Seit der Krönung am 6.Mai des Jahres ist sie die Queen des Vereinigten Königreiches Großbritannien und Nordirland – ihr Name: Camilla Parker Bowles.
Ihr Lebensweg ist dabei wesentlich noch unbekannt. Ihr klingender Doppelnamen weist auf die geschiedene erste Ehe hin. Doch wo ist sie geboren, aufgewachsen, welche Schulen besuchte sie? Wie sehen weitere Etappen ihres Lebens und ihres Privatlebens aus?
Bekannt ist ihr Leben in der Öffentlichkeit an der Seite ihres Mannes King Charles III., das mit der Hochzeit 2005 strahlend royal beginnt. Doch wann lernten sich beide kennen? Wie kam es zu der Hochzeit? Und welche gesellschaftlichen Schwerpunkte sind Camilla nun als Queen wichtig? Wie lebt sie sich in ihre Rolle und ihre Königsfamilie ein?
Die renommierte Journalistin (Daily Mail, Observer) und Autorin (mehrere Veröffentlichungen zu den Royals) Angela Levin legt mit „Königsgemahlin Camilla“ eine lang erwartete biographische Zusammenschau vor, die Frau, Ehefrau, Mutter, Königin Camilla vorstellt.
Mit großer Sachkenntnis über die Königsfamilie und umfangreicher Recherche gelingt es Angela Levin ein sehr informatives wie facettenreiches Bild der neuen Königin zu geben. Viele Lebensereignisse, Reisen, Begegnungen, Anlässe werden wiedergegeben und erläutert und veranschaulichen Leben und gesellschaftliche Schwerpunkte.
Hervorzuheben ist ebenso der sehr gut erzählende, zusammenschauende Schreibstil, der Leben, Familie, Gesellschaft, Politik immer im Gesamten in den Blick nimmt und so gleichsam ein Mosaik wiedergibt, das mit großer Aufmerksamkeit und Sensibilität geformt ist.
„Eine Biografie, die in großer Sachkenntnis wie Sensibilität informiert und in ein royales Leben eintauchen lässt“
„Königsgemahlin Camilla“ Angela Levin. Die Biografie. Edition Koch. 2023
Lieber Axel Dickschat, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Sicher wenig spektakulär. An Wochentagen, Montag bis Freitag, stehe ich für gewöhnlich gegen 05 Uhr auf und beginne meinen Tag mit ein paar körperlichen Übungen – eine Mischung aus Yoga, Kraft und Ausdauer. Danach komme ich ein wenig runter, meditiere circa 15 bis 20 Min. und bereite mich so auf meinen Tag vor. Nach einem etwa 30minütigen Frühstück und circa 30 Minuten Zeit im Bad beginnt mein regulärer Arbeitstag als Unternehmensberater für kleine und mittelständische Unternehmen im Bereichen Vielfalt (Diversity).
Sollten keine Termine in anderen Städten mit einer Übernachtung anstehen, dann bin ich zwischen 19h und 20h wieder zu Hause. Ich esse zu Abend, schaue mir die aktuellen Nachrichten an und begebe mich danach bis etwa 22h an meinem Schreibtisch, um die Dinge des Tages abzuarbeiten. Im Anschluss drehe ich noch eine kleine Abendrunde mit Walter (ein kleiner polnischer Adoptiv-Terrier). Im Anschluss lese ich noch etwas oder bereite eigene Projekte (ein neues Buch, einen neuen Dokumentarfilm) vor.
Einmal in der Woche gehe ich am Abend in einen örtlichen Amateurfilmclub, der sich mit Dokumentarfilmen beschäftigt, um die Techniken zu lernen und ich bin aktives Mitglied im dgti e. V. (Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e. V.). Aus diesen Aktivitäten ergeben sich dann auch meistens individuell meine Wochenenden.
Axel Dickschat, Autor
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich neige nicht dazu anderen Menschen Ratschläge zu geben. Eines halte ich jedoch ganz allgemein für wichtig und in der heutigen Zeit für geboten. Wir sollten alle nicht so schnell werten und bewerten, benennen, urteilen, be- und verurteilen. Dies führt in der Regel zu einer starken Polarisierung und das tut unserer Gesellschaft nicht gut.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Nach den vielen Jahren, in denen sich alles nach Leistung, schneller, höher und weiter orientierte, beginnt jetzt eine neue Zeit des Bewusstseins. Vielen Dinge kommen heute ans Tageslicht, die vorher „unter den Teppich“ gekehrt wurden.
Von daher kommt der Literatur, der Kunst, der Musik, dem Film heute eine außergewöhnlich starke und bedeutende Rolle zu. Wir brauchen Autoren, Künstler, Musiker und Filmemacher, die uns die Welt erklären und unser Bewusstsein sensibilisieren und erweitern. Allerdings anderes, als in früheren Jahren. Für die Intellektuellen ist gesorgt. Es gibt genug umfangreiche akademische Literatur für diese Schicht, jedoch wenig Geschichten, Sachbücher und Texte in einfacher, kurzer und klarer Sprache für Menschen, die so umfangreiche Texte nicht aufnehmen können.
Was liest Du derzeit?
Ich habe zwei Bücher, die aktuell auf meinem Tisch liegen:
„Dimensionswechsel“ von Günther Wiechmann
und
„Trans* im Glück“ von Dr. med. Livia Prüll
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein inhaltliches Zitat, welches mein Leben geprägt hat und das die Grundlage für mein Buch geworden ist. Es stammt von einem Abt aus einem Kloster im Sauerland der zu mir sagte: „Es gibt keinen Menschen der nichts hat – irgendetwas hat jeder. Der Liebe Gott hat dir die Augen gegeben, die du hast – es wird einen Grund dafür geben. Nun lebe damit und – fertig!“
Axel Dickschat, Autor
Vielen Dank für das Interview lieber Axel, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Axel Dickschat, Autor
Zur Person_Axel DICKSCHAT Geburtstag / -ort Juni 1960, Dortmund Schwerbehinderung Sehbehinderung Geschlecht Transident * Genderfluid Familienstand verh. / zwei Adoptivkinder aus Brasilien Berufspraxis 01/00 – heute, freiberuflicher Projekt- u. Interimsmanager Marketing * Vertrieb * Kommunikation * Vielfalt (Diversity) 08/99 – 12/99, Übernahme durch Medtronic Inc. (mit befristetem Arbeitsvertrag) 11/97 – 07/99, Kaufmännischer Leiter Hosmed GmbH, Oberhaching b. Mch., Medizint. 10/93 – 10/97, Kaufmännischer Leiter 08/90 – 09/93, „Coordinator-Sales-Service“ 11/87 – 07/90 , Buchhalter INTERMEDICS GmbH, Köln, Medizintechnik 1986 – 1987, Mitarbeit im Geschäft der Ehefrau 1984 – 1986, Buchhalter SINN AG, Köln, Textil-Handel Weiterbildung Teilnahme an diversen EDV-, Sprach-, Motivations- und Fachseminaren u. a.:
Zertifikat: Medizinproduktberater
Integrierte Versorgung § 140 a-h
Sponsoring in Klinik und Forschung
PALLAS-Langzeitseminar 01/01 – 06/07 für Führungskräfte in der Wirtschaft / Persönlichkeitsentwicklung
HÖLLER: Motivationsseminare 2015 – 2016
SCHÄFER: Positionierung 2016
KREUTER: Marketing u. Vertrieb 2017 / 2018
SCHERER: Sprecher 2017 / 2018 / 2019
BÄUERLEIN: Social Media 2020
DIERKSEN: Online Vertrieb 2020 Fremdsprache Englisch Ausbildungsdaten 1984, Bürokaufmann S & E GmbH, Dortmund, KFZ-Handel 1982, Höhere Handelsschule Abschluss: Fachhochschulreife Ehrenamtliche Tätigkeiten > Bewerbungstraining in körperbehinderten Schulen
> Koordinator beim Kirchentag „Mensch u. Tier“, Dortmund
> Vorstandsmitglied im Boxverein DBS 20/50 e, V., Dortmund
Aktuell: aktives Mitglied im „dgti e. V.“ (Dt. Ges. f. Trans- u. Intersexualität e. V.) – Beraterin Mitgliedschaften dgti e. V. Dt. Ges. für Transidentität u. Intersexualität e. V. Autor „Es ist, wie es ist – ich bin, wie ich bin“ ISBN: 9791220133210 „Der Weg von der Raupe zum Schmetterling“ (Arbeitsbuch für Menschen vor ihrem coming-out
Rudi de Mello, Schauspieler, Regisseur, Autor und Dramaturg
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Rudi de Mello, Schauspieler, Regisseur, Autor und Dramaturg
Zur Person_Rudi de Mello, 1981 in Havanna (Kuba) geboren, lebt in Berlin. Er absolvierte ein Studium der Philosophie, Kunstgeschichte und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der TU Berlin. Seit über 20 Jahren ist er international als Schauspieler, Regisseur, Autor und Dramaturg an verschiedenen Theatern und Kulturinstitutionen tätig. Er ist leidenschaftlicher Lyriker, erdenkt und organisiert Lesungen (u.a. ÜBERGÄNGE, UNTERFÜLLE) und liest selbst auf Lesungen (u.a. bei Textur 4: UNTERWEGS).
Katharina J.Ferner, Schriftstellerin und Performerin _ Salzburg_ acting „Ganz Wien“ Falco (1981) _ 25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)Katharina J.Ferner, Schriftstellerin und Performerin _ Wien _ acting „Ganz Wien“ Falco (1981) _ 25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)Katharina J.Ferner, Schriftstellerin und Performerin _ Salzburg_ acting „Ganz Wien“ Falco (1981) _ 25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)
„Ganz Wien“
Er geht auf der Straß’n Sagt net wohin Das Hirn voll Heavy Metal Und seine Leber ist hin
Seine Venen san offen Und er riecht nach Formalin Des alles macht eam kan Kummer Weil er ist in Wien.
Ganz Wien – ist heut auf Heroin Ganz Wien – träumt mit Mozambin Ganz Wien – Wien, Wien, greift auch zu Kokain überhaupt in der Ballsaison Man sieht ganz Wien, Wien, Wien is so herrlich hin, hin, hin Kokain und Kodein, Heroin und Mozambin Machen uns hin, hin, hin, 1,2,3
Kokain und Kodein, Heroin und Mozambin Machen uns hin, hin, hin
Einmal wird der Tag kumman Die Donau außer Rand und Band Im U4 geigen die Goldfisch‘ Der Bruno längst im sich’ren Land, Der Hannes A
Dann lernen wir Schwimmen Treib’n tan ma eh. Alle Teuferl weisses Gewandl Und weiss wie Schnee
Wien
Kokain und Kodein, Heroin und Mozambin Machen uns hin, hin, hin, that you know Kokain und Kodein, Heroin und Mozambin Machen uns hin, hin, hin
Ganz Wien da, da, da, da Ganz Wien
Katharina J.Ferner, Schriftstellerin und Performerin _ Salzburg _ acting „Ganz Wien“ Falco (1981) _ 25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)
Liebe Katharina J.Ferner, welche Bezugspunkte gibt es von Dir zu Falco und den 80thies?
Wie die meisten meiner Generation bin ich auch mit seiner Musik aufgewachsen. In der Mozartstadt war natürlich „Rock Me Amadeus“ das Lied, das beim Ausgehen exzessiv gespielt wurde, aber auch viele andere. 80ties Parties waren immer ein Garant für tanzbare Musik und Spaß am Style, insofern waren diese in meinem Freundinnenkreis sehr beliebt.
Abgesehen davon teilen wir uns dem 19. Februar als Geburtstag.
Was macht für Dich den Künstler Falco aus?
Seine große Eigenständigkeit im Stil, er ist bis heute unverkennbar.
Gibt es Lieblingssongs?
Ihre Tochter.
Wien inspirierte und prägte den Künstler Falco. Was inspiriert Dich hier?
Wien hat eine angenehme Mischung an Stadtleben, Rückzug, Möglichkeiten und auch einer gewisse Unaufgeregtheit. Sie bietet einen kulturellen Nährboden, der eine ziemlich große Vielfalt erlaubt, obwohl die Stadt letztendlich ja doch überschaubar bleibt. Die Zugänge sind niederschwellig. Es gibt eine ungezwungene Option, sich auszutauschen, ein Interesse, eine Lebhaftigkeit. Ich nutze das aber nicht wie früher. Ich bin so viel unterwegs, ich bin einfach gerne da und besuche meine Orte. Es ist eher ein Heimkommen.
Träume, Sehnsucht, Erfolg wie Enttäuschung, Angst finden in Kunst wie Leben Falcos eindringlichen, intensiven Ausdruck. Wie gehst Du mit diesen Lebensthemen im Schreiben und persönlich um?
Das sind sehr viele Themen für eine Frage. Kurz gesagt, wenn man auch aus sich schöpft, spielen diese Intensitäten auch im Schaffen eine Rolle. Das kann erschöpfend sein. Manchmal bietet das Schreiben darin aber eine Perspektive.
Falco ist sehr früh tragisch verstorben. Wie siehst Du die Umstände seines Todes? Dazu kann ich nichts sagen.
Im Falco Song „Junge Römer“, dessen Video 1984 im Palais Auersperg im Rosenkavaliersaal und auf der Feststiege gedreht wurde, geht es um Lebensfreude, Lebenslust. Was bedeutet dies für Dich heute?
Ja, das Make-up, das Falco in diesem Video u. a. trägt, würde auch gut in die die heutige Klubkultur passen. Die Lust an Tanz und Kostümierung finde ich nun auf Burlesque- und Swingdancevents. Da kann ich aber nur für mich sprechen.
Im Song „Ganz Wien“ geht es um versteckte, verdrängte Seiten einer Stadt, Gesellschaft? Was hat sich da in 40 Jahren verändert, verbessert?
Ich glaube nicht, dass ich das beurteilen kann. Die angesprochene Szene existiert wohl nach wie vor wie in jeder Stadt. Wahrscheinlich hat sich die Art des offenen Konsums etwas verändert. Als ich nach Wien gezogen bin, war der Karlsplatz noch ein Knotenpunkt, vor dem ich gewarnt wurde. Es verlagert sich nur.
Du bist Schriftstellerin, Performerin? Verbindest Du diese Kunstformen auch?
Das habe ich in einem unserer früheren Interviews schon einmal angesprochen, in dem ich sagte, die Verbindung verschiedener Kunstformen erweitere den eigenen Horizont. Und dass mir Verbindungen diverser Sparten neue Blicke und Möglichkeiten eröffnen, auch wenn die Literatur bei mir immer im Fokus steht. Das gilt nach wie vor. Das Wort Performance beanspruche ich auch, um darauf aufmerksam zu machen, dass Lesungen Raum bieten, in dem mit dem Text noch etwas passieren kann.
Unser Fotoshooting zu Falco findet in Wien outdoors statt und nimmt den Puls, die Inspiration der Stadt im hier und jetzt auf. Wie ist dies für Dich als Künstlerin öffentlich zu agieren ohne abgegrenzten Bühnenraum?
Eigentlich finde ich das einen spannenden Aspekt, diese direkte Auseinandersetzung. Es kann aber auch unangenehm sein, was nicht unbedingt an der eigenen Präsenz am Ort liegt, sondern in unserem Fall jetzt an der Kamera, was wir ja auch kurz zu spüren bekommen haben.
Hättest Du Dir ein Projekt mit Falco vorstellen können und wenn ja, welches?
Ach, ich wäre auch gern als Tänzerin im Musikvideo gewesen.
Es ist ein großartiger Style, den Du zum Fotoshooting hier gewählt hast. Was bedeutet Dir Mode, Style?
Mir macht es Spaß, ich sammle gerne Kleidung, die sich dann in Folge auch als Kostüm verwerten lassen, so hatte ich auch für Falco schon etwas Passendes im Schrank.
Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
Wie immer zu viele. Was ich gerade brauche, ist: Schreibruhe.
Was kannst Du als Künstlerin von Falco mitnehmen?
Momentan würde ich sagen Attitüde. Aber es ist natürlich viel mehr. Da gibt es Welten.
Darf ich Dich abschließend zu einem Akrostichon bitten?
Flegeln
Abtanzen
Loslassen
Clownen
Oh-oh (Vienna calling)
Katharina J.Ferner, Schriftstellerin und Performerin _ Salzburg _ acting „Ganz Wien“ Falco (1981) _ 25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)
Station bei Falco_„Ganz Wien“
Katharina J.Ferner, Schriftstellerin und Performerin __ Wien _ acting „Ganz Wien“
25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)Wien
Zur Person_ Katharina J. Ferner lebt als Poetin und Performerin in Salzburg. Redaktionsmitglied der Literaturzeitschriften Mosaik. Mitarbeit bei Morgenschtean, sowie &Radieschen. 2016-2019 Mitbetreuung der Lesereihe ADIDO (Anno Dialekt Donnerstag) in Wien. 2019 Lyrikstipendium am Schriftstellerhaus Stuttgart. Seit 2020 arbeitet sie gemeinsam mit anderen Autor*innen mit der Lungauer Kulturvereinigung über das Format „Junge Literatur im Lungau“ zusammen. Sie tourte im Team von HÖRHIN –Eine Initiative zur Förderung von Lese- und Sprachkompetenz an Volksschulen durch Österreich. Mit dem Fotografen Mark Daniel Prohaska entstand das Projekt „Homeage“, in dem KJF literarische Straßennamen Salzburgs mit Texten zeitgenössischer Autor*innen beliest. Seit Jänner 2021 erscheint unter dem Titel „Ferner dichtet“ wöchentlich Poesie in der Salzburger Krone. Teilnahme am Bachmann-Wettlesen 2021. Gemeinsam mit Kalinka Kalaschnikow veranstaltet sie die Lesereihe „…das nackte Wort“. Sie schreibt Lyrik-Rezensionen für die Reihe lyristix auf Instagram.
Liebe Lyn Salcom, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Aufstehen. Erster Stuhlgang. Erste Mahlzeit. Übersetzen, Lektorieren, meine Freundin wecken (eventuell Sex, wenn uns danach ist). Zweite Mahlzeit. Lesen, Spaziergang mit dem Hund der Nachbarn. Studiendaten auswerten, an der Studie arbeiten.
Manchmal kommen Freund_innen zu Besuch. Möglich: zweiter Stuhlgang.
Dritte Mahlzeit. Meine Freundin bingewatch, ich telefoniere mit meiner Mutter in Kanada und laufe um den Block.
Wir gehen ins Bett (zweite Möglichkeit für Sex).
Alles was Kunst sein könnte, entsteht dazwischen.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wir werden alle sterben, deswegen ist es für uns alle wichtig zu leben.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Falsch. Dieses wir-alle ist eine reaktionäre und/oder verblödete Sicht auf die Menschheit, in jedem Fall stehen und standen die Menschen immer schon vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen, je nach class, gender, etc. Groussac hat mal gesagt (grob übersetzt): Ich bewundere meine Mitmenschen für ihre Fähigkeit, überall ein Wir-Gefühl erzeugen zu können und hasse sie dafür, dass sie es nie dann tun, wenn es wichtig wäre.
Ich stehe jeden Tag vor zwei Herausforderungen: den Ansprüchen an mich selbst und den restlichen, die von außen kommen. Die sind jeden Tag anders, so ist das.
Was Kunst damit zu tun hat? Das kommt auf die Ansprüche an.
Was liest Du derzeit?
Robert Frost, Laura Riding Jackson. Vonneguts „Hocus Pocus“, das bereitet gut auf alle kommenden Apokalypsen vor.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Siehe 3.
Vielen Dank für das Interview liebe Lynn, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Lynn Salcom, Künstlerin
Zur Person _ Lynn Salcom (*1990), geboren in Troisdorf, aufgewachsen in Vancouver und Köln. Arbeitet und lebt in London, Köln und (keine Angabe).
Foto_privat
21.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Lieber Tomas Schweigen, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da meine Zeit als Künstlerischer Leiter am Schauspielhaus Wien gerade endet, ändert sich auch mein Tagesablauf momentan fundamental: In den letzten acht Jahren (und auch in den Jahren am Theater Basel davor) haben mein Terminkalender und To-Do-Listen meinen Tag bestimmt, meist auch an den Wochenenden. Jetzt werden meine Abläufe gerade spontaner, seit Freitag habe ich überhaupt Ferien. Das genieße ich sehr.
Tomas Schweigen, Regisseur, künstlerischer Leiter am Schauspielhaus Wien 2015 – 2023
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Unsere offensichtlichen Hausaufgaben zu machen, dabei aber den Spaß, die Lebensfreude und die Zuversicht nicht zu verlieren.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst zu?
Unsere Gesellschaften – nicht nur die österreichische – polarisieren sich bekanntlich zunehmend. Wir müssen mehr denn je versuchen, uns aus unserer Bubble hinauszubewegen und nicht nur für immer die gleichen Menschen Theater zu machen. Und wir dürfen politisches Theater nicht nur als Propaganda für „eh schon Überzeugte“ verstehen, sondern als Ausloten und Gegenüberstellen von diversen Perspektiven, Denkweisen und Standpunkten. Kunst kann Empathie, Toleranz und Neugier fördern. Das würde ich gerade für sehr gewinnbringend und wichtig halten.
Was liest Du derzeit?
Ich lese meistens Verschiedenes parallel – im Augenblick zum Beispiel T. C. Boyles „Blue Skies“ als Ferienlektüre und das kürzlich erschienene Gespräch zwischen Édouard Louis und Ken Loach über Kunst und Politik.
Welches Zitat, welche Textimpulse möchtest Du uns mitgeben?
Unsere Abschiedsinszenierung „The very End of it All and Everything“ birgt unglaublich viele zitierwürdige Weisheiten über Enden, die immer auch Anfänge sind, oder unseren Umgang mit Zeit, mit der Endlichkeit unserer Existenz. Ich kann mich da unmöglich für nur ein Zitat entscheiden. Fest steht: Das Ende wird kommen.
Vielen Dank für das Interview lieber Tomas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Tomas Schweigen, Regisseur, künstlerischer Leiter am Schauspielhaus Wien 2015 – 2023
Zur Person_Tomas Schweigen, geboren 1977 in Wien, studierte zunächst Theaterwissenschaft, Germanistik, schließlich Schauspiel in Wien und ab 2000 Regie an der Zürcher Hochschule der Künste. 2004 gründete er in Zürich die Kompagnie »Far A Day Cage« (FADC). Seitdem über 50 Inszenierungen sowohl in der freien Szene (u. a. Theaterhaus Gessnerallee Zürich, HAU Berlin) wie auch an Stadt- und Staatstheatern, wiederholt u. a. am Schauspiel Frankfurt, am Schauspiel Hannover, Theaterhaus Jena, an den Münchner Kammerspielen, am Badischen Staatstheater Karlsruhe, Theater Oberhausen und am Schauspielhaus Wien.
Seine Inszenierungen wurden vielfach ausgezeichnet, zu zahlreichen internationalen Festivals eingeladen u. a. in Deutschland (Impulse-Festival, Politik im freien Theater, Theaterformen Hannover, Spielart München, Theater der Welt, Radikal Jung, Festival transeuropa uvm.), in der Schweiz (Zürcher Festspiele, Theaterspektakel, Festival Belluard, Auawirleben Bern, Theaterfestival Basel etc.), in Liechtenstein, in Frankreich (Festival Premières Strasbourg), Spanien, Portugal, den Niederlanden, der Türkei (Theaterfestival Istanbul) und im Iran (Fajr-Festival Teheran). Mehrfach wurde er von »Theater heute« als Nachwuchsregisseur des Jahres nominiert.
Von 2012 bis 2015 war er Co-Schauspieldirektor am Theater Basel, davor langjähriger Gastdozent an der Zürcher Hochschule der Künste. Seit 2015 (bis 2023, Anm.,) ist er Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Wiener Schauspielhauses und inszenierte »Punk & Politik«, »Strotter«, »Traum, Perle, Tod«, »Blei«, »Seestadt-Saga 1+2«, »Digitalis Trojana. Der See, die Stadt und das Ende«, »Schlafende Männer« und »Das Leben des Vernon Subutex I&II«. In der Spielzeit 19/20 ist seine Umsetzung von »Im Herzen der Gewalt« des jungen Starautoren Édouard Louis und »Rand« von Miroslava Svolikova am Schauspielhaus zu sehen.
Zur Person_Esther Ben Mohamed, Musikerin und Autorin, geboren in Hamburg, studierte Musikpädagogik in Saarbrücken und lebt mit ihrem Sohn und ihrem Hund in Lothringen. Sie unterrichtet Querflöte und Klavier, mit 50 Jahren hat sie noch angefangen, Cello zu lernen. Als Autorin veröffentlichte sie ihre Biografie „Das Leben ist ein reines Ausprobieren“ sowie den Gedichtband „Ich habe Liebe gefunden.“ Sie nahm an mehreren Anthologien teil und schreibt fast täglich Lyrik und Gedichte.
Yvonne Brandsteter, Schauspielerin _ acting Christine Lavant _ 50.Todestag Christine Lavant, Schriftstellerin _Christine Habernig, geb. Thonhauser; * 4.Juli 1915 in Großedling be St.Stefan im Lavanttal +7.Juni 1973 WolfsbergSt.Stefan/Lavanttal _ Kärnten „Christine Lavant“ Schule in St.Stefan
Mein Name ist Hans Lintschnig, meine Eltern waren die Quartiergeber Christine Lavants in St.Stefan (ab 1951 Anm.). 1950 vergrößerten wir unsere Gemischtwarenhandlung und konnten Christine eine kleine Wohnung zur Verfügung stellen. Wir haben sie Christl genannt, mit meiner Mutter spielte Christine Karten.
Sie war unsere unauffällige Mitbewohnerin und es war nicht abzusehen, dass aus Ihr eine solche Berühmtheit wird.
Hans Lintschnig zeigt auf die Wohnung Christine Lavants im 1.Stock des HausesGeburtshaus von Christine Lavant
„In diesem Haus in St. Stefan erblickte die Schriftstellerin Christine Lavant (eigentlich Christine Habernig, geb. Thonhauser) am 4. Juli 1915 das Licht der Welt. Das einstige Wohnhaus der Familie wurde später verkleinert und zu einer Garage umgebaut. Das Haus befindet sich kurz nach der südlichen Ortseinfahrt von St. Stefan auf der linken Seite im Ortsteil Großedling. Ca. 600 Meter weiter Richtung Norden, befindet sich auf der rechten, östlichen Straßenseite das Haus der Familie Lintschnig, auf dessen nördlicher Fassade eine Gedenktafel daran erinnert, dass Christine Lavant dort von 1951 bis zu ihrem Tode am 7. Juni 1973 gelebt hat.
Das Haus in Großedling trug vormals die Bezeichnung „Bäcklkeusche“. Erich Kucher, ein Neffe von Christine Lavant, beschrieb die Wohnsituation der Familie Thonhauser folgendermaßen: „Drei Kinder schliefen bei der Mutter im Bett, eines auf dem alten Diwan, zwei auf einem Bett im Keller und das Kleinste in einer großen Schublade, die tagsüber unter das Bett geschoben wurde.“
Hans Lintschnig : In ihrem Kontakt zur Nachbarschaft war ihr Solidarität wichtig. Sie war eine bemitleidenswerte Frau, die niemand etwas Böses wollte.
Sie war in die Sprache verliebt, auch in Wörter, die im Alltag nicht üblich waren. Als Beispiel etwa, sie bezeichnete die Straßenlaternen als „Kandelaber“. Oder die Scheibtruhen der Bauarbeiter waren für sie die „Kaijola“.
Ihr Lieblingsgetränk war Tee, schwarzer Tee. Geraucht hat sie sehr starke filterlose Zigaretten.
Mit Werner Berg und seiner Frau Mauki verband sie eine enge Freundschaft. Wie eng, intensiv diese war, spielt ja keine Rolle mehr. Ich denke, dass nicht alles zutrifft, was gemutmaßt wird.
Christine lebte hier bei uns mit Ihrem Ehemann, dem Kunstmaler, Benedikt Habernig. Es war ein großer Altersunterschied, aber der Tagesrhythmus war ein verschiedener. Ihr Mann ging fast täglich nach Wolfsberg und zurück, wohl zu geselligen Treffpunkten. Christine kochte für ihn. Es war eine einfache Kost von Kartoffeln, Nudl. Nicht Käsnudl, da es damals kaum Topfen gab.
Sie lebte sehr zurückgezogen und hielt sich gerne hier im Garten auf. Sie schätzte auch den Blick auf die Koralm sehr.
Hans Lintschnig im Garten seines Hauses
Ihre Reise nach Instanbul bewirkte auch eine „Verunsicherung“ ihres traditionellen christlich-katholischen Glaubens. Die Symbolik des Mondes, auch auf ihrem Grab, weist für mich darauf hin. Ihr Mann soll ja in den letzten Jahren zum evangelischen Glauben übergetreten sein.
Standort des ehemaligen Wohnhauses von Christine Lavant in St.Stefan_ 1951 Umzug zur Familie Lintschnig
In den 1960er Jahren übersiedelte sie kurz nach Klagenfurt in ein modernes mehrstöckiges Wohnhaus. Ein Reporter besuchte sie damals. Alle Fenster bis auf eines nach Osten waren mit Vorhängen verdunkelt. Auf die Frage des Reporters warum, antwortete sie, dass das eine freie Fenster nach Osten und in das Lavanttal weise.
Sie kehrte daraufhin bald nach St.Stefan zurück.
In der Zeit des Nationalsozialismus war sie in ihrer gesundheitlichen Konstellation sehr gefährdet. Da ein Onkel von ihr Bürgermeister von St.Stefan war, war sie geschützt und wurde nicht wie viele andere im Euthanasie Programm ermordet.
Gegen Ende ihres Lebens übersiedelte sie in ein Pflegeheim nach Wolfsberg, wo sie auch starb.
Grab von Christine Lavant in St.Stefan50.Todestag Christine Lavant, Schriftstellerin _ Christine Habernig, geb. Thonhauser; * 4.Juli 1915 in Großedling be St.Stefan im Lavanttal +7.Juni 1973 Wolfsberg
Lieber Kristian Kühn, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Früh aufstehen, obwohl ich Langschläfer bin, um so gegen 9 Uhr morgens (oder später) am Schreibtisch zu sitzen und für die Signaturen am Täglichen zu arbeiten.
Ab frühem Nachmittag privat Liegengebliebenes, Bürokram, Einkäufe tätigen, danach sind, wenn ich gut drauf bin oder es dringend zeitlich muss, die eigenen Texte dran, seien diese für mich oder für die Signaturen geplant.
Gelegentlich besuche ich auch dann Lesungen oder andere Veranstaltungen. Schreiben und leichte Gartenarbeit, wie Lutz Seiler es kürzlich ironisierend bemerkte. Wobei ‚leichte Gartenarbeit‘ für mich bereits ein bisschen Bewegung wie Müllwegbringen oder leichte Spaziergänge bedeutet.
Kristian Kühn, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich weiß nicht so genau, wer wir alle sind. Weil ich ein ziemlicher Einzelgänger bin, blicke ich auch ziemlich punktuell auf andere. Und könnte da sagen, was mich bei Einzelnen stört, was ich bei anderen bewundere. Letztlich mache ich inhaltlich die Signaturen jetzt seit zehn Jahren, ja, am 6. Juni 2023 sind es genau zehn Jahre, und da hat sich innerhalb der Lyrikszene sehr viel geändert. Bis etwa 2016 kann man hier im Netz einen allgemeinen Versuch beobachten, einen minimalen Zusammenhalt zu wahren und an einem Strang zu ziehen, der sich allerdings in mehrere entflicht. Ein Beispiel dafür ist die damals intensive Frage nach einer besseren Qualität von Lyrikkritik. Man suchte – trotz aller Gegensätze – nach einem Konsens für Planung. In abgeschwächter Form kam es 2018 noch einmal dazu, wurde aber nicht aufgearbeitet, unter anderem nicht nur, weil niemand dazu Lust hatte, sondern auch weil die Beiträge sich kaum noch inhaltlich zusammenbringen lassen konnten. Stattdessen polarisierten politische Invektiven, moralisierende Forderungen, gesellschaftliche Unruhe immer mehr, sodass sich der Kulturkrieg der USA zunehmend auch auf Europa sprich Deutschland übertrug und drei Lager manifestierte, mal von dem Sonderweg feministischer Einwirkungen abgesehen, die kaum noch sich gegenseitig auf einem Blatt ertragen – gattungsmäßig die Moderne, die Postmoderne und als neuer Mitstreiter eine Art Antimoderne, die nur noch eine Ebene sieht, das Diesseits mit den Mitteln der Aufklärung, der Technik und der physischen Weiterentwicklung hin zu einem neuen Menschenbild im Hier und Jetzt, sei dieses der Cyborg-Weg, der sozialistische oder ein matriarchaler oder Mischformen dieser Tendenzen. Dagegen die Postmodernen, die ein gewisses „Mit-ohne-Mit“ (einer doppelten Schönheit) zulassen bzw. zumindest mit ihrer Non-Existenz oder Faltung oder Dekonstruktion literarisch spielen. Und als überholtes Modell, das den Menschen in ein Spannungsfeld zu einer anderen (geistigen) Ebene setzt, die Moderne und ihre Enttäuschungen. Dieses Bild ist auch politisch nachzuvollziehen, autokratisch autonomes Schreiben versus demokratisches Schreiben in Schreibgruppen, in Spontanlesungen, in Ausschreibungen, Verteilung der Preise an alle, usf., und auch kulturell, zwischen Kunst und Kulturalismus, kurzum: der Kampf zwischen diesen Weltanschauungen wird größer, ein Verdrängungswettbewerb von der Atomkraft zur Wärmepumpe, auf allen Ebenen, um jeden Preis. Einige verstummen, weil sie den Druck nicht aushalten (wollen), andere werden übergriffig. Nun pfeift auch noch die KI neuen Wind hinein und treibt zu einer „letzten Entscheidung“, sei diese militärisch, bei den Wahlen oder auf dem Papier – und ich? Wo bleibt das Ich im Kriegsgewirr? Ich sage: diesen Krieg entscheiden wir in uns selbst – jedes Ich im Blickfeld des inneren Spiegels zu sich selbst. Doch Lyrik als Demagogie ist die größte Gefahr hier bei uns, hier in Deutschland sowieso und auch Österreich.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Es ist ein Spagat für viele. Vor allem, wenn man auf der einen Ebene autokratisch und auf der anderen demokratisch ist bzw. sein möchte. Ich denke, gerade in der Literatur kann oder sollte man durchaus zur Polarität stehen und, solange sie das Ich nicht zerreißt, Dialektik zu Rate ziehen. Die Literatur sollte dennoch aufhören, Dinge metaphorisch zu vernebeln, neuen Heldenmut vortäuschen, derweil die Pantoffeln der Subvention angezogen werden, um Ratlosigkeit oder das eigene So-Tun-Als-Ob zu verschleiern, die eigene Meinungslosigkeit oder Herzensunlust mit lyrischen Mitteln „metonymisch zu moralisieren“. Am schlimmsten: Verlogenes Pathos, da rate ich dringend, Pseudo-Longinus: Vom Erhabenen zu lesen, um nicht ins Schwülstige oder Lächerliche zu verfallen. Denn wer kann erhaben schreiben, ohne erhaben zu sein?
Was liest Du derzeit?
Ich frage mich, warum Imagination immer wieder am eigenen Knoten aufhört, lebendig zu werden und dann auch – sich ausbreitend – zu wirken. Warum es heute funktioniert und morgen nicht. Wie man das Lebendige transportieren kann über Zeiten, Räume und Personen, und lese Werke über Imagination sehr verschiedener Art, von Ted Hughes‘ „Wie Dichtung entsteht“ bis Nicholas Roerich: „Shambhala – das geheime Weltzentrum im Herzen Asiens“ oder James Bogans „Blake’s City of Golgonooza in Jerusalem: Metaphor and Mandala“ – weil ich herausfinden will, wie man die Löchrigkeit imaginierter Bilder stabilisieren könnte, mit erlernbaren Mitteln. Anders: Ob und wie Sprache auf den Körper wirkt.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Anna Breitenbach: Der Himmel
Etwas heruntergekommen,
aber immer noch: Himmel
unbenommen.
(in Anna Breitenbach: Dichte Nähe. Körper, Wörter, Wirkstoffe. Konkursbuch, 2023)
Vielen Dank für das Interview lieber Kristian, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Kristian Kühn, Schriftsteller
Zur Person_Kristian Kühn, Drehbücher, Prosa, Lyrik. Essays. Seit 2010 Mitorganisator des Lyrikpreises München. Seit 2013 Herausgeber des Online-Magazins Signaturen. https://signaturen-magazin.de/ Wohnt in München.
Foto_privat.
21.5.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.