Liebe Sophie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Jeden Tag anders! Das ist das Schöne an der Selbstständigkeit und etwas, das ich während der vielen Lockdowns die letzten Jahre am meisten vermisst habe.
Sophie Isermann, Schauspielerin, Sprecherin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich denke, gerade in Zeiten wie diesen (Pandemie, Krieg,..) ist es wichtig sich vor Augen zu halten, dass es auch so viel Schönes im Leben gibt. Natürlich soll man vor der Realität nicht die Augen verschließen, aber nur die negativen Dinge im Leben zu sehen, ist auf Dauer nicht gesund.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Die Kunst sowie Theater & Schauspiel sind für viele Menschen – oft auch durchaus unbewusst – eine Möglichkeit Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten und auf Missstände hingewiesen zu werden.
Was liest Du derzeit?
In Vorbereitung auf ein neues Projekt sehr viel Schiller, Goethe und Lessing.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Und wenn du den Eindruck hast, dass das Leben ein Theater ist, dann suche dir eine Rolle aus, die dir so richtig Spaß macht! – W. Shakespeare
Vielen Dank für das Interview liebe Sophie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Vielleicht, nur vielleicht verbrennen wir unsere Lippen an
Erinnerungen, die zu Stille worden
Panik als ein Wort der Mächtigen.
Errungenschaft, nur der Ort an dem zu Leben unmöglich wurde
Angenommen, ich lege meinen Finger in die Wunde der Stadt in die
Charismatischen Augen derer,
die nie Zeit für ein Lächeln hatten.
Erinnerst du dich an die Pfütze in der sie die Luftschläge sahen? So unwirklich wie ein Gemälde von René Magritte. In die Ruinen gemalt, als Staub zwischen Trümmern.
Aber so sieht man den Krieg & sieht ihn eben nicht. In den Augen & den Hälsen der ausgebrannten Kellerkerzen in Mariupol.
Chancen, dass sind Provilegien der anderen, die Zeit haben, zu hinterfragen; eine Waffenlieferung, ein Gesetz, ein verschissenes Bruttoinlandsprodukts…
Hier, kochen sie Reis für 13 Tage Hunger
Aber mit jedem Haus stürzt ein Stück
Traum aus der Welt.
Niemals waren sie dort, die Richard David Prechts, oder die Dichter oder #fuckyouLarsEidinger.
Chancen auf Frieden, Chancen die Hand zu heben und nichts zu betrachten, als den Himmel zwischen den gespreizten Fingern, aber
Eigentlich wäre selbst das zu viel verlangt.
In einer Zeit, da wir vergaßen die Augen über die Augen der Welt zu legen und das Bild im Inneren abzugleichen.
Ich denke ein Ende & meine Jetzt. Ich denke den Tag, an dem wir aufstehen aus diesem Leben und sagen: nichts war gut & wir wussten was wir tun, was wir nicht tun & Wir waren wie Blinde auf dem Weg zum Abgrund. Schritt für Schritt. Atemzug für Atemzug. Ich denke ein Ende & meine Jetzt
Liebe Iris, wir sind hier an persönlichen wie literarischen Bezugspunkten der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann in Wien. Ist es auch in Deinen Kunstprojekten so, dass Du Lebensorte als Ausgangspunkte aufnimmst?
Lieber Walter! Danke für die Frage! Tatsächlich führe ich eine inszenatorische Technik des in Kanada lebenden Choreograf Benoît Lachambre weiter. Diese besteht darin, sich zunächst der eigenen Energie gewahr zu werden, ein langwieriger Prozess, der bei muskulären Spannungen ansetzt. Für meine Kunstprojekte habe Benoîts Technik weiterentwickelt, dafür betrete ich Räume, um Energie zu fühlen. In meiner Videoarbeit „real estate speculation“ (zu sehen auf Vimeo) kann man mich in einem Moment beobachten, in dem ich eine 93 jährige Frau in mir fühlte. Sehr intensiv war die Raumenergie auch in einem Bunker aus dem 1. Weltkrieg, Schauplatz des Filmes „Dolomitenfront“, dessen Regisseur mir die Möglichkeit gab, diesen nicht öffentlichen Ort zu betreten.
Für das von Dir vorgeschlagene Konzept des Fotoshootings visualisierte ich im Vorfeld Koordinaten im Leben Ingeborg Bachmanns, ein Verleger kam in meinen Sinn, der am selben Tag noch zu treffen sei. Die Beatrixgasse, durch die sie/ich ging, fühlte sich wesentlich verändert an, kurz, es entspann sich ein Netzwerk, das mich in verschiedene Richtungen zog und sich, so hoffe ich, durch die Fotos an die Leser:innen Deines Blogs vermittelt.
Welche Bezüge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann?
Der intensivste Moment war unser Fotoshooting. Ich muss aber auch sagen, dass mich ihr Roman „Malina“ packt. Endlich packt mich Literatur wieder. Vor der Fertigstellung meines PhD habe ich viel gelesen, auch Werke, die abseits unserer westlichen Wahrnehmung entstanden. Gern las ich Romane der aus der Türkei stammenden Schriftstellerin Sevgi Soysal, da sie mit sprachlichen Strukturen politische Inhalte ausdrückte, zum Beispiel lässt sie lediglich Figuren einer reichen Oberschicht im Futur denken, um zu kritisieren, dass es für arme Menschen keine Möglichkeit eines Zukunftsentwurfs gibt. Ich denke, das wäre auch für Menschen im heutigen Wien, die von Armut betroffen sind, zutreffend.
Wie bedeutsam ist Literatur in Deinen Projekten?
Literatur ist insofern bedeutsam, da sie – ähnlich Philosophie und Mathematik – uns aus unserem Kommunikations- und Denkmustern heraus, auf andere Ebenen führt.
Wie war Dein Weg zur Weg zur Kunst und welche Schwerpunkte gibt es da?
Stell Dir vor, tatsächlich war mein Weg vermittelt über den ORF, ich stamme aus einem sehr kleinen Ort. Ohne die Sendung „Kunststücke“ wäre ich, bevor ich mit 14 nach Wien ging, nicht so jung mit experimenteller Kunst in Berührung gekommen. Ich verstand die Filme freilich nicht, aber was ich nicht verstehe – das fasziniert mich. Und so kam ich zur Philosophie und zu Konzepttanz und Konzeptkunst.
Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
Ich möchte, neben meiner wissenschaftlichen Tätigkeit, ein konzeptuelles choreografisches Stück entwickeln, das Gebärdensprache in Tanz übersetzt. Damit erreiche ich Menschen unterschiedlich ausgeprägter Sinne auf andere Weise, die Verhältnisse werden sich „umkehren“, und ein somatischer Nachteil wird zu einem Vorteil bei der Rezeption des Stücks.
Welche Bezüge gibt es von Dir zu Wien?
In meinem Leben gibt es mittlerweile zu viele Bezüge zu Wien. In vielen Bezirken gelebt, haben sich aus den Orten und ihren sozialen Milieus viele Geschichten entsponnen. Hoch und Tief.
Welche Eindrücke nimmst Du vom „Ungargassenland“ Ingeborg Bachmanns mit?
Hoch und Tief und intensiv.
Darf ich Dich abschließend zu einem Ingeborg Akrostichon bitten?
Es handelt sich nicht um ein klassisches Akrostichon, sondern die von mir vorgeschlagene Struktur ist zum Tanzen gedacht (–) bedeutet (für mich) ein Rond de Jambe, jede(r) kann es anders interpretieren:
Lieber Axel Karner, herzliche Gratulation zum Klagenfurter Humbert Fink Preis für Literatur 2022!
Axel Karner, Schriftsteller _ Wien _ Humbert Fink Preisträger 2022 _
Du bist im Kärntner Drautal in einem evangelischen Pfarrhaus aufgewachsen und warst dann als Religionslehrerin Wien tätig. Wo siehst Du Wurzeln, Inspirationen Deines Schreibens?
Das Aufwachsen in einem evangelischen Pfarrhaus am Dorf mit seinen sprachlichen, religiösen und bildungsbürgerlichen Eigenheiten, sozialen Zwängen und familiären Idyllen, in denen die damaligen politischen und kulturellen Verhältnisse Kärntens mit seinen immer wieder nationalistisch geschürten Konflikten zwischen deutsch und slowenisch sprechenden Kärntnern kaum, und wenn nur verhüllt, abgebildet und thematisiert worden waren, barg viel Widersprüchliches. Neben dem geradezu verklärten Bild einer sorglosen Kindheit stand Verdrängung und Abspaltung. Eine zwanglose Unbefangenheit „Bullerbü´scher“ Gestaltung war im Rahmen sozialer Kontrolle durch Gemeindeglieder kaum zu leben und sicher nicht erwünscht.
Meine frühe Entwicklung vollzog sich auf einem Spannungsfeld gesellschaftlicher Privilegierung und einem daraus resultierenden Rollenverständnis, das mich von dörflichen Ereignissen oft schmerzlich fernhielt, zugleich aber eine besondere Aufmerksamkeit zumindest gegenüber der evangelischen Mehrheitsbevölkerung des Dorfes einforderte.
Die Wurzeln meines Schreibens finden sich in der Polarität einer wissenschafts-theologischen Sprachlosigkeit meines Vaters und einer besonderen seelsorgerlichen Zuwendung zu seiner ländlich-agrarisch zusammengesetzten Gemeinde. Was ein bestimmtes Maß an Empathie und ein hohes Gespür für Sprache und für Kommunikation voraussetzte. Aber auch aus der Musikalität meiner Mutter mit ihrem pädagogischen Scheitern an uns Kindern scheint eine Sehnsucht nach künstlerischem Ausdruck und sprachlichem Verständnis gewachsen zu sein.
Martin Luther betonte das „aufs Maul schauen“, die Wichtigkeit sprachlicher Lebenswelt, in seiner Bibelübersetzung. Deine bevorzugte literarische Sprachform ist die Lyrik im Dialekt. Was macht für Dich das Hören und Sagen im Schreiben aus?
Luthers Anspruch eines umfassenden Bibelverständnisses war zwar nur bedingt herrschaftskritisch angelegt, war aber umso befreiender in Sozial- und Glaubensfragen und verknüpft mit der Vorstellung des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen. Authentizität in der sprachlichen Umsetzung der Übersetzung und Ausdeutung des biblischen Textes und eine genaue, das heißt die Lebenswelt der Leser abbildende Sprache, zeugen von seinem hohen sozialen Verständnis. Die Forderung nach allgemeiner Bildung folgt zwangsläufig. Luthers Ausspruch intendiert, im Verständnis der sprachlichen Botschaft, nahe seiner angesprochenen Zielgruppe zu sein. In seiner Emotionalität und musikalischen Veranlagung hatte Luther schließlich auch ein Gefühl dafür und setzte es gekonnt sprachkünstlerisch und musikalisch um.
Aber mit dem „aufs Maul schauen“ allein ist es nicht getan. Prinzipiell hat jede Form von Sprache seine Berechtigung. Sprache ist für alle komplexeren Tätigkeiten und Denkvorgänge des Menschen unverzichtbar. Einschränkungen sind moralisch und ethisch begründet. Sprache ist aber kein „nachträgliches“ Mittel zur Verständigung zwischen Menschen, denn jede Auffassung von Dingen und Sachverhalten in der Welt ist sprachlich strukturiert. Der Mensch lebt und arbeitet in der Sprache.
Dass Sprache als komplexes kommunikatives System als „Medium des Denkens und der Weltauffassung“ (Alexander von Humboldt) zu verstehen ist, gilt auch für den Gebrauch des Dialekts.
Ganz egal, ob dieser nun als regionale Form des Sprechens und Schreibens einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe als authentisches kommunikatives Mittel zugeschrieben wird, oder ob er als Kunstmittel etwa in einem Wechsel und Austausch der Sprachäußerungen unterschiedlicher sozialer Gruppen zum Zweck der Verfremdung oder als Ausdruck der Befremdung, eine Rolle spielt.
Letzten Endes geht es immer um Diskurs und Verstehen wollen in einer unterschiedlich erfahrenen und aufgefassten Welt. Ein Rest an Miss- und Unverständnis wird bleiben.
Für meinen frühen und damit prägenden Spracherwerb sind mehrere Aspekte entscheidend. Es gibt keine muttersprachliche Herleitung für mein Sprechen. Die Verkehrssprache zu Hause war gepflegte Umgangssprache. Mein Vater, der als in der Monarchie geborener Burgenländer mehrsprachig aufgewachsen ist, lernte Deutsch in der Form des heanzischen Dialekts und Ungarisch. Meine Mutter, in Leipzig geboren, sprach ursprünglich sächsisches Deutsch und musste, um in Kärnten verstanden zu werden, „nach der Schreibe“ reden.
Wie kam ich dann zu meinem ausgeprägten Kärntner Dialekt? Um in der sozialen Besonderheit als Pfarrerskind nicht auch sprachlich aufzufallen, habe ich die Rede der Dorfkinder übernommen. Meine erste Fremdsprache ist Deutsch und mindestens genauso mangelhaft, wie alle anderen Sprachlernversuche im Laufe meines Lebens.
Welche Themen wählst Du in Deiner Dichtung?
Ich folge einer inneren Struktur. Themen drängen sich auf. Es sind scheinbar fast immer dieselben: der Mensch in seiner Einsamkeit, ausgesetzt der Gewalt, der Unterdrückung erleidet und verzweifelt, und in seiner Sprachlosigkeit im Wechselspiel zwischen Macht und Ohnmacht auf seinen Tod zugeht. Dabei zieht sich Sprachlosigkeit wie ein roter Faden auch durch mein Leben, überspielt und übertüncht von pausenloser Plapperei.
Ich wähle Themen nicht in der Weise, dass ich mir die Frage stelle, welchem Zeitgeschmack und welchem aktuellen Ereignis ich mich als nächstes zuwenden könnte. Mich treiben weder kommerzielle, noch imagefördernde Motive. Noch werde ich wichtigtuerisch über das Weltgeschehen kalkulieren.
„Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht“ formulierte die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. Was kann, muss Sprache angesichts des Krieges leisten?
Bachmann fragt, sucht, ringt in ihrer Dichtung um ein befreites weibliches Selbstverständnis, angesichts einer vom Nationalsozialismus, von Krieg und Mord geprägten, zum Großteil absenten Vätergeneration. In diesem verleugnenden, verdrängenden und dann auch abgespalteten Kontext verstehe ich auch meine eigene Blindheit und eigenes Versagen in der Welt.
Wir sind alle Stammler. In biblischer Diktion würde ich mahnen: Hütet euch vor den glatten, geschliffenen Reden.
Sprache ist ein äußerst ambivalentes Phänomen. Sie kann fragil und zart, zugleich gewaltig, vehement und gewalttätig, tröstend, ohnmächtig, wortlos heilend und eloquent leer, oder ganz einfach vernichtend sein.
Angesichts des aktuellen Krieges in der Ukraine scheint es, dass Sprache nichts vollbringt, obwohl wir ständig propagandistisch manipuliert werden. Und auch gegenseitig manipulieren. Trotz dieses Versagens bleibt die Sprache wohl unsere einzige Hoffnung und Chance, aus dem Dilemma der Zerstörung herauszukommen.
Was liest Du selbst gerne?
Im Gegensatz zu meiner Ausbildung bin ich ein eklektischer Leser. Lese, was mir unterkommt. Ich klaube, lese auf, was ich finde, sammle (lego),oder lass abseits liegen, bis ich es gebrauchen kann oder etwas passt. Entziffre, deute, erkläre. In dieser Anarchie der Eindrücke hat auch der Zufall seine Systematik. Was mir zufällig erscheint, baut letztlich immer auf einem persönlich erfahrenen Hintergrund.
Derzeit lese ich unter anderem viele handwerklich gut erzählte Krimis des „American Noir“. Geschichten von Jim Thompson, Chester Himes, James Lee Burke, die bevölkert sind von Außenseitern, vom Schicksal einen Arschtritt kriegen und die, ohne Chance auf Erlösung um ihr nacktes Leben rennen. Dabei interessiert mich vor allem der soziale Subtext und fasziniert mich, wie die Ausweglosigkeit der Figuren und deren Führung durch den Autor, den Leser die eigene Hilflosigkeit und Ohnmacht spüren lässt (Chester Himes, Lauf, Hase, lauf). Eine ganz eigenartige und manchen persönlichen Alltagserfahrungen entsprechende Interpretation von Lebenslauf.
Axel Karner, Schriftsteller _ Wien _ Humbert Fink Preisträger 2022 _
Vielen Dank für das Interview, lieber Axel! Alles Gute und viel Freude und Erfolg weiterhin!
Humbert Fink Preisträger 2022 _ Axel Karner, Schriftsteller_Wien
Liebe Laura, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Oje, den gibt es nicht. Ich gestalte meine Tage so, dass jeder anders ist. Ich versuche, alle Leidenschaften unter einen Hut zu kriegen, was eine echte Herausforderung ist, wenn der Tag nur 24h hat.
Nur Zähneputzen kann ich vielleicht als tägliche Konstante nennen…
Laura Friedrich Tejero_Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dass wir aufeinander zugehen. Dass wir unsere Differenzen begrüßen und zelebrieren.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Als Künstlerin sehe ich mich in der Verantwortung, besonders genau hinzuhören. Es ist vor allem jetzt unsere Aufgabe, anderen Geschichten mit großer Empathie zu begegnen und sie für andere ebenso empathisch so zu erzählen. Ich sehe es als großes Privileg an, in meinem Beruf als Schauspielerin das Publikum auf eine emotionale Reise mitnehmen zu dürfen und ihnen andere Sichtweisen und Eindrücke aufzuzeigen.
In solchen Zeiten ist es daher umso wichtiger, die Geschichten bewusst auszuwählen, die man weitergibt.
Was liest Du derzeit?
Alle Drehbücher, die ich in die Finger kriege: Filme, Serien, Klassiker, neue Stoffe – für mich die beste Schule, um selbst eigene Drehbücher zu schreiben, womit ich während der Pandemie endlich begonnen habe.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„No dejes que el mundo cambie tu sonrisa. Haz que tu sonrisa cambie al mundo.”
Ein spanisches Zitat, das übersetzt heißt: „Lass die Welt nicht dein Lächeln, sondern dein Lächeln die Welt verändern.“
Vielen Dank für das Interview liebe Laura viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Laura Friedrich Tejero_Schauspielerin
Foto_Julian Freyberg
17.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Lieber Jakob, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Der Theaterbetrieb läuft im Grunde wieder ganz normal. Das heißt von 10:00 Uhr bis 14:00 probe ich und abends von 19:00 bis 22:00 wird auch geprobt oder eine Vorstellung gespielt. Mit Ausnahme des allerersten Lockdowns wurde bei uns auch immer geprobt, als angestellter Schauspieler hatte ich also das große Glück nicht nur finanziell „sicher“ zu sein, sondern auch arbeiten zu dürfen, wenngleich ich auch das Vorstellung spielen sehr vermisst habe.
Ein großer Unterschied zu den Jahren davor ist nun allerdings, dass oftmals kurzfristig wegen Erkrankungen Vorstellungen abgesagt werden müssen bzw. spontan und kurzfristig Einspringer passieren. Das kann teilweiße sehr anstrengend sein und lässt deutlich spüren, dass wir von der alten Normalität noch weit entfernt sind und auch noch länger bleiben werden.
Jakob Kajetan Hofbauer, Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Geduld, Verständnis aber vor allem bereit sein, spontan auf Veränderungen reagieren zu können und geistig flexibel zu bleiben, also jeden Tag auf neue Veränderungen reagieren zu können. Das ist anstrengend und ermüdend, umso wichtiger ist es aufeinander zu achten und Geduld und Verständnis nicht zu verlieren.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Einige Theater und Kulturbetriebe leiden an Zuschauerschwund. Es gibt also für die Kunst zum einen die Aufgabe dieses Publikum zurück zu gewinnen und gerade jetzt die Chance zu ergreifen neues Publikum zu erschließen, für Theater und Kunst zu begeistern. Kinder und Jugendarbeit ist nun also wichtiger denn je, aber überhaupt sehe ich es als Aufgabe der Kunst die vergangenen Jahre nicht einfach hinter uns zu lassen und wieder zu einer alten Normalität überzugehen. Die Pandemie hat viele Missstände gezeigt, es wäre schade all das wieder zu vergessen und nichts zu verändern. Aufgabe der Kunst ist die Reflexion darüber nicht ersterben zu lassen, Visionen und Utopien zu entwerfen und daran zu arbeiten diese Utopien zu Realitäten werden zu lassen.
Was liest Du derzeit?
Der Schrei der Eule von Patricia Highsmith. Eine sehr bedeutende Schriftstellerin, die auch sehr streitbar ist. An ihren Büchern fasziniert mich, wie sie Charaktere entwirft und mit welchen Abgründen sie diese ausstattet, gerade aus schauspielerischer Sicht sind ihre Romanfiguren daher für mich sehr interessant, deshalb greife ich einmal pro Jahr zu einem Buch von ihr. Gerade ist es wieder soweit.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
“If you can’t convince them, confuse them” Harry S. Truman
Ein sehr universal gültiger Satz, der zu reflektieren einlädt, aber vor dem man sich auch in Acht nehmen sollte.
Jakob Kajetan Hofbauer, Schauspieler
Vielen Dank für das Interview lieber Jakob, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Jakob Kajetan Hofbauer, Schauspieler
Fotos_Christine Miess
17.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Sandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Wenn man am Theater arbeitet, ist das sehr unterschiedlich, je nach Umfang der Rolle, Arbeitsweise der Regie und Saison. Ich bin an den Landesbühnen Sachsen als Schauspielerin angestellt und inszeniere zusätzlich. Wenn wir von Herbst bis ins Frühjahr am Stammhaus proben, sind die üblichen Probenzeiten von 10 bis 14 und von 18 bis 22 Uhr, samstags wird nur von 10 bis 14 Uhr geprobt und sonntags nie. Vorstellungen können immer angesetzt werden. Meistens finden diese abends statt, aber natürlich gibt es Ausnahmen, wenn man zum Beispiel im Weihnachtsmärchen eine Rolle spielt. Je nachdem wie strukturiert die Regie ist, bekommt man am Freitag einen Plan für die kommende Woche, der besagt, wann man für welche Szenen bestellt ist, oder man bekommt einen Plan für die Woche, an dem man immer angeschrieben wird, auch wenn man dann vielleicht gar nicht benötigt wird.
Sandra Maria Huimann _Schauspielerin und Regisseurin
Im Prinzip gibt es für festangestellte Schauspieler*innen eine Erreichbarkeitspflicht und wir müssen jeden Tag spontan abrufbar sein. Vor und nach den Proben, lerne ich Text, rekapituliere das bisher Geschehene, lese Sekundärliteratur oder beschäftige mich auf andere Arten mit meiner Figur. Zusätzlich zu den Proben und Vorstellungen hat man Anproben in Schneiderei und Maske, Pressetermine, Werbeveranstaltungen und Fotoshootings. In der Sommersaison proben und spielen wir etwas anders.
Gerade finden zum Beispiel im Vorfeld einer Inszenierung Reitproben statt. Die Proben auf Schloss Moritzburg oder auf der Felsenbühne Rathen sind dann nicht geteilt, weil die Anfahrt länger dauert. Wenn ich inszeniere, bereite ich bereits Monate vor der Konzeptionsprobe (das ist die erste Probe mit den Solist*innen) den Inszenierungsansatz des jeweiligen Stückes vor. Da finden neben viel Heimarbeit auch die ersten Besprechungen mit der Ausstattung und der Dramaturgie statt, eventuell auch mit Musiker*innen, Besetzungen werden mit der Theaterleitung besprochen, es gibt eine Bauprobe und eine Konzeptionsübergabe mit Theaterleitung und Gewerken. Als Regisseurin arbeite ich, sobald es in die Proben mit den Schauspieler*innen geht, quasi durchgängig. Zwischen den Zeiten auf der Probebühne, werden Pläne gemacht, Absprachen zu Inhaltlichem, Bühne, Licht, Werbung etc. getätigt.
Wenn ich frei habe, nutze ich die Zeit um ins Theater (gerne auch in anderen Städten), auf Konzerte oder ins Kino zu gehen. Zusätzlich bin ich Teil des musikalischen Künstlerkollektivs MACHINE DE BEAUVOIR. Während der Lockdowns habe ich zu Hause verschiedene Projekte vorbereitet, beziehungsweise auch einige Digitale Projekte umgesetzt. Da ich angestellt bin, war ich in der glücklichen Position mir keine existenziellen Sorgen machen zu müssen.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Die Verbindung mit anderen Menschen. Gegenseitige Ermutigung und Herausforderung. Eine Stütze zu sein. Verlässlich zu sein. Zu wissen, wann man NEIN sagen muss. Für andere einstehen. Für sich einstehen. Das Hinterfragen der eigenen Sichtweisen. Das Festigen der eigenen Sichtweisen, durch ständiges Hinterfragen, das Stehen dazu und der Versuch sie zu leben.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Das Theater war und ist ein Ort der Begegnung, der Katharsis, des Diskurses, der Inspiration, der Reibung, außerdem ein Ort der Unterhaltung. Wenn diese Punkte aufeinandertreffen, interessiert mich die Inszenierung meistens. Was auf der Bühne gezeigt wird, sollte seine Berechtigung im Heute haben, sich ihm aber nicht anbiedern. Ich interessiere mich dafür gewaltige Ideen, Geschichten, Schicksale nahbar zu machen. Überheblichkeit ist Stillstand und somit der Tod der Kunst. Wenn uns der Humor (und die Selbstironie) verloren geht, sind wir alle nicht mehr zu retten. Man sollte sich selbst nie zu ernst nehmen.
Was liest Du derzeit?
Zwei Bücher, die sich mit der WEISSEN ROSE beschäftigen, da ich die Kammeroper von Udo Zimmermann im Frühjahr am Theater Regensburg inszenieren darf. Zusätzlich habe ich angefangen BRÜSTE UND EIER von Mieko Kawakami zu lesen, ein Geburtstagsgeschenk, das ich vor kurzem von einer Freundin erhalten habe. Und in BAD FEMINIST von Roxane Gay stecke ich augenblicklich Kapitelweise immer mal wieder meine Nase.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“ Ingeborg Bachmann
Sandra Maria Huimann _Schauspielerin und Regisseurin
Vielen Dank für das Interview liebe Sandra Maria, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Sandra Maria Huimann _Schauspielerin und Regisseurin