Liebe Caroline, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Derzeit tatsächlich wie im Bilderbuch. Ich stehe auf, mache mich fertig, mache Yoga, frühstücke und mache mich an die Arbeit. Abends meist nochmals Sport, Abendessen und ein gemütlicher Abend auf der Couch oder ein spaßiges Abendprogramm oder ein Abend auf der Bühne.
Gelassen zu bleiben, Dinge, die sich nicht ändern lassen versuchen so zu nehmen, wie sie sind und nicht vergessen uns selbst etwas Gutes zu tun.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich denke ein gesunder Optimismus ist sicher hilfreich. Ich denke aus künstlerischer Sicht wird immer mehr möglich und vom Publikum positiv aufgenommen. Ein Aufschwung der Kreativität ist immer toll.
Was liest Du derzeit?
Im Antlitz des Bösen von Christl Lieben
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein Zitat, das mir schon in vielen Lebenssituationen geholfen hat:
Wo ein Tal ist, muss auch ein Berg sein.
Vielen Dank für das Interview liebe Caroline, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Musicalprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Mara Christine Koppitsch, Schauspielerin _ acting Falco _ 65.Geburtstag Falco _Sänger, Musiker _ *19.Februar 1957 Wien +6.Februar 1998 Dominikanische Republik
Liebe Mara, welche Bezugspunkte gibt es von Dir zu Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)?
Die erste „Begegnung“ mit Falco an die ich mich erinnere war 1998 als ich als Kind mit meiner Mutter im Auto gefahren bin und der Radio lief – dann plötzlich die Meldung „Falco ist tot! Autounfall“. Daraufhin wurde das Lied „Out oft the dark“ gespielt. Eine Tragödie für viele Leute, das bemerkte ich schnell. Hier war ein Mensch gestorben, der sehr viele in seinen Bann gezogen hatte. Falco war in den darauffolgenden Jahren für mich immer ein Bestandteil der österreichischen Musikszene gewesen – den kennt ma‘ halt. „Amadeus“, DER Erfolg weltweit – weiß ma‘ halt. Darüber hinaus hat mich seine Musik ehrlich gesagt lange nicht näher interessiert. Erst im Zuge einer Chorperformance in der Schauspielschule zum Thema „Falco“ begann ich intensiver zu recherchieren und war mehr und mehr fasziniert von seiner Wortgewandtheit und seinem ganz eigenen Stil mit der Stimme umzugehen.
Nun ein paar Jahre später an seinem letzten Wohnhaus in Wien angelangt, ist ein weiterer Bezugspunkt geschaffen. Ein wunderschönes Haus und sehr nette, offene Nachbarn, die einiges zu erzählen haben. Hier trifft man auf Hans Hölzel.
Was macht für Dich den Künstler Falco aus?
Seine Texte, seine Stimme, sein Rap, seine ganz eigene Körperlichkeit. Man muss ihn einfach ansehen – er zieht die Blicke auf sich. Zumindest in seinen Musikvideos und aufgenommenen Performances. Live konnte ich ihn leider nie zu Gesicht bekommen.
Gibt es Lieblingssongs Falcos für Dich?
Wiener Blut, Jeanny (1), Vienna Calling
Falco hatte hier seinen letzten Wohnsitz. Welche Eindrücke hast Du von diesem Ort und dessen Umfeld? Ist Dir dieses vertraut?
Die Wohnung hat natürlich eine super Lage, mitten im 7. Bezirk – würde ich auch nehmen😉. Man fühlt sich in diesem Haus sofort wohl, ich mag die Altbauatmosphäre. Außerdem durften wir auf zwei sehr nette Nachbarinnen stoßen, das hat bestimmt zum Wohlfühlen beigetragen. Diese Damen haben Falco „hautnah miterlebt“ und können einiges erzählen. Ich kann mir richtig vorstellen wie Falco in diesem Haus aus- und eingegangen bzw. oftmals vermutlich auch getorkelt ist. Bei dem ganzen Angebot von Lokalen in der unmittelbaren Umgebung, war Falco bestimmt viel unterwegs… Denn selbst gekocht hatte er angeblich selten. Mich würde vor allem einmal sein Musikstudio interessieren, welches er sich in der Wohnung eingerichtet hatte – wie es aussieht und die Akustik. Auf alle Fälle ist es spannend zu wissen, dass auch heute namhafte Künstler in diesem Haus (ja, sogar in seiner Wohnung) leben und somit ein gewisser kreativer Geist weiterexistiert.
Dieser Ort ist geprägt von Falcos größten beruflichen Erfolgen und privatem Glück wie auch den Schattenseiten beider. Wie siehst Du den Künstler und Menschen Falco? Die Kunstfigur Falco und die Person Hans Hölzl unterschieden sich stark voneinander, wie ich es durch diverse Erzählungen heraushören durfte. Falco bekannt als ein arroganter Gockel – selbstverliebt und unverwundbar. Hans Hölzel angeblich sehr ängstlich, perfektionistisch und mit tiefen inneren Abgründen. Er muss unter einem enormen Druck gestanden haben – Erfolg hat seine Schattenseiten. Zusätzlich dürfte seine (verbitterte) Mutter ihm das Leben auf keinen Fall leichter gemacht haben. Es gab also wie es scheint mehrere Abhängigkeiten in Falcos Leben, nicht nur den Alkohol. Wobei Falco hier bestimmt keine Ausnahme war. Geht es doch so vielen von uns ähnlich… Innere und äußere K(r)ämpfe… Wie damit umgehen? Bei Stars wird dies nur sichtbarer.
Träume, Sehnsucht, Erfolg wie Enttäuschung, Angst finden in Kunst wie Leben Falcos eindringlichen, intensiven Ausdruck. Wie gehst Du mit diesen Lebensthemen künstlerisch und persönlich um?
Eine weitreichende Frage…
Träume, sei es bei Tag oder Nacht, können mir helfen Rollen zu entwickeln bzw. können Inputs für einen kreativen Prozess liefern. Bei einigen sogenannten Lebensthemen bin ich noch dabei Strategien zu entwickeln, um einen besseren Umgang zu finden… Angst z.B. ist eine besonders hartnäckige Weggefährtin die so viele Gesichter hat… Manchmal gelingt es mir bereits, dass ich sie für mich persönlich und meine künstlerischen Projekte nutzen kann (- manchmal aber nur manchmal…). Das sind dann besondere Momente und die Motivation etwas Neues anzugehen steigt.
„Oooh (s)he is emotional“!
Was kannst Du als Künstlerin von Falco mitnehmen?
Eine gewisse Selbstironie. Spaß an der Sprache. Mich nicht in einer eigens kreierten Kunstfigur zu verlieren. Meine eigene Körperlichkeit zu finden.
Darf ich Dich abschließend zu einem Akrostichon bitten?
Famous
Amadeus sings
Lovesongs for
Cocaine
Over and over
Vielen Dank, liebe Mara Christine, für Deine Zeit in Wort und Bild bei Falco, viel Freude und Erfolg für alle Projekte!
Mara Christine Koppitsch, Schauspielerin _ acting Falco _ 65.Geburtstag Falco _Sänger, Musiker _ *19.Februar 1957 Wien +6.Februar 1998 Dominikanische Republik
Station bei Falco_
Mara Christine Koppitsch, Schauspielerin_acting Falco_
65.Geburtstag_Falco _ Sänger, Musiker _ *19.Februar 1957 Wien +6.Februar 1998 Dominikanische Republik
Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_11.2022
Lieber Thomas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich probe derzeit in Bremerhaven an der Nordsee meine erste dramatische Baritonrolle, den Kaspar im Freischütz und beschäftige mich deshalb sehr viel damit, was Menschen dazu treibt, böser und böser zu werden, wie dies bei Kaspar der Fall ist, wie die Umwelt mit ihnen und sie mit der Umwelt umgehen. Da entwickeln sich enorm viele Gedanken, die mir tagtäglich durch den Kopf gehen und mich sicher auch noch nach der Premiere am 25.12.2022 nicht so schnell loslassen werden.
Bei all diesen doch sehr düsteren Gedanken ist es ein großes Glück, dass wir hier am Stadttheater Bremerhaven ein sehr positiv denkendes, grandioses Team haben, von den Kollegen über den Regisseur bis zur Dramaturgie sowie dem Orchester und dem Chor sind alle unglaublich engagiert und beschäftigen sich sehr tiefgehend mit ihren Aufgaben. Hier wird es einem Künstler – vielleicht mehr als sonst – ganz leicht gemacht, seinen Beruf zu lieben!
Thomas Weinhappel, Heldenbariton
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich denke, dass es nicht nur jetzt, sondern eigentlich immer besonders wichtig für uns alle ist, für einander da zu sein. Empathie, Rücksicht und etwas weniger Egoismus täten uns ebenfalls gerade jetzt wirklich gut.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Für mich ist Kunst – und da im Speziellen die Oper – nicht irgendwas neben dem eigentlichen Leben, sondern vielmehr wunderbarer Bestandteil unseres Seins, dh. man kann sie nicht abkoppeln, sondern muss sie wieder auf die Füße stellen, klar und energisch – für das Publikum, um es sehr ehrlich zu berühren und Empfindungen zu evozieren.
Gerade in schwierigen Zeiten ist dieses echte Berühren für KünstlerInnen und Publikum ganz besonders wesentlich, weil es von den vielen schwierigen, ungelösten Problemen weg- und zu wunderbaren Erfahrungen hinführt. Und diese Erfahrungen können Impulse dafür geben, Aufbruch und Neubeginn neu zu definieren und besser für uns alle zu gestalten.
Was liest Du derzeit?
Die Welt nach Wagner: Ein deutscher Künstler und sein Einfluss auf die Moderne von Alex Ross, Rowohlt Verlag, 2020
und Viva Verdi: Ein biografischer Opernführer von Georg Titscher, Amathea Verlag, 2012
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen!
Vielen Dank für das Interview lieber Thomas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Lieber Berni, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Momentan ist mein Leben etwas stressig – ich hab während der Pandemie einen Job als Wissenschaftler angenommen und den mache ich aus Freude daran nach wie vor, auch wenn meine Auftritte inzwischen wieder alle stattfinden können. Also üblicherweise stehe ich auf, frühstücke – eine Banane – mache etwas Sport und fahr dann zur Arbeit. Auf dem Weg beantworte ich E-Mails die meine künstlerische Arbeit betreffen und betreue mein Social Media.
Dann arbeite ich sechs Stunden am Institut für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wenn ich damit fertig bin fahre ich entweder nach Hause und versuche dort noch etwas halbwegs Lustiges zu schreiben oder fahre zu einem anstehenden Auftritt. In den letzten Tagen war ich aber krank also hab` ich hauptsächlich geschlafen und Tee getrunken.
Berni Wagner, Kabarettist
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Darauf hab ich jetzt keine allgemein gültige Antwort… aber ich denke es wird wohl zunehmend eine Herausforderung nicht aus Verzweiflung über die Unmenschlichkeit der Menschen unsere Menschlichkeit aufzugeben. Dabei wünsche ich uns allen viel Glück.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Kabarett, der Kunst an sich zu?
Dem Kabarett die Eröffnung neuer Perspektiven und die Versöhnung mit dem Scheitern. Der Kunst die Erhaltung der Uneindeutigkeit des menschlichen Erlebens.
Was liest Du derzeit?
Zum Zeitpunkt des Interviews stehe ich tatsächlich exakt zwischen zwei Büchern, das letzte war Alice in Wonderland von Lewis Carroll, gestern fertig gelesen. Das nächste wird „…trotzdem Ja zum Leben sagen“ von Viktor E. Frankl – beides Bücher die ich schon sehr lange lesen wollte.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
“And the moral of that is—’Oh, ‘tis love, ‘tis love, that makes the world go
round!’”
“Somebody said,” Alice whispered, “that it’s done by everybody minding their
own business!”
“Ah well! It means much the same thing”
Vielen Dank für das Interview lieber Berni, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kabarettprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Berni Wagner, Kabarettist
Zur Person _ Berni Wagner (Jg. 1991) kommt ursprünglich aus Oberösterreich. 2010 nach Wien übersiedelt gewann er mit Auszügen aus seinem ersten Programm “Schwammerl” 2013 den Grazer Kleinkunstvogel (Jury- und Publikumspreis) und steht seither auf Kabarettbühnen in Österreich und Deutschland. Von 2015 bis 2017 war er Ensemblemitglied in der “Langen Nacht des Kabaretts”. Inzwischen ist er auch immer wieder im Fernsehen zu sehen, neben aufgezeichneten Bühnenauftritten bei „Pratersterne“, „Im Vereinsheim“, dem „ORF Sommerkabarett“ oder dem „Kabarettgipfel“ auch im Rateteam der ORF Sendung “Was gibt es Neues?” oder als Außenkorrespondent in “Tagespresse aktuell”. Außerdem schrieb er für Comedy- und Kabarettformate auf Radio FM4 („Das magische Auge“) , Radio Ö3 und Ö1 Campus.
Im Juni 2021 hatte er im Wiener Kabarett Niedermair Premiere mit seinem vierten Soloprogramm “Galápagos”, und geht damit auf seine bisher größte Tournee. 2022 erhielt Berni für „Galápagos“ den Programmpreis des Österreichischen Kabarettpreises.
Zur Person_Eva Reichl wurde in Oberösterreich geboren und lebt mit ihrer Familie im unteren Mühlviertel. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und neben ihrer Beschäftigung als Controllerin entdeckte sie schon früh ihre Leidenschaft fürs Schreiben. Mit ihrer Mühlviertler Krimiserie mit Chefinspektor Oskar Stern und den Thrillern rund um Diana Heller verwandelt sie ihre Heimat, das wunderschöne Mühlviertel, in einen Tatort getreu dem Motto: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Böse liegt so nah.
1958. Es ist das Jahr der Begegnung zweier der bedeutendsten und aufstrebendsten Schriftsteller*innen deutschsprachiger Literatur der Zeit.
Einem ersten Zusammentreffen in Zürich folgt ein Wiedersehen in Paris, der Stadt, die für Ingeborg Bachmann so viel Bedeutung in Liebe, Schmerz und Vergänglichkeit hat…
Und in Paris beginnt es auch jetzt.
Ein Anfang zwischen dem Schweizer Schriftsteller Max Frisch, der gerade als Dramatiker Erfolge feiert und deshalb auch in Paris zur Premiere ist, und Ingeborg Bachmann, die eben mit dem Hörspielpreis ausgezeichnet wurde und dabei auf „die Wahrheit verwies, die zumutbar sei“ in der Liebe, im Leben, im Schreiben und davon wird nun in Briefen in aller Aufmerksamkeit, allen Ringen, aller Behutsamkeit, Freude, Zweifel und Traurigkeit wie Inspiration erzählt…
Ein Reigen, ein Drama, eine Liebe in all ihren Jahreszeiten…
Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch ist eine literarische Sensation des ausklingenden Jahres, der in der wunderbar gemachten Höredition des speak low Verlages eine ganz besondere Würdigung im herrlichen Ohrengenuss erhält.
Die Schauspieler*innen Johanna Wokalek und Matthias Brandt beeindrucken in der Rolle des literarischen Paares in sprachlicher Ausdruckskraft, Rhythmus und Präsenz, die im Schließen der Augen gleichsam eine Bühne erstehen lässt und nach Zürich, Paris, Klagenfurt, Rom reisen lässt…
Ebenso ist das weitere Sprechensemble hervorzuheben wie die gesamte Produktionsleitung!
Ein äußerst aufwendiges wie gelungenes Sprech-, Schauspielprojekt, das sowohl Leben und Liebe wie literarische Entwicklung zweier der bedeutendsten Schriftsteller*innen des 20.Jahrhunderts aus ganz neuen Perspektiven in allen menschlichen Nuancen erklingen lässt. Herzlichen Dank!
„Ein Reigen, ein Drama – eine literarische Liebe in all ihren Jahreszeiten in sensationeller Audio-Edition!
Ingeborg Bachmann/Max Frisch _»Wir haben es nicht gut gemacht.«
Der Briefwechsel
Gelesen von Johanna Wokalek und Matthias Brandt
Kommentiert von Renate Langer und Barbara Wiedemann
Liebe Katharina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Einerseits sehr zerstreut, andererseits immer wieder aufs Neue spannend.
Ich pendle momentan mit meiner Forschungsarbeit zwischen der Musik- und Kunstuniversität der Stadt Wien (MUK) und der Universität Wien/ Fakultät für Physik hin und her, bin an 2 Tagen in der Woche in niederösterreichischen Musikschulen tätig und leite momentan auch gemeinsam mit einer sehr lieben Tanz-Kollegin eine Community- Klasse im Festspielhaus St.Pölten.
An den Wochenenden bin ich meistens eingeteilt – entweder sind es Tanzaufführungen oder Visual Artist Projekte in diversen Clubs. Mein Tagesablauf ist meistens sehr schwer Außenstehenden zu erklären, darum versuche ich es auch oft gar nicht oder stelle mich je nach Situation nur mit einem Teil davon vor. Diese Zerstreutheit kommt daher, weil ich Tanzpädagogik als auch Physik studiert habe und immer wieder nach Querverbindungen suche. Momentan gelingt mir das mit einem vom FWF (Österreichischer Wissenschaftsfond) geförderten Wissenschaftskommunikationsprojekt, das versucht, physikalische Themen mit dem Medium Tanz zu verbinden und zu kommunizieren; daher auch die Kooperation zwischen der Universität Wien und der MUK. Auch zwischen Tanz und Visuals Arts gibt es immer wieder Kunstsparten-übergreifende Projekte.
Das ist eine schwere Frage und sicherlich nicht objektiv beantwortbar. Wir schlittern ja momentan von einer Krise in die nächste. Da jede Lebenslage anders ist, sind auch die momentanen Sorgen individuell. Spürbar am meisten ist momentan sicherlich die hohe Inflation. Ich frage mich dann immer am Ende des Tages, wie viel Budget wird in Zukunft noch für Kunst und Wissenschaft übrig bleiben und merke persönlich auch, dass die junge Generation eher wieder krisenfeste Jobs anstrebt. Ich kann es ihnen auch nicht verübeln, denn als Freelancer in der Kunstszene gibt es so was nicht wie bezahlten Krankenstand, Urlaubsgeld oder unbefristete Verträge. Ein Großteil der Arbeit ist auch nicht die künstlerische Arbeit selbst, sondern alles was drum herum geschehen muss, wie Konzepte einreichen, Probenplan erstellen, Räume organisieren, Kalkulationen & Verträge ausarbeiten bis hin zum Auf- und Abbau der Bühne und der Ton- und Lichttechnik. Man ist sich für nichts zu schade und packt überall gleich mit an.
Aber um auf deine Frage zurückzukommen. Ich persönlich hatte sehr mit mir zu kämpfen in der Corona-Zeit und ich glaube so ging es vielen, die einfach gerne unter Menschen sind und mit ihren Mitmenschen gemeinsam Projekte gestalten oder einfach eine Berührung, eine Umarmung oder einen „Schulterklopfer“ sehr wertschätzen.
Ich hatte das große Glück, dass ich gleich nach dem letzten Lockdown Ende 2021 ein wahnsinnig, tolles Projekt im Festspielhaus St.Pölten als Tanzcoach und Choreographic Advisor in Angriff nehmen durfte. Es ging um ein Mega-Tanzprojekt mit über 100 Teilnehmer*innen, die gemeinsam mit einem kanadischen Choreografen zeitgenössische Line Dance Stücke erlernten und im Juni dieses Jahres zur Aufführung brachten. Die Dynamik, der Ehrgeiz und vor allem das wertschätzende Miteinander dieser großen Gruppe war unglaublich.
Ich kann mich noch sehr gut an einen Augenblick erinnern, als eine Tänzerin wegen einer sehr emotionalen Botschaft im Vertrauen zu mir kam. Ich habe sie wortlos einfach nur lange umarmt, weil ich instinktiv genau wusste, dass das jetzt gebraucht wird. Viel später wurde mir erst bewusst, dass diese Umarmung eigentlich auch mir gut getan hat. Ich glaube vor dieser Aufgabe stehen wir Künstler*innen, Kulturvermittler*innen und vor allem auch Tanzschaffende/Tanzpädagog*innen, die ja speziell mit dem Körper, Berührungen, körperliche Nähe und Distanz zu anderen etc. arbeiten und zwar wieder das herzustellen was wir einmal als normal angesehen haben – ein Körper, der viel mehr sein kann als nur Oberfläche für Viren.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es ein allzu großer Aufbruch oder Neubeginn sein wird. Wie oben bereits erwähnt ist Kunst und Wissenschaft sicherlich das Letzte worauf nach einer Krise geschaut wird. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt…
Was liest Du derzeit?
Das sind ausgedehnte Phasen bei mir. Manchmal kippe ich in ein Buch, manchmal höre ich aber auch nur diverse Dokus zum Einschlafen. Momentan sind es verschiedene Arte-Dokus. Den letzten Essay, den ich mit Begeisterung verschlungen habe, war: Die Vereindeutigung der Welt: Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt (Thomas Bauer).
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Ich denke, es ist viel interessanter, in Unwissenheit zu leben, als Antworten zu haben, die falsch sein könnten“ – Richard Feynman
Vielen Dank für das Interview liebe Katharina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanz-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
auf den frieden, auf den krieg, auf waffen und zeichen,
nur feuer können wir mit den reden bekämpfen, ein
credo verlangen sie, ein resumee,
es ist, als ob immer wieder die zeit stillstünde.
Uli Rothfuss, 1.12.2022
Uli Rothfuss, Schriftsteller, Professor für Kulturwissenschaft
Vielen Dank für das Interview lieber Uli, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Uli Rothfuss, Schriftsteller, Professor für Kulturwissenschaft
Zur Person: Präsident der Europäischen Autorenvereinigung Die KOGGE und Präsidiumsmitglied und writers-for-peace Beauftragter Deutsches PEN-Zentrum.