Vervielstimmigt, in die Arschfalten der Macht gelauncht
Eingeflucht ins Besetzerfleisch
Poesie extraordinär
Erbricht Gastro-
Acid gegen
Cheatende Eliten und
Ewig Gestrige
All just a little bit of history –
Crack das Welthirn weit auf
Hämmer’ diesen Wunsch hinein
Auch wenn es am Anfang
Nur Wort, nur Welle
Circ’ dich bis in den pisswarmen Hypothalamus
Ein Fluch ist ein Zauberspruch
Fee Katrin Kanzler, 25.1.2023
Fee Katrin Kanzler, Schriftstellerin, Künstlerin
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Fee Katrin Kanzler, Schriftstellerin
Zur Person_Fee Katrin Kanzler,
1981 in Ulm geboren, studierte Philosophie und Anglistik in Tübingen und Stockholm. Sie war Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses, erhielt den Förderpreis für Literatur der Stadt Ulm und ein Jahresstipendium für Literatur vom Land Baden-Württemberg. Ihr Roman »Die Schüchternheit der Pflaume« (Frankfurter Verlagsanstalt, 2012) war für den »aspekte«- Literaturpreis für das beste deutschsprachige Debüt des ZDF nominiert. 2016 erschien ihr Roman »Sterben lernen«. 2020 und 2022 war sie Finalistin beim Irseer Pegasus.
Liebe Elisabeth, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Arbeit im Büro, danach laufe ich von einem Termin zum anderen, weil zwischen Schwangerschaft, Übergabe in der Arbeit und Buchpublikation einfach viel zu tun ist. Wenn ich daheim bin, schlafe ich ein, sobald ich mich auf die Couch lege.
Elisabeth Klar, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wir leben in einer extrem dynamischen Zeit, in der sich die Welt um uns rapide verändert, und dabei nicht unbedingt freundlicher wird. In solchen Zeiten ist es verlockend, entweder alles zu ignorieren, was um uns so vor sich geht, oder an überholten Gewohnheiten und Vorstellungen festzuklammern, mit dem Gedanken, dass wir uns so vor diesen furchterregenden Veränderungen retten können. Es ist auch leicht, in Schwermut zu verfallen. Wie mit all dem umgehen? Ich habe auch keine endgültige Antwort, natürlich nicht, auch wenn ich mich immer wieder in meinen Texten damit auseinander setze.
Ich denke aber, dass es in solchen Zeiten wichtig ist, genauer darauf zu schauen, was ich beeinflussen kann und was auch nicht, wofür ich Verantwortung übernehmen kann und muss, und wo ich mit geschichtlichen Ereignissen konfrontiert bin, die größer sind als ich.
Ich bin auch überzeugt davon, dass unsere beste Chance immer noch mit einer Menschenwelt einhergeht, die in vieler Hinsicht von weniger Machtungleichheit geprägt ist. Denn ja, die multiplen ökologischen Krisen sind von Menschen verursacht – aber eben nicht von allen Menschen gleich viel. Und es sind auch nicht alle Menschen gleich stark von den Konsequenzen betroffen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur und Kunst sind Auseinandersetzung mit der Welt, ein Akt des Verstehens, Denkens, Urteilens (im Sinne Hannah Arendts), und zugleich bereits eine Transformation. Es sind ganz wichtige Werkzeuge, die Menschen immer schon verwendet haben, um mit schwierigen und hochkomplexen Situationen und Problemen fertig zu werden. Und dann sind Literatur und Kunst auch einfach Katharsis, Rausch, Freude, Lust, Eskapismus. Und beides ist notwendig, wenn die Lebensumstände widrig werden – sich mit der Welt zu auseinander zu setzen, und ihr dann wieder für eine Weile zu entfliehen. Das brauchen wir wie wir den Schlaf brauchen, um am nächsten Tag weiterzumachen.
Was liest Du derzeit?
Das Institut, von Lisa Spalt, daneben Angabe der Person von Elfriede Jelinek und Unser Deutschlandmärchen von Dinçer Güçyeter.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein Zitat aus Es gibt uns, das gerade eben erschienen ist:
„Du hast Sorgen, sei es diese, sei es jene?“, fragt der Chor.
Die Menge antwortet: „Ins Theater!“
„Du hast zerrissene Stiefel?“
Und wieder tönt es: „Ins Theater!“
„Du hast nichts zum Tauschen und doch Hunger?“
„Ins Theater!“
„Du legst Vorräte an und versteckst sie gut?“
„Theater!“
Immer lauter wird die Menge, bis sie schreit, sich das Zögern aus dem Leibe schreit, bis sie sicher ist, dass das die Antwort auf alles ist: „Theater!“
Elisabeth Klar, Schriftstellerin
Vielen Dank für das Interview liebe Elisabeth, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Elisabeth Klar, Schriftstellerin
Fotos_privat.
Zur Person_Elisabeth Klar, geboren 1986 in Wien, Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft und Transkulturellen Kommunikation. Elisabeth Klar hat zahlreiche Preise erhalten, u. a. war der Text „An den vielen Ecken“ im Finale des FM4-Wettbewerbs Wortlaut (2013). Das gefeierte Debüt „Wie im Wald“ erhielt den Förderpreis der Stadt Wien und stand auf der Shortlist des Rauriser Literaturpreises 2015, 2017 erschien der Roman „Wasser atmen“ und 2020 der Roman „Himmelwärts“. Zuletzt erschienen: „Es gibt uns“ (2023).
Aktueller Roman_Elisabeth Klar „Es gibt uns“ Roman. Residenz Verlag 2023.
Ein posthumanistischer Utopieroman, ekstatisch und unglaublich hellsichtig.
In Anemos, einer postapokalyptischen verstrahlten Stadt, hat sich eine prekär ausbalancierte Gemeinschaft aus Mischwesen und Mutant*innen gebildet – für das gemeinsame Überleben braucht es die Leuchtqualle Oberon, die die Wasserversorgung der Stadt sicherstellt, aber auch die geweihbewehrte Titania, die für die wilden Feste der Stadt sorgt. Doch eines Jahres endet das Fest Walpurgis mit Oberons Tod im Liebesspiel – und das kleine Schleimtierchen Müxerl muss Oberons Aufgaben übernehmen. Denn: Was du kaputt machst, musst du richten, so verlangt es das Gesetz von Anemos. Was, so fragt Elisabeth Klar, kommt nach dem Anthropozän? Und welche Gesetze kann sich eine Gesellschaft geben, um unter widrigen Umständen nicht nur zu überleben, sondern auch leben zu wollen?
Lieber Christian, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tag beginnt in der Regel um etwa 8:30 morgens im Studio. Neben dem Kaffee arbeite ich meist meine Emails und Social Media Nachrichten ab. Ich bin ein Morgenmensch und daher auch am Vormittag am Kreativsten. Speziell da arbeite ich an Hauptthemen, Leitmotiven, Signature Sounds etc für meine soundtracks. Nachmittags beginnt eher das Ausorchestrieren und Produzieren der Mock-ups , Korrekturschleifen abarbeiten von den Regisseuren bzw Produzenten. Ich versuche mittlerweile nicht mehr bis spät in die Nacht zu arbeiten, wie wir aber wissen ist das in der Film & Musikbranche leider nicht immer möglich 😉
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zusammenhalt, Ruhe, Verständnis und sich bei Gelegenheit immer mal wieder aus dem ganzen negativen Massen-Informations-Chaos ausklinken. Allgemein, mehr miteinander reden, das tut gut.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Die Pandemie hat uns glaube ich allen gezeigt, wie wichtig die Kunst und im Speziellen die Musik als Kunstform ist. Nach fast 2 Jahren sehnten sich alle wieder nach LIVE Konzerten, die, wie nun zu beobachten ist randvolle Hallen und Stadien bescheren (z.B.: Coldplay, Ed Sheeran, Hans Zimmer Live, etc…). Musik bietet immer die Möglichkeit abzuschalten, sich zu entspannen, zu freuen oder beim Sport als Motivationsfaktor zu inspirieren.
Das Medium Film & Musik wird es immer geben, Konzepte und Genres werden sich ändern, aber in unserer Gesellschaft wird dieses Medium immer einen hohen Stellenwert haben, speziell in Krisenzeiten wie zb: der Pandemie in der die Bevölkerung Zuhause unterhalten werden möchte.
Was liest Du derzeit?
Bin nicht der große Leser; aber derzeit ein Drehbuch für den nächsten Film den ich vertonen darf.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
I think to be successful at anything you have to put in a hell of a lot of effort. Pick your battles. I picked music, put in a lot of effort, and it’s worked. – Ed Sheeran
Christian Heschl, Filmmusikkomponist
Vielen Dank für das Interview lieber Christian, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Katia Tangian (geboren in Moskau, Mitte) mit Schwester Nina (links) und ihrer ukrainischen Freundin Lesja, Kiew, ca. 1983
GIVE PEACE A CHANCE
Lieber Walter,
ich habe mich dran gesetzt und ich habe versucht, zu „Give Peace a Chance“ ein Akrostichon zu schreiben, aber es geht nicht.
Dieser Krieg in der Ukraine nimmt mich zu sehr mit. Mir fehlen komplett die Worte, wenn ich nur in diese Richtung denke. Wie du vielleicht gesehen hast, komme ich ursprünglich aus Moskau. Auch wenn ich seit dem 14. Lebensjahr im Westen lebe, habe ich weiterhin einige Kontakte nach Russland UND Ukraine, viele meiner russischen Freunde hier und da stehen genauso ratlos und schockiert in Anbetracht der Ereignisse, die seit bald einem Jahr vor aller Augen stattfinden, ohne dass der Einzelne dagegen etwas tun kann. Ich könnte weinen und schreien, aber ein Akrostichon dazu schreiben kann ich leider nicht. Wohl weil ich zu nah dran bin. Und es meine persönlichsten Wunden aufreißt.
Das Thema ist für mich aktuell so emotional aufgeladen, dass ich nicht einmal in unserem Familien-Fotobuch, das ich Jahr für Jahr mache, darüber schreiben konnte, sondern den Ukraine Wikipedia-Text per Copy and Pace hineinkopiert habe. Ist es zu glauben? Dass mir eines Tages die Worte fehlen, hätte ich nicht für möglich gehalten…
„Im Alter von 14 Jahren bin ich mit meiner Familie von Moskau nach Deutschland umgezogen. Gleich bei unserer Ankunft begegnete uns eine überwältigende Welle von Gastfreundschaft und Empathie. Von wegen, die Deutschen seien kalt, pragmatisch und auf Effizienz bedacht! Ganz im Gegenteil. Immer wieder trafen wir auf Menschen, die mehr taten, als sie mussten: pensionierte Lehrer, die uns Deutschunterricht erteilten; Jugendheim-Leiter, die uns nicht nur beherbergten, sondern zur Schule fuhren, unsere Wäsche mitwuschen und mit uns „zu Abendbrot“ aßen – ein ganzes Jahr lang. Und ja, natürlich gab es auch weniger schöne Begegnungen und in der Fläche viel Misstrauen und Desinteresse. Doch die Hilfsbereitschaft einzelner Menschen hat sie einfach überstrahlt.
Gerade in unserem ersten Jahr in Deutschland, als unser Heimweh am größten und wir am verlorensten waren, hat uns die Unterstützung dieser einzelnen Menschen enorm viel bedeutet. Dank ihnen hatten wir von Anfang an das Gefühl, willkommen zu sein, als Individuen wahrgenommen zu werden: als jemand, der der Gesellschaft nicht etwas wegnehmen, sondern ihr auch etwas zurückgeben würde. Es sind immer einzelne Menschen, die in Erinnerung bleiben. Menschen, die helfen, die Mut machen, die mehr tun, als sie müssen. Wir alle können diese Menschen sein. Lasst uns gleich damit anfangen!“
Als der Krieg losging und die ersten ukrainischen Kinder an die deutschen Schulen strömten, habe ich in meinem Blog http://www.artsetc.de den Blogbeitrag „Welcome, Ukraine! Für einen guten Start an deutschen Schulen“ verfasst. Eigentlich geht es in meinem Blog um (junge) Kunst; aber es war mir ein Bedürfnis, meinen Beitrag zur Integration und dem Willkommens-Gefühl der ukrainischen Kinder und Jugendlichen zu leisten. Diesen Beitrag haben über 30.000 Leute gelesen, hauptsächlich Lehrer-Kollegen und somit Multiplikatoren. Ich höre von vielen Schulen, dass sie mit meinen (und den von mir weiterempfohlenen) Materialien täglich arbeiten. Das macht mich ein bisschen stolz. Aber noch besser wäre es gewesen, wenn ich diesen Blogbeitrag nicht hätte verfassen müssen.
Lieber Sven, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Aufstehen, Kaffee, Lohnarbeit, Feierabendbier, Rauchen, ein wenig schreiben, ein wenig lesen, Schlafen. Im Grunde genauso wie die letzten dreißig Jahre auch.
Sven Heuchert, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich weiß nicht, was für „uns alle“ jetzt besonders wichtig ist, ich weiß nur, was für mich wichtig ist und schon immer war, nämlich meine eigene mentale Hygiene. Das bedeutet, dass ich mich von Ideologien, sozialen Medien, toxischen Menschen und ganz allgemein der Moderne und dem Zeitgeist fernhalte.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich bin mir nicht sicher, ob die Gesellschaft als solches aufbrechen wird oder vor einem Aufbruch steht. Das wurde schon oft behauptet oder erhofft, geschehen ist wenig. Ich sehe mich auch nicht imstande zu beurteilen, was bei einem solchen Aufbruch wesentlich sein wird; dazu fehlt mir der umfassende Einblick. Ich würde mir mehr Demut, Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit wünschen. Die Rolle der Literatur und Kunst etc ist nicht so wichtig, wie in den jeweiligen Blasen immer angenommen wird.
Was liest Du derzeit?
Stories von Rick Bass und Tony Earley.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
“You can’t believe people when they look you in the eyes. You gotta‘ look behind them. See what they’re standing in front of. What they’re hiding. Everyone’s hiding. Everybody. Nobody look like what they are.”
Sam Shepard
Vielen Dank für das Interview lieber Sven, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Sven Heuchert, Schriftsteller
Zur Person_Sven Heuchert wurde 1977 im Rheinland geboren und lebt heute bei Köln. Seine beiden Noir-Romane Dunkels Gesetz und Alte Erde wurden von der deutschen Presse begeistert aufgenommen. Das Gewicht des Ganzen ist sein literarisches Debüt.
Foto_privat
Kommende Neuerscheinung_
Sven Heuchert, Das Gewicht des Ganzen_Ullstein Verlag
»Im späten Licht rückte die Wildnis näher an sie heran. Die Grenzen von Leib und Erde verwischten. Etwas Altes wuchs zusammen.« Jeder hat sein Bündel zu tragen, doch das Gewicht des Ganzen trägt allein die Mutter. Milla hat sich nach dem Freitod ihres Sohnes nach Kanada zurückgezogen. Sie hat ihre Spedition aufgegeben und den Mann, mit dem sie ein halbes Leben zusammen war. In einem alten Haus mitten im Nirgendwo versucht sie weiterzumachen. Sie lernt Russ kennen, einen Antiquitätenhändler, als sie einen Revolver versetzen will, den sie unter einer Treppendiele gefunden hat. Zwischen beiden entsteht etwas, das man eine Freundschaft nennen könnte, das aber zugleich mehr und weniger ist als das. Bis sich ihre Wege wieder trennen.
In glasklarer Prosa erzählt Sven Heuchert die universelle Geschichte von Verlust, Trauer und Neuanfang. In einer Welt, die kein Heilsversprechen mehr bereithält, dafür aber die echte Chance, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen.
Meike Blatnik_Ullstein Buchverlage, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Eine Schneeflocke vorm Fenster. Im Herbst. Die Höhe erklärt das. 1.765 Meter. Das Fenster gehört einer Buchhandlung. Und die Buchhandlung Katharina. Der Name ist dabei fest wie der Berg. Keine Kosenamen. Nicht einmal die Eltern dürfen das.
Privat. Zwei Ehen. Zwei Scheidungen. Keine Kinder. Serpentinen des Lebens und der Liebe, Jahreszeiten. Alles durch.
Jetzt Winter. Zumindest oben. Schnee. Sie ist am Weg zum Berg. Doch da sieht sie etwas Dunkles, schon bedeckt von Schneeflocken. Als sie näherkommt, sieht sie, dass es ein Mensch ist.
Sie spricht zu ihm und jetzt wird alles anders…neue Serpentinen tun sich auf…wie wird sie, wird das Leben, weitergehen? Am Berg…
Heinrich Steinfest, vielfach ausgezeichneter österreichischer Schriftsteller, gelingt mit seinem neuen Roman eine sprachlich fulminante wie inhaltlich abgründige Hochschaubahn von Leben, Leidenschaft, Verhängnis.
Unvergleichlich versteht es Heinrich Steinfest in seinem Schreiben eine Leichtigkeit der Sprache in Witz und existentiellem Tiefsinn zu treffen, die jedes Buch zum Leseereignis macht.
„Ein wunderbares Fest höchster Erzählkunst!“
„Der betrunkene Berg“ Heinrich Steinfest. Roman. Piper Verlag
Ich bin ein Morgenmensch. Ich muss also abends auch früh ins Bett, damit ich mich am Morgen gut aushalten kann. Es folgt ein typischer Familien-Morgen bis 8 Uhr, und dann Rückzug in mein Kämmerlein zur Arbeit.
Früher suchte ich kreative Impulse immer im Außen. Auf Reisen oder Ausstellung. Städtetrips oder Magazinen. Durch die Pandemie musste ich umdenken. Jetzt suche ich in meinem Inneren und versuche die Essenz des neuen Produktes aufzuspüren. In dieser Arbeit kann ich mich ganz verlieren. Zum Ausgleich brauche ich Bewegung und frische Luft. Ich treffe mich also regelmäßig mit meiner Katze auf der Terrasse. Da versuche ich dann zu atmen. Oder streichele halt eben die Katze.
Neben der Arbeit brauche ich regelmäßig Sport. Nichts löst Probleme so schnell wie ein erhöhter Puls, der in den Ohren rauscht und das Denken in immer wiederkehrender Schleife verhindert. Laufen und Gewichtheben versuche ich mindestens jeden zweiten Tag einzubauen. Es gibt auch aufregendere Tage – aber auch Tage, an denen wirklich nichts Nennenswertes passiert. Auch schön.
Melanie Stocker – Hendl, Designerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Beziehungen. Wir sollten uns wieder alle mehr an unseren Beziehungen festhalten. Liebe, Freundschaften, Zuneigung, Familie … Das ist es, was der Mensch braucht, um glücklich zu sein. Diese Konzentration weg vom egoistischen „Ich“ und hin zum gemeinschaftlichen „Wir“ wird uns auch als Gesellschaft heilen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Viel zu lange hat man sich verkrusteten, gemeinschaftlichen Regeln hingegeben, die einfach jedem übergestülpt wurden. Das funktioniert jetzt aber nicht mehr. Das Individuum und die gesellschaftliche Vielschichtigkeit schält sich gerade mühsam aus ihrem Ei. Wir stehen an einer Schwelle, an der wir entscheiden müssen, ob wir uns als Person, aber auch in der Masse neu erfinden können. Die Welt wird sich ändern. Als Optimistin bin ich – trotz der momentanen weltlichen Lage – davon überzeugt, dass es eine offenere Welt sein wird. Vielleicht spielen materielle Dinge, zwangsläufig, nicht mehr so eine große Rolle. Vielleicht wird es anstrengend, weil sich jeder erst einmal selber definieren muss und ein Mitlaufen in der Masse nicht mehr so einfach möglich ist. Und welche Rolle dabei die Kunst innehat? Sie muss natürlich die Möglichkeiten aufzeigen. Sie muss mit all ihren zur Verfügung stehenden Mitteln zeigen, wie das geht: Individuum sein. Das ist ja nicht einfach.
Was liest du zurzeit?
Immer wenn ich ein für mich uninteressantes Buch lese, beginne ich parallel mit einem zweiten, oder gleich mit einem dritten. Ich habe mir selbst auferlegt, dass ich alle Bücher, die ich beginne, auch zu Ende lese. Dann langweile ich mich halt an drei Büchern gleichzeitig. Das letzte Buch, das mich nicht gelangweilt hat, war „Miroloi“ von Karen Köhler. Das war gut und zeigt, wie verrückt die gesellschaftlichen Ordnungen von außen betrachtet sein können. Man möchte gerne urteilen, und merkt aber leider, dass man ja im selben Glashaus sitzt.
Welches Zitat möchtest du gerne mitgeben?
Ich setzte meinen Fuß in die Luft, / und sie trug. Von Hilde Domin – denn Mut und Tatendrang wird immer belohnt. Zumindest mit dem Gefühl von bewusst gelebtem Leben.
Melanie Stocker – Hendl, Designerin
Vielen Dank für das Interview liebe Melanie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Design,- Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!