Über wortweg08

Fotografie, Literatur, Theater, Film, Kunst. Mail: walter.pobaschnig8@gmail.com

„Wir können die Welt nicht verfügbar machen“ Lola Lindenbaum_ Künstlerin_ Wien 3.7.2020

Liebe Lola, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein objektiv ersichtlicher Tagesablauf hat sich kaum verändert, die Aufgaben in meinem „Brotberuf“ haben sich durch die äußeren Umstände erweitert, somit war ich gerade am Beginn des Shutdowns bezüglich meiner künstlerischen Impulse in der Umsetzung gehemmter als erwartet, widmete mich daher der Beobachtung, um in der „Lücke“ die Saat für spätere Arbeiten zu säen. Ich zitiere hier Robert Pfaller aus seinem Buch „Die blitzenden Waffen. Über die Macht der Form“, auf das ich später noch zu sprechen komme mit folgendem Satz: „DORT, WO MAN DIE ABWESENHEIT VON DARSTELLUNG HÄTTE VERMUTEN KÖNNEN, FINDET IMMER NOCH DARSTELLUNG STATT-EBEN DARSTELLUNG VON ABWESENHEIT.“

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Subjektiv habe ich die Zeit, in der die äußeren Rahmenbedinungen für mehr Introvertiertheit und Reflexion optimal gegeben waren, durchaus genossen, vor allem der Wegfall des Zwangs zu Gesellschaft war wohltuend, zumal mir allzuviele menschliche Kontakte im Laufe der Jahre mehr und mehr Energie kosten. Ich brauche stets viel Raum und in diesem meine Energie für mich.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich bin gegen menschliches Implizieren dessen, was dem anderen bzw. was für andere besonders wichtig ist, das wäre eine Bevormundung, gegen die ich mich ausspreche.

Wichtig für mich finde ich die Bestätigung der Erkenntnis, dass „Weltreichweitenvergrösserung“ – der Terminus stammt vom Soziologen Hartmut Rosa aus dessen Buch „Unverfügbarkeit“, das lange vor Corona geschrieben wurde, jedoch an Aktualität kaum zu übertreffen ist- nicht mehr Freiheit bringt, sondern im Gegenteil wir dadurch in neue Abhängigkeiten schlittern, die jener objektiver „Unfreiheit“ um nichts nachstehen.

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Die Expansionstendenz in allen Lebensbereichen taugt weder als Erlösungsversprechen noch macht es die Welt „verfügbarer“- wie man jetzt auch bei Corona sieht- und sie bringt natürlich auch die Sehnsucht nach dem Gegenteil hervor, nämlich die „Reichweitenminimierung“, diese wird ja in Rückzugsseminaren in Klöstern, simplify-your –Life-Retreats usw. offensiv und kostspielig gesucht und „zurückgekauft“ bzw der Versuch dazu unternommen. Corona stellte uns nicht vor die Wahl.  Der Weltausschnitt war zwangsläufig reduziert und die Erkenntnis da, dass Dinge über die wir Jahrzehnte  lang sicher verfügen konnten, plötzlich außer Reichweite geraten waren.

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Die Möglichkeit, jedes Wochenende, ans andere Ende der Welt jetten zu können, war plötzlich undenkbar. Jedoch stellte sich die Frage- will ich das überhaupt, macht mich das glücklich. Sind diese Verschwendung und die Möglichkeit, jederzeit überall sein zu können, denn nicht auch eine Belastung? Wie BLAISE PASCAL vermeinte: „DAS GANZE UNGLÜCK DER MENSCHEN RÜHRT AUS EINEM EINZIGE UMSTAND HER, NÄMLICH, DASS SIE NICHT RUHIG IN EINEM ZIMMER SITZEN BLEIBEN KÖNNEN.“

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Möglicherweise bot uns Corona eine flüchtige Gelegenheit einen Blick auf das zu werfen, was wir schon zu kennen meinen – da es in ständiger Präsenz ist- und es doch nicht tun.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei  der Kunst zu?

Die Kunst hatte stets eine Wirkung auf uns Menschen. Sie ermöglichte es dem Betrachter  den Blick zu öffnen und sehen und wahrnehmen zu lernen, scheinbar banale Dinge ins Reich der Ästhetik zu heben und so einen anderen Blick- ausgehend vom Kunstwerk- auf die ganze Welt zu werfen und diese so erträglicher zu machen. Ja, es wohnte der Kunst stets eine therapeutische Lesart inne.

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Wenn ein Kunstwerk einen Betrachter tangiert, hat es mit seinem Leben zu tun und kann dieses komplementieren.

Die früher sehr beliebten Vanitas-Stillleben beispielsweise symbolisierten Vergänglichkeit und  erinnerten die Menschen stets an die Endlichkeit des Lebens, an die Sicherheit der Unsicherheit.

Ein Schulterschluss auch zu Corona. Wir können die Welt nicht verfügbar machen und unser Leben kann jeden Tag zu Ende gehen, ohne dass wir es im Endeffekt beeinflussen können, somit sollen wir es uns gut überlegen, ob wir Dinge aufschieben- in der Annahme sie später wiederholen zu können- oder die Gunst der Stunde nutzen.

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Ich habe diesbezüglich – vor Corona- eine mehrjährige Vanitas – Reihe gemalt unter dem Titel „DER TOD ALS GRADMESSER FÜR ENTSCHEIDUNGEN“.

Interessant und bestätigend war jetzt in der Corona- Zeit die Evidenz, wie wenig Verständnis oder Ahnung über die Bedeutung von Kunst in der sogenannten „Kulturpolitik“ vorhanden ist-und dies politisch vollkommen colourübergreifend- und es bestätigte sich meine Auffassung, dass Kunst und Politik einfach unvereinbare Amplituden darstellen und bereits der Terminus „Kulturpolitik“ ein Paradoxon per se darstellt.

 

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Was liest Du derzeit?

Derzeit lese ich „Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke“ – Susan Sontag, Tagebücher 1964-1980.

Davor habe ich die Bücher „Die blitzenden Waffen:Über die Macht der Form“ von Robert Pfaller, die Biographie „Susan Sontag-Geist und Glamour“ von Daniel Schreiber und „Berlin-Linz. Wie mein Vater sein Glück verbrauchte“ von Tarek Leitner gelesen.

 

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Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Susan Sontag schreibt ihn ihren Tagebüchern am 20.8.1964:

„Kritiken zu lesen verstopft Kanäle, durch die man neue Ideen bekommt: kulturelles Cholesterin“

 

Vielen Dank für das Interview liebe Lola, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine vielfältigen spannenden Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Lola Lindenbaum, Künstlerin

http://www.lolalindenbaum.com/de/

Alle Bilder_Lola Londenbaum

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https://literaturoutdoors.com

 

„Zukunftsbilder erschaffen, welche in uns Freude und Aufregung erzeugen“ Christina Wuga, Schauspielerin_ St.Veit/Glan_2.7.2020

Liebe Christina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bewege mich zwischen produktiv sein dürfen/wollen/müssen und den Tag
kommen lassen. Suche hier den richtigen Groove für mich – vergebens :-). Das ist
herausfordernd und schön zu gleich. Im Theater richtig losgehen wird es für
mich erst wieder mit der nächsten Produktion Anfang September. Zur Zeit
schreibe ich mit einem wunderbaren Schauspielkollegen zusammen an einem
Theaterstück über Sexualität. Es ist ein Herzensprojekt. Die Recherchen dazu
machen Lust auf mehr :-))

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir nicht zur Normalität zurückkehren. Sondern wir die Erfahrungen der
letzten Wochen in uns – so groß oder so klein sie auch zu scheinen mögen –
wirken lassen, spüren und mitnehmen. Vielleicht sind es Erkenntnisse darüber,
was einem wirklich wichtig ist, auf was man verzichten konnte, was einem
gefehlt hat, oder überraschenderweise gar nicht gefehlt hat, was man für sich
entdeckt hat und ob und was man verändern möchte. Dass wir uns die Frage
stellen, wie wir wirklich leben wollen. Ich hoffe so sehr, dass diese Zeit etwas in
uns berührt hat, was in uns weiterwurzeln wird.

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Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und
persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt
dabei dem Theater, dem Film, der Kunst an sich zu?

Dass wir mehr denn je Verantwortung für unser Denken, Handeln und Fühlen
übernehmen. „Sei du die Veränderung, die du dir wünscht für diese
Welt“ (Mahatma Gandhi). Und wir nie aufgeben in Verbindung, in
Kommunikation zu bleiben, uns gegenseitig versuchen zu verstehen, zu
erkennen und akzeptieren, dass es DIE Wahrheit nicht gibt. „Kunst ist die Magie,
befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein.“ (Theodor W. Adorno)
Ich würde mich freuen, wenn wir durch gute Lebensfragen auf, vor und hinter
der Bühne, den Geist dehnen und Zukunftsbilder erschaffen, welche in uns
Freude und Aufregung erzeugen. Ich glaube, dass ist die schönste Motivation
einen Weg zu gehen.

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Was liest Du derzeit?

Die Vagina-Monologe von Eve Ensler.

 
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Zu empfinden, was ich sehe, zu geben, was ich empfinde, macht für mich mein
Leben als Künstlerin, als Mensch aus. (angelehnt an Max Klinger).

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Vielen Dank für das Interview liebe Christina, viel Freude und Erfolg für alle Schauspiel- und Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Christina Wuga, Schauspielerin, Regisseurin

https://literaturoutdoors.com/treffpunkte/

 

 

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https://literaturoutdoors.com

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„Mit den Menschen ins Morgen gehen“ Peter Nitsche, Schauspieler_Wien 1.7.2020

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wie auch vor Corona. Gemütlich und bewusst aufwachen. Dank ans Leben. An den To Do’s weiter kreativ arbeiten. Mir täglich ganz bewusst für mich Zeit nehmen, um mir und meinen inneren Kindern Gutes zu tun. Menschen begegnen. Dankbar für mein Zuhause mit einer liebenswerten Menschin. Den Tag ausklingen lassen.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

 Vertrauen in uns selbst, ins Du, Uns und Wir. Reinspüren, WAS wirklich dran und zu tun ist, im Sinne und zum Wohle von uns Allen.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, Theater, der Kunst an sich zu?

 Authentisch und mutig im Heute SEIN und mit den Menschen ins Morgen gehen, mit denen wir auch zukunftsweisend on stage SEIN können, dürfen und wollen. Gerade am Theater sagt es Andrea Breth so treffend: Gerade in den Proben laufen die SchauspielerInnen mit offenen Fontanellen herum.

Das gilt für uns alle im daily life. Mehr denn je.

 

Was liest Du derzeit?

 Der Meister und Margarita /Bulgakov

Kokain, Pitigrilli

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

 tief in versenktem raume

trank ich vom freund ..

als ich zum tag  mich wandte,

war bis zum fernsten saume

kein ding das ich noch kannte –

die herde war entrückt mit der ich rannte…

(juan de la cruz)

 

Vielen Dank für das Interview lieber Peter, viel Freude und Erfolg für Deine vielfältigen Schauspiel- und Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Peter Nitsche, Schauspieler

18.6.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst und Kultur eine Wertschätzung entgegenbringen, die sie verdienen“ Miriam Fontaine, Schauspielerin_ Wien 30.6.2020

Liebe Miriam, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe auf, meditiere meistens, mache Sport oder übe Klavier. Ich verbringe viel Zeit in der Natur und denke nach.- über das Leben und nichts.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich darauf zu besinnen was wesentlich ist. Wach zu sein, bei sich zu sein, zu hinterfragen, eigenständig zu denken.

 

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Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Das Ganze ist natürlich eine Chance der gesamten Kunst – und Kulturszene die Wertschätzung entgegenzubringen, die sie verdient und sich nicht nur „in guten Zeiten“ mit ihr zu rühmen. Ich hoffe, dass Schauspiel, Theater, Film,…- Kunst durch diese jetzige Situation einen Platz einnimmt, der unter allen Umständen bestehen bleibt und allgemein als unverzichtbar wahrgenommen wird.

Grundsätzlich denke ich, dass Umbrüche jeglicher Art immer eine große Möglichkeit bieten zu reflektieren, sich neu auszurichten und mit sich selbst auseinanderzusetzen. Wenn man sich darauf einlässt kann viel an Entwicklung passieren. Das gilt für den Einzelnen genauso wie für uns als Gesellschaft.

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 Was liest Du derzeit?

Gerade habe ich „Schwarzes Kleid mit Perlen“ von Helen Weinzweig begonnen und davor habe ich „Accabadora“ von Michela Murgia gelesen – das fand ich richtig gut!

 

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Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Twenty years from now you will be more disappointed by the things you didn´t do than by the ones you did do.

So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbour. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.

Mark Twain

 

 

Vielen Dank für das Interview liebe Miriam, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-/Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Miriam Fontaine, Schauspielerin

http://www.miriamfontaine.com/miriam_fontaine/welcome.html

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15.6.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

 

„Wir brauchen jetzt bessere Bühnen-Publikum Ideen – wir sind ja keine Kunstroboter“ Clara Frühstück_ Pianistin_Performerin_Wien 29.6.2020

Liebe Clara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin nun seit ein paar Tagen wieder in Wien und es ist mir gerade ein großes Bedürfnis all meinen lieben Freunden wieder zu begegnen.

Mein letztes Konzert war am Weltfrauentag in Linz. Danach ging’s weiter nach Frankfurt zu meinem Mann und den zwei Katzen und dort blieb ich dann im Endeffekt die letzten drei Monate.

Ich bin also jetzt mal am „Wien-Zeit-Aufholen“ – gehe spazieren, fahre mit dem Rad durch Wien, schaue mir wieder meine Lieblingsplätze an, etwa die Löwen am Donaukanal. Ich liebe Wien. Es ist mein Zuhause.

Trotz all den sozialen Kontakten behalte ich meine täglichen Rituale wie Yoga, Meditation als fixe Bestandteile auch in meiner Wien-Zeit bei.

Der künstlerische Austausch, dieses gemeinsame „Spinnen“ mit KollegInnen, mit denen ich in Wien zusammenarbeite, hat mir schon sehr gefehlt. Und nun beginnt auch da wieder „Leben reinzubekommen“. Es gibt diverse Meetings für verschobene Musikprojekte.

Auch wieder in meiner Wienwohnung, bei meinem wunderschönen Bösendorfer zu sein, berührt mich mehr als ich dachte. Es war geplant, dass wir uns 10 Tage nicht sehen, aber dass ich meinen „Hengst“ (mein Klavier) dann so lange alleine lasse, war ja nicht geplant. Jetzt nähern wir uns wieder an und er kriegt viel sanftes Streicheln von mir (lacht).

 

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 Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die letzten drei Monate haben mir besonders gezeigt, wie hilfreich es sein kann, immer wieder auszusteigen aus dem Gedankenwirrwarr aus Vergangenheit & Zukunft, Ängsten & Sorgen. 

Ängste sind kontraproduktiv – Im Leben und auch in und für meine Kunst.

Sehr hilfreich ist – jetzt und immer – sich nicht zu viel um die Zukunft zu sorgen und somit der Angst Raum in Kopf, Körper und Gemeinschaft zu geben.

Es ist sinnlos sowohl zu viel in der Vergangenheit zu hängen als auch sich zu viel um die Zukunft zu sorgen.

Im Moment zu sein und in Bewegung zu bleiben…

Dazu passt vielleicht ein Zitat von Bernstein, das ich unlängst gelesen habe:

„Das Ziel ist mir nichts, die Bewegung ist alles.“

 

 

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ich hoffe, dass diese Distanz, dieses Sich-Aus-Dem-Weg-Gehen nicht zum Normalzustand wird!

Auch was die Kunst betrifft, brauchen wir bessere Ideen als zum Beispiel dasselbe Programm mit „geteiltem Publikum“ zweimal hintereinander zu spielen. Das lehne ich wirklich ab. Wir sind ja keine Kunstroboter.

Ich will ein-mal auf die Bühne gehen und dann alles geben.

Ich bin keine Prophetin und kann keine Voraussagungen machen, aber was ich weiß – für mich persönlich – ist, dass ich weiter Musik und Kunst machen möchte.

Tja, keine Ahnung woran auch ich mich noch alles gewöhnen werde (müssen), um meine Kunst weiterzuleben, weiterzugeben.

Aber darüber denke ich jetzt mal besser noch nicht zu viel nach!

 

 

Was liest Du derzeit?

Was ich gleich zu Beginn sagen möchte: Ich bin so unglaublich dankbar, was es für geniale Bücher auf dieser Welt gibt.

Auf meiner sechsstündigen Zugfahrt nach Wien las ich Connie Palmen, Die Gesetze & Jerzy Grotowski, Für ein armes Theater.

Um noch ein paar AutorInnen zu nennen, die mich die letzten Monate begleitet und begeistert haben: Sarah Kane, Nino Haratischwili, Elfriede Jelinek, Ferdinand Schmalz oder Jan Fabre.

 

Ich schätze besondere, spezielle, kunstvolle Sprache sehr.

Da fällt mir natürlich auch der liebe John Cage ein. „Lecture on nothing“ lese ich immer wieder gerne.

Und wenn ich einen wirklich spannenden Roman in die Hand bekomme, lese ich (fast) bis zur Sehnenscheidenentzündung (lacht). Das ist mir jetzt passiert bei “Das achte Leben“ von Nino Haratischwili. 1300 Seiten ein paar Stunden in Händen zu halten ist wirklich nicht zu unterschätzen! Diverseste andere Bücher am Bauch als Unterlage & Pölster da und dort um weiterlesen zu können waren notwendig. Denn aufhören kann ich dann meist wirklich nur schwer.

 

Welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

 

Nichts ist ewig

(Nur das Nichts) – Sarah Kane

 

Vielen Dank für das Interview liebe Clara, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Performance Projekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Clara Frühstück, Pianistin, Performerin 

http://www.clarafruehstueck.com/

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https://literaturoutdoors.com

„Theater und Kunst stellen die relevanten und schmerzhaften Fragen “ May Garzon, Schauspielerin_Wien 28.6.2020

Liebe May, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Einen klassischen Tagesablauf gibt es bei mir sowieso nie. Ich habe aber in den letzten Jahren meiner Selbstständigkeit begonnen, zumindest einen halbwegs gleichbleibenden Rhythmus zu etablieren, weil ich dann einfach produktiver bin und es meiner Psyche auch besser damit geht. Da ich gerade umgezogen bin, waren meine letzten Wochen mit dem Umzugswahn gefüllt, nebenher der bürokratische Wahnsinn und stundenlange Gespräche mit Ministerien und meiner Steuerberaterin. An viele Infos (bzgl. Grenzüberschreitung, Quarantäne, Bedingungen des Härtefallfonds etc.) kam man nur sehr schwer ran. Wirklich Zeit zum Durchatmen hatte ich seit dem“ Lockdown“ eigentlich nicht und wenn, dann habe ich die Zeit genutzt um mich kritisch mit der aktuellen Lage auseinanderzusetzen und zu recherchieren. Für Kreativität ist momentan leider kaum Raum. In den nächsten Tagen sollte der Einrichtungswahn aber zu Ende gehen und dann möchte ich meinen neuen Balkon bepflanzen, wieder Musik machen und gerne auch wieder schreiben.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es gibt so vieles, was gerade wichtig ist und es kommt ganz darauf an, wie man „uns alle“ definiert. Wenn man es global betrachtet, dann ist es auf jeden Fall Zusammenhalt und die große Frage wie wir in die Zukunft gehen wollen. Als ich die Fragen gestellt bekommen habe, gab es „nur“ Corona und den Lockdown, mittlerweile ist die gigantische „blacklivesmatter“ Bewegung dazu gekommen. Ich denke das zeigt sehr deutlich, dass wir uns in einer sehr brisanten Zeit befinden. Es gibt gerade sehr viele Fragen, die wir uns als Menschheit stellen müssen. Wie wollen wir weiter machen und was muss sich ändern? Ich sehe eine gewaltige Chance, Missstände aufzuzeigen. Wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen, mit der Natur und vieles mehr.

Ansonsten ist es glaube ich gerade sehr wichtig wachsam und kritisch zu bleiben, nicht alles zu glauben und auch nicht alles mit sich machen zu lassen. Und vor allem eine gewisse Offenheit für andere Meinungen und Perspektiven beizubehalten.

Dankbarkeit ist auch ganz wichtig momentan. Nach innen zu schauen und zu sehen, was man alles hat und wie viel man eigentlich gar nicht braucht. Auf was man vielleicht auch weiterhin verzichten kann. Wir haben sehen dürfen, wie schnell sich unsere Umwelt erholt, wenn wir mal zurück treten. Das darf nicht gleich wieder alles verloren gehen.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst zu?

Wesentlich für mich persönlich und auch für die Gesellschaft wird glaube ich, wie schon erwähnt, sein, dass wir uns fragen, wie wir gemeinsam weiter gehen wollen

Das Theater und die Kunst sind in meinen Augen wie immer dafür da, genau die relevanten und im Idealfall schmerzhaften Fragen zu stellen, die es braucht um eine Gesellschaft zu verändern. Wir brauchen Kunst also jetzt gerade ganz besonders.

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 Was liest Du derzeit?

Zeit zum Lesen habe ich leider viel zu selten, aber an den paar freien Tagen, die ich hatte, habe ich begonnen „Das Astrologiebuch“ zu lesen, das schon seit Jahren ungelesen in meinem Schrank liegt. Bei meinem Umzug ist mir aufgefallen, dass es viel zu viele ungelesene Bücher bei mir gibt. Jedenfalls fand ich Astrologie immer schon wahnsinnig spannend, um Zusammenhänge zu verstehen.

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Es gibt eine extrem starke Kraft für die die Wissenschaft bisher noch keine Formel gefunden hat. Es ist eine Kraft, die alle anderen beinhaltet, sie regelt und die sogar hinter jedem Phänomen steckt, das im Universum tätig ist und noch nicht von uns identifiziert wurde. Diese universelle Kraft ist Liebe. […] Nach dem Scheitern der Menschheit in der Nutzung und Kontrolle über die anderen Kräfte des Universums, die sich gegen uns gestellt haben, ist es unerlässlich, dass wir uns von einer anderen Art von Energie ernähren. Denn wir wollen, dass unsere Art überleben soll. Wenn wir einen Sinn im Leben finden wollen, wenn wir die Welt und alle fühlende Wesen, die sie bewohnen retten wollen, ist die Liebe die einzige und die letzte Antwort. Vielleicht sind wir noch nicht bereit eine Bombe der Liebe zu bauen, ein Artefakt, das mächtig genug ist, alles was den Planeten plagt an Hass, Selbstsucht und Gier zu zerstören. Allerdings trägt jeder einzelne in sich einen kleinen aber leistungsstarken Generator der Liebe, dessen Energie darauf wartet befreit zu werden.“ Albert Einstein

 

Vielen Dank für das Interview liebe May, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater- und Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

May Garzon, Schauspielerin

http://www.maygarzon.com/

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https://literaturoutdoors.com

„Der Live-Charakter des Theaters kann nicht nur verzaubern, sondern auch verändern“ Julian Loidl, Schauspieler_Wien 27.7.2020

Lieber Julian, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Dadurch, dass ich Familie habe hat sich an meinem Tagesrhythmus prinzipiell wenig verändert. Einziger Unterschied – ich spiele mit meiner Tochter statt mit meinen Schauspielkollegen – und das macht richtig Spaß! Ein bissl mehr Sport mach ich auch, wobei ich es da jetzt nicht unbedingt übertreibe. Es ist mehr wie eine Bewegung für den Geist, als Training für den Körper.

Trotz allem habe ich zurzeit genau so wie sonst auch immer das Gefühl, dass die Tage zu kurz sind. Obwohl man mehr Zeit hat, schafft man trotzdem weniger als man glaubt.

 

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube eine gute Melange aus Optimismus gepaart mit einem Hauch von Idealismus tut uns ganz gut. Man sollte sich nicht zu sehr von außen und den Medien beunruhigen lassen, man sollte körperlich und seelisch in seiner Mitte gefestigt bleiben, auf sein Bauchgefühl vertrauen und sich so möglichst stabil durch diese schwierigen, oftmals stürmischen Zeiten manövrieren.

Und Lachen – Lachen hilft immer. Das darf man nie vergessen. Apropos: mir hat unlängst meine Mutter gesagt: In den Corona-Tests, da ist ja jetzt schon Corona drinnen. Da kriegst du Corona, wenn du dich testen lasst. Das fand ich sehr amüsant. Also ein bissl ein Realismus könnte auch nicht schaden.

 

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater und der Kunst an sich zu?

Ich glaube wesentlich wird sein, dass wir uns alle miteinander dieser Veränderung stellen und uns an den Händen nehmen und gemeinsam in diese neuen Zeiten gehen. Der Live-Charakter des Theaters kann nicht nur verzaubern, sondern auch verändern. Etwas in uns verändern- das ist das Größte, was jede Kunst schaffen kann: In den Künstlern sowie auch in den Zuschauern und Zuhörern etwas in Bewegung zu setzen. Das ist eine große Kraft. Und diese sollten wir gemeinsam nutzen.

 

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Was liest Du derzeit?

Benjamin Blümchen. Und ein bissl Precht (Anm: Richard David Precht, Philosoph)

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus 2 Schriftzeichen zusammen – das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit – John F. Kennedy

 

 

Vielen Dank für das Interview lieber Julian, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater- und Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Julian Loidl, Schauspieler

https://www.julianloidl.com/

 

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„Theater ist ohne Publikum nichts. Ich will den Thrill zurück!“ Rainer Galke_Burgtheater Wien 26.6.2020

Lieber Rainer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich will mich nicht daran gewöhnen, dass Theater und Kunst fast komplett aus meinem Leben verschwunden sind. Man tut so, als ob das was jetzt ist, „normal“ ist,…aber spätestens wenn ich aufs Ergometer steige, um den Weg zur Probebühne zu simulieren, werde ich ganz depressiv. Es reicht auch langsam mit „Streaming“ und den ganzen online Dingen, dramatischer kann man kaum erleben, dass Theater ohne Publikum NICHTS ist. Ich will den Thrill zurück.

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Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Geduld haben. Maske tragen.

 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Zunächst wird es darum gehen, den Menschen wieder das Vertrauen zu geben, dass Sie gefahrlos Kunstausübungsorte betreten können,…der rein technische Vorgang, damit man sich nicht um seine Sicherheit sorgen muss, sondern sich emotional, geistig und intellektuell fallen lassen kann. Keine leichte Aufgabe.

Man darf gespannt sein, wie sich Kunst und Theater zu diesen Themen positionieren wird. Zeitweise konnte ich mir im lockdown gar nicht vorstellen, dass es irgendwann wieder so wird, wie es immer war. Inzwischen hoffe ich, dass es genauso wird wie es mal war, oder besser,…mit einem anderen Bewusstsein.  Gesellschaft, soziales Leben, Beziehungen der Menschen, die Frage – Wie soll man leben?- sind und waren immer die vornehmsten Themen des Theaters. Gerade und besonders nach großen Krisen haben die Menschen sich im Theater  Ihrer selbst versichert. Das ist richtig. Das ist gut.                                                Die jüngste Vergangenheit ist ja auch jetzt schon nicht nur eine humane, sondern auch eine politische Krise. Das muss Thema sein.

 

 

 Was liest Du derzeit?

Wie immer, langweilig, in Vorbereitung auf die nächsten Projekte; diesmal Tabori, der, überhaupt nicht langweilig, wahnsinnig klug und charmant über den größten Schrecken lachen lässt.

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mother of Muses sing for me
Sing of the mountains and the deep dark sea
Sing of the lakes and the nymphs of the forest
Sing your hearts out, all your women of the chorus
Sing of honor and fate and glory be
Mother of Muses sing for me

Mother of Muses sing for my heart
Sing of a love too soon to depart
Sing of the heroes who stood alone
Whose names are engraved on tablets of stone
Who struggled with pain so the world could go free
Mother of Muses sing for me

Sing of Sherman, Montgomery, and Scott
And of Zhukov, and Patton, and the battles they fought

Who cleared the path for Presley to sing
Who carved the path for Martin Luther King
Who did what they did and they went on their way
Man, I could tell their stories all day

I’m falling in love with Calliope
She don’t belong to anyone, why not give her to me?
She’s speaking to me, speaking with her eyes

I’ve grown so tired of chasing lies
Mother of Muses, wherever you are
I’ve already outlived my life by far

Mother of Muses, unleash your wrath
Things I can’t see, they’re blocking my path
Show me your wisdom, tell me my fate
Put me upright, make me walk straight
Forge my identity from the inside out
You know what I’m talking about

Take me to the river, release your charms
Let me lay down a while in your sweet, loving arms
Wake me, shake me, free me from sin
Make me invisible, like the wind
Got a mind that ramble, got a mind that roam
I’m travelin‘ light and I’m a-slow coming home

Mother of Muses

vom neuen Bob Dylan Album

Rough and Rowdy Ways

 

Liebe Grüße

RG

 

Vielen Dank für das Interview lieber Rainer, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater- und Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Rainer Galke, Schauspieler_Burgtheater Wien

https://www.burgtheater.at/ensemble/rainer-galke

Porträtfoto: Katarina Soskic

 

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„Wir alle haben Grenzen und sind verwundbar!“ Dagmar Bernhard, Schauspielerin_Wien 25.6.2020

Liebe Dagmar, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich widme mich in dieser Zeit Büchern, mache Yoga, meditiere, entschleunige, geh in den Wald, probiere viele neue Rezepte aus, mache das ein oder andere kreative Video. Meine Aktivzeit hat sich auch bis in die Nachtstunden (2.00/3.00)  verschoben – da ist es ruhig – da bin ich am kreativsten. Es ist mir auch gelungen via Zoom das Comedy Projekt mit den Teilzeitdivas fertig zu schreiben. Mittlerweile darf ich mich über den einen oder anderen Echtzeittalk im Kaffeehaus und meine ersten Drehs, die wieder stattfinden durften, freuen.

 

Dagmar Bernhard_

 
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

In dieser Zeit ist es wichtig zusammenzuhalten, niemanden zurückzulassen. Solidarität und Gemeinsinn ist hier ganz wichtig, denn nur gemeinsam werden wir aus dieser Krise gut rauskommen. Und eine weitere notwendige Komponente ist der Humor, denn wie Joachim Ringelnatz schon richtigerweise gesagt hat: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.

 
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, dem Film, der Kunst an sich zu?

Die Corona Krise hat uns vor Augen geführt, wie so vieles, was wir bisher für selbstverständlich gehalten haben, alles andere als selbstverständlich ist und: Dass wir alle Grenzen haben und verwundbar sind!

Ich hoffe, dass durch dieses Chaos etwas erwächst, das uns stärker aus dieser Krise hervorgehen lässt und unsere Berufsgruppe sich den staubigen Mantel des „sind wir überhaupt systemrelevant“ – einfach abstreifen kann und wir im neuen würdevollen Gewande wieder strahlen können.
Die Rolle des Theaters, des Films und der Kunst war schon immer eine überlebenswichtige Nahrung für den Geist und die Seele, begonnen bei den Griechen bis zur heutigen Zeit. Ohne Kunst und Kultur verkümmert der Mensch!

 

 

Was liest Du derzeit?

Erich Fromm – Haben oder sein

 

 

Welches Zitat, möchtest Du uns mitgeben? 

Ich glaube an die Unsterblichkeit des Theaters. Es ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt, und sich damit auf und davon gemacht haben, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen.  – Max Reinhardt

 

Vielen Dank für das Interview liebe Dagmar, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater- und Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Dagmar Bernhard, Schauspielerin

https://www.dagmarbernhard.com/

 

31.5.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Foto_Walter Pobaschnig

 

„Wir hätten die Chance, die Probleme anzugehen“ Michaela Kaspar, Schauspielerin_TAG Theater Wien_24.6.2020

Liebe Michaela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich werde recht liebevoll und nicht gar zu früh geweckt von meinen beiden Kindern. Fertig machen, gemeinsames Frühstück, Haushalt, Einkauf, Kochen, meine Tochter in den Mittagschlaf begleiten, Jause, Park gehen oder einen Ausflug machen, Abendessen. Dazwischen und immerzu wird gespielt und getanzt was das Zeug hält. Reihenfolge ohne Gewähr.

Eingeflochten in den Tag werden berufliche virtuelle Meetings und Proben oder wie unlängst Aufnahmen zu einem Hörspiel, das wir mit dem TAG- Theater in der Gumpendorfer Straße über Zoom aufgenommen haben.

 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

 Ein großer Garten.

Bei sich bleiben- sich nicht aufreiben (lassen), Informationsquellen überprüfen.

Wie in anderen Zeiten auch- konstruktiver und wertschätzender Umgang miteinander.

Sich in starken Netzwerken organisieren für die versprochene rasche finanzielle Hilfe für betroffene Berufsgruppen.

Die solidarische Weltgesellschaft ist eine Utopie, die radikale Transformation der Wirtschaft unwahrscheinlich. Trotzdem hätten wir die Chance, die Probleme, die diese Krise wie die vielzitierte „Lupe“ für uns sichtbarer macht, anzugehen. Allerdings schwindet mein anfänglicher Glaube daran, dass die Situation in der wir uns gerade alle befinden, ein Momentum für Neues sein könnte.

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(Szenenfoto_Medea_TAG Theater Wien_2019)

 

 Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater und der Kunst an sich zu?

Ha! Die Rolle der Kunst- diese Frage lässt sich nicht in einem kurzen Statement klären. Kunst an sich ist für mich immer ein Ausdruck menschlichen Daseins. Sie spiegelt wider, was die Gesellschaft bewegt, bietet Reibungsfläche. Insofern könnte sie weiterhin tun, was sie auch zu anderen Zeiten tut.

Uns spiegeln, uns berühren, uns aufrütteln, uns verstören und verängstigen, uns erregen, unsere Werte in Frage stellen, in uns Zweifel aufwerfen, uns sensibilisieren, unsere Fantasie beflügeln, uns träumen machen, Visionen und Perspektiven aufzeigen, uns nachdenklich machen, uns fühlen lassen, uns mitreißen, unsere Leidenschaften und Sehnsüchte erwecken, uns Schönheit erfahren lassen, das Hässliche sichtbar machen und so vieles mehr. Und zu guter Letzt darf Kunst auch einfach unterhalten, uns zerstreuen und uns zum Lachen bringen.

Das alles setzt einen aufgeschlossenen, interessierten und neugierigen Rezipienten voraus- vielleicht ist das auch das, was schon immer wesentlich war für uns alle in dieser Welt und dem jetzt eine noch größere Bedeutung zukommt.

 

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(Szenenfoto_Medea_TAG Theater Wien_2019)

 

Was liest Du derzeit?

Das Malspiel und das Leben, Arno Stern

Die Welt von Gestern, Stefan Zweig

 

 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Und noch kann uns der Himmel auf den Kopf fallen. Und das Theater ist dazu da, uns zunächst einmal dies beizubringen.“ Antonin Artaud

 

Vielen Dank für das Interview liebe Michaela, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

 

5 Fragen an KünstlerInnen:

Michaela Kaspar, Schauspielerin

http://www.dastag.at/ueberuns/ensemble/kaspar.html

 

Szenenfotos_Michaela Kaspar_Julian Loidl_Medea_TAG Theater Wien_ 26.11.2019 _ alle Fotos_Walter Pobaschnig.

26.5.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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