Sich wieder in die Welt hinaus trauen, die zum Teil selbstgewählten Beschränkungen abbauen, bewusst sich den Menschen stellen, Freund*innen treffen, Kultur konsumieren.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Literatur, der Musik, der Kunst an sich zu?
All das abzubilden, was mit uns passiert ist, uns aus den Korsetts raushelfen, anregen und helfen, dass wir wieder raus denken können. Freude, Hoffnung, Zuversicht verbreiten, ohne blauäugig und naiv zu sein und nicht sich der Dystopie hingeben. Gleichzeitig dorthin gehen, wo es weh tut, mit voller Empathie.
Was liest Du derzeit?
Florian Illies – Liebe in Zeiten des Hasses
Eva Menasse – Dunkelblum
Nora Räthzel – 30 Jahre Rassidmusforschung ….
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
The dream of constant change
and progress is over
abuse of power comes as no surprise
The beginning of the war is secret
no suprise but peace and hope is over
Vielen Dank für das Interview lieber Wolfgang, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Und da kam der Tod. Wie ein Schlag. Riss den Sohn fort. Den einzigen. Alles fällt. Zerfällt…Jetzt. Zurückgehen. Erinnern. Rückwärts leben, um da zu sein. Noch.
Wo anfangen? Die Bilder annehmen, die kommen. Der Kindheit.
Der Fußboden. Der Sonnenstrahl. Und das Fassen der Kinderhände danach…
„Papa ist von der Front zurück!“ Der Lastwagen und dann das Dunkel.
Jetzt spricht die Kindheit. Zuhören, sehen, aufschreiben, leben…
Irina Magritz, Schriftstellerin, wurde 1942 in der Ukraine geboren. Nach dem Studium der Filmtechnik in Leningrad folgte sie 1966 ihren Ehemann nach Ostberlin und arbeitete am Forschungsinstitut für Nachrichtentechnik und Mikroelektronik. Die vielseitige Schriftstellerin ist Mitglied der Gesellschaft für neuere Literatur in Berlin.
Die hier vorgelegten Lebenserinnerungen sind ein außergewöhnliches biografisches, zeitgeschichtliches wie literarisches Dokument. Irina Magritz erzeugt in einem sehr ausdrucksstarken wie eindringlichen Dialog von Stil und Inhalt eine ganz besondere Stille und Aufmerksamkeit, die ergriffen Seite um Seite folgen lässt. Der poetische Stil lädt wie in einem Gespräch zum Zuhören ein. Mit Betroffenheit, Staunen und Spannung. Ein besonderes Leseerlebnis, das auch zeitübergreifend nahe an der Gegenwart ist.
„Lebenserinnerungen als eindringliche poetische Reise und Mahnung über Zeiten hinweg“
Das was vorher auch schon wichtig war; den Blödsinn um uns herum versuchen zu erkennen und zu benennen. Und nach Möglichkeit dabei nicht zu zynisch zu werden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich kann da nur für die Literatur sprechen und viele werden jetzt sofort entrüstet aufschreien, aber wie man es ja bereits während der Pandemie erleben musste; keine besonders große Rolle (von politischer Seite gar als Freizeitaktivität eingestuft).
Und so wichtig und unentbehrlich die Freiheit des Wortes ist; da, wo man (fast) alles sagen kann, interessiert sich kaum einer dafür, oder es entfaltet kaum Wirkung, und wo man es nicht darf, wird man eh mundtot (oder schlimmeres) gemacht.
Was liest Du derzeit?
„Crossroads“ von Franzen
„Vernichten“ von Houllebecq
Danach „Die Dämonen“ von Dostojewski (die Neuübersetzung von Swetlana Geier)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.“ Nikos Kazantzakis
Da ist das Leben. Das Jetzt. Der Beruf als Meeresbiologin. Der Hörsaal. Fern der Herkunft. Hier im Institut ist es eine „Insel“ – „Luise wollte jemand sein, an dem man sich erinnerte. Luise war eine Insel…“.
Mensch und Tier steht im Mittelpunkt ihres Forscherlebens. Die Metamorphosen, die Angst. Lebensräume, die sich teilen, verteidigen, bekämpfen…alltäglich und über Zeitepochen…
Und wo ist Luise darin? Fragen. Wo komme ich hier? Bin ich geworden? Was sind meine Verwandlungen…Noch verborgen.
„Man wächst auf. Eine Mutter, ein Vater, zwei Kinder. Ein Bub, ein Mädchen.“
Eine Reise beginnt…an den Meeresboden der eigenen Herkunft…ein Aufruhr in Erinnerung und Gegenwart…
Wo wird es hinführen? Wo wird es enden?…Was bleibt von der Insel?
Marie Gamillscheg, in Berlin lebende österreichische Schriftstellerin, 2018 mit dem österreichischen Buchpreis Debüt ausgezeichnet, legt mit „Aufruhr der Meerestiere“ einen beeindruckenden Entwicklungs-Roman vor, der in der spannenden wie poetischen Verschlungenheit metaphorisch-assoziativen Erzählens begeistert und gängige Literatur Genres sprengt.
Es ist ein einzigartiger Stil, der Möglichkeiten modernen Schreibens auslotet und gleichsam ein neues Genre kreiert. Gamillscheg setzt hier im einzigartigen Kunstgriff das Stilmittel Sprache, um Fragen von Identität und Lebenswegen zu thematisieren. Das gekonnte wie überraschende Spiel literarischer Möglichkeiten erzeugt ein vielseitiges, ganz besonders Lese- und Literaturerlebnis.
„Marie Gamillscheg erschafft die Welt der Sprache neu. Ein Ereignis.“