„Literatur und Kunst kommt jetzt die Rolle zu, in Bewegung zu bleiben“ Rhonda Lamberty, Schriftstellerin _ Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen/Stm. 31.7.2022

Liebe Rhonda, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Also, ich stehe um 10 Uhr auf.

Am Vormittag bin ich meistens mit Kommunikation, Planung für künstlerische Projekte oder Korrespondenz beschäftigt. Die Nachmittage verbringe ich im Garten oder im Wald. Heute habe ich ein Wildkräuter-Pesto zubereitet und Schafgarbe für eine Tinktur gesammelt sowie bereits getrocknete Heilkräuter für eine Teemischung zusammengestellt. Das sind die Dinge, die mich erden. Danach war ich im See schwimmen und mich sonnen. An Regentagen schaue ich stattdessen ins Grüne oder erledige private Dinge.

Mit meiner eigentlichen Arbeit beginne ich erst um 18 Uhr. Ich bin am Abend kreativ, konzentriert und auch am produktivsten.  Das war immer so. Ich mag die Geräusche der Nacht, das Zirpen der Grillen und die umherschwirrenden Nachtfalter im Schreibatelier. Ich arbeite derzeit an zwei verschiedenen Manuskripten, lese nebenbei in Texte von KollegInnen hinein, schau mir gerne eine Literaturverfilmung an und analysiere das Treatment. Meistens arbeite ich bis 2 Uhr morgens.

Da ich meine Sportroutine am Tag häufig nicht unterbringe, kommt es oft vor, dass ich das um Mitternacht nachhole und auf dem Hometrainer radelnd Musik höre. Danach schreibe ich noch ein Stündchen weiter.

Rhonda Lamberty, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wasser ist für uns alle besonders wichtig, denn im Wesen und Kreislauf des Wassers sind viele Antworten verborgen, nach denen wir suchen. Wasser lehrt uns auch, die eigenen Quellen besser kennenzulernen. Das hilft, denke ich, allen.

Rhona Lamberty _ Schreibatelier _
Blick aus dem Fenster_ Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen/Stm
_ folgende

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Diesen Prozess habe ich schon hinter mir. Sich mit der Natur und den Tieren zu verbinden erscheint mir wichtig.

Literatur und der Kunst an sich kommt jetzt die Rolle zu, in Bewegung zu bleiben, um nicht zu erstarren, weil vieles in der Realität von Problemen geprägt ist und hoffnungslos, lähmend wirkt. Für mich bedeutet das in Dialog mit KünstlerInnen anderer Sparten zu treten und zu interagieren wie in einem Tanz. Ich bin gespannt, wie sich die gemeinsamen Projekte entwickeln werden.


Der Schönheit und Sinnlichkeit treu zu bleiben, ist mir als Schriftstellerin besonders wichtig. Das fehlt der Politik, der Justiz, der Wirtschaft, sogar der Wissenschaft und der Religion im Kern und in ihrer Wesensart. Deshalb brauchen die Kunst alle.

Was liest Du derzeit?

Ich habe soeben das Buch „love in the big city“ von Sang Young Park, einem Shooting-Star der südkoreanischen Literatur, beendet.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich würde mich gerne ans Ufer setzen und mich umsehen“, sagte Nadja, „wie klar das Wasser ist. Wie unendlich es fließt. Wie die Kieselsteine sich bewegen darin. Und die Pflanzen sich gegen den Strom stellen, um nicht mitgerissen zu werden.“

„Wollen Sie mitgerissen werden?“.

„Nein, auf keinen Fall. Ich will flussaufwärts gehen.“

aus meinem Roman: hydros

Vielen Dank für das Interview liebe Rhonda, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Rhonda Lamberty, Schriftstellerin

Fotos: Portrait_Arnold Pöschl; Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen/Stm _Rhonda Lamberty.

17.7.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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