GIVE PEACE A CHANCE


Erec Schumacher, 16.3.2022

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Erec Schumacher, Schriftsteller, Veranstalter und Aktivist
Alle Fotos_Erec Schumacher.
Walter Pobaschnig _ 16.3.2022.
GIVE PEACE A CHANCE


Erec Schumacher, 16.3.2022

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Erec Schumacher, Schriftsteller, Veranstalter und Aktivist
Alle Fotos_Erec Schumacher.
Walter Pobaschnig _ 16.3.2022.
GIVE PEACE A CHANCE
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Jörg Piringer – digital sound visual interactive poetry
https://joerg.piringer.net/index.php?href=info.xml&mtitle=info

Video_Jörg Piringer 3_2022
Foto_Walter Pobaschnig_Wien _ 2020
Walter Pobaschnig _ 16.3.2022.
Lieber Jens, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Seit nunmehr zweiundzwanzig Monaten besteht er, pandemiebedingt, ausschließlich auf (bewährt einsamer) Schreibarbeit daheim, unterbrochen von Spaziergängen und Wanderungen, ausgiebigem Klavierspiel, intensiver Probenarbeit mit einer befreundeten Flötistin, regelmäßigem Austausch mit einer Handvoll guter Freunde und Kollegen. Eigentlich ist damit ein angenehmes, oft auch inspirierendes Kontrastprogramm im Alltag gegeben, nichts daran ist unkomfortabel. Dennoch verfestigt sich für mich der Eindruck ungewollter, aufgezwungener und nicht endender Monotonie – denn meine zweite Säule, der Gegenpol zur kreativ notwendigen Selbstisolierung (man könnte auch sagen: die Belohnung dafür), ist in Gänze weggebrochen. So gut wie keine Recherchereisen oder Buchpremieren gibt es mehr, keine Lesereisen oder Auftritte, keine Möglichkeit, direktes Feedback für die Bücher und vorgetragenen Texte zu bekommen. Die letzte Buchmesse in Frankfurt war nur ein Schatten ihrer selbst und kein wirklicher Trost, kein wirklicher Ersatz zur gewohnten literarischen „Normalität“.

Es beschleicht mich seit einiger Zeit das ungute Gefühl, mitunter mit Eifer und Fleiß in einen leeren Raum hineinzuschreiben, aus dem nur ein ganz schwaches, klägliches Echo wieder zu mir zurück schallt. Bis zum März 2020 war ich in meinem Selbstverständnis ja ein ausgesprochen performativer Autor, für den die Präsentation meiner Bücher, der „Live“-Austausch mit Lesern und Publikum, das Auf-der-Bühne-Stehen und Vortragen mindestens ebenso wichtig war wie dessen unverzichtbare Voraussetzung, das Schreiben und die Genese meiner Buchprojekte.
Ich sehne mich deshalb immer häufiger nach wieder gut gefüllten Buchhandlungen und Veranstaltungssälen, nach gewohnt raschen, spontanen Reaktionen auf all das, was ich vorgelegt und formuliert habe. Und ich möchte nicht länger hinnehmen müssen, dass literarische Tätigkeit zum Selbstzweck verkommt. Man schreibt ganz gewiss auch für sich selbst, aber in erster Linie eben doch für andere. Man will gehört und verstanden werden, man riskiert, missverstanden zu werden, man ist auf die Außenwelt angewiesen. Man benötigt Lebendigkeit wie die Luft zum Atmen. Eingeschränkte Kreativität ist einfach auf Dauer unerquicklich. Zu lange abgekapselt zu bleiben, zumal wenn man sich nicht selbst ausdrücklich dafür entschieden hat, halte ich für ungesund und auch der Qualität der Texte letzten Endes abträglich.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zuallererst das Kämpfen für eine echte Debattenkultur. In den vergangenen zwei Jahren haben sich extreme Standpunkte verfestigt, hat kaum noch Austausch stattgefunden, sind Meinungen nicht etwa kontrovers diskutiert, sondern zu veritablen Waffen der Rechthaberei und Besserwisserei geworden – auf beiden Seiten. Eine unerträgliche, völlig überzogene Zuspitzung und Polarisierung. Wir benötigen darüber hinaus dringend mehr Gelassenheit in unserer Gesellschaft. Das geduldige Zuhören und freiwillige „Stehenlassen“ auch widersinniger Verlautbarungen muss wieder neu gelernt werden. Wir sollten es aushalten, uns selbst kritisieren zu lassen und uns erlauben, viel öfter auch zu eigenen Fehlentscheidungen zu stehen. Sollten uns im Gegenzug vor Panikmache und voreiligen Schuldzuweisungen hüten. Sollten unangebrachte Häme, die Neigung, Andersdenkende voreilig mundtot zu machen und trotzige Rumpelstilzchen-Mentalität aus den Diskursen verbannen. Dass man mit ehrenwerten Positionen und noch so gut gemeinten Maßnahmen eben auch scheitern kann, nolens volens, sollte für uns als Erkenntnis inzwischen selbstverständlich sein, anstatt uns in Rage zu versetzen, Selbstgerechtigkeit daraus abzuleiten oder uns ein schlechtes Gewissen zu bereiten. Ferner müssen wir die Medienlandschaft endlich wieder für eine ganze Bandbreite von Themen und Fragestellungen öffnen, dürfen nicht zulassen, dass das öffentliche Terrain von einer einzigen dunklen Wolke beherrscht und monopolisiert wird. Einer Wolke, die uns zu Boden drückt und deren Last uns zu ersticken droht. Pusten wir sie ein für alle Mal weg, mit vereinten Kräften! Ich wünsche mir, wir könnten zu einer vorwärtsgewandten, lebensfrohen und aufbruchsbereiten Einstellung zurückfinden. Überall, wenn man genau hinschaut, existiert so viel positives Potential. Nutzen wir es. Bleiben wir neugierig und optimistisch.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Einerseits soll Literatur und Kunst aufrütteln und verstören – das gilt jetzt mehr denn je; andererseits darf sie ablenken, erleichtern und durchaus auch Vergnügen bereiten – das ist ebenfalls legitim. Wir brauchen momentan, wie ich glaube, beide Effekte und Wirkungen. Die richtige Mischung aus vernünftigem, ernsthaftem Protest und hochverdientem Entertainment. Wir alle sollten außerdem dafür sorgen, dass das Erschaffen von Kunst und die Beschäftigung mit ihr von der Politik nicht ein weiteres Mal zu etwas Nebensächlichem, zu etwas Nachgeordnetem herabgewürdigt werden kann. Der Kultursektor ist zuletzt unverhältnismäßig stark in Mitleidenschaft gezogen worden, hatte unter teils existenzvernichtenden, teils grotesken Verboten zu leiden. Damit das nicht wieder passiert, ist Wachsamkeit geboten. Müssen die Akteure auch auf dem literarischen Sektor schneller als bisher geschehen Widerstand leisten und Farbe bekennen. Das ist unverzichtbar. Wir sind jederzeit dazu aufgefordert, unseren Status nicht nur zu verteidigen, sondern uns auch für die Ausweitung unserer Wahrnehmung einzusetzen. Wir sind leider oft viel zu bequem, auch zu stolz auf unsere mühsam erworbene Kultiviertheit, zu „höflich“ und so manches Mal zu rasch eingeschüchtert. Nicht stöhnen und resignieren – handeln sollten wir! Hierbei können wir uns gern an einigen gesellschaftspolitischen Errungenschaften der Sechziger und Siebziger orientieren.
Was liest Du derzeit?
Den vor kurzem mit dem Prix Goncourt gekrönten Roman „La Vie secrète des hommes“ von Mohamed Mbougar Sarr – ausufernd und aufwühlend. Armistead Maupins Autobiographie „Logical Family“ – erfrischend aufrichtige Memoiren mit ironischem Unterton und erotischem Augenzwinkern, voller mit Seventies-Zeitgeist gewürzten Anekdoten, aber auch etlichen nachdenklich stimmenden Passagen. Dror Mishanis Erfolgstitel „Drei“ – beklemmend und unterhaltsam. Eine finnische Coming-of-Age-Saga von Kjell Westö: „Geh nicht einsam in die Nacht“ – episch und zugleich fesselnd. Nebenbei musikwissenschaftliche Fachliteratur: Monographien über Claude Viver und Harry Partch, außerdem die aufschlussreichen Notizbücher von Ian Bostridge, dem klugen und eloquenten Liedsänger.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„In der moralischen Entrüstung“, das wusste bereits Jean Genet, „schwingt auch immer die Besorgnis mit, vielleicht etwas versäumt zu haben.“ Rüsten wir also schleunigst ab bei vorschneller Entrüstung, bestimmen wir selbst den Puls unserer Zeit. Nur dann versäumen wir auch nichts, sondern tragen zur aktiven Gestaltung und zur Lösung wirklich wichtiger Probleme bei: angenehm unaufgeregt nämlich.
Vielen Dank für das Interview lieber Jens, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Jens Rosteck, Schriftsteller, Musikwissenschaftler und Pianist
Foto_Steffen W Mueller
30.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
GIVE PEACE A CHANCE
Geh
Ins
Verdammte
Exil
Putin! Nimm
Endlich
Abschied samt deiner
Clique
Entourage den
Adabeis der Macht
Charakterlosen
Hasenfüßen mach
Aber
Nicht Halt in
Charkiw, Kiew, Odessa, sondern hau ab aus
Europa, für immer!
Eva Holzmair, 17.3.2022

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Eva Holzmair, Schriftstellerin_Wien
Foto_privat
Walter Pobaschnig _ 17.3.2022.
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Götter
Inexistent
Vertreibung
Elend.
Patriarchen
Entfesselt
Armut
Chaos
Elend.
Aufbruch!
Chance
Hält
Aufrecht
Nebeneinander
Chronik des Lebens
Endet den Krieg.
Isolde Schmitz _14.3.2022

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Isolde Schmitz, Künstlerin, Grafik-Designerin _ Weinähr/D
Foto_privat.
Walter Pobaschnig _ 14.3.2022.
GIVE PEACE A CHANCE
gurgel inmitten von Staub
inhaliere andauernd autoritär
verdau die Menge von Schutt
erhebe alle Köpfe
preise die einen statt der anderen
erfahre immer wieder nichts
atme den Durchzug
collapse underground
erliege einem Augenblick
aktiviere die Parallelcodes
collapse underground
hol dir einen Fahrschein
antworte im Salvenrhythmus
nenne die Testfragen
collapse underground
echt jetzt!
Caca Savic, 17.3.2022

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Caca Savic _Schriftstellerin _ Berlin
Foto_privat.
Walter Pobaschnig _ 17.3.2022.
GIVE PEACE A CHANCE
Gott schaute nicht zu, er/sie/es war tot, als
In Mariupol, einer Stadt nach der Gottesmutter benannt
Von Granaten getroffen eine Mutter und ihr ungeborenes Kind starben.
Es war, als wären nun auch Maria und Jesus tot.
Pregnant woman and baby die!
Es war eine der Nachrichten, die die Welt erreichten,
Als sie im Unterschied zu Gott zwar zuschaute, jedoch die
Chancen auf Frieden schlecht standen.
Es war, als würde der Krieg siegen.
Auf meiner Fensterbank erblühte indessen ein roter
Christusdorn, unachtsam dort vergessen, ohne Wasser,
Hungrig und durstig, doch nach Liebe und
Aufmerksamkeit sich sehnend, mit der letzten Kraft mich ermahnend, ihn
Nicht zu vergessen, deshalb blühte er rot, während sich im Fensterglas plötzlich
Cherubinen zeigten, sie sangen himmlisch, und hinter ihnen erschien eine
Engelschar, und dann wusste ich, dass Gottes tote Augen alles gesehen haben.
Alida Bremer_14.3.2022

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Alida Bremer_Schriftstellerin _ Münster/D
Foto_privat.
Walter Pobaschnig _ 14.3.2022.
GIVE PEACE A CHANCE
Ganniwka liegt bei Odessa,
Irpin in der Nähe von Kyew,
Vynohradne, zumindest eins davon, – auf Krim,
Enerhodar kurz vor Saporischschja.
Poltawa: Haluschki, Gogol, die Jugendfreundin Olena.
Ewpatoria – da war ich mal, Kindercamp an der Küste.
Antrazit gehört zu Donbass.
Charkiw. da, wo ich war, sind nur noch Ruinen
Enakijewe liegt über Kohleminen,
Altschewsk genauso.
Cherson ist südlich, zerbombt.
Horliwka bei Lugansk,
Aluschta auf südlicher Küste des Krim.
Nikopol in der dniprovscher Steppe, Industrie, das Goldene Pektorale.
Chmelnyzkyj wird vom Bug durchflossen.
Es ist ukrainisches Land, große wie kleine Orte. Russen, geht endlich heim!
Julia Grinberg, 14.3.2022

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Julia Grinberg_Schriftstellerin_Wiesbaden/DKünstler
http://julia-grinberg.de/author/3olotko/
Foto_Alexander Paul Englert
Walter Pobaschnig _ 14.3.2022.
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Gigantischer
Irrglaube
Volle
Emotion
Paranoider
Egoist
Applaudiert dem
Clown im Spiegel
Egomanie siegt
Am Ende
Chancenloses
Händeschütteln
Angriff auf
Neue
C(K)arawanen
Erfolgt
Zdenka Becker _14.3.2022

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Zdenka Becker _Schriftstellerin _ Wien
Foto_Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig _ 14.3.2022.
GIVE PEACE A CHANCE
G oing nowhere on a pretty fast bicycle
I thought about being a peaceful sloth
V ery much longing to go nowhere as I went nowhere
E ven there was an aim, but you never should name the aim
P erfectly forgotten I had that I was not a peaceful sloth
E ven not an aggressive one, I was no sloth at all
A nd had no chance to live as it, moving slow and low
C ause I am a human, humiliating everything
E ver comes in my way,
Aaaahhrg.
C ause I am a human, human, human
H aunting all the peaceful creatures
A round, sloths, turtles, trees, the nice green grass
N o one is safe from me, I am a monster
C hasing my own nice dreams of something like peez.
E nd (this means end of the poem).
Martina Hefter, 14.3.2022

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Martina Hefter __Schriftstellerin _Leipzig
Zur Person: Martina Hefter lebt als Autorin und Performerin in Leipzig. Ihre Texte bewegen sich zwischen Gedicht, szenischen Schreibformen und Roman. Viele ihrer Texte setzt sie in Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen szenisch um. Sie veröffentlichte drei Romane und – im kookbooks-Verlag Berlin – fünf Gedichtbände.
https://www.klett-cotta.de/personen/martina-hefter-p-10126

Aktueller Roman von Martina Hefter_Deutscher Buchpreis 2024:

Martina Hefter, Hey guten Morgen, wie geht es Dir? . Roman. Klett-Cotta.
Tagsüber hilft Juno ihrem schwerkranken Mann Jupiter dabei, seinen Alltag zu meistern. Außerdem ist sie Künstlerin, tanzt und spielt Theater. Und nachts, wenn sie wieder einmal nicht schlafen kann, chattet sie mit Love-Scammern im Internet. Martina Hefter hat einen berührenden Roman über Bedürfnisse und Sehnsüchte im Leben geschrieben. Und darüber, wie weit man bereit ist, für die Liebe zu gehen.
Juno schreibt online mit Männern, die Frauen online ihre Liebe gestehen und so versuchen, sie um ihr Geld zu bringen. Doch statt darauf hereinzufallen, werden genau diese Männer zu einer Form von Freiheit für Juno. In den Gesprächen kann sie sein, wer sie will und sagen, was sie will – und das vermeintlich ohne Konsequenzen. Ganz im Gegensatz zu ihrem sonstigen Leben, in dem sie immer unterwegs, immer besorgt um Jupiter, immer beschäftigt und eingebunden ist. Also flüchtet Juno ab und zu vor ihrem Alltag ins Internet und spielt dort Spielchen mit Männern, die sie anlügen. Sie selbst wird zur Lügnerin. Aber ist es nicht so, dass man sich beim Lügen zuallererst selbst belügt?
Eines Tages trifft Juno auf Benu, der ihre Behauptungen ebenso durchschaut wie sie seine. Und trotz der Entfernung zwischen ihnen entsteht eine Verbindung. »Hey guten Morgen, wie geht es dir« ist ein tiefgehender Roman, aber so leichtfüßig wie eine Komödie.
6. Druckaufl., 2024, Erscheinungstermin: 13.07.2024, 224 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98826-0
22,00 € (D) 22,70 € (A)
Fotos_2 Alena Sternberg; 1 Sascha Kokot.
Walter Pobaschnig _ 14.3.2022.