„Crescendo im entlegenen Land“ Dagmar Cechak, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Klagenfurt 31.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Crescendo im entlegenen Land

Geh leise

In dich auf Zehenspitzen

Vergiss den Lärm

Erfühle die Stille

Pfeilschnell

Erweitern sich

Abgründe, du weichst aus

Chiffrierst den Hass auf Unlesbar

Entkommst der Verschwörung

Alabasterbleich

Courage, so hat man dich gelehrt

Hat viel Mut im Gepäck

Als wenn es dir dran fehlte

Noch ist es Zeit, doch dröhnt schon das

Crescendo unbarmherzig im

Entlegenen Land


Dagmar Cechak, 28.7.2022

Dagmar Cechak, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Dagmar Cechak, Schriftstellerin

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 28.7.2022.

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„Ich versuche in meinem Schreiben vom traditionellen Erzählen wegzukommen“ Ana Marwan, Bachmannpreisträgerin 2022 _ Sommerinterview Teil I _ Station bei Malina_Wien 30.7.2022

Ana Marwan, Schriftstellerin, Bachmannpreisträgerin 2022_
Station bei Malina_Wien

Liebe Ana, herzliche Gratulation zum Bachmannpreis 2022 und ein herzliches Willkommen hier in der Ungargasse in Wien 1030, die literarischer Hauptschauplatz des Romans „Malina“ (1971) von Ingeborg Bachmann ist.

Ingeborg Bachmanns erster und einziger Roman spielt in Wien und beginnt mit einer Vorstellung, Beschreibung der Protagonisten:innen. Darf ich Dich zu Beginn des Interviews um eine Vorstellung Deinerseits in drei/vier Sätzen bitten?

Da muss ich schon bei der ersten Frage passen (lacht) – ich weiß nicht, wer ich bin – aber ist es nicht in „Malina“ auch so? (lacht)

Fragen der Identität in allen Wandlungen, Begegnungen, Krisen sind Themen meines Schreibens.

Es wird vom Menschen erwartet, dass er sich definiert, dass er weiß, wer er ist, aber wir sind im Spiegelbild nie dieselben. Ich akzeptiere das, und es ist kein Problem für mich. Es muss nicht alles eine abschließende Definition finden.

Belastend sind in diesem Zusammenhang gesellschaftliche Erwartungen, da dieses Offenlassen selten akzeptiert wird. Vielmehr gibt es da ein „Muss“. Ich möchte mich davon bewusst wegbewegen und sagen, es ist ok so.

Haben sich für Dich mit dem Gewinn des 46.Bachmannpreises 2022 auch die gesellschaftlichen Erwartungen verändert, vergrößert?

Grundsätzlich hat sich für mich sehr viel verändert. Ich war es gewohnt in Stille, ja, Einsamkeit, zu schreiben und dies war auch literarisches Thema.

Im Schreiben habe ich vorher nie an die Leser:innen gedacht, ich habe immer für mich selbst geschrieben. Ich habe auch nicht an Leser:innen geglaubt. Aber jetzt ist es Realität geworden, Leser:innen sind präsent. Ich weiß nicht, wie dies mein Schreiben weiter beeinflussen wird.

Ich habe auch nach dem Bachmannpreis gemerkt, dass Menschen von einer Künstlerin politisches Engagement erwarten. Bei den Themen wird einem nicht viel Auswahl gelassen, man wird da in Richtungen geleitet. Ich versuche Schubladisierungen zu vermeiden. Abstraktion, also Dinge auf das wesentliche reduzieren zu können, ist wichtig im Denken, aber es sollte mehr Schubladen geben, als es sie gibt, finde ich.

Jim Morrison, der Sänger der 1960/70er kalifornischen Rockband „The DOORS“, bezeichnete sich als „erotischen Politiker“ und wies damit auf Kunst in ihrem Weg des „Eros“ der umfassenden Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis hin. Siehst Du Kunst in diesem existentiellen Kontext?

Das hat Jim Morrison gesagt? (lacht).

Ja, es war in einem kurzgefassten Flughafen Interview.

Wir haben als Kind nur Jim Morrison gehört, weil mein Vater ein Fan war.  Und ich konnte alle seine Texte auswendig, bevor ich Englisch sprechen konnte (lacht). Erst später habe ich dann gewisse Songpassagen besser verstanden. Etwa „rabid“ (Anm: tollwütig), das ich zunächst als rabbit (Anm: Hase) verstanden hatte (lacht).

Ja, alles was wir machen ist politisch. Die Welt färbt an uns ab und wir zeigen dies in jedem Wort, in unserer Kleidung, in allem zeigen wir diese Einflüsse.

Ich finde aber die persönliche Sicht auf ein Kunstwerk sehr wichtig. Der Autor sollte da nicht zu stark anleiten, in dem er vermittelt was er gemeint hat. Das ist falsch für einen Künstler.

Das Wichtigste in der Literatur ist, dass sie dem Leser die Gelegenheit bietet, in fremde Welten, Köpfe eintauchen zu können und dass dies unsere Empathie herausfordert und wir damit eine neue ethische Stufe erreichen, die wir nur mit mehr Empathie erreichen können.

Wie wichtig ist Dir als Schriftstellerin der Austausch mit weiteren Kunstrichtungen?

Ich glaube nicht an direkte künstlerische Einflüsse. Ich jedenfalls suche dies abzuwehren, weil ich nicht nachahmen will. Aber alles ist Teil der Welt, in der wir in jeder Sekunde einen neuen Abdruck bekommen. Wir werden permanent dadurch verändert. Alles verändert den Menschen. Wesentlich sind dabei die persönlichen Erfahrungen.

Man sollte nicht Kunstmachen, weil man gerne Künstler:in sein möchte. Es gilt etwas zu sagen zu haben, aus einem Bedürfnis heraus. Etwas das einen betrifft, belastet. 

Existentielle Wahrnehmung und Veränderung sind Themen in Deinem Debütroman „Der Kreis des Weberknechts“ (Otto Müller Verlag, 2019) wie Deinem Bachmannpreistext 2022.

Ingeborg Bachmann formuliert in „Malina“, dass es unmöglich ist, „heute“ zu sagen, da es von „höchster Angst und fliegender Eile“ bestimmt ist.

Wie können Menschen mit diesen Prozessen, Anforderungen von Identität und Welt umgehen und zurechtkommen?

Wir haben als Menschen sehr viele Facetten. Ich glaube, dass es eine Identität nicht gibt und dass es irreführend ist, das ganze Leben lang mit dem gleichen Nomen/Namen beschrieben zu werden. Vielmehr gilt es mit und in dem Heute, Gestern, Morgen zu leben, zu leben versuchen. Es immer neu zu versuchen.

Der Roman „Malina“ wurde vor fünfzig Jahren geschrieben. Wie aktuell ist dieser?

Er ist zeitlos, trifft die Gegenwart.

Das erste Kapitel von „Malina“ ist betitelt „Glücklich mit Ivan“. Was bedeutet Dir Liebe?

Ich denke, es ist mit mir nicht so einfach in einer Beziehung und ich hatte so ein Glück meinen Mann kennengelernt zu haben. Er ist ganz anders als ich und er versteht mich trotzdem, das finde ich sehr bemerkenswert. Das ist sehr selten, glaube ich, und ich schätze das sehr.

In Deinem Roman „Der Kreis des Weberknechts“ kommt es ja zu keiner glücklichen Beziehung, vielmehr sind es „Netze“, die Karl und Mathilde narzisstisch auswerfen, um einander einzufangen, was nicht gelingt. Ist dies ein Spiegelbild unseres Liebesverständnisses in der Gesellschaft?

Grundsätzlich glaube ich, dass das Wort „Liebe“ die Komplexität ihrer selbst nicht umfasst. Wir bräuchten da viel, viel mehr Worte. Sich zu verlieben, finde ich, hat mit der Liebe wenig zu tun, und da finde ich das deutsche Wort dafür sehr gut; verliebt sein hat so wenig mit der Liebe zu tun wie z.B. „Laufen“ mit „sich verlaufen.“ Also ich glaube, dass Lipitsch eher verliebt ist. Er sollte mehr lieben.

In „Malina“ ist das letzte Kapitel „Von letzten Dingen“ betitelt. In Deinem Roman sind die Themen Vergänglichkeit, Sinn auch ein Thema. Welchen Zugang hast Du persönlich zu diesen „letzten Dingen“?

Menschen haben ein Bedürfnis nach Sinn in allem Chaos. Die Tatsache, dass wir sehr früh im Leben den Tod als unausweichliches Ende akzeptieren müssen, macht für mich vieles absurd. Ich denke auch, dass die Logik eine menschliche Erfindung ist und hat nichts mit dem Universum zu tun.

Das Verlangen nach einer kausalen Kette finde ich im Leben problematisch und auch im Erzählen. Ich denke, dass es falsch ist, nur mit Geschichten aufzuwachsen, in denen alles Sinn macht und wir dann glauben, alles verstehen zu können, zu müssen.

„Malina“ ist da eine sehr schöne Ausnahme (lacht).

Auch Grimms Märchen sind ok, da ist mir auch nicht alles klar. Ich weiß etwa nicht, warum die Prinzessin, die den Frosch misshandelt und gegen die Wand wirft, dafür mit einem Prinzen belohnt wird. (lacht).

Unsere Romane, Erzählungen heute machen alle mehr oder weniger Sinn. Diesen Sinn suchen wir dann überall im Leben und möchten Dinge verstehen, die man nicht verstehen kann.

Die Suche nach Sinn führt uns oft sehr weit weg von der Wahrheit, weil es letztendlich für uns schon genug ist, dass etwas plausibel klingt und dann glauben wir es. Wir sind da ganz leicht in die Irre zu führen.

Ich versuche in meinem Schreiben vom traditionellen Erzählen und deren Schemata wegzukommen. Eine Richtung ist da etwa das Fragment, das eher meinem Weltbild entspricht.

Im Roman „Der Kreis des Weberknechts“ habe ich bewusst versucht mit Erwartungen des Lesers zu spielen. Die Vorstellung von Mann und Frau zu Beginn des Romans erzeugt bereits eine Erwartung und diese wollte ich brechen. Denn im Leben ist es einfach nicht so, dass unsere Erwartungen erfüllt werden. Ich denke, es ist näher an der Wahrheit, wenn ich im Schreiben die Leser:innen enttäusche.

Dein Roman beginnt mit Gedanken an den Tod und endet mit dem Tod als erwartete Wiederkehr. Ist der Tod die einzige erfüllte Erwartung des Lebens?

Ja, wahrscheinlich.

Als ich sehr jung war und versuchte einen Sinn zu finden, was mir nicht gelungen ist, hat mich etwas getröstet, was mir ein Erwachsener sagte –  dass der Tod Sinn mache, weil wir in einer Unsterblichkeit alles im Leben auf einen späteren Zeitpunkt verschieben würden (lacht). Das war ein guter Trost damals.

Das Leben muss keinen Sinn machen, es reicht, wenn es der Tod tut.

In Deinem Roman ist für Karl der Tod mit Wiederkehr, Rückkehr in die Kindheit, verbunden, also einer Wiedergeburt. Ist dies auch eine Utopie, Hoffnung für Dich?

Ich bin Agnostikerin und ich habe keine Ahnung was nach dem Tod passiert. Es sind aber Szenarien, was sein könnte, die mich beschäftigen und eine davon ist die Wiederkehr, die im Roman vorkommt, die ewige Wiederkehr des Gleichen. Ich bin da ursprünglich nicht von Nietzsche ausgegangen, aber kurz bevor mein Roman fertig war, habe ich zufällig „Also sprach Zarathustra“ (Friedrich Nietzsche, 1883, Anm.)  gelesen und seine Idee entsprach 100% der meinen. Also fügte ich Nietzsche noch namentlich dazu.

Ich finde es witzig, dass wir alle ähnliche Ideen haben und diese dann benennen müssen mit den Namen großer Philosophen, die gestorben sind, obwohl diese Ideen eigentlich archetypisch sind. 

In Deinem Bachmannpreistext sprichst Du auch das Thema Zeit und Leben an – „…ich weiß, die Zeit lässt sich nicht sparen, man kann sie nur verschwenden, im Sekundentakt.“ Welche Bedeutung hat Zeit für Dich?

Jede Sekunde nähern wir uns dem Tod.

Wir leben jetzt schon oft im Moment, glaube ich. Das soll man ja. Aber vielleicht gerade zu sehr. Wir leben in einer audio-visuellen Welt der Überreizung, die uns bzw. unser Gedächtnis gefährdet. Ich halte im Zusammenhang mit Zeit auch die Erinnerung für sehr wichtig.

Du hast in Deinem Bachmannpreistext den Rückzug, die Einsamkeit, in der Zeit der Pandemie beschrieben. Wie hast Du diese Zeit als Schriftstellerin erlebt?

Mein Buchprojekt über die Einsamkeit begann vor der Pandemie. Ich suchte dafür den Rückzug, um das Thema bearbeiten zu können. Und als ich damit fertig war, kam die Pandemie.

Das Schwierige in der Pandemie im Zusammenhang mit der Einsamkeit war, dass es keine Wahl mehr gab. Ich habe versucht, die positiven Seiten zu sehen und hatte große Hoffnung, dass wir sehr viel daraus lernen können, etwa über alternative Lebensweisen, darüber, dass wir unterscheiden, was wir brauchen und nicht brauchen in unserem Konsum. Auch bezüglich unserer Klimaverantwortung, dass uns bewusst wird, wir müssen nicht ständig herumreisen. Ich weiß nicht, haben wir etwas aus der Pandemie gelernt?

Ich habe auch geglaubt, dass es anders wird, wenn die Pandemie vorbei ist, ich weiß nicht, ob sie vorbei ist, ich dachte, wir würden entweder dann zurückgezogener leben oder dass eine „carpe diem“, Roaring Twenties (Anm: 1920er Jahre) mood ausbricht (lacht).

Die Pandemie war ein Einschnitt, weil es dem gesellschaftlichen Narrativ „Wir können tun was wir wollen. Wir können werden, wer wir wollen“ widersprach. Das erschütterte den modernen Menschen.

Dein Bachmannpreistext beginnt mit der Begegnung mit dem Briefträger. Dies ist auch im Roman „Malina“ ein wesentlicher Topos. Welche Rolle kommt diesem Boten, diesem Kontakt in der Einsamkeit zu? Ist dies metaphorisch mit einem Engel vergleichbar, der eine „befreiende, erlösende“ Botschaft in die Welt, meine einsame Welt, bringt?

Ich fand es spannend, dass die Person des Briefträgers, die ja nur die Funktion der Verbindung zwischen Absender und Empfänger hat und damit persönlich unwichtig ist, dann aber in der Einsamkeit für sie zur wichtigsten wird, weil sie im Unterschied zu den virtuellen Absendern, real ist.

Kommt diesem Kontakt des Überbringens, diesem kurzen persönlichen Austausch, auch ein wesentlicher Sinnbezug, Lebensimpuls zu?

Ihre Sinnsuche, dieses Bedürfnis nach Nähe, Überschreitung des Ich, die einfach menschlich und nicht anders als bei anderen ist, formt aus dem Briefträger etwas, das den Umständen geschuldet war. Sie hatte einen Kontakt und einen Sinn gesucht und dies auf den erstmöglichen oder ja auch den einzigen aufgehängt.

Die Begegnung mit dem Briefträger findet über das offene Fenster des Hauses statt. Es ist nur ein Teil ihres Körpers zu sehen. Ist dies auch metaphorisch zu verstehen als Bruchstückhaftigkeit der, jeder Begegnung?

Ich finde diese Sichtweise sehr, sehr schön. Es war da jetzt nicht meine direkte Schreibintention aber ich schätze es sehr, wenn ein Text hier weiterführt in Gedanken.

In Deinem Roman „Der Kreis des Weberknechts“ ist Karl ein Mensch, der die Bewunderung von außen braucht und in den Lebensmittelpunkt stellt. Er lässt eine persönliche Beziehung nicht zu. Ist er ein Prototyp des modernen Menschen?

Wir sind als Menschen leider oft individualistisch, narzisstisch. Unsere virtuelle Welt fordert dies auch, sich immer wieder selbst zu präsentieren. Es geht dabei nicht um ein persönliches Kennenlernen, sondern um ein in die Irre führen, einfach einander etwas vorzumachen. Wir gehen da in eine falsche Richtung.

Es gibt in sozialen Netzwerken auch ehrliche, offene posts. Aber überwiegend ist es nur eine „Maske“, an der man in der Einsamkeit arbeiten kann und dann setzt man diese virtuell auf.

Ich finde, wir müssten viel, viel mehr an unserer Empathie arbeiten und nicht an unseren Masken.

Wie kann diese Arbeit an der Empathie gelingen?

Ich hoffe durch die Literatur.

Und die Ehrlichkeit. Es ist gesellschaftlich so, dass man Fehler, handicaps, immer mehr akzeptiert, aber es sollte dann nicht so sein, dass man diese immer betont und als Identitätsmerkmal sieht. Der Mensch soll einfach in seiner Vielfältigkeit gesehen und akzeptiert werden.

Wir bekämpfen im Umgang miteinander Hass mit Hass und das finde ich sehr, sehr falsch. Wir sollten verstehen wollen, akzeptieren und mitfühlen.

Ana Marwan, Schriftstellerin, Bachmannpreisträgerin 2022_
Station bei Malina_Wien

Ende _ Sommerinterview Teil I, Teil II zwei folgt am 6.8.2022

Station bei Malina_ Sommerinterview: Ana Marwan, Schriftstellerin, Bachmannpreisträgerin 2022

Aktueller Roman: „Der Kreis des Weberknechts“ Ana Marwan, Otto Müller Verlag.

Interview_Walter Pobaschnig , Wien 7_22

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Ungargasse_Wien.

„Gib mir eine Friedenstaube“ Magdalena Kratzer, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Nürnberg 30.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gib mir eine Friedenstaube

Ich werde sie fliegen lassen

Vertraue auf ihre Kraft

Es wird alles gut

Packe deine Koffer

Einiges wartet hier auf Dich

Auch wenn Du noch zögerst

Chrysanthemen auf ukrainischen Gräbern hast du genug gesehen

Etliche Tränen dazu vergossen

Abends wirst Du in einen tiefen Schlaf fallen

Chancen gibt es hier viele

Heimat oder nicht oder irgendwann

Anfangs wirst Du dich vielleicht schwertun

Noch aber fliegt die weiße Taube nicht

Come to us

Eine warme Decke und Frieden warten hier auf Dich.


Magdalena Kratzer, 29.7.2022

Magdalena Kratzer, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Magdalena Kratzer, Schriftstellerin

Foto_Verena Westernacher

Walter Pobaschnig _ 25.7.2022.

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„Eine Auswahl an Fluchtmöglichkeiten“ Gedichte. Lea Schlenker. Aphaia Verlag.

Lea Schlenker, in Zürich geborene und in Bern lebende Schriftstellerin, legt mit „Eine Auswahl an Fluchtmöglichkeiten“ einen Gedichtband vor, der mit ganz feinem ironischen Witz, Sinn wie beeindruckender Sprachfreude begeistert.

Es ist eine Sommerreise als mitreißende existentielle Achterbahnfahrt der Seele, die schonungslos mutig und zärtlich über das Leben zwischen Traum und Wirklichkeit, Wunsch und Erfahrung in den heißen Sand einer Jahreszeit schreibt und damit Himmel und Erde erleuchtet.

Lea Schlenker, verbindet in diesem Band die großen Traditionen phantastischer wie realistischer Poesie und verdichtet diese zu einem unverwechselbaren Stil, der selbstbewusst direkt das Thema im unbändigen Sprachspiel variiert und jongliert. Das Lesen macht große Freude und zaubert ein Lächeln wie im Schließen der Augen ein Nachdenken in Sonne oder Mond, das lange anhält. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins wird hier wunderbar poetisch an Herz und Seele gepackt.

„Die Gedichte Lea Schlenkers im Sommerreisegepäck zu haben, heißt zu lächeln, zu staunen und Urlaub und Leben in allen Überraschungen zu lieben!“

Danke für dieses Sommer- wie zeitlose Jahreszeitgeschenk!

Lea Schlenker, Schriftstellerin

Lea Schlenker, Eine Auswahl an Fluchtmöglichkeiten. Gedichte. Aphaia Verlag, 2022.

Foto_Michael Bolzli

Walter Pobaschnig  7_22

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„Im Theater mehr Stücke losgelöst vom Geschlecht zu zeigen“ Hannah Monty Bacher, Schauspielerin und Autorin _ Wien 30.7.2022

Liebe Hannah, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeden Tag anders. Das Einzige, das gleich bleibt ist meine Morgen und Abendroutine.
Aufwachen, ein Glas Wasser, Sport & Stretch (währenddessen ein Album meiner Wahl hören), meine Stimme in Sprechen und Gesang trainieren, Duschen und dann die Morgentschik mit Kaffee.

Danach steht alles offen, entweder ich gehe zur Probe, zum Dreh oder befasse mich mit neuen Bewerbungen.

Am Abend schaue ich mir einen Film oder eine Serie an mit Schauspielenden, die ich interessant finde oder es wird ein Buch gelesen. Und dann natürlich das klassische 2 Stunden im Bett liegen und im Kopf neue Gedankenblitze und Hirngespinste analysieren.

Hannah Monty Bacher, Schauspielerin und Autorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Empathie und mehrere Ansichten verstehen versuchen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Es ist und war immer schon wichtig, verschiedenen Blickwinkeln und Herangehensweisen einen geschützten Raum zu geben, um sich zu verstehen versuchen.
Dekonstruktion der altgewohnten Theaterwelt in der es x Männerrollen und x Frauenrollen gibt. Dieses Ganze‚ sich auf zwei Geschlechter versteifen‘ wird nicht länger dienlich sein. Es geht nicht darum ob Crossdressing ins Theater gehört, bzw ob sich das schickt, sondern dass mehr Stücke losgelöst vom Geschlecht gezeigt werden. Das Weglassen optischer Einschränkungen wird unsere Theaterwelt nur bereichern. Und das Theater hat die Möglichkeiten Menschen als Menschen, und nicht auf das Geschlecht reduziert, zu zeigen. Dabei meine ich nicht, dass Geschlecht, Sexualität oder Herkunft nicht gezeigt und gefeiert werden soll, ich meine damit, dass man nicht darauf reduzieren soll.

Was liest Du derzeit?

Kein Platz für Idioten – Felix Mitterer
und
Narzissmus, Verführung und Macht – Dr. Bärbel Wardetzki

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Seh noch nicht mal den Horizont, also wart nicht drauf dass ich wieder komm.

Hannah Monty Bacher, Schauspielerin und Autorin

Vielen Dank für das Interview liebe Hannah, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Hannah Monty Bacher, Schauspielerin und Autorin

Fotos_Sophie Fröhlich

22.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Die Literatur muss mehr als sonst zeigen, was mit uns los ist“ Jesse Falzoi, Schriftstellerin _ Sardinien/Berlin 29.7.2022

Liebe Jesse, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

An drei Tagen arbeite ich in der Schule und wache gegen 7 Uhr auf, dann trinke ich Tee und kontrolliere meine Mails, Schule und privat, dann bis halbacht Spiegel online, dann mache ich mich schnell fertig, um 8 Uhr fahre ich mit dem Fahrrad los. Montags wöchentlich, dienstags monatlich und am Wochenende ein paar Mal im Jahr gebe ich an der VHS Kurse im Schreiben, alle möglichen Formate, das Gute ist, dass ich mitmachen muss (eine meiner Regeln beim Unterrichten), deswegen bleibe ich immer im Fluss, auch wenn ich mal keine Lust habe. Manchmal treffe ich mich mit meiner Schreibgruppe, den Tulubees, die aus einem englischen Workshop entstanden ist, oder mit anderen ehemaligen Teilnehmer*innen zum Quatschen und zum Schreiben, drei Mal die Woche versuche ich, bei Shut up & Write dabei zu sein, ein Treffen von Menschen, die schreiben, alle aus ganz unterschiedlichen Motiven, über die Meetup-app. Ich kann dort konzentrierter arbeiten als zuhause und das letzte Projekt war ziemlich schmerzhaft, das wollte ich nicht zuhause überarbeiten. Die Truppe ist sehr international, die Kommunikation findet auf Englisch statt, und der Kaffee ist an allen Treffpunkten lecker.

Jesse Falzoi, Schriftstellerin 

Durchschnittlich schreibe ich alle 2 Jahre einen Roman, mit dem Überarbeiten bin ich ungefähr zehnmal so lange beschäftigt wie mit dem Erstentwurf, d.h. wenn ich einen weglege, um wieder mit frischen Augen rangehen zu können, überarbeite ich den anderen, usw. Zurzeit sind 3 bei mir am Rotieren. Ich habe aber auch schon mal 2 Jahre nix gemacht, als ich Ballett entdeckt habe. Aber am Ende packt es mich immer wieder, wenn ich etwas Inspirierendes lese. Bei Rachel Cusk oder Sigrid Nunez zum Beispiel, und Alexander Chee und Margaret Atwoods Katzenauge haben mich zu meinem aktuellen Erstentwurf regelrecht getrieben. Jetzt bin ich gerade auf Sardinien, der Heimat meines Vaters, der in den 60ern als Gastarbeiter nach Deutschland kam, und sitze ich meiner Wohnung, die ich mir nach langem davon Träumen endlich gekauft habe. Ein richtiges Schreibparadies habe ich geschaffen und der Plan ist, hier auch bald Workshops zu geben, vielleicht schon nächstes Jahr. Hier bin ich jetzt, so oft die Schule es zulässt.

Jesse Falzoi, Schriftstellerin _ Schreibatelier _ Sardinien

Zwei meiner Kinder sind bereits seit ein paar Jahren aus dem Haus. Mein jüngster Sohn wird auch langsam erwachsen, sodass ich das, was mir am wichtigsten war und ist, in meinem Alltag kaum noch habe, mich um meine Kinder kümmern. Es hat mir immer viel Kraft und Inspiration gegeben, und emotionalen Halt. Ich fühle mich ohne sie, wie ich in meinem letzten Roman beschrieben habe, oft ganz schön lost, wie im falschen Leben, ich muss mein neues erst finden. Auch wenn mein Sohn noch manchmal da ist, führt er sein eigenes, spannendes Leben und wir begegnen uns oft nur für eine halbe Stunde am Tag, manchmal gar nicht. Ich weiß, die Frage war, wie mein jetziger Tagesablauf aussieht, aber der besteht deswegen in dieser Form, weil dieser wichtige Faktor in meinem Leben nach so vielen Jahren nicht mehr vorhanden ist. Mein Tag besteht auch darin, viel an sie zu denken und sie zu vermissen.

Ansonsten lese ich viel, schau ich zu viel Netflix und gehe sehr gern lange spazieren.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht nur jetzt, immer: Genügsamkeit und Großzügigkeit und Empathie – und auf die Jungen zu hören, sprich, ihre Welt bewahren.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Literatur muss mehr als sonst zeigen, was mit uns los ist.

Was liest Du derzeit?

Hot Milk von Deborah Levy

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Manchmal braucht eine Person eine Geschichte dringender als Nahrung, um am Leben zu bleiben,  Barry Lopez

Vielen Dank für das Interview liebe Jesse, schöne Zeit in Sardinien und viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Jesse Falzoi, Schriftstellerin _Berlin, Sassari (Sardinien).

Books

Fotos_privat.

20.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gehen wir endlich! Dort hinten kommen sie schon.“ Max Haberich, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Wien 29.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gehen wir endlich! Dort hinten kommen sie schon.“

Ich bleibe hier.“

Verlassen wir die Stadt!“

Einfach verschwinden? Wir sind hier geboren!“

Putin wird uns nie bezwingen.“

Eher als du denkst.“

Auf die Hilfe unserer Nachbarn können wir uns verlassen.“

Coole Autoren lesen für uns – davon kann ich mir nichts kaufen.“

Ehrlich: Dann tu‘ selbst was und geh‘ kämpfen.“

Aber mich totschießen lassen – wozu?“

Chancenlos. Verlierer sind die einfachen Menschen.“

Hast du gar keine Hoffnung mehr?“

Angst habe ich. In Europa. Im 21. Jahrhundert.“

Nirgends will ich hin. Weder hier sein noch woanders.“

Chancenlos. Fliehen oder Sterben.“

Es darf nicht so bleiben – es soll sich nichts ändern. Aber es muss.“

Max Haberich 19.7.2022

Max Haberich, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Max Haberich, Schriftsteller

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Foto_Manfred Weis

Walter Pobaschnig _ 19.7.2022.

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„Gewaltfrei“ Lilli Seitinger, Sängerin und Pianistin _ Give Peace A Chance _ Graz 28.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE


G ewaltfrei

I ntelligent

V ernünftig

E infühlsam

P assioniert

E ntwicklungsorientiert

A ufgeschlossen

C lever

E hrlich

A chtsam

C harmant

H ilfsbereit

A ufmerksam

N achsichtig

C ouragiert

E igenschaften des Friedens

Friede mit sich selbst, Friede mit dem Nächsten, Friede im Land – wollt ihr den Frieden eine Chance geben?

Lilli Seitinger 18.7.2022

 Lilli Seitinger, Sängerin und Pianistin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Lilli Seitinger, Sängerin und Pianistin

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 18.7.2022.

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„Letztlich kommt es darauf an, dass man etwas teilen kann“ Verena Dolovai, Schriftstellerin  _ Bad Hall, Gastatelier der Kunstsammlung OÖ _ 28.7.2022

Liebe Verena, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Die Frage trifft mich in einer Ausnahmesituation an: Ich verbringe den Juli in der wunderschönen Villa Rabl, dem Gastatelier der Kunstsammlung OÖ zum Schreiben und habe einen völlig anderen Tagesablauf als in meinem Alltag in Klosterneuburg. Ich kann mir die Zeit von früh bis spät frei einteilen. Ein Luxus, der mich anfangs auch vor Herausforderungen gestellt hat. Ich bin es nicht gewohnt, ohne Zeitkorsett und in Stille den Tag anzugehen. Zu Hause lebe ich mit 3 halbwüchsigen Kindern, einem Mann, einem Kater. Und dann ist da ja noch mein Job als Juristin bzw Übersetzerin. Das Schreiben nimmt sich dennoch immer einen Platz, es ist sehr durchsetzungsstark.

Verena Dolovai_Schriftstellerin  _
im Schreibatelier Villa Rabl, dem Gastatelier der Kunstsammlung OÖ

Hier in Bad Hall genieße ich, dass ich dem Schreiben den Raum geben kann, den es einfordert.


Ich stehe nicht viel später als daheim auf, dh gegen 6.30. Ich habe mir ein Ritual angewöhnt: Vorhänge aufziehen, Lüften, in den Park hinausschauen, Kaffeemachen.
Meistens starte ich dann gleich am Küchentisch mit dem Schreiben.
Je nach Wetter gehe ich vor- oder nachmittags laufen. Ich brauche sehr viel Bewegung in der Natur und werde schnell kribbelig, wenn ich diese Energie nicht abbauen kann. Ich kann meinem Kopf nur soviel zumuten wie mein Körper auch ausgleichen kann.

Meine Essenszeiten sind flexibel, das mag ich. Manchmal hole ich mir abends etwas von den ausgezeichneten und vielfältigen Lokalen in Bad Hall.
Weil es so warm ist, kann ich bis spätabends draußen sitzen und schreiben. Am besten funktioniert das auf einer Parkbank. Dabei beobachte ich gern meine Umgebung, die Menschen und erfreue mich an ihrer Ausgelassenheit: spielende Kinder, miteinander redende, lachende Leute.

Spätabends ziehe ich die Vorhänge zu und erinnere mich an meinen Opa, der das täglich im Gastzimmer des Gasthofs meiner Großeltern gemacht hat. Allerdings habe ich keinen Stab dafür wie er damals.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Je länger ich allein bin, desto bewusster wird mir, wie sozial wir Menschen sind und wie sehr wir einander brauchen. Rückzug und Freiraum sind wichtig, aber letztlich kommt es darauf an, dass man etwas teilen kann.

Die Krisen, die mediale Welt, die Digitalisierung haben großes Potential, Angst zu machen. Es ist für jedes Alter in unterschiedlicher Weise fordernd, ständig neue Informationen und Daten zu verarbeiten, zu filtern, sich eine Meinung zu bilden. Vieles ist flüchtig, unverbindlich geworden. Ich glaube, dass wir trotz digitaler Vernetzung nie das Menschsein verlieren sollen. Ich meine damit den persönlichen Austausch, auch das einander Berühren. Und vielfach einfach tun statt darüber reden.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Kunst, insbesondere die Literatur, hat für mich seit jeher die Rolle, die Welt zu beschreiben, sie zu zeigen und letztlich, ganz wichtig in meinen Augen, zu unterhalten. Kunst ist die unabdingbare „2. Welt“ ohne die es finster und langweilig wäre.

Literatur bedeutet für mich auch Spiel mit und Freude an der Sprache.

Was liest Du derzeit?

Ich bin mit meiner halben Bibliothek (ua T.C. Boyle, Tove Ditlevsen, Karl Ove Knausgard, Agota Kristof, Zeruya Shalev) angereist und habe alle Bücher schön gestapelt in der Villa, auch um es mir gemütlich zu machen. Ich habe schnell bemerkt, dass ich kaum eine Zeile lesen kann, wenn ich so tief im Schreiben drinnen bin.

Ein Buch, das ich dann doch begonnen habe, ist „Die Wand“ von Marlen Haushofer. Eine Freundin meinte, das sei genau richtig für die Phase der einsamen Schriftstellerei, und ich wollte es immer schon lesen.

Ich finde es fantastisch, weil es zeigt, dass wir doch alle ähnlich ticken: Wir brauchen Ansprache (auch tierische) und eine Aufgabe. Sonst drehen wir durch.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Lose your dreams and you will lose your mind (Rolling Stones)

Verena Dolovai_Schriftstellerin  _
im Schreibatelier Villa Rabl, dem Gastatelier der Kunstsammlung OÖ

Vielen Dank für das Interview liebe Verena, eine schöne Zeit in Bad Hall und viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Verena Dolovai_Schriftstellerin  

Verena Dolovai

Alle Fotos_Verena Dolovai_Schreibatelier Bad Hall/OÖ

22.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wege zu gehen, zu gehen, zu gehn, zu gehn… endlich!“ Isabel Belherdis, Künstlerin _ performing „Undine geht“ _ Klagenfurt 27.7.2022

Isabel Belherdis, Künstlerin _ performing „Undine geht“ _
Erzählung Ingeborg Bachmann (1961)
_

Faltungen auf Fels und Haut, Kanten, Kerben, Risse…gefaltet, um sich wieder zu glätten, verhärtet, um wieder zu fliessen, in den Haaren, im Himmel, in den Himmelhaaren und den Steinfingern, (…)


was für eine Reise durch die Zeit, die in meinem Gesicht Erzählungen entstehen lässt, Notenlinien, Klänge im Gesicht,  vom Aufblühen und Erstarren, vom Halten und vom Lösen, Stehen und Fallen, Schreien und Schweigen.


Alle Alter der Undine, mit allen Wassern gewaschen und dennoch den Wellen ausgesetzt und zerlaufen, zerlaufen in der Zeit, zeitlos, verlaufen um wieder den Weg zu finden, Stützpunkt, Markierung. 

Undine als Justitia, anklagend um Selbstjustiz zu üben: komm, komm nur, meine Hand an Deinem Namen, meine Hand an meinem Halfter, komm, und erfahre Gerechtigkeit, erfahre den Sinn…


der Sinn, lose um die Kehle gelegt rutscht er auch mir über die Schulter, über die Hüften bis ich selbst nackt bin bis auf die Haut, auf die Knochen. Einzeln sollst Du sie zusammenlegen, zu einem Haus sollst Du sie bauen, meinem Haus, einziehen bei mir, die kein Zuhause hat nur Namen, Namen zu gründen, Tafeln zu lesen, Fenster zu öffnen, Wege zu gehen, zu gehen, zu gehn, zu gehn… endlich!

Isabel Belherdis, Künstlerin _ performing „Undine geht“ _ Klagenfurt _
Erzählung Ingeborg Bachmann (1961)
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Station bei Ingeborg Bachmann_

Undine geht _Erzählung _ Ingeborg Bachmann _ 1961_

Isabel Belherdis, Künstlerin _Graz _ performing „Undine geht“

http://www.belherdis.com/

https://www.facebook.com/IsabelBelherdis/

Text/Performance_Isabel Belherdis

Konzept/Regie_Walter Pobaschnig

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_2022

Walter Pobaschnig 7_22

https://literaturoutdoors.com