„Das Theater sollte den Menschen Halt geben“ Maddalena Noemi Hirschal, Schauspielerin _ Wien 4.8.2022

Liebe Maddalena-Noemi, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Momentan habe ich nur abends Vorstellung, der Luxus tagsüber nicht zu proben verleitet mich danach noch auszugehen. Unser Catering im Wiener Lustspielhaus heißt „francophil“, und macht auch die Gastronomie bei den Tanzwochen im Vestibül, oft gehen wir nach dem Theater mit der Belegschaft mit ins Vestibül, um noch zu tanzen. Ich finde den Austausch mit KünstlerInnen aus anderen Spaten extrem spannend und der Kontakt bereichert und inspiriert mich.

Maddalena Noemi Hirschal, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Etwas Gemeinsames zu finden. Die Pandemie hat gefühlsmäßig dazu beigetragen, dass Jeder/Jede auf sich selbst schaut nach dem Motto:“ Rette sich wer kann“ und „Ich glaube was ich will“. Überhaupt ist alles wahnsinnig schnell, als würden die Menschen etwas aufholen wollen. Ich glaube Ruhe ist wichtig und Zusammenhalt. Lieben ist wichtig. Ich bin für mehr Zärtlichkeit.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel der Kunst an sich zu?

Es gibt und wird in Zukunft, auch in Österreich, sehr viele arme Menschen geben, die Auswirkungen sind bereits fühlbar.  Das Theater macht eine schwere Zeit durch. Ich habe gelesen, dass eine aktuelle Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins zeigt, dass die Zahl der Zuschauer in Spielzeit 2020/21 verglichen mit der Saison 2018/19 um 86 Prozent zurückgegangen ist. Diese Zahl hat mich hart getroffen. Das ist eine Katastrophe. Was das in Zukunft für die Kunst bedeutet, weiß ich nicht. Ich habe Angst davor. Das Theater sollte die Menschen umschließen, ihnen Halt geben, sie mit den großen Themen des Lebens füttern und sie reicher nachhause gehen lassen.

Was liest Du derzeit?

Marlene Streeruwitz
Handbuch gegen den Krieg.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Frieden ist ein anderes Wort für Gerechtigkeit“
„Krieg ist Handel mit Leben und Tod“

Vielen Dank für das Interview liebe Maddalena Noemi, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Maddalena Noemi Hirschal, Schauspielerin

https://wienerlustspielhaus.at/

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3.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Helden des Friedens, wo seid ihr“ Luis Stabauer, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Wien 3.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Gemeinsam hatten wir die

Ideale, riefen auf, organisierten Demonstrationen

Viele machten mit

Erwachten, brachten ihre Sehnsucht auf den

Punkt

Erkannten das militärische Denken

Auch die Machtpolitik der Männer dahinter

Controlling der Massen setzte ein

Erkenntnisse führten zum


Aufstand von unten

Chancen wurden umgesetzt

Helden des Friedens, wo seid ihr

Arm in Arm in den Straßen

Neuerliches Aufstehen und singen im

Chor der Friedfertigen, um

Entzweiung, Spaltung und Agitation zu beenden.


Luis Stabauer, 30.7.2022

Luis Stabauer_Schriftsteller 

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Luis Stabauer_Schriftsteller 

http://www.luis-stabauer.at/

Fotos_privat

Walter Pobaschnig _ 30.7.2022.

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„Liebe, Tatkraft und Zuversicht“ Regula Venske, Schriftstellerin _ Hamburg 3.8.2022

Liebe Regula, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufgrund meines ehrenamtlichen Engagements für den deutschen sowie für den internationalen PEN war mein Tagesablauf in den vergangenen Jahren recht abwechslungsreich, einerseits bedingt durch viele Reisen, andererseits zu Corona-Zeiten gefüllt mit etlichen Meetings via Teams, Zoom oder Skype. Jetzt, im Sommer 2022, freue ich mich auf und über ruhige Tage, an denen ich vor mich hinschreibe und abends nette Menschen treffe.

Regula Venske, Schriftstelerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dasselbe wie immer: Liebe, Tatkraft und Zuversicht. Und heitere Gelassenheit nicht zu vergessen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle persönlich und gesellschaftlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur und der Kunst an sich zu?

Ich bin mir gar nicht sicher, ob alle Menschen vor einem Aufbruch stehen. Bei manchen neigt sich das Leben doch auch dem Ende zu oder für sie ist gerade ruhige Kontinuität wichtig. Das möchte ich nicht verallgemeinern und ebenso wenig die Rolle der Literatur oder Kunst festschreiben. Eine solche Einengung widerspräche meines Erachtens dem Wesen der Kunst, die doch Offenheit und Freiheit braucht. Sehe jeder, wie er’s treibe – die Vielfalt auch der Rollen finde ich gerade gut.

Was liest du derzeit?

Viele viele Mails und den Text, an dem ich gerade schreibe. Auf der Liste für danach steht ganz obenan Stephan Malinowski: „Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration“ (Propyläen Verlag, Berlin), mit dem deutschen Sachbuchpreis 2022 ausgezeichnet. Und zur Entspannung auf dem Balkon werde ich mir, bevor der Sommer zu Ende ist, „Miss Austen“ von Gill Hornby, gönnen (Arrow Books, London), das ich kürzlich von einer Reise aus London mitbrachte.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

„There is a crack in everything, that’s how the light gets in.” Leonard Cohen

Vielen Dank für das Interview liebe Regula, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Regula Venske, Schriftstellerin

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23.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wir sollten uns alle überlegen was Liebe ist“ Dagmar Strobl, Model _ acting „Teorema“ _ 100.Geburtstag P.P.Pasolini _ Wien 2.8.2022

Dagmar Strobl _ Model _Make Up Artist_Wien _
acting „Teorema“ (1968) _100.Geburtstag P.P.Pasolini

Liebe Dagmar, welche Zugänge hast Du zum Film „Teorema – Geometrie der Liebe“ (1968) des italienischen Dichters, Regisseurs, Aktivisten P.P.Pasolini (*1922 Bologna +ermordet 1975 Rom)?

Der Film erschüttert und regt zum Nachdenken an, wie schnell Lebensstrukturen zerbrechen können und stellt viele Fragen nach Liebe, Mensch, Gesellschaft. Viele Emotionen bewegtem mich beim Ansehen.

Wie nah ist Pasolini mit diesem Film auch an der Gegenwart in Liebe, Leben, Glück und Leiden?

Dieses Auf- und Zerbrechen einer Familie in der Begegnung, die so vieles auslöst, halte ich auch heute nicht für unmöglich. Pasolini zeigt hier die Fragilität von scheinbaren Gewissheiten sehr drastisch auf.

Pasolini zeigt in Teorema die Kraft, Macht des Menschseins in allen Höhen und Tiefen. Es ist ein freier Fall, eine Hingebung in das Unbekannte, Schöne, Dunkle zu aller Zeit.

Gesellschaftlich gesehen, ist dieses Bild der klassischen Familie mit Vater, Mutter, Tochter, Sohn natürlich verändert. Es gibt verschiedenste Modelle, patchwork etwa, das ermöglicht viele neue Zugänge zueinander und sich selbst, wie stellt natürlich auch vor Herausforderungen. Aber Familie als „geschlossener Raum“ wie in Teorema ist doch in manchen Gesellschaften schon geöffnet, aufgebrochen. Dies betrifft auch die Möglichkeiten von Trennung, Veränderung.

Gibt es für Dich einen bestimmten inneren „Kippmoment“ der Personen in der Begegnung mit dem Fremden?

Sehnsucht, Hoffnung brechen im intensiven Impuls der Begegnung auf und dieses plötzlich freigesetzte Innere reißt den bisherigen Menschen an sich, ja, zerfetzt ihn. Da sind Momente und auch ein Prozess, der sich sturzflutartig ergießt. Dramatisch, entsetzlich, erschütternd.

Das Unglück in ihnen, das Unerfüllte, wird zur Lawine, die sie begräbt und darunter sie dann um Perspektiven ringen, um sich freizumachen.

Pasolini zeigt das unbewusst Verdrängte, Sehnsüchte, schonungslos und sehr drastisch auf und auch die unterschiedlichen Wege der rastlosen Flucht dann.

Wie funktioniert das Leben der Familie vor der Begegnung mit dem Gast?

Da ist sehr viel Gleichgültigkeit da. Es gibt keine echten Gefühle und zwischenmenschlichen Beziehungen im nebeneinander Herleben. Das ist natürlich auch ein gesellschaftlicher Spiegel der Zeit. Pasolini stößt in diesen Verlust des Menschseins schonungslos hinein.

Wie siehst Du den Gast, Besucher? Als Verführer, Befreier, Zerstörer?

Als all das. Es sind mehrere Rollen und er ist alles in einer Person.

Einerseits zerstört er nichts, weil ja nichts mehr da war.

Er selbst lässt aber auch keine Nähe zu.

Er ist für mich ambivalent. Nicht sympathisch, eher kalt.

Hilft er der Familie?

Nein. Es gibt Erwartungen an ihm von allen, diese bleiben unerfüllt.

Wie gehst Du selbst mit Wünschen, Sehnsüchten um?

Ich versuche diese zu verwirklichen. Es kommt natürlich auf die Form, Richtung dieser an.

Ich mache Wünsche nicht an anderen, sondern nur an mir selbst fest.

Wunscherfüllungen sollten keine Abhängigkeit erzeugen, sondern Freiheit geben, ermöglichen.

Wünsche sind Wege, die auch verirren lassen. Es braucht einen Plan.

Kommen die Personen in Teorema im Persönlichkeitsprozess mehr zu sich selbst?  

Das würde ich beim Vater und Sohn so sehen. Bei der Tochter, nein, da beginnt ein großes Leiden, eine innere Zerstörung. Bei der Mutter, ja, vielleicht. Sie folgt ihren Sehnsüchten. Bei der Haushälterin ist es auch so.

Ist Unglück gesellschaftlich bedingt?

Pasolini weist im Film ja zu Beginn darauf hin, als der Vater seine Fabrik den Arbeitern schenkt und damit ja Veränderungen in Arbeit und Leben ermöglichen will.

Unglück hat aber immer mehrere Dimensionen. Es gibt Angelpunkte dafür, die ganz unterschiedlich sein können.

Wir können im Leben in der Arbeit, der Familie, der Sexualität unglücklich sein. Psychoanalyse wie politische Gesellschaftskritik suchen da Strukturen aufzuzeigen. Es greift aber darüber hinaus.

Das Unglück ist eine Aufgabe des Lebens.

Wir stehen immer vor der Wahl, Unglück ertragen zu wollen oder Entscheidungen zu treffen, sich davon zu befreien versuchen.

Ist Sexualität ein Schlüssel zum Selbst?

Ja.

Sexualität ist das Innerste. Ist Geschenk und Sinn.

Der Wert der Sexualität wird heute oft zugunsten Materiellem vergessen.

Sexualität, Begehren haben für mich sehr viel mit Harmonie und Vertrauen zu tun.

Was sind für Dich Gründe dieser Tragik in Familie und Gesellschaft in Teorema?

Die Kinder sind in den Strukturen der Familie und die Familie in der Gesellschaft gefangen. Sie haben keine Chance. Die Ketten wiegen schwer, erdrücken. Da ist keine Lebensfreude, nichts Schönes mehr in der Familie. Es ist alles oberflächlich, gleichgültig, ohne Empathie füreinander.

Es ist viel da, materiell, aber innerlich und zwischenmenschlich nichts. Daraus folgt der tiefe, freie Fall. Die Darstellung, Rolle in der Gesellschaft zählt da allein, nicht das Sein, was ich, wir sind.

Ist der Körper, in Bewusstwerdung und Freiheit, ein Weg der Befreiung für die Familie?

Der Körper ist unsere Präsenz. Innen und Außen. Darin liegt Schönheit und Sinn, Befreiung wie Fall.

Was ist für Dich Glück?

Glück ist immer anders. Es ist da und dort.

Ich liebe den stillen Morgen im Sonnenaufgang etwa sehr.

Was kannst Du von Teorema mitnehmen?

Den Anspruch und das Bemühen Gleichgültigkeit in Leben, Familie und Gesellschaft nicht zuzulassen.

Wir sollten uns alle überlegen was Liebe ist.

Ist Liebe möglich?

Ja.

Liebe ist Verzicht.

Dagmar Strobl _ Model _Make Up Artist_Wien _
acting „Teorema“ (1968) _100.Geburtstag P.P.Pasolini

Vielen Dank für das wunderbare szenische Fotoshooting&Interview, liebe Dagmar!

100.Geburtstag _ P.P.Pasolini (5.3.1922 Bologna – +ermordet 2.11.1975 Rom) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt zum Film „Teorema“ P.P.Pasolini (1968):

Dagmar Strobl_Model, Make-Up Artist _Wien

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_6/2022

magdas Hotel _ Wien

Walter Pobaschnig 7_22

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„Wir müssen uns im Theater raus zu den Menschen bewegen“ Christina Rast, Regisseur:in _ Bern 2.8.2022

Liebe Christina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wenn ich zuhause arbeite, bin ich eher eine Nachtarbeiterin und Langschläferin. Seit einem Jahr aber habe ich einen kleinen Begleiter, der stupst morgens seine Nase an meinen Fuß, weil er kuscheln will. Insofern hat sich mein Tagesablauf verändert.

Also erstmal kuscheln mit Hund, der zum Glück weder stinkt noch haart, vielleicht auch noch ein bisschen dösen und die Gedanken fliegen lassen. Diese Zeit zwischen 6 und 8 im Dämmerschlaf, dieser Raum zwischen Wachsein und Traum war schon immer mein Lieblingsmoment, denn da entstehen die schönsten Ideen. Die man dann leider wieder vergisst, wenn man sie nicht sofort aufschreibt. Mist! Dann einen Kaffee trinken, sich informieren, was so in der Welt passiert, kurz deprimiert sein, eine verfluchte und verdammte Morgenzigarette – die ich mir natürlich schon längst abgewöhnen möchte – rauchen, bevor es auf einen Spaziergang geht.

Entweder bin ich dann auch gleich auf dem Weg zur Probe, oder ich mache mir einen groben Zeitplan, was sonst so ansteht. Wenn ich an einem Projekt arbeite und probe, dann lass ich mich gedanklich komplett reinfallen, bin in einem Tunnel, schalte meinen Turbo an, begebe mich in einen Arbeitssog, und tauche erst nach der Premiere wieder auf. Die ersten Gedanken am Morgen gehören der Produktion und der bevorstehenden Probe, die letzten vor dem Einschlafen der vergangenen. Da bleibt wenig Raum für Anderes und Andere. Wenn ich gerade nicht probe, gibt es somit Einiges nachzuholen. Es fällt mir schwer, mich zu strukturieren und Prioritäten zu setzen. Es gibt viele Themen, die mich beschäftigen und in denen ich mich verlieren kann, viele Bücher, die noch gelesen werden wollen, viele Orte, die ich gerne entdecken würde, und viel zu viele Menschen, die ich zu lange nicht gesehen und umarmt habe.

Der Tag hat definitiv zu wenig Stunden. Die erste Corona-Vollbremse sah ich noch als große Chance. Denn zu Beginn des ersten Lockdowns hatte ich die naive Hoffnung, dass ich/wir über eine Entschleunigung viel grundsätzlicher über unsere Welt und den Erfolgs- und Produktionszwang nachdenken könnten. Das hat sich leider nicht bewahrheitet. Die Tage füllten sich sehr bald mit endlosen Zoommeetings, in denen alle versucht haben, noch schneller zu werden. Diese digitalen Treffen mit Kachelköpfen oder Namen ohne Körper machen müde.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Allgemein: Entschleunigung und Konzentration. Unsere Art der Kommunikation ist zu schnell für unsere Körper. Wir haben zu viele Informationen, die wir verarbeiten müssen, so dass wir gar nicht mehr ins Handeln kommen. Aufmerksam bleiben. Genauer hinschauen. Zuhören. Durch andere Augen schauen lernen, verstehen wollen und offen bleiben. Sich ins Verhältnis setzen zur Welt und zu wissen, dass Eigeninitiative wichtig ist und jede kleine Geste für jemand anderen einen Unterschied machen kann. Sich zu verzeihen, dass man nicht alle Probleme lösen kann und es dennoch immer wieder versuchen zu wollen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Kunst ermöglicht über eine unmittelbare und sinnliche Erfahrung einen anderen Blick auf unsere Welt und somit eine Erweiterung des eigenen Horizonts. Sie hat das Potential, neue Perspektiven zu eröffnen und Menschen im gemeinsamen Erleben eines Kunstwerks einander näher zu bringen. Als Spiegel und kritische Weggefährtin bildet sie ein lebendiges Archiv unserer Gesellschaft.

Die nach wie vor größte Kraft von Theater ist die unmittelbare Kommunikation mit seinem Publikum. Und das ist durchaus anstrengend. Dieser gemeinsame Erlebnisraum ist nicht einfach selbstverständlich, sondern muss immer wieder neu geschaffen werden. Die Hoffnung, dass die Menschen ihr Theater in den letzten beiden Jahren schmerzlich vermisst haben und in Scharen zurückströmen, hat sich leider so nicht bestätigt. Wenn sich die Zuschauer:innen nicht mehr zu uns bewegen wollen, müssen wir uns mehr bewegen. Aus der Architektur raus zu den Menschen. Und dies nach Möglichkeit analog, anachronistisch, nahbar, träge Menschenmaterie mit viel Herz, schlau, niederschwellig, verbindlich und angreifbar. Denn das sind Kategorien, die uns heute im digitalen Hochgeschwindigkeitsrausch der unendlichen Vielfalt oft fehlen.

Was liest Du derzeit?

„Mein letzter Seufzer“ von Luis Buñuel.

„Iva atmet“ von Amanda Lasker-Berlin.

„Das mangelnde Licht“ von Nino Haratischwili.

„Der eingebildete Kranke“ von Molière.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ Albert Einstein (angeblich) oder aber aus dem Pamphlet einer Selbsthilfegruppe von Drogenabhängigen

Vielen Dank!

Sehr gerne.

Christina Rast_Regisseur:in

Vielen Dank für das Interview liebe Christina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Christina Rast_Regisseur:in

Fotos_privat.

4.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Leeres Blatt Papier“ Rhonda Lamberty, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen/Stm. 2.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE

„Give peace a chance“ bleibt bei mir ein leeres Blatt Papier.

Dafür sind diejenigen zuständig, die von privaten, beruflichen sowie nationalen und internationalen Konflikten und Kriegen profitieren und gut davon leben.

Alle, die als ArbeiterInnen, Angestellte, Vorstandsvorsitzende, Zulieferer, VerhandlerInnen oder Investoren und Shareholder der Waffenindustrie dienen. Deren Lobbyisten, die Forschenden, EntwicklerInnen & Strategen, die QuotenkriegsreporterInnen und sogar die Tätowierer, die die Soldaten verzieren, auf dass sie frohen Mutes in den Krieg ziehen.

2021 haben diese Menschen weltweit in Summe 2,1 Billionen US-Dollar allein durch Militärausgaben „verdient“. Sie sind es, die dem Frieden eine Chance geben sollen!

Rhonda Lamberty, Schriftstellerin 26.7.2022

Rhonda Lamberty, Schreibatelier _ Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen
Rhonda Lamberty, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Rhonda Lamberty, Schriftstellerin

Fotos__1 Schreibatelier _ Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen _Rhonda Lamberty; 2_Portrait Arnold Pöschl

Walter Pobaschnig _ 26.7.2022.

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„Gute Kunst ist immer selbst ein Ausweg“ Andreas Unterweger, Schriftsteller _ Leibnitz/Stm. 1.8.2022

Lieber Andreas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Es ist ein ständiges Hin und Her. Oder eigentlich nur ein Hin. Viele verschiedene Aufgaben, nein, Hingaben. Mit der Katze zum Frühstück, mit den Kindern in die Schule, mit dem Zug nach Graz, mit dem Fahrrad in die Innenstadt. Schreibkaffee im Café Ducks, Arbeitskaffee in der manuskripte-Redaktion, Besprechungskaffee im Café König. Selten mittags, meist nachmittags, manchmal nachts mit dem Zug nach Hause, nach Leibnitz. Wann immer es möglich ist, abends die Kopfhörer auf zum Laufen hinaus, in die Felder.

Früher, in Niederösterreich, habe ich über mehrere Jahre hinweg außer der engsten Familie und meinem Laptop eigentlich kaum jemanden gesehen, jetzt begegnen mir täglich viele Menschen: meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Redaktion, manuskripte-Autorinnen und -Autoren, Styria-Artists-in-Residence des Landes Steiermark, die ich während ihres Aufenthaltstipendiums in Graz betreuen darf, Kolleginnen und -kollegen aus diversen Jurys, Journalisten, Kuratorinnen, Kulturamtsdirektoren, Galeristen, Schuldirektorinnen, Lehrerinnen, alte Schulfreundinnen und -freunde, neue Schulfreundinnen und Freunde (die der Kinder nämlich), deren Eltern usw. usf.

Sobald ich einmal allein bin, schreibe ich einen Gedichtanfang auf einen Einkaufszettel oder ein paar Satzfetzen auf ein Kuvert. Mein Roman „So long, Annemarie“, der eben bei Droschl erschienen ist, hat 2017 so begonnen und mich dann jahrelang in jeder freien Minute begleitet. Interessanterweise hat mir das Schreiben in dieser Zeit eher Kraft gespendet als geraubt. Vermutlich habe ich die anderen Dinge mit diesem Ziel vor Augen einfach schneller und effizienter machen können.

Andreas Unterweger,
 Schriftsteller und Herausgeber der Literaturzeitschrift manuskripte

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Viel trinken, Abstand halten, Energie sparen? Vor allem aber wird – weiterhin und wie immer – jede und jeder wieder und wieder herausfinden müssen, was für sie/ihn selbst gerade besonders wichtig ist.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich spreche ungern für „uns alle“, schließlich bin ich kein Politiker, auch kein selbsternannter. Vielleicht wäre schon das wesentlich: wenn nicht alle immer für andere, schon gar nicht für alle anderen, zu sprechen müssen glaubten.

Es fällt mir auch schwer, der Kunst in ihrer galaktischen Vielfalt eine bestimmte Rolle zuzuweisen. Nach meinen Erfahrungen scheint mir die Aufgabe oder der Sinn von Kunstwerken jedenfalls nicht unbedingt nur darin zu liegen, Auswege aus konkreten Notlagen aufzeigen. Gute Kunst ist aber immer selbst ein Ausweg.

Was liest Du derzeit?

Ich hatte gerade eine Woche Urlaub. Statt der 18 zeitgenössischen Romane für kommende Jurysitzungen, die ich eingepackt hatte, habe ich mir ein älteres Sachbuch aus dem Bücherschrank der Berghütte geholt: Reinhold Messner, Antarktis. Himmel und Hölle zugleich. Auch ein Ausweg.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das Verspaar „Sag mir etwas, / das nicht verschwindet“ von Alfred Kolleritsch. Es kommt mir in letzter Zeit immer häufiger in den Sinn, ob ich nun anderen zuhöre oder mir selbst.

Vielen Dank für das Interview lieber Andreas, und viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Andreas Unterweger, Schriftsteller und Herausgeber der Literaturzeitschrift manuskripte

Aktueller Roman:  „So long, Annemarie“ , Droschl Verlag.

http://www.andreasunterweger.at/

Foto_Werner Schandor

23.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gerade brennen die Wälder ganz in der Nähe und“ Undine Materni, Schriftstellerin_ Give Peace A Chance _ Dresden 1.8.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Gerade brennen die Wälder ganz in der Nähe und

Immer ist irgendwo Krieg Großvater war in der Schlacht

Verloren im russischen Kessel um Stalingrad am

Ende blieben ihm Granatsplitter im Leib als

Passierschein in ein anderes Leben als Mensch

Er fuhr als Bergmann in den Schacht ein trank Schnaps

Aber wenn er vom Krieg zu sprechen begann herrschte

Chaos in seinem Kopf und in seinen Sätzen mit Worten wie

Ehre und Sieg Graben und Kameraden für immer

Allein wenn du den Horizont siehst kannst du hoffen die

Chiffren entschlüsseln zu können was Menschen ausmacht das

Haben neben dem Sein wie beim Bauern Pachom der

Am Ende nichts hatte als seine Gier als er starb ach Lew

Nikolajewitsch Tolstoi Mütterchen Russland versinkt im

Chaos und noch immer will keiner begreifen wieviel

Erde der Mensch wirklich braucht


Undine Materni, 30.7.2022

Undine Materni, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Undine Materni, Schriftstellerin

https://www.undine-materni.com/

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 30.7.2022.

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„Literatur und Kunst kommt jetzt die Rolle zu, in Bewegung zu bleiben“ Rhonda Lamberty, Schriftstellerin _ Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen/Stm. 31.7.2022

Liebe Rhonda, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Also, ich stehe um 10 Uhr auf.

Am Vormittag bin ich meistens mit Kommunikation, Planung für künstlerische Projekte oder Korrespondenz beschäftigt. Die Nachmittage verbringe ich im Garten oder im Wald. Heute habe ich ein Wildkräuter-Pesto zubereitet und Schafgarbe für eine Tinktur gesammelt sowie bereits getrocknete Heilkräuter für eine Teemischung zusammengestellt. Das sind die Dinge, die mich erden. Danach war ich im See schwimmen und mich sonnen. An Regentagen schaue ich stattdessen ins Grüne oder erledige private Dinge.

Mit meiner eigentlichen Arbeit beginne ich erst um 18 Uhr. Ich bin am Abend kreativ, konzentriert und auch am produktivsten.  Das war immer so. Ich mag die Geräusche der Nacht, das Zirpen der Grillen und die umherschwirrenden Nachtfalter im Schreibatelier. Ich arbeite derzeit an zwei verschiedenen Manuskripten, lese nebenbei in Texte von KollegInnen hinein, schau mir gerne eine Literaturverfilmung an und analysiere das Treatment. Meistens arbeite ich bis 2 Uhr morgens.

Da ich meine Sportroutine am Tag häufig nicht unterbringe, kommt es oft vor, dass ich das um Mitternacht nachhole und auf dem Hometrainer radelnd Musik höre. Danach schreibe ich noch ein Stündchen weiter.

Rhonda Lamberty, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wasser ist für uns alle besonders wichtig, denn im Wesen und Kreislauf des Wassers sind viele Antworten verborgen, nach denen wir suchen. Wasser lehrt uns auch, die eigenen Quellen besser kennenzulernen. Das hilft, denke ich, allen.

Rhona Lamberty _ Schreibatelier _
Blick aus dem Fenster_ Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen/Stm
_ folgende

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Diesen Prozess habe ich schon hinter mir. Sich mit der Natur und den Tieren zu verbinden erscheint mir wichtig.

Literatur und der Kunst an sich kommt jetzt die Rolle zu, in Bewegung zu bleiben, um nicht zu erstarren, weil vieles in der Realität von Problemen geprägt ist und hoffnungslos, lähmend wirkt. Für mich bedeutet das in Dialog mit KünstlerInnen anderer Sparten zu treten und zu interagieren wie in einem Tanz. Ich bin gespannt, wie sich die gemeinsamen Projekte entwickeln werden.


Der Schönheit und Sinnlichkeit treu zu bleiben, ist mir als Schriftstellerin besonders wichtig. Das fehlt der Politik, der Justiz, der Wirtschaft, sogar der Wissenschaft und der Religion im Kern und in ihrer Wesensart. Deshalb brauchen die Kunst alle.

Was liest Du derzeit?

Ich habe soeben das Buch „love in the big city“ von Sang Young Park, einem Shooting-Star der südkoreanischen Literatur, beendet.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich würde mich gerne ans Ufer setzen und mich umsehen“, sagte Nadja, „wie klar das Wasser ist. Wie unendlich es fließt. Wie die Kieselsteine sich bewegen darin. Und die Pflanzen sich gegen den Strom stellen, um nicht mitgerissen zu werden.“

„Wollen Sie mitgerissen werden?“.

„Nein, auf keinen Fall. Ich will flussaufwärts gehen.“

aus meinem Roman: hydros

Vielen Dank für das Interview liebe Rhonda, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Rhonda Lamberty, Schriftstellerin

Fotos: Portrait_Arnold Pöschl; Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen/Stm _Rhonda Lamberty.

17.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Romy Schneider wollte sich selbst überraschen“ Peta Klotzberg, Schauspielerin _ 40.Todesjahr Romy Schneider _ Wien 31.7.2022

Peta Klotzberg_Schauspielerin, Sängerin, Klangkünstlerin_Wien_acting Romy Schneider _
_ Hotel „Der Wilhelmshof“ Wien _
40.Todesjahr Romy Schneider
, Schauspielerin (+1938 Wien +1982 Paris)

Liebe Peta, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

der impuls für die auseinandersetzung mit dem menschen und der schauspielerin Romy Schneider war dieses interview und fotoshooting. danke also dafür, walter, dass es mich in die welt dieser faszinierenden person entführt hat.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

Der film „Gruppenbild mit Dame“ (1977, regie: aleksander petrovic, basierend auf dem roman von heinrich böll, wird in meinen augen und in meiner wahrnehmung vom großen schauspielerischen können Schneider´s getragen. auch die herausforderung einer literaturverfilmung ist hier gelungen. auch die frühen filme „Mädchen in Uniform“ (1958, regie: géza von radványi) finde ich beachtlich, weil es ein erster, von vielen, wendepunkt in Schneider´s schauspielkunst zeigt, raus aus der Sissy-figur in neue facetten und darstellungsformen. es ist nicht leicht, sich aus so einem korsett zu befreien, und es ist ihr so gut gelungen. vor allem insgesamt, die vielfältigkeit ihrer so umfassenden arbeit verblüfft mich, lässt mich staunen: experimentelle filme, komödien, politische dramen, romanzen… in deutsch, (englisch), französisch.

Romy Schneider spielte in ihren Filmrollen sehr intensiv und ausdrucksstark, auch körperlich, und ging bis an die Grenzen des persönlich Möglichen. Etwa in den Filmen „Nachtblende“, „Trio infernale“ oder „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“. Wie siehst Du als Schauspielerin die Darstellerin Romy Schneider?

ich denke, Romy Schneider war sehr ehrgeizig in ihrem tun. wenn sie das gefühl hatte, eine rolle zu wollen, hat sie darum gekämpft, so vermittelt es sich mir in den interviews. eine gewisse angst schwingt da mit, meine ich zu spüren, dieses ständige sich selbst (und am nebenschauplatz den anderen, der weltöffentlichkeit) beweisen zu wollen, zu müssen, dass sie „es“ kann, noch immer kann, wieder kann, besser, anders. Romy Schneider wollte sich selbst überraschen, sie wollte nie, nie stehen bleiben, das hat sie schon ganz früh gesagt, „mich auf meinem erfolg ausruhen, das kann ich nicht“. sie war immens selbstreflektiert, was ihre arbeit, die rollenauswahl, regisseure, spielpartner anging, sie wusste sehr gut, was ihr zu diesem zeitpunkt ihres lebens gut tut, was sie weiterbringt. Hatte ein auge auf die geschehnisse ihrer branche. sie war pushy, aber in einem sehr produktiven, ich finde positiven sinn. und neugierig. und, natürlich, hochprofessionell. es scheint ihr freude gemacht zu haben, sich selbst immer neu, mit neuen seiten zu entdecken, ihre talente, ihre ausdrucksmittel zu verfeinern, zu variieren, zu vertiefen, rastlos und suchend.  

Müssen Mensch und Rolle sich immer ganz nah, intensiv berühren, um diese zu spielen und auch das Publikum berühren zu können?

es muss – wie immer im leben auch im spiel – gar nichts sein. manche  rollen sind erfahrungsgemäß mehr arbeit, manche gehen leichter von der hand, der seele, aber unabhängig von der nähe zum eigenen charakter, zum selbst, ich hätte da keine regelmäßigkeiten festgestellt bisher.

Gibt es Momente in einer Darstellung, in der sich gleichsam die Kontrolle über die Rolle verlieren kann? Und wenn ja, was holt einen dann zurück?

ja.

das können ganz besonders magische und „heilige“ momente sein, oder ganz furchtbare, grottenschlechte. fast immer ist es bei mir auch nach einer vorstellung so: es dauert (bei mir) immer ein paar stunden, bis ich „runterkomme“. dann spaziere ich….lange…bis der boden zurückkommt,. ein schönes gefühl ist das, sich in der sache zu verlieren.

Würdest Du einen Film von Romy Schneider gerne spielen und wenn ja, warum?

„Eine einfache Geschichte“. inhaltlich gesehen so einfach und so dicht, die bilder auch sehr erzählerisch. sowie „Die Frau am Fenster“.

Es gibt von Romy Schneider sehr viele Fotoserien. Gibt es eine Serie, die Du hervorheben möchtest?

es ist für mich tatsächlich die serie im bretonischen seebad quiberon, als sie dem stern ein interview gab, die fotos von robert lebeck eine der eindringlichsten und berührensten fotostrecken. obwohl ich das eigentlich gar nicht reihen oder werten will, denn Romy Schneider war in jeder phase und mit jeder faser ihres lebens spannend, in natura und vor der linse. berührend sind auch die aufnahmen mit ihren kindern, allerdings  überschreiten solche bilder in meiner welt grenzen der privatheit. die fotos, die im zuge der dreharbeiten zu „Der Swimmingpool „ entstanden, vermitteln auch so viel von ihrem esprit.

Wie siehst Du Romy Schneider vor der Fotokamera? Ist sie da Schauspielerin oder Privatperson oder beides?

ich denke und hoffe, sie war schauspielerin, ich denke, sie konnte meist ihre grenzen gut wahren und hatte kontrolle über die arbeit. andererseits kann ich in den interviews eine ernsthaftigkeit verorten, ein bemühen, fragen für sie richtig und passend zu beantworten, auch ein ehrliches verstehen-gewollt-werden, eine permanente echte reflexion, …

mh…es bleibt wohl ihr geheimnis, und das ist gut.

Auch unser Projekt ist ein szenisches Foto/Interviewprojekt. Wie hast Du Dich im Vorfeld darauf vorbereitet und was ist Dir dabei wichtig?

interviews, youtube, und filmausschnitte, fotos. ich habe mich vor allem von ihrer sanften, vollen, runden stimme in bann ziehen lassen, die ist sehr charismatisch und verführerisch. die will erzählen, und sie will verstanden und gehört werden, das hört mensch dieser stimme an.

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?

Romy Schneider stammt ja aus einer schauspielfamilie, mit 15 Jahren hatte sie ihr erstes engagement, sie ist damit groß geworden, eine person des öffenltlchen lebens zu sein. ob es das leicher macht? ich glaube, ja. aber ich muss daran denken, wie wütend sie war, zurecht, klarerweise, als nach dem tod ihres sohnes fotos veröffenlticht wurden. man denkt, es müsse doch grenzen geben, aber nein, unsere welt ist recht grenzenlos, ausbeuterisch und profitorientiert im unguten sinn. ich stelle mir diesen tanz mit der öffentlichkeit recht schwierig vor, es ist ja auch eine abhängigkeit dabei, voneinander, für beide seiten. einfach ist es nicht.

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?

ich sag mir das jetzt schon seit einigen jahren, ich sollte unbedingt mal wieder raus aus diesem doch recht engen, engstirnigen land. Der norden, da zieht es mich hin,, amsterdam, kopenhagen, oder london. mal sehen, vielleicht lässt sich ein stipendium ergattern… neues sehen, andere kulturen und sichtweisen erleben, das ist eine gewisse verpflichtung in unserem beruf.

Wie war Dein Weg zum Schauspiel und welche Erfahrungen hast Du in Wien im Schauspielberuf gemacht?

kurvenreich, verschlungen und auch abgründig. ich bin da hineingerutscht, auch oft ausgerutscht, wieder rausgerutscht, um wieder hineinzuschlittern.. es klingt so, und es ist so, ich habe da kaum kontrolle darüber. ich will bloß geschichten erzählen, und so lange menschen da sind, die das mit mir gemeinsam tun wollen, geh ich den weg. zusammen.

Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?

fairness. das besonders regisseure verstehen, dass wenn sie ein netz schaffen, wenn sie vertrauen im spieler der spielerin wecken können, dass dann potential entfaltet werden kann, dass ressourcen voll ausgeschöpft werden. das es gilt das ensemble ganzheitlich zu stärken und zusammenspiel zu fördern, weil wir dann alle das publikum besser hineinziehen können in das geschehen. Miteinander statt gegeneinander, nicht nur wegen der menschlichkeit und dem seelenfrieden, sondern schlicht auch hinsichtlich  effizienz und erfolgsaussicht, und ich wünsche mir mehr zeit für jedes einzelne projekt, um mehr in die tiefe gehen zu können, um den raum zu erforschen, die rolle, das sickern lassen. ja, zeit. Ich habe das gefühl, dass ich derzeit ziemlich drum kämpfen muss, länger an einem projekt bleiben zu können.

Was sind Deine kommenden Projekte?

wir bauen derzeit unsere beiden gesangs/klangprojekte „Frauen S(s)timmen“ – hier fehlen gefühltermaßen noch so viele wichtge liedermacherinnen im programm – und die klangkunstschiene LIQUIDinfinit weiter aus, das oben erwähnte feilen und schleifen an bestehendem , das ist sehr wertvoll erachte, auch zufriedenstellend. das stationentheaterstück „erstrahlen“ wird im herbst in 1050 und 1090 wien wieder aufgenommen, und wir schreiben gerade konzepte und texte für das nächste lab42 stück „fortunate water“.

Was möchtest Du Schauspielstudenten*innen mitgeben?

„Data „ aus StarTreck hat es so schön gesagt: „The trick ist o not mind it“ und,

um es mit Beckett zu erweitern: „Dance first. Think later. It´s the natural order.“

Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?

dazu möchte ich mich nicht äußern.

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

auch das bleibt bei mir.

Was kann eine Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

vieles. alles. Romy Schneider zu studieren, zu betrachten, zu verstehen – da kann mensch unglaublich viel über schauspielkunst lernen!

Romy Schneider hat auch viele Interviews gegeben. Gibt es ein Interview, das Dich besonders anspricht und möchtest Du vielleicht ein Zitat hervorheben?

„Ich kann alles im Film, im Leben nichts“. Ich glaube das nicht, aber ich verstehe den grundgedanken. es ist, so schwierig und anstrengend und emotional es auch ist, das schauspiel  – ein spiel.

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Achrostikon bitten?

R eibungsfläche bist Du, verschenkst dich

O hne zu zögern, ohne mit der Wimper zu zucken

M it offenen Armen, Herzen,  Deine Leben – wie eine

Y acht in weiter See.

Peta Klotzberg_Schauspielerin, Sängerin, Klangkünstlerin_Wien_ acting Romy Schneider

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) 

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_7.2022

Hotel Wilhelmshof Wien_

Herzlichen Dank, liebe Peta, viel Freude und Erfolg für alle Projekte!

https://literaturoutdoors.com

Walter Pobaschnig 7_22