„Unglaubliche Inspiration“ Nora Krehan, Schauspielerin _ 40.Todesjahr Romy Schneider _ Wien 17.9.2022

Nora Krehan, Schauspielerin _ Wien
_ acting Romy Schneider
, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris)

Liebe Nora, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Ich habe mir vor allem früher sehr gerne Bilder von ihr angesehen und beim Betrachten ihrer Bilder hatte ich immer das Gefühl, auch zu meiner eigenen Seele Zugang zu finden.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

Ich kenne die Filme zu wenig. Habe als Kind die Sissi-Filme bewundert und sie gemeinsam mit meiner Oma angesehen. Die Sehnsucht, die dadurch in uns beiden ausgelöst wurde, hat uns in diesen Momenten sehr verbunden.

Gab es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Schauspielprojekten?

Ich glaube, dass ich ein etwas ähnlicher Frauentyp bin und dadurch auch für ähnliche Rollen in Frage komme. Und natürlich verbindet uns auch Wien und die immerwährende Liebessehnsucht.

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Leben und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?

Romy Schneider war von Anfang an berühmt, da war das Spannungsverhätnis ein anderes als bei vielen Schauspielern, die das Leben dafür geben würden und geben, um überhaupt diesen Beruf ausüben zu dürfen. Das bedeutet oft viel Verzicht, abgelehnt werden und Schmerz. Romy musste um den Beruf an sich nicht so kämpfen, da war es eher das Leben, das ihr innere Herausforderungen und Schmerzen zugefügt hat. Und das wiederum hatte bestimmt auch Auswirkungen auf ihr Schauspiel.

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?

Ich war früher sehr frei, überall hinzureisen, wo mir eine Rolle angeboten wurde und habe das auch getan. Momentan sind meine Freiheiten diesbezüglich sehr eingeschränkt durch meine Kinder. Die letzten Jahre habe ich kaum gespielt, dafür aber einen wundervollen neuen Beruf erlernt, der mir mindestens ebenso viel Freude bereitet und den vielleicht jeder Schauspieler zumindest im Ansatz erlernen sollte: Shiatsu. Vielleicht werde ich Shiatsu demnächst an Schauspielschulen unterrichten.

Was kann eine Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

Unglaubliche Inspiration und ein Seelenstrahlen, das nicht anders kann als tief zu berühren.

Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?

Diese Melange aus tiefer Sehnsucht und süßester Süße

Was bedeutet Dir Wien/Österreich und welche Erfahrungen hast Du hier im Schauspielberuf gemacht?

Da müsste ich zu sehr in der Vergangenheit wühlen. Es würde mich mehr interessieren, welche Erfahrungen ich hier noch in Zukunft machen könnte.

Wie siehst Du die Möglichkeiten als Schauspielerin in Wien/Österreich?

Gute Möglichkeiten für den Start und irgendwie geht immer irgendetwas, aber richtig berühmt werden hier nur die wenigsten.

Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?

Mit großer Freude und Leichtigkeit spielen zu dürfen ohne zuvor jemals wieder vorsprechen zu müssen.

Was sind Deine kommenden Projekte?

Eine Frauenwoche mit Yoga und Shiatsu und weiterer Aufbau meiner Shiatsupraxis

Was möchtest Du Schauspielstudenten*innen mitgeben?

Es ist wichtig, viele Lebenserfahrungen zu machen. Alles fließt ins Schauspiel ein und verleiht ihm mehr Tiefe. Körperarbeit ist auch gut und wichtig. Aber das Schauspiel soll nie der einzige Lebensinhalt sein. Und auch nicht das einzige Ziel. Sonst wird es hohl und leer. Glaube an dich und folge deiner Freude!

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Ich würde ihr gerne Shiatsu geben 🙂

Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?

Bestimmt war der Tod ihres Sohnes sehr, sehr schmerzhaft.  Seit ich selbst Mutter bin, kann ich ahnen, welche Verzweiflung und Leere das in ihr ausgelöst haben muss. Ihr großer Ruhm und die damit verbundene Angst vor dem Fall hat vielleicht auch dazu beigetragen.

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?

Ruhm

Ohnmacht

Mut

Yachtenmuse

Nora Krehan, Schauspielerin _ Wien
_ acting Romy Schneider
, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris)

Nora Krehan, Schauspielerin _ Wien_ acting Romy Schneider

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) 

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_8.2022

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Walter Pobaschnig 9_22

„zu überleben“ Cassandra Rühmling, Regisseurin _ Salzburg 16.9.2022

Liebe Cassandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Momentan habe ich einen fast 14-Stunden Arbeitstag, weil ich ein Gastspiel meiner Salzburger Inszenierung von Thomas Bernhards „Der Ignorant & der Wahnsinnige“ in meiner Heimat Schwerin vorbereite. Bis zum Tag der Aufführung muss noch viel getan werden und meine nächsten Produktionen in Salzburg, Budapest und Deutschland stehen schon in den Startlöchern.

Cassandra Rühmling
Regisseurin, Schauspielerin, Sängerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wohl keiner von uns hat damit gerechnet, noch in unserer Lebenszeit vor gleich vier Weltkatastrophen zu stehen: Klimawandel, Krieg, Corona, Energiekrise. Besonders wichtig ist… es zu überleben.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Gerade jetzt wird Kunst besonders wichtig, die zum Denken anregt, Lösungen aufzeigt oder auch einfach nur zu entspannen hilft.

„Man kann mit Kunst über die Zeit ohne Brot kommen, aber niemals mit Brot über die Zeit ohne Kunst.“

Was liest Du derzeit?

Erich Fromm – Kunst des Liebens

Marc Aurel – Selbstbetrachtungen

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Du musst Chaos in dir tragen, um einen tanzenden Stern zu gebären.“ Friedrich Nietzsche

Vielen Dank für das Interview liebe Cassandra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-. Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Cassandra Rühmling, Regisseurin, Schauspielerin, Sängerin

Foto_privat

6.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ganz“ Thomas Fitzner, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Costitx, Mallorca/ESP 16.9.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Ganz

Im

Vertrauen:

Es

Panzert

Erstrangig

Aufgrund

Cholerischer

Entmenschlichung

Andere

Charakterliche

Handlungsmotive

Argumentieren

Nur

Chronische

Empathie-Akrobaten


Thomas Fitzner, 31.8.2022

Thomas Fitzner, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Thomas Fitzner, Schriftsteller

https://thomasfitzner.com/

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 31.8.2022.

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„Get led to your cushioned seat“ Philipp Hager, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Lunz am See/NÖ 15.9.2022

GIVE PEACE A CHANCE

G            Get led to your cushioned seat

I              in the nightmare of

V            victory.

E             Bodies explode like

P            pineapples, dropped from an

E             eleven-story building.

A            All is well, there is no

C            cruelty involved,

E             everything is handled with precision

A            and care. The

C            cancerous, feverish, rabid

H            horrors

A            are well hidden beneath well-ordered

N            nouns andverbs.

C            Confusion being the last

E             escape to truth.

Philipp Hager _ 31.8.2022

Philipp Hager, Schriftsteller 

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Philipp Hager, Schriftsteller 

https://www.philipp-hager.com/

Fotos_privat

Walter Pobaschnig _ 31.8.2022.

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„United States of Absurdia“ Thomas Antonic. Ritter Verlag.

Thomas Antonic, in Österreich geborener und in Wien und Kalifornien lebender Schriftsteller, Regisseur, Musiker, Multimedia-Performer, Literaturwissenschaftler lädt mit „United States of Absurdia“ zu einer faszinierenden Reise in Wort und Bild ein, in der Begegnungen, Erfahrungen, Entdeckungen eines Landes in Gegenwart und Vergangenheit im Mittelpunkt stehen.

Thomas Antonic, Schriftsteller, Regisseur, Musiker,
Multimedia-Performer, Literaturwissenschaftler _ im Hotel König von Ungarn/Wien, in dem auch William S.Burroughs in den 1930er Jahren zu Gast war

Dem mit den USA in vielfältigen Literatur-, Film- und Kunstprojekten bestens vertrautem Autor („One More Step West Is the Sea“ Thomas Antonic, Dokumentarfilm über die Beat Dichterin Ruth Weiss, AT 2021) gelingt eine mitreißende poetische Vision in bester Beat-Tradition, die von der Neugierde über das Leben ausgeht und sich auf das Abenteuer Amerika in Weite, Erfahrung und Begegnung, das sich nur on the road öffnet, einlässt.

Auf dieser Reise, die begleitet von vielfältigen Gesprächen, Erfahrungen, Entdeckungen wie literarischen Treffpunkten/Interviews ist, entfaltet sich die Seele eines Landes, das ständig in Bewegung und nur im Momentum zu sehen, hören und zu spüren ist. Dieses Erleben, Erfahren ist dabei immer auch ein Verschwinden und weist damit auf das Leben selbst hin. Das Bleibende ist dabei das Wort, Bild und die (literarische) Erinnerung. Wie viel, wie spannend, wie impulsgebend, wie nachdenklich und aufregend dies sein kann, beweist jede Seite dieses ganz besonderen Romans.

Die literarische Form der Montage verschiedenster Textsorten, die der Autor meisterhaft einsetzt, verbindet in der Erzählform die großen modernen literarischen Traditionen dieses Landes in Poesie, Prosa, Sprachexperiment wie „visual storytelling“ und kommt so Mensch und Zeit weit über Landesgrenzen hinweg faszinierend in Sinn und Unsinn nahe.

„Ein USA Roman als faszinierendes literarisches Experiment der Zeit“

„United States of Absurdia“ Thomas Antonic. Ritter Verlag. 2022

Walter Pobaschnig 9_22

Fotos Portrait_Walter Pobaschnig _Hotel König von Ungarn _ 6_2021

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„Literatur lässt über sich selbst hinausschauen“ Thea Mengeler, Schriftstellerin _ Krefeld/D 15.9.2022

Liebe Thea, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Thea Mengeler, Schriftstellerin

Aktuell bin ich für ein paar Tage auf Schreiburlaub in Frankreich. Meistens stehe ich gegen 8 auf, frühstücke, koche Kaffee und versuche dann, 2-3 Stunden an meinem Roman zu arbeiten.

Danach spaziere ich mit einem Freund und Kollegen ans Meer, gehen schwimmen oder in ein Café, wo wir über unsere Schreibprojekte sprechen oder noch etwas arbeiten.

Gegen Spätnachmittag spazieren wir wieder hoch auf den Berg, kaufen unterwegs Baguette, kochen etwas, trinken vielleicht noch einen Cidre oder Wein.
Danach bin ich meist so erledigt, dass ich mich hinlege und nur noch etwas auf dem Laptop schaue vor dem Schlafen.

Dieser sehr ruhige Tagesablauf tut gerade besonders gut, weil ich die letzten Wochen viel unterwegs war für Lesungen oder um Freunde zu besuchen. Auch in meinem Brotjob als Werbetexterin habe ich wieder einige Wochen gearbeitet. Jetzt finde ich langsam wieder in einen Schreibrhythmus und in mein Projekt zurück.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich tue mich sehr schwer damit, allgemein gültige Aussagen zu machen – auch deshalb, weil Lebenssituationen so unterschiedlich sind. Ich weiß nicht, wer »wir alle« überhaupt sein sollen.

Wenn ich aber eines grundsätzlich für wichtig halte, dann vielleicht genau eine solche Unentschiedenheit. Eine Meinung zu haben ist wichtig, aber für ebenso wichtig halte ich es, dieser Meinung zu misstrauen, sie zu hinterfragen, unsicher zu bleiben.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, dass es so wenig wie es »die Literatur« oder »die Kunst« gibt, »die Rolle« gibt, die zu erfüllen wäre. Kunst kann sich natürlich mit aktuellen gesellschaftlichen Umbrüchen auseinandersetzen, aber sie muss es nicht.

Was die Literatur aber so gut wie immer tut ist: Uns Einblick in Welten geben, die uns fremd sind. Ich glaube das ist etwas, was zu jeder Zeit und in jeder gesellschaftlichen Situation wichtig ist: Über sich selbst hinauszuschauen und die eigenen Denkmuster zu verlassen.

Was liest Du derzeit?

Gerade lese ich gleich zwei Bücher von wunderbaren Menschen und Autor:innen, die ich sowohl persönlich, als auch literarisch sehr schätze: »Schwerer als das Licht« von Tanja Raich; und »So long, Annemarie« von Andreas Unterweger.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

»Had I been blessed with even limited access to my own mind there would have been no reason to write. I write entirely to find out what Im thinking, what Im looking at, what I see and what it means. [] What is going on in these pictures in my mind?«, schreibt Joan Didion in »Let my tell you what I mean«

Ich finde mich und mein Schreiben darin sehr wieder und ich kehre zu diesem Satz manchmal zurück, wenn ich das Gefühl habe, beim Schreiben nicht zu wissen, was ich tue. Um mich selbst daran zu erinnern, dass das Schreiben für mich vor allem das ist: eine Suche.

Thea Mengeler, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Thea, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Thea Mengeler, Schriftstellerin

Fotos_Portrait Batuhan Aydin; Frankreich _ privat.

13.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Dass wir uns nicht in einen Kulturkampf ziehen lassen“ Frank Rudkoffsky, Schriftsteller _ Stuttgart 14.9.2022

Lieber Frank, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Momentan nicht allzu glamourös: Wie viele anderen Autor*innen auch habe ich einen Brotjob, dem ich mich meistens am Vormittag widme. Derzeit mache ich die Öffentlichkeitsarbeit für die kleine, sympathische Fraktionsgemeinschaft PULS im Stuttgarter Rathaus und bin nebenher als Freier Journalist tätig – und das mache ich beides ziemlich gern. Aber im Mittelpunkt der nächsten Monate steht für mich natürlich besonders die Veröffentlichung meines dritten Romans „Mittnachtstraße“ (Voland & Quist). Gerade bereite ich die kommenden Lesungen aus dem Buch vor und habe auch schon die ersten Interviews gegeben – es stehen also zumindest ein bisschen glamourösere Zeiten an.

Frank Rudkoffsky, Schriftsteller 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Nerven bewahren. Aufeinander zugehen. Zuhören. Und nicht zuletzt: Die Angriffe derer, die den demokratischen Diskurs längst verlassen haben oder auf dem besten Wege nach draußen sind, einfach ins Leere laufen lassen. Alles andere gibt ihnen mehr Raum, als ihnen in unserer Gesellschaft eigentlich zusteht.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es fällt den Menschen in unserer Gesellschaft immer schwerer, Ambivalenzen auszuhalten – weder mit Blick auf andere noch auf sich selbst. So wichtig Haltung und berechtigter Widerspruch auch sind: Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht in einen Kulturkampf mit zwei einander unversöhnlich gegenüberstehenden Seiten ziehen lassen, wie er etwa in den USA längst herrscht. Und da sehe ich auch die Literatur, die Kunst in der Pflicht: Empathie lernen wir nur, wenn wir versuchen, andere zu verstehen – und zugleich wagen, uns auch unseren eigenen Widersprüchen zu stellen.

Was liest Du derzeit?

Aktuell lese ich „Die Anomalie“ von Hervé Le Tellier, davor war’s „Die Diplomatin“ von Lucie Fricke. Beides wirklich herausragend gute Bücher. Mein Lieblingsbuch in diesem Jahr war bislang allerdings „Erschütterung“ von Percival Everett – ein Meisterwerk.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

In meinem neuen Roman „Mittnachtstraße“ geht es unter anderem um Väter und Söhne und darum, wie schwer es ist, (falsche) Prägungen zu überwinden – und in der heutigen Zeit immer das richtige zu tun. Die Hauptfigur Malte hielt sich stets für einen guten Menschen, einen besseren als seinen cholerischen Vater, den er schon vor Jahren aus seinem Leben verbannt hat. Als dieser plötzlich wieder sein Leben tritt und als Demenzkranker auf seine Hilfe angewiesen ist, setzt das eine Kettenreaktion in Gang, die Malte all seine eigenen Widersprüche vor Augen führt. Wenn er permanent von schlechtem Gewissen und Scham geplagt wird: Ist er dann wirklich so ein guter Mensch, wie er immer dachte – oder ist er bloß ein Heuchler, der sich nach Anerkennung sehnt?

Wie aufrichtig unsere Überzeugungen eigentlich sind, das ist eine Frage, die wir uns alle ab und an stellen sollten – und die gleich bei der ersten Begegnung beider Figuren im Roman auf den Punkt gebracht wird. Als Maltes Vater in erkennbar schlechtem Zustand wieder auftaucht, heißt es:

Trotzdem beteuerte er, als er nach fast zwei Jahren Funkstille unerwartet in Maltes Einfahrt auftauchte, süffisant: »Wie soll’s mir schon gehen? Du weißt doch: Schlechten Menschen geht’s immer gut.«

»Gilt das auch umgekehrt?«, erwiderte Malte gereizt, und damit war fürs Erste alles gesagt.

Frank Rudkoffsky, Schriftsteller 

Vielen Dank für das Interview lieber Frank, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Frank Rudkoffsky, Schriftsteller 

https://rudkoffsky.com/

Foto_Ronny Schönebaum

9.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„EKG unter Aufsicht der Sterne“ Gabriel Wolkenfeld, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Gelsenkirchen/D 14.9.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Gemeinheiten in Geheimschrift

Inkontinenz des Herzens

Väter, verschüttet, Mütter sanft gebettet am

Ende der Enden

Prophet des leisen Wortes  

Echo, pendelnd zwischen den Tauben, geschluckt von den Stummen

Asche auf Asche

Callboy ohne Talent für die Liebe

Eingetütete Ware, aufs Gramm abgewogen, in

Alarmbereitschaft: Hundertschaft der Verschwörungstheoretiker

Cherub, frisch in die Psychiatrie eingewiesen, auch er: Waise der

Hässlichen Jahreszeit Krieg

Am Zweifel verschluckt, hassgemästet

Nicht Nacht soll sich einnisten

Chirurgischer Eingriff am offenen Verstand  

EKG unter Aufsicht der Sterne


Gabriel Wolkenfeld, 31.8.2022

Gabriel Wolkenfeld, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Gabriel Wolkenfeld, Schriftsteller

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 31.8.2022.

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„Caute“ Lisei Haardt-Spaeth, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Ferrara/I 13.9.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Caute

Grauen Immer, bei dem Gedanken an Bombenhagel, überall, Menschenschreie, Blut, Schutt, Gänsehaut. Verrückung. Existenzen zerstört. Zerstörte Zukunft. Kriegsmusik.


Profit. Das ist die andere Seite. Gewinne. Wahnsinn. Existenzzerstörung. Grauen. Traumata der Vielen. Das Ergebnis. Auf der anderen Seite. Das ist denen egal. Profit. Caute, Spinzozas Motto. Empathie?

Auf dass die Machtgier und die Profitgier die ganze Welt untergehen lässt.


Caute Holt die Verrückten da weg. Wir haben nur eine Erde. Apokalypse? Oder Rom geht unter? Nein. Nie wieder Krieg! Die Utopie. Schön wärs. Ich hab geträumt, … Caute, Platon wurde als Sklave verkauft. Ende, … oder nicht?


Lisei Haardt-Spaeth, 31.8.2022

Lisei Haardt-Spaeth, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Lisei Haardt-Spaeth, Schriftstellerin

Alle Fotos_privat/Ferrara/I.

Walter Pobaschnig _ 31.8.2022.

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„Auf dass wir teilen unsere Schmerzen“ Helmut Steiner, Schriftsteller _ Thürnthal/NÖ 13.9.2022

Lieber Helmut, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin Abendmensch, schlafe lange und bin erst nach einem doppelten Espresso ansprechbar. Dann widme ich mich meiner Post und helfe meinem Sohn bei der Bewältigung regulatorischer Hürden in seiner Firma. Nach dem Mittagessen – es gibt jetzt viel Gemüse aus dem Garten – erstelle oder korrigiere ich technische Dokumentationen. Am Abend plaudern meine Frau und ich gerne mit Freundinnen und Bekannten beim Heurigen. In den Sommermonaten arbeite ich erst spät abends an meinen aktuellen literarischen Werken und Ideen.

Helmut Steiner, Schriftsteller  

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden, das Notwendige vom Unnötigen zu trennen, ungeachtet kurzsichtiger Politik und vermeintlicher Erfordernisse einer global agierenden Wirtschaft, wird uns helfen zu leben und zu überleben im Einklang mit der Natur und mit uns selbst. Ein Blick aus dem Fenster auf die Straßen und Gassen, in die nächste Fabrikhalle und auf die Äcker zeigt uns, was falsch läuft. Wir müssen wieder kleinere Strukturen schaffen und zusammenrücken.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ob es ein Aufbruch ist, der uns bevorsteht? Mit Pandemie, Krieg, Inflation, Energieknappheit und dem Geschrei nach Waffen erleben wir hautnah, wie leicht und wie rasch eine heile Welt aus den Fugen geraten kann. Für mich ist es das Mantische, das Seherische der Kunst, das aufzeigt und wachrüttelt. Vielleicht kann es uns dadurch vor Unheil bewahren.

Was liest Du derzeit?

Ian Mortimer, Zeiten der Erkenntnis

            (Wie uns die großen historischen Veränderungen bis heute prägen)

John Freely, Platon in Bagdad

            (Wie das Wissen der Antike zurück nach Europa kam)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein wenig Hoffnung (aus dem Gedichtband „Zwischen den Zeilen“):

Langsam, langsam

Langsam, still, klammheimlich

kehrt das Glück zurück

in unsere Kammern,

in unsere Herzen.

Auf dass wir teilen unsere Schmerzen,

um halb zu haben,

was Leid und Weh uns zugefügt im Lauf der Jahre.

Tragen wird uns Liebe,

betten die Hoffnung.

Vielen Dank für das Interview lieber Helmut, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Helmut Steiner, Schriftsteller

Helmut Steiner, 1956 in Krems an der Donau in Niederösterreich geboren, wuchs in einer Arbeitersiedlung am Stadtrand von Krems auf. Er studierte in Wien und verbrachte danach mehrere Jahre in Deutschland. Er lebt und arbeitet in Thürnthal (NÖ). In jungen Jahren als Musiker und Komponist aktiv, hat er über das Schreiben einen neuen Zugang zu kreativem Schaffen gefunden und bedient mit Lyrik, Kurzgeschichten und Romanen ein breites Spektrum der Literatur.

Auswahl Veröffentlichungen:

Ein Schneckenmärchen, 2021 Verlag BoD – Books on Demand, Norderstedt _ ISBN 978-3-7534-1649-6

Klagelieder, 2021 Herausgeber literatur thürnthal, Verlag BoD, Norderstedt, ISBN 978-3-7557-1199-5

Novemberwind, Lyrik, 2014 Verlag Berger Horn/Wien ISBN 978.3-85028-671-8

Foto_privat

13.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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