Liebe Natasa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Lieber Walter, mein Tagesablauf ist ziemlich „sportlich“. Grundsätzlich: aufstehen, Kinder für die Schule vorbereiten, dann schnell ein Kaffee trinken. Danach geht´s auf die Musik Uni zu meinen Studierenden, bis am Nachmittag, manchmal Abend, dann schnell wieder heim und die Kids mit Essen versorgen und etwas Zeit miteinander verbringen. Am Abend dann oft vorkochen, damit die Kinder am nächsten Tag Essen zuhause haben. Am Abend dann, wenn die Kinder schlafen, Mails erledigen und dringendes für die Woche planen. Wochenenden sind eher dazu da, um etwas Erholung zu bekommen, üben, Konzerte vorbereiten. Ich habe generell selten Freie Zeit, aber mein Tag ist von Musik begleitet. Ich höre ganz viel Musik. Das gibt mir viel Kraft.
Nataša Mirković, vocal artist
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wir haben so oft und blitzschnell eine Meinung „über was auch immer“. Das prägt unsere Aktionen im Leben stark. Nun, das ist jetzt leider auch eine Meinung, jedoch mehr ein Glauben für mich: – Für uns ist jetzt besonders wichtig, dass wir für einander offene Ohren haben und dass wir uns lieben. Dass wir einander zuhören und miteinander und füreinander agieren. Es ist wichtig Wege zu finden, wie wir einander unterstützen. Wir können uns alle wunderbar ergänzen und gemeinsam KREIEREN. Die Welt soll ein Joyful Place sein, wo wir mitkreieren (füreinander) beschäftigt sind. Mit Dingen, die uns allen eine großartige und langfristige wunderbare Zukunft ermöglichen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Die Zeit ist gekommen, in der wir uns alle selbst im Spiegel anschauen und fragen müssen: was kann ich heute für mich und meine liebsten Menschen, meine Freunde und meine Nachbarn tun, damit es uns allen besser geht? Die Welt ist keine Mono-Anlage und derzeit gibt es menschliche Exemplare, die fest davon überzeugt sind, dass sie selbst gerne und immer Recht haben. Dieses „Recht-Zu-Haben“ kennen wir schon über Jahrtausende und sind immer noch nicht in der Lage in diesem Thema Evolution erleben zu dürfen.
Musik kann in diesen Zeiten eine wunderbare Rolle spielen. Wir sind alle feine Wesen und Emotionen sind wesentlicher Teil unseres Menschseins. Um aus düsteren Stimmungen (die wir heute täglich auf der Erde empfangen) rauszukommen und ins eigene Herz zu gelangen, brauchen wir Kunst, ganz dringend jetzt. Kurzgesagt: ja, wir brauchen Musik, jetzt ganz dringend, um die Ruhe und die Freude im eigenen Herzen zu finden und somit besser für sich selbst und auch den anderen da zu sein.
Was liest Du derzeit?
Im Moment lese ich Gedichte von Hermen Hesse
Welches Zitat, Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.“
―Teresa von Ávila
Nataša Mirković, vocal artist
Vielen Dank für das Interview liebe Nataša, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Der Stimmen gibt es nicht genug/unser Protest ist nicht laut genug/in einer Welt, die alles vergessen hat:/Empathie, Vernunft, Verständnis.
Nach all den Kriegen/den europäischen, afrikanischen, asiatischen/sind wir immer noch nicht klüger geworden?/Obwohl Millionen gestorben sind/finden wir keine Eintracht.
Absurd, dass wir nicht klüger werden können
Caesar und die anderen Generäle kennen wir/nennen sie Helden/aber die wahren Helden sind nicht die Krieger und die Schlachtenlenker/Wir brauchen die Blüten des Friedens/Europa und die ganze Welt
Da ist die harte Erde, der Wille und 4000m2, die zum neu gekauften Haus in der „Wildnis“ gehören. Jetzt, hier, auf dem Land, weit außerhalb von Berlin. Der Spaten wird nun zum Nachmittagsbegleiter, der einen Gemüsegarten strahlen lassen soll, wenn Freunde ihr neues Reich besuchen. Und mit dieser riesigen Aufgabe ist sie allein. Robert, ihr ehemaliger Freund, wollte nicht mit. Mit allem. Blieb zurück und weg aus ihrem Leben. Das jetzt neu beginnt…
„Sie steht gewissermaßen auf einem Floß, bewaffnet mit rostigen Werkzeugen, die sie im Schuppen gefunden hat, und stemmt sich der Entropie entgegen…“
In all diesem Kampf und Hineinfinden in das eigene Stück Land, das viel zu groß und das Dorf, das viel zu klein ist, kommt die Pandemie, die viel zu ungeheuerlich ist…
Doch Dora geht weiter. Schritt für Schritt. Lernt Tag und Nacht hier auf dem Land, lernt Land und Leute, und sich selbst immer besser kennen…bis hinein in das Unbekannte, Unsagbare…des Menschsein…
Juli Zeh, vielfach ausgezeichnete Bestsellerautorin, legt mit „Über Menschen“ (2021) einen Roman vor, der Mensch und Zeit in ganz außergewöhnlicher Darstellungs- und Erzählkraft auf die „Bühne“ der Gegenwart in allen An- und überforderungen bringt. Zeh versteht es in einmaliger Weise eine Geschichte in vielen Geschichten zu erzählen und Menschen in all ihren Träumen, Ängsten und Abgründen in allen Prozessen von Veränderung, Orientierung und Scheitern zu zeigen. Und dies in einer Lesespannung, die menschliches, gesellschaftliches Leben kristallgleich vielfarben schimmern lässt.
„Ein Roman als weiteres einmaliges literarisches Juwel der unvergleichlichen Juli Zeh“
Lieber René, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Tagsüber wird geschrieben, abends gibt es zum Glück wieder Lesungen.
Rene Freund, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Frieden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Besinnung auf uns selbst als Teil der Natur – die Kunst kann helfen, innere Prozesse auszulösen.
Was liest Du derzeit?
Stefan Kutzenberger: Kilometer Null. Berlin Verlag. Großartig!
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„There never was a good war or a bad peace.” Benjamin Franklin
Vielen Dank für das Interview lieber René, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Djanay, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
It’s very busy at the moment, preparing with my Rubik Quartet for the Haydn Chamber Music Competition and also working as a concertmeister at VBW. Also preparing for the upcoming French CD with Duo “Beauvoir”, a project with my dear friend and pianist Noa Kleisen and trying to finish my music management course.
Djanay Tulenova, Violinistin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Staying sane, thinking critically, be kind and appreciative. I can’t speak for all people but I personally think, today, with the war situation in the world, we should all be aware of the real human values, stay truth to ourselves and be conscious about hypocrisy. It’s a difficult time for all of us, full of cruelty, racism and propaganda. We can stand by only if we will stay truth to our values as humans and always be aware that there are people who needs help and have way worse live situations than us. It is a luxury to indulge in aesthetics such a music and art from a position of comfort and safety. We tend to easily forget how blessed we are, having a roof, food, friends, work and music in our lives, whereas a lot of people live in a harsh reality where music and art are only brief escapes instead of luxury to be enjoyed. And read, read and read, to educate ourselves and have sources to build our own opinion and judgment.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
The tumultuous time of pandemic should make musicians feel both modest and proud. Firstly modest, because during times of crisis it is the nurses, the scientists, the suppliers of food and necessities that have proven to be essential to all of us. However, we as musicians can be proud that within a society that has secured our survival and our basic needs, we add beauty and meaning to our existence.
Was liest Du derzeit?
Simone de Beauvoir “Second Sex”
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Don’t get bitter – get better!
Djanay Tulenova, Violinistin
Vielen Dank für das Interview liebe Djanay, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Djanay Tulenova, Violinistin
Fotos_Andrej Grilc
16.10.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Da ist die Burg, thronend und herrschend. Und rundherum die Hütten und das Leben darin, das von Arbeit und Unfreiheit bestimmt ist. Die riesigen Wälder und Wiesen sind tägliche Orte der Herausforderung und Plage. Es ist gefährlich und jeder Moment könnte das Ende sein…
Brodric und sein Vate wissen das und müssen sich diesen Gefahren stellen. Doch heute geschieht ein Unglück, das für Brodric alles verändern wird. Er ist vierzehn Jahre alt und sehnt sich nach Freiheit, einem neuen Leben…
Und da ist Adela von Waringham, die als Hofdame am Königshof in London ist und deren Leben, Liebe bestimmt wird…
Doch die Welt ist in Bewegung…hier und dort…die Mauern bröckeln…und jetzt berühren sich die Welten von Brodric und Adela und eine neue Zeit beginnt…
Die gefeierte Bestsellerautorin Rebecca Gable legt mit „Drachenbanner“ einen weiteren Roman der legendären mitreißenden „Waringham-Saga“ vor. Wie Gable es schafft Charaktere in mittelalterlicher Welt lebendig werden, ist einzigartig. Diese Erzählkraft begeistert auch im vorliegenden siebten Waringham-Roman.
„Die Königin des historischen Romans regiert wieder – god save the Queen!“
Lieber Mathias, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich arbeite gemischtkalkuliert – in einer Teilzeitanstellung als Verlagslektor einerseits, als freier Autor andererseits – und habe jetzt eine sehr lange Phase ausschließlich im Home-Office hinter mir. Nun aber wird mich mein Weg für drei Tage die Woche wieder ins Verlagsbüro führen. Das ist auch deswegen nicht ganz schlecht, da ich mit dem Fahrrad fahre – die Bewegung hat mir doch spürbar gefehlt …
Mathias Jeschke, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Gesprächsoffen bleiben. Weitherzig, nicht hartherzig sein. Viel Geduld haben miteinander, doch auch – wo nötig – klare Grenzen setzen. Nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, dennoch differenziert und konkret kommunizieren. Für mich persönlich ist die Trias aus Glaube, Liebe und Hoffnung eine gute, zukunftsweisende Lebensgrundlage, auch für das Miteinander in allen sozialen Zusammenhängen, in denen ich mich bewege.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Wie immer und zu jeder Zeit – und welche Zeit wäre nicht in irgendeiner Weise exzeptionell – ist die Aufgabe der Kunst, auch der Literatur, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten und sollte es nur dazu dienen, um festzustellen, ob überhaupt noch ein Lebenshauch in ihr ist. Die Kunst tut der Gesellschaft einen großen Gefallen, indem sie sie mit den ihr eigenen so besonderen, weil ungewöhnlichen Mitteln immer wieder beharrlich vor den Kopf stößt und sie damit aus dem Schlaf reißt, in den sie so gerne leichtfertig verfällt. Ästhetischer Kunstgenuss ist nicht möglich ohne das Element der Irritation, ohne, dass Menschen um wenigstens ein paar Neuronen-Mikrometer aus der Bahn ihrer alltäglichen Gewohnheiten geworfen werden und begreifen, dass sie umdenken müssen, wenn Frieden und Gerechtigkeit ihnen wirklich etwas bedeuten.
Was liest Du derzeit?
Mario Schlembach, „Heute graben“. Kremayr & Scheriau, Wien 2022
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Dann stieg A. in den Zug und es war mir sofort klar, dass es nur einen einzigen Zweck für Worte gab: sie! Meine Welt lag jetzt in ihren Augen.“ (Schlembach, S. 8)
Vielen Dank für das Interview lieber Mathias, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
In den letzten Monaten habe ich einige Male angesetzt, um ein Akrostichon zu verfassen, das die Anfangsbuchstaben des bekannten Satzes GIVE PEACE A CHANCE bildet. Leider führten meine Versuche bisher zu keinem Ergebnis, das aus meiner Sicht dem Thema auch nur annähernd gerecht geworden wäre.
Stattdessen entschloss ich mich, eine spezielle Doppelseite meiner Kladde einzucscannen, auf der ich zu Beginn des Ukrainekrieges auf die Ereignisse am Bildschirm reagiert habe. Dazu folgende Erklärung:
Am 24. Februar 2022 vormittags ging ich auf dringendes Anraten meiner Hausärztin, die ich am Nachmittag zuvor aufgesucht hatte, in die Notaufnahme einer Klinik im Münchner Stadtteil Pasing, weil ein 24-Stunden-EKG eine kritische Auffälligkeit zeigte, die es abzuklären galt. Ich blieb nur bis zum darauffolgenden Abend, da sich bald herausstellte, dass der besagte Bereich im Ausdruck des EKG ein “Artefakt” war, also ein Messfehler.
Schon bevor ich nach Pasing aufbrach, las ich kurz die Meldung, dass der russische Einmarsch in die Ukraine tatsächlich stattgefunden habe und war sehr durcheinander. Wiederholt musste ich im Wartebereich der Notaufnahme Platz nehmen, da für mich im Haus zunächst kein Bett zur Verfügung stand. So verfolgte ich nolens volens auf dem Bildschirm den News Ticker von ntv. Später auf dem Zimmer vervollständigte ich, auch im heftigen Gespräch mit meinem Zimmerkollegen, meine Aufzeichnungen.
Herauskam ein Fragment zu einem Gedicht, das auch als kleiner Zyklus gelesen werden kann. Der kurze Einstieg vorher ist am Abend vorher entstanden. Ich habe die Texte bisher nicht ausgearbeitet, um seine Unmittelbarkeit nicht zu zerstören. Unleserliche oder fragwürdige Stellen habe ich mit [] und Punkten unterlegt.