Alles haben und erreichen können. Über bleibt ein stummer
Chor aus
Einsamkeit.
Alles auf Anfang.
Clownesk scheint oft was bitter ernst der Mensch nicht
Hören will.
Allerdings liegt Heimat immer innen.
Nur du bewohnst den Raum in dem
Charakter wächst und blüht.
Erstaunlich, was trotz alledem gedeihen will.
*
Große Gesten verlieren
Immens an Bedeutung
Vielleicht von vornherein vielleicht
Erst im lauen Nachhall.
Barbara Graber, 3.4.2022
Barbara Graber_Lyrikerin, Autorin, Künstlerin, Pädagogin.
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Barbara Graber_Lyrikerin, Autorin, Künstlerin, Pädagogin.
Fotos_Martin Rauchenwald
DIE AUTORIN Barbara Graber wurde 1974 in Klagenfurt geboren. Sie widmet sich dem Schreiben, das für sie vor allem bedeutet, die Tiefen und Untiefen der Sprache auszuloten, seit frühester Jugend, findet Ruhe und Zuflucht in der Sprache. Die Pädagogin, Moderatorin und Supervisorin schreibt neben Lyrik auch Texte über das Leben und seine Überraschungen. Sie arbeitet mit dem Schreiben als Methode auch in Coachings und Workshops und ist ausgebildete Poesiepädagogin.
DIE TEXTE Aus dem Leben gegriffen, zu Papier gebracht und mit hohem Wiedererkennungswert für all jene, die, wie die Autorin selbst, gern hinter die Töne hinein hört und zwischen den Zeilen zu lesen vermag. Mehrdeutigkeiten und scheinbar verdeckte Zusammenhänge tun sich in der Beschäftigung mit den Texten auf und laden ein, die Spielarten der Sprache immer wieder zu erkunden und sich selbst darin zu erkennen.
Publikationen: Den Quantenraum erobern, BoD 2011 Leben eben – Wortmalerei: Gedichte Über das Leben, BoD 2012 Wortschätze 1, BoD 2015 Wortschätze 2, BoD 2015 Liebesdinge, BoD 2016
Ein Milchkaffee, die Nachrichten, dann lerne ich eine halbe Stunde Französisch. Danach arbeite ich bis zwei Uhr und noch einmal von vier bis sechs Uhr. Ich schreibe an den „Fluchtlinien – wie sich die Welt in Innen und Außen teilte“. Dann kochen und essen wir in Ruhe. Das ist der ideale Tag, aber natürlich ist es oft anders. Es gibt Besuch, es gibt viel zu kümmern und zu erledigen. Gerade im Augenblick.
Jay M. Walther _Schriftstellerin, Regisseurin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dass wir begreifen, dass sich der Glaube an Fortschritt in allem als eine Illusion erwiesen hat. Nicht nur dieses ökonomische Wachsen wollen, sondern auch das Ausbreiten von Zivilisation, Demokratie, Moral und Recht. ‚Das Projekt der Moderne‘ müssen wir verteidigen, für unsere Werte und für den Frieden einstehen. Wir müssen uns engagieren, auch wenn der Erfolg nicht garantiert ist. Denn die Diktaturen und die faschistischen Bewegungen nehmen zu. Frieden geschieht nicht von alleine.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Wir müssen in Deutschland endlich wieder geschichtlich und geopolitisch und grundsätzlich denken lernen und Entscheidungen treffen, statt in allem nur zu reagieren, zu zögern und überrascht tun. Das alte Normal von vor 1990, vor dem Krieg in Bosnien, vor Georgien, Syrien, vor der Pandemie vor dem faschistischen Überfall der russischen Nation auf die Ukraine gibt es nie wieder. Diese Party ist vorbei. Schreiben ist ein Traum; Schreiben ist Verantwortung: wo stehe ich mit meinen Worten, wovon erzähle ich, wo widerstehe ich der Gesellschaft mit meiner Arbeit. Es geht um Positionen in dieser Gesellschaft. Und es geht um die Arbeit in der Traumwäscherei und auf der Insel Utopia.
Was liest Du derzeit?
Adelheid Duvanel: Fern von hier. Erzählungen. Und Kriminalromane, zur Beruhigung, weil dort ab und an aus der menschlichen Mörderei wieder Ordnung entsteht, aber auch nie die Alte.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Vielen Dank für das Interview, liebe Jay, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Filmprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Johanna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich habe mir einen strengen Arbeitsplan auferlegt, um das von mir entwickelte solistische Aufführungskonzept, in dem ich virtuoses Instrumentalspiel auf der Gitarre mit klassischem Gesang, Flamenco-Tanz und Sprechen verbinde, erfüllen zu können. Feinmotorik, Stimme und Körper müssen genau aufeinander abgestimmt werden. Am Vormittag stehen meistens zwei bis drei Stunden technische Übungen auf dem Plan, nachmittags und Abends widme ich mich dem Werkstudium und Tanzen. Dazwischen benötige ich natürlich mehrere Pausen, um mich physisch und mental nicht zu überlasten. Phasenweise arbeite ich an eigenen Arrangements und kommuniziere mit Veranstaltern.
Wahrscheinlich fragt man sich, warum ich mir eine derartige Rosskur antue und nicht einfach beim Repertoire für klassische Gitarre bleibe. Einerseits möchte ich eine im 20. Jahrhundert weitgehend verloren gegangene Aufführungspraxis wiederbeleben: die eigenständige Instrumentalbegleitung während eines mit Belcanto-Technik vorgetragenen Kunstliedes, eine Praxis, die wir nur mehr aus Werken der bildenden Kunst und historischen Aufzeichnungen kennen. Zum anderen erweitert diese Kombination von Techniken die künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten und eröffnet somit neue Perspektiven in der Gestaltung von Soloprogrammen. Ich kann nun ein Rezital nicht nur unter ein bestimmtes Thema zu setzen, sondern auch im Rahmen eines durchgehenden Handlungsablaufes präsentieren. Vom Publikum erhalte ich dafür viele positive Reaktionen, die mich bestärken, dieses innovative Konzept weiterzuentwickeln.
Johanna Beisteiner, klassische Gitarristin und Sängerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wir leben in einer Zeit gesellschaftlicher Spaltung, die sich Tag für Tag vertieft. Ich glaube, dass wir innehalten müssen, um uns zu fragen, wie es dazu gekommen ist, und wie wir diese negative Entwicklung umkehren können. Es findet ein enormer globaler Umbruch statt, der nicht nur von Digitalisierung und Klimawandel geprägt ist. Ich habe den Eindruck, dass in unserer Gesellschaft das Gefühl für sozialen Zusammenhalt, Freiheit, Demokratie und gesunder Alltagskultur zunehmend schwindet. Die immer derbere Umgangskultur fängt bei dem in jüngerer Zeit salonfähig gemachten Gruß mittels Faust- und Ellbogentechnik an und zieht sich in gesteigerter Form durch Bereiche, die unser aller Grund- und Freiheitsrechte betreffen. Politische oder wirtschaftliche Ziele, die nicht mittels Verordnung durchgebracht werden können, werden zunehmend durch Drohungen zu erreichen versucht. Wir alle sollten uns Gedanken darüber machen, ob solche Drohungen das gesunde Zusammenleben der Menschen fördern oder diesem vielmehr schaden. Warum greift man überhaupt zu derart aggressiven rhetorischen Mitteln? Gibt es einen Mangel an aus Vernunft erwachsenen Argumenten, um angestrebte Ziele durchzusetzen?
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Im Zusammenhang mit Aufbruch erinnere ich mich an eine der prägendsten Erfahrungen meiner frühen Jugend. Im Alter von etwa dreizehn Jahren ist mein Gitarrenspiel soweit entwickelt gewesen, dass mein Umfeld begonnen hat, mir dabei gebannt zuzuhören, und diese Konzentration auf den Klang der Musik hat die Atmosphäre in einem Raum verändert. Menschen unterschiedlichen Alters, denen man davor eine gewisse Unausgeglichenheit oder Nervosität angemerkt hat, sind beim Zuhören ruhiger und entspannter geworden, haben vielleicht auch zu klareren Gedanken gefunden. Ich habe die Musik nicht nur aus persönlicher Leidenschaft zu meinem Beruf gemacht, sondern ebenso aus dem Bewusstsein heraus, mit ihr etwas bewirken zu können. Für einen gelungenen gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Aufbruch braucht man sowohl mentale Kraft als auch Besonnenheit. Ich bin überzeugt, dass die positive Wirkung, die Musik und Kultur auf unseren Gemüts- und Geisteszustand ausüben können, eine äußerst wichtige Rolle in unserem Leben spielen wird, um die nötigen Grundlagen zum Erreichen von innerer Balance zu schaffen. Nur so können wir die Herausforderungen des bevorstehenden Aufbruchs meistern.
Was liest Du derzeit?
Ich lese Stefan Zweigs „Sternstunden der Menschheit“. Der Autor fasziniert mich mit seinem scharfen Blick, mit dem er verschiedene Ereignissen der Geschichte durchleuchtet. Ebenso frage ich mich bei dieser Lektüre, wie unser Umgang mit den Herausforderungen der Gegenwart aus dem Blickwinkel künftiger Generationen bewertet werden wird.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein Zitat aus Zweigs Vorwort zum eben genannten Buch erscheint mir treffend: „Kein Künstler ist während der ganzen vierundzwanzig Stunden seines täglichen Tages ununterbrochen Künstler; alles Wesentliche, alles Dauernde, das ihm gelingt, geschieht immer nur in den wenigen und seltenen Augenblicken der Inspiration. So ist auch die Geschichte, in der wir die größte Dichterin und Darstellerin aller Zeiten bewundern, keineswegs unablässig Schöpferin. …. Immer müssen Millionen müßige Weltstunden verrinnen, ehe eine wahrhaft historische, eine Sternstunde der Menschheit in Erscheinung tritt.“
Johanna Beisteiner, klassische Gitarristin und Sängerin
Vielen Dank für das Interview liebe Johanna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Johanna Beisteiner, klassische Gitarristin und Sängerin
Lieber Gerald, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Der ist nicht festgelegt: Schreiben, Recherche, musizieren, Korrespondenz, ein paar Kilometer gehen, lesen, Musik hören (sowohl ziel- und planlos wie Interpretationen von Liedern, die ich spielen will), ab und zu Zoom-Meetings, kleine Mail-Art-Projekte…
Gerald Jatzek, Autor und Musiker
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich denke, das Bewusstsein, wie dünn die Decke der Zivilisation ist. Vor kurzem habe ich mir Ingmar Bergmans „Das siebente Siegel“ wieder angesehen. Der Film zeigt die Reaktionen auf eine Seuche: Flagellanten, Eiferer, die eine Hexe verbrennen wollen, Plünderer, all das ist ein paar Hundert Jahre her, ein winziger Zeitraum der Menschheitsgeschichte.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Aufgabe der Kunst wird sich nicht ändern: Fragen zu stellen, die Möglichkeiten zwischen dem Nicht-mehr und dem Noch-nicht aufzeigen, das Unbegriffene, das Unbewusste sichtbar zu machen…
Gerald Jatzek mit Thomas Raber in der MICA Austria
Was liest Du derzeit?
Eine Studie über Max Ernst; nach 30 Jahren wieder einmal Giorgio Manganellis „Irrläufe“; als Langzeitprojekt immer wieder in Norbert Elias‚ „Über den Prozess der Zivilisation“; die aktuelle Ausgabe von „Das Gedicht“, der wohl wichtigsten deutschsprachigen Lyrik-Zeitschrift; Francis J. Child: „The English and Scottish Popular Ballads“ und Miyazawa Kenji: „Poems“.
Du siehst: Ich bin beim Lesen ebensowenig konsequent wie beim Schreiben.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein kurzes Gedicht darüber, wie wenig Bedeutung es hat, was ich hier sage.
Vielen Dank für das Interview lieber Gerald, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Gerald Jatzek, Autor und Musiker
Fotos_1 Gerhard Winter;
27.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Liebe Gisela Elisa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mmhh…gute Frage, das ist jede Woche und jeden Monat anders. Gerade jetzt, stehe ich früher auf, bereite ich meine Proben vor – natürlich mit ein bisschen Frühstück- und gehe in die Proben für ein paar Stunden.
Ende letzten Jahres spazierte ich etwa durch die unbekannte Stadt (Timisoara, Rumänien) und ließ die Gedanken zu der Probe durch meinem Kopf fließen. Anschließend kam ich nach „Hause“ und die Gedanken flossen weiter … ich hörte Musik oder schrieb Ideen für die nächste Probe auf…
Jetzt bin ich wieder in meiner zweiten Heimat Wien…
Gisela Elisa Heredia, Tänzerin und Choreografin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich weiß nicht ob ich für alle sprechen kann aber ich spüre, dass die meisten von uns ihr normales Leben wieder zurückhaben wollen. Ein Leben, in dem wir nicht so viele Verbote haben, eines in dem wir uns wieder normal begegnen können. Die meisten Leute vermissen dieses Gefühl einer normalen Berührung ohne Angst.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz, der Kunst an sich zu?
Ja, ich warte auf diesen Aufbruch aber ich glaube eigentlich sind wir schon mittendrinnen. Das Spannende ist, was wir alle mit dieser neuen Ära machen, wie können wir gemeinsam diese Ära leiten und so entwickeln dass es für uns gut ist? Wesentlich für mich ist, dass man sich nicht von Banalitäten treiben lässt und dem Neubeginn die Hand gibt, um auch mit dieser neuen Ära mitzugehen.
Im Tanz würde ich sagen, dass es jetzt noch wichtiger wie sonst ist, zu zeigen was Tanz schon immer war: eine Kunst, die biologisch gesehen auch durch die Zellen geht, die den Kreislauf in Bewegung bringt und somit auch dem Körper und Geist ein sehr qualitatives Leben schenkt. Tanz als Medium der Freiheit, Tanz als Begegnungsort, Tanz als Sprache ohne Landgrenze…so glaube ich sollten wir den Tanz wieder neu entdecken, gerade in Zeiten wie diesen. Kunst ist für mich auch ein Spiegelbild unseres Daseins, unserer Natur und unserer Gesellschaft. Vielleicht sollten wir manchmal öfter überlegen, welches Spiegelbild wir eigentlich sehen wollen.
Was liest Du derzeit?
Zur Zeit lese ich Hermann Hesse „Auf dem Rad“ , das ich eigentlich in Form einer Lesung zuhause betreibe. Ich lese sehr gerne laut für andere…
Noch lese ich den „Lumpenroman“ von Roberto Bolan(i)o. Beide wunderbare Bücher.
Und viel Fachliteratur für meine neue Ausbildung im Medizin Bereich.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Machen wir aus jeder schwierigen Situation eine neue Herausforderung.
„Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von Neuem beginnen“.
Buddha
Vielen Dank für das Interview liebe Gisela Elisa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Tanz-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Gisela Elisa Heredia, Tänzerin und Choreografin
Foto_Christian Ariel Heredia.
28.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.