. Ich erinnere mich noch daran, wie schwer es mir fiel, den endlosen Lesungen und anschließenden Diskussionen zu folgen, wie ich mich mit heißen Händen an den Textblättern festhielt, die zum Glück zusätzlich zum Mitlesen ausgeteilt wurden, an die gleißende Hitze und an das Schwimmen im Wörthersee, herrlich, so erfrischend, so frei, endlich fort von allem erforderlichen Netzwerken, Verbindungen-Knüpfen, höflichem Lächeln. Das hat mir nie gelegen, und ich mag es immer noch nicht besonders.
Darf ich Dich abschließend um ein Ingeborg-Akrostichon bitten?
Herzlichen Dank, liebe Ulrike, für Deine Zeit in Wort und szenischer Darstellung hier am Romanschauplatz „Malina“ in Wien! Viel Freude und Erfolg für alle Literatur-, Kunstprojekte!
Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:
Gaspreise lassen uns womöglich erkennen, dass wir abhängig sind.
Individualismus machte uns glauben, dass wir unabhängig sind und andere nicht unbedingt brauchen.
Vielleicht bedeutet das Eingeständnis der Abhängigkeit – von Ressourcen, von anderen Menschen, vom Gemeinwesen, von Arbeit, die wir selbst nicht leisten, auch von Tieren und Pflanzen und dem Klima – eine Chance friedlicher zu werden.
Eine Chance, liebgewonnene Mythen zu hinterfragen.
Personen wie Musk, Putin, Trump oder Bezos oder sind nicht reich und mächtig aus eigener Kraft.
Es ist eine übersehene Wahrheit, dass gerade die Mächtigsten am meisten abhängen von all denen, die ihnen den roten Teppich ausrollen, anstatt ihnen ins Gesicht zu lachen, und die für sie arbeiten und arbeiten und arbeiten.
Autorität zu hinterfragen, ohne selbst autoritär zu werden, ist ein Weg zu mehr Frieden.
C – du kommst mir als Buchstabe hier in die Quere, aber ich verdamme dich nicht, sondern lasse dir den Raum, den du in diesem Akrostichon brauchst.
Es macht einsam und wirr, wenn jede, jeder und jedes für sich allein Autoritäten hinterfragt, ohne die Idee eines Gemeinwesens, in dem jede, jeder und jedes als Autorität gilt und zugleich als fehlbar.
Abhängigkeit als Beziehungsgeflecht aller Geschöpfe zu akzeptieren, anstatt sie zu leugnen, bis aus lebendiger Abhängigkeit sterile Sucht und Größenwahn wird, ist ein Weg zum Frieden.
C – da bist du wieder, ich gewinne dich lieb.
Hass ist nicht produktive Wut, sondern nach außen gewendeter Hass auf sich selbst, als abhängiges Geschöpf, das andere braucht, von anderen gebraucht und manchmal auch missbraucht wird.
Aber auch aus dem Wirken der Hasserfüllten und sogar aus Kriegen kann Gutes erwachsen.
Nämlich ein Bewusstsein für das, was wichtig ist und eine große, starke Gemeinschaft der Unterschiedlichen, die sich die Politik zurückholt.
Clowns sind wir, wenn wir das Tragische des Menschseins leugnen: Wir alle müssen sterben und wir können unseren Planeten für immer zerstören.
Es gibt keinen Weg zum Frieden, Frieden ist der Weg.
Liebe Gerda, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Im Moment genieße ich es sehr, wieder an Ausstellungsformaten teilzunehmen, in denen „in situ“ ein unmittelbarer und weitgehendst uneingeschränkter Dialog mit den Ausstellungsbesucher:innen stattfinden kann. Wie sehr diese offenen Formen des künstlerischen Austausches in sämtlichen Kunst- und Kulturräumen zuletzt vermisst wurden, konnte ich auch bei meiner Schau „Les deux animaux ont la langue bleue“ (07.05. – 29.05.2022) im Kabinett des Barockschlössls Mistelbach, an den zahlreichen Besucher:innen während des Eröffnungsabends mit einem Live-Konzert des Jazzduos „Related Two“, spüren.
Gerda Prantl _ Künstlerin
Aktuell arbeite ich intensiv an einer Reihe von „in den Raum tastenden Zeichnungen“, die sich als Kartographien fragmentierter, re-kombinierter, teils anamorphotischer Körper lesen lassen und gewissermaßen zwischen Schrift und Körperlichkeit oszillieren. Zunächst ornamental anmutende, dekorhafte Muster und Formationen entwickeln als Fingermorphs und -kreaturen auf makroskopischer Bildebene ihr Eigenleben. Körpernahe traumhaft anmutende Textfragmente, in die sich körperhafte Elemente eingeschrieben haben, formen bzw. formulieren wiederum diese Körper erst, indem sie sich mit zeichnerischen Elementen verbinden und als repetitive Gesten ein Begehren des Anderen (A, a) markieren.
Wenn ich nicht gerade am Zeichenbrett bzw. Zeichentisch anzutreffen bin, sitze ich an meiner Nähmaschine, um für installative Arbeiten dreidimensionale Körperhüllen zu schaffen, befinde mich auf einem Spaziergang in der Prater Hauptallee, auf der Suche nach passenden Verstecken für meine „pushmi-pullyus“ – schlangenartige Textilobjekte mit zusammenfügbaren Modulverbindungen – oder besuche selbst gerade Ausstellungen von Künstler:innen und Künstlerfreund:innen, aber auch Museumsausstellungen, wie zuletzt: „In search of humanity“ (Ai Wei Wei). In den verbleibenden Zwischenräumen und Zeitfenstern beschäftige ich mich mit der „grammaire abrégée“ der „langue bleue“ oder „blauen Sprache“.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich habe in meiner Auffassung von Kunst und Welt immer vermeintliche Endpunkte und Grenzlinien als Portale wahrgenommen, die sobald man deren Schwelle überschritten hat, den Blick auf intertextuelle Zusammenhänge und verbindende Achsensysteme freigeben. Momentan erfahren „wir“ als Europäer diese Interdependenzen nicht mehr aus einiger bequemer Entfernung, sondern sind unmittelbar bis in die Spitzen der Politik in unterschiedlicher Intensität betroffen und gefordert. Ich denke, auch wenn es noch so einfach klingen mag, dass es derzeit zu den wichtigsten Dingen zählt, einander aufmerksam zuzuhören, neben der eigenen, möglichst vielen Stimmen dazu zu verhelfen, zu Sprecher:innen zu werden.
Die blaue Sprache, die ich zuvor schon erwähnt hatte, zählt zu den konstruierten Sprachen und wird nach ihrem Erfinder Léon Bollack auch „Bolak“ genannt. Die utopische Idee einer (Welt)sprachgemeinschaft geht mit dem Bedürfnis nach Verständigung über Grenzen hinweg einher. Ich lasse die blaue Sprache in meinen Zeichnungen in einer Vielheit zu Wort kommen, sie in (blauen) Zungen sprechen. Eine Zwischenwelt aus Schriftkörpern, Textfragmenten in unterschiedlichen Sprachcodes, verortet und verzeichnet (Um)wege des Denkens, schlingt Text- und Bildwelten ineinander, eröffnet Fenster zwischen Wachen und Träumen, sucht erfundene, vergangene und zukünftige Orte auf. Aus blau flammendem Flackerlicht wuchert Fingerbrut aus Granatäpfeln und fragt nach „our own modern utopia?“
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Auf die Frage nach einem Neubeginn hin, muss ich an die Geschichte „The Egg and the Chicken“ denken. Zu Beginn dreht sich alles um Betrachtungen über ein Ei und später dessen Verhältnis zur Henne. „Seeing an egg is always in the present: No sooner do I see the egg than I have seen an egg, the same egg which has existed for three thousand years. The very instant an egg is seen, it becomes the memory of an egg. The only person to see an egg is someone who has seen it before. Like a man who, in order to understand the present, must have had a past.“ Dinge die im Heute geschehen, können zum Teil über Erinnerungen an ein Gestern in neuem Licht erscheinen und weisen unter Umständen zunächst im Verborgenen gebliebene vordergründige Parallelen auf. Gleichzeitig kursieren und ranken sich je nach Betrachtungsperspektive oft plurale Geschichten um ein und dasselbe dreitausend Jahre alte Ei.
Wenn man nun von „der Kunst“ an sich sprechen will, so glaube ich, dass Künstler:innen als ihre Urheber:innen immer wieder gezeigt haben, dass sie nicht nur über sich selbst reflektiert, sondern auch Stimmen und Geschichten in einer Gleichzeitigkeit auftreten lassen kann, ohne sie dabei eben bloß zu nivellieren, illustrieren oder deren Bedeutung einzuebnen, wenn man Geschichten als Vehikel für eine Aktivierung der Zukunft aufschlagen will. Auch ein subjektives Erinnern scheint mir genau dann wichtig, wenn es darum geht, Neues zu schaffen. Um die Souveränität jedes:r Einzelnen innerhalb einer Gesellschaft/Gemeinschaft zu wahren und gewisse „parallel chapters“ der Vergangenheit nicht zu wiederholen, braucht es auch die Solidarität jedes:r Einzelnen, den:die Sprecher:in eingeschlossen. Es braucht auch Politiker:innen, die diese Solidarität im Sinn einer Willkommenskultur vertreten und entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen dafür schaffen.
Was liest Du derzeit?
Während meiner letzten Reise, die mich nach Kopenhagen führte, bin ich neben Künstler:innen wie Anne Haaning oder Åke Hodell auch auf die dänische Autorin Tove Ditlevsen und ihre Kopenhagen-Trilogie gestoßen. In Zusammenhang mit meiner aktuellen Werkserie, lese ich immer wieder in Büchern nach, die ich als „körpernahe Traumtexte“ auffasse, darunter „Hypertraum“, Hélène Cixous, Clarice Lispector, „Agua Viva“, „Brenntage“, Michael Stavarič, „The Illustrated Man“, Ray Bradbury, aber auch „Zeichen auf der Haut“, Stephan Oettermann und „Was sie schon immer über Lacan wissen wollten und Hitchcock nie zu fragen wagten“, Slavoj Žižek oder Texte von Jorge Luis Borges. Abgesehen von dieser Auswahl, lese ich im Moment „Afropäisch“ von Johny Pitts, der dieses Buch zwischen Reportage und literarischem Essay angesiedelt hat.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich habe mich kürzlich wieder an diese Textpassage aus Clarice Lispectors „Agua Viva“ erinnert. Die Autorin wurde in der Ukraine geboren und ist aufgrund wieder aufflammender Pogrome während des Russischen Bürgerkrieges 1920 mit ihrer Familie über Rumänien nach Brasilien ausgewandert.
„You will no doubt ask me why I look after the world. It´s because I was born charged with the task.
As a child I looked after a line of ants: they walk single file carrying a tiny piece of leaf. That doesn´t keep each one from communicating something to the ones coming the other way. Ant and bee ar not it. They are they.
[…]
Inside each little ant fits a whole world that will escape me if I´m not careful. For example: an instinctive sense of organization, language beyond the supersonic, and feelings of sex fit in the ant. Now I can´t find a single ant to look at. I know there wasn´t a massacre because otherwise I´d have already heard.
Looking after the world also demands a lot of patience: I have to wait for the day when an ant turns up.
I just haven´t found anyone to report back to. Or have I? Since I´m reporting back to you right here.“
Vielen Dank für das Interview liebe Gerda, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!