„Durch Sprache können wir uns einander annähern“ Mercedes Spannagel_Schriftstellerin_Palais Auersperg Wien_11_2020

Liebe Mercedes, gratuliere zu Deinem fulminanten Debütroman „Das Palais muss brennen“!

Wie kam es zu Romanidee und wie gestaltete sich der Schreib- und Abschlussprozess Deines Romans in diesen herausfordernden Zeiten?

Ich wollte über Kinder in einem rechtskonservativen Umfeld schreiben, die, auch wenn sie nicht ganz ausbrechen können, das wäre ja zu heldenhaft, ganz sicher nicht wie ihre Eltern werden wollen.

Ich war im März 2020 in der ersten Lektoratsphase und konnte den Lockdown zum Glück nutzen, ohne Ablenkung an der Fertigstellung des Romans zu arbeiten.

Mercedes Spannagel, Schriftstellerin

Deine ProtagonistInnen kennzeichnet Lebenslust wie gesellschaftliche  Aufmerksamkeit. Es ist gleichsam ein Leben zwischen reflektiertem spielerischen ästhetischen Protest wie einer poetischen Zärtlichkeit für Mensch und zerbrechlichen Augenblick. Drückt dies das Lebensgefühl Deiner Generation aus?

Es gibt verschiedene Lebensrealitäten und meine ProtagonistInnen sollen und können nicht alles abbilden, aber ich habe versucht eine für mich spürbare Ambivalenz zu spiegeln, zu überspitzen.

„Danke, ich liebe Dich“, schreibt Lu am Morgen an die Wand bevor sie geht. Das Erleben, Erfahren von Sinn und Sinnlichkeit ist intensiv wie unsentimental. Was macht Liebe heute aus und wie kann sie gelingen?

Wir sind dabei, uns von den überholten Vorstellungen, dass alles für immer und ewig sein muss, zu lösen, die Gesellschaftsstruktur ändert sich, dadurch bekommen wir vielleicht mehr Freiheiten, die uns auch Angst machen. Ganz allgemein muss man sich immer einlassen.“

Mercedes Spannagel, Schriftstellerin _ Palais Auersperg, Wien

Dein Roman bringt die Rasanz moderner Lebenswelt in Bedürfnis, Anspruch und Kritik in eine fulminante einzigartige Sprachform. Wie entwickelte sich Dein Schreibstil und was kann, muss Sprache heute leisten?

In der Literaturwerkstatt Graz, in der ich mit 15 meine erste Werkstatt besucht habe, wurde Peter Stamm für seine Nüchternheit und Präzision hochgehalten. Damals habe ich noch mit vielen Adjektiven und großen Wörtern geschrieben, danach habe ich vielleicht ein wenig geweint. Nachdem mein ursprünglicher Zugang zum Schreiben das Erfinden von Geschichten war, habe ich mich dann verstärkt damit auseinandersetzen müssen, wie ich eigentlich die Geschichten erzählen will. Heute glaube ich nicht mehr, dass es so viele Worte braucht, nur die richtigen. Und dabei ist absurd: Was sind die richtigen Worte? Durch Sprache können wir uns einander annähern.

Gibt es literarische Vorbilder für Dich?

Mein Stapel an Lieblingsbüchern wächst. Klassiker darunter sind „Der Fremde“ von Albert Camus, „Homo Faber“ von Max Frisch oder „Die Ausgesperrten“ von Elfriede Jelinek. Aber es gibt genug zeitgenössische Schätze z.B. „Der Mauerläufer“ von Nell Zink, „Einladung an die Waghalsigen“ von Dorothee Elmiger, „Halb Taube Halb Pfau“ von Maren Kames.

Orte spielen in Deinem Roman eine wichtige Rolle. Was bedeuten Dir Orte? Welche Lieblingsorte gibt es und was macht diese aus?

Mein Lieblingsort ist eine kleine Stadt an der französischen Atlantikküste. Ich werde immer eigentlich ans Meer wollen.

Ich bin sehr ortsaffin, weshalb sie auch für meine Texte sehr wichtig sind, oft Ausgangspunkt eines Textes. Dabei muss ich nicht alles detailliert beschreiben, aber ich muss oder möchte alles wissen.

Wir sind für den Fototermin hier im Wiener Palais Auersperg. Hattest Du im Roman ein bestimmtes Palais vor Augen?

Nein, das habe ich im Kopf entworfen. Ich bin gerne Architektin oder Innenarchitektin, wenn auch nur durch Buchstaben.

Hast Du selbst einen Hund, ein Haustier? Was bedeuten Dir Tiere?

Nein habe ich nicht; ein Haustier ist keine leichtfertige Anschaffung. Aber ich find Tiere super. Überhaupt schreibe ich gerne über Tiere, weil ich sie super finde.

Welche Sportarten übst Du aus bzw. schätzt Du?

Fechten. Mit zehn Jahren habe ich damit angefangen und nach vielen Jahren Florett, habe ich vor ein paar Jahren auf Säbel gewechselt. Laufen gehe ich zum Beispiel nicht so gern.

Wie war Dein Weg zum Schreiben? Liegt Dein Schwerpunkt auf Prosatexten?

Ich schreibe seit ich schreiben kann. Das erste Buch, das ich gelesen habe, war ein „Fünf Freunde“-Buch von Enid Blyton. Die erste Kurzgeschichte, die ich mit acht oder neun geschrieben habe, war eine Abenteuergeschichte à la „Fünf Freunde“. Prosa ist meine Form, aber wahrscheinlich wäre ich am liebsten Lyrikerin, obwohl ich mich noch nie getraut habe Gedichte zu schreiben.

Was sind Deine nächsten Schreibpläne?

Ein zweites Buch.

Mercedes Spannagel, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Mercedes und weiterhin viel Freude und Erfolg!

Mercedes Spannagel, Schriftstellerin

Aktueller Roman „Das Palais muss brennen“

Nominierung Österreichischer Buchpreis 2020 Debüt

https://www.kiwi-verlag.de/buch/mercedes-spannagel-das-palais-muss-brennen-9783462055092

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Palais Auersperg_Wien 21.10.2020

https://literaturoutdoors.com

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