„Auf dass wir teilen unsere Schmerzen“ Helmut Steiner, Schriftsteller _ Thürnthal/NÖ 13.9.2022

Lieber Helmut, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin Abendmensch, schlafe lange und bin erst nach einem doppelten Espresso ansprechbar. Dann widme ich mich meiner Post und helfe meinem Sohn bei der Bewältigung regulatorischer Hürden in seiner Firma. Nach dem Mittagessen – es gibt jetzt viel Gemüse aus dem Garten – erstelle oder korrigiere ich technische Dokumentationen. Am Abend plaudern meine Frau und ich gerne mit Freundinnen und Bekannten beim Heurigen. In den Sommermonaten arbeite ich erst spät abends an meinen aktuellen literarischen Werken und Ideen.

Helmut Steiner, Schriftsteller  

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden, das Notwendige vom Unnötigen zu trennen, ungeachtet kurzsichtiger Politik und vermeintlicher Erfordernisse einer global agierenden Wirtschaft, wird uns helfen zu leben und zu überleben im Einklang mit der Natur und mit uns selbst. Ein Blick aus dem Fenster auf die Straßen und Gassen, in die nächste Fabrikhalle und auf die Äcker zeigt uns, was falsch läuft. Wir müssen wieder kleinere Strukturen schaffen und zusammenrücken.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ob es ein Aufbruch ist, der uns bevorsteht? Mit Pandemie, Krieg, Inflation, Energieknappheit und dem Geschrei nach Waffen erleben wir hautnah, wie leicht und wie rasch eine heile Welt aus den Fugen geraten kann. Für mich ist es das Mantische, das Seherische der Kunst, das aufzeigt und wachrüttelt. Vielleicht kann es uns dadurch vor Unheil bewahren.

Was liest Du derzeit?

Ian Mortimer, Zeiten der Erkenntnis

            (Wie uns die großen historischen Veränderungen bis heute prägen)

John Freely, Platon in Bagdad

            (Wie das Wissen der Antike zurück nach Europa kam)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein wenig Hoffnung (aus dem Gedichtband „Zwischen den Zeilen“):

Langsam, langsam

Langsam, still, klammheimlich

kehrt das Glück zurück

in unsere Kammern,

in unsere Herzen.

Auf dass wir teilen unsere Schmerzen,

um halb zu haben,

was Leid und Weh uns zugefügt im Lauf der Jahre.

Tragen wird uns Liebe,

betten die Hoffnung.

Vielen Dank für das Interview lieber Helmut, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Helmut Steiner, Schriftsteller

Helmut Steiner, 1956 in Krems an der Donau in Niederösterreich geboren, wuchs in einer Arbeitersiedlung am Stadtrand von Krems auf. Er studierte in Wien und verbrachte danach mehrere Jahre in Deutschland. Er lebt und arbeitet in Thürnthal (NÖ). In jungen Jahren als Musiker und Komponist aktiv, hat er über das Schreiben einen neuen Zugang zu kreativem Schaffen gefunden und bedient mit Lyrik, Kurzgeschichten und Romanen ein breites Spektrum der Literatur.

Auswahl Veröffentlichungen:

Ein Schneckenmärchen, 2021 Verlag BoD – Books on Demand, Norderstedt _ ISBN 978-3-7534-1649-6

Klagelieder, 2021 Herausgeber literatur thürnthal, Verlag BoD, Norderstedt, ISBN 978-3-7557-1199-5

Novemberwind, Lyrik, 2014 Verlag Berger Horn/Wien ISBN 978.3-85028-671-8

Foto_privat

13.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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