
2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann
Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _ Andrea Nagele, Schriftstellerin
Liebe Andrea, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Schon sehr früh habe ich „MALINA“ gelesen und war begeistert. Die namenlose, gefühlsbetonte Ich-Erzählerin und Malina, ihr kopflastiger, vernunftbetonter Geliebter, das Gegenüber dieser beiden Figuren, mit all den Höhen und Tiefen dieser fast als Collage dargestellten Beziehung, haben mich schwer beeindruckt. Ebenso der feministische Anspruch ihres Werkes.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ingeborg Bachmann prägte die Nachkriegsliteratur ausnahmslos und nachhaltig. Ihr ging es um die großen philosophischen Themen und ebenso um die Frage, ob Worte, Wörter und die Sprache an sich, überhaupt vermögen das Gedachte, das Erlebte, das Beobachtete, den Schrecken und die Schönheit zu vermitteln. Sie war sowohl Lyrikerin als auch Poetin. Die Symbolik ihrer Sprache und die von ihr verwendeten Metaphern verdeutlichen die bildhafte Gewalt ihrer einzigartigen Schreibkunst.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
„MALINA“ war als erstes Buch einer Triloge mit dem Namen „TODESARTEN“ vorgesehen, zwei weitere sollten folgen. „DER FALL FRANZA“ blieb unvollendet und erschien erst nach ihrem Tod in fragmentarischer Form, ebenso der dritte Teil: „REQUIEM FÜR FANNY GOLDMANN“. Und ich versinke jeweils aufs Neue in ihrem wunderbaren Gedicht: „ANRUFUNG DES GROßEN BÄREN“. Die von ihr geschaffenen intensiven Sprachbilder lassen mich nicht los.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Schade, dass der Romanzyklus nicht zustande kam, ich hätte auch die anderen beiden Romane sehr gerne gelesen. In meinem Buch „111 Orte…“ bin ich vielen deiner Wege am Kreuzbergl gefolgt, bis hin zum Wörthersee.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Im März ist „Grado im Traum“, mein Grado-Krimi um die Commissaria Maddalena Degrassi, erschienen.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Nichts Schöneres unter der Sonne, als unter der Sonne zu sein“
Aus „ANRUFUNG DES GROßEN BÄREN“
Herzlichen Dank für das Interview!
Ich danke für das Interview.

Zur Person: Andrea Nagele leitete über ein Jahrzehnt ein psychotherapeutisches Ambulatorium. Heute arbeitet sie als Autorin und betreibt in Klagenfurt eine psychotherapeutische Praxis. Sie pendelt zwischen Klagenfurt am Wörthersee, Grado und Berlin.
Aktuelles Buch: Andrea Nagele, Grado im Traum. Ein Adria Krimi
Broschur _ Emons Verlag 2026
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Andrea Nagele _ Barbara Essl
Walter Pobaschnig 13.4.2026