„Die künstlerische Auseinandersetzung ist mein Schutz- und Forschungsraum“ Kirstin Schwab, Schriftstellerin _ Wien 12.11.2020

Liebe Kirstin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich finde immer eine kreative Auseinandersetzung, die mich reizt. Zur Zeit ist es schwierig als Schauspielerin zu arbeiten, also schreibe ich mehr, meist in meinem „Kreativhäusl“, da kann ich zum Gerhirnlüften schnell in den Garten gehen und mich durch das wahllose Abschneiden von drei Blättern oder durch die Beobachtung meiner Haus und Hof Eidechse Rudi wieder zentrieren.
Der Gewinn des DIXI-Kinderliteraturpreises 2020 (die Verleihung findet lustigerweise an meinem Geburtstag, am 17.11., statt) hat mich dazu inspiriert neben Theaterstücken und Lyrik für Erwachsene, auch Gedichte und Texte für Kinder zu schreiben. So ist gerade eine neue Kindergeschichte, „Das große Vielleicht“, entstanden.

In den Wochen des Lockdowns habe ich außerdem begonnen jeden Tag eine Zeichnung zu machen. Zu Beginn war die Intention einfach nur meiner Familie und meinen Freunden etwas Aufmunterndes schicken zu können. Ich habe die Serie, die dabei entstanden ist, Time-Frogs getauft, und jetzt werden daraus Postkarten und ein Kalender, daran arbeite ich gerade.

Das Schreiben von Geschichten für Kinder und das Zeichnen und Malen empfinde ich als sehr befreiend. Darin liegt die Kraft der Imagination, die Kraft des Spielerischen, die Kraft, dass alles möglich ist.
Und ich gehe gerne spazieren, betrachte die Landschaft, sammle Steine, beobachte Tiere, sehe, wie das Wetter die Farben des Himmels wechselt… die Entdeckung der Langsamkeit… ich genieße alles, was nicht virtuell ist.
Lesen, schreiben, malen, reden, viel Wein trinken, Rad fahren, mich im Garten eingraben…

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich Zeit nehmen.  SanftMUT.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Literatur, der Kunst an sich zu?

Mir persönlich schenkt die künstlerische Auseinandersetzung ein reiches Leben, sie ist mein Schutz- und Forschungsraum. Ich weiß um ihre Kraft und ich hoffe, dass wir auch gesellschaftlich als Kollektiv ihren Wert und ihre Wichtigkeit erkennen und unsere Prioritäten verändern.

sdr

Kirstin Schwab (Vordergrund)  in „Heile mich“ Aktionstheater Ensemble_29.1.2020 WerkX Wien.

 

 Was liest Du derzeit?

„Summer“  von Ali Smith.
Ihre Romane inspirieren mich. Ihr Blick auf Kunst und Politik fasziniert mich.  „Summer“ ist das vierte und letzte Buch einer Tetralogie, eines Jahreszeitenzyklus , der Versuch, ein Buch ganz nah an unserer unmittelbaren gesellschaftspolitischen Gegenwart zu schreiben.

„Actress“ von Anne Enright.
Der Titel hat mich als Schauspielerin magisch angezogen (-;

„On confidence“   – The School of Life.
Vertrauen ins Vertrauen. Das ist meine tägliche Übung.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

The important thing is this:

to be able, at any moment, to sacrifice what we are

for what we could become.

(Charles Du Bos)

Vielen Dank für das Interview liebe Kirstin, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel- und Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Kirstin Schwab_Schriftstellerin, Schauspielerin

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Foto_Walter Pobaschnig

22.8.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

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