Über wortweg08

Fotografie, Literatur, Theater, Film, Kunst. Mail: walter.pobaschnig8@gmail.com

„Theater als ein Ort des gemeinsamen Beflügelns“ Julia Mikusch, Schauspielerin_Wien 18.9.2021

Liebe Julia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Derzeit habe ich keinen geregelten Tagesablauf. Ich taste mich langsam wieder an einen gewissen Rhythmus heran. Was ich aber täglich mache, ist, singen, tanzen, schreiben, lesen, meditieren und in der Natur sein. Manchmal sogar alles gleichzeitig, wenn es mich überkommt!

Julia Mikusch, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich auszutauschen anstatt zu verurteilen. Sich zu begegnen anstatt zu isolieren.Sich gemeinsam zu stärken anstatt auszugrenzen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Das Theater war für mich immer schon ein Ort des Austausches, des Miteinanders, des gemeinsamen Beflügelns. Ein Ort, wo man zusammenkommt, gemeinsam atmet, gemeinsam lebt. Vieles bricht gerade auf und um und beginnt sich zu wandeln.

Gerade in der Kunst ist es meiner Meinung nach essentiell Fragen zu stellen, zu provozieren, von seiner Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen und den Menschen – vor allem jetzt – eine qualitativ hochwertige Alternative zu den heute viel zu oft konsumierten Massenmedien zu bieten. Ein Raum für Diskurs und Akzeptanz. Das finde ich gerade jetzt äußert wichtig und notwendig!

Was liest Du derzeit?

Jerzy Grotowski – „Für ein armes Theater“

Ethan Hawke – „Regeln für einen Ritter“

Clemens G. Arvay – „Wir können es besser“

kann ich alle drei sehr empfehlen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Einen Ausschnitt aus Reinhard Mey‘s grandiosem Lied „Sei wachsam“ – als wäre es für diese Zeit geschrieben worden.

„Wir hab’n ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat garantier’n

Was hilft’s, wenn sie nach Lust und Laune dran manipulieren

Die Scharfmacher, die immer von der Friedensmission quasseln

Und unterm Tisch schon emsig mit dem Säbel rasseln?

Sei wachsam

Präg‘ dir die Worte ein!

Sei wachsam

Und fall nicht auf sie rein!

Pass auf, dass du deine Freiheit nutzt

Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!

Sei wachsam

Merk dir die Gesichter gut!

Sei wachsam

Bewahr dir deinen Mut

Sei wachsam

Und sei auf der Hut!

Ich hab Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen

Die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen

Und verschon‘ mich mit den falschen Ehrlichen

Die falschen Ehrlichen, die wahren Gefährlichen!

Ich hab‘ Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit

Nach ’nem bisschen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit

Doch sag die Wahrheit und du hast bald nichts mehr zu Lachen

Sie wer’n dich ruinier’n, exekutier’n und mundtot machen

Erpressen, bestechen, versuchen dich zu kaufen

Wenn du die Wahrheit sagst, lass draußen den Motor laufen

Dann sag‘ sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt:

Wer die Wahrheit sagt braucht ein verdammt schnelles Pferd!“

Vielen Dank für das Interview liebe Julia, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Julia Mikusch, Schauspielerin

Foto_Daniel Kastner.

24.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Wir brauchen kulturelle Vernunft“ Ute Burkhardt, künstlerische Leiterin_Wien 17.9.2021

Liebe Ute, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen – arbeiten/ kommunizieren – schlafen gehen

Ute Burkhardt_Kuratorin und künstlerische Leitung des Kunstvereins fAN

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Fähigkeit mit Menschen über Themen zu sprechen ohne gleicher Meinung zu sein. Wir brauchen kulturelle Vernunft.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst zu?

Wir vom Kunstverein fAN glauben das Kunst als Kommunikationsform jetzt mehr denn je benötigt wird. Kunst ist ein Gefäß, in welches Vieles hineinfließt – Wissen, Empfindungen und Affinitäten. Kunst stellt den Betrachterinnen eine Fülle von Wahrnehmungen zur Verfügung.

Was liest Du derzeit?

Die blitzenden Waffen. Über die Macht der Form von Robert Pfaller. Es geht hierbei um einen Anspruch auf eine grundlegende Ästhetik des Miteinanders, der menschlichen Existenz.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Humor als eine entscheidende Tugend für die Entstehung „mechanischer“ Solidarität, die in Städten an die Stelle der „organischer“ Solidarität der Dorfgemeinschaften tritt.

Vielen Dank für das Interview liebe Ute, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Ute Burkhardt, Kuratorin und künstlerische Leitung des Kunstvereins fAN

about

Foto_Maja Vukoje

6.7.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Literatur öffnet, eröffnet“ Marc Djizmedjian, Schriftsteller_ Pfaffhausen/CH 16.9.2021

Lieber Marc, wie sieht dein Tagesablauf aus?

Morgens arbeite ich zu Hause im Home Office, nachmittags schreibe ich. Ich habe dabei das Glück, über einen Arbeitsraum zu verfügen, wo ich ungestört schreiben kann.

Marc Djizmedjian, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ein Wort, das außerhalb der Diät- und Fitnessindustrie nicht gerade populär ist, kommt mir zu dieser Frage in den Sinn: Verzicht. Die Pandemie hat gezeigt, dass gewisse Dinge, die selbstverständlich schienen, es plötzlich nicht mehr waren. Das mag banal klingen, aber so gesehen war und ist die Pandemie eine Übung in Verzicht. Es schien mir wichtig, dieses Übungsangebot anzunehmen, auch im Hinblick auf Kommendes, denn es wird kaum die letzte Verzichtsübung gewesen sein. Dass sich diesmal nicht alle darin üben wollten, und die Maßnahmen auch auf massive Ablehnung stießen, das muss eine Demokratie aushalten können. Freiheit entscheidet sich meiner Ansicht nach aber nicht an der Pflicht zum Tragen einer Maske, sondern im Bemühen um Verständnis von Kontexten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Im Gleichgewicht zu bleiben. Die Wahrheit gibt es nicht, und jedem Handeln ist auch ein gewisser Grad an Nichtwissen inhärent. Diese Erkenntnis ist nicht leicht auszuhalten. Dennoch gibt es Fakten und Evidenzen, denen zu folgen ist. Die Literatur tut da nichts Besonderes oder das, was sie immer schon getan hat: Sie öffnet, eröffnet. Sie erzählt die Welt, nochmals etwas anders. Mit der Betonung auf „Etwas“. In diesem Etwas, in dieser Differenz können wir andere und uns selbst wiederfinden. Das schafft Verbindung.

Was liest Du derzeit?

Ich lese meistens verschiedene Bücher parallel. Eben habe ich Roberto Bolaños „Das Dritte Reich“ zu Ende gelesen, nicht zum ersten Mal übrigens, eine dunkle Geschichte, in der niemand weiß, was gespielt wird, auch nicht der Erzähler. Dann lese ich in letzter Zeit immer mal wieder in Louise Glücks Gedichten „Wilde Iris“, oft etwas rätselhaften, schwebenden Texten, die eine Welt evozieren, wie ich sie noch nirgends sonst gefunden habe.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?

Kein Zitat, sondern ein Gedanke, der mir im Zusammenhang mit der Pandemie gelegentlich durch den Kopf ging: „Nicht bestellt und doch geliefert.“ Das kann ich auf das Virus beziehen, aber auch auf mein Leben selbst erweitern. Es kommt stets darauf an, was ich mit der „Lieferung“ beginne.

Vielen Dank für das Interview lieber Marc, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Marc Djizmedjian, Schriftsteller

Foto_Thomas Sarbacher

19.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst in diesem Zustand ist Trauerarbeit“ Eva Maria Leuenberger, Schriftstellerin_ Biel/CHE _ 15.9.2021

Liebe Eva Maria, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

In Theorie sehr geregelt und aufs Schreiben/Lesen fokussiert, in Praxis momentan eher chaotisch und voller Ablenkung aus Nachrichten, Welt, und belanglosen Youtube-Videos.

Eva Maria Leuenberger, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Bescheidenheit, Bäume berühren, den Begriff „uns“ immer und immer wieder kritisch abklopfen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich mag, was Timothy Morton zu der Rolle der Kunst in der heutigen Zeit sagt: (1) “ Art in these conditions is griefwork.” und (2) “We need art that does not make people think (…) but rather that walks them through an inner space that is hard to traverse.“

und auch, von der Dichterin Linda Gregg: «Gradually there will be gardens again./ First for food and then also for flowers.»

Was liest Du derzeit?

Ecodeviance – (Somat)tics for the Future Wilderness von CAConrad und Entangled Life von Merlin Sheldrake

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

“If a river is threatened, it’s the end of the world for those fish. It’s been the end of the world for someone all along.”

 Leanne Betasamosake Simpson, in: As we have always done.

Vielen Dank für das Interview liebe Eva Maria, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Eva Maria Leuenberger, Schriftstellerin

Eva Maria Leuenberger

Foto_anjafonseka.ch

17.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Undine als Sirene spielt natürlich ein doppeltes Spiel“ Katharina J.Ferner, Schriftstellerin_Salzburg_60 Jahre Undine geht_14.9.2021

Katharina J.Ferner_Schriftstellerin, Performerin_

Liebe Katharina, was bedeutet Dir Natur?

Natur findet sich in meiner Lyrik stark wieder, kann Erholungsort sein, kann aber auch Einsamkeit hervorrufen.

Du bist in Salzburg aufgewachsen und lebst auch heute in Salzburg, eine große Zeitspanne warst Du in Wien. Was bedeutet Dir diese Stadt heute und welche Impulse bekommst Du von Wien als Lebens- und Kunstraum?

Wien ist nach wie vor Sehnsuchtsort und ein zentraler Angelpunkt meines Literatur- und Kulturschaffens. Ich schätze den vielfältigen Begegnungsraum, die heimelige Atmosphäre, den offenen und regen Diskussionsraum und die vielen parallelen Möglichkeiten, Kultur zu schaffen und zu erleben.

Bist Du bisher mit dem Text „Undine geht“ in Kontakt gekommen?

Ja, mehrmals. Das erste Mal noch in meiner Schulzeit, seither hat er mich begleitet.

Wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?

Für mich ist es unter anderem eine Abrechnung mit dem Patriarchat. Die Figur der Undine als Sirene spielt natürlich ein doppeltes Spiel. Einerseits verlockt sie, andererseits wird auch sie verlockt.

Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?

Die feministische Perspektive, den kritischen Blick auf Machtverhältnisse und die Mehrdeutigkeit. Die Entscheidung, immer wieder aus der Komfortzone zu gehen, aber auch andere aus dieser hinaus zu locken, in die eigenen Gewässer.

„Undine geht“ wurde vor 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?

Das Ich in Undine ist ein starkes und ich glaube das steigende weibliche Selbstbewusstsein ist ein zentrales Element im heutigen Frausein. Die Liste, was sich noch ändern sollte, ist ziemlich lange und traurig aufzuzählen, ohne hier ein allzu pessimistisches Bild zeichnen zu wollen. Es fehlt oft an Achtung, Respekt, überholte Rollenverständnisse sind immer noch zu diskutieren (bei beiden Geschlechtern) Das schlägt sich wiederum in Themen wie Arbeit, Familie, Gehalt nieder und weiterführend auf die sehr verschiedenen Vorstellungen eines selbstbestimmten Lebens, den Umgang miteinander im öffentlichen Raum, Wertvorstellungen usw. Natürlich sind das alles nicht ausschließlich geschlechterspezifische Themen. Unsere Lebensbedingungen befinden sich in einem ständig wandelnden Prozess und müssen stetig neu verhandelt werden. Aber der Diskurs zur Geschlechterfrage ist groß und die Veränderungen minimal. Häufig finden sie im privaten Rahmen statt und nicht in der breiten Masse.   

Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute in Leben und Gesellschaft?

Laut aktuellem Diskurs fallen den meisten wahrscheinlich genug Phrasen zu diesem Thema ein, die ich hier nicht wiederhole, weil ich sie ziemlich überstrapaziert finde. Die patriarchalen Strukturen sind in vielen Bereichen nach wie vor vorhanden, was aber stattfindet ist eine Stärkung der Frauenpositionen auch untereinander und da sehe ich eigentlich das Potenzial zur Veränderung. Leider sind wir aber immer noch in so vielen Kategorien verhaftet, von denen ich mir oft wünschen würde, diese bereits überwunden zu haben.

Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Poesie, der Liebe und des gesellschaftlichen Lebens aus? Ist eine Poesie darin möglich – zwischen Mensch und Mensch, Mensch und Natur?

Das sind für mich drei komplett unterschiedliche Dinge, auch wenn der textliche Zusammenhang besteht. Das Scheitern generell sehe ich als Möglichkeit, den Weg zu ebnen für die zwischenmenschliche Poesie oder die natur-menschliche. Obwohl für mich Poesie berufsbedingt ein zu konkreter Begriff ist, um ihn hier metaphorisch zu verwenden.

Wie kann der moderne Mensch Poesie/Harmonie in Liebe und Welt/Umwelt leben?

Muss der moderne Mensch Harmonie als hehres Ziel haben, um in der heutigen (Um-) Welt zu bestehen?

Ist „Hans“ auch heute prototypisch?

Es gibt sie schon noch, die Hans(ln).

Was hat sich in der Liebe in Beziehung und Gesellschaft seit 1961 verändert?

Aus eigener Erfahrung kann ich hier nicht schöpfen. Für mich offensichtlich verändert hat sich die rechtliche Lage, die Beziehungsspektren sind sichtbarer geworden, die Gesellschaft lernt mit und lässt wohl auch mehr zu, urteilt eventuell differenzierter. Beziehungen sind öffentlicher geworden, nicht zuletzt durch Online-Dating und die sozialen Medien.

Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?

Respekt und Vertrauen.

Was lässt Liebe untergehen?

Eifersucht.

Welche Impulse gibt es von der Natur her für Dich als Schriftstellerin?

Sie fließt direkt in meine Texte ein, entweder bildhaft oder thematisch. Im Schreibprozesse befördert sie meinen Gedankenfluss und baut mir Brücken im Text.

Was sind Deine derzeitigen und ausblickenden literarischen Schwerpunkte und Projekte?

Auch da gibt es eine lange Liste, ich beschränke mich einmal auf das Unmittelbare.

Zunächst fahre ich auf das Luaga & Losna Theaterfestival für junges Publikum. Im Rahmen der DramatikerInnenbörse werden mein Kollege Alexander Estis und ich ein gemeinsames Projekt vorstellen.

Ständiges Dichten für meine wöchentliche poetische Kolumne „Ferner dichtet“ in der Salzburger Krone.

Gemeinsam mit Burlesque-Performerin Kalinka Kalaschnikow Organisation des ersten real stattfindenden Termins der Lesereihe „das nackte Wort“ (https://www.instagram.com/das.nackte.wort/)

Was bedeutet Dir das Element Wasser?

Sternzeichen Wassermann. Liebstes Getränk. Eine reinigende Wirkung, nicht nur im hygienischen Sinne, sondern auch im psychischen.

Schwimmst Du gerne, wo/wie hast Du schwimmen gelernt?

Ich glaube, ich habe zuerst Tauchen gelernt und erst später schwimmen.

Von meinem besten Freund in der Kindheit.

Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?

Hängt davon ab, wo ich gerade bin. Schreibtechnisch fällt es mir leichter in den kühleren Jahreszeiten, inspirativer finde ich die wärmeren.

Welches Zitat aus „Undine geht“, möchtest Du uns mitgeben?

„Wenn dir nichts mehr einfiel zum Leben, dann hast du ganz wahr geredet, aber nur dann. Dann sind alle Wasser über die Ufer getreten, die Flüsse haben sich erhoben, die Seerosen sind gleich hundertweis erblüht und ertrunken, und das Meer war ein machtvoller Seufzer, es schlug und rannte und rollte gegen die Erde an, daß seine Lefzen trieften von weißem Schaum.“

Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Achrostikon zu „Undine geht“ bitten? (Wortassoziation zu der Buchstabenfolge – U=Stichwort, N=…..)

Ungeheuer

Niedergang

Demut

Insel

Natur

Erde

Grün

Einsamkeit

Haut

Trunkenheit

Katharina J.Ferner_Schriftstellerin, Performerin_
Katharina J.Ferner_Graben _ Wien
Katharina J.Ferner_Donauinsel_Wien

Herzlichen Dank, liebe Katharina!

60 Jahre_Undine geht _Erzählung _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Katharina J.Ferner, Schriftstellerin, Performerin_Salzburg

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3102027/

Station bei Ingeborg Bachmann_Wien.

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_9_2021.

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„Für Gedichte und Romane nehme ich Urlaub oder Überstunden.“ Thomas Kunst, Schriftsteller _ auf dem Lande 14.9.2021

Lieber Thomas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe gegen 10 vor 5 Uhr auf, mache Katzenwäsche, putze die Zähne, gebe Trockenfutter für unser Tigerwürstchen in die TM (Trofu-Maschine), um sie abzulenken, damit sie mir nicht bis zur Garage folgt und ich nicht zur Schicht in die 80 Kilometer entfernte Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig fahren kann, weil ich Angst hätte, dass sie es ernst meint mit ihrer Liebe und mich nicht passieren lässt…Um 17 Uhr Rückfahrt aufs Land. Ankunft gegen 18 Uhr. Wiedersehensfreude. Katzenfütterung. Zuhause sein. An Dichtung nicht zu denken.

Ansonsten stehe ich gegen 6 Uhr auf, wenn ich 2x in der Woche HomeOffice habe, gebe dem Kätzchen ihr Futter, setze mich ab 6 Uhr 30 ins Arbeitszimmer und sortiere und beschrifte Nachlässe bis 15 Uhr. An Dichtung nicht zu denken. Für Gedichte und Romane nehme ich Urlaub oder Überstunden.

Thomas Kunst, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zusammenhalt, Solidarität, Liebe und Mitgefühl.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich finde es wesentlich, sich seine literarischen Themen nicht von der Tagespolitik diktieren zu lassen. Welche Rolle der Kunst und Literatur bei einem gesellschaftlichen Aufbruch zukommt, mag ich, aus Scheu, ins Schwafeln zu geraten, nicht beantworten.

Was liest Du derzeit?

„Es ist wie´s ist“ von Lydia Davis und „Dies ist nur der Auszug aus einem viel kürzeren Text“ von Ulrich Koch.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Gedemütigte Menschen tun so, als sei das, was sie nicht erreichen können, gar nicht erstrebenswert.“

Isaiah Berlin

Vielen Dank für das Interview lieber Thomas, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Thomas Kunst, Schriftsteller

https://thomaskunst.de/

Foto_privat.

18.7.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Offenheit, Solidarität und Vernetzung“ Elisa Andessner, Bildende Künstlerin_Linz 13.9.2021

Liebe Elisa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das erste was ich nach dem Aufstehen mache, ist, meine täglichen Stimmübungen zu machen. Dann geht’s ins Atelier, wo ich am Vormittag oft Stimm- und Sprechtraining gebe – derzeit hauptsächlich online – und am Nachmittag künstlerische Projekte plane, vor- oder nachbereite. Momentan bereite ich gerade „FEMALE* UPGRADE“ nach – eine Veranstaltung, die ich im Mai 2021 organisiert habe. Das Kunstprojekt setzt sich für die Umbenennung der historisch belastete Glaubackerstraße in Linz ein. Wer mehr darüber erfahren möchte, findet unter diesem link alle Infos: www.agathe-doposcheg-schwabenau-strasse.net.

Vorbereiten tu ich grad seit längerem ein Austauschprojekt zwischen Künstler*innen aus Teheran und Linz und eine Ausstellung in Podgorica, Montenegro. Dank der digitalen Möglichkeiten, ist es möglich, diese Projekte trotz Corona überdie Distanz zu organisieren.

Elisa Andessner, Bildende Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das was meiner Meinung nach immer wichtig ist: Offenheit, Solidarität und Vernetzung.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, die Corona Pandemie wird nicht zwingend bei allen einen Umbruch auslösen. Manche werde sicher die Routinen, wie sie vorher waren, wieder eins zu eins herstellen. Aufbruch wird es für diejenigen bedeuten, die grundsätzlich für Weiterentwicklung offen sind und das auch vor der Pandemie waren. Oder für diejenigen, deren Existenz durch die Pandemie stark mitgenommen wurde und die deshalb zur Veränderung gezwungen werden.
Irgendwo hab ich mal den Satz gehört „Das Leben ist Veränderung.“ – der hat immer eine beruhigende Wirkung auf mich, wenn sich die Welt wieder mal sehr schnell dreht.
Die Rolle der Kunst ist für mich stets, das Leben von einer „anderen“ Perspektive zu beleuchten, Dinge freizuschaufeln, die da sind, aber in unserer kapitalistischen, partriachalen Welt keinen oder wenig Raum haben, für Austausch und gemeinsames Nachdenken darüber sorgen.

Was liest Du derzeit?

Ausgabe IV/2021 der „an.schläge“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Das Private ist immer noch politisch“

Elisa Andessner, Bildende Künstlerin

Vielen Dank für das Interview liebe Elisa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Elisa Andessner, Bildende Künstlerin

www.elisaandessner.net
www.elisaandessnervoice.net

Alle Fotos_Zoe Goldstein

17.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Musik berührt Herz und Seele, damit der Verstand lieben lernt“ Joe Pinkl, Musiker_Neunkirchen/NÖ 12.9.2021

Lieber Joe, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf sieht im Moment so aus, dass mich fast täglich die Sonne so  gegen 06:30 weckt und wenn es meine Zeit erlaubt, ich mich dann gleich mal  auf mein Fahrrad setze und 1 bis 2 auf irgendwelchen Routen durch meine Heimat fahre.

Der Rest vom Tag besteht im Moment vor allem aus komponieren und arrangieren, Programme entwickeln, üben, proben und Gott sei Dank auch wieder aus vielen Auftritten! Life is beautiful, kann ich da nur sagen!!!

Joe Pinkl, Musiker, Komponist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Meiner Meinung nach, ist im Moment das Wichtigste, dass wir endlich erkennen, das es wieder eine gesunde Balance zwischen dem Ich und dem Wir benötigt. Denn das eine bedingt das andere. Man kann sich selbst nur dann entwickeln, wenn man den Wert des Kollektives erkennt und dieses kann aber wiederum nur funktionieren, wenn ich mein eigenes und wahres Selbst erkenne und annehme. Ich denke, wenn wir das schaffen, dann wird es uns auch gelingen all die großen Herausforderungen, denen die Menschheit im Moment gegenüber steht, zu meistern.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, dass es für die Lösung der anstehenden Probleme und  Herausforderungen jede Menge an Kontemplation benötigt, um nicht überfordert zu werden. Und da spielt Kunst in jeder Form und Musik insbesondere eine wichtige Rolle! Kunst um sich fallen zu lassen, um einzutauchen, sich selbst zu erkennen, neue Perspektiven zu erlangen und vor allem um Grenzen zwischen den Menschen und Kulturen ein für alle mal einzureißen. Musik dient in meinen Augen dazu um Herz und Seele zu berühren, damit der Verstand lieben lernt.

Was liest Du derzeit?

Im Moment lese ich „Black and Blue“ von Wolfram Knauer. Das ist ein wunderbares Buch über den großartigen Trompeter, Musiker und Menschen Louis Armstrong. Ich liebe es generell, Biographien zu lesen, da ich es sehr inspirierend finde zu erkennen, dass es das Leben Ansicht ist, dass einen als Künstler formt und prägt und dass es das Beste ist, wenn man in seiner Kunst bei sich bleibt und seine eigene Geschichte erzählt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Da gibt es zwei, die ich liebe: Das eine steht auf meinem Weinkühler und ist für mich zu einem Leitspruch  geworden: „LEBEN LIEBEN LACHEN… und hin und wieder auch mal LALLEN! Das andere ist die Geschichte „ich bin schnorrhabardian“ von H.C. Artmann, die zur Aussage hat, dass man der eigenen Phantasie keine Grenzen setzen soll, denn die Gedanken sind frei. Und nur diese Gedankenfreiheit gibt uns auch die Möglichkeit unser Menschsein sowohl alleine als auch im Kollektiv und in der Verbundenheit mit anderen positiv zu erleben

Joe Pinkl, Musiker, Komponist

Vielen Dank für das Interview lieber Joe, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte wie persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Joe Pinkl, Musiker, Komponist

https://www.joepinklmusic.at/

Fotos_1 privat; 2 Joe Vigerl; 3 Viktoria Hofmarcher

17.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„In der Kunst Emotionalität zu zeigen“ Lisa Hofmaninger, Saxophonistin _ Hafnerbach/NÖ 11.9.2021

Liebe Lisa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Puh, schwierige Frage….ich würde sagen, nie gleich. Zumindest vor und nach dem Lockdown. Die einzige Routine ist das Frühstück mit Kaffee oder Chai und Marmeladenbrot oder Müsli. Und die Morgendusche nicht zu vergessen. Das Frühstück/Mittag- oder Abendessen natürlich nur in Gesellschaft mit meinem Freund oder Ö1. Der gemeinsame Start in den Tag und vor allem die Tatsache, diese sogenannten Ruhephasen und Handy/Computerpausen mit meinem  Freund zu teilen und somit diese mindestens zwei ungestörten Beziehungsmomente zu haben, sind für mich essenziell um die Partnerschaft auch in stressigen Zeiten aufrecht und in Balance zu halten. Diese Momente sind manchmal auch fast ein bissl zu relaxt, denn danach bricht bei mir oder meinen Chauffeuren meist der große Stress aus, denn der Zug entweder gen Westen (Vöcklabruck) oder Osten (Wien) muss erwischt werden. Das gelingt auch fast immer auf die Minute genau :).

Dann genieße ich das Runterkommen im Zug mit guter Musik (momentan Mark Hollis, Piers Faccini, Tears For Fears, Imogen Heap, Quartabe, Bon Iver, Chris Thile, Shai Maestro, Siya Makuzeni Sextett,…), einem Buch oder Emails checken. Dann muss ich hoffen, dass ich den Ausstieg nicht verpasse, weil ich meist so tief versinke. Ja das ist ein ziemlich starker Charakterzug von mir, ich kann die Welt um mich vergessen wenn ich im Zweiergespräch bin, mit einem Menschen oder meinem Instrument oder ich bin einfach so ultraentspannt, dass ich wegpenne.

Lisa Hofmaninger, Saxophonistin, Bassklarinettistin, Komponistin

Zurück zu meiner Lieblingsstrecke, die ich ca 330x im Jahr in eine der beiden Richtungen befahre. Ich hab’ mir soeben mit meinem Freund genau dort ein Haus gekauft, wo ich am besten meine Liebe zur Natur, zu einer guten Nachbarschaft und der Zurückgezogenheit ausleben kann, nämlich fast in der Mitte zu meinen beiden Ankerpunkten. In Vöcklabruck unterrichte ich einmal pro Woche in meiner Lieblingsmusikschule, dort wo auch ich meine ersten musikalischen Gehversuche gemacht habe und in Wien spielt sich die Musik ab. Dort sind alle meine Bands verhaftet und natürlich viele meiner langjährigen Freundschaften. Sollte ich mal einen Ruhetag zuhause haben, wird der momentan im neuen Heim mit planen, umgestalten, einwohnen, üben, lesen, Musik hören, kuscheln, kochen und wandern bestritten. Und ich mache mir liebend gern Gedanken über Musikfortschritte, meine neuen Ziele, neue Hobbys und Herausforderungen. Nachdem ich sehr viele Interessen habe passiert’s schon mal, dass ich einen Tag versuche mir das Mixing beizubringen oder wieder einmal anfange, Französisch zu lernen, oder einfach von einer Ö1 Sendung zur nächsten springe.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Solidarität, Wachheit, Emotionalität und der Mut, Gefühle zu zeigen, Gelassenheit und Zuversicht. Ich habe in den letzten Monaten sehr viel gelernt und traue mir zu behaupten, dass ich in dieser Krise, die für mich auch eine sehr starke und tiefe persönliche Krise ausgelöst hat, sehr gewachsen bin. Auch als ich an meinem bisherigen tiefsten Punkt angekommen war, habe ich nie die Zuversicht verloren, dass ich stärker und selbstbewusster aus dieser Zeit heraustreten werde. Das hat mir sehr geholfen und das möchte ich auch jeder/jedem ans Herz legen. Gewisse Momente treffen uns hart und tief, ihnen jedoch nach einer bestimmten Zeit ins Auge zu sehen, sie zu analysieren oder einfach zu besprechen darf jedoch nicht verpasst werden. Ich hoffe, jeder/jede von uns kann diese Erfahrung im Laufe des Lebens machen, denn danach versteht man sich einfach besser und lernt mit herausfordernden Zeiten umzugehen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Meiner Meinung nach steht der Mensch jeden Tag vor einem Aufbruch und Neubeginn. Lebe jeden Tag als wäre es dein erster! So möchte ich es machen, jeden einzelnen Tag. Denn für mich ist es das Wichtigste und ich denke auch die Triebfeder meiner Motivation, diese unbekümmerte Neugier und fast auch etwas Naivität eines Kindes immer präsent zu haben und den Dingen, Orten und Menschen, die ich treffe tagtäglich von Neuem frisch und vorurteilslos zu begegnen. Kinder sind für mich so wahnsinnig spannend zu beobachten und ich muss sagen, ich verbringe am liebsten meine Zeit mit diesen wunderbaren Geschöpfen. Nur durch diese vorbehaltlose Neugierde habe ich die Möglichkeit, Neues zu entdecken und Inspirationsquellen für meine Musik und Bands zu sammeln. Nicht zuletzt heißt eine meiner langjährigen Projekte gemeinsam mit 12 KollegInnen „Little Rosies Kindergarten“.

Seit einiger Zeit ist es mir auch ein großes Anliegen und großer Bestandteil meiner Arbeit, mich in der Kunst auch politisch auszudrücken. Ich möchte meine Meinung teilen und auch Denkanstöße geben, egal wie weitreichend sie sein mögen. Mir reicht es auch, wenn ich einen Menschen im Publikum bereichern oder anregen konnte. Und für mich ist es oberste Priorität in der Kunst Emotionalität zu zeigen, es ist für mich auch der stärkste Kanal nach außen.

Was liest Du derzeit?

„Fokus !“ von Hermann Scherer, „da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete“ von Friederike Mayröcker (was für ein genialer Mensch, leider viel zu spät entdeckt), „Wie Musik wirkt“ von David Byrne….ja ich habe diese Art von Krankheit, tausende Bücher gleichzeitig zu beginnen, manchmal geht’s gut, manchmal fällt eins wieder weg.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Da gibt es mehrere:

„Sound ist revolutionärer als jede Stilrichtung“ – Ornette Coleman

„Berichte über das Ableben des Songs scheinen aus heutiger Sicht stark

Übertrieben“ Eine Wiederverzauberung – Daniel Rab-Saij 2021 (ein geschätzter Freund und Duopartner)

Und natürlich: „Lebe jeden Tag als wäre er dein erster!“

Lisa Hofmaninger, Saxophonistin, Bassklarinettistin, Komponistin

Vielen Dank für das Interview liebe Lisa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Herzlichen Dank für den Denkanstoß!

5 Fragen an Künstler*innen:

Lisa Hofmaninger, Saxophonistin, Bassklarinettistin, Komponistin

http://www.lisahofmaninger.com/live.html

Fotos_1 Maria Frodl; 2 Erwin Pils.

29.8.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Man muss sich als Frau mehr beweisen als ein Mann“ Isabella Jeschke, Schauspielerin_ Romanjubiläum Malina_Wien 11.9.2021

Isabella Jeschke, Schauspielerin_
am Romanschauplatz Malina _ Wien

Orte sind für mich mit Erinnerungen und auch mit Wünschen verbunden. Es sind Wünsche einen Ort wiederzusehen oder an einen Ort zu kommen, den ich noch nicht kenne aber in meiner Vorstellung habe ich ein Bild davon und möchte gerne diesem Bild nachgehen.

Orte sind allgegenwärtig und haben eine große Bedeutung für mich.

Ich fotografiere gerne, wenn ich an bestimmten Orten bin. Aber es gibt Orte, etwa jene meiner Kindheit und der Wohnsiedlung, in der ich aufwuchs, da sind Bilder im Kopf, die sofort da sind.

Postkarten von Orten schreibe ich in den letzten Jahren wieder öfters. Ich mag diese Nostalgie, dieses Analoge, dieses Hinsetzen und Schreiben. Und auch, weil ich mich selbst wahnsinnig freue, wenn ich eine Postkarte bekomme (lacht). Einen Moment in Bild und kurzen Worten, Gruß zusammenzufassen, gefällt mir sehr gut.

Ich liebe es, die Atmosphäre einer Stadt kennenzulernen, bin aber auch sehr interessiert an Geschichte, Architektur, eigentlich alles, was über eine Stadt zu erfahren ist. Ich bin da ein richtiger freak (lacht).

Auf meiner Reise nach Rom im letzten Jahr war all das, das Gewordensein einer Stadt in Geschichte, Kunst und Vermächtnis über Zeiten hinweg und natürlich die typische Atmosphäre ganz unmittelbar zu spüren und zu erleben. Vor allem auch wie sehr Bauwerke, von Wohnhäusern bis zum Colosseum Kunstwerke sind. Und das ist ja auch in Wien so.

Italien, das ist Lebensfreude und Überraschung, das hat ja auch Ingeborg Bachmann beschrieben. Interessant ist auch diese anarchistische Energie im Straßenverkehr in Rom, in dem Ampelsignale nicht wirklich eine Rolle spielen. Das ist außergewöhnlich und besonders, weil es eben diese starke Lebensfreude ausdrückt, die auch eine innere Aufmerksamkeit beinhaltet.  Das ist wunderbar. Ich verstehe, wenn Menschen wie Ingeborg Bachmann in Italien leben wollten und wollen. Und natürlich das Essen (lacht), dieser Genuss, das ist sehr stark verankert. Immer wenn ich Italien bin, habe ich das Gefühl ich könnte da viel länger sein (lacht). Neapel ist etwa ein Sehnsuchtsort.

Ich bin sehr gerne in Wien und arbeite hier sehr gerne. Ich schätze die Atmosphäre und auch die ganz eigene Lebensfreude sehr.

Wien ist und bleibt meine Sehnsuchtsstadt mit sehr viel Inspiration.

Was Ingeborg Bachmann auch als Frau in einer männerdominierten Welt geschafft hat, ist bewundernswert und für mich eine sehr große Inspiration und Motivation. Auch heute muss man sich als Frau mehr beweisen als ein Mann.

Es gibt Ivans und Malinas natürlich auch heute. Und es gibt auch beides in einem und auch viel mehr (lacht).

Die Kommunikation zwischen Mann und Frau hat sich grundsätzlich verbessert. Ich persönlich spüre da eine Augenhöhe. Natürlich gibt es viel zu lernen auf beiden Seiten. Es braucht Unterstützung auf beiden Seiten.

Wenn wir von Emanzipation sprechen, sollten wir von der Emanzipation der Menschen sprechen. Wir haben 2021 und sollten zu dem Punkt kommen, wo es wurscht ist ob Frau, Mann, Transgender, was immer. Wir sind Menschen und sollten dies gemeinsam werden. Daran arbeiten. Wir sollten auf einem anderen Niveau beginnen, miteinander zu sprechen.

Es gibt in der Gesellschaft noch nicht diese Wertschätzung unterschiedlichster Identitäten und Lebensmodelle. Wir brauchen da mehr Offenheit. Auch wenn es natürlich besser als vor fünfzig Jahren ist.

Ich glaube, es gibt in unserer Gesellschaft in Identitäts- und Geschlechterfragen noch viel zu tun. Kunst und Theater setzen da auch viel daran dies zu thematisieren, gerade auch in Wien/Österreich. Diskurse sind da ganz wichtig, die dies auf den Tisch bringen.

Wir haben in diesem Jahr im Theater mit unterschiedlichsten Planungsmodellen und Organisationsmöglichkeiten arbeiten müssen. Da waren auch Skypeproben dabei, die sehr spannend waren und in denen sich auch Emotionen, Gefühle zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen widerspiegelten. In einem Probenprozess wird ja dann vieles neu zusammengebaut. Unser E3 Ensemble steht sich ja sehr nahe und wir konnten diese Herausforderungen bewältigen und unsere Eigenproduktion „Mutter“ hat im Juni des Jahres im Off Theater Wien Premiere gefeiert und wurde sehr gut angenommen.

Isabella Jeschke, Schauspielerin_
am Romanschauplatz Malina _ Wien

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Isabella Jeschke_Schauspielerin, Regisseurin_Wien 

http://www.isabellajeschke.com/

https://e3ensemble.at/

Station bei Ingeborg Bachmann_Romanschauplatz_Malina.

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_5_2020.

https://literaturoutdoors.com