Bachmannpreis 2023 _ „Ich hoffe, dass der Bachmannpreis weiter diese Sichtbarkeit bietet und beibehält.“ Anna Felnhofer, Schriftstellerin _ Wien 11.6.2023

Bachmannpreis 2023   

Station bei Malina _ Interview:

Anna Felnhofer, Schriftstellerin _ Wien _ nominiert Bachmannpreis 2023

Anna Felnhofer
Schriftstellerin, Bachmannpreis Nominierte 2023,

Wissenschaftlerin.

Herzlich willkommen, liebe Anna Felnhofer, Schriftstellerin _ Wien, Nominierte zum Bachmannpreis 2023, hier am Romanschauplatz „Malina“ (Ingeborg Bachmann, 1971).

Wie gehst Du als Schriftstellerin und Psychologin auf den Bachmannpreis zu?

Nervös wie alle anderen, glaube ich (lacht). Ich bin sehr gespannt und da ist viel Vorfreude auf diese riesengroße Chance mich weiterzuentwickeln. Es freut mich wahnsinnig, diese Chance zu bekommen. Ich hoffe, dass ich sie gut nützen kann.

Ich möchte den Bachmannpreis gerne als besonderes, positives Erlebnis abspeichern.

Gibt es besondere psychologischen Techniken, die Dir in der Situation der Präsentation, des Wettbewerbes helfen könnten?

Ich weiß nicht, ob dies anderes ist als bei Kollegen und Kolleginnen. Mir helfen etwa Techniken, wie man kognitiv umstrukturieren oder sich entspannen kann. Ob ich das dann wirklich so umsetzen kann, werde ich sehen (lacht).

Ich bin sehr gespannt den Wettbewerb vor Ort zu erleben und bin auch gespannt, ob ich es schaffe, ruhig und gelassen zu bleiben, wenn über meinen Text diskutiert wird.

Ich habe an anderen immer sehr bewundert, wie sie mit einem „pokerface“ nach der Lesung und während der Jurydiskussion dasitzen können und zumindest den Eindruck erwecken, als würde es sie nicht allzu sehr fertigmachen oder tangieren

Kannst Du Dir vorstellen Dich in der Jurydiskussion zu Wort zu melden?

Das kommt natürlich ganz auf die Situation an. Ich habe es jetzt nicht vor und glaube auch nicht, dass es hilfreich und zielführend ist. Ich möchte mich in die Jury-Diskussion nicht allzu sehr einmischen. Der Text ist ja da, um rezipiert zu werden, ohne mein Zutun. Ich kann das schon den Juroren:innen überlassen. Zudem weiß ich, dass Brigitte Schwens-Harrant, die mich einlud, in der Jury sitzt und den Text vielleicht ein Stück weit verteidigen könnte.

Gibt es persönliche Rituale, die Du in Klagenfurt anwenden willst?

Ich werde versuchen, mir positive Dinge vorzusagen, um möglichst auch körperlich entspannt zu sein. Atemtechnik, autogenes Training, progressive Muskelentspannung sind da durchaus gut einsetzbar. Überwältigend wird die Situation bestimmt sein, und Vorbereitung hilft da nur bedingt.

Wie hast Du bisher den Bachmannpreis verfolgt? Warst Du vor Ort?

Vor Ort war ich nicht, ich habe es aber die Jahre hinweg, gut 20 Jahre, medial mitverfolgt. Die Lesungen gesehen, die Texte gelesen. Ich bin schon sehr gespannt, wie es vor Ort tatsächlich ist.

Ich war letzte Woche per Zufall bei einem Kongress in Klagenfurt und das war auch das erste Mal. Es war sehr nett, etwas vorzuschnuppern (lacht) und die Stadt, den Wörthersee kennenzulernen, zu erleben und sich darauf einzustimmen.

Wir dürfen ja zum Klagenfurter Lesetext inhaltlich nichts verraten. Wie war denn der Entstehungsprozess?

Der Text ist auf Klagenfurt, auf die vorgegebene Lesezeit abgestimmt und konzipiert.

Mit dem Thema, der Idee des Textes beschäftige ich mich schon sehr lange. Am Text selbst habe ich sehr lange gefeilt. Es ist bei mir immer so, dass ich sehr viele Revisionszyklen habe, den Text auch liegenlasse, aus der Distanz lese.

Dein Text wird in Klagenfurt bewertet. Was wünscht Du Dir von der Jury?

Eine faire, wertschätzende, für mich lehrreiche Diskussion. Ich denke, das wird auch so sein.

Ich werde aber sicherlich auch einiges Neues zu meinem Text hören, das ich so nicht erwarte. Ich bin neugierig, wie mein Text rezipiert wird.

Was wünscht Du Dir vom Publikum in Klagenfurt?

Interesse. Aber das werden sie mitbringen, nehme ich an, sonst wären sie nicht da (lacht).

Auch die eine oder andere Rückmeldung. Das war auch eine der schönsten Erlebnisse bei meinem ersten Roman von verschiedenen Personen zu erfahren, was das Buch bewirkt hat, wie sie es gelesen haben und was ihnen aufgefallen ist, weil ich natürlich nicht alles in der Hand habe, ich habe eine Intention, die ich versuche umzusetzen, aber was damit gemacht wird, hängt immer von der Leserin/dem Leser ab. Das sagt viel über die einzelnen Personen aus, aber es hilft mir auch, mich weiterzuentwickeln – darauf wird geachtet, so ist es angekommen – darauf freue ich mich auch in Klagenfurt. Das ist für mich wieder eine Möglichkeit zu lernen.

Wie wirst Du Dich in Klagenfurt selbst auf den Wettbewerb einstimmen? Gibt es eine frühe Anreise?

Ich reise am Dienstag vor der Eröffnung des Bachmannpreises an. Am Dienstagabend gibt es bereits in Klagenfurt eine Veranstaltung für die Autoren:innen. Vielleicht kann ich auch den folgenden Tag nützen, um etwas anzukommen. Das muss reichen (lacht).

Weißt Du schon, wie Du die Zeit um den Wettbewerb in Klagenfurt verbringen willst? Gibt es da schon Pläne für das Kennenlernen der Stadt?

(nickt, lacht) Ja, der Wörthersee und Laufen, den Berg rauf, etwas Kortisol abbauen (lacht). Ich hoffe, dass das Wetter gut ist und es die Möglichkeit gibt, diese wunderschöne Natur in und um Klagenfurt zu genießen und in einen intensiven Austausch mit den Leserinnen und Lesern zu kommen.

Welche Bezüge gibt es von Dir zur Namensgeberin des in Klagenfurt am Sonntag den 2.Juli zu vergebenden Bachmannpreis?

Ich habe Bachmann Texte sehr gerne gelesen und in der „Ingeborg Bachmann“ Phase fast alles von ihr. Das trifft aber auch auf andere Schriftsteller:innen zu.

In meinem ersten Roman („Schnittbild“, Anna Felnhofer, Luftschacht Verlag, Wien 2021, zweite Auflage 2023) ist auch ein Zitat von Ingeborg Bachmann aus Malina vorangestellt („Wenn jemand alles ist für einen anderen, dann kann er viele Personen in einer Person sein.“ Ingeborg Bachmann, Malina. Anm.).

Das Malina Zitat hat die Idee meines Romans sehr gut getroffen.

Wie liest Du den Roman „Malina“ von Ingeborg Bachmann?

Ich lese vermutlich ein Buch wie jede Schriftstellerin und versuche am literarischen Stil, der Form zu lernen. So habe ich auch Malina gelesen. Natürlich ist auch die Psychologin nicht ausgeschlossen und es gibt auch da Inspirationen oder weiterführende Zugänge. Aber ich habe den Roman nicht primär aus klinisch-psychologischer Sicht gelesen.

Was kam bei Dir zuerst? Das Schreiben oder die Psychologie?

Zuerst das Schreiben. Es begann in der Kindheit, Jugend. Ich schrieb immer sehr gerne und es war auch früh der Wunsch da, einmal mehr daraus zu machen. Aber wie es so ist, schreiben braucht seine Zeit, bis sich das passende Thema findet, der Stil entwickelt.

In der Zwischenzeit habe ich studiert, bin zur Wissenschaft gekommen und habe auch daran großen Gefallen gefunden. Ich arbeite primär in der Forschung zum Thema – Virtuelle Realitäten. Das ist bereichernd und inspirierend.

Gibt es für Dich in den Arbeitsprozessen von Literatur und Psychologie Wechselwirkungen, verbinden sie sich auch?

So ganz fremd sind sich ja diese Bereiche nicht, nur vielleicht auf den ersten Blick (lacht). Es gibt viele Querverbindungen und beides macht mich als Schriftstellerin wie auch als Wissenschaftlerin aus.

Grundsätzlich geht es bei beiden um fiktive, narrative Welten, es können Geschichten erzählt werden, die mehr oder weniger komplex sind.

In der Wissenschaft geht es darüber hinaus um Allgemeingültigkeit von Gesetzmäßigkeiten unserer Welt. In der Literatur wird der Einzelfall zum Beispiel für allgemeine Gesetzmäßigkeiten. Realität wird begreifbarer. Wissenschaft und Literatur ergänzen sich für mich sehr gut.

In meinem Beruf als Psychologin habe ich es mit verschiedensten Krankheitsbildern zu tun. Der Mensch in seinen Bedürfnissen, Motivationen, Belastungen ist natürlich auch ein Thema in meinem Schreiben.

Wie wissenschaftlich darf, soll, muss Literatur sein?

Puh (lacht). Ich bin keine Germanistin, aber ich merke beim eigenen Schreiben natürlich, wie mich das wissenschaftliche Arbeiten, diese Sozialisierung, prägt, etwa beim Einarbeiten von Zitaten, der Referenzierung im literarischen Text.

In Deinem aktuellen Roman „Schnittbild“ stehen wie bei „Malina“ Begegnungen, Beziehungen in Mittelpunkt. Wie kam es für Dich zu diesem Thema?

In meinem Roman geht es konkret um Grenzüberschreitungen in menschlichen Beziehungen, primär in der therapeutischen Beziehung, die ja eine ganz spezielle Form von Beziehung ist, die nicht mit Freundschaft, Partnerschaft vergleichbar ist.

Mit der ethischen Perspektive der Therapeutenbeziehung habe ich mich in meinem Studium sehr stark auseinandergesetzt. Wann handelt es sich um eine Grenzüberschreitung? Wann schadet ein Verhalten der Patientin/dem Patienten? Das Spannende daran ist, dass es ja schon „kleine“ Dinge sein können, die große Auswirkungen haben und große Konsequenzen nach sich ziehen. Genau das wollte ich darstellen, wie subtil Grenzüberschreitungen sein und welche dramatischen großen Effekte diese haben können.

Ich habe meinen Roman in vier Episoden mit verschiedenen Patienten:innen und der jeweils selben derselben Therapeutin gegliedert. Es war mir wichtig die Vielfalt an Dynamiken in der therapeutischen Beziehung darzustellen und somit sich vom Eindruck zu lösen, es betreffe nur einzelne Personen. Grundsätzlich können, losgelöst von Demografie, Grenzüberschreitungen in jeder therapeutischen Beziehung auftreten.

Die Frage nach der Autobiographie wird bei Malina ja intensiv gestellt. Wie real wie autobiographisch ist Dein Roman?

Ich habe viele Erfahrungsberichte gelesen und natürlich gibt es in der Ausbildung als klinische Psychologin eine starke Sensibilisierung dafür. Ich habe mich sehr intensiv mit dem Thema als Wissenschaftlerin befasst.

Der Roman Malina hat einen starken Wienbezug. Wie wichtig sind Orte im Schreiben für Dich?

Orte spielen in meinem Schreiben natürlich eine Rolle. Orte, die ich kenne und Orte, in die ich mich hineinversetze, die ich gedanklich bereise.

Meine Texte beginnen oft mit einem Bild einer Situation, einer Person oder einem Detail. Ausgehend von diesem Bild entwickelt sich die Geschichte weiter.

Es kann eine Kleinigkeit sein, die mich inspiriert und an der ich meinen Text aufhänge.

Wie ist Dein Schreibprozess? Gibt es fixe Schreibzeiten?

Nein, fixe Schreibzeiten gibt es nicht. Ich arbeite 40 Std und etwas mehr als Wissenschaftlerin und bin auch in der universitären Lehre tätig. Unter der Woche ist es sehr dicht. Ich versuche am Wochenende zu schreiben oder wenn ich Zeit habe an freien Tagen. Das hat für den Text Vorteile und Nachteile. In der Distanz gibt es immer wieder einen neuen Blick auf den Text, aber natürlich ist es schwer wieder gleich reinzufinden.

Der Roman Malina ist in drei Kapitel geteilt. Es beginnt mit „Glücklich mit Ivan“. Was ist für Anna Felnhofer Glück?

Schwierige Frage (lacht). Ich könnte Glück nicht ad hoc definieren.

Eine generelle Zufriedenheit würde ich da vielleicht als brauchbareres Konzept sehen, weil sie länger andauern kann. Gesundheit und generelles Gleichgewicht.

Mit dem Thema Gesundheit beschäftige ich mich auch in meiner Arbeit als Psychologin. Gesundheit wird ja in der WHO als Abwesenheit jeglicher Krankheit oder Beeinträchtigung idealisiert, was es ja in der Realität nicht gibt.

Wie unterscheidest Du Zufriedenheit und Glück?

Glück ist vielleicht eine Steigerung der Zufriedenheit.

Wie gesundheitsfördernd ist denn Literatur im Schreiben und im Lesen?

Es gibt ja in der Therapie den narrativen Ansatz des Geschichtenerzählens und das macht Literatur unter anderem auch. Das kann heilsam sein. Es ist eine Form, die Sinn ergibt und das Erlebte begreifbar, mittelbar macht.

Wir kennen das ja auch alle, fast alle, vom Tagebuchschreiben, das etwas Therapeutisches haben kann. Es setzt Reflexionsprozesse in Gang und damit mögliche Schritte der Veränderung. Das Schreiben gibt Anstöße.

Führst Du ein Tagebuch?

Es sind eher Notizen, kein klassisches Tagebuch.

Im zweiten Kapitel von Malina „Der dritte Mann“ geht es um Familien-, Gesellschaftsgeschichte. Wie politisch ist Dein Schreiben?

Mein Schreiben ist nicht per se politisch. Es kann sein, dass man gewisse Dinge rauslesen kann, aber meine Texte sind nicht explizit thematisch politisch.

Das letzte Kapitel trägt die Überschrift „Von den letzten Dingen“. Was ist für Dich Sinn?

Sinn ist mehrdimensional. Etwa eine Aufgabe haben, eine Beziehung, Nachkommenschaft.

Kürzlich wurde in einer Studie (Langzeitstudie der Uni Harvard, die über 80 Jahre untersucht hat, was Menschen glücklich macht) festgestellt, dass soziale Beziehungen wesentlich für das Glück-Erleben sind. Dies trifft dann wohl auch für die Frage nach dem Sinn so zu. Wertschätzende Begegnungen, liebevolle Beziehungen, Freundschaften geben im Leben Sinn, Zufriedenheit, mitunter sogar Glück.

Für mich persönlich trifft dies auch so zu und es kommt natürlich das Schreiben, die Wissenschaft hinzu.

Wie siehst Du die Bedeutung des Bachmannpreises heute und in Zukunft?

Der Bachmannpreis war schon da, bevor ich auf der Welt war (lacht) und er hat mich mein Leben lang begleitet. Er hat eine riesenlange Tradition, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es ihn irgendwann nicht gibt (lacht).

Der Bachmannpreis ist eine der wichtigsten Literaturpreise und eine Möglichkeit für jüngere wie arriviertere Autoren:innen sich auszutauschen.

Klagenfurt ist ein Treffpunkt unterschiedlicher Menschen, welche der Literaturbezug stark verbindet. Das finde ich sehr, sehr spannend.

Klagenfurt bringt die Literatur in die Gesellschaft und lässt sie einen Platz einnehmen.

Niemand sagt, Klagenfurt sagt mir gar nichts. Jede/Jeder hat schon mal in den Bachmannpreis reingeschaut. Das ist sehr schön eigentlich.

Ich hoffe, dass der Bachmannpreis weiter diese Sichtbarkeit bietet und beibehält. Auch die Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die vielleicht sonst mit Literatur nicht so viel Kontakt haben.

Was sind Deine derzeitigen Schreibpläne, Projekte?

Ich schreibe an einem Text, Roman. Aber das wird noch dauern, es gibt mehrere Etappen, aber es entsteht stetig.

In gut einem Monat bist Du zurück aus Klagenfurt. Mit welcher Erfahrung möchtest Du wieder in Wien ankommen?

Ich hoffe, mit vielen schönen Kontakten mit Menschen, Kollegen:innen, Juroren:innen, Menschen, die in der Literatur tätig sind, Menschen, die begeistert lesen und zuhören (lacht). Generell Menschen, die sich mit Literatur beschäftigen. Darauf freue ich mich!

Anna Felnhofer
Schriftstellerin, Bachmannpreis Nominierte 2023,

Wissenschaftlerin.

Vielen herzlichen Dank für das Interview, liebe Anna Felnhofer!

Es geht für Dich jetzt vom „Bachmann – Haus“ in der Wiener Ungargasse zum Bachmannpreis in Klagenfurt. Ich wünsche Dir, viele schöne Erfahrungen und viel Freude und Erfolg!

Bachmannpreis 2023    Teilnehmer:innenvorstellung:

Anna Felnhofer, Schriftstellerin _ Wien

Zur Person_Anna Felnhofer, geb. 1984 in Wien, Studium der Psychologie in Wien und Warschau, Promotion 2015. Arbeitet als Wissenschaftlerin und Klinische Psychologin an der MedUni Wien und ist Gründerin und Leiterin eines Virtuellen Realitäts-Labors (PedVR-Lab) (PedVR-Lab [HYPERLINK: https://kinderklinik.meduniwien.ac.at/paediatrische-psychosomatik/pedvr-lab/]) sowie auch Gründerin und Mitherausgeberin der internationalen wissenschaftlichen Zeitschrift Digital Psychology [HYPERLINK: https://ejournals.facultas.at/index.php/digitalpsychology]. Zu ihrem wissenschaftlichen Werk zählen zahlreiche Publikationen in internationalen Journalen sowie die Herausgabe von vier (Lehr-)Büchern (UTBBELTZ).

Parallel dazu veröffentlicht sie Erzählungen und Kurzprosa in literarischen Zeitschriften. Im Jahr 2018 war sie auf der Shortlist des FM4 Wortlaut Kurzgeschichten-Wettbewerbs und gewann 2020 den Emil-Breisach Literaturpreis der Akademie Graz (2. Platz, Preis der Energie Steiermark AG). Ihr Debütroman „Schnittbild“ (Luftschacht, 2021, [HYPERLINK: https://www.luftschacht.com/produkt/anna-felnhofer-schnittbild/]) erhielt die Buchprämie der Stadt Wien, wurde mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis 2021 ausgezeichnet und für die Shortlist des Österreichischen Buchpreises Debüt 2021 nominiert. Beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2023 liest sie auf Einladung von Brigitte Schwens-Harrant.

homepage Anna Felnhofer https://www.annafelnhofer.at/

Aktueller Roman_Anna Felnhofer „Schnittbild„. Roman, 336 Seiten. Luftschacht Verlag 2021.

Anna Felnhofer „Schnittbild„. Roman, 336 Seiten. Luftschacht Verlag 2021.

Hardcover
12,8 * 20,8 cm
ISBN 978-3-903081-86-4
€ 24.00 [D], € 24.00 [A]

2. Auflage erschienen am 30. März 2023
1. Auflage erschienen am 30. März 2021 (Vergriffen)

auch als E-Book erhältlich
ISBN 978-3-903081-87-1

ausgezeichnet mit dem
Franz-Tumler-Literaturpreis 2021

nominiert für:
Österreichischer Buchpreis 2021 Debüt

Anna Felnhofer: Schnittbild

Bachmannpreis 2023 _ vom 28. Juni bis 2. Juli finden die 47. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt statt.

Interview&alle Fotos _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 6/23

https://literaturoutdoors.com

„Kunst soll zum Träumen einladen“ Bernhard Georg Rusch, Schauspieler _ Klagenfurt 11.6.2023

Lieber Bernhard Georg Rusch, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Fast jeder Tag gestaltet sich unterschiedlich. Ich starte mit einem Frühstück, das auf alle Fälle aus einer guten Tasse Tee besteht, denn ich bin wohl einer der wenigen Menschen, die keinen Kaffee trinken.

Danach wird geprobt oder an Ideen, Konzepten, Anträgen gearbeitet. Idealerweise folgt dann etwas zum Auspowern z.b. ein Tennismatch oder eine Yogaeinheit.

Zum Essen schaue ich mir gern eine Folge einer Serie an, in den letzten Woche war das „Seinfeld“.

An manchen Tagen gehe ich in die Werkstatt eines Freundes und wir arbeiten mit Holz an kleinen Möbeln oder ähnlichem. Zurzeit mache ich eine kleine Schachtel für meine Salz- und Pfeffermühlen.

Wenn die Gedanken einmal anstehen, dann hilft eine Wanderung allein durch den Wald oder ich lasse mich in einem Kino, mein zweites Wohnzimmer, in fantastische Traumwelten entführen.

Das Ende ist aber immer gleich: Ich arbeite an meinen Französischkenntnissen, trage die besonderen Gedanken des Tages in mein Tagebuch ein und als Abschluss gestalte ich künstlerisch eine Instagram-Story unter dem Titel #latenightcreativity. So endet jeder Tag, egal was passiert ist, mit einer kleinen kreativen Tätigkeit.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ruhe und Entspannung. Wir streben alle nach so vielen Wünschen und glauben, alles aus den letzten paar Jahren nachholen zu müssen, dass wir uns da sehr viel Druck auferlegen. So ist es kaum möglich, sich zufrieden und glücklich zu fühlen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ein neues Gefühl der Gemeinschaft, des Zusammenhalts zu erzeugen. Kunst soll für mich die KünstlerInnen und auch die BetrachterInnen/ZuschauerInnen zum Träumen einladen. Sie soll die Menschen aber auch anstacheln, ihnen Ideen für Veränderungen aufzeigen und sie wieder näher zueinander bringen.

Was liest Du derzeit?

Die Gedichte und das Kriegstagebuch von Edward Thomas, einem britischen Schriftsteller zu Beginn des 20. Jahrhunderts, da ich Texte daraus für ein Projekt im Sommer verwenden werde. Und „Foundation“ von Isaac Asimov.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Time exists but just on your wrists so don’t panic!“ Diesem Satz aus dem Lied „Indefinitely“ der Band Travis würde ich selbst gern öfter glauben, vielleicht auch deswegen taucht er immer wieder in meinem Kopf auf. Außerdem ist das Lied selbst ein wunderschönes.

Vielen Dank für das Interview lieber Bernhard, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Film-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Bernhard Georg Rusch – Schauspieler & freischaffender Künstler

Zur Person_Bernhard Georg Rusch

geboren 1985 in Klagenfurt am Wörthersee. Studierte Schauspiel am Konservatorium der Stadt Wien (Heute: MUK) von 2008-2012. Seine Arbeiten als Schauspieler brachten ihn u. a. ans E.T.A. Hoffmann Theater in Bamberg (2013-2015), zu den Salzburger Festspielen („Kasimir und Karoline“, 2017), an die Neue Bühne Villach und ans Theater der Jugend. Außerdem ist er auch immer wieder in Filmen und TV-Serien zu sehen, u.a. „Klammer – Chasing the Line“ (2021) und „SOKO-Linz“.

Seit einigen Jahren arbeitet er auch als Performer, Regisseur, Autor und Videokünstler, oftmals interdisziplinär. Hierbei entstanden u.a. Projekte wie „Klausen klingt“, ein Alte Musik Festival in Südtirol, das im August 2023 zum zweiten Mal stattfindet, verschiedene Bühnenshows des internationalen Saxophon Quintetts „FIVE SAX“ und „Josephs Diktat“, eine interaktive Kunstinstallation zum Thema Bücherverbrennung und Manipulation. Er ist Gründungsmitglied des KünstlerInnenkolletivs „KunstMeeting – Verein zur Förderung von interdisziplinären Kunstprojekten“. Seit 2017 Auftritte mit der Lesung „Alles war ganz anders geworden – Aus dem Tagebuch eines Soldaten“, basierend auf dem Kriegstagebuch seines Großvaters.

Unter dem Namen „latenightcreativity“ arbeitet er an eigenen Kunstprojekten.

www.bernhardgeorgrusch.com

Foto _ Theresa Pewal

Walter Pobaschnig _ 7.5.2023

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„Abendstille anraunzen. Ja, eigentlich möcht ich weinen“ Mona Rabofsky, Künstlerin _ Give Peace A Chance _ Wien 10.6.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Greifen möchte

Ich. Nach Fäden. Mich

Verheddern,

Einkuscheln in Menschlichkeit.


Platzhirschen zum Frühstück essen

Eventuell vorher noch ein zeitvertreibendes Zusammenspiel, das wäre schön.

Annäherungen sind schließlich wichtig. Und

Chimären hinterherlaufen möcht ich – Hirngespinsten, ich will ein Recht auf  
  Chimären und sie 

Einfangen wie Schmetterlinge, damit sie sich entpuppen können.


Abendstille anraunzen. Ja, eigentlich möcht ich weinen.


Casten möcht ich die

Heldinnen und Halbgötter, die,

Ahnungslos wie ich, sich auch nicht vorstellen können, was Krieg überhaupt ist.

Nebenbuhler sind das dann im Kampf um Frieden,

Clownesk stell ich mir das vor.

Es ist vertrackt.


Mona Rabofsky, 10.6.2023

Mona Rabofsky, Künstlerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Mona Rabofsky, Künstlerin

Zur Person_ Meine künstlerische Tätigkeit ist transdisziplinär und Genre-übergreifend. Die Arbeiten vereint die Suche nach Zwischenräumen, Wahrheiten und Grenzen innerhalb verschiedener Felder künstlerischer und kultureller Praxen und Wirklichkeiten sowie Materialien im philosophischen als auch physischen Sinne. https://www.monarabofsky.com/

Foto_Max Böhme

Walter Pobaschnig _ 9.6.2023

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„Menschlichkeit, Liebe! Auszeiten.“ Diana Jahr, Schriftstellerin _ Puderbach/D 10.6.2023

Liebe Diana Jahr, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Oft ähnlich und doch relativ flexibel, denn ich habe das Glück, mir meine Zeit frei einteilen zu können. So viel sei gesagt, wenn möglich, gehe ich jeden Tag zumindest kurz hinaus, in die Natur. Und ich bin eine Nachteule. Dem Schreiben räume ich täglich Zeit ein.

und dann gibt es in meiner welt nichts als einen becher kaffee, ein blatt, einen stift, dichte gedanken an dich und am horizont den kirschbaum im wald / nicht nur, wenn es regnet, sitze ich bei geöffneter tür, beim lauschen rauschen buchstaben aufs papier – spuren verwischen, ein aquarell, himmelgrün, breitet sich aus, und die finger auf der tastatur begleiten eine aufsteigende melodie/ und so schreib ich mir töne von der haut, stimmweise, enharmonisch, in dur und moll, ein pendeln zwischen mir und der welt

Diana Jahr, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Kann man das pauschal beantworten? Immer wichtig sind, so denke ich, Menschlichkeit, Liebe! Auszeiten. Ein Tag im Grünen. Und verschiedene Sichten. Da wären Weitsicht, Nachsicht und Einsicht. Rücksicht, auch Vorsicht. Und: Zuversicht!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wesentlich ist, so denke ich, ein Umdenken, ein gesteigertes Bewusstsein für die Umwelt, die Mitwelt. Dabei sich selbst im Kontext sehen. Die Literatur, die Kunst überhaupt, wird immer wichtig sein, denn sie kann Dinge zeigen, bewusst machen, zum Nachdenken anregen, aufrütteln, bewegen, auf eine Weise, die ganz anders wirkt als die nüchterne Darstellung nackter Tatsachen, weil sie weit darüber hinaus geht, andere Kanäle anspricht, nicht nur den Intellekt, sondern auch auf anderen Ebenen wirken kann. Darin liegt sicherlich eine Chance.

Was liest Du derzeit?

Das Café am Rande der Welt von John Strelecky und Kummer aller Art von Mariana Leky

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Da wähle ich direkt eine der zentralen Fragen aus dem oben genannten Café: Warum bist du hier?

Vielen Dank für das Interview liebe Diana, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Den ich gern zurückgebe, danke für die feinen Fragen!

5 Fragen an Künstler*innen:

Diana Jahr, Schriftstellerin

Zur Person_mein Name ist Diana Jahr, ich wurde 1970 in Dortmund geboren, und lebe inzwischen im Westerwald. Ich schreibe hauptsächlich Lyrik und Kurzprosa, und blogge seit zehn Jahren, in literarischer Manier: https://versspruenge.wordpress.com/
Bisher habe ich schon etliche Texte sowohl in literarischen Zeitschriften (zB Wortschau, Dichtungsring) als auch in Anthologien veröffentlicht. Im Jahr 2019 gewann ich zu meiner Freude den ersten Preis beim Kempener Literaturwettbewerb in der Kategorie Songtexte/ Lyrik.

Mein erster eigener Gedichtband und nachts wandern die fledermäuse aus erschien im gleichen Jahr (2019) beim Schillo-Verlag, München; dort dann auch im letzten Jahr (2022) ein volvo voller orangen, lyrische skizzen.

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 11.4.2023

https://literaturoutdoors.com/

„Genuss“ Francis Mohr, Autor _ Give Peace A Chance _ Dresden 9.6.2023

GIVE PEACE A CHANCE


Genuss

Im

Viertel

Erhoffen


Poesie

Eiskunstbahn

Aquarium

Cello

Eulenrufe


Apfelbäume


Café

Hundegebell

Aussichtsturm

Nationen

Chrysanthemen

Erdbeertorte


Francis Mohr, 8.6.2023

Francis Mohr, Autor

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Francis Mohr, Autor

Zur Person_Francis Mohr wuchs in Leipzig auf, lebt heute in Dresden und schanzt in einer Psychiatrie als Psychologe. Künstlerische Stationen: Pioniertheater, Studentenbühne, Autorenduo Federkrieger Dresden mit Leif Hauswald, Lesebühne Phrase4. Aktuell ist er mit dem Jazzmusiker Micha Winkler oder dem Rock- und Bluesmusiker Tino Z auf der Bühne zu Hause. Seine Genres:  Zeitgenössische Literatur, Roman, Short-Story, Kriminalroman, Dramatik. Zuletzt „Der Alligator“ (zwiebook-Verlag, Dresden, 2022).

www.francis-mohr.de

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 8.6.2023

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„Königsgemahlin Camilla“ Angela Levin. Die Biografie. Edition Koch. 2023

Seit der Krönung am 6.Mai des Jahres ist sie die Queen des Vereinigten Königreiches Großbritannien und Nordirland – ihr Name: Camilla Parker Bowles.

Ihr Lebensweg ist dabei wesentlich noch unbekannt. Ihr klingender Doppelnamen weist auf die geschiedene erste Ehe hin. Doch wo ist sie geboren, aufgewachsen, welche Schulen besuchte sie? Wie sehen weitere Etappen ihres Lebens und ihres Privatlebens aus?

Bekannt ist ihr Leben in der Öffentlichkeit an der Seite ihres Mannes King Charles III., das mit der Hochzeit 2005 strahlend royal beginnt. Doch wann lernten sich beide kennen? Wie kam es zu der Hochzeit? Und welche gesellschaftlichen Schwerpunkte sind Camilla nun als Queen wichtig? Wie lebt sie sich in ihre Rolle und ihre Königsfamilie ein?

Die renommierte Journalistin (Daily Mail, Observer) und Autorin (mehrere Veröffentlichungen zu den Royals) Angela Levin legt mit „Königsgemahlin Camilla“ eine lang erwartete biographische Zusammenschau vor, die Frau, Ehefrau, Mutter, Königin Camilla vorstellt.

Mit großer Sachkenntnis über die Königsfamilie und umfangreicher Recherche gelingt es Angela Levin ein sehr informatives wie facettenreiches Bild der neuen Königin zu geben. Viele Lebensereignisse, Reisen, Begegnungen, Anlässe werden wiedergegeben und erläutert und veranschaulichen Leben und gesellschaftliche Schwerpunkte.

Hervorzuheben ist ebenso der sehr gut erzählende, zusammenschauende Schreibstil, der Leben, Familie, Gesellschaft, Politik immer im Gesamten in den Blick nimmt und so gleichsam ein Mosaik wiedergibt, das mit großer Aufmerksamkeit und Sensibilität geformt ist.

„Eine Biografie, die in großer Sachkenntnis wie Sensibilität informiert und in ein royales Leben eintauchen lässt“

„Königsgemahlin Camilla“ Angela Levin. Die Biografie. Edition Koch. 2023

Fleischmann, Paul (Übersetzer)

1. Auflage March 2023, ca. 320 Seiten, Hardcover

Format: 23,5 x 16,5

ISBN 978-3-85445-750-3

ca. 29,00 EUR

Walter Pobaschnig  5/23

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„Es gibt wenig Geschichten, Sachbücher und Texte in einfacher, kurzer Sprache“ Axel Dickschat, Autor _ Dortmund 9.6.2023

Lieber Axel Dickschat, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Sicher wenig spektakulär. An Wochentagen, Montag bis Freitag, stehe ich für gewöhnlich gegen 05 Uhr auf und beginne meinen Tag mit ein paar körperlichen Übungen – eine Mischung aus Yoga, Kraft und Ausdauer. Danach komme ich ein wenig runter, meditiere circa 15 bis 20 Min. und bereite mich so auf meinen Tag vor. Nach einem etwa 30minütigen Frühstück und circa 30 Minuten Zeit im Bad beginnt mein regulärer Arbeitstag als Unternehmensberater für kleine und mittelständische Unternehmen im Bereichen Vielfalt (Diversity).

Sollten keine Termine in anderen Städten mit einer Übernachtung anstehen, dann bin ich zwischen 19h und 20h wieder zu Hause. Ich esse zu Abend, schaue mir die aktuellen Nachrichten an und begebe mich danach bis etwa 22h an meinem Schreibtisch, um die Dinge des Tages abzuarbeiten. Im Anschluss drehe ich noch eine kleine Abendrunde mit Walter (ein kleiner polnischer Adoptiv-Terrier). Im Anschluss lese ich noch etwas oder bereite eigene Projekte (ein neues Buch, einen neuen Dokumentarfilm) vor.

Einmal in der Woche gehe ich am Abend in einen örtlichen Amateurfilmclub, der sich mit Dokumentarfilmen beschäftigt, um die Techniken zu lernen und ich bin aktives Mitglied im dgti e. V. (Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e. V.). Aus diesen Aktivitäten ergeben sich dann auch meistens individuell meine Wochenenden.

Axel Dickschat, Autor

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich neige nicht dazu anderen Menschen Ratschläge zu geben. Eines halte ich jedoch ganz allgemein für wichtig und in der heutigen Zeit für geboten. Wir sollten alle nicht so schnell werten und bewerten, benennen, urteilen, be- und verurteilen. Dies führt in der Regel zu einer starken Polarisierung und das tut unserer Gesellschaft nicht gut.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Nach den vielen Jahren, in denen sich alles nach Leistung, schneller, höher und weiter orientierte, beginnt jetzt eine neue Zeit des Bewusstseins. Vielen Dinge kommen heute ans Tageslicht, die vorher „unter den Teppich“ gekehrt wurden.

Von daher kommt der Literatur, der Kunst, der Musik, dem Film heute eine außergewöhnlich starke und bedeutende Rolle zu. Wir brauchen Autoren, Künstler, Musiker und Filmemacher, die uns die Welt erklären und unser Bewusstsein sensibilisieren und erweitern. Allerdings anderes, als in früheren Jahren. Für die Intellektuellen ist gesorgt. Es gibt genug umfangreiche akademische Literatur für diese Schicht, jedoch wenig Geschichten, Sachbücher und Texte in einfacher, kurzer und klarer Sprache für Menschen, die so umfangreiche Texte nicht aufnehmen können.

Was liest Du derzeit?

Ich habe zwei Bücher, die aktuell auf meinem Tisch liegen:

„Dimensionswechsel“ von Günther Wiechmann

und

„Trans* im Glück“ von Dr. med. Livia Prüll

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein inhaltliches Zitat, welches mein Leben geprägt hat und das die Grundlage für mein Buch geworden ist. Es stammt von einem Abt aus einem Kloster im Sauerland der zu mir sagte: „Es gibt keinen Menschen der nichts hat – irgendetwas hat jeder. Der Liebe Gott hat dir die Augen gegeben, die du hast – es wird einen Grund dafür geben. Nun lebe damit und – fertig!“

Axel Dickschat, Autor

Vielen Dank für das Interview lieber Axel, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Axel Dickschat, Autor

Zur Person_Axel DICKSCHAT
Geburtstag / -ort Juni 1960, Dortmund
Schwerbehinderung Sehbehinderung
Geschlecht Transident * Genderfluid
Familienstand verh. / zwei Adoptivkinder aus Brasilien
Berufspraxis 01/00 – heute,
freiberuflicher Projekt- u. Interimsmanager
Marketing * Vertrieb * Kommunikation * Vielfalt (Diversity)
08/99 – 12/99, Übernahme durch Medtronic Inc.
(mit befristetem Arbeitsvertrag)
11/97 – 07/99, Kaufmännischer Leiter
Hosmed GmbH, Oberhaching b. Mch., Medizint.
10/93 – 10/97, Kaufmännischer Leiter
08/90 – 09/93, „Coordinator-Sales-Service“
11/87 – 07/90 , Buchhalter
INTERMEDICS GmbH, Köln, Medizintechnik
1986 – 1987, Mitarbeit im Geschäft der Ehefrau
1984 – 1986, Buchhalter
SINN AG, Köln, Textil-Handel
Weiterbildung Teilnahme an diversen EDV-, Sprach-,
Motivations- und Fachseminaren u. a.:

  • Zertifikat: Medizinproduktberater
  • Integrierte Versorgung § 140 a-h
  • Sponsoring in Klinik und Forschung
  • PALLAS-Langzeitseminar 01/01 – 06/07
    für Führungskräfte in der Wirtschaft /
    Persönlichkeitsentwicklung
  • HÖLLER: Motivationsseminare 2015 – 2016
  • SCHÄFER: Positionierung 2016
  • KREUTER: Marketing u. Vertrieb 2017 / 2018
  • SCHERER: Sprecher 2017 / 2018 / 2019
  • BÄUERLEIN: Social Media 2020
  • DIERKSEN: Online Vertrieb 2020
    Fremdsprache Englisch
    Ausbildungsdaten 1984, Bürokaufmann
    S & E GmbH, Dortmund, KFZ-Handel
    1982, Höhere Handelsschule
    Abschluss: Fachhochschulreife
    Ehrenamtliche Tätigkeiten > Bewerbungstraining in körperbehinderten Schulen
  • > Koordinator beim Kirchentag „Mensch u. Tier“, Dortmund
  • > Vorstandsmitglied im Boxverein DBS 20/50 e, V., Dortmund

Aktuell: aktives Mitglied im „dgti e. V.“ (Dt. Ges. f. Trans- u.
Intersexualität e. V.) – Beraterin
Mitgliedschaften dgti e. V.
Dt. Ges. für Transidentität u. Intersexualität e. V.
Autor „Es ist, wie es ist – ich bin, wie ich bin“ ISBN: 9791220133210
„Der Weg von der Raupe zum Schmetterling“
(Arbeitsbuch für Menschen vor ihrem coming-out

Fotos_privat

Walter Pobaschnig _ 10.4.2023

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„Genug“ Rudi de Mello, Regisseur, Autor _ Give Peace A Chance _ Berlin 8.6.2023

GIVE PEACE A CHANCE

Genug. Es ist genug.

Ich ziehe mich zurück,

Verkrieche mich ins Ich,

Errichte mir hier den


Prestigebau meines Friedens:

Elfenbeintürme, verstärkte

Arkaden für freie Gedanken,

Carrarischer Marmor ummauert

Ein stilles Bedürfnis.


Aber werden mich hier finden


Chaos, Wut, Zerstörung?

Heult dein Wind hinein,

Ahnt mein Fundament den

Nächsten Untergang.

Chaos. Wut. Zerstörung.

Ein Schloss ist nicht genug.

Rudi de Mello, 25.05.2023

Rudi de Mello, Schauspieler, Regisseur, Autor und Dramaturg

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Rudi de Mello, Schauspieler, Regisseur, Autor und Dramaturg

Zur Person_Rudi de Mello, 1981 in Havanna (Kuba) geboren, lebt in Berlin. Er absolvierte ein Studium der Philosophie, Kunstgeschichte und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der TU Berlin. Seit über 20 Jahren ist er international als Schauspieler, Regisseur, Autor und Dramaturg an verschiedenen Theatern und Kulturinstitutionen tätig. Er ist leidenschaftlicher Lyriker, erdenkt und organisiert Lesungen (u.a. ÜBERGÄNGE, UNTERFÜLLE) und liest selbst auf Lesungen (u.a. bei Textur 4: UNTERWEGS).

Walter Pobaschnig _ 6.6.2023

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„Attitüde“ 25.Todesjahr Falco _ Katharina J.Ferner, Schriftstellerin und Performerin acting „Ganz Wien“ _ Wien 8.6.2023

Katharina J.Ferner, Schriftstellerin und Performerin _ Salzburg_
acting „Ganz Wien“ Falco (1981) _
25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)
Katharina J.Ferner, Schriftstellerin und Performerin _ Wien _
acting „Ganz Wien“ Falco (1981) _
25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)
Katharina J.Ferner, Schriftstellerin und Performerin _ Salzburg_
acting „Ganz Wien“ Falco (1981) _
25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)

„Ganz Wien“

Er geht auf der Straß’n
Sagt net wohin
Das Hirn voll Heavy Metal
Und seine Leber ist hin

Seine Venen san offen
Und er riecht nach Formalin
Des alles macht eam kan Kummer
Weil er ist in Wien.

Ganz Wien – ist heut auf Heroin
Ganz Wien – träumt mit Mozambin
Ganz Wien – Wien, Wien, greift auch zu Kokain überhaupt in der Ballsaison
Man sieht ganz Wien, Wien, Wien is so herrlich hin, hin, hin
Kokain und Kodein, Heroin und Mozambin
Machen uns hin, hin, hin, 1,2,3

Kokain und Kodein, Heroin und Mozambin
Machen uns hin, hin, hin

Einmal wird der Tag kumman
Die Donau außer Rand und Band
Im U4 geigen die Goldfisch‘
Der Bruno längst im sich’ren Land,
Der Hannes A

Dann lernen wir Schwimmen
Treib’n tan ma eh.
Alle Teuferl weisses Gewandl
Und weiss wie Schnee

Wien

Kokain und Kodein, Heroin und Mozambin
Machen uns hin, hin, hin, that you know
Kokain und Kodein, Heroin und Mozambin
Machen uns hin, hin, hin

Ganz Wien
da, da, da, da
Ganz Wien

Katharina J.Ferner, Schriftstellerin und Performerin _ Salzburg _
acting „Ganz Wien“ Falco (1981) _
25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)

Liebe Katharina J.Ferner, welche Bezugspunkte gibt es von Dir zu Falco und den 80thies?

Wie die meisten meiner Generation bin ich auch mit seiner Musik aufgewachsen. In der Mozartstadt war natürlich „Rock Me Amadeus“ das Lied, das beim Ausgehen exzessiv gespielt wurde, aber auch viele andere. 80ties Parties waren immer ein Garant für tanzbare Musik und Spaß am Style, insofern waren diese in meinem Freundinnenkreis sehr beliebt.

Abgesehen davon teilen wir uns dem 19. Februar als Geburtstag.

Was macht für Dich den Künstler Falco aus?

Seine große Eigenständigkeit im Stil, er ist bis heute unverkennbar.

Gibt es Lieblingssongs?

Ihre Tochter.

Wien inspirierte und prägte den Künstler Falco. Was inspiriert Dich hier?

Wien hat eine angenehme Mischung an Stadtleben, Rückzug, Möglichkeiten und auch einer gewisse Unaufgeregtheit. Sie bietet einen kulturellen Nährboden, der eine ziemlich große Vielfalt erlaubt, obwohl die Stadt letztendlich ja doch überschaubar bleibt. Die Zugänge sind niederschwellig. Es gibt eine ungezwungene Option, sich auszutauschen, ein Interesse, eine Lebhaftigkeit. Ich nutze das aber nicht wie früher. Ich bin so viel unterwegs, ich bin einfach gerne da und besuche meine Orte. Es ist eher ein Heimkommen.

Träume, Sehnsucht, Erfolg wie Enttäuschung, Angst finden in Kunst wie Leben Falcos eindringlichen, intensiven Ausdruck. Wie gehst Du mit diesen Lebensthemen im Schreiben und persönlich um?

Das sind sehr viele Themen für eine Frage. Kurz gesagt, wenn man auch aus sich schöpft, spielen diese Intensitäten auch im Schaffen eine Rolle. Das kann erschöpfend sein. Manchmal bietet das Schreiben darin aber eine Perspektive.

Falco ist sehr früh tragisch verstorben. Wie siehst Du die Umstände seines Todes? Dazu kann ich nichts sagen.

Im Falco Song „Junge Römer“, dessen Video 1984 im Palais Auersperg im Rosenkavaliersaal und auf der Feststiege gedreht wurde, geht es um Lebensfreude, Lebenslust. Was bedeutet dies für Dich heute?

Ja, das Make-up, das Falco in diesem Video u. a. trägt, würde auch gut in die die heutige Klubkultur passen. Die Lust an Tanz und Kostümierung finde ich nun auf Burlesque- und Swingdancevents. Da kann ich aber nur für mich sprechen.

Im Song „Ganz Wien“ geht es um versteckte, verdrängte Seiten einer Stadt, Gesellschaft? Was hat sich da in 40 Jahren verändert, verbessert?

Ich glaube nicht, dass ich das beurteilen kann. Die angesprochene Szene existiert wohl nach wie vor wie in jeder Stadt. Wahrscheinlich hat sich die Art des offenen Konsums etwas verändert. Als ich nach Wien gezogen bin, war der Karlsplatz noch ein Knotenpunkt, vor dem ich gewarnt wurde. Es verlagert sich nur.

Du bist Schriftstellerin, Performerin? Verbindest Du diese Kunstformen auch?

Das habe ich in einem unserer früheren Interviews schon einmal angesprochen, in dem ich sagte, die Verbindung verschiedener Kunstformen erweitere den eigenen Horizont. Und dass mir Verbindungen diverser Sparten neue Blicke und Möglichkeiten eröffnen, auch wenn die Literatur bei mir immer im Fokus steht. Das gilt nach wie vor. Das Wort Performance beanspruche ich auch, um darauf aufmerksam zu machen, dass Lesungen Raum bieten, in dem mit dem Text noch etwas passieren kann.

Unser Fotoshooting zu Falco findet in Wien outdoors statt und nimmt den Puls, die Inspiration der Stadt im hier und jetzt auf. Wie ist dies für Dich als Künstlerin öffentlich zu agieren ohne abgegrenzten Bühnenraum?

Eigentlich finde ich das einen spannenden Aspekt, diese direkte Auseinandersetzung. Es kann aber auch unangenehm sein, was nicht unbedingt an der eigenen Präsenz am Ort liegt, sondern in unserem Fall jetzt an der Kamera, was wir ja auch kurz zu spüren bekommen haben.

Hättest Du Dir ein Projekt mit Falco vorstellen können und wenn ja, welches?

Ach, ich wäre auch gern als Tänzerin im Musikvideo gewesen.

Es ist ein großartiger Style, den Du zum Fotoshooting hier gewählt hast. Was bedeutet Dir Mode, Style?

Mir macht es Spaß, ich sammle gerne Kleidung, die sich dann in Folge auch als Kostüm verwerten lassen, so hatte ich auch für Falco schon etwas Passendes im Schrank.

Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?

Wie immer zu viele. Was ich gerade brauche, ist: Schreibruhe.

Was kannst Du als Künstlerin von Falco mitnehmen?

Momentan würde ich sagen Attitüde. Aber es ist natürlich viel mehr. Da gibt es Welten.

Darf ich Dich abschließend zu einem Akrostichon bitten?

Flegeln

Abtanzen

Loslassen

Clownen

Oh-oh (Vienna calling)

Katharina J.Ferner, Schriftstellerin und Performerin _ Salzburg _
acting „Ganz Wien“ Falco (1981) _
25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)

Station bei Falco_„Ganz Wien“

Katharina J.Ferner, Schriftstellerin und Performerin __ Wien _ acting „Ganz Wien“

Text: „Ganz Wien“ 1981 / Text: Falco / Musik: Falco

25.Todesjahr Falco, Sänger, Musiker (* 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik)Wien

Zur Person_ Katharina J. Ferner lebt als Poetin und Performerin in Salzburg. Redaktionsmitglied der Literaturzeitschriften Mosaik. Mitarbeit bei Morgenschtean, sowie &Radieschen. 2016-2019 Mitbetreuung der Lesereihe ADIDO (Anno Dialekt Donnerstag) in Wien.  2019 Lyrikstipendium am Schriftstellerhaus Stuttgart. Seit 2020 arbeitet sie gemeinsam mit anderen Autor*innen mit der Lungauer Kulturvereinigung über das Format „Junge Literatur im Lungau“ zusammen. Sie tourte im Team von HÖRHIN –Eine Initiative zur Förderung von Lese- und Sprachkompetenz an Volksschulen durch Österreich. Mit dem Fotografen Mark Daniel Prohaska entstand das Projekt „Homeage“, in dem KJF literarische Straßennamen Salzburgs mit Texten zeitgenössischer Autor*innen beliest. Seit Jänner 2021 erscheint unter dem Titel „Ferner dichtet“ wöchentlich Poesie in der Salzburger Krone. Teilnahme am Bachmann-Wettlesen 2021. Gemeinsam mit Kalinka Kalaschnikow veranstaltet sie die Lesereihe „…das nackte Wort“. Sie schreibt Lyrik-Rezensionen für die Reihe lyristix auf Instagram. 

https://www.kj-ferner.at/

Aktuelles Buch_ „Krötentage“ Katharina J. Ferner Gedichte, Limbus, 2022.

„Krötentage“ Katharina J. Ferner Gedichte, Limbus, 2022.

ISBN 978-3-99039-219-5
Gebunden mit Lesebändchen
96 Seiten
lieferbar

EUR 15,–

Literatur outdoors_Performing/Interview

Undine geht

„Undine als Sirene spielt natürlich ein doppeltes Spiel“ Katharina J.Ferner, Schriftstellerin_Salzburg_60 Jahre Undine geht_14.9.2021

Marylin Monroe

„Berühren Sie ein Rosenblatt. Riechen Sie in den Regen hinein“ Katharina J.Ferner, Poetin_60.Todesjahr Marilyn Monroe _ Wien 18.5.2022

Malina

„Der Roman hat einen Sog und man lebt mit, intensiv“ Katharina J.Ferner, Schriftstellerin_ Romanjubiläum Malina_ Wien 23.7.2021

5 Fragen Interview

„Nie auf die eigene Handlungsfähigkeit vergessen“ Katharina J.Ferner, Schriftstellerin, Salzburg 28.4.2020

Give Peace A Chance

https://literaturoutdoors.com/2022/03/31/grundhaftung-katharina-j-ferner-poetin-give-peace-a-chance-salzburg-3-4-2022/

Bachmannpreis 2021

„Sehr schade, dass ich weder die anderen Kandidat*innen noch die Jury persönlich treffen werde“ Katharina J.Ferner, Schriftstellerin _ Bachmannpreisteilnehmerin 2021_Salzburg 15.6.2021

„Unterrepräsentation von Textformen, die sich gängigen Kategorisierungen widerschreiben“ Katharina J.Ferner_Schriftstellerin_ Bachmannpreisteilnehmerin 2021_Salzburg 20.6.2021

Leipziger Buchmesse 2023 _ Gastland Österreich

Leipziger Buchmesse: „die Vielfalt ist sehr groß und das Programm breit gefächert.“ Katharina J.Ferner, Poetin und Performerin _Salzburg 27.4.2023

Alle Fotos_Walter Pobaschnig _ Wien 5_23

https://literaturoutdoors.com

Walter Pobaschnig 5_23

„Wir werden alle sterben, deswegen ist es für uns alle wichtig zu leben“ Lynn Salcom, Künstlerin _ London 8.6.2023

Liebe Lyn Salcom, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufstehen. Erster Stuhlgang. Erste Mahlzeit. Übersetzen, Lektorieren, meine Freundin wecken (eventuell Sex, wenn uns danach ist). Zweite Mahlzeit. Lesen, Spaziergang mit dem Hund der Nachbarn. Studiendaten auswerten, an der Studie arbeiten.

Manchmal kommen Freund_innen zu Besuch. Möglich: zweiter Stuhlgang.

Dritte Mahlzeit. Meine Freundin bingewatch, ich telefoniere mit meiner Mutter in Kanada und laufe um den Block.

Wir gehen ins Bett (zweite Möglichkeit für Sex).

Alles was Kunst sein könnte, entsteht dazwischen.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir werden alle sterben, deswegen ist es für uns alle wichtig zu leben.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Falsch. Dieses wir-alle ist  eine reaktionäre und/oder verblödete Sicht auf die Menschheit, in jedem Fall stehen und standen die Menschen immer schon vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen, je nach class, gender, etc. Groussac hat mal gesagt (grob übersetzt): Ich bewundere meine Mitmenschen für ihre Fähigkeit, überall ein Wir-Gefühl erzeugen zu können und hasse sie dafür, dass sie es nie dann tun, wenn es wichtig wäre.

Ich stehe jeden Tag vor zwei Herausforderungen: den Ansprüchen an mich selbst und den restlichen, die von außen kommen. Die sind jeden Tag anders, so ist das.

Was Kunst damit zu tun hat? Das kommt auf die Ansprüche an.

Was liest Du derzeit?

Robert Frost, Laura Riding Jackson. Vonneguts „Hocus Pocus“, das bereitet gut auf alle kommenden Apokalypsen vor.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?  

Siehe 3.

Vielen Dank für das Interview liebe Lynn, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Lynn Salcom, Künstlerin

Zur Person _ Lynn Salcom (*1990), geboren in Troisdorf, aufgewachsen in Vancouver und Köln. Arbeitet und lebt in London, Köln und (keine Angabe).

Foto_privat

21.4.2023_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com