„auf dem Stein. Das letzte Wort/ist immer unser Name“ Gerald Jatzek, Schriftsteller _ Krems 15.4.2022

Lieber Gerald, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der ist nicht festgelegt: Schreiben, Recherche, musizieren, Korrespondenz, ein paar Kilometer gehen, lesen, Musik hören (sowohl ziel- und planlos wie Interpretationen von Liedern, die ich spielen will), ab und zu Zoom-Meetings, kleine Mail-Art-Projekte…

Gerald Jatzek, Autor und Musiker

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, das Bewusstsein, wie dünn die Decke der Zivilisation ist. Vor kurzem habe ich mir Ingmar Bergmans „Das siebente Siegel“ wieder angesehen. Der Film zeigt die Reaktionen auf eine Seuche: Flagellanten, Eiferer, die eine Hexe verbrennen wollen, Plünderer, all das ist ein paar Hundert Jahre her, ein winziger Zeitraum der Menschheitsgeschichte.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Aufgabe der Kunst wird sich nicht ändern: Fragen zu stellen, die Möglichkeiten zwischen dem Nicht-mehr und dem Noch-nicht aufzeigen, das Unbegriffene, das Unbewusste sichtbar zu machen…

Gerald Jatzek mit Thomas Raber in der MICA Austria

Was liest Du derzeit?

Eine Studie über Max Ernst; nach 30 Jahren wieder einmal Giorgio Manganellis „Irrläufe“; als Langzeitprojekt immer wieder in Norbert Elias‚ „Über den Prozess der Zivilisation“; die aktuelle Ausgabe von „Das Gedicht“, der wohl wichtigsten deutschsprachigen Lyrik-Zeitschrift; Francis J. Child: „The English and Scottish Popular Ballads“ und Miyazawa Kenji: „Poems“.

Du siehst: Ich bin beim Lesen ebensowenig konsequent wie beim Schreiben.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein kurzes Gedicht darüber, wie wenig Bedeutung es hat, was ich hier sage.

Bleiben Berge

Wie schön die Berge werden,

wenn man keine Rückkehr plant.

Wir zeichnen Geister in die Felsen,

riechen Salbei, schmecken Harz,

Tiere wir, in Zeichen eingesperrt,

schreiben: Kälte, schreiben: Wind.

Die Finger folgen einer Flechte

auf dem Stein. Das letzte Wort

ist immer unser Name.

Gerald Jatzek, Autor und Musiker _ Konzert Kreta

Vielen Dank für das Interview lieber Gerald, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Gerald Jatzek, Autor und Musiker

Fotos_1 Gerhard Winter;

27.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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