Liebe Anna Maria Stadler, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Meist recht unterschiedlich, ein paar Stunden am Computer sind aber eine Konstante…
Anna Maria Stadler, Schriftstellerin und Künstlerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Was – wie immer – nicht schaden kann, denke ich, ist: einander zugewandt sein.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Was für mich unter anderem das Schöne an der Kunst ist: dass sie sich nicht so leicht auf eine Rolle festschreiben lässt.
Was liest Du derzeit?
„Gesammelte Erzählungen“ von Marlen Haushofer + „Nachwasser“ von Frieda Paris + „Passing Images: Kunst in postdigitalen Zeiten“ von Marie-France Rafael
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„ein Satz kann eine Rückseite (R) haben,
eine ihm zugrunde liegende Geografie“
(aus: Paris, Frieda: Nachwasser. Berlin und Dresden: Voland & Quist 2024, S. 5.)
Anna Maria Stadler, Schriftstellerin und Künstlerin
Vielen Dank für das Interview, liebe Anna Maria, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Anna Maria Stadler, Schriftstellerin und Künstlerin
Zur Person:Anna Maria Stadler 1992 geboren, hat Bildhauerei, Kulturwissenschaft und Germanistik studiert und lebt als Autorin und Künstlerin in Salzburg. Ihre Arbeiten bewegen sich an den Nahtstellen von Literatur, Bildender Kunst und Theorie. Sie war Finalistin beim Münchner Kurzgeschichtenwettbewerb sowie auf der Shortlist des Wortmeldungen-Förderpreises. Mit Maremma (2022), ihrem ersten Roman, war sie für den Debütpreis zum Österreichischen Buchpreis nominiert
Kommende Romanneuerscheinung von Anna Maria Stadler:
„Drei Frauen gehen aus unterschiedlichen Gründen nicht nach Hause, jede streift für sich durch die Stadt, bevor der Tag vorbei ist. Es ist ihre Stadt, ein Raum geteilter Erinnerungen an ein gemeinsames Aufwachsen. Für Kata ist es ein Ort, an den sie zurückkehren muss, ein Ort voller Erinnerungen, die sie vermeidet. An eine Kindheit, in der nie nach dem Vater gefragt wurde, mit einer Mutter, um die sie sich kümmern musste, bevor diese in einer Anstalt verschwand. Katas Kindheit war anders als die von Mira, ihrer Pflegeschwester, bei der sie auch heute noch unterkommt, wenn sie wieder in der Stadt ist. Miras Wege führen an Plätze, die sie kennt, als wäre seit dem Aufwachsen hier kaum Zeit vergangen. Sarah wiederum bewegt sich an den Randzonen, aus der Stadt und aus ihrem bisherigen Leben hinaus. Sie hat gerade ihr Atelier in einen stillgelegten Trakt eines Krankenhauses übersiedelt. Anders als ihr Freund Elias, mit dem sie nur noch die gemeinsame Wohnung verbindet, weiß sie, dass dies auch ein Abschied ist…“
Anna Maria Stadlers Erzählen bewegt sich in Zwischenräumen unserer Wahrnehmung. Es ist aufregend behutsam, tastend und sicher, zugleich dicht und fragil.
ANNA MARIA STADLER Halbnah Roman ca. 208 Seiten | Gebunden ca. € 23,– | ca. sFr 32,– ISBN 978 3 99027 404 0 | Auch als E-Book
Erscheinungstermin: 22. August 2024
Lesungen aus „Halbnah“, die aktuell feststehen, sind:
Liebe Martina Berscheid, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich stehe in der Regel früh auf, selbst an den Wochenenden, weil ich da am ehesten Zeit habe zum Schreiben. Zunächst gehe ich mit meiner Hündin in den Wald. Der Wald, übrhaupt die Natur, ist für mich Inspirationsort, da klären und sortieren sich Gedanken, kommen Ideen. Schreiben findet ja nicht nur am Schreibtisch statt, die Denkarbeit dazu, die nimmt bei mir sehr viel Raum ein. Im Kopf bin ich sehr viel mit meinen Projekten beschäftigt.
Danach nehme ich mir Zeit für ein ausgiebiges Frühstück, das mir Kraft für die Anforderungen des Tages gibt und meine liebste und wichtigeste Mahlzeit ist.
Mehrmals die Woche arbeite ich danach in meinem Brotjob bis in den Nachmittag, widme mich der Familie, dem Garten, meiner Hündin. In den Zeitnischen dazwischen schreibe ich (am Notebook oder per Hand in meine Notizbücher).
Am liebsten ist mir jedoch der Morgen, auch als Schreibzeit, und wenn ich frei habe und ich ihn für meine Projekte nutzen kann, macht mich das glücklich.
Martina Berscheid, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dass wir uns auf unsere hart erkämpften, wertvollen demokratischen Werte (rück)besinnen sollten. Rassismus, Misogynie, Queerfeindlichkeit und Hass widersprechen. Dagegen anschreiben. Gleichzeitig sollten wir uns bewusst machen, wie wir miteinander umgehen, an einer Umgangskultur mit mehr Toleranz und Wertschätzung arbeiten. Dass wir uns kritisch hinterfragen. Auch zur Bewältigung der Klimakrise, die alle betrifft, ist Zusammenhalt wichtig.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Wesentlich finde ich, dass der demokratischen und sozialen Bildung mehr Raum und auch Geld eingeräumt wird. Dass diejenigen gestärkt werden, die sich dafür einsetzen. Dass sich jede(r) fragt: Was kann ich tun? Außerdem mehr Achtsamkeit im Umgang miteinander. Marginalisierte Gruppen stärken. Solidarität. Literatur und Kunst kommt da eine besondere Rolle zu, indem Missstände thematisiert werden, der Finger in die Wunde gelegt wird. Über Literatur und Kunst erfolgt auch ein anderer Zugang zu diesen Themen.
Da ich Autorin bin, kann ich das für die Literatur etwas ausführen: Beim Schreiben widme ich mich immer auch gesellschaftlichen Themen. Mal leiser, mal lauter. Aber immer so, dass ein Gefühl zurückbleibt, eine Unruhe. Manchmal auch Wut. Etwas, das herausfordert, sich mit dem Text und darüber hinaus mit den Themen zu beschäftigen. Oder mit den Figuren, deren Rollen. Literatur kann ein Anstoß sein.
Was liest Du derzeit?
„Frauenliteratur“ von Nicole Seifert (Kiepenheuer & Witsch) – ein großartiges Buch, in dem die Autorin die systematische Benachteiligung von Frauen und damit eine Form von Misogynie im Literaturbetrieb und der Literaturgeschichte aufzeigt. Ein Buch, das ich nur jeder und jedem empfehlen kann.
Zudem „Black Vodka“ von Deborah Levy (Kampa Verlag), großartige Kurzprosa.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„… manche Menschen brauchen die Worte anderer, um Zugang zu sich selbst zu finden. Deswegen ist Literatur so wichtig.“
(Aus meiner Kurzgeschichte: „Die Worte anderer“, erschienen in „Am Grab von Joseph Brodsky: 30. Würth Literaurpreis, Swiridoff Verlag, 20. Oktober 2019)
Vielen Dank für das Interview, liebe Martina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Martina Berscheid, Schriftstellerin
Zur Person: Martina Berscheid, geboren 1973 in Kaiserslautern, studierte Biologin, schreibt Prosa – Kurzgeschichten, Erzählungen, Romane -, aber auch Haikus. Sie liebt vielschichtige Figuren und hat ein Faible für Sprachbilder. In ihren Texten lotet die Autorin die Beziehungen zwischen den Menschen aus, das Ungesagte, Verborgene. Einige ihrer Kurzgeschichten wurden in Anthologien und Literaturzeitschriften publiziert.
2015 erhielt sie den Hans-Bernhard-Schiff-Literaturpreis der Stadt Saarbrücken. Veröffentlichungen: „Leichtgewichte“, (Erzählungen, 2017), „Das Echo unseres Schweigens“, (Roman, 2018, Rabenwald Verlag, „Die Klassenkameradin“, (2023, Edition Schaumberg, 2020 Longlist des Blogbuster-Preises), „Fremder Champagner“ (Erzählungen, April 2024).
Martina Berscheid lebt mir ihrer Familie in Homburg/Saar.
Aktueller Erzählband von Martin Berscheid:
„Ein Familienfest, scheinbar ohne konkreten Anlass. Und wie immer in den letzten Jahren dominieren Belanglosigkeiten und Sticheleien das Gespräch – über wirkliche Probleme sprechen weder die drei erwachsenen Kinder noch ihre Eltern. »Nirgends wird so viel gelogen und verschwiegen wie in Familien«, denkt Claire. »Oder ist das nur in unserer so?« Doch dann werden die Geschwister unverhofft mit ihren Kindheitserinnerungen konfrontiert …
Fünfzehn Erzählungen über Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen, einfühlsam und genau beobachtet, mit einem feinen Gespür für Stimmungen und zwischenmenschliche Beziehungen. Spannend und mit überraschenden Wendungen.“
Martina Berscheid: Fremder Champagner Erzählungen Mirabilis Verlag, 16.04.2024 ISBN 978-3-947857-25-8 Hardcover, Schutzumschlag, Fadenheftung Umschlaggestaltung: Florian L. Arnold, „THE MORE YOU SEA“, 2021 236 Seiten 24 €
Liebe Gabriele Hasmann, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich arbeite von zu Hause aus als selbstständige Autorin, stehe also morgens auf, schalte den Laptop an und arbeite – mit gelegentlichen Unterbrechungen, um eine Hunderunde zu gehen oder mich abends mit Freunden zu treffen – bis nachts an meinen Büchern, Stücken, Führungen …
Gabriele Hasmann, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dasselbe, wie immer schon: Fürsorge, Empathie und Geduld.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ebenfalls dasselbe wie immer schon, denn Aufbruch und Neubeginn sowie den damit einhergehenden Unsicherheiten, Problemen und Krisen gab es zu jeder Zeit: Kunst hat stets Geist, Herz und Seele geöffnet, Klarheit geschaffen, Verständnis geweckt und Trost gespendet.
Was liest Du derzeit?
Ich konsumiere Literatur via Hörbuch – derzeit: „Totholz“ von Andreas Föhr.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Im Makrokosmos gilt: Was Bestimmung ist, wird sein. Im Mikrokosmos können wir selbst ein Umfeld voller Harmonie, Liebe und Frieden schaffen und damit unsere Wegbegleiter „anstecken“, um nachhaltig den Makrokosmos positiv zu beeinflussen.
Vielen Dank für das Interview, liebe Gabriele, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Gabriele Hasmann, Schriftstellerin
Zur Person: Gabriele Hasmann wurde 1968 in Wien geboren und lebt seit 1969 in Baden. Sie studierte Germanistik und Philosophie, arbeitete danach als Kolumnistin, Lokal- und Kultur-Redakteurin bei der Badener Szene-Zeitung Extrablatt und der Badener Rundschau, war Radio-Nachrichten-Redakteurin und -Sprecherin, Kultur- und Lokal-Reporterin sowie TV-Redakteurin und Producerin.
Bereits als Jungliteratin präsentierte sie Texte vor Publikum auf selbstorganisierten Veranstaltungen wie Marathon-Lesung, Haiku-Lesung, Grusel-Lesung oder Erotik-Liege-Lesung. Zur selben Zeit gab sie die Literaturzeitung „Frischer Wind“ heraus, der drei Jahre lang durch die Stadt fegte. Für „Ein trauriges Krokodil“ erhielt sie 1993 den Bad Wildbader Kinder- und Jugendliteraturpreis (Deutschland), romantische und erotische Fantasien verhalfen ihr 1995 zum Mödlinger Preis für Kurzprosa.
Seit 2010 ist Gabriele Hasmann als selbstständige Schriftstellerin tätig, organisiert darüber hinaus Events zur Nachwuchsförderung, veranstaltet das Mystery Dinner, gibt Schreibkurse und führt auf historischen Pfaden durch Baden und Wien.
Ihre rund 50 Sachbücher zu den Themen True Crime, Gruseliges, Historisches, Regionales und Unterhaltendes sind in den Verlagen Ueberreuter, Styriabooks, Falter und Kral erschienen. Die Schriftstellerin hat außerdem drei Krimis bei den Verlagen Elsengold, Federfrei und Medimont sowie einen Anti-Liebesroman im Luzifer Verlag herausgebracht.
„Immer wenn ich durch die Lichtung kam und die Zweige sich öffneten, wenn die Ruten mir das Wasser von den Armen schlugen, die Blätter mir die Tropfen von den Haaren leckten, traf ich auf einen, der Hans hieß…“
„Ja, diese Logik habe ich gelernt, dass einer Hans heißen muss, dass ihr alle so heißt, einer wie der andere, aber doch nur einer. Immer einer nur ist es, der diesen Namen trägt, den ich nicht vergessen kann, und wenn ich euch auch alle vergesse, ganz und gar vergesse, wie ich euch ganz geliebt habe…„
„Es gibt keine Fragen in meinem Leben.
Ich liebe das Wasser, seine dichte Durchsichtigkeit, das Grün im Wasser und die sprachlosen Geschöpfe (und so sprachlos bin auch ich bald!), mein Haar unter ihnen, in ihm, dem gerechten Wasser, dem gleichgültigen Spiegel, der es mir verbietet, euch anders zu sehen. Die nasse Grenze zwischen mir und mir …“
„Ich habe keine Kinder von euch, weil ich keine Fragen gekannt habe, keine Forderung, keine Vorsicht, Absicht, keine Zukunft und nicht wusste, wie man Platz nimmt in einem anderen Leben. Ich habe keinen Unterhalt gebraucht, keine Beteuerung und Versicherung, nur Luft, Nachtluft, Küstenluft, Grenzluft, um immer wieder Atem holen zu können für neue Worte, neue Küsse, für ein unaufhörliches Geständnis: Ja. Ja.
Wenn das Geständnis abgelegt war, war ich verurteilt zu lieben; wenn ich eines Tages freikam aus der Liebe, musste ich zurück ins Wasser gehen, in dieses Element, in dem niemand sich ein Nest baut, sich ein Dach aufzieht über Balken, sich bedeckt mit einer Plane. Nirgendwo sein, nirgendwo bleiben. Tauchen, ruhen, sich ohne Aufwand von Kraft bewegen – und eines Tages sich besinnen, wieder auftauchen, durch eine Lichtung gehen, ihn sehen und ″Hans″ sagen. Mit dem Anfang beginnen…“
Fotos_Klagenfurt/Henselstr._Wohnhaus von Ingeborg Bachmann_Kreuzbergl
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Liebe Marilene Novak, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?
Es liest sich wie eine ewig gültige Wahrheit und spiegelt das Leben von vielen Frauen in vielen Kulturen. Ob er Hans, Rainer oder Michael heißt ist Nebensache. Das Drama um Mann und Frau geht immer weiter.
Unsere Frauenhäuser sind voll und viele Frauen trauen sich nicht dorthin zu gehen…
Wie siehst Du „Undine“?
Undine ist ein Wesen der Leichtigkeit, Lebensfreude und einem verspielten Zugang zum Leben. Leider wird ihr das schnell genommen in der menschlichen Erfahrung im Umgang mit der Liebe. Die Liebe ist wie die Rose voller Dornen, an denen man sogar sterben kann. Die Undine ist personifizierte Freiheit und Unabhängigkeit, zur Hingabe und Liebe fähig aber ohne jeden Schutz ausgeliefert, weil sie den Schmerz noch nicht kennt, wie ein kleines Mädchen, aber durch die Tränen reift sie heran zu einer Frau, einer echten starken und weisen Frau.
„Undine geht“ wurde vor gut 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?
Eigentlich so gut wie nichts. Es gibt immer wieder gute Ansätze. Aber der Mann lässt sich nicht so einfach verdrängen von seiner Vormachtsstellung, er kämpft mit allem, was ihm zur Verfügung steht, um dort zu bleiben und weiter zu herrschen. Die Frau allerdings holt ihn bald ein und er wird weichen müssen. Die Evolution bleibt nicht stehen, sie geht weiter und bahnt sich wie das Wasser seinen Weg…aber es werden noch viele Opfer der Frauen gebracht werden müssen.
Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?
Es hat sich nicht viel verändert, oft nur an der Oberfläche, doch in die Tiefe der Seele des Mannes ist es noch nicht vorgedrungen die Frau zu sehen als sein Spiegelbild und seine Plattform, auf der er sich entwickeln soll. Zu tief sitzen noch alte Muster und Vorstellungen, eingeimpft von nichts ahnenden Müttern, welche selbst an der Unterdrückung zerbrochen sind, vorgelebt von Vätern, die es auch nicht besser wussten.
Bewusstwerdung ist unser einziger Ausweg.
Zu tief sitzt die Angst des Mannes vor der Frau. Der überlegenen Frau, die Frau wird immer überlegen sein. So wollte es die Natur.
Frauen sind Mütter (oder können es sein, was dasselbe ist, alle Anlagen sind ja vorhanden), das ist ihre Superkraft, diese Kraft so unendlich ein anderes Wesen zu lieben, manchmal bis zur völligen Selbstzerstörung, die Fähigkeit für ein Wesen so zu kämpfen und es zu beschützen hat nur die Frau!!!!
Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben aus. Welche Auswege siehst Du da?
Entwicklung, vor allem die Entwicklung der Männer. Gerald Hüther nennt es „den Entwicklungsweg des Mannes zu einem Liebenden“. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Mann sich wieder besinnen soll auf seine Fähigkeit zu beschützen, zu bewundern und ein Gefährte auf Augenhöhe zu sein.
Leider besitzen diese Fähigkeiten eine absolut verschwindende Anzahl an Männern. Zumindest in meinem Umkreis. Dies sehe ich auch eng mit dem kapitalistischen System verbunden, in dem der Mann gelernt hat, sich nur über äußeren Erfolg zu definieren.
Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?
Ich muss nichts mitnehmen, da ich es schon in mir habe. In mir und gewiss in vielen, wenn nicht allen Frauen steckt ein Teil von „Undine geht“, man muss ihn nur bewusst wahrnehmen. Undine ist ein immer gültiger Archetypus der in der weiblichen Psyche anzutreffen ist.
Was bedeutet Dir Natur?
Mein Rückzugsort, um Kraft zu tanken. Ich bin bin ihr verbunden in großer Dankbarkeit.
Was bedeutet Dir das Element Wasser?
Zu Wasser habe ich ein etwas ambivalentes Verhältnis, da ich als Kind einmal fast ertrunken wäre, ich kann es noch fühlen diese Urgewalt, die mich fast verschluckt hat. Ich habe Respekt vor dem Wasser. Wasser zieht uns Menschen aber sehr an, wir sind ja zu überwiegendem Anteil selbst aus Wasser. Wasser ist unsere Urmutter. Wasser und Erde. Ohne Wasser kein Leben.
Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?
Da ich am Land lebe, bin ich ganz nah dran und genieße jede Jahreszeit mit ihren individuellen Schönheiten. Den Frühling mit seiner Hoffnung, den Sommer mit seiner reichen Frucht, den Herbst mit seinen Farben und den Winter mit seiner Stille- so findet man in allem etwas, das einem selbst und den Entwicklungsweg des Menschen wiedergibt und illustriert.
Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?
Es gibt immer nur einen Weg: den Weg zur Selbstliebe. Dieser Weg ist gekennzeichnet durch die Arbeit an sich selbst, Reflexion der eigenen Worte Taten und Handlungen. Jeden Tag können wir uns entscheiden, wer wir sein möchten.
Eigenliebe führt zur Nächstenliebe und zur Liebe zur ganzen Schöpfung…der Weg ist bekannt. Gehen muss ihn jeder selbst. Wie kann ich jemandem böse sein, wenn ich dessen Wunden erkenne?
Allerdings muss sich jeder schützen vor Menschen, die Grenzen nicht respektieren.
Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?
Ehrlichkeit. Und zwar bedingungslose. Kommunikation auf Augenhöhe und Respekt vor dem Gegenüber.
Was lässt Liebe untergehen?
Selbstsucht, Respektlosigkeit, Untreue auf allen Ebenen aber auch Selbstvernachlässigung
Wie war Dein Weg zur Musik, zum Schauspiel?
Es war immer da, immer. Aber der Entwicklungsweg war hart und steinig.
Welche aktuellen Projektpläne hast Du?
Ich habe regelmässig Konzerte und kleinere Projekte. Bin für alles offen. Das nächste Konzert ist am 1.8 die Wörthersee Gala- Oper & Operette im Casineum in Velden. Mein Herzensprojekt. Ansonsten arbeite ich selbst in einem Kunst und Kulturverein- dem Kulturforum und Kunstkabinett Kärnten, dort passiert einiges in verschiedenen Sparten, es ist immer was zu tun, wenn man will…
Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?
„Und wenn eure Küsse und euer Samen von den vielen großen Wassern (Regen, Flüssen, Meeren) längst abgewaschen und fortgeschwemmt sind, dann ist doch der Name noch da, der sich fortpflanzt unter Wasser, weil ich nicht aufhören kann, ihn zu rufen, Hans, Hans…“
Liebe bleibt, Liebe sitzt in unseren Zellen bis ans Ende unserer Tage.
Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Akrostichon zu „Undine geht“ bitten?
Es ist ein Leben aus der Kraft einer Vision für Gerechtigkeit und Engagement. Ein Leben, das bereit war, alles dafür zu geben und das am 4.April 1968 gewaltsam beendet wurde. Sein Name: Martin Luther King * 15. Januar 1929 Atlanta, Georgia/USA † 4. April 1968 in Memphis/Tennessee, Baptistenpastor, Anführer der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 1950/60er Jahre und Friedensnobelpreisträger 1964.
Ein Lebensalter von knapp vierzig Jahren, das so viel weltgeschichtliche Bedeutung erlangte und bis heute Inspiration und Auftrag für gesellschaftliches Engagement ist.
Doch wie war nun der Lebenslauf dieses so bedeutenden wie engagierten Pastors, was waren Bewegründe, Inspirationen wie Motivationen? Welche Lebensereignisse, Erfahrungen formten Leben und Werk?
Der renommierte Journalist und Autor, Jonathan Eig, legt nun eine umfassende Spurensuche in spannenden biographischen und gesellschaftshistorischen Facetten vor. Die schon vielfach ausgezeichnete – Pulitzer Preis 2024 – Biographie ist in drei großen Überblickskapitel aufgebaut, welche detailliert wie gut lesbar Lebensweg wie Begegnungen, Visionen und Herausforderungen herausarbeiten wie zusammenfassen.
„Eine spannende, beeindruckende Reise zu einem Leben zwischen Vision, Mut und Gesellschaft!“
Martin Luther King. Ein Leben. Jonathan Eig. DVA Verlag
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Clownerie und Humor können die Dinge ein wenig zurechtbiegen…und Humor ist eine solide Brücke zwischen zwei Menschen!
Was liest Du derzeit?
Karina Sainz Borgo: Nacht in Caracas
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Kleist: Schließlich ist das Paradies verriegelt, und wir müssen die Reise um die Welt machen und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist.
Vielen Dank für das Interview, liebe Verena, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunst-, Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Verena Vondrak, Clownin und Autorin
Zur Person:Verena Vondrak, Clownin und Autorin _ Ausbildung in Paris und Prag, Autorin von 2 Kinderbüchern, Co-Direktorin vom Clowntheater Olé in Wien, 30 Jahre CliniClown (St. Anna Kinderspital), Workshopleiterin in Clownerie,
Zur Person: Val Wecerka, geboren in Burgas, studierte Malerei, Grafik und Tapisserie (Universität für angewandte Kunst Wien bei Prof. Ch. L. Attersee) sowie Bildnerische Erziehung und Textiles Gestalten (Barbara Putz-Plecko). Sie lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Wien.
Meine Arbeiten setzen sich intensiv mit den Themen Identität, Herkunft und Zeit auseinander. In meinen Werken erforsche ich die Komplexität dieser Konzepte und ihre Verflechtungen miteinander. Ich nutze eine Vielzahl künstlerischer Ausdrucksformen wie Malerei, Skulptur und Textil, um meine Botschaft zu vermitteln. Durch diese Vielfalt an Medien schaffe ich eine facettenreiche Betrachtung dieser Themen.
Die Blätter fallen. Und zwei rote davon direkt auf den Sarg ihres Vaters. Sprachlos stehen Zara und ihre Mutter vor dem Dunkel des Grabes. Viele Freunde sind gekommen, es ist bunt wie das Leben des Reporters, der in Indien bei einem Motorradunfall starb. So heißt es, jetzt, im stummen Fall der Blätter. Doch für Zara zerreißt die Stille im Schmerz und sie stürmt davon, wie ihr Vater Reinhard in seinem Leben zwischen Kulturen, Grenzen, Begegnungen und Aufbrüchen…
In Italien begegnen Zara und Ruth dem Fotografen Johannes, einen Kollegen des Vaters und jetzt kommt es zu einer Offenbarung, der Zara nur mit einem Schrei begegnen kann…
Ihr Vater ist nicht tot. Im Grab liegt nur die verbrannte Lederjacke.
Und jetzt bricht Zara auf. Eine Spurensuche beginnt zwischen Tochter und Vater, Erinnerung und Erfahrung, Religion, Kultur und Politik, Liebe und Schmerz, Hoffnung und Ausweglosigkeit…
Lisei Luftvogel, in Essen geborene und in Ferrara lebende Autorin, legt mit Der Doppelschreier ihren zweiten Roman vor und begeistert darin mit sprachlicher Virtuosität in einem kulturellen roadmovie der Sonderklasse.
Die studierte Philosophin wie ebenso der Arabistik/Judaistik packt eine spannungsgeladene literarische Spurensuche in Brennpunkte der Zeitgeschichte des Nahen Ostens wie Kalten Krieges und lässt so ein Gesellschaftspanorama entstehen, dass an ganz große literarische Werke wie Thomas Mann oder Alfred Döblin erinnert, allerdings im verdichteten Zeitraffer eines krimigleichen Erzählstranges, der im dialogischen wie topografischen Tempo eine genuin selbstbewusste wie faszinierende literarische Form findet.
„Ein mitreißender Spannungsgenuss mit tiefen Reflexionsebenen der Zeitgeschichte!“
Der Doppelschreier, Lisei Luftvogel. Roman. Tredition.
Liebe Rebekka Salm, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Jetzt und heute stehe ich zwischen zwei Reisen. Zurück aus Dänemark und unterwegs nach Berlin. Ich packe Koffer aus, wasche Wäsche, packe Koffer wieder ein, suche Reisepässe, die ich gerade noch in den Händen gehalten habe, dazwischen höre ich alle zwei Minuten „Mama“ und die Katze streicht mir hungrig um die Beine. Im Kopf notiere ich mir Ideen, die ich später in mein aktuelles Romanprojekt einbauen werde – wenn ich sie bis dann nicht vergessen habe.
Rebekka Salm, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dass wir es uns bei den wichtigen Themen wie Klimakrise oder ein funktionierendes soziales Miteinander nicht zu einfach machen. Dass wir nicht den bequemen Wahrheiten aufsitzen, einfach weil es bedeuten würde, dass wir uns nicht bewegen müssen. Dass wir nicht recht haben wollen, sondern rechtschaffen handeln wollen. Dass wir in freundlicher Weise kritisch mit uns selbst sind: Stimmt das, was ich denke? Was spricht dafür und – viel wichtiger – was dagegen?
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur ist ein in endloser Weise ausgestaltbarer Raum – wir können ihn runterkühlen und die Lichter dimmen, wir können ihn in hoffnungsvollen Farben streichen, wir können darin dystopische Szenarien stattfinden lassen, die nie eintreten dürfen und wir können darin leicht verständlich und auf inspirierende Weise aufzeigen – ohne moralisierend zu werden -, wie es in Zukunft sein könnte und sollte.
Was liest Du derzeit?
„Auf allen Vieren“ von Miranda July / Kiepenheuer & Witsch, 3. Auflage 2024
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Es brauchte keine Antwort auf die Frage nach dem Warum zu geben; alles Wichtige begann rätselhaft, und die Rätselhaftigkeit glich einem Ozean, den man mit einiger Kühnheit durchqueren musste. Wie oft hatte ich bei der ersten kleinen Welle von Selbstzweifeln wieder kehrtgemacht? Um an irgendeinen neuen Ort zu gelangen, musste man es aushalten, dass sich irgendetwas grundfalsch anfühlte.“
Vielen Dank für das Interview, liebe Rebekka, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Rebekka Salm, Schriftstellerin
Zur Person:Rebekka Salm*1979, wohnhaft in Olten, studierte Islamwissenschaften und Geschichte in Basel und Bern, arbeitet als Texterin und Erwachsenenbildnerin im Migrationsbereich und ist Mutter einer Tochter. Publikationen in verschiedenen Literaturformaten, 2022 erschien ihr Debut-Roman „Die Dinge beim Namen“, 2024 der zweite Roman „Wie der Hase läuft“. 2023 erhielt sie von den Kantonen Baselland und Solothurn je den Förderpreis Literatur sowie von der Hans und Beatrice Maurer-Billeter-Stiftung den Förderpreis Dreitannen.
„Wo nimmt die eigene Geschichte ihren Anfang? Und können wir uns sicher sein, dass das, woran wir uns erinnern, auch wahr ist? Rebekka Salm beweist nach ihrem fulminanten Debüt in ihrem zweiten Roman Wie der Hase läuft ihr tolles Erzähltalent.
Amsterdam, 1943: In einer Bäckerei fällt ein Schuss, hinter dem Tresen stirbt ein junger Mann. Seine Witwe, fast noch ein Kind, flieht in die Schweiz. Fünfzig Jahre später verlässt im Basler Hinterland ein Familienvater Frau und Kind, in der gleichen Nacht liegt eine Frau zwischen zwei Dörfern tot am Strassenrand. Jahrzehnte später begegnen Teresa und Mirco einander. Sie verlieben sich und versuchen sich an ihre Kindheit zu erinnern, die geprägt war von Verlust und Schweigen. Mirco hat Angst, dass die Vergangenheit sich wiederholt, wenn man sie nicht ruhen lässt. Aber Teresa begibt sich auf Spurensuche und erschafft Stück für Stück ihre gemeinsame Geschichte.
In ihrem neuen Roman entfaltet Rebekka Salm ein Panoptikum aus Geschichten und Erinnerungen zweier Familien, die sich nicht erinnern wollen – und die doch, ob’s ihnen gefällt oder nicht, Teil einer großen Erzählung sind.“
Rebekka Salm Wie der Hase läuft Roman Gebunden, 13,5 x 21,5 cm 195 Seiten CHF 29.00
Er ist einer bedeutendsten wie stilbildendensten Fotografen des 20.Jahrhunderts und setzte in seinem knapp hundertjährigen Leben Maßstäbe in der Darstellungs- Eindrucks- und Ausdruckskraft des Lichtbildes im gesellschaftlichen Fokus von Zeit und Ereignis, sowohl im weltgeschichtlich „Großen“ wie sozial alltägllich „Kleinen“ Streetfotografie. Sein umfangreiches Werk umfasst einen zeitgeschichtlichen Bilderbogen, der ein einzigartiges Panorama von Gesellschaft und Ereignis ist. Sein Name: Henri Cartier-Bresson * 22. August 1908 Chanteloup-en-Brie, Seine-et-Marne/F † 3. August 2004 in Montjustin, Alpes-de-Haute-Provence/F.
Eine aktuelle Ausstellung zu Leben und Werk, die bis September in Berlin und dann in Madrid zu sehen ist, gibt einen wunderbaren Ein- und Überblick in Leben und Werk dieses so bedeutenden und inspirierenden Fotografen, Filmemacher, Künstler wie Journalisten.
Der Begleitband im Hirmer Verlag ist wie gewohnt ein Kunstwerk für sich und fasst in Wort – spannende Essays zu den künstlerischen Schwerpunkten wie Ausrichtungen zwischen Leben und Zeit – und Bild – ein wunderbarer Bildbogen des Werkes in genauer Beschreibung/Info – die laufende Ausstellung eindrücklich zusammen.
„Ein großartiger Ein-, und Überblick in Leben und Werk eines der bedeutendsten Fotografen des 20.Jahrhunderts!“