Bachmannpreis 2022 _“Ingeborg Bachmann ist im Sinne von Unabhängigkeit ein unglaubliches Vorbild“ Clemens Bruno Gatzmaga, Schriftsteller_Wien 10.6.2022

Clemens Bruno Gatzmaga, Schriftsteller_Wien _
Bachmannpreis Teilnehmer 2022 _
Station bei Ingeborg Bachmann _ Wien _ Lebensort der Schriftstellerin 1946-53

Lieber Clemens, herzliche Gratulation zur Teilnahme am Ingeborg Bachmannpreis 2022!

Wie gestalte sich der Text- und Bewerbungsprozess und wie hast Du Deine Teilnahmebekanntmachung erlebt?

Ich hatte zunächst mit dem Text eine große Freude, weil es wie bei einem Wasserfall rausgestürzt ist.

Ich saß im Flur und wir haben da in der Wohnung den Papierkorb, den unsere Tochter sehr gerne ausräumt. Und ich saß mit ihr da und während sie sortierte und zerriss, war die Geschichte da. Man weiß ja nicht, wo eine Geschichte dann hinführt, aber die Idee war in diesem Moment da. Ich habe dann einen Stift genommen und auf die raussortierten Verpackungen, Blätter raufgeschrieben und meine Tochter zerriss dann alles gleich wieder. Aber das war dieser Ideenmoment und ich dachte, dies wird vermutlich wieder verschwinden. Aber so war es nicht.

Die Geschichte war da und blieb und die nächsten Tage schrieb ich dann sechs, sieben Seiten am Laptop runter. Das war der Beginn des Textes und ich hatte da schon etwas den Gedanken, das könnte der Text sein, mit dem ich mich beim Bachmannpreis bewerbe. Ich habe mich dann mit meiner Wiener Lektorin Angelika Klammer darüber ausgetauscht. Wir haben dann an Verfeinerungen gearbeitet. Ja, und so wurde der Text dann eingereicht.

Als sich dann Brigitte Schwens-Harrant (Bachmannpreisjurorin, Anm.) meldete, habe ich das erst am nächsten Tag realisiert – „Ja, jetzt ist es wirklich passiert!“. Wir haben uns dann getroffen und haben auch viel über den Text, das Thema  – über das ich ja nichts verraten darf – gesprochen und gearbeitet. Und so ging es dahin (lacht).

Ein möglicher Preisgewinn in Klagenfurt geht dann also an Dich und Deine Tochter?

Vielleicht hat sie mich in diesem Moment befreit im Sinne von „mach` halt mal“. Der Schreibprozess ist bei mir generell so, dass ich zunächst auf Papier schreibe, bevor es auf den Laptop geht. Das sind Vorstufen, Notizen und es ist noch nicht so ganz ernst, einfach damit Ideen und Text „laufen“. Ich schreibe da auch mit Bleistift, damit es fließt. Und das war so ein Moment.

Dass man dasitzt und plötzlich hat man ein Bild von einer Person oder einer Geschichte, dies kommt nicht häufig vor. Meistens ist es ja im ersten Moment nur eine Idee und dann entsteht der Text im zweiten Schritt. Aber das war eine besondere Situation (lacht).

Bist Du ein Schriftsteller, der einen Schreibfluss ganz direkt aufnimmt und sich gleichsam von diesem „mitreißen“ lässt, wie etwa Jack Kerouac, dessen 100.Geburtstag sich heuer jährt und welcher seinen Beat-Kultroman „On the road“ in drei Wochen auf eine Papierrolle schrieb?

Nein, ganz im Gegenteil (lacht). Ich habe zwar meist schnell die Grundidee und auch das Ende, aber bis ich dahin komme, dauert es meist sehr lange.

Im Grunde versuche ich mir zunächst zu erlauben, nur zu schreiben, was ich denke, damit es da ist. Und wenn es da ist, dann fängt die eigentliche Arbeit an, das Verfeinern, das Abklopfen, das dauert bei mir viel länger als zu der Idee zu kommen. Es kann passieren, dass ich einen Roman habe und den schreibe ich auf drei Seiten runter, aber am Ende hat dieser Roman 350 Seiten.

Ich habe auch das Gefühl, dass bei mir die Figur erst Leben bekommt, wenn sie geschrieben wird. Dieses Leben ist nicht im Kopf schon da. Im Schreibprozess fängt die Figur an, ein Leben zu bekommen.

Meistens ist das Ende dann nicht so wie man sich das vorstellt, weil die Figur sagt, „klingt zwar schön, was Du Dir überlegt hast, aber das passt nicht zu mir, so bin ich nicht und du musst das jetzt anders machen“ (lacht).

Wie darf man sich diesen Dialog von Dir als Schreibenden und der sich entwickelnden Textfigur in Wort und Antwort vorstellen? Ist es ein Gespräch, ein Streiten, ein Ringen, ein Abwarten?

Die Figur ist ja am Anfang nicht wirklich da. Bis sie sich meldet, vergehen meistens Tage. Häufig brauche ich die Nacht oder auch eine Woche, weil die Figur dann erst merkt, das bin ich eigentlich gar nicht. Die Figur muss sich ja erst ihrer selbst bewusstwerden. So kann es passieren, dass ich glaube, ich habe die größte Idee entwickelt und den schönsten Text geschrieben und am nächsten Tag oder zwei, drei Tage später, muss das alles wieder weg, weil es einfach nicht passt.

Ich habe gelernt in den Jahren, in denen ich schriftstellerisch arbeite, dass ich sehr viel Geduld brauche mit mir (lacht) und dass ich das Leben des Textes sich entwickeln lassen muss.

Es kann ja sein, dass man erst nach dreißig Seiten draufkommt, dass es eigentlich nicht passt und dann muss man den Mumm haben, sich selbst zu sagen, das ist es nicht. Dann ist es halt schade, um diese dreißig Seiten, aber es geht nur so und nur so entsteht der Text, der am Ende rund ist.

Ingeborg Bachmann, die hier in der Beatrixgasse in Wien lebte und schrieb, überarbeitete ihre Texte immer wieder und es gibt sehr viele Textfassungen. Ist es bei Dir ähnlich?

Ja, für meinen Debütroman „Jacob träumt nicht mehr“ (2021, Karl Rauch Verlag) gab es sicher 300/400 Seiten Material und da war es so, dass ich sehr viele Geschichten hatte, die für die Gesamtgeschichte eher am Rande eine Rolle spielen und die ich unglaublich schön fand – die lagen mir am Herzen. Und wenn man dann langsam merkt, was der Kern der Geschichte ist, dann passen diese aber nicht mehr. Das kann ja sein, dass diese Textstellen feiner sind als der Rest, aber die Geschichte in ihrem Funktionieren diese feine Sprache gar nicht braucht.

Ja, und dann kocht man das runter und am Ende sind es dann 150 Seiten geworden. Es ist vieles rausgeflogen, einfach damit der Text, wenn man ihn in der Hand hält, einen Sog entfaltet und nicht diese Ablenkungen hat, diese bestimmten Fummel, die man noch reinhaben wollte, weil man das unglaublich schön fand. Aber diese Abzweigungen dienen nicht der Geschichte und da sind wir wieder bei der Figur und der Frage, wie kann ich diese so entwickeln, dass der Leser eine Sympathie, ein Interesse entwickelt für die Geschichte. Dies muss halt dann passen.

Du hast mit Deinem Debütroman „Jacob träumt nicht mehr“ viel Aufsehen in Publikum und Kritik erregt und für den Österreichischen Buchpreis Debüt 2021 nominiert – herzliche Gratulation!

Im Roman steht ein junger Mann mitten im Geschäftsleben moderner Zeit im Mittelpunkt, der plötzlich Brüchen dieser grenzenlos erfolgsorientierten Lebenswelt ausgesetzt ist und die ihn ganz neu nach Sinn und Hoffnung fragen lassen (müssen).

Woher beziehst Du Deine Schreibthemen?

Bei Leuten, die so Mitte Dreißig sind und einen Roman verfassen, da sagt man ja, das ist ein Quereinsteiger (lacht). Ich nehme natürlich viel aus meinem Arbeitsleben mit, das, was ich täglich sehe. Ich kann da sehr viel beobachten, erlebe sehr viel. Ich bin da mittendrin und komme nicht von einer Schreib-Uni. Die Beobachtungen, die ich da mache, helfen mir unglaublich und die Arbeitswelt ist etwas, was mich sehr interessiert. Und auch wie kann man vielleicht darin eine Poesie der Gegenwelt entdecken, wo vielleicht ein hoffnungsvollerer Ton drinsteckt als manchmal in der Arbeitswelt. Das ist so das, was mich zurzeit interessiert.

Ingeborg Bachmann hat in den Textsorten ihrer Werkgeschichte sehr variiert. Wie ist dies in Deinem Schreiben?

Ingeborg Bachmann hat ja mit Ihrem Roman „Malina“ geendet und mit der Lyrik begonnen. Vielleicht ist es bei mir andersrum. Bis zur Lyrik brauche ich glaube noch. Hin und wieder schreibe ich Gedichte, aber dies betrifft keine Veröffentlichung. Ich bin erstmal in der Prosa beheimatet.

Ingeborg Bachmann ist wie Du nach Wien zugezogen und hat hier Ihr Schreiben entwickelt.

Wo bist Du aufgewachsen und wie war Dein Weg zum Schreiben?

Ich bin in Düsseldorf aufgewachsen und zwar am Eiskellerberg, das ist ein sehr großes, altes Gebäude, von dem aus man auf die Kunstakademie schaut. Links schaut man auf eine Brauerei, Düsseldorf hat ja sehr viele Altbier-Brauereien mit sehr gutem dunklen Bier (lacht). Es gibt da auch noch diese Messingkessel, neben denen man direkt sitzt. Ich bin da auch durch die Altstadt zur Schule gegangen.

Aber wie das so ist, wo man aufwächst, das wird einem manchmal zu eng. Mir wurde es zu eng.

Die Entscheidung nach Wien zu gehen, war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Ich hatte Freunde hier, war zwei-, dreimal hier und hab` auch nur ebenso wenige Bezirke gesehen. Die Stadt war für mich noch ein Blick durchs Schlüsselloch.

Und dann zieht man rüber, arbeitet, schreibt. Wenn man so jung ist, dann erlaubt man sich noch nicht so viel darüber nachzudenken, was der große Plan ist.

Als ich hier vor zwölf Jahren ankam, habe ich mir nicht die Frage gestellt, was in fünf Jahren sein wird. Ich habe einfach sich das entwickeln lassen. Und jetzt bin ich zwölf Jahre da und immer noch glücklich (lacht). Ich habe immer noch das Gefühl, ich entdecke Wien.

Ich habe auch das Gefühl, dass diese Stadt irgendeinen Sinn hat für mein Schreiben. Festmachen kann ich das nicht, vielleicht ist es diese Melancholie, dieses Schwere. Ich weiß es nicht. Ich kann hier gut arbeiten. Meine Tochter ist jetzt auch Wienerin, was für mich noch immer lustig klingt in meinen Ohren (lacht). Mal sehen, ob es noch nach Rom – wo war Ingeborg Bachmann noch?

München, Berlin, Zürich…

geht (lacht).

Ingeborg Bachmann schrieb ihren Roman „Malina“ in Rom. Wenn ich schreibe „bin ich in Wien“, sagte sie.

Das finde ich interessant, dass diese Stadt irgendwas hat. Ich kann das nachvollziehen.

Fließt Wien in Dein Schreiben unmittelbar ein? Wie inspiriert Dich Wien?

Erstmal brauche ich die Distanz zu Düsseldorf, zumindest was die Topographie angeht. Düsseldorf ist immer noch sehr präsent und Wien erlaubt mir einen Blick aus der Distanz einzunehmen.

Wie fließt Wien ins Schreiben ein? Schwer zu sagen. Ich kann sagen, ich bin angekommen und das erlaubt mir einen gewissen Rhythmus zu haben, den ich fürs Schreiben unbedingt brauche.

Wenn ich einer Stadt wie in Berlin leben würde, was ich auch kurz tat, wo dauernd irgendwas ist, auf Dich einwirkt, was für viele unglaublich anziehend ist, so viele Eindrücke und fünftausend Veranstaltungen pro Tag, das habe ich Wien zu einem geringeren Teil. Ich brauche das auch gar nicht mehr, habe ich das Gefühl. Mir erleichtert es das Schreiben, wenn ich angekommen bin und einen Rhythmus habe, wenn ich Zuhause am Schreibtisch vor der weißen Wand sitze und meine Ruhe vor dem Außen habe, um mich dann wieder in das außen zu stürzen und mir etwas zu holen. Es ist ja auch nicht so, als würde man nur im Kämmerchen sitzen. In Wien kann ich mit der Bim bis zum Weinberg fahren und beim Heurigen sitzen.

Ich kann in Wien ins pralle Leben eintauchen und habe gleichzeitig die Ruhe.

Wie und wo schreibst Du praktisch gesehen?

Es führt immer vom Außen zum Innen. Ich beginne etwa im Kaffeehaus mit einem Notizheft – ich fahre auch unglaublich gern baden – da lass` ich dann erst mal die Idee aufs Papier, ohne mich damit aufzuhalten, wie schön ich es finden soll. Dann ist es da und dann sind halt ein paar Schreibhefte voll.

Und dann kommt das Schreibheft an die weiße Wand, den stillen Ort. Und das was dann überlebt, kommt in den Topf. Dann beginnt die Arbeit am Text, die ich nur machen kann, wenn ich am Laptop vor mir sehe, wie die Änderung auf den Text wirkt.

Strg+z ist für mich das Tastenkürzel überhaupt beim Schreiben.

Immer wieder vor und zurück. Lesen, laut lesen, schauen, ob der Rhythmus passt, ob es sich gut anfühlt. Und dann liegenlassen und die Nacht drüber schlafen. Nicht zu begeistert sein aber auch nicht zu zweifelnd. Ein bisschen warten und wenn es dann noch wirkt, dann geht es weiter mit der nächsten Zeile.

Wie gehst Du auf das Lesen im Wettbewerb in Klagenfurt zu?

Ich versuche, nicht zu viel darüber nachzudenken, mich ein bisschen abzulenken, nicht wahnsinnig zu werden und den Text nochmal vorzubereiten, laut zu lesen. Zu schauen, wo sind die Betonungen, welche Dinge sind einem wichtig.

Und sonst freue ich mich einfach, die Autoren:innen kennenzulernen und auf das ganze Drumherum. Ich war auch noch nie in Klagenfurt.

Ich freue mich, mit offenen Augen dahinzufahren und alles auf mich einwirken zu lassen. Ganz offen zu sein und zu bleiben, das ist, glaube ich, auch der Versuch bei sich zu bleiben.

Welchen Wunsch hast Du für Klagenfurt?

Oh, was sag` ich jetzt (lacht).

Es ist ja das Interessante, man gibt den Text ab und dann liegt er da und es vergehen Wochen. Der Text ist geschrieben und ich bin Diener des Textes und muss schauen, dass ich ihn so vermittle, dass die Leute da draußen mitzuhören und sich womöglich daran erfreuen. Das ist der Wunsch, dass man das schafft. Alles Weitere kann man ja nicht beeinflussen.

Bei sich zu bleiben. Alles was drumherum passiert zu erleben, ohne die Bedeutung so groß werden zu lassen, dass man zu aufgeregt ist.

Und einfach auch Spaß zu haben und das Wunderbare einer live übertragenen Literaturveranstaltung im Fernsehen zu genießen. Bloß gut, dass es das gibt! Ganz unabhängig von Personen.

Das Baden, dass Du in Wien so schätzt, wird wohl auch in Klagenfurt nicht zu kurz kommen.

(lacht) das sagen alle, dass man zwischen zehn und fünfzehn Badehosen mitnehmen sollte für die Tage.

Wie hast Du in den letzten Jahren den Bachmannpreis mitverfolgt und welche Inspirationen gab es da für Dich?

Ich habe vor allem den Text von Nava Ebrahimi (Bachmannpreisträgerin 2021, Schriftstellerin, Graz; Anm.) nachgelesen.

Ich fand es aus verschiedensten Perspektiven interessant. Wie transportiert man Literatur nach draußen? Das ist ja auch eine Frage, die einem tagtäglich beschäftigte oder auch immer noch beschäftigt. Das fand ich interessant.

Ich mag auch sehr gerne die Portraitvideos.

Und bei den Texten. Viele vergisst man und an manche erinnert man sich und dann liest man sie nochmal. Auch der Text von Timon Karl Kaleyta (Schriftsteller, Berlin; Anm.) ist bei mir hängengeblieben und ich habe ihn später nochmal gelesen. Man verfolgt es natürlich und nachher guckt man immer wieder mal rein.

Den Text selbst dürfen wir ja erst am Lesetag kennenlernen. Dürfen wir vielleicht zu Deiner geplanten Leseperformance etwas erfahren? Wird es Spezielles geben, wie ja schon gesehen in Klagenfurt?

Der Text, so wie ich ihn geschrieben habe, hat einen Rhythmus und dieser Rhythmus wird mein Auftreten bestimmen. Ich könnte zum Beispiel versuchen, sehr distinguiert zu wirken mit einem Einstecktuch und dann versuchen den Text mit einer gewissen Distanz zu lesen, damit ich nicht rot im Gesicht werde. Aber das geht nicht. Der Text ist da und der Text entscheidet darüber, wie er performt werden muss. Und darauf versuche ich mich einzulassen. Man schaut einfach, dass man die Betonung trifft, die Pausen einzeichnet und dann zu sehen, dass man nicht zu aufgeregt ist, um diese nicht wieder zu überlesen.

Wir haben also keinen Aktionismus zu erwarten.

(lacht) nein, alle Rasierklingen sind gut weggesteckt.

Was sind Deine derzeitigen Pläne und Schreibprojekte?

Ich schreibe an meinem zweiten Roman, der nächstes Jahr erscheinen soll. Mehr darf ich wieder nicht darüber erzählen (lacht).

 Und ja, wenn der ganze Wahnsinn vorbei ist (lacht), habe ich wieder den Kopf mich daranzusetzen. Im Moment gelingt mir das nicht. Ich versuche mich zwar immer wieder dranzusetzen, aber es kommt nicht viel Sinnvolles dabei raus.

Der Rucksack, der Koffer für Klagenfurt wird in nächster Zeit in Wien gepackt. Was muss denn unbedingt hinein?

Sonnencreme (lacht).

Mit fortgeschrittenem Alter merkt man dann doch, wenn man jeden Sommer aus dem Urlaub einen Sonnenbrand mit nachhause bringt, dass es vielleicht doch ganz klug wäre, Sonnencreme zu benutzen und diesem Zwang fange ich mich langsam an zu beugen (lacht).

Ansonsten vielleicht ein bisschen Schokolade, so Seelengeschichten, wenn man dann abends im Hotel sitzt und durchatmet und das Erlebte rekapituliert, dass man sich dann einfach noch etwas Süßes gönnt und abschaltet.

Bevor es zum Bachmannpreis geht, noch ein Blick zu Ingeborg Bachmann bitte, die ja hier in der Beatrixgasse und der nahen Gottfried Keller Gasse in Wien wohnte. Welche Bezüge gibt es von Dir zum Werk der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*1926 Klagenfurt +1973 Rom)?

Ich habe ihren Roman „Malina“ mit Anfang Zwanzig gelesen. Und dann auch die Briefwechsel, die Lyrik.

Ich bewundere zwei Dinge an Ingeborg Bachmann. Das Verständnis, dass Sprache erstmal durch einen durchmuss, dass man erst für sich begreifen muss, bis man die Worte benutzen darf. Das finde ich ein unglaublich starkes Bild und es stimmt. Das Andere ist, sich eine Freiheit zu bewahren, zu sagen, ich höre jetzt auf mit der Lyrik. Das ist unglaublich konsequent und stark.

Ingeborg Bachmann ist im Sinne von Unabhängigkeit ein unglaubliches Vorbild. Wobei es überhaupt nicht einfach ist im Literaturbetrieb allgemein aber auch im Leben, sich seine Freiheit zu bewahren und das zu versuchen.

Welchen Anteil hat Literatur an persönlicher Freiheit?

Vielleicht ist es so, wenn man ein Mensch ist, der nicht tagtäglich in den Spiegel schaut und denkt, bin ich eine coole Sau, sondern zu den Zweiflern gehört, dann ist Literatur ein Mittel, um sich in der Welt wieder zu verorten und vielleicht zu erkennen, was wertvoll ist abseits des Alltags, der einem ja immer wieder vor gewisse Wertlosigkeiten stellt, mit denen man zu kämpfen hat und Literatur kann es vielleicht dann schaffen, dass man über den Tellerrand schaut.

Da steckt eine Freiheit drin, dass man sich das Buch nimmt und alles Andere sein lässt und diese Welt sich eröffnet und dadurch die eigene Welt leichter wird.

„Mit meiner verbrannten Hand schreibe ich von der Natur des Feuers“, sagte Ingeborg Bachmann. Kommen die Worte immer aus dem (erlittenen) Leben und müssen sie das?

Ja, ich bin im Schreiben sehr nahe daran, an dem was ich erlebe.

Ich poetisiere, aber ich will rein in Situationen.

Ich habe das Gefühl, dass der Schmerz, den man dann hat, dass dieser einen befähigt, vielleicht nicht über das Feuer zu schreiben, sondern über andere Dinge, die schmerzhaft sind.

Man muss vielleicht nicht genau diese Situation erlebt haben, um darüber schreiben zu können. Aber mit dem Gefühl eine Geschichte zu erzählen, die vielleicht eine ganz andere ist, das geht. Das ist für mich interessant.

Wir sind hier im Dritten Wiener Bezirk, der Lebens- und Schreibwelt Ingeborg Bachmanns wie auch Deiner. Mit großer Kraft, Wucht schreibt Ihr über Wege und Menschen im Erleben und Erleiden. Doch es gibt auch ein Hoffnungsmoment, einen Sinnhorizont. Woher kommt dieser für Dich?

Ich wüsste nicht, worüber ich schreiben sollte, wenn nicht über diese Sehnsucht. Und gleichzeitig macht einem dies das Schreiben total schwer, weil man möchte ja nicht immer diese Utopien herbeirufen, weil dann immer die Gefahr besteht, dass man mit einem erhobenen Zeigefinger sagt, „so müsste es eigentlich sein“.

Ich finde es immer ganz furchtbar, wenn es in den Filmen den Guten und den Bösen gibt und man weiß in zwölf Sekunden, wenn man die Daumen drücken muss.

Ich finde es interessanter, wenn das Hoffnungsschema dort ist, wo es eigentlich ziemlich düster aussieht. Weil immer beides nebeneinander existiert. Vielleicht ist es auch das, was mich im Schreiben antreibt, dass man versucht, beide Seiten zu ergründen und die Leserin/der Leser kann sich dann die Frage stellen, was richtig oder was falsch ist. Der Autor wirft nur die Frage auf und sollte sie nicht beantworten, finde ich.  

Ingeborg Bachmann bezeichnet die Lebenswelt als „alltäglichen Krieg“ und im Roman „Malina“ steht am Ende das Verschwinden – „es war Mord“.

In Deinem Roman „Jacob träumt nicht mehr“ kommt es zu einer Rückkehr. Ist eine Rückkehr aus dem, und ein Überwinden des, „Krieges“ zwischen den Menschen heute, ein Beginnen in Frieden möglich?

Du sprichst mich da in einem Satz mit Ingeborg Bachmann aus. Das ist Weltliteratur, ich stehe ganz am Anfang. Ich wage diesen Vergleich nicht, ehrlich gesagt.

Ich kann nur sagen, was ich denke und ich denke, dass die Überzeugung davon, dass etwas auch gut sein kann, dieses Spirituelle, dieser erwähnte Hoffnungsschimmer, dass der in den Alltag zurückmuss, der kann nicht irgendwo verbleiben. Das ist meine Meinung, der Hoffnungsschimmer muss ins Beisl, muss auf den Fußballplatz, damit muss man konfrontiert werden und es wenigstens versuchen, auch wenn es manchmal nicht geht. Man muss es versuchen.

Von Bachmanns Wien, in Wort und Ort, zum persönlichen Ausblick auf den Bachmannpreis bitte.

Worauf freust Du Dich besonders?

Auf die Begegnung mit den Autoren:innen, das Autoren:innenfeld ist enorm spannend. Ich freue mich einfach, sie alle kennenzulernen.

Und auch auf das Drumherum, die Stadt, die sich, wie man hört, ja total verwandelt in diesen Tagen. Das einfach zu erleben und versuchen sich mit einer gewissen Neugier und Offenheit da reinzustürzen in diesen ganzen Wahnsinn, darauf freue ich mich.

Clemens Bruno Gatzmaga, Schriftsteller_Wien _
Bachmannpreis Teilnehmer 2022

Lieber Clemens, herzlichen Dank für das Interview und rundum viel Freude und Erfolg für Dein Lesen in Klagenfurt!

Station bei Ingeborg Bachmann _ Wien _ Lebensort der Schriftstellerin 1946-53

Bachmannpreis 2022 _ Teilnehmer:innenvorstellung:

Clemens Bruno Gatzmaga, Schriftsteller_Wien

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Alle Fotos_Walter Pobaschnig_Wien 6_22

Walter Pobaschnig 6_22

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„Geschöpfe als“ Susanne Huck, Künstlerin _ Give Peace A Chance _ Maria Rain/Ktn 9.6.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Geschöpfe als



Gegenstand verzerrter

Informationen, maskiert, infiltriert

Verwandelt und missbraucht – im

Eroberungswahn des Despoten.



Paradigmenwechsel – oder doch nur

Ereignis-Entfremdung – als

Antwort auf den Irrsinn des

ChauvinistenClusters. 

Ertragen – was noch? Verhandeln im



Angriffs-Angesicht des



Chaos-Choreografen… geht wie?

Hilfe im 

Aufbegehren –

Nie wieder Krieg!

Chancenlos? Aber wer heilt die Geschöpfe (und)

Erfindet das Maß für Frieden!?


Susanne Huck, 27.5.2022

Susanne Huck_ Acryl auf Leinwand 80x100cm, 2022 
Susanne Huck_Künstlerin, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Susanne Huck_Künstlerin, Schriftstellerin

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 23.5.2022.

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„Die Realität erlaubt viel mehr als wir uns manchmal trauen“ Phoebe Violet, Künstlerin _ Station bei Falco _ Palais Auersperg Wien _ 9.6.2022

Phoebe Violet _ Künstlerin _ Komponistin, Sängerin, Violinistin, Malerin _ Wien _
Palais Auersperg Wien.

Liebe Phoebe, wir sind hier im wunderschönen Barock Palais Auersperg in Wien. Ein Ort reich an historischen und kulturellen Bezugspunkten. Falco hat hier in den 1980er Jahren die Musikvideos „Junge Römer“ und „Brillantin‘ Brutal“ (beide 1984) gedreht. Welche Bezugspunkte gibt es von Dir zum Palais Auersperg?

Das Palais Auersperg war lange Zeit mein Arbeitsplatz. Ich spielte in Wiener Residenz Orchester. Auch bei vielen Bällen.

Du bist Komponistin, Sängerin und Violinistin. Dein aktuelles großartiges Musikalbum „Entre cielo y tierra“  ist 2021 erschienen. Wie kam es zum Thema und was hat Dich in der Musik inspiriert?

Danke lieber Walter! Ich war aus mehreren Gründen ungefähr 4 Jahren nicht aktiv mit meinen künstlerischen Projekten. Wie meine Kraft wiederkam, fühlte es sich wie Dynamit an. Das Repertoire ist sehr schnell entstanden und es kam aus mir heraus , als ob es schon immer in mir gewesen wäre. Musikalisch ist es eine Mischung aus Klassik, lateinamerikanische und populäre Musik – alle Musikgenres, die mich im Leben am meisten begleitet haben – und alles mit Streichinstrumente. Die Metapher Himmel und Erde für Träume und Realität: meine Schwierigkeit diese zwei Welten miteinander zu vereinen; ein Thema dass mich zum damaligen Zeitpunkt sehr beschäftigt hat.

Wie gestaltete sich der Produktionsprozess in der herausfordernden Zeit der letzten Jahre?

Ich weiß nicht wirklich ob sich in meinem Produktionsprozess viel geändert hat, außer natürlich wiederholte Terminverschiebungen. Ich glaube, ich habe mich in dieser Zeit viel verändert, da ich viel mehr “bei mir” war, keine Ablenkungen. Das bringt neue Gedanken, neue Gefühle, neue Ebenen, die ich von mir nicht kannte. Und das bringt natürlich einen neuen Schwung in die eigene kreative Welt. Ich fand die Außenwelt schon immer eine Herausforderung, von dem her war die Pandemie nur eine neuen Art von „schwierig”.

Was ist Dir in Deiner Musik wichtig?

Ich untersuche Emotionen fast auf eine wissenschaftliche Art und Weise, um sie so genau wie möglich musikalisch umsetzen zu können. Worüber ich singe, muss in jeder Note spürbar sein. Und alles worüber ich schreibe, ist echt. Entweder autobiographisch oder Gedanken, denen ich komplett zustimme. Es passiert mir ab und zu, dass ich alte Lieder nicht mehr singen kann, weil ich nicht mehr dem Text zustimme, oder die Emotion ist für mich schon Vergangenheit. Alles, was ich künstlerisch tue, muss mit mir extrem im Einklang sein. Sonst mache ich es nicht. 

„Himmel und Erde“, Träume, Sehnsucht und Realität finden im aktuellen Album einen sehr eindringlichen, intensiven Ausdruck. Wie gehst Du mit diesen Lebensthemen um?

Ich nehme meine Träume sehr ernst und gehe sehr rational mit ihnen um. Die Realität erlaubt viel mehr als wir uns manchmal trauen. Natürlich die Frage was Realität ist, ist immer je nach Wahrnehmung eine ganz subjektive Sache. Und da hat die Gesellschaft eine ganz wichtige Rolle. Ich versuche immer meine eigene Empfindung der Realität und die Strukturen, die unsere Gesellschaft als real oder Wahrheit feststellen will, voneinander zu trennen – klar, nicht immer leicht zu erkennen; je älter ich werde, desto klarer es wird. Mein Ziel besteht darin mein Ich so nüchtern wie möglich wahrzunehmen, um gesellschaftliche Erwartungen der menschlichen Realität kritisch betrachten zu können. Da kann ich für mich entscheiden, ob ich dem zustimme oder nicht. Und wenn nicht, dann ist zu überlegen warum. Da ich Schwierigkeiten mit dem “mich anpassen” schon immer hatte, fing ich an, anstatt mich krampfhaft zu zwingen gesellschaftlichen Lebensidealen zu folgen, meine Ideen für mich als Individuum eher zu bevorzugen. Das bedeutet natürlich ein ständiges Auseinandersetzen mit dem gigantischen Einfluss, den die Gesellschaft – bewusst und unbewusst – auf meine persönliche Welt hat und dies dann langsam loszulassen, um meinen Kern als authentische Person blühen lassen zu können. Klar, dadurch ist meine Lebensweise sehr intensiv. Dieses Album war für mich eine Offenbarung, wo ich mit den Füßen am Boden an mich glaube und mit dem Finger zeige und sage: “Ich stimme nicht zu, Gesellschaft. Deine Ideale sind für mich das Gegenteil von dem, was ich unter Freiheit verstehe”. Mein nächster Schritt ist auf jeden Fall friedlicher. Da kommt schon mein nächstes Projekt.

Die Musik ist ein künstlerischer Mittelpunkt Deines Lebens. Welche weiteren gibt es?

Ich male mit Ölfarben und mittlerweile ist es mein Beruf geworden. Ich liebe Malerei.

Eine Zeitlang habe ich Architektur studiert. Da glaub ich ein Gefühl für Form und visuelle Sprache entwickelt zu haben. Es gibt viele künstlerische Richtungen, die mich sehr reizen. In der Kunst sehe ich keine Grenzen, da es mir prinzipiell um die Vermittlung einer Idee oder Botschaft geht. Ich erlaube mir alles, weil ich davon überzeugt bin, dass wir alles machen können, was wir wirklich machen wollen.

Wir sind hier auf den Spuren des Wiener Musikers Falco (*1957 *1998), der heuer seinen 65.Geburtstag gefeiert hätte.  Welche Bezüge gibt es von Dir zu seiner Musik bzw. jener der 80thies?

Ich mag keine Generalisierungen, aber die Szene der 80er ist nicht ganz meine Zeit. Ich finde es spannend und die Ästhetik find ich sehr amüsant. Aber ich suche immer nach Gänsehaut, und die Klangästhetik der Zeit schafft dieses Gefühl bei mir eher selten. Ich finde Falco als Persönlichkeit sehr spannend, aber zu seiner Musik hab ich kein Bezug.

Gibt es einen Lieblingssong/s von Falco?

Ich bin leider kein Falco Fan, seine Musik hat mich bis Dato nie angezogen.

Im Falco Song „Junge Römer“, dessen Video 1984 hier im Palais Auersperg im Rosenkavaliersaal und auf der Feststiege gedreht wurde, geht es um Lebensfreude, Lebenslust. Was bedeutet dies für Dich heute?

Der Liedtext ist klar, nachvollziehbar. Nächte mit spürbaren hedonistischen Ansätzen, immer wieder gern.

Hättest Du Dir ein Duett mit Falco vorstellen können und wenn ja, was wäre da Deine Wahl gewesen?

Nein. Aber ein Lied für ihn und mein Quartett hätte ich natürlich gerne komponiert!

Es ist ein großartiger Style, den Du zum Fotoshooting hier gewählt hast. Was bedeutet Dir Mode?

Danke lieber Walter! Das was ich anziehe spiegelt stark wie ich mich fühle. Ich wache auf und spüre eine gewisse Rolle, die ich verstärken will und so wähle ich was ich anziehen möchte. Mode fasziniert mich, weil es für alle Menschen eine tägliche Entscheidung heißt, die einem auf irgendeine Art repräsentiert. Eine Trennung zwischen Nacktheit und eine fremde Welt, die deine persönliche Welt in einem wortlosen Dialog zur Geltung bringt. Ich mach` mir viele Gedanken wie ich mich jeden Tag präsentieren will. Ich sehe es wie ein Spiel, dass mich unterstützt, mehr “ich” zu sein.

Welche Bezüge gibt es von Dir zu Wien?

Ich liebe es wie zugänglich Kunst in Wien ist. Es wird geschätzt und als wichtiger Teil vom Leben wahrgenommen. Ich kann im Musikverein fantastische Musik hören, im Museen unzählige wertvollen Werke betrachten. Und es ist für alle zugänglich. Und den Stephansdom. Was für ein fantastisches Bauwerk! Ich staune jedesmal.

Was sind Deine derzeitigen musikalischen wie künstlerischen Projektpläne?

Ich schreibe neue Musik. Ich möchte genaue Angaben noch nicht veröffentlichen… Aber es kommt demnächst…!

Phoebe Violet _ Künstlerin _ Komponistin, Sängerin, Violinistin, Malerin _ Wien _
Palais Auersperg Wien.

Vielen Dank, liebe Phoebe Violet, für Deine Zeit in Wort und Bild im Palais Auersperg, viel Freude und Erfolg für alle Projekte!

Station bei Falco _ Palais Auersperg _ Videodrehort „Junge Römer“, „Brillantin` Brutal“ Falco (1984) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Phoebe Violet _ Künstlerin _ Komponistin, Sängerin, Violinistin, Malerin _ Wien

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Aktuelles Musik Album: „Entre cielo y tierra“

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Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien

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Walter Pobaschnig 5_22

„ob es in der Nacht Luftalarm in Odessa gab“ Tamara Lukasheva, Musikerin _ Köln 9.6.2022

Liebe Tamara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das Allererste, was ich seit dem Kriegsanfang direkt nach dem Aufwachen tue – ich gucke auf mein Handy. Ich sehe dort, ob es in der Nacht Luftalarm in Odessa
gab und wie viele. Dann rufe ich meine Mutter an oder schreibe meiner Schwester,
ob alles ok ist. Erst danach fängt mein Tag an.

Ich mache mir Kaffee, sortiere meinen Tagesablauf und versuche zu arbeiten. Die
Nachrichten gucke ich mir erst abends, wenn der Tag vorbei ist, an. Sonst ist es
schwierig, mich auf die Musik zu konzentrieren.

Tamara Lukasheva, Musikerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir leben in der Zeit der Veränderung. Es ist nicht nur ein Wort, sondern eine große Umstrukturierung, die viel Kraft braucht, nun sehe ich es sogar eher positiv, weil, es wird schon wieder eine Chance geben, es endlich mal gut und richtig zu machen. Und damit verbinde ich solche globalen Aspekte, wie Klimawandel, Gerechtigkeit, Menschenrechte.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Die heutige Situation zeigt uns ganz klar, wer wir sind und wer unsere Mitmenschen sind. Die Masken sind weggefallen. Dabei sehe ich die Rolle der Kunst und Musik uns zu helfen auf einer tieferen Ebene zu reflektieren und zu sehen, dass wir eigentlich gar nicht so schlecht sind, wie wir uns vorkommen.

Dass wir gemeinsam was sehr Schönes und Wertvolles gestalten können. Dass wir zusammen lachen und weinen können, ohne uns überhaupt zu kennen und ein Wort miteinander austauschen müssen. Es geht uns alle an, egal von welcher Nationalität man spricht, und es ist wunderbar!

Was liest Du derzeit?

Neulich habe ich Gedichte von Marianna Kiyanovska über Babii Yar gelesen. Es ging um die Shoa im II.Weltkrieg. Erstaunlich und grausam ist es heute zu lesen, wenn vor allem solche Orte, wie Irpen’ oder Butcha genannt sind….

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Alles wird gut!

Tamara Lukasheva, Musikerin

Vielen Dank für das Interview liebe Tamara, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Tamara Lukasheva, Musikerin

Start

Foto_privat.

7.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Rom verstehen“ Das römische Reich in Infografiken. John Scheid/Nicolas Guillerat. dtv Verlag.

Es ist ein Weltreich, das 1500 Jahre lang Kontinente umspannte und das Leben von Mensch und Gesellschaft umfassend formte und bis heute prägt. Unterschiedliche Herrschaftsformen kennzeichnen den Zeitraum des römischen Reiches zwischen dem 8.Jahrhundert vor Chr. und dem 7.Jahrhundert nach Chr.. Es sind Persönlichkeiten, deren Namen bis heute klingen und deren Leben und Herrschaft im Lichte neuer Forschung auch neu zu beurteilen ist. Wie war es nun wirklich damals im römischen Reich? Wie lebten die Römer im Alltag? Wie war Leben, Gesellschaft, Religion, Wirtschaft, Militär organisiert?

Viele Fragen begleiten diese faszinierende Menschheitsepoche und viele Forschungsprojekte, Bücher, Dokumentationen, Filme gibt es dazu.

Der vorliegende Band zu römischer Geschichte in verschiedensten Blickwinkel ist nun ein ganz besonderes Projekt und Beitrag zur historischen Forschung. In einmaliger Weise verbindet dieses Sachbuch umfassende historische Information mit faszinierender Grafikkunst. Das Ergebnis ist ein großformatiger Überblicksband, der zu allen wesentlichen Aspekten römischen Lebens kompakte grafische Darstellungen bietet.

Es ist ein wunderbarer Zugang zu der so weiten und vielschichtigen Lebenswelt und -art der Römer und lässt auf eine ganz neue Weise in Zeit und Form eintauchen! Dazu ist herzlich zu gratulieren wie zu danken!

„Ein einmaliger Einblick in römisches Leben wie es ihn bisher noch nicht gab!“

Walter Pobaschnig

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„Worüber wir reden müssen, ist die Bezahlung von Musiker*innen“ Elke Galvin, Singer/Songwriterin_St.Veit an der Glan/K 8.6.2022

Liebe Elke, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich versuche, viel Bewegung und Frischluft in meinen Alltag zu bringen, weil ich merke, dass das auch meinen Geist beweglich hält. Also gleich in der Früh raus in die Natur, und wenn ich danach schreibe, dann zumindest 2-3 Stunden pro Tag am Stehpult. Ich arbeite gerade an meinem neuen Album in Kooperation mit einem australischen Produzenten – da erhalte ich meistens in der Früh die verarbeitete Version des „Rohstoffs“, den wir am Vorabend hingeschickt haben. Das ist sehr spannend! Gleichzeitig beginnt die Arbeit an der Artwork für das Album – man darf gespannt sein.

Tatsächlich läuft jetzt auch die Konzertschiene wieder an, und es ist viel unglamourös Administratives dafür zu erledigen. Gegen Nachmittag und Abend hin beginnt dann der künstlerische Teil – ich beschäftige mich mit meinen Songs. Ein Geschenk des Schicksals oder meiner Psyche ist, dass ich „Writer’s Block“ nicht kenne. Ich schreibe sehr viel neues Material. Um mich herum und in mir passiert so viel, das in Songs gefasst werden muss!

Elke Galvin, Singer/Songwriterin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, wir müssen alle raus aus einer sich aufschaukelnden Reiz-Reaktion-Hyperventilation-Automatik. Diese ist so erschöpfend und destruktiv. Atmen wir doch durch, kommen wir zur Ruhe, lösen wir uns vom Zwang, sofort empört zu reagieren. Konzentrieren wir uns auf das Wesentliche – und das sind bessere zwischenmenschliche Beziehungen und Umwelt- und Klimaschutz. Eigentlich ist letzteres eine ablenkende Bezeichnung für das, worum es geht: Das Sicherstellen unseres eigenen Überlebens auf diesem Planeten. Als Band widmet sich „Galvin’s Garden“ auch diesem Thema, und zwar ganz praktisch. Wir setzen für jeden Gig 1 Baum. In Kürze werde ich Reforestationsprojekte in Irland besuchen, die ich unterstützen will. Ich bin zwar in England geboren, aber meine familiären Wurzeln liegen in Irland, und ich habe viel Zeit dort verbracht. Irland war ursprünglich bewaldet – bevor die Schiffe der britischen Flotte gebaut wurden. Und wir brauchen Wälder. Sauerstoff wird nicht in der Flasche gemacht!

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Musik, der Kunst an sich zu?

Kunst drückt aus, was gespürt im zwischenmenschlichen Raum schwebt. Diese diagnostische und/oder verändernde Kraft ist nicht zu unterschätzen! Wir Menschen sind künstlerische Wesen – alle! – und gerade in der Musik entsteht die Magie zwischen Musikern und Auditorium. Deswegen war ich so unglücklich ohne Livemusik, nur mit Online-Konzerten – da fehlte ein wesentlicher Teil meiner Performance: das Publikum.

In der Musik gibt es einerseits die Tendenz zur „Entmenschlichung“: Virtuelle NFT-Bands, getunte Stimmen und Körper, mittels Künstlicher Intelligenz geschriebene Hits, die von Plattenfirmen gepusht werden. Kommerziell durchaus sinnvoll – keine lästigen, unberechenbaren Künstler mehr. Diese Welle rollt auf uns zu. Gut finde ich diese Entwicklung nicht. Ich denke, sie löst Unbehagen aus, weil sie uns als Menschen nicht entspricht. Der Unterschied ist wie engineered Fast Food zu ursprünglichem Essen.

Andererseits findet in der Musik eine ungeheure Do-It-Yourself-Bewegung statt. Jeder kann heute Songs schreiben, aufnehmen und veröffentlichen. Das finde ich gut. Darauf gehört stärker mit neuen Formaten reagiert. Es ist doch spannend, wie viel einzigartige Musik geschaffen wird.

Worüber wir reden müssen, ist die Bezahlung von Musikern. Es ist doch absurd, dass ausgerechnet dort, wo sich die Musik mehr und mehr abspielt – nämlich digital – kein vernünftiges Einnahmenmodell zu finden ist. Da muss etwas geschehen. Wir brauchen eine Lobby.

Band_ „Galvin’s Garden“

Was liest Du derzeit?

John Ironmonger: The Whale at the End of the World. Ein wunderschönes Buch, das ich jedem empfehlen kann. Ich habe es mit einem Lächeln aus der Hand gelegt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Aus meinem Song „Nothing is Ever Perfect”:

“And yet we strive to create a broken kind of beauty

Some hindsight, explanation, some justification

And yet this crazy idea of how every life still matters,

Vielen Dank für das Interview liebe Elke, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Elke Galvin, Singer/Songwriterin

Elke Galvin ist eine österreichisch-britische Singer/Songwriterin, Ihre Band heißt „Galvin’s Garden“. Elke lebt in Kärnten und Oberösterreich.

Buy Galvin’s Garden: @bandcamp
Follow Elke Galvin: http://www.fb.com/elkegalvin
Follow & book Galvin’s Garden: www.fb.com/galvinsgarden or Instagram: @galvinsgarden or search #galvinsgarden
www.galvinsgarden.com

Fotos_privat.

2.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Bachmannpreis 2022 _“Ich hoffe auf einen echten Dialog über Literatur“ Eva Sichelschmidt, Schriftstellerin _ Berlin 8.6.2022

Liebe Eva Sichelschmidt, herzliche Gratulation zur Teilnahme am Ingeborg Bachmannpreis 2022!

Wie gestalte sich der Text- und Bewerbungsprozess und wie hast Du Deine Teilnahmebekanntmachung erlebt? Welche Reaktionen gab es?

Jeder Text ist zunächst ein Hirngespinst, das auf Papier Form annimmt. Wenn an dem Textkorpus ausreichend gefeilt ist – und man wird nie genau wissen wann das ist, ob man wie der Steinmetz zu viel stehengelassen oder bereits Entscheidendes entfernt hat – zeigt man ihn mit klopfendem Herzen dem ersten Leser. Tritt man mit seinen Zeilen aus dem Privaten in die Öffentlichkeit, dann ist das Stress, aber in gewisser Weise ein positiver. Die Erleichterung und die Freude waren groß, als die Zusage zum Wettbewerb kam.

Eva Sichelschmidt, Schriftstellerin _
Bachmannpreisteilnehmerin 2022

Wie gehst Du jetzt auf den Wettbewerb zu? Welche besonderen Vorbereitungen wird es geben?

Schreiben, immer nur schreiben. Die Nominierung gibt mir Kraft, eine Kraft, die ich nutzen muss. Ich glaube an Konzentration. Ich gehe in mich und frage mich, warum tue ich das, was ich hier im Verborgenen treibe. Und warum will ich damit an die Öffentlichkeit? Ich arbeite gerade viel und kritisiere jede Nacht mich selbst. Das ist natürlich ein Trick, um so gut wie jeden Vorwurf schon einmal gehört zu haben.

Ingeborg Bachmann sagte zu den Anfängen Ihres Schreibens: „Manchmal werde ich gefragt, wie ich, auf dem Land großgeworden, zur Literatur gefunden hätte. – Genau weiß ich es nicht zu sagen; ich weiß nur, dass ich in dem Alter, in dem man Grimms Märchen liest, zu schreiben anfing, dass ich gern am Bahndamm lag und meine Gedanken auf Reisen schickte…“

Wo bist Du geboren, aufgewachsen und wo liegen die Anfänge, Wurzeln, Inspirationen Deines Schreibens?

Der Trost. Als ich ein kleines trauriges Kind war, tröstete es mich, wenn mir die Großmutter vorlas. Später hörte ich jeden Tag Märchenplatten und Kassetten, mit spannenden Geschichten oder Krimis. Aber ich schaffte es einfach nicht ein Buch zu lesen. Die Konzentration reichte nie für mehr als eine Seite. Als ich jedoch anfing zu schreiben, füllten sich die Blätter fast von allein. Und je mehr ich schrieb, umso besser konnte ich auch lesen. Stolz zeigte ich meine Geschichten den Erwachsenen, doch die waren entsetzt: Die Rechtschreibfehler (manche Buchstaben schrieb ich spiegelverkehrt) ließen sie so gut wie unleserlich erscheinen. Außerdem seien die Dinge, von denen ich berichtete, alle gelogen, so das Urteil. Da begann ich mich zu schämen. So sehr, dass ich für Jahre nichts mehr schrieb. Aber dafür las ich nun wie besessen. Ich bekam einfach nicht genug von den Lügen der Anderen, von denen ich bald wusste, dass sie unzählige Wahrheiten sind.

Als mein Vater gestorben war, konnte ich meinen ersten Roman beginnen.

Was ist Dir in Deinem Schreiben wichtig und welche aktuellen Projekte gibt es?

„Schreiben was wahr ist“ hat Ágotá Kristóf es genannt. Das ist so unendlich schwer! Man kann daran verzweifeln. Manchmal denke ich: Du musst einen Film machen, Bilder lügen nicht. Aber das ist bei genauerer Betrachtung natürlich auch nicht wahr. Dann wieder möchte ich musizieren können, um nur noch eine überschaubare Menge an Tönen zur Verfügung zu haben. Leider bin ich dafür erwiesenermaßen unbegabt. Also kehre ich jeden Tag wieder zurück zum Schreiben. Genauer, exakter werden, mutig werden und mutig bleiben, das ist die Devise.

Was kommt unbedingt auch in den Reisekoffer für Klagenfurt?

Die Hoffnung: Ich hoffe auf einen echten Dialog über Literatur. Einen wie ihn schon lange nicht mehr erlebt habe.

Eva Sichelschmidt, Schriftstellerin _
Bachmannpreisteilnehmerin 2022

Vielen Dank für das Interview! Viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!

Bachmannpreis 2022 _ Teilnehmer:innenvorstellung:

Eva Sichelschmidt, Schriftstellerin _ Berlin/Rom

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Walter Pobaschnig, 31.5.2022

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„Granaten auf erblühende Felder“ Anne-Marie Kenessey, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Zürich 8.6.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Granaten auf erblühende Felder

Im Frühling 2022 werden Minen

Verstreut dabei gebs Korn statt

Entwurzelung der Baum wirft mir



Polinas Taschentücher zu Alaine Polcz

Eine Schöne mit Schießpatronenkranz

Aufm Kopf wie viele werden zur Frau an der Front

Chor der Ausgehungerten das Davaj Csaszi

Echo der Unvergangenzeit – Her mit der Uhr!



All der Nachholbedarf an Freude. 



Comeback der Soldatensprache

Heute fällt mir nur der Knieschuss ein

Apollinaires erdolchte Taube wir fassten es

Nicht das Glück vor über dreißig Jahren in

Charkiw spielt die Violinistin Bachs Chaconne

Eine Verwaiste schmiegt sich an ihr Huhn.


Anne-Marie Kenessey, 26.5.2022

Anne-Marie Kenessey, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Anne-Marie Kenessey, Schriftstellerin

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Walter Pobaschnig _ 26.5.2022.

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„Wir dürfen lachen“ Daniela Dangl, Schriftstellerin _ Waldviertel/AT 7.6.2022

Liebe Daniela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Um 6:00 Uhr läutet mein Wecker. An jenen Tagen, an denen ich an einer humanberuflichen Schule unterrichte, fahre ich 35 Minuten zur Arbeit, unterrichte 5 – 8 Stunden/Tag, fahre heim, bereite vor, korrigiere, bin Mama, Haus- und Ehefrau, völlig unspektakulär. Manchmal quietscht das Hamsterrad, meistens ist es gut geölt.

Ich versuche, meinem Körper und meiner Seele Gutes zu tun, indem ich zum Denken in den Wald gehe. In guten freien Zeiten verlier ich mich in Texten, die ich lese oder schreibe.

Daniela Dangl, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich weiß es nicht.

Ich weiß nicht, wieviel WIR mein Denken inkludiert. Für das Umfeld, auf das ich mich beziehen kann – ein privilegiertes Umfeld by the way – finde ich Folgendes nicht verkehrt:

Wir tun gut daran, zu erkennen, dass sich mit mehr Wissen, mehr Erkenntnis unsere Meinung verändern darf, vielleicht sogar verändern muss.

Wir sollten verstehen, dass immer alles irgendwie zusammenhängt.

Wir müssen uns hinterfragen und Menschen, die das nicht tun, mit Skepsis begegnen.

Wir haben Verantwortung der Demokratie und der Gemeinschaft gegenüber.

Wer kann, soll helfen, wenn andere Hilfe brauchen.

Wir dürfen lachen.

Wir sollten vorsichtig sein, wenn PolitikerInnen, PhilosophInnen, KünstlerInnen auf alles eine Antwort haben.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wesentlich ist, der lähmenden Hilflosigkeit in den Hintern zu treten! Die Angst vor Veränderung ist kein guter Ratgeber. Die Angst vorm Scheitern auch nicht. Wir brauchen Mut, Innovation, Menschlichkeit, globales Engagement – und wirkliches Handeln.

Kunst hat unterschiedliche Zugänge. Kunst kann unterhalten, kann Hebamme für die Emotionen, für die Energie des Auditoriums sein; sie lässt uns staunen, lachen, weinen; wir spüren uns intensiver. Das kann einen Anstoß geben, die Trägheit zu überwinden.

Kunst kann manipulieren; sie setzt Energie frei, die in jede Richtung genutzt werden kann. Kunst ist ein Instrument, sie kann das Beste und das Schrecklichste in uns zum Schwingen bringen.

Kunst kann genauer auf das Leben schauen, weil sich KünstlerInnen intensiv mit ihrer Welt auseinandersetzen und vielleicht dabei Oberflächen abkratzen. Kunst zeigt uns, was tiefer liegt. Manchmal verändert sich dadurch auch der Blick des/der Kunstschaffenden – und der RezipientInnen.

Kunst überschätzt sich aber auch gerne; laut Maslowscher Bedürfnispyramide wird sie erst relevant, wenn alles andere gedeckt ist. Und trotzdem: Kunst ist zutiefst Teil unserer Existenz.

Was liest Du derzeit?

Klausurarbeiten.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

Lichtung

manche meinen

lechts und rinks

könne man nicht velwechsern

werch ein illtum

(Ernst Jandl)

Vielen Dank für das Interview liebe Daniela, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Daniela Dangl, Schriftstellerin

Foto_Lisa Neudert.

10.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Bei mir Kind“ Peter Reutterer. Prosa. Bibliothek der Provinz.

Da ist der Blick in den Spiegel. Die Erinnerung. Die Mutter. Das Lesen in der Kirche. Und dann der Tod –

„Wir standen an der Grabeskante, gewillt, zu überleben. Rasch und radikal galt es, die Emotionen einzufrieren. Um gegen den Ansturm von außen und die Verzweiflung von innen gewappnet zu sein…“

Der Vater. Dienstpflicht. Das Oberhaupt. Kein Halt. Keine Grenzen. Seine Jugend und dann das Zerfallen des Körpers…

Wolfgang sagt, ich war still. Fleischwerdung. Demaskierung.

„Am Schreibtisch beginne ich von meinem Stummsein zu erzählen. Auf diese Weise verliere ich meine Sprachlosigkeit…“

Lebensfreude. Jahreszeiten. Trotz allem. Mit allem. Da und dort sein. Ein Leben…

Peter Reutterer, Schriftsteller und Musiker, gelingt mit „Bei mir Kind“ ein genial autobiographisch formal experimenteller Roman, der mit außergewöhnlicher Sprachwucht und -virtuosität in Lebensetappen, -, ereignisse und -erinnerungen gleichsam hineinkatapultiert und dabei in Erschütterung wie Spannung fesselt.

Die mosaikartig orientierte Erzählform ist eine sehr direkte, die im Wechselspiel von Schilderung, Erinnerung wie literarischen Referenzen Lebensbilder, Umrisse Kontur gewinnen, wie auch wieder im Fortgang eines Lebens verschwinden lässt.

Es ist ein mitreißender Blickwechsel im Spannungsfeld eines Lebens in großer Aufmerksamkeit, Kritik wie Empathie gegenüber der Existenz und Mit-Existenz in Ort, Zeit und gemeinsamen Weg.

„Ein autobiographischer Roman wie ein Sturm, der an größte österreichische Literaturtraditionen anschließt“

Walter Pobaschnig 6_22

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