„Kunst zeigt uns Möglichkeiten der Realität – und für diese sollten wir wach sein“ Julia Koch, Schauspielerin _ Wien 13.11.2020

Liebe Julia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin früh wach, gehe die Prater Hauptallee rauf und runter und verbringe den
Tag dann meist schreibend. Mich schon sehr auf das nächste Schauspielprojekt
freuend, habe ich jetzt noch Zeit für anderes – die Liebe zum Beispiel, die mein
Leben und mich momentan mehr durcheinander wirbelt als die herrschende
Corona-Pandemie.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Achtsamkeit. Nicht nur die brave Achtsamkeit, die sich eine Maske aufsetzt und
Mindestabstände einhält, sondern auch jene, durch die wir unser Umfeld
bewusster wahrnehmen und sorgsam entscheiden und handeln.

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und
persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt
dabei dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich denke, ein Kunstwerk – sei es nun ein Buch, ein Bild, ein Musikstück oder ein
Film – ist immer „mehr“. Mehr als Alltag, mehr als Normalität, mehr als das, was
gemeinhin erkennbar ist. Die Kunst strebt darüber hinaus, also in Richtung des
Unfassbaren. Somit hat sie das Potential neue Formen und Bilder zu erschaffen,
die unter Umständen Leitbild sein können. Hoffnung geben können. Motivation
sein können. Kunst zeigt uns Möglichkeiten der Realität, und für diese sollten wir
wach sein. Immer. Nicht nur jetzt.

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Was liest Du derzeit?

„We should all be feminists“ von Chimamanda Ngozi Adichie

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Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Man eröffnet der Frau die Zukunft und sie wird sich nicht mehr an die
Vergangenheit klammern.“ Simone de Beauvoir in „Das andere Geschlecht“
Im Glauben, dass diese Tatsache sich nicht auf die Frau beschränkt, sondern für
den Menschen gilt.

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Vielen Dank für das Interview liebe Julia, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Julia Koch, Schauspielerin

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https://www.juliakoch.at/

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Station bei Bachmann _ Romanschauplatz „Malina“ _Wien _ 8_20.

20.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die künstlerische Auseinandersetzung ist mein Schutz- und Forschungsraum“ Kirstin Schwab, Schriftstellerin _ Wien 12.11.2020

Liebe Kirstin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich finde immer eine kreative Auseinandersetzung, die mich reizt. Zur Zeit ist es schwierig als Schauspielerin zu arbeiten, also schreibe ich mehr, meist in meinem „Kreativhäusl“, da kann ich zum Gerhirnlüften schnell in den Garten gehen und mich durch das wahllose Abschneiden von drei Blättern oder durch die Beobachtung meiner Haus und Hof Eidechse Rudi wieder zentrieren.
Der Gewinn des DIXI-Kinderliteraturpreises 2020 (die Verleihung findet lustigerweise an meinem Geburtstag, am 17.11., statt) hat mich dazu inspiriert neben Theaterstücken und Lyrik für Erwachsene, auch Gedichte und Texte für Kinder zu schreiben. So ist gerade eine neue Kindergeschichte, „Das große Vielleicht“, entstanden.

In den Wochen des Lockdowns habe ich außerdem begonnen jeden Tag eine Zeichnung zu machen. Zu Beginn war die Intention einfach nur meiner Familie und meinen Freunden etwas Aufmunterndes schicken zu können. Ich habe die Serie, die dabei entstanden ist, Time-Frogs getauft, und jetzt werden daraus Postkarten und ein Kalender, daran arbeite ich gerade.

Das Schreiben von Geschichten für Kinder und das Zeichnen und Malen empfinde ich als sehr befreiend. Darin liegt die Kraft der Imagination, die Kraft des Spielerischen, die Kraft, dass alles möglich ist.
Und ich gehe gerne spazieren, betrachte die Landschaft, sammle Steine, beobachte Tiere, sehe, wie das Wetter die Farben des Himmels wechselt… die Entdeckung der Langsamkeit… ich genieße alles, was nicht virtuell ist.
Lesen, schreiben, malen, reden, viel Wein trinken, Rad fahren, mich im Garten eingraben…

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich Zeit nehmen.  SanftMUT.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Literatur, der Kunst an sich zu?

Mir persönlich schenkt die künstlerische Auseinandersetzung ein reiches Leben, sie ist mein Schutz- und Forschungsraum. Ich weiß um ihre Kraft und ich hoffe, dass wir auch gesellschaftlich als Kollektiv ihren Wert und ihre Wichtigkeit erkennen und unsere Prioritäten verändern.

sdr

Kirstin Schwab (Vordergrund)  in „Heile mich“ Aktionstheater Ensemble_29.1.2020 WerkX Wien.

 

 Was liest Du derzeit?

„Summer“  von Ali Smith.
Ihre Romane inspirieren mich. Ihr Blick auf Kunst und Politik fasziniert mich.  „Summer“ ist das vierte und letzte Buch einer Tetralogie, eines Jahreszeitenzyklus , der Versuch, ein Buch ganz nah an unserer unmittelbaren gesellschaftspolitischen Gegenwart zu schreiben.

„Actress“ von Anne Enright.
Der Titel hat mich als Schauspielerin magisch angezogen (-;

„On confidence“   – The School of Life.
Vertrauen ins Vertrauen. Das ist meine tägliche Übung.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

The important thing is this:

to be able, at any moment, to sacrifice what we are

for what we could become.

(Charles Du Bos)

Vielen Dank für das Interview liebe Kirstin, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel- und Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Kirstin Schwab_Schriftstellerin, Schauspielerin

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Foto_Walter Pobaschnig

22.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Durch Sprache können wir uns einander annähern“ Mercedes Spannagel_Schriftstellerin_Palais Auersperg Wien_11_2020

Liebe Mercedes, gratuliere zu Deinem fulminanten Debütroman „Das Palais muss brennen“!

Wie kam es zu Romanidee und wie gestaltete sich der Schreib- und Abschlussprozess Deines Romans in diesen herausfordernden Zeiten?

Ich wollte über Kinder in einem rechtskonservativen Umfeld schreiben, die, auch wenn sie nicht ganz ausbrechen können, das wäre ja zu heldenhaft, ganz sicher nicht wie ihre Eltern werden wollen.

Ich war im März 2020 in der ersten Lektoratsphase und konnte den Lockdown zum Glück nutzen, ohne Ablenkung an der Fertigstellung des Romans zu arbeiten.

Mercedes Spannagel, Schriftstellerin

Deine ProtagonistInnen kennzeichnet Lebenslust wie gesellschaftliche  Aufmerksamkeit. Es ist gleichsam ein Leben zwischen reflektiertem spielerischen ästhetischen Protest wie einer poetischen Zärtlichkeit für Mensch und zerbrechlichen Augenblick. Drückt dies das Lebensgefühl Deiner Generation aus?

Es gibt verschiedene Lebensrealitäten und meine ProtagonistInnen sollen und können nicht alles abbilden, aber ich habe versucht eine für mich spürbare Ambivalenz zu spiegeln, zu überspitzen.

„Danke, ich liebe Dich“, schreibt Lu am Morgen an die Wand bevor sie geht. Das Erleben, Erfahren von Sinn und Sinnlichkeit ist intensiv wie unsentimental. Was macht Liebe heute aus und wie kann sie gelingen?

Wir sind dabei, uns von den überholten Vorstellungen, dass alles für immer und ewig sein muss, zu lösen, die Gesellschaftsstruktur ändert sich, dadurch bekommen wir vielleicht mehr Freiheiten, die uns auch Angst machen. Ganz allgemein muss man sich immer einlassen.“

Mercedes Spannagel, Schriftstellerin _ Palais Auersperg, Wien

Dein Roman bringt die Rasanz moderner Lebenswelt in Bedürfnis, Anspruch und Kritik in eine fulminante einzigartige Sprachform. Wie entwickelte sich Dein Schreibstil und was kann, muss Sprache heute leisten?

In der Literaturwerkstatt Graz, in der ich mit 15 meine erste Werkstatt besucht habe, wurde Peter Stamm für seine Nüchternheit und Präzision hochgehalten. Damals habe ich noch mit vielen Adjektiven und großen Wörtern geschrieben, danach habe ich vielleicht ein wenig geweint. Nachdem mein ursprünglicher Zugang zum Schreiben das Erfinden von Geschichten war, habe ich mich dann verstärkt damit auseinandersetzen müssen, wie ich eigentlich die Geschichten erzählen will. Heute glaube ich nicht mehr, dass es so viele Worte braucht, nur die richtigen. Und dabei ist absurd: Was sind die richtigen Worte? Durch Sprache können wir uns einander annähern.

Gibt es literarische Vorbilder für Dich?

Mein Stapel an Lieblingsbüchern wächst. Klassiker darunter sind „Der Fremde“ von Albert Camus, „Homo Faber“ von Max Frisch oder „Die Ausgesperrten“ von Elfriede Jelinek. Aber es gibt genug zeitgenössische Schätze z.B. „Der Mauerläufer“ von Nell Zink, „Einladung an die Waghalsigen“ von Dorothee Elmiger, „Halb Taube Halb Pfau“ von Maren Kames.

Orte spielen in Deinem Roman eine wichtige Rolle. Was bedeuten Dir Orte? Welche Lieblingsorte gibt es und was macht diese aus?

Mein Lieblingsort ist eine kleine Stadt an der französischen Atlantikküste. Ich werde immer eigentlich ans Meer wollen.

Ich bin sehr ortsaffin, weshalb sie auch für meine Texte sehr wichtig sind, oft Ausgangspunkt eines Textes. Dabei muss ich nicht alles detailliert beschreiben, aber ich muss oder möchte alles wissen.

Wir sind für den Fototermin hier im Wiener Palais Auersperg. Hattest Du im Roman ein bestimmtes Palais vor Augen?

Nein, das habe ich im Kopf entworfen. Ich bin gerne Architektin oder Innenarchitektin, wenn auch nur durch Buchstaben.

Hast Du selbst einen Hund, ein Haustier? Was bedeuten Dir Tiere?

Nein habe ich nicht; ein Haustier ist keine leichtfertige Anschaffung. Aber ich find Tiere super. Überhaupt schreibe ich gerne über Tiere, weil ich sie super finde.

Welche Sportarten übst Du aus bzw. schätzt Du?

Fechten. Mit zehn Jahren habe ich damit angefangen und nach vielen Jahren Florett, habe ich vor ein paar Jahren auf Säbel gewechselt. Laufen gehe ich zum Beispiel nicht so gern.

Wie war Dein Weg zum Schreiben? Liegt Dein Schwerpunkt auf Prosatexten?

Ich schreibe seit ich schreiben kann. Das erste Buch, das ich gelesen habe, war ein „Fünf Freunde“-Buch von Enid Blyton. Die erste Kurzgeschichte, die ich mit acht oder neun geschrieben habe, war eine Abenteuergeschichte à la „Fünf Freunde“. Prosa ist meine Form, aber wahrscheinlich wäre ich am liebsten Lyrikerin, obwohl ich mich noch nie getraut habe Gedichte zu schreiben.

Was sind Deine nächsten Schreibpläne?

Ein zweites Buch.

Mercedes Spannagel, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Mercedes und weiterhin viel Freude und Erfolg!

Mercedes Spannagel, Schriftstellerin

Aktueller Roman „Das Palais muss brennen“

Nominierung Österreichischer Buchpreis 2020 Debüt

https://www.kiwi-verlag.de/buch/mercedes-spannagel-das-palais-muss-brennen-9783462055092

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Palais Auersperg_Wien 21.10.2020

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„Kultur kämpft generell. Mit und ohne Pandemie. Und sie wird – wie immer – überleben“ Sabina Dobric, Schauspielerin_Wien 11.11.2020

Liebe Sabina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen, zu mir kommen, aus meinen Träumen erwachen, in der Realität ankommen und mich fokussieren. Während meine Bialetti Kanne kocht, meditiere ich. Ich liebe frische Luft, Sauerstoff – daher ist das Fenster in der Früh meist offen. Ich fühle gern diese Welt mit ihren Menschen ohne mich andauernd in Gesellschaft begeben zu müssen…..

Sabina Dobric, Schauspielerin

Der Tag hat als alleinerziehende Mutter leider zu wenige Stunden, wesentlich ist die Verantwortung für mein Kind da zu sein. Also gestalte ich meinen Alltag um diese Mitte, ohne auch das Leben rundum zu verpassen. Ich war schon immer selbständig, daher bringt mich als Frau und Mutter nichts so leicht aus der Ruhe – auch eine Pandemie nicht. Das Leben geht weiter. .

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Entschlossenheit weiterzumachen, für sich, unsere Lieben und für uns als Gesellschaft. Der Zusammenhalt, der zu spüren ist, erfreut und gibt Zuversicht und Kraft.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Kultur kämpft generell. Mit und ohne Pandemie. Und sie wird – wie immer – überleben. Und wir müssen es auch.

Was liest Du derzeit?

Die Unsterblichkeit von Milan Kundera.

Welchen Impuls aus Theaterprojekten möchtest Du uns
mitgeben?

Emotion ist keine Performance. Von Violeta Radić habe ich gelernt, dass jede Rolle in einem selbst gefunden werden muss. Und das erfordert sehr viel Hingabe des eigenen Seins. Das macht für mich Schauspiel aus.

Sabina Dobric, Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview liebe Sabina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-, Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Sabina Dobric_Schauspielerin, Künstlerin, Model

Alle Fotos_Walter Pobaschnig_Romanschauplatz „Malina“_Wien 6_2020.

7.11.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Nicht die Flinte ins Corona-Korn werfen, neue Projekte in Angriff nehmen und alle Förderungen anzapfen, die es gibt“ Horst Dieter Sihler, Schriftsteller _ Klagenfurt 10.11.2020

Lieber Horst, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

wie immer seit 20 jahren – als copd-behinderter single bin ich schon lange im homeoffice – bin stolz dass ich genau am höhepunkt meines copd-schubs im jänner – in klausur zwischen bett und pc – mein neues buch, den foto-gedichtband „haus im sommer“ (wieser-verlag 2020), fertigstellen konnte, für das ich jetzt begeistertes feedback bekomme (siehe auch ilse gerhardt in der kärntner woche) und im september sogar ein kurzfilm-projekt mit chris haderer  realisieren werde …

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

durchhalte-vermögen – nicht die flinte ins corona-korn werfen – sondern im widerstand gegen alle fake-news und soziale probleme neue projekte – welche auch immer – in angriff nehmen – und alle förderungen anzapfen die es gibt …

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, dem Film, der Kunst an sich zu?

als im märz die buchmesse, die diagonale und der bachmannpreis abgesagt wurden – habe ich sofort digitale gegenangriffe entwickelt – die zum teil dann auch realisiert wurden (nicht von mir)- war etwas überfordert – ergebnis: stiller schlaganfall/gesichtslähmung/augenprobleme – war eine zeitlang fast blind – kann seit damals nur eingeschränkt lesen und filme schauen – bessert sich alles viel zu langsam…

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Was liest Du derzeit?

habe plötzlich ganze vier buch-manuskripte von freunden am computer

wo ich ein bißchen lektor spielen sollte (mit meinem auge!!!)

1 – Jozi Strutz: Das Feuerschiff – Gedichte/Prosa /Drama (15o Seiten )

2 – Wolfgang Koch: Biographie von Viktor Rogy (555 Seiten)

3 – Ilse Gerhardt: Zug um Zug – Groteskes Theaterstück

4 – Martin Daniel Sihler – Fantasy-Roman (400 Seiten)

jaja – mein jüngster sohn – der kaum bücher liest (was mich immer sehr betrübte) aber bücher schreibt – hat seinen dritten roman fertig …

 

außerdem stapeln sich bei mir – nur angelesen – 10 neue bücher (von meiner digitalen zweiten bibliothek am kindle gar nicht zu reden) – wie christa wolfs bestes SOMMERSTÜCK – der erstaunliche GESCHENKTE GAUL von hildegard knef oder VULVA – das wichtigste aufklärungsbuch unserer tage usw.- ebenso wie gedichte von guttenbrunner/cosovel/octavio paz usw. – gerade habe ich auf lyrikline schöne gedichte gehört – gelesen von unserer stadtschreiberin ronya othmann – die sich auch für den kurdischen film einsetzt – wo sind die zeiten als ich in den 90ern den ersten film in kurdischer sprache im volkskino einsetzte – werde kontakt mir ihr aufnehmen …

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Aus einem der Texte meines nächsten Buches „Miniaturen 1960-2020“ (gerade den Vertrag bekommen), „Klagenfurt und die Moderne“:

Niemand wußte, was da schon einige Jahre vorher – um 1950/51 – geschehen war. Dass da Maria Lasssnig in ihrem Atelier in der Klostergasse am Heiligen-Geist-Platz (gerade verdienstvoll restauriert von Maria Nicolini), zusammen mit Arnulf Rainer, die Weichen für die moderne Kunst in Österreich stellte  – und sogar einen „obszönen“ männlichen Akt eines gewissen Michael Guttenbrunner ausgestellt hatte, der in den zur gleichen Zeit beim Verlag Haid in Klagenfurt erschienenen „Surrealistischen Publikationen“ eines Max Hölzer (hat die Auseinandersetzung mit dem Surrealismus Andre Bretons angekurbelt) unter dem Pseudonym Michael Straßburg grandiose Gedichte veröffentlichte: „Der Tod ist ein Schauer der Frühe/es fehlt ihm an nichts wenn wir gehen … wir haben Christus gesehen/in der Schlangengrube der Dogmen.“ Und zu allem Überfluss findet man da auch einige Gedichte des jungen Paul Celan, unzweifelhaft an die junge Ingeborg Bachmann gerichtet, die kaum zweihundert Meter von dem Ort, wo ich jetzt lebe, aufgewachsen ist: „Wer sein Herz aus der Brust reisst zur Nacht, der langt nach der Rose/Sein ist ihr Blatt und Ihr Dorn …“

 

Vielen Dank für das Interview lieber Horst Dieter, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen

Horst Dieter Sihler, Schriftsteller

http://www.literaturhaus-graz.at/autor/horst-dieter-sihler/

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21.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Am Wichtigsten wäre jetzt praktische Solidarität. Einsicht in gemeinsame Interessen und dann kämpfen“ Philipp Böhm, Schriftsteller _ Berlin 9.11.2020

Lieber Philipp, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich schlafe so lang es geht, trinke Kaffee unterwegs und gehe noch etwas verballert zur Arbeit. Nachmittags setze ich mich an meine Texte, überarbeite, mache Notizen, Skizzen und recherchiere zu Fettbergen, Schlafhaien und spiritistischen Fotografien der 20er Jahre. Das ist schön.

Philipp Böhm

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Auf die Pandemie bezogen gibt es meiner Ansicht nach kein „Wir alle“. Ich halte die Reden von der Krankheit, die uns „alle gleich macht“, für falsch. Die Krankheit setzt nicht alle auf einen Status universeller Verletzbarkeit zurück, sie macht vor allem die Unterschiede deutlich: Klassenunterschiede und damit verbunden rassistische Strukturen, traditionelle Geschlechterrollen, die in Zeiten des Rückzugs aus dem öffentlichen Raum noch stärker forciert wurden. Es macht eben doch einen großen Unterschied, ob man nicht raus kann und aber gleichzeitig auf einem geräumigen Balkon hockt oder in einer viel zu kleinen Wohnung. Ob man im Home-Office arbeiten kann oder jeden Morgen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit muss. Ganz banale Sachen eben. Deshalb: Am wichtigsten wäre jetzt praktische Solidarität. Und das heißt nicht Charity, sondern Einsicht in gemeinsame Interessen und dann kämpfen.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Aufbruch und Neubeginn sehe ich nicht, eher eine Verschärfung dessen, was davor schon da war. Ich hatte das Gefühl, es gab ein kurzes Zeitfenster, in dem mehr Menschen über Arbeit, Alltag und wie man das alles anders organisieren könnte, nachgedacht haben – aber das ist vorbei. Es waren wieder die am lautesten, die meinten, es wäre jetzt am allerwichtigsten, dass alle wieder arbeiten, dass alles möglichst schnell wieder so werden soll, wie es vor der Pandemie war.

Und was die Literatur angeht: Die Literatur wird ohnehin andauernd mit Aufgaben belastet, für die sie nicht da ist. Die Literatur sollte vor allem erst einmal nicht langweilig sein. Das ist übrigens sehr viel mehr, als es im ersten Moment scheinen mag. Ansonsten finde ich sie da am interessantesten, wo sie nichts will und dadurch alles fordert.

 

 

Was liest Du derzeit?

„Tenth of December“ von George Saunders, „Zolitude“ von Paige Cooper, 70er Jahre Comics von Philippe Druillet und ein Sachbuch über Okkultismus. Alles sehr gut.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich bin nicht mehr so gut im Sentenzen-Game, wie ich es mal war, aber dieses Zitat von Arno Schmidt geht immer: „Das Leben des Menschen ist kurz. Wer sich betrinken will, hat keine Zeit zu verlieren!“

 

 

Vielen Dank für das Interview lieber Philipp, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen

Philipp Böhm, Schriftsteller

https://www.verbrecherverlag.de/author/detail/320

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21.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wie ein Regenbogen“ Das außergewöhnliche Leben von Anita Pallenberg, Simon Wells. Hannibal Verlag.

„Es ist die Liebe, die spricht, über die Stille und Weite hinweg“ – so erinnert sich der amerikanische Künstler Gerard Malanga, enger Mitarbeiter von Andy Warhol, an Anita Pallenberg (1942 – 2017)  – Model, Schauspielerin, Muse und Mutter. Eine Frau zwischen Träumen, Visionen und persönlichen Realitäten wie Dramen. Selbstbewusst und frei – „Es umgab sie eine faszinierende Aura, eine große Verführungskraft…Anita war belesen und weit gereist, doch immer voller Neugier und mit einem Gespür für das Abenteuerliche…“ (Deborah Dixon).

Geboren wird Anita Pallenberg im Frühling. In Rom. Im Krieg – 1942, als zweite Tochter von Arnoldo und Paula. Musik und Kunst spielen eine große Rolle für die Familie, in den Kriegstagen und danach. Es ist ein Anker, der hielt in Ungewissheiten und Verhängnissen des Krieges. Anita wächst damit auf und nimmt dies in ihre Lebenswege zu Kunst, Mode und mit Künstlern mit – an Lebensträumen festhalten und die Kraft davon aus der Kunst beziehen und ihr das zuzutrauen und anzuvertrauen…

Simon Wells, britischer Regisseur und Autor, legt mit seiner Biographie über Anita Pallenberg eine mitreißende kulturgeschichtliche Zeitreise in die 1960er wie die folgenden Jahrzehnte vor und lässt Leserinnen und Leser in Bühne, Tourleben wie Privatleben der Musik- und Kunststars der Zeit eintauchen. Beeindruckend sind die vielen Interviews von ZeitzeugInnen, die unmittelbaren Einblick in Begegnung und Erleben mit einer der schillerndsten wie geheimnisvollsten Persönlichkeiten in enger und engster Verbindung zur Kultband Rolling Stones wie dem weiteren Musik- und Kunstleben gibt.

Der Autor begeistert mit einem packenden Erzählstil, der am rasanten Leben der Zeit  und dessen ungeahnten Geschwindigkeiten in Liebe und Drama dran ist. Mit enormer Kenntnis der Entwicklungen von Kunst- und Musikbusiness in den 1960er Jahren und folgenden Dekaden gelingt es Wells Information zu Kultur- und Zeitgeschichte mit persönlichem Lebensweg zu verbinden und so auch eine Zeit anschaulich werden zu lassen.

„Eine Biographie als mitreißendes Rockkonzert vor und hinter der Bühne“

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„Sich nicht von Angst lenken lassen. Sich nicht ausbeuten lassen.“ Elena Messner, Schriftstellerin_Wien 8.11.2021

Liebe Elena, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich recherchiere, schreibe, lese, organisiere – und versuche mich von den Klängen der Lockdown-Drohungen und Ähnlichem (noch) nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Derzeit stelle ich mit KollegInnen eine wissenschaftliche Veranstaltung zum Heeresgeschichtlichen Museum in Wien und ein theaterpolitisches Forum in Klagenfurt auf die Beine, entwickle ein Veranstaltungsformat im Sinne eines literarisch-politischen „Realitätschecks“ für das Wiener Literaturhaus, plane mit ein paar Kolleginnen eine feministische Veranstaltungsreihe, schreibe außerdem an meinem vierten Roman und an einigen Essays. Der Austausch mit Anderen hat sich insgesamt stark ins Virtuelle oder aufs Telefonieren verlagert, wie das ja bei vielen Menschen gerade der Fall ist. Aber gerade die literarische und die politische Auseinandersetzung, egal ob in Form von Kunst, Literatur oder Wissenschaft, auch wenn sie jetzt im „soften Lockdown“ wieder nur beschränkt lebbar ist, schützt vor Isolation, schützt vor Frustration.

Elena Messner_Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Überhaupt zu verstehen, zu spüren, zu wissen, was für einen eben „besonders wichtig“ ist. Und dann dieses „Wichtige“, dieses „Besondere“ zu erhalten. Sich nicht „Hedonismus“ vorwerfen zu lassen, weil man einen Alltag aufrechtzuerhalten versucht, der mehr ist als Essen, Schlafen, Arbeiten und das Totschlagen von Zeit dazwischen. Sich nicht von Angst lenken lassen. Sich nicht einteilen zu lassen in „systemrelevant“ und nicht „systemrelevant“. Sich nicht ausbeuten lassen. Zu erkennen, dass und wie andere ausgebeutet werden und dagegenzusteuern, wo man kann.

Vor einem Aufbruch, Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich denke nicht, dass ein Neubeginn, oder ein Aufbruch im positiven Sinne ansteht. Weder politisch noch sozial. Diese globale „Gesundheitskrise“ hat die Schwächsten noch mehr geschwächt: Frauen, MigrantInnen, SchlechtverdienerInnen, prekär Beschäftigte, KleinunternehmerInnen, Kinder und Jugendliche. Denken wir nur an das Problem der Pflege, an Kindererziehungspflichten und Schulschließungen, an die gestiegene Arbeitslosigkeit und die neu auferstandenen Nationalgrenzen. Die neue Rolle der Kunst und Literatur wird also eine uralte bleiben, denn es ist ja  gesellschaftlich nichts Neues in Sicht. Die zentrale, alte Rolle, die man im marktorientierten Kulturbetrieb oft gerne übergeht, wird aber hoffentlich wieder mehr Relevanz erhalten, denn Literatur könnte zukünftig stärker ein kritisches, ein aufrüttelndes, ein ästhetisch spannendes Beschreibungs- und Analysemittel sein, das Utopien, Angstfreiheit, Hoffnungsdenken entwirft, das aber auch gegen jede – und zwar v.a. gegen politische – Naivität angeht. Ganz im Sinne der unten zitierten Christa Wolf: scharf, genau, zupackend, veränderlich.

Was liest Du derzeit?

Viel Ivan Cankar. Und kreuz und quer allerlei Anderes: Aufsätze zur Militärgeschichte Österreichs. Zur Romantheorie. Zur flexiblen neoliberalen Subjektivität, globalen Reality Show, Knechtschaft als Lust. Zum Judentum in Galizien, beäugt durch Alexander Sacher-Masoch. Zum Reisen in die Zukunft.

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Und doch hat man die Ahnung, dass es sie geben müsste: eine Gattung, die den Mut hat, sich selbst als Instrument zu verstehen – scharf, genau, zupackend, veränderlich –, und die sich als Mittel nimmt, nicht als Selbstzweck. Als ein Mittel, Zukunft in die Gegenwart hinein vorzuschieben.“

– Christa Wolf, „Weltbilder“ aus „Lesen und Schreiben. Aufsätze und Betrachtungen, 1972

Vielen Dank für das Interview liebe Elena, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Elena Messner, Schriftstellerin

https://www.elena-messner.com/

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29.10.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst muss nach vorne streben, vorausdenken, die Gesellschaft einbinden“ Lisa Fertner, Schauspielerin _ München _7.11.2020

Liebe Lisa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mir ist der Tag immer noch zu kurz, um ehrlich zu sein, viel hat sich nicht geändert.

Aber ich habe angefangen alltägliche Situationen bewusst zu genießen. Den Kaffeegeruch, bevor ich ihn trinke. Die Seifenblasen auf meiner Hand, wenn ich sie wasche. Die Ruhe auf meinem Balkon, die nie still ist.

Lisa Fertner, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht auf das zu schauen, was -nicht- geht, sondern aktiv voraus steuern und das Ruder nicht aus der Hand lassen. Wir sind selbst verantwortlich wie wir auf äußere Umstände reagieren, ob wir uns daran klammern, was wir hatten oder ob wir den Schalter umlegen und anfangen umzudenken.

Was wir jetzt lernen können, ist sparsam sein. Wertschätzen, was man hat. Augen aufmachen und uns mit Themen konfrontieren, zu denen wir gerne keine Zeit haben. Uns selbst gut tun. 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich bin auch jemand, der alte Traditionen liebt, keine Frage. Ich entwickle meine Fotos analog und klebe sie mit Fotoecken in ein Album. Aber das ist privat, da kann ich mich dafür entscheiden, nicht mit der Zeit zu gehen.

Kunst allerdings muss nach vorne streben, vorausdenken, die Gesellschaft einbinden. Das Theater versucht sich seit Jahren über Wasser zu halten. Vielleicht sind wir an dem Punkt angelangt, wo es gezwungen wird zu handeln und nicht nur darauf zu hoffen, dass „sich alles wieder einpendelt“. Ich glaube daran, dass sich Kunst vermischen muss. Vielleicht sehen wir irgendwann einen halben Film, dessen Geschichte im Theater zu Ende erzählt wird, während MalerInnen, FotografInnen im Foyer themenbezogen ausstellen und anschließend gibt es ein Konzert. Ich glaube der Weg, den wir einschlagen müssen, ist ein gemeinsamer.

Was liest Du derzeit?

Omar Khir Alanam – Auf der Reise im Dazwischen

Lisa Fertner, Schauspielerin

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich denke, wir machen kurzen Prozeß mit den Gardinen oben im Saal und schneiden sie etwas ab oder schließen wenigstens die Fenster; es wird ohnehin bald stürmisch genug werden.“ (Effi Briest, T. Fontane)

Vielen Dank für das Interview liebe Lisa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen

Lisa Fertner_Schauspielerin

http://lisa.fertner.com/de/home.html

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Hotel Regina_Wien 2.11.2020.

10.10.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Fähigkeit zuzuhören und zu hören, zu lieben und die Liebe zu schätzen, nicht gleichgültig zu sein“ Marta Mokhnatska, Schriftstellerin_Lwiw, Ukraine _ 6.11.2020

Liebe Marta, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Seit Februar des Jahres arbeite ich von zu Hause aus. Anfangs, als ich nicht allein zu Hause war, bedeutete die Quarantäne für mich nichts mehr als eine sehr bequeme Reduzierung der Anzahl der Menschen um mich herum.

Aber während der letzten Monate wurde die Quarantäne zu meinem ständigen Versuch, mir selbst zuzustimmen, all meine schlechten Gedanken und Zustände zu überwinden, nach Selbstkontrolle und inneren Kompromissen zu suchen.

Ich versuche zu arbeiten, zu lesen, nach interessanten Informationen zu suchen und mich zu entwickeln. Aber es gelingt mir nicht immer. Die Quarantäne ist in einer schwierigen Zeit meines Lebens geraten, in der es kompliziert ist, allein zu sein, und es geht für mich nicht um die Selbstständigkeit oder die Selbstgenügsamkeit, sondern um was anderes.

Marta Mokhnatska

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Fähigkeit zuzuhören und zu hören, zu lieben und die Liebe zu schätzen, nicht gleichgültig zu sein.

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die Kunst spricht immer so direkt wie möglich über das Wichtigste. Subjektiv natürlich, aber trotzdem.

Daher ist sie wahrscheinlich der erste Kanal, der verwendet wird, wenn man etwas zu sagen hat. Wir stehen jetzt vor mehreren Jahren des Umdenkens von Makro- und Mikrowerten.

Und dieses Umdenken muss ständig dokumentiert, aufgezeichnet und als Beweise uns selbst vorgelegt werden. Und es ist die Kunst, die diese Beweise, dieses Signal an sich selbst in ein paar Jahren oder an sich selbst in den nächsten Generationen darstellt.

 

 

Was liest Du derzeit?

“Das Ministerium des äußersten Glücks” von Arundhati Roy. Ich kann mich noch nicht vollständig in dieses Buch vertiefen, aber ich freue mich wirklich darauf. Arundhati Roy ist für uns eine sehr wichtige Translatorin einer völlig anderen Welt. Aber die Welt ist einzig und bedeutet eigentlich immer eins: Gewalt, innere und äußere Einschränkungen, Liebe und Tod, kleine Tragödien und Wellen, die von ihnen abweichen. Ich habe große Angst vor Erdbeben in Roys Sprache, aber ich warte immer noch endlos auf sie.

 

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“Der Mensch ist nie ganz unglücklich” von Albert Camus

 

Vielen Dank für das Interview liebe Marta, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen

Marta Mokhnatska, Schriftstellerin

Foto_privat.

21.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Ich bedanke mich auch! Alles Gute!