Lieber Matthias, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
In meiner westfälischen Kleinstadt und in meinem täglichen Leben als Hausmann und Vater hat sich wenig spürbar verändert. Ich bin immer noch derjenige, der die Tochter zur Schule bringt, den Haushalt macht, die Fragen der Krankenkasse beantwortet und die wechselnden Handwerker im Haus betreut. Wenn die Liebste nach 9 oder 10 harten Stunden im Sozialwesen-3 Jahre- Corona-Dauerstress nach Hause kommt, sind wir Familie und tun, was Familien tun.
In den unsichtbaren Fenstern dazwischen schreibe ich aus essentiellem Müssen heraus Gedichte und Romane. Ich weiß selber nicht, wann! Wie immer. Seit Februar lese ich dazwischen allerdings auch immer öfter besorgt die Nachrichten und frage mich immer öfter, ob Literatur und normales Familienleben noch selbstverständlich, überhaupt möglich oder adäquat sind. Aber das tue ich auch schon seit 3 Jahren, um genau zu sein- allerdings ist die aktuelle Sorge keine andere, sondern eine weitere.
Matthias Engels, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Jetzt ist für uns alle wichtig, was es immer war- nur mit einer noch größeren Dringlichkeit: Mensch bleiben…oder besser: werden. Mitgefühl, Haltung, von mir aus auch Caritas oder Demut- alles mir unerklärlicherweise völlig unpopuläre Begriffe! Es gab ja immer beides: Selbstherrlichkeit und Selbstlosigkeit- nur, dass das das Gleichgewicht, das meines Erachtens über die Jahre mal besser, mal schlechter funktioniert hat, momentan deutlich in die falsche Richtung auszuschlagen droht. Wir müssen kapieren, dass unser eigener Wohlstand, unsere eigenen Belange nicht der zentrale Kern des Universums ist und schon gar nicht zu verwechseln mit: Freiheit!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Entscheidend wird sein, dass wir uns trauen und zumuten, uns zu interessieren. Uns mit schwierigen und verwirrenden Tatsachen zu konfrontieren. Desinteresse ist in meinen Augen die schlimmste Volkskrankheit- diese scheinbar abgebrühte Distanziertheit, als ob uns das alles nichts anginge.
Meinungen akzeptieren, die abweichen aber haltlosen Blödsinn beim Namen nennen- damit wäre schon viel erreicht. Kunst und Literatur kann dabei helfen, eigene Maßstäbe zu entwickeln, weil sie frei ist. Sie darf eine ganze Menge und wenn sie so gemacht ist, das sie sich weder dem halbreligiösen Unterhaltungsgebot unterwirft, noch so elitär, dass sie niemanden mehr erreicht, kann sie ein mächtiges Instrument sein- auch gegen Despoten!
Speziell die Lyrik sehe ich schon seit Langem als per se subversives Medium. Sie nimmt in keiner Weise am Geldkreislauf teil; sie produziert nichts, erwirtschaftet nichts und das Gedicht ist mit das einzige Kunstwerk, das eins zu eins aus dem Gedächtnis wieder – und weitergegeben und somit kaum zensiert oder verboten werden kann. Niemand kann einen Roman oder eine Oper oder ein Gemälde exakt einem anderen vermitteln, wenn das Buch, die CD oder eben das Bild nicht vorliegen- mit einem Gedicht ist das möglich! Deshalb fürchten viele Regime auch die Dichter so sehr. Sie und ihre Werke sind schlecht völlig mundtot zu machen – das sollte man doch nutzen!
Was liest Du derzeit?
Ich lese immer sehr viel parallel; manches aus beruflichen Gründen, anderes strikt privat. Neulich entdeckte ich die Gedichte Zbigniew Herberts neu und dachte: Wow- genau das war dieser Impuls, der dich vor 30 Jahren zum Schreiben brachte! Wenn Literatur, wenn Lyrik einen derart packen kann, dann besteht Hoffnung. Außerdem lese ich gerade eine bunte Mischung von Romanen, allerlei zeitgenössische Lyriker und wie immer eine Menge Essays zur Literatur- u.a. Anna Baars grandiose Rede zur Eröffnung des Bachmann-Preises.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Du schaust auf meine hände
Und sagst- sie sind schwach wie blumen
Du schaust auf meinen mund zu klein um zu sagen: welt Schaukeln wir lieber auf dem stengel der augenblicke trinken wind und sehen zu wie uns die augen versinken (Zbigniew Herbert)
Matthias Engels, Schriftsteller
Vielen Dank für das Interview lieber Matthias viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
geboren 1975 in Goch/Niederrhein, lebt seit 2001 in Steinfurt. Der gelernte Sortimentsbuchhändler veröffentlicht seit 2008 Romane und Lyrik in Einzel-publikationen sowie Zeitschriften, Magazinen und Anthologien. Zahlreiche Herausgeberschaften. 2020 und 2022 gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. 2020 und 2021 gefördert vom Literarischen Colloquium Berlin. Engels ist Mitglied im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie der Gesellschaft für Literatur. Aufgenommen in Kürschners Literaturkalender.
Matthias Engels ist Autor zahlreicher Lyrikbände, zuletzt: Wir alle strahlen, (Edition offenes Feld 2020) und einiger Romane. Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun (stories&friends 2015) über einen wenig bekannten parallelen USA-Aufenthalt des irischen Dandys und des provokanten norwegischen Nebelpreisträgers war 2016 Kandidat für die Hotlist.
Zuletzt erschienen sind seine Version einer Liebesgeschichte: Bullerbü brennt (apebooks 2021) und sein biographischer Roman: Des Königs Kolumbus (Edition offenes Feld 2022) der den Lebensweg Franz Löhers, einer vergessenen westfälischen Geistesgröße, nachzeichnet, der es als Metzgerssohn schließlich an den Hof Ludwig II. von Bayern schafft und von diesem mit einer geheimen Mission beauftragt wird.
Romy Schneider, Schauspielerin, geboren 1938, Wien _ gestorben 1982, Paris.
Es ist eine unvergleichliche Filmkarriere, die mit fünfzehn Jahren beginnt und mit dreiundvierzig Jahren tragisch ihr Ende finden solle. Dazwischen liegen Filmklassiker gleichsam aller Genres. Die Wege führen von Wien, München, Berlin, Hollywood schließlich nach Paris, das gleichsam zur künstlerischen Heimat wird.
In knapp drei Jahrzehnten schreibt Romy Schneider Filmgeschichte in ihrem unverwechselbaren Stil und Ausdruck, in dem sie an persönliche wie schauspielerische Grenzen geht und darüber hinaus.
Um ihre Filme vorzustellen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.
Eine ganz besondere ist jene in dem vorliegenden Buch des österreichischen Graphikers, Comiczeichners Nicolas Mahler, der sich allen 58 Filmen in Kurzinfo und Portrait widmet. So ist eine außergewöhnliche Filmreise entstanden, die sich gleichsam wie ein Panoptikum für Leserin und Leser öffnet und erinnern bzw. näher nachlesen und -sehen lässt.
„Eine wunderbare graphische Buchidee, die ein ganz besonders Geschenk für Fans wie Interessierte ist.“
Lieber Mike, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Aufgrund eines Stipendiums von buch13 und der Stadt Villach bewohne ich im Juli eine hübsche Wohnung im Zentrum von Villach. In Stainz beziehe ich gerade eine neue Wohnung und nach einer Operation meiner Mutter betreuen meine Geschwister und ich unseren wunderbaren Vater in der Nähe von Graz. Zwischen diesen Standorten fahre ich mit Bus und Bahn hin und her.
Mike Markart, Schriftsteller im Sommer-Schreibatelier Villach, 2022
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Mut zur Langsamkeit und das bewusste Zulassen von Toleranz.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Geübte Muster funktionieren nicht mehr bzw laufen aus.
Mehr denn je ist jetzt also visionäres Denken notwendig. Diese Grundeigenschaft positioniert die Literatur und Kunst in Zukunft wohl näher an gesellschaftspolitischen Überlebensfragen als noch vor ein paar Jahren.
Was liest Du derzeit?
Anfang nächsten Jahres erscheinen meine Venezianischen Spaziergänge in der Edition Keiper. Ich lese und überarbeite in Villach die Texte. Auf den Fahrten lese ich Gedichte aus Triest und Venedig von Wolfgang Siegmund.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Alles kann geschehen, wenn es niemanden gibt, der daran zweifelt.
Venezianische Spaziergänge, Mike Markart
Mike Markart, Schriftsteller
Vielen Dank für das Interview lieber Mike, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Mike Markart, Schriftsteller
Foto_Jamie-Jan Markart
11.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Elisabeth Kofler, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider
Liebe Elisabeth, welche Berührungspunkte gibt es von Dir zur Schauspielerin Romy Schneider (*1938 Wien +1982 Paris)? Vermutlich, wie bei vielen, zunächst über Deine Namensvetterin „Sissi?
Ja (lacht), zunächst waren dies in der Kindheit die „Sissi“ Filme – das wird Romy Schneider vielleicht nicht so gefallen (lacht). Dann spielte ich in einer Theaterproduktion, in der verschiedene Künstler:innen im Mittelpunkt standen, Romy Schneider. Wir wählten da selbst aus und bei mir war es Romy Schneider. Es gab da zunächst keinen bestimmten Grund dazu. Ich habe dann im Zuge der Produktion Filme gesehen, Bücher gelesen, mich informiert und auseinandergesetzt mit Werk und Leben, Zeit.
Was mich mit Romy Schneider verbindet, ist vielleicht der Wunsch und Kampf im individuellen künstlerischen Weg anerkannt zu werden. So zu sein, wie man ist und diesen Weg kompromisslos zu gehen – künstlerisch gehen zu dürfen. Diese Individualität betrifft auch das Frausein und Partnerschaft.
Auch das Eintauchen, unbedingte Eintauchen-Wollen, in diesen so spannenden Beruf des Schauspiels verbindet mich wohl mit Romy Schneider.
Ebenso Frankreich (lacht). Ich habe einen französischen Partner und lerne gerade die Sprache. Ich bin dabei fasziniert, wie schnell das Romy Schneider geschafft hat und ja dann auch so großartig in französischen Filmen gespielt hat. Es wurde ja gleichsam ihre Muttersprache, künstlerisch gesehen.
Eine französische Liebe auch als Parallele zu Romy Schneider. Ist es für Dich ebenso vorstellbar, aus Liebe und künstlerischem Interesse alle Zelte abzubrechen und nach Frankreich oder in ein anderes Land zu gehen und Liebe und Beruf ins Unbekannte zu folgen?
Bei Romy Schneider waren dies natürlich andere Voraussetzungen und Wege. Sie kam sehr früh, in der Pubertät, schon in das Filmbusiness und hatte keine Möglichkeit sich selbst zu definieren. Es kam so viel von Außen und dies erschwerte es, selbst zu sein bzw. zu werden. Dies traf dann wohl auch auf ihre persönlichen Beziehungen zu.
Derzeit plane ich nicht Wien zu verlassen. Ich breche auch nicht so schnell Zelte ab. Aber wenn ich mein Herz öffne, künstlerisch wie persönlich, dann ganz. Doch eine Ähnlichkeit mit Romy Schneider (lacht)? Wer weiß, wohin Wege führen?
Was macht für Dich Liebe aus?
Das Gefühl verstanden zu werden.
Vertrauen, Wertschätzung und das Miteinander-Teilen von Gedanken und Gefühlen.
Inspiration füreinander zu sein und in Wünschen und Zielen zu unterstützen.
Liebe zueinander ist das Größte.
Liebe in der Partnerschaft hat aber auch mit einem Grundgefühl von Liebe zu tun, das umfassender ist. Mensch und Welt umgreift. Liebe ist immer mehr als Ich und Du. Es ist immer ein Öffnen, Türen gehen auf, Wege werden möglich.
Für Romy Schneider war Alain Delon die große Liebe, die blieb, auch bei getrennten partnerschaftlichen Wegen. Wie siehst Du diese eine große „Lebens-Liebe“?
Ich glaube nicht an die eine große Liebe, aber daran, dass es Menschen gibt, die berühren können, ganz tief.
Nach der Trennung von meinem letzten langjährigen Freund, begann auch für mich der Prozess der Ablösung, das neue Verorten, um sich wieder öffnen zu können und auch dem Gewesenen seinen Platz zu geben, geben zu dürfen und neue Wege zu gehen.
Romy Schneiders Partnerschaften waren oft auch berufliche Verbindungen. Wie siehst Du den Zusammenhang von Beruf und Liebe?
Ich hatte noch nie eine Schauspielbeziehung.
Es gibt in unserer Arbeit eine große persönliche Nähe. Das fordert heraus und verbindet. Erleichtert vielleicht auch Liebe im Unterschied zu anderen Berufen.
Für Romy Schneider war die Liebe zu Alain Delon auch ein Weg zur persönlichen Weiterentwicklung, Freiheit. Wie siehst Du den Zusammenhang von Liebe und Freiheit, Entwicklung?
Liebe ist auch ein Heraustreten aus dem Bekanntem und ein Weg zu sich selbst.
Wer liebt, lebt freier. Das geht nicht anders.
Wie gehst Du mit Trennungen um?
Abschiede fallen mir nicht leicht. Ich verliebe mich auch nicht schnell.
Wie findest Du die Balance zwischen Beruf und Liebe?
Beides ist für mich eins. Die Herausforderung der Balance gibt es natürlich wie in jedem Beruf.
Du bist vor fünfzehn Jahren nach Wien gezogen. Was bedeutet Dir Wien?
Wien ist mein Lebensmittelpunkt und ich lebe sehr gerne da. Ich möchte nicht woanders sein. Meine Wurzeln liegen hier in Österreich in Stadt und Land.
Wien ist Kultur, Natur und vieles mehr. Es ist eine ganz besondere Metropole.
Was schätzt Du an der Schauspielerin Romy Schneider?
Den Mut zur Wandlungsfähigkeit.
Authentizität und Offenheit. Auch das Vereinen, Ausdrücken von Polaritäten, Extremen, die in jedem Menschen sind.
Die Emanzipation einer selbstbewussten Frau.
Was ist für Dich diese Polarität des Menschen?
Es ist ein Prozess des persönlichen Kennenlernens und auch des Annehmens von verschiedenen Seiten der eigenen Persönlichkeit und deren Möglichkeiten.
Wo bist Du geboren, aufgewachsen und wie war Dein Weg zum Schauspiel?
Ich bin geboren am Weg zum Krankenhaus in einem Mercedes auf der Landstraße nach Villach in Kärnten. Mein Vater war der Geburtshelfer (lacht).
Das ist ja filmreif.
Ja, stimmt (lacht). Es gab auch die Überlegung mich Mercedes zu nennen (lacht).
Großgeworden bin ich auf einem Bauernhof mit zwei älteren Brüdern. Ich habe dann sehr früh schon den Gedanken gefasst, Schauspielerin zu werden. Musste mich da auch später in Partnerschaften durchsetzen.
Schauspiel war für mich immer etwas ganz Großes. Ich wusste, ich habe diesen Traum und muss etwas dafür tun. In Wien absolvierte ich dann die Schauspielschule.
Wie erlebst Du die Schauspielsituation aktuell in Wien?
Es gibt viele Möglichkeiten aber auch viele schwierige prekäre Arbeitsverhältnisse.
An welchem Projekt arbeitest Du derzeit?
Ich spiele im August/September in Berlin „Alma“ unter der Regie von Paulus Manker. Also, auf nach Berlin! (lacht)
Was ist Dir wichtig in Deinem Weg als Schauspielerin?
An Geschichten zu arbeiten, die inspirieren und zum nach und andersdenken anregen. Das ist das Wertvollste im Schauspiel.
Das schätze ich auch an Romy Schneider sehr. Dieses künstlerische Hintreten in das Unbekannte, Verborgene im Dunklen.
Es ist oft schade, dass man mit wesentlichen Themen auf der Bühne nicht viele Menschen erreicht.
Du hast im Stück „DIE SCHAMLOSEN“ (Regie: Nagy Vilmos, 2021, Theater Arche, Wien) brilliert. Was ist für Dich Scham?
Scham ist meist nicht bewusst, sondern überfällt einen.
Es ist wichtig herauszufinden, woher die Scham kommt. Dies zu analysieren und auch zurückzugehen und zu geben, zurückzulassen.
Wir schämen uns viel zu viel. Das liegt oft im Vergleich, etwa heute in sozialen Medien.
Weniger Scham bedeutet mehr Freiheit.
Romy Schneider hat mit ganz unterschiedlichen Kolleginnen und Kollegen von Karl-Heinz Böhm bis Klaus Kinski zusammengearbeitet? Wie stellt man sich als Schauspielerin darauf ein und geht damit um?
Es ist immer wieder sehr spannend (lacht). Ich versuche im Rahmen des Settings meine Arbeit zu machen und bin da relativ flexibel und hart im Nehmen, vielleicht aufgrund des Aufwachsens am Land unter Burschen. Ich habe auch in der Nachtgastronomie gearbeitet, wo man mit vielen bunten Vögeln zu tun hat. Daher bin ich da recht gut abgehärtet und versuche durchlässig zu bleiben und Person und Situation zu analysieren.
Theater ist oft sehr hierarchisch, aber ich genieße das Erlebnis Bühne, das ja einzigartig ist.
Schauspiel ist in besten Momenten ein Rausch im Einsseins mit der Rolle, mit einem anderen Teil meines Ichs.
Im Schauspiel kann man all das sein und ausleben, was auch in einem steckt.
Im Leben will ich Harmonie und auf der Bühne meine Abgründe spüren.
Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?
Ich wünsche mir mehr Begegnungspunkte der Gesellschaft mit Theater. Alle sollen mehr wie im Schauspiel in sich hineinspüren und innerlich ausbrechen, für Momente (lacht).
Ich verstehe nicht, warum nicht jede/jeder diesen Beruf ausüben will.
Schauspiel, Theater ist eine große Bereicherung. Auch wenn ich etwa beim Textlernen manchmal denke, warum tust Du Dir das an (lacht)?
Theater muss mehr in die Gesellschaft rein und deren Themen aufnehmen. Das sollte schon in der Schule beginnen.
Wir alle haben in der Kindheit Rollenspiele genossen. Das bereitet extrem viel Lust und befreit den Menschen. Es hilft auch dabei sich in andere Menschen hineinzufühlen, sie zu verstehen, sich mit ihnen zu verbinden – dass gilt es wiederzuentdecken. Das Theater ist ein Weg dazu.
Die Bühne ist die Möglichkeit der Utopie. Wir sollten diese Chance immer wieder gemeinsam ergreifen. Sie ist ein sicherer Raum, in dem wir experimentieren dürfen.
Die Bühne kann uns zeigen, wie ein Weg in eine bessere Zukunft aussehen könnte.
Was wünscht Du Dir vom Schauspielberuf für Dich persönlich?
Ich möchte in meinem Beruf mich selbst, das Leben und die Menschen besser verstehen.
Ich habe den Schauspielberuf gewählt, um ganz viel erleben zu dürfen. So sehe ich das Leben.
Das Wunderbare ist das stetig Neue. Ein neues Stück, eine neue Zeit, eine neue Persönlichkeit. Nichts ist und bleibt dasselbe.
Was möchtest Du Schauspielstudentinnen und Schauspielstudenten mitgeben?
Man kann auf der Bühne nichts falschmachen. Es geht immer um den Menschen. Man spielt einen Menschen und ist ein Mensch. Habt Spaß, sch… euch nicht an! (lacht). Es kann nichts schiefgehen.
Wenn man spielen will, soll man spielen.
Was kannst Du von Romy Schneider in Deinen Beruf mitnehmen?
Sich im Beruf hinzugeben, Chancen zu nützen und auch sich selbst in fordernden Rollen auszuleben.
Romy Schneider war eine großartige Schauspielerin und in allen persönlichen Abhängigkeiten eine sehr starke Frau.
Es ist wichtig, sich selbst zu kennen und ein Fundament der Persönlichkeit aufzubauen und so viel zu geben, wie es guttut.
Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Akrostichon bitten?
R Romy (Österreichischer Filmpreis)
O ohne Scham, Furcht loszulassen und reinzuspringen
M mir selbst treu bleiben.Möglichkeiten zu ergreifen.
Y da fällt mir Unkonventionalität ein. Das Leben nicht nur als ABC verstehen.
Wie sieht für Dich ein schöner Sommertag aus?
Radfahren steht da ganz oben und am Wasser zu sein. Im Sommer brauche ich noch mehr Natur. Und gutes Essen (lacht).
Elisabeth Kofler, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider
Herzlichen Dank für das Interview, liebe Elisabeth, viel Freude und Erfolg für alle Projekte – aktuell_Alma in Berlin – und schöne Sommertage zu Wasser und Land!
40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem reenacting Fotoporträt:
Lieber Jan-Eike, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
In erster Linie ist er meistens zu schnell, also: Der Tag läuft zu schnell ab. Und ich soll da irgendwie hinterherkommen. Na, mit diesem Problem stehe ich nicht alleine da, ich weiß …
Ansonsten gilt immer: Ich bin eindeutig ein Nachtmensch. Wozu der Vormittag erfunden worden ist, war mir schon als Schüler unklar, und das hat sich bis heute nicht geändert. Die Abend- und Nachtstunden hingegen, das war schon früh meine Zeit, und sie wird es auch immer bleiben.
Das passt auch ganz gut zu meinen Tätigkeitsfeldern: Ich bin als freier Autor, Lektor, Herausgeber und Texter unterwegs, arbeite von zu Hause aus. Da kann man den verschobenen Tagesrhythmus schon pflegen (oder er einen sich). Denn er passt sogar ganz gut in die entsprechenden Arbeitsabläufe – weil etwa Werbeagenturen selber eher etwas später beginnen, dann aber sehr viel von dem, mit dem sie mich beauftragen, ganz spontan, also am gleichen Tag oder über Nacht, erledigt werden muss. Von geregeltem Feierabend oder auch freien Wochenenden, also allgemein von gesellschaftlichen Normarbeitszeiten, sollte man da eher nicht ausgehen.
Und auch in der Zusammenarbeit mit Verlagen und Autoren gilt: Mein Tagesrhythmus hat hier klare Vorteile. Durch mich als ausgewiesenen Nachtarbeiter ergeben sich oftmals Workflows, die für beide Seiten gut funktionieren – etwa weil man gegenläufig gestrickt ist und so bei Bedarf Projekte bzw. Phasen, in denen es auf Zusammenarbeit im recht knappen Wechselspiel ankommt, in kurzer Zeit richtig vorangetrieben werden können.
Und Gedichte sowie Kurzgeschichten etc. habe ich selbstredend schon zu jeder Tageszeit geschrieben, doch hier ist ganz besonders zu beobachten: Am meisten geht in der Nacht. Das gilt hier dann übrigens auch bis in die frühen Morgenstunden hinein und ganz ohne drohende Deadline. Da sieht man einfach, wo die eigenen Impulse am stärksten wirken.
Corona, worauf sich ja das »jetzt« in der Frage bezieht, hatte hier keinen großen Einfluss – es engte vieles sehr ein und war insgesamt ordentlich bedrückend (auch weil ich in München und damit sowohl in der Stadt als auch in Bayern lebe, also räumliche Enge und die bundesweit härtesten Regeln samt Überwachung kombiniert erleben durfte), aber meinen Rhythmus betraf es eher weniger.
Jan-Eike Hornauer, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Jetzt, vor dem Hintergrund von ausklingender Corona-Zeit und dem Krieg von Putin-Russland gegen die Ukraine, ganz besonders: Solidarität. Aber das sollte auch ohnehin immer ein sehr hoher Wert in der Gesellschaft sein. Denn nur als eine solidarisch geprägte kann eine Gesellschaft das sein, was man menschlich nennen möchte, und mithin erstrebenswert ausfallen. Oder anders ausgedrückt: Von Solidarität profitieren alle, und ganz ohne Solidarität ist jedwede Gesellschaft unmöglich.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Solidarität. Und das Weiten von Perspektiven. Nicht nur ökonomisch und kurzfristig denken. Überlegen: Was ist der Mensch, was ist Gesellschaft – und was müssen wir im Interesse aller tun? Nicht fragen: Was braucht die Wirtschaft und wie sehen die Zahlen zum Quartalsende am besten aus? Literatur und Kunst sind hier ihren Möglichkeiten nach eminent wichtig und genuin geeignet, sie müssen jedoch völlig neu gewichtet werden, damit sie diese gesellschaftlichen Aufgaben auch erfüllen können. Darüber hinaus sind sie für den Einzelnen auch unerlässliches Überlebens- und tiefgreifendes Genussmittel – und sollten auch als solche behandelt, das heißt unter anderem auch: viel weiter verbreitet und über Sonntagsreden hinaus wertgeschätzt werden.
Das Standing von Kunst und Kultur ist schon seit langer Zeit ein schlechtes. Ein erschreckendes Ausmaß an Missachtung dieser Bereiche hat die Corona-Zeit offengelegt. Da kann man sich schon sehr ernsthaft fragen, warum sich Deutschland selbst als »Kulturnation« beschreibt und als »Land der Dichter und Denker« labelt.
Das ist mein Ansatz zu der Frage. Ich gehe jedoch nicht davon aus, dass es gesellschaftlich einen Aufbruch oder gar Neubeginn geben wird. Dafür ist – dies war von Beginn an absehbar und ich habe es entsprechend auch stets so gesagt – schlicht zu wenig passiert. Entsprechend hat sich auch auf individueller Ebene bei den meisten nichts oder nur sehr wenig getan und wird sich auch nichts tun. Wenngleich einige Lebensläufe zweifellos erschüttert worden sind.
Was liest Du derzeit?
Den Gedichtband »Elefant mit Obelisk« von Ludwig Steinherr – ein schwebendes Lesevergnügen, trotz des schweren Rüsseltiers und des gewichtigen Steinkunstwerks im Titel. Leichtigkeit, intelligente Beobachtungen und Menschzugewandtheit treffen hier auf eine besondere Sprachkunst. Ein echter Steinherr eben. Einfach zu empfehlen. Und dazu den Roman »Der Trick« von Emanuel Bergmann, eine leicht überdrehte Familiengeschichte mit wahrem Witz, sprachlich und szenisch überzeugend dargeboten.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
»Der Habicht fraß die Wanderratte / nachdem er sie geschändet hatte.« Das ist ein Zweizeiler aus Robert Gernhardts Euvre, genauer aus »Tierwelt – Wunderwelt«. Er bietet Tief- im Unsinn und umgedreht sowie einen herrlich weiten Assoziations- und Interpretationsspielraum. Er ist einfach ein Zitat fürs Leben. Und auch als Eisbrecher in herausfordernden Situationen geeignet. Zumindest manchmal.
Vielen Dank für das Interview lieber Jan-Eike, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Es ist ein Aufbruch für eine Generation nach den Schrecken des Krieges. Es gilt wieder an die Zukunft zu glauben und Träume zu haben. Dem Film kommt dabei eine wesentliche Rolle zu. In eine andere Welt entfliehen für einen Abend im Kino…
Und es gibt neue Stars, die begeistern. Eine davon ist die in Wien geborene Romy Schneider, die über Nacht in der Rolle der Kaiserin Elisabeth „Sissi“ weltweit berühmt wird. Sie ist 17 Jahre alt und wird von der Filmwelt und dem Publikum auf Händen getragen.
Und jetzt sitzt sie im Flugzeug nach Paris, im Frühling. Es sind neue Wege in Liebe und Film/Theater, die sie beschreiten will. Erstmals allein, ohne Familie.
Herausforderungen kommen jetzt auf sie zu. Und sie geht ihren Weg in allen Höhen und Tiefen…
2022 jährt sich der Todestag der österreichischen Schauspielerin Romy Schneider (*1938 Wien +1982 Paris) zum 40-mal. Neben einer umfangreichen Ausstellung zu den Filmen der herausragenden Künstlerin in Paris gibt es auch zahlreiche Publikationen und Erinnerungsprojekte.
Eine besondere Publikation ist dabei der vorliegende Roman von Michelle Marly. In wunderbarer Sprachkraft öffnet die in Berlin lebende Schriftstellerin wesentliche Lebensstationen und Wegkreuzungen Romy Schneiders und stellt dabei insbesondere den Entwicklungsweg und die Emanzipation der jungen Schauspielerin in den Mittelpunkt.
Es gelingt ein einfühlsames wie kraftvolles Portrait einer Künstlerin, Frau, das herausragend ist.
„Ein Roman, der wie ein Film mit Romy Schneider fesselt und begeistert.“