„Die Welt schreit nach so vielem“ Leonie Berner, Schauspielerin _ Heilbronn/D 19.7.2022

Liebe Leonie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Zur Zeit ist mein Tagesablauf auch für mich neu. Ich bin frisch in eine neue Stadt gezogen und bin überall neu und noch am Entdecken.

Im Grunde stehe ich um 8:30 auf. Ich frühstücke Haferflocken mit Apfel, das bereite ich am Abend vorher immer schon zu. Und dazu trinke ich einen Kaffee und schaue die Nachrichten. Zähneputzen, waschen, einschmieren, anziehen. Dann steig ich aufs Rad und fahr ca. 7 min zum Probezentrum. Dort zieh ich das Probekostüm an und um 10:00 beginnt meistens die Probe. Die geht unterschiedlich lang aber spätestens bis 14:00.

Dann fahr ich mit dem Rad zurück in die TheaterWG, die ich nur zurzeit habe, bis ich eine eigene Wohnung habe.

Ich esse zu Mittag und schau mir eine Serie an.

Jetzt mach ich Organisatorisches oder räum auf, wasche Wäsche, bewege mich, manchmal kann ich 30 min schlafen. Gegebenenfalls treffe ich mich zum Text lernen mit Kolleg:innen.

Um 18:00 mach ich mir nochmal einen Kaffee und um 18:30 fahr ich wieder mit dem Rad zum Probezentrum. Von 19:00-22:00 habe ich dann Probe. Wenn Vorstellung ist muss ich bereits um 17:30 in der Maske sein. Dann spiele ich bis zurzeit ca 22:30 oder 23:00.

Danach gehe ich mit Kollegen noch auf eine Cola oder einen Wein oder fahre nachhause. Mach mir was zum Essen und schaue Serien. Oft skype ich dann mit meinem Freund. Dann duschen, Zähne putzen, schmieren, Haferflocken vorbereiten. Dann ins Bett und versuchen zu schlafen.

Leonie Berner, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich kann mich ehrlich nicht entscheiden. Ich habe das Gefühl die letzten Jahre haben uns alle, Mensch und Welt, so ausgemergelt. Die Welt schreit nach so vielem, dass ich mir nicht sicher bin, was man ihr zur erst geben soll, geschweige davon was möglich ist.

Ich glaube die Welt… braucht Ruhe. Da sollten wir alle weg. Wäre die Welt ein Patient müsste sie jetzt mal lange Ruhe brauchen und sich erholen.

Die Menschen… verschieden. Denk ich. Manche bräuchten einen Arschtritt. Andere Wärme und Zuversicht. Dumm ausgedrückt bräuchten die Menschen ein Etwas wie Schlagobers. Eine Vereinigung von etwas Weichem, Gepolstertem, zusammenklebend, dicht ohne drängend. Massig, aber nicht schwer.

Ich kann es nicht wirklich anders beschreiben… weil ich das Gefühl habe, jedes existierende Adjektiv wird Zeiten wie diesen nicht gerecht.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Uff die Frage: ist theater systemrelevant?

Da kann man denk ich streiten. Ich kann verschiede Meinungen total verstehen.

Ich persönlich denke zurzeit… Theater und Schauspiel ist wichtig. Aber nicht systemrelevant.

Allerdings sehe ich Kunst im Allgemeinen als systemrelevant. Einfach schon ganz simpel als Ausdrucksform. Als Ventil, Ablenkung, Hoffnungsbringer. Da kommt dann die Frage wo beginnt Kunst und in dem Fall rede ich von allem was so bisschen kreativen Ursprung hat. Zusammen singen, Geschichten erzählen und wenn es das Pfeifen eines Liedes zur persönlichen Aufmunterung ist. Ich glaube Ausdruck der Seele ist systemrelevant.

Unabhängig davon ist, finde ich Theater und Film in diesen Zeiten auch sehr wichtig und mächtig und ich denke Theaterschaffende und Filmschaffende haben da viele verschiedene Aufgaben. Es geht, finde ich, um Kritik an der Gesellschafft, auch um das Weiterführen „wohin kann das führen“, aber auch manchmal Utopien schaffen: „so kann es doch vielleicht auch mal sein“ bis hin zu der Möglichkeit, wo Menschen vielleicht für zwei Stunden sich ablenken und Kraft schöpfen können. Ablenken und Verdrängen ist ein Luxus, schon klar.

Das alles sind Teile davon, wie ich das sehe, aber da kommen noch viele weitere Komponenten dazu.

Was liest Du derzeit?

Verfolgung von David Lagergrantz und Stieg Larsson. Ich mag Krimis und hab mich in den Charakter der Lisbeth verguckt

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Alle großen Leute sind einmal Kinder gewesen, aber wenige erinnern sich daran.“ – Kleiner Prinz

Vielen Dank für das Interview liebe Leonie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Leonie Berner, Schauspielerin

Foto_Daniel Kastner

14.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gedicht“ Eva Christina Zeller, Lyrikerin _ Give Peace A Chance _ Tübingen 19.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gedicht

Ist

Vielstimmig

Einfältig

Poetisch

Ein

Anderes

Credo

Ein

Augenblicksakzidenz

Come

Home

And

Never

Cancel

Eternity


Eva Christina Zeller, 7.7.2022

Eva Christina Zeller, Lyrikerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Eva Christina Zeller, Lyrikerin

http://eva-christina-zeller.de/

Alle Fotos_Wolfgang Irg

Walter Pobaschnig _ 7.7.2022.

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„Gestern und morgen“ Andrea Zambori, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Neu-Ulm/D 18.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gestern und morgen

Inmitten des Irrsinns

Verzweifelt

Enttäuscht. Städte

Plötzlich verlassen

Eine lange Reise wagen

Abends auf weniger

Chaos hoffen

Einschlafen. Träumen


Aufhören

Cousine wieder umarmen

Hände schütteln

Ankommen ins

Neue Leben. Auf die

Couch. Verdauen.

Endlich heimkehren.

Andrea Zámbori _3.7.2022

Andrea Zámbori _Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Andrea Zámbori _Schriftstellerin

Foto_Alain Barbero

Walter Pobaschnig _ 3.7.2022.

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„Aufstehen, mit kühlem Wasser über das Gesicht“ Alice Grünfelder, Schriftstellerin _ Zürich 18.7.2022

Liebe Alice, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen, mit kühlem Wasser über das Gesicht, hinsetzen, mich in Zhuangzi vertiefen und am Paradox reiben, Gedichte lesen, schreiben, übersetzen, Schatten in die Luft zeichnen – so sah mein Tagesablauf einmal für wenige Wochen in Heidelberg aus, so wünschte ich mir den Tag. Nun bleibt mir nur der Versuch, etwas davon in meinen Alltag hinüberzuretten.

Alice Grünfelder, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Meinungen der anderen aushalten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Kultur hatte bisweilen schon die Rolle, in Zeiten von Seuche, Hunger, Krieg widerständig zu sein.

Was liest Du derzeit?

Vieles gleichzeitig: Zhuangzi, Wolf Haas, Wu Ming-yi, Jessica Lee, Ai Qing, Henning Ahrens …

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Freunde dich an mit dem, was du nicht erreichst.“ Zhuangzi

Vielen Dank für das Interview liebe Alice, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Alice Grünfelder_ Schriftstellerin 

Homepage

Foto_privat.

22.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gradually“ Jesse Falzoi, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Berlin 17.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gradually

I

Vainly

Explored



Perhaps

Enabled

Another

Close

Encounter



A-way-a-lone-a-last-a-loved-a-long-the



Crépuscule!

Here

Another

Night

Comes

END

Jesse Falzoi, 4.7.2022

Jesse Falzoi, Schriftstellerin 

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Jesse Falzoi, Schriftstellerin 

Books

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 4.7.2022.

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„Das Begreifen der unumgänglichen Verbundenheit allen Lebens“ Elisabeth Wedenig, Bildende Künstlerin _ Glanegg/Ktn. 17.7.2022

Liebe Elisabeth, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf ist relativ flexibel. Fixpunkt sind die drei Spaziergänge mit meiner Hündin Silja. Prinzipiell verbringe ich den Vormittag und den späteren Nachmittag im Atelier. Meine Produktivität kommt jedoch in Wellen und es gibt Phasen in denen ich den ganzen Tag im Atelier verbringe und dann wieder welche in denen ich kaum direkt an einem Werk arbeite, die jedoch genauso wesentlich für die künstlerische Produktion sind.

Elisabeth Wedenig  _ Bildende Künstlerin, Malerin _ im Atelier/Kärnten

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Empathie, Integrität, Selbstreflexion, Humor, Respekt

– und das Begreifen der unumgänglichen Verbundenheit allen Lebens.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Kunst ist ein Ort der Selbstreflexion. Betrachtung oder Erleben von Kunst hat immer etwas mit uns selbst zu tun. Sie ist nicht nur ein Spiegel der Zeit sondern auch ein Spiegel des Betrachters. Wir können ein Bild, ein Theaterstück, ein Roman, ein Lied zu jeder Zeit unseres Lebens anders lesen und jeder von uns liest auf die eigene Art und Weise, die mit persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen zusammenhängt. Zugleich wirkt Kunst erweiternd, macht neue Betrachtungswinkel auf und stellt Fragen.

„Wir warten nicht aufs Paradies“ Elisabeth Wedenig _
derzeit zu sehen in der Ausstellung „sinNe _Wahrnehmung und Ausnahme“ im Stift Millstatt

Was liest Du derzeit?

Ich habe meist einige Bücher, die ich parallel lese. Gerade eben hab ich von Lilian Faschinger  „Wiener Passion“ begonnen. Das stand schon länger im Regal und ich hatte eigentlich angenommen es schon gelesen zu haben, da ich immer, wenn ein Buch von Faschinger ins Haushalt kommt, es eigentlich sofort lese. Es scheint jedoch selbst ins Haus gezogen zu sein ohne mir Bescheid gesagt zu haben. Ich genieße Faschingers Geschichten, die sie sehr oft um starke Frauen spinnt, und ihre Erzählweise, sehr.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Gerade war die letzte Vorführung des Romans Malina von Ingeborg Bachmann. Eine Theater Wolkenflug Produktion von Ute Liepold, für die ich das Bühnenbild machen durfte. Deshalb und weil sie einfach fantastisch ist, ein Zitat von Bachmann.

„Es ist auch mir gewiß, daß wir in der Ordnung bleiben müssen, daß es den Austritt aus der Gesellschaft nicht gibt und wir uns aneinander prüfen müssen. Innerhalb der Grenzen aber haben wir den Blick gerichtet auf das Vollkommene, das Unmögliche, Unerreichbare, sei es der Liebe, der Freiheit oder jeder reinen Größe. Im Widerspiel des Unmöglichen mit dem Möglichen erweitern wir unsere Möglichkeiten.“ (Ingeborg Bachmann. Aus: Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar)

Elisabeth Wedenig _ Bühnenbild _
Szene aus Malina von Ingeborg Bachmann / Klagenfurt 2022/ Theater Wolkenflug, Produktion von Ute Liepold / mit den Schauspielerinnen Magda Kropiunig, Birgit Fuchs und Grischka Voss (von links)

Vielen Dank für das Interview liebe Elisabeth, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Elisabeth Wedenig _ Bildende Künstlerin, Malerin

www.elisabethwedenig.at

Alle Fotos_Peter Schaflechner

11.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Kampf der Geschlechter als unerbittlicher Schmerz“ Yvonne Meisner, Schauspielerin _acting „Undine geht“ Ingeborg Bachmann _ Wien 17.7.2022

Liebe Yvonne, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?

Den Kampf der Geschlechter als unerbittlichen Schmerz und der Ruf nach Erlösung. Klar und eindringlich.

Yvonne Meisner, Schauspielerin _
acting „Undine geht“ _ Erzählung_ Ingeborg Bachmann _ 1961

„Undine geht“ wurde vor 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?

Auf einem Flohmarkt ist mir einmal eine Hochzeitsmagazin aus den 60er Jahren in die Hände gefallen. Ich habe gedacht, mich hebt es aus den Schuhen, als dort genauestens beschrieben stand, wie sich Frau optimal auf ihre Rolle in der Ehe vorbereiten möge…

„Ihm immer die Hausschuhe bringen, wenn er nach Hause kommt“… etc.

Es hat sich viel verändert gesellschaftlich und es gibt noch viel zu tun auf dem Weg zu- und miteinander. Im Außen wie im Innen.

Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?

Tatsächlich bekomme ich selbst noch solche patriarchale Macht in meiner unmittelbaren Umgebung zu spüren.

Ich sehe es als meine Aufgabe herauszufinden, wie ich mit solchen Strukturen umgehen kann, welche Wege ich für mich finde.

Macht ist ein großes persönliches Thema für mich. Sehr lange sind weibliche Kräfte unterdrückt worden, eben weil sie so machtvoll sind. Ich bin bestrebt eine Ausgewogenheit zwischen männlichen und weiblichen Kräften in mir herzustellen.

Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinanders im gesellschaftlichen Lebens aus. Welche Auswege siehst Du da?

Aufhören, der Liebe so viel aufdrücken zu wollen. Die Fähigkeit zur Vergebung stärken. Und die Illusionen und Vorstellungen in Bezug auf Liebe loslassen , denn diese schmerzen meines Erachtens nach am Meisten.

Wenn wir offen bleiben für das, was wir fühlen und das, was ist, kann etwas Wunderschönes entstehen. Aber wir werten lieber, vergleichen uns und sind permanent abgelenkt von uns selbst, anstatt sich auf die wahren inneren Herzenswünsche auszurichten und zu entdecken, wie sie ausschauen.

Wir sind hungrig nach Liebe, tragen viele unerfüllte Bedürfnisse in uns und der Schmerz möchte einen Platz in unserem Herzen finden. Wir verweigern ihn anzunehmen, da wir es uns nicht zutrauen und glauben, dass sei zu viel für uns. Es braucht viel Mut und Vertrauen in uns selbst. Dann leiden wir viel weniger, auch wenn Dinge nicht so perfekt sind oder Menschen uns enttäuschen. Wir sehen dann auch den anderen in seinem Schmerz und seiner Aufgabe.

Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?

Unbeirrt und mutig seinen eigenen Weg zu gehen. Heute wie damals.

Was bedeutet Dir Natur?

Rückverbindung mit mir selbst und allem was ist, leichter nehmen zu können und mich an ihrer unbändigen Schönheit zu erfreuen.

Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?

Indem er bestrebt ist, Harmonie in sich selbst zu kreieren, indem er innere Ängste und Konflikte befriedet.

Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?

Die Bereitschaft zu geben, dem anderen und sich selbst. Und die Erinnerung, dass man selbst Liebe ist.

Vertrauen.

Was lässt Liebe untergehen?

Zu viele Herzmauern und der daraus resultierende Mangel an Liebe zu sich selbst, denn dann reicht es nie.

Wie war Dein Weg zum Schauspiel?

Ich wusste nach der Matura nicht wirklich, welche berufliche Richtung ich einschlagen sollte und hab einfach die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule in Hamburg probiert. Zu meinem Erstaunen bin ich aufgenommen worden, aber es entwickelte sich nicht so toll. Nach 2 Jahren hab ich abgebrochen, aber es ließ mich innerlich nicht los und ich begann von vorne in Wien, wo ich dann 2005 meine Bühnenreife-Prüfung erfolgreich absolvierte.

Welche Berührungspunkte/Impulse mit/von Literatur gab es bisher in Deinen künstlerischen Projekten?

Da fällt mir spontan eine alte Theaterproduktion („Die Welle“) ein, in demmein Schauspielkollege und ich mit realen Schülern im Theater gespielt haben und ihnen und uns selbst die Anfälligkeit für faschistoides Handeln und Denken nahebrachten.

Es ist nicht etwas, dass nur andere Menschen betrifft, sondern es ist zum Teil auch in jedem von uns. Bewegungen entstehen und können leicht außer Kontrolle geraten.

Welche Impulse gibt es von der Natur für Dich persönlich?

Wenn es mir nicht gut geht, suche ich die Natur auf. Natur gleicht mich aus, beruhigt und nährt mich.

Außerdem sammle ich immer Steine, da kann ich nicht anders.

Was bedeutet Dir das Element Wasser?

Wasser bedeutet sehr viel für mich, in all seiner Vielschichtigkeit.

Wasser drückt das Selbst und das Leben aus.

Reinigung, tiefste Entspannung und Verbindung zu mir selbst, wenn das Wasser sich still oder einladend präsentiert.

Schonungslos, kraftvoll, zerstörerisch und sich seine Bahnen suchend, wenn es sich machtvoll bewegt und sich nicht zähmen lässt.

Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?

Ich gehe mit.

Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?

„Beinahe verstummt, beinahe noch den Ruf hörend. Komm.Nur einmal.Komm“

Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Achrostikon zu „Undine geht“ bitten?

U=n- Geh- Heuer

N= aturver-Bund

D=onau-Brücke

I=c-Hans

N=ebel-im-Ged-Ächtnis

E=ins-Sein

Yvonne Meisner, Schauspielerin _ Wien_
acting „Undine geht“ _ Erzählung_ Ingeborg Bachmann _ 1961

Station bei Ingeborg Bachmann_

Undine geht _Erzählung _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Yvonne Meisner, Schauspielerin _Wien _ acting Undine

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_2022.

Walter Pobaschnig 7_22

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„Ge-: das Signal der Vergänglichkeit/ gestellt. gestanden. gestürzt. gestehen“ Yu-Sheng Tsou, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ München 16.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Ge-: das Signal der Vergänglichkeit/ gestellt. gestanden. gestürzt. gestehen.

Irr-: Irrlichter im Gas/ Irritationen traten in die belichteten Zimmer.

Verbände des Viehs schlenderten,

Eräugten mit allen Augen/ jemand hatte sie aufs Feld getrieben/




Pfeilzeichen, vor denen die Orte zittern/ zitternd/

Erzeugen ein zweites Land, das dieselben Ortsnamen momentweise trägt/

Aufhebt/ anti-: Antinomie. Antithese. Antidot. a-: anomie.

Choreographiertes,

Erzogenes Zittern der überlappenden Welten




Autonomen Kaputtsystems




Chorischer Verbergung der

Hervorgebrachten, nicht mehr zurückziehbaren Kräfte, deren

An und Aus: Die Ampeln, deren Aus und Ein: Die Straßen, die

Nächtlichen Wanderungen/ das Verlernen

CharismatischerVorträge:

Elmsfeuer all der sich stets austauschenden Dinge.


Yu-Sheng Tsou, 22.6.2022

Yu-Sheng Tsou  _Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Yu-Sheng Tsou  _Schriftsteller

Foto_privat.


Walter Pobaschnig _ 22.6.2022.

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„Kunst muss nicht lieb sein“ Rina Juniku, Schauspielerin _ Wien 16.7.2022

Liebe Rina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Derzeit gehe ich es sehr gemütlich an. Mir ist letztens aufgefallen, dass ich seit meinem Abschluss auf der Schauspielschule vor 10 Jahren jeden einzelnen Sommer gearbeitet habe. Diesen Sommer aber, habe ich beschlossen, gönne ich mir mal – wenn auch nicht den Ganzen. Anfang August beginnen die Proben für das nächste Projekt. Im Herbst spiele ich zum ersten Mal in Villach (Kärnten), der Stadt, in der ich aufgewachsen bin, darauf freue ich mich schon sehr.  

Aber bis dahin besteht mein Tagesablauf aus Ausschlafen, dann ewig Café trinken, Radio hören und irgendwas lesen, Kochen, Freunde treffen, Kino, Konzerte, Donauinsel kurz Urlauben und oft sitze ich einfach nur da und schaue. Wegen der extremen Hitze mache ich das sehr gerne auch Zuhause.

Rina Juniku, Schauspielerin 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was mir wichtig ist, ist Verständnis zu haben und dies zu zeigen – selbst, wenn es nicht immer leichtfällt. Anderen mit Respekt und einer gewissen Grundhöflichkeit zu begegnen, auch wenn man verschiedene Ansichten vertritt – nach dem Motto  „agree to disagree“.  Und ich meine nicht, dass man keinen eigenen Standpunkt haben und den auch verteidigen soll, im Gegenteil. Nur würde ich mir weniger Aggression dabei wünschen. Also denke ich, dass es auch wichtig wäre, einfach mal ein bisschen lieb zueinander zu sein.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Eine Stimmung des Aufbruchs ist klar spürbar. Individuell wie gesamtgesellschaftlich. Im Großen wie im Kleinen. Es hat was Überwältigendes. Damit geht auch oft das Gefühl der Angst einher und die darf nicht Überhand gewinnen.

Keine Angst! Das ist wesentlich denke ich. Keine Angst, respektvolles Miteinander und viel Ausdauer. Wir dürfen nicht aufgeben, sonst haben wir schon verloren – jede/r Einzelne muss sich dessen bewusst sein.

Das gilt ganz besonders auch für die Kunst. Nur muss die Kunst nicht lieb sein sondern laut, ungemütlich und pur. Sie darf es nicht Recht machen wollen. Sie muss Missstände aufzeigen, in welcher Form auch immer. Und das radikal! Kunst schafft einen Raum in dem wir einander ganz intim begegnen. Das darf nie verloren gehen. Gerade für den Wandel (einer Gesellschaft) spielt Kreativität eine besonders wichtige Rolle, um mit Gewohntem zu brechen, neue Blickwinkel zu erschließen und möglicherweise sogar Lösungsspielräume aufzuzeigen – im Sinne sozialer Gerechtigkeit.

Was liest Du derzeit?

Im Moment eigentlich nur den Falter.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Du hast deine Kindheit vergessen, aus den Tiefen deiner Seele wirbt sie um dich. Sie wird dich so lange leiden machen, bis du sie erhörst. (Narziss und Goldmund v. Hermann Hesse)

Vielen Dank für das Interview liebe Rina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Rina Juniku, Schauspielerin 

https://www.rinajuniku.com/

Foto_Volker Schmidt

5.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Unsere Fantasie und unsere Vorstellungskraft sind nun gefragt“ Andrea Meschik, Bühnen-, Kostümbildnerin  _ Graz 15.7.2022

Liebe Andrea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Einen festgesetzten Tagesablauf habe ich nicht. Es gibt Recherche- Inspirationsphasen – meist vor dem Laptop oder mit Bücher. Danach die Konkretiesierungsphase mit Stift und Papier oder andere Materialien die ich zusammenklebe, fotografiere mit dem Laptop bearbeite und weiterentwickle. Dies leitet in die Realisierungsphase, Pläne zeichnen (wieder am Laptop), mit Menschen in Kontakt trete, in der Welt herumlaufe um genau das zu finden was ich suche und brauche. Die Intensivphase kurz vor der Fertigstellung des Projektes wird es nochmal besonders spannend. Jedes Einzelteil sollte schon da sein wo es sein sollte und wünscht sich eine letzte Überprüfung.

Da ich in verschiedenen Projekten mitarbeite, fallen diese Phasen meist auch aufeinander. Das bedeutet für meinen Tagesablauf, dass ich an jedem Tag immer etwas Anderes mache. Jedes Thema und jedes Projekt, bei dem ich mitarbeiten darf, hat eine andere Thematik, andere Schwerpunkte und verlangt nach einer individuellen Herangehensweise. Aber genau darum bin ich Bühnen – und Kostümbildnerin geworden.

Zurzeit befinde ich mich in Spittal, Kärnten in Quarantäne, also mein Tagesablauf ist sehr eintönig geoworden. Das wird sich hoffentlich bald wieder ändern.

Andrea Meschik, Bühnen-, Kostümbildnerin 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Aufgrund der Informationsflut die über uns jeden Tag hereinbricht, meist nicht von der positiven Sorte, neigt man zu misanthropischen Zügen. Besonders wichtig ist es für das eigene körperliche Wohlbefinden zu sorgen und die Stärke zu besitzen nicht die Hoffnung aufzugeben.

Gegenseitiger Respekt und Wohlwollen sollte an erster Stelle stehen und nicht von Neid verdrängt werden.

„Die Neider sterben wohl, doch niemals stirbt der Neid.“ (Moliére)

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Der Begriff Neubeginn und Aufbruch haben sofort etwas Aufregendes an sich. Vor allem, wenn man nicht weiß wo die Reise hingehen wird. Wir werden es miterleben und mitgestalten. Was Aufregenderes kann es gar nicht geben. Unsere Fantasie und unsere Vorstellungskraft sind nun gefragt, aber auch unsere Fähigkeit der Selbstreflexion.

Die Rolle der Kunst wird in der Gesellschaft immer seinen berechtigten Platz beibehalten. Sowie die Gesellschaft sich dreht und wendet wird auch die Kunst dementsprechend antworten. Es gilt die gesellschaftlichen Entwicklungen, Ungleichgewichte, Benachteiligungen weiterhin aufzuzeigen. Fluchtwege/ Auswege und Utopien wie Dystopien zu entwerfen und auszustellen, Lösungsvorschläge aufzuzeigen wie auch weiterhin wichtige Fragen zu stellen.

Was liest Du derzeit?

„Push“ von Sapphire

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Can you read the whole thing?“ I say, „A Day at the Beach.“ She says very good and closes the book. I want to cry. I want to laugh. I want to hug and kiss Miz Rain. She make me feel good. I never readed nuffin´before.

Vielen Dank für das Interview liebe Andrea, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Bühnen-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Andrea Meschik, Bühnen-, Kostümbildnerin 

https://www.andrea-meschik.at/

Foto_Edi Haberl

10.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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