„Granaten auf erblühende Felder“ Anne-Marie Kenessey, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Zürich 8.6.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Granaten auf erblühende Felder

Im Frühling 2022 werden Minen

Verstreut dabei gebs Korn statt

Entwurzelung der Baum wirft mir



Polinas Taschentücher zu Alaine Polcz

Eine Schöne mit Schießpatronenkranz

Aufm Kopf wie viele werden zur Frau an der Front

Chor der Ausgehungerten das Davaj Csaszi

Echo der Unvergangenzeit – Her mit der Uhr!



All der Nachholbedarf an Freude. 



Comeback der Soldatensprache

Heute fällt mir nur der Knieschuss ein

Apollinaires erdolchte Taube wir fassten es

Nicht das Glück vor über dreißig Jahren in

Charkiw spielt die Violinistin Bachs Chaconne

Eine Verwaiste schmiegt sich an ihr Huhn.


Anne-Marie Kenessey, 26.5.2022

Anne-Marie Kenessey, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Anne-Marie Kenessey, Schriftstellerin

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 26.5.2022.

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„Wir dürfen lachen“ Daniela Dangl, Schriftstellerin _ Waldviertel/AT 7.6.2022

Liebe Daniela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Um 6:00 Uhr läutet mein Wecker. An jenen Tagen, an denen ich an einer humanberuflichen Schule unterrichte, fahre ich 35 Minuten zur Arbeit, unterrichte 5 – 8 Stunden/Tag, fahre heim, bereite vor, korrigiere, bin Mama, Haus- und Ehefrau, völlig unspektakulär. Manchmal quietscht das Hamsterrad, meistens ist es gut geölt.

Ich versuche, meinem Körper und meiner Seele Gutes zu tun, indem ich zum Denken in den Wald gehe. In guten freien Zeiten verlier ich mich in Texten, die ich lese oder schreibe.

Daniela Dangl, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich weiß es nicht.

Ich weiß nicht, wieviel WIR mein Denken inkludiert. Für das Umfeld, auf das ich mich beziehen kann – ein privilegiertes Umfeld by the way – finde ich Folgendes nicht verkehrt:

Wir tun gut daran, zu erkennen, dass sich mit mehr Wissen, mehr Erkenntnis unsere Meinung verändern darf, vielleicht sogar verändern muss.

Wir sollten verstehen, dass immer alles irgendwie zusammenhängt.

Wir müssen uns hinterfragen und Menschen, die das nicht tun, mit Skepsis begegnen.

Wir haben Verantwortung der Demokratie und der Gemeinschaft gegenüber.

Wer kann, soll helfen, wenn andere Hilfe brauchen.

Wir dürfen lachen.

Wir sollten vorsichtig sein, wenn PolitikerInnen, PhilosophInnen, KünstlerInnen auf alles eine Antwort haben.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wesentlich ist, der lähmenden Hilflosigkeit in den Hintern zu treten! Die Angst vor Veränderung ist kein guter Ratgeber. Die Angst vorm Scheitern auch nicht. Wir brauchen Mut, Innovation, Menschlichkeit, globales Engagement – und wirkliches Handeln.

Kunst hat unterschiedliche Zugänge. Kunst kann unterhalten, kann Hebamme für die Emotionen, für die Energie des Auditoriums sein; sie lässt uns staunen, lachen, weinen; wir spüren uns intensiver. Das kann einen Anstoß geben, die Trägheit zu überwinden.

Kunst kann manipulieren; sie setzt Energie frei, die in jede Richtung genutzt werden kann. Kunst ist ein Instrument, sie kann das Beste und das Schrecklichste in uns zum Schwingen bringen.

Kunst kann genauer auf das Leben schauen, weil sich KünstlerInnen intensiv mit ihrer Welt auseinandersetzen und vielleicht dabei Oberflächen abkratzen. Kunst zeigt uns, was tiefer liegt. Manchmal verändert sich dadurch auch der Blick des/der Kunstschaffenden – und der RezipientInnen.

Kunst überschätzt sich aber auch gerne; laut Maslowscher Bedürfnispyramide wird sie erst relevant, wenn alles andere gedeckt ist. Und trotzdem: Kunst ist zutiefst Teil unserer Existenz.

Was liest Du derzeit?

Klausurarbeiten.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

Lichtung

manche meinen

lechts und rinks

könne man nicht velwechsern

werch ein illtum

(Ernst Jandl)

Vielen Dank für das Interview liebe Daniela, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Daniela Dangl, Schriftstellerin

Foto_Lisa Neudert.

10.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Bei mir Kind“ Peter Reutterer. Prosa. Bibliothek der Provinz.

Da ist der Blick in den Spiegel. Die Erinnerung. Die Mutter. Das Lesen in der Kirche. Und dann der Tod –

„Wir standen an der Grabeskante, gewillt, zu überleben. Rasch und radikal galt es, die Emotionen einzufrieren. Um gegen den Ansturm von außen und die Verzweiflung von innen gewappnet zu sein…“

Der Vater. Dienstpflicht. Das Oberhaupt. Kein Halt. Keine Grenzen. Seine Jugend und dann das Zerfallen des Körpers…

Wolfgang sagt, ich war still. Fleischwerdung. Demaskierung.

„Am Schreibtisch beginne ich von meinem Stummsein zu erzählen. Auf diese Weise verliere ich meine Sprachlosigkeit…“

Lebensfreude. Jahreszeiten. Trotz allem. Mit allem. Da und dort sein. Ein Leben…

Peter Reutterer, Schriftsteller und Musiker, gelingt mit „Bei mir Kind“ ein genial autobiographisch formal experimenteller Roman, der mit außergewöhnlicher Sprachwucht und -virtuosität in Lebensetappen, -, ereignisse und -erinnerungen gleichsam hineinkatapultiert und dabei in Erschütterung wie Spannung fesselt.

Die mosaikartig orientierte Erzählform ist eine sehr direkte, die im Wechselspiel von Schilderung, Erinnerung wie literarischen Referenzen Lebensbilder, Umrisse Kontur gewinnen, wie auch wieder im Fortgang eines Lebens verschwinden lässt.

Es ist ein mitreißender Blickwechsel im Spannungsfeld eines Lebens in großer Aufmerksamkeit, Kritik wie Empathie gegenüber der Existenz und Mit-Existenz in Ort, Zeit und gemeinsamen Weg.

„Ein autobiographischer Roman wie ein Sturm, der an größte österreichische Literaturtraditionen anschließt“

Walter Pobaschnig 6_22

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„Abkehr“ Simon Bethge, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Frankfurt/Oder 7.6.2022

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Abkehr


Ganz wohl ist mir nicht dabei,

In dieser Form über etwas zu schreiben,

Von dem ich nur verstehe, was

Entlang meiner Timeline passiert



Periodisch wird das Grauen klarer;

Erfühle ich, was es heißen muss,

Abgeschnitten,

Clusterfucked und ganz allgemein

Erodiert zu sein, also innerlich



Aber



Charakter, zumindest meinen, bildet das nicht

Habe so viel Ähnliches – wenn es das gibt – über-

All gesehen und keine Schlüsse gezogen

Nein, mein

Charakter

Entfernt sich einfach


Simon Bethge, 26.5.2022

Simon Bethge, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Simon Bethge, Schriftsteller

Foto_Dave Grossmann

Walter Pobaschnig _ 26.5.2022.

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„Antisemitismus in Österreich nach 1945“ Christina Hainzl/Marc Grimm, Hentrich&Hentrich Verlag 2022

„Antisemitismus ist ein aktuelles Problem“ schreiben die Historikerin und Politologin, Leiterin des Research Labs „Society in Transition“ an der Donauuniversität Krems/AT, Christina Hainzl, und Marc Grimm, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Prävention und Intervention im Kindes- und Jugendalter an der Universität Bielefeld, in ihrem Vorwort zum aktuellen, wissenschaftlich sehr vielseitigen, Studienband zur aktuellen Situation des Antisemitismus und dessen Geschichte nach 1945 in Österreich.

Der Band umfasst Analysen unterschiedlicher Experten:innen aus den Bereichen Geschichte, Politologie, Religion und Kulturwissenschaft und beeindruckt in der Expertise von Geschichte, Analyse und Ausblick. Ebenso in der grundlegenden Erläuterung von historischen und gesellschaftlichen Kontexten in einer umfassenden Aufarbeitung von Datenanalysen, -erhebungen wissenschaftlicher Studien der letzten Jahrzehnte.

Es werden dabei konkrete politische Analysen wie auch weltpolitische Kontexte und generationenübergreifende Fragestellungen behandelt und in kritischem Dialog gebracht.

Die Vielfalt und die unterschiedlichen Forschungsansätze der Autor:innen ergeben so ein aktuelles wie perspektivenreiches Lesen und Verstehen von verschiedensten Tendenzen und Ereignissen der Gegenwart im unmittelbar gesellschaftlichen Leben, etwa in Sprache, Codes und Kommunikation.

„Ein beeindruckendes aktuelles Studienbuch, das umfassend fundiert und informiert wie auch zu Verantwortung und Stellungnahme, individuell und gesellschaftlich, auffordert“ 

Walter Pobaschnig 5_22

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„Das größte und eigentliche Schlachtfeld befindet sich in uns“ Marcel Mohab, Schauspieler _ Wien 6.6.2022

Lieber Marcel, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wenn ich drehe, dann steh ich auf, geh aufs Set, komme zurück und geh schlafen. Wenn ich Theater probe steh ich auf, geh zur Probe, komme zurück und gehe… schlafen.

Wenn ich frei hab, was Gott sei dank öfters vorkommt, steh ich auf und lebe in den Tag hinein, oder bin auf Reisen.

Marcel Mohab, Schauspieler, Comedian, Drehbuch Co-Autor

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Den Kampf mit sich selbst kämpfen, und nicht mit anderen. Das größte und eigentliche Schlachtfeld befindet sich in uns.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, dem Kabarett, der Kunst an sich zu?

Ich glaube nicht, dass dem Theater oder Kabarett heute eine gesellschaftsprägende Rolle zuteil wird. Daran ist aber nicht das Theater per se schuld.

Ich war letzte Woche in der Doku über Alexej Nawalny und war der einzige Besucher im Kino. 20.30 Prime Time! Bin alleine im Saal gesessen.

Wir sind eine Gesellschaft, die gerne wegsieht. Das fängt beim Blick des/der einzelnen auf sich selbst an und hört bei Netflix auf. Das ist ja nichts Neues. aber vielleicht ist der unbewusste Wille zur Verdrängung gerade historisch beispiellos. Who knows..

Was liest Du derzeit?

Ich lese gerade Donald Kalscheds „Trauma and the Soul.“ Kalsched ist ein Jungianer der  versucht das Psychologische mit dem Sprituellen zu verbinden. Das ergreifendste Buch was ich seit langen gelesen habe. Gleichzeitig versuche ich zum wahrscheinlich 10ten mal  Prousts „Combray“ zu lesen. Das ist der erste Teil seiner berühmten Suche nach der verlorenen Zeit. Leider ist es, wie jedes mal, furchtbar öde. Die Fallhöhe war allerdings hoch, denn zuvor habe ich drei Romane von Chimamanda Ngozi Adichie verschlungen. Sie ist für mich eine der hellsten und pointiertesten Schriftstellerinnnen unserer Zeit.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

To keep the mind empty is a feat, a very healthful feat too. To be silent the whole day long, see no newspaper, hear no radio, listen to no gossip, be thoroughly and completely indifferent to the fate oft he world is the finest medicine a man/woman can give him/herself.

Henry Miller

nicht erinnert werden

Wir haben einen zustand erreicht als gesellschaft, in dem wir keine antworten suchen. Nur zwischenlösungen. Anders gesagt: wir trauen uns nur noch fragen zu stellen auf die man

Marcel Mohab, Schauspieler, Comedian, Drehbuch Co-Autor

Vielen Dank für das Interview lieber Marcel, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Film-, Schauspiel-, Kabarett-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Marcel Mohab, Schauspieler, Comedian, Drehbuch Co-Autor

https://marcelmohab.com/

Fotos_2 u. 4 Tina Herzl; 1 privat; 3 someone.

19.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Grauen seit Genesis her, früher noch, seit Sein, schartigem Sein“ Safak Saricicek, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Heidelberg 6.6.2022

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Grauen seit Genesis her, früher noch, seit Sein, schartigem Sein

In Flammen wespenartige Stürze, bringend todbringend

Versverwesung, schmelz Sprache schartige:

Es ist Krieg und im Himmel eines Blutsturzes



Paukensprache, risstreibender Rauhreif-Sommer

Es tun sich auf Lager mit Krematoren darin

Am Arbeiten. Schaufeln und schaffen

Cyankapseln in Bannern in Flaggen

Egeln an der Luft, saugen



Am Tage enden Fehdenworte in



Cryptospenden.

Halten Schau nach Resten

Ankommend in Tages-

Nächten in Planen

Chitinumhüllter

Einsichtsworte


Şafak Sarıçiçek, 23.5.2022

Safak Saricicek, Schriftsteller

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Safak Saricicek, Schriftsteller

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 23.5.2022.

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„Jeder ihrer Filme hat einen besonderen „Romy Schneider“ Charakter“ _Ines Schiller, Schauspielerin _ 40.Todesjahr Romy Schneider _ Wien 6.6.2022

Ines Schiller, Schauspielerin,
Wien

Liebe Ines, herzlichen Dank für Dein Kommen zu einem Fotoshooting und Interview in Wien mit Themenschwerpunkt Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982Paris).

Romy Schneider ist in Wien geboren. Ihr späterer Lebensmittelpunkt war Paris.

Du hast Dir in Paris die aktuell laufende Ausstellung „Romy Schneider à La Cinémathèque Française“ zum 40.Todesjahr der österreichischen Schauspielerin angesehen. Welche Eindrücke hast Du da mitgenommen?

Die Ausstellung ist ein sehr schöner Abriss ihres künstlerischen Lebens. Es beginnt mit den ersten Filmen in sehr jungen Jahren und führt aufmerksam zu jenen ihrer letzten Lebensjahre. Diese Schritte und Etappen einer Schauspielkarriere und eines Lebensweges sind umfangreich dargestellt. Es sind viele Eindrücke mitzunehmen, gerade auch wie sie in Frankreich um ihren Weg als Schauspielerin gekämpft hat. Sie hat ja mit so bedeutenden Regisseuren der Zeit gedreht. Ihre Darstellung, ihre Präsenz in diesen Filmen war und ist einmalig. Egal, wer neben ihr stand, der konnte auch nachhause gehen (lacht).

Interessant war für mich auch, dass Romy Schneider in ihren letzten Filmrollen jeweils im Film gestorben ist. Was ja dann auch real geworden ist. Das fand ich sehr beeindruckend.

Wäre Paris auch für Dich eine interessante Option im Schauspiel?

Ja, natürlich, ich würde wahnsinnig gerne beruflich in Paris arbeiten. Wenn sich irgendeine Kooperation da ergibt, würde ich sofort Ja! Sagen (lacht).

Welche Bezüge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Meine Familie, Oma, Tante, alle waren Romy Schneider Fans. Meine Großmutter war sehr vernarrt in Romy Schneider und ich hatte mit sieben Jahren mit ihr schon alle Sissy Filme und mehr gesehen. Ich habe dann die Rollen schon als Kind nachgespielt und mich etwa als Sissy verkleidet.

Welche Filme von Romy Schneider schätzt Du besonders?

Jeder ihrer Filme hat einen besonderen „Romy Schneider“ Charakter. Es ist schwer da einen hervorzuheben. Jeder Film packt, ergreift, lässt staunen und bewundern.

Ich mag „Swimming Pool“ (1969) und „Trio infernal“ (1974) aber sehr gern. Aber es gibt so viele.

Die „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“ (1982) drehte Romy Schneider nach dem Tod ihres Sohnes David (+1980) und auch darin geht es um den Tod eines Jungen. Sie wollte sich da selbst zerfleischen, vielleicht um einen Zugang zu ihrem Schmerz zu bekommen. Ich will mir aber nicht anmaßen, darüber etwas zu sagen. Aber es hat mich schockiert.

Welche Inspiration geht von Romy Schneider 40.Jahre nach ihrem Tod für Dich als Schauspielerin heute aus?

Diese Größe, es ist diese innere Größe. Ich finde es sehr beeindruckend, dass Romy Schneider eine so stolze, anmutige, zeitlose Person ist.

Alles was Romy Schneider im Schauspiel macht, macht sie mit einem Stolz. Und das ist faszinierend. Das ist so ein Leuchten von Innen, so eine Kraft und gleichzeitig auch eine Gefährlichkeit, weil es kein Vorausschauen gibt. Ich denke, sie wusste selbst auch nicht was als Nächstes passiert. Sie hat mit aller Kraft gespielt!

Jeden Satz, den Romy Schneider im Film spricht, der ist echt. Sie will diesen Satz sagen.

Wie siehst Du die Beziehung von Schauspiel und Leben?

Es hat für Romy Schneider kein Leben außerhalb des Films gegeben. Eine Lebensorientierung, -richtung ohne Film, Schauspiel gab es nicht und war nicht vorstellbar. Und gleichzeitig konnte sie auch nicht darin leben. Das ist dieser Zwiespalt.

Wenn Du Schauspielerin bist, geht es nicht anders. Du kannst als Schauspielerin nicht so tun als würde dich das Leben nur interessieren und nicht mehr.

Du bist Schauspielerin oder Du bist es nicht. Da gibt es nichts dazwischen. Mit aller Faszination und allem Risiko.

Wie siehst Du den Rückblick, Umgang mit persönlicher, familiärer Vergangenheit bei Romy Schneider?

Sie wusste genau was sie sagte. Sie sagte nicht zu viel und nicht zu wenig. Und dies war immer mit einer Größe verbunden.

Sie lügt nicht, aber sie sagt auch nicht mehr als sie gefragt wird.

Romy Schneider und die Liebe war und ist ein großes Thema.  Ingeborg Bachmann schrieb ein Gedicht mit dem Titel „Erklär mir Liebe“. Wie erklärst Du Liebe?

Liebe ist das Gefühl, wo es einem nicht schlecht geht (lacht).

Man muss sich selbst sehr liebhaben, um lieben zu können.

Wer sich selbst nicht mag, kann nicht lieben.

Bist Du eine Frau, die Liebe erklären will, muss?

Nein. Wenn ich mich für einen Beziehungspartner entscheide, dann liebe ich ihn auch. Das ist eine Entscheidung und da kann dann viel passieren, aber es würde die Liebe nicht brechen. Ich bin da entschieden.

Vor einer Liebe bin ich uninteressiert. Aber dann ist es eine Entscheidung. Dann ist es da und geht auch nicht mehr weg.

Romy Schneider ging auch der Liebe wegen nach Paris. Diese Liebe zerbrach. Was lässt für Dich Liebe brechen?

Betrug. Ich kann mit Betrug nicht umgeben. Wenn ich betrogen werde, ist es vorbei. Und umgekehrt ist es auch vorbei.

Ich bin irre treu, aber wenn ich nicht mehr will, dann betrüge ich. Und dann ist es vorbei.

Was lässt Liebe wachsen?

Erlebnisse. Dinge, die man gemeinsam sieht. Wo man sich berührt.

Es sind die Berührungspunkte. Berührung mit sich selbst, gegenseitig. Das sind Momente, an die man sich im Nachhinein erinnert. Das bleibt bestehen und dadurch wird Liebe größer.

Wenn Du nur im Zimmer hängst, wird die Liebe wahrscheinlich weniger, weil es ein gegenseitiges Zerstören ist.  

Wir erinnern uns an so wenig.

Gibt es da ein bestimmtes gemeinsames Erlebnis, dass Du in der Liebe immer wieder bewusst abrufst?

Bewusst rufe ich es nicht ab oder thematisiere es. Es ist einfach da. Ich spüre es im Körper, nicht im Kopf.

Romy Schneiders Liebespartner kamen auch aus dem Schauspielbereich. Wie siehst Du Liebe im selben Beruf? Erschwert oder erleichtert dies Liebe?

Es erleichtert einiges. Das Verstehen im Beruf, das Verständnis, ist da. Ob es auf Dauer funktioniert, weiß ich nicht.

Ich kann mich nie entscheiden zwischen Beruf und Liebe. Meistens entscheide ich mich dann für den Beruf. Das ist ja das Problem (lacht).

Ohne Beruf kann ich nicht existieren. Das ist mein Konflikt.

Das erinnert an Romy Schneider.

Was lässt in der Liebe aufbrechen, auch Brücken abbrechen, wie es Romy Schneider im Weg nach Paris tat?

Das ist keine Entscheidung im Kopf. Das passiert einfach. Ich denke da nicht eine Sekunde darüber nach (lacht).

Ich denke, dieses Herumgrübeln in der Liebe bringt nichts. Wenn man eine Entscheidung trifft, ist diese 100% spontan. Dann ist es Liebe. Finde ich. Überlegte Entscheidungen sind bei mir immer komplett falsch.

Entscheidungen in der Liebe sind 100% spontan und unumgänglich. Es passiert dann von selbst. Zumindest war es bei mir immer so.

Gibt es eine Rolle von Romy Schneider, die Du Dir vorstellen könntest, selbst gerne zu spielen?

„Trio infernal“.

Wie siehst Du persönlich eine „Dreiecksbeziehung“?

Sehr kompliziert. Ich denke, es ist am Anfang wahnsinnig aufregend, aber es geht nicht lange.

Ich kann es mir persönlich nicht vorstellen. Ich bin da zu besitzergreifend (lacht).

Wenn ich zwei Freunde hätte, würde es mir selbst leidtun. Ich würde Kopfweh kriegen (lacht).

Mann muss so etwas mögen. Ich kann das nicht. Ich bin da old school (lacht).

Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?

Gruselig.

Ich kenne den persönlichen Wahnsinn des Schmerzes, der Traurigkeit, das Schwanken des Lebenssinns, aus Gründen der Trennung oder des Todes von geliebten Menschen, den kennt jeder von uns, aber nicht jenen, der an Selbstmord denken lässt.

Wir sterben von selbst.

Du lebst in Wien, Berlin, Paris. In Städten, in denen auch Romy Schneider gelebt hat. Was macht für Dich die Faszination dieser Städte aus?

Die Größe. Ich bin am Land aufgewachsen. Wenn man vom Land kommt, mag man große Städte sehr gern. Ich kann es mir nicht vorstellen woanders als in großen Städten zu leben.

Ich hatte schon viele Engagements in kleineren Städten. Doch jedesmal brach ich nach einiger Zeit die Zelte ab, weil es zu klein war. Ich will diese Anonymität der Masse in einer großen Stadt und auch das Entdecken dieser Städte im Verborgenen.

Wien ist „schön“ groß. Es ist nicht zu groß und nicht zu klein. Ich mag Wien.

Romy Schneider hat viele Interviews in Wort und Bild gegeben und öffnete dabei Ihr Innenleben. Ist es bei Dir auch so?

Über mein Innenleben kann ich nicht erzählen, weil ich es selbst nicht weiß (lacht).

Ich finde mein Innenleben für ein Interview nicht relevant. Es gibt Dinge, die viel interessanter sind als das Innenleben eines Menschen. Die Außenwelt, Dinge, die uns umgeben.

Wäre für Dich ein so persönliches Interview in der Form jenes von Alice Schwarzer mit Romy Schneider denkbar?

Dazu braucht es eine entsprechende Vorbereitung. Die hatte Romy Schneider bestimmt auch. Man muss in dieser Form des Interviews wissen was man tut.

Auch ein Interview hat immer eine bestimmte Rahmenform, eine Kamera. Romy Schneider wusste das bestimmt sehr genau.

Was nimmt man von Romy Schneider als Frau heute in das 21.Jahrhundert mit?

Einfach diese Größe, diese innere Größe. Und diese Selbstverständlichkeit als Frau zu sein und nicht perfekten Gesellschafts-, etwa Modelmaßen, zu entsprechen.  Obwohl sie sehr darunter gelitten hat.

Auf medialen Plattformen präsentieren sich heute Frauen immer perfekter und werden dadurch in ihrer Sicht immer emanzipierter. Das ist bescheuert.

Romy Schneider war halt Frau.

Es gibt sehr viele Fotoportraits von Romy Schneider, auch sehr persönliche. Wie siehst Du dies heute in Deinem Beruf?

Ein Foto ist immer Abbild eines inneren Zustandes.

Man sieht auf einem Foto wie es einem Menschen geht, und zwar zu 100%.

Fotos sind als Schauspielerin:er ein schwieriges Thema, weil man sich entscheiden muss, wie man sich präsentieren will. Ob man in eine Form gehen will, ob man natürlich sein will? Ob es die richtigen Leute sind, die fotografieren?

Es waren bei Romy Schneider immer ganz ausgewählte Fotografen, mit denen sie arbeitete und denen sie sich öffnete. Es ist ja eine Beziehung, die Du da mit Menschen eingehst. Und manchmal funktioniert das nicht. Ich hatte schon Fotoshootings, wo ich dachte, hey, jetzt gebe ich dir noch Geld dafür und Du baust so einen Blödsinn. Das kostet 700 EUR und ist katastrophal.

Wenn man aus dem Theaterstück fotografiert oder aus dem Film stills macht, ist es für mich immer ganz beruhigend. Ich denke dann, ah, das lebt.

Welche Pläne, kommenden Projekte gibt es jetzt für Dich?

Ich drehe im Sommer mehreres, dann spiele ich Theater, mache eine Lesung in Berlin, auch im Wiener Kultursommer spiele ich und in der nächsten Spielzeit mache ich zwei, drei Stücke. Es geht weiter (lacht). Je weniger man sich Sorgen macht um die Zukunft, umso mehr passiert.

Ines Schiller, Schauspielerin,
Wien

Ein wunderbares Schlusswort, liebe Ines! Herzlichen Dank für Dein Kommen und das wunderbare Fotoshooting und Interview zu Romy Schneider! Viel Freude und Erfolg für alle Projekte!

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Ines Schiller, Schauspielerin_Wien

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_5.2022

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Walter Pobaschnig 6_22

„Das Theater kann Resonanzräume aufmachen“ Lavinia Nowak, Schauspielerin _ Wien 5.6.2022

Liebe Lavinia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen. Katzen füttern – darüber freuen.

Hoffentlich Zeit gehabt kurz ein Wegbutterbrot zu schmieren, sonst ein Rosinenbrötchen kaufen und 40 volle U-Bahn Minuten zur Probebühne hasten.

Arbeiten: lesen-Mut zusammen nehmen- Angebote machen. Leere 40 U-Minuten nachhause ruckeln. Katzen füttern- darüber freuen.

Mittagessen. – lieber kochen lassen. Auf der Couch essen mit heutiger Vorstellungstextbegleitung bis ich müde werde. Wecker schnell und müde stellen. 30 Minuten später klingelt er schon. Jetzt muss ich wach werden! Den Text weiter wiederholen, dann ins Theater fahren.

Davor noch die Katzen füttern! In die Garderobe, dann in die Maske, danach ist Zeit. In Ruhe einsprechen. Üben mit dem Korken. Dann kommt schon die 3. Zeitansage und ich gehe die Treppe runter, oder fahre mit dem Aufzug, zur Bühne. Spielen. Dann nach hause laufen, klarkommen, atmen.

Auf Katzen freuen, die jetzt dringend nochmal gefüttert werden möchten. Dann mit Markus Lanz zusammen vor dem Fernseher einschlafen.

Lavinia Nowak, Schauspielerin 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich darin zu üben einander mit Liebe und Verständnis zu begegnen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich habe nicht das Gefühl vor einem Neubeginn zu stehen. Im Gegenteil. Die jüngsten Ereignisse lassen mich an die Idee der historischen Wiederholung glaube. (-die es seit der Antike gibt und die Nietzsche später beschreibt.)

Ich, als 1995 geborene, hätte es nie für möglich gehalten, dass es in Europa zu einem Krieg kommt. Ich dachte über buchstäbliche Schlachtpläne wäre man hinaus, aber das stimmt anscheinend nicht. (Was ich überhaupt nicht begreife.)

((-das Einzige was die Welt besser machte könnte wäre Philosophen an die Spitzen zu stellen.))

Das Theater kann Resonanzräume aufmachen. Statt Dauer Medien Konsum wenigstens auf dem Heimweg denken können.

Das Theater kann von Menschen erzählen, die vor langer oder kurzer Zeit ähnliche Konflikte hatten wie wir heute. Das kann kathartisch sein, man kann aber auch eintauchen und hoffentlich lachen.

Im Theater kann man zusammenkommen und sich in Nächstenliebe üben. Und man kann Geld spenden für die Ukraine.

Was liest Du derzeit?

Ich blättere in Georg Lukács ´Faust und Faustus´ zur Vorbereitung auf meine nächste Produktion am Volkstheater.

Darin enthalten sind Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller. Und so vergangen mir deren Themen mir vor einigen Jahren noch vorkamen, umso aktueller finde ich Sie jetzt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich habe heute Morgen zwei Geschenke geöffnet – es waren meine Augen“ unbekannt

Vielen Dank für das Interview liebe Lavinia, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Lavinia Nowak, Schauspielerin

Foto_Nikolaus Ostermann/Volkstheater Wien

22.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Granatenschlag weicht glitzkleinen geräuschen“ Pega Mund, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ München 5.6.2022

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Granatenschlag weicht glitzkleinen geräuschen

Intonationen im mergelgrau morgentau

Vogellautverse am

Ersten tag anderer ordnung



Präludium für den

Entwurf einer unnachgiebigen sanftmut

Aufwachen im

Chor

Endlich



Aufbruch mit



Chuzpe wir fordern den

Himmel auf erden und

Allen ein wohlgefallen am

Neubau der welt please handle with

Care wir haben nur diese

Einzige eine


Pega Mund 20.5.2022

Pega Mund, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Pega Mund, Schriftstellerin

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Foto_Dirk Skiba

Walter Pobaschnig _ 20.5.2022.

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