Zur Person_Dr. Elisabeth Schinagl, geb. 1961 in München, studierte Latein und Germanistik in Eichstätt und Regensburg. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für mittellateinische Philologie an der Katholischen Universität Eichstätt und danach Gymnasiallehrerin. Von 2009 bis 2017 war sie als Referentin im Bayerischen Landtag tätig. Seit 2018 ist sie freie Autorin. In ihren Werken befasst sie sich vorwiegend mit Themen aus der bayerischen Geschichte.
Ich stehe gegen 7 Uhr auf, mache mir eine große Kanne Earl Grey Tee, rolle die Yogamatte aus und mache eine halbe Stunde Yoga. Dann beginne ich zu schreiben. Mein tägliches, selbst gesetztes Ziel sind 10 000 Zeichen. Meist bin ich damit gegen 14 Uhr fertig. Ich arbeite hauptberuflich als Autorin. Am Nachmittag kümmere ich mich um Marketing, PR, Social Media, Newsletter, E-Mails und natürlich um die Recherche. Dazu kommen rund dreißig bis vierzig Lesungen im Jahr.
Wenn ich über neue Plots nachdenke, gehe ich zum Denken gerne in den Wald. Die Abende verbringe ich mit meinem Mann, oder ich treffe Freunde, besuche Lesungen, Kabaretts und Konzerte.
Ich liebe den Austausch mit anderen Schreibenden. Oft chatte ich bis Mitternacht mit meinen engsten Autorenfreund*innen.
Martina Parker, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nicht zu verzweifeln. Klimakrise, Coronakrise, Wirtschaftskrise, Krieg, Energiekrise, Papierkrise. Sich da den Optimismus zu bewahren und im Idealfall auch noch andere zu inspirieren, das ist eine enorme Herausforderung. Ich finde es wichtig, hier ganz bei sich und im Jetzt zu bleiben, statt sich in Worst Case Szenarien zu verlieren. Die aktuellen Bedrohungen sind (noch) nicht das Ende – weder das Ende von uns als Gesellschaft noch das Ende der Kunst.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich habe nicht das Gefühl, dass ein Aufbruch bevorsteht. Ganz im Gegenteil. Sehr viele Menschen, mit denen ich rede, sehnen sich nach einer (nostalgieverklärten) Vergangenheit. Sie sehnen sich nach einer Zeit, in der ein Studien- oder Arbeitsplatz sicher(er) war und Arbeit selbstbestimmter und weniger bürokratisiert und reglementiert war. Nach einer Zeit, in der man noch keine Angst hatte, dass man z. B. von einer Haarfarbe oder einem verkohlten Steak Krebs bekommen kann. Eine Zeit in der man noch nicht im Sekundentakt damit konfrontiert wurde, wie korrupt und grausam die Welt ist. Die Sozialen Medien tragen leider zu dieser negativen Wahrnehmung bei. Dabei geht es uns laut Kommunikationsdesigner Stefan Sagmeister langzeitig gesehen eigentlich wesentlich besser als z. B. noch vor hundert Jahren.
Wie Literatur und Kunst die Gegenwart reflektieren, obliegt der individuellen Entscheidung der Künstler:innen. Ich finde hier gerade die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten spannend. Manche entscheiden sich für messerscharfe Gesellschaftskritik oder Provokation. Andere ermöglichen dem Rezipienten kleine Fluchten von der Realität, bedienen sich einem Zweckoptimismus. Bis zu Dystopie ist in Kunst und Literatur alles möglich. Ich bin stark von der britischen Kultur geprägt. Mein Stilmittel ist der schwarze Humor.
Was liest du derzeit
»Der Hausmann« von Wlada Kolosawa. Ein unkonventioneller Roman. Er kombiniert traditionelle Erzählweisen mit anderen Erzählstilen wie Chatprotokolle oder Comic. Es ist eine Geschichte über Gentrifizierung und Liebe, über exzessive Start-up- Kultur, Klimaerwärmung, veganes Hundefutter und das Darknet. Das Buch hat mir meine „Schreibschwester“, die Autorin Susanne Kristek vor ein paar Tagen geschenkt.
Aktuell bin ich auch Testleserin von Susannes neuem, noch unveröffentlichtem Manuskript. Insofern ist das, das zweite Buch, das ich gerade lese.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Für deinen Blog und zum Thema des Interviews passend, natürlich ein Bachmann Zitat J
„Das Beste ist, müde zu sein und am Abend hinzufallen. Das Beste ist, am Morgen, mit dem ersten Licht, hell zu werden, gegen den unverrückbaren Himmel zu stehen, der ungangbaren Wasser nicht zu achten und das Schiff über die Wellen zu heben, auf das immerwiederkehrende Sonnenufer zu.“ — Ingeborg Bachmann
Martina Parker, Schriftstellerin
Vielen Dank für das Interview liebe Martina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Martina Parker, Schriftstellerin
Zur Person:
Martina Parker hatte eine herrliche Kindheit am Land. Mit 18 war es trotzdem Zeit über den Gartenzaun zu blicken. Als Journalistin reiste sie in 69 Länder, traf und interviewte Stars und Künstler wie Susan Sarandon, Cate Blanchett, Quentin Tarantino und Karl Lagerfeld. Sie lebt mit ihrer Familie, Pferden, Katzen und Fledermäusen in einem alten Bauernhof im Südburgenländischen. In ihrem Garten gibt es sehr viel Giersch und viel zu viele Nacktschnecken.
Martinas journalistischer Background erklärt die starken Frauenfiguren in ihren Krimis. Ihre Ehe mit einem Engländer den burgenländisch-britischen Humor. Setting für die Abenteuer des Klubs der Grünen Daumen ist das Südburgenland. Für Martina das schönste Ende der Welt.
Martina Parker / Autorin
Martina Parker begann nach Praktiken beim ORF und bei Der Standard zunächst als Journalistin bei der Österreichischen Gastgewerbe Zeitung, ehe sie die Leitung der beiden Fachzeitschriften Café Journal und Parfümerie&Drogerie übernahm. Parallel dazu schrieb sie unter dem Pseudonym Glenda Gossip Kolumnen, die mit dem Österreichischen Zeitschriftenpreis prämiert wurden. Sie gründete das Beautyressort der Frauenzeitschrift WIENERIN und leitete dieses über zwei Jahrzehnte lang. 2008 wurde sie Beauty Director für sämtliche Frauentitel der Styria. Monatliches Highlight war bis 2020 ihre Kolumne Schöner Leben. Parallel dazu schrieb sie zu unterschiedlichen Themen für WIENER, WIENERIN, DIVA und PRESSE Schaufenster, SERVUS in Stadt & Land. Sie entwickelt Kundenzeitschriften und macht Medienberatung. Aktuell arbeitet sie als Autorin und freie Journalistin. Ihre beiden Kriminalromane Zuagroast und Hamdraht (Gmeiner Verlag) sind beide Bestseller.
Books:
Zuagroast 7/2021 (Gmeiner Verlag)
Hamdraht 3/2022 (Gmeiner Verlag)
Hotel Rock´n Roll9/2022mitManfred Stallmajer(SCHULTZ & SCHIRM Bühnenverlag GmbH)
1848. Es ist eine Zeit der Krisen. Kriege begleiten den Beginn des Jahrhunderts. Missernten, Hungersnöte prägen Europa. Herrschaftsformen kommen ins Wanken. Mit- und Selbstbestimmung werden zu Forderungen und Ansprüchen von breiten Gesellschaftsschichten, die sich mehr und mehr zu Wort und auch auf der Straße melden und formieren. Es kommt zu bewaffneten Zusammenstößen und Kämpfen. Die Staatsmacht kann sich behaupten, doch es kommt zu wesentlichen demokratischen Konzessionen und Neuerungen. Ein Grundstein wurde gelegt, der bis in die Gegenwart ganz wesentlich nachwirkt…
Alexandra Bleyer, Historikerin lässt in Ihrem kompakten Sachbuch die Zeit der Revolution 1848 in ihrem Verlauf wie ihrem Davor und Danach facettenreich lebendig werden und öffnet Hintergründe, die überraschen und ganz neue Blickwinkel eröffnen.
Die Autorin, ausgewiesene Kennerin dieser entscheidenden Epoche europäischer Geschichte, verbindet profunde Sachkenntnis wie Detailinformation mit ausgezeichneter Narrativität und lässt das Lesen so zu einem Erlebnis Zeitreise werden, dass rundum begeistert.
„Ein europäisches Entscheidungsjahr als Erlebnis Geschichte, das rundum begeistert!“
„1848“ Erfolgsgeschichte einer gescheiterten Revolution. Alexandra Bleyer. Reclam Verlag.
Liebe Viviane, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ganz normal, ich arbeite, lese und schreibe, besuche Freunde und kulturelle Veranstaltungen. Und ich fühle mich privilegiert, ein solchen Alltag zu haben.
Viviane de Santana, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich glaube, dass Rücksichtnahme, Freundschaft und das Bewusstsein, dass das Leben ein Wandel ist, die wichtigsten Dinge sind. Und wir müssen endlich begreifen, dass wir alle zu einer gemeinsamen Gesellschaft gehören, trotz der Entfernung und Unterschiede. Diese Zeit sollte endlich die Zeit sein, in der Kriege aus der Geschichte der Menschheit ausgelöscht wären. Die Zeit, in der der Mensch diese Art der Konfliktlösung, die im Grunde keine Lösung ist, bereits überwunden hätte. Es gibt keinen Krieg, der nicht ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Im Laufe der Geschichte sind wir oft mit Ausbrüchen und Neuanfängen konfrontiert worden. Die Menschen neigen dazu, sich ernsthaft mit Problemen auseinanderzusetzen, wenn die Situation bereits akut ist. Für den Einzelnen bedeutet dies, dass er sich neu orientieren und anpassen muss. Der Mensch ist aber sehr anpassungsfähig. Für Menschen, die sich für Gerechtigkeit und die Umwelt einsetzen, gibt es keinen Neuanfang, es ist nämlich ein ständiger Kampf. Heutzutage, und seit jeher, ist es wesentlich einander zuzuhören, und objektiv und ehrlich zu argumentieren.
Die Rolle der Literatur in der Gesellschaft besteht gerade darin, andere Sichtweisen aufzuzeigen und einen tieferen Einblick in menschliche Konflikte zu geben, die Möglichkeit, sich in die Lage des anderen zu versetzen. Durch Literatur können wir einen neuen Blickwinkel auf die Realität gewinnen und kritisches Denken entwickeln.
Kunst hat die Kraft, Sensibilität für die Wahrnehmung neuer Perspektiven zu schaffen. Außerdem zeigt uns die Kunst die Schönheit der Ästhetik, die zur Entspannung führt.
Was liest Du derzeit?
Ich habe die Angewohnheit, mehrere Bücher gleichzeitig zu lesen.
The Falling Sky von dem Yanomami Davi Kopenawa unterscheidet sich sehr von dem, was ich bisher gelesen habe, denn es zeigt eine vollige neue Sicht der Welt, eine neue Philosophie. Er beschreibt seine Erfahrung, Schamane zu werden, den ersten Kontakt mit nicht-indigenen Menschen, mit den Goldgräbern und der Gier der Industriegesellschaften, und seine Eindrücke von Europa auf seiner ersten Reise außerhalb Brasiliens. Für mich offenbart die Narrative den Ursprung unserer spirituellen Beziehung zur Natur, die die Großstadtbewohnern vor langer Zeit verloren haben. Insbesondere die Europäer, die einen eurozentrischen und verschwenderischen Lebensstil pflegen. Eine Form von Verschwendung, die absurderweise immer noch als Reichtum angesehen wird!
Notes on Nationalism, von George Orwell,ist eine Pflichtlektüre für alle, die das Thema ernsthaft und rational diskutieren wollen. Das Buch ist kurz und präzise!
Und ich lese auch Schutzzone von Nora Bossong, eine Schriftstellerin, die ich sehr schätze!
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Eine Notiz von mir: Ein Falkenweibchen ist in zweiundvierzig Tagen mit 230 km/h von Südafrika nach Finnland geflogen, hat dabei zehntausend Kilometer zurückgelegt und ist einer geraden Linie gefolgt. Die Natur ist erstaunlich! Der Mensch ist ebenso in der Lage, mehrere Kilometer zurückzulegen, ist ebenso bewundernswert und Teil der Natur. Eine Art Natur, die einen Pass verlangt. Der Pass wurde als Barriere, als Kontrolle geschafft, und er wurde Teil der menschlichen Natur, genau wie die Konflikte, Grenzen, Nationalität und Kriege. Es ist ein Dokument, das rettet oder verurteilt. Und selbst wenn eine Familie mit Kindern dahintersteckt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, einen Ablehnung-Stempel zu erhalten. Ein Stempel ist keine Waffe, aber er kann auch töten. Meines Erachtens sollte es bei der Diskussion über Migration nicht in erster Linie darum gehen, ob ein Land die Voraussetzungen für die Aufnahme „aller“ hat oder nicht, sondern darum, wie sichergestellt werden kann, dass eine große Zahl von Menschen nicht ihre Familien und ihre Heimat verlassen muss, um in einem anderen Land zu leben. Es geht um die Gründe, die Menschen dazu bringen, sich bedroht zu fühlen und riesige Entfernungen zurückzulegen, Wüsten, Meere und Wälder zu durchqueren, um anderswo auf dem Planeten ein besseres Leben zu suchen, und dafür bestraft zu werden.
Vielen Dank für das Interview liebe Viviane, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Viviane de Santana, Schriftstellerin
Foto_privat
23.11.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Gegebenenfalls Interesse Vermelden! Eh ein Kuschelbedürfnis nach Schlachtfeld und Helden
Perturbiert Ethikbasen mit Ambivalenz – Choraleinsam singt sich grad „Give Peace a Chance“. Entsetzensentstellt
Attackiert man
Charakter, Höhnt hastig den Paz zu ’nem -ismus-ad-acta. Aufrüstungsbrüstend wird kühn überblendet: Normal ist Gewalt das, was Chancenlos Endet!
Frank Klötgen, 18.12.2022
Frank Klötgen, Bühnenpoet
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Frank Klötgen, Bühnenpoet
Zur Person_Frank Klötgen lebt als Autor, Bühnenpoet und Kabarettist in München. Er spielt im Ensemble der Münchner Lach- & Schießgesellschaft und ist Mitglied mehrerer Lesebühnen. Veröffentlichte bislang neun Bücher, zuletzt »Lebhaft im Abgang. Tödliches & Tröstliches in 200 Gedichten« (Satyr: 2021)
Liebe Alexandra, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Sehr frei. Ich habe gerade das Manuskript für ein neues Buch abgegeben und darf jetzt ein paar Tage entspannen.
Alexandra Rath, Autorin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ins Tun zu kommen. Mein Spezialgebiet ist die Nachhaltigkeit in der Ernährung und die Natur in Städten, im Speziellen in Wien. Wir sollten alle weniger „gscheit“ reden und mehr machen. Nicht immer darauf warten dass Behörden, die EU, oder sonst wer aktiv wird, sondern selbst aktiv werden. Ansonsten heißt es Ruhe bewahren und zusammenhalten. Damit meine ich kein nationales Verhalten, sondern ein menschliches.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Auf Missstände aufmerksam zu machen. Manchmal laut und manchmal leise. Sie muss sich hinter Menschen stellen, die etwas bewegen. Farbe bekennen. Manchmal darf Kunst aber auch ablenken. Freude und Genuss bereiten. Und uns helfen, den Alltag zu entfliehen oder Inspiration zu finden.
Was liest Du derzeit?
Das lektorierte Manuskript zu meinem neuen Buch. Ansonsten bin ich für Empfehlungen offen 😉
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Aus Stefan Zweig „Die Welt von gestern“ „Wider meinem Willen bin ich Zeuge geworden der furchtbarsten Niederlage der Vernunft und des wildesten Triumphes der Brutalität innerhalb der Chronik der Zeiten; nie – ich verzeichne dies keineswegs mit Stolz, sondern mit Beschämung – hat eine Generation einen solchen moralischen Rückfall aus solcher geistigen Höhe erlitten wie die unsere.“
Alexandra Rath, Autorin
Vielen Dank für das Interview liebe Alexandra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buch-, Stadt/Natur/Kulinarikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Bitte, gerne!
5 Fragen an Künstler*innen:
Alexandra Rath, Autorin
Zur Person_Alexandra Maria Rath, geboren in Villach und seit ihrem ersten Lebensjahr Wienerin, studierte Marktkommunikation ebendort. Nach zehn Jahren in internationalen Werbeagenturen folgte die Ausbildung zur Vital- und Ernährungstrainerin sowie zum Wildkräutercoach. Parallel dazu setzte sie ihre Karriere in der Werbebranche fort und stieg bis zur Agenturleiterin einer renommierten internationalen Werbeagentur auf. 2014 hängte sie ihren Kommunikations-Job endgültig an den Nagel, seitdem widmet sie sich mit Herz und Seele ihren Leidenschaften: Dem Kochen, der Natur und der Stadt Wien. Die Autorin veranstaltet regelmäßige Kochworkshops sowie »essbare Stadt-Spaziergänge«, bei denen sie Wildpflanzen in den Mittelpunkt stellt, zubereitet und verkosten lässt.
Ernährungsexpertin Alexandra Maria Rath widmet sich den süßen Seiten des Lebens und präsentiert Wien – die lebens- und liebenswerteste Stadt der Welt – von ihrer grünsten, schmackhaftesten Seite. Essbare Blüten, Wildobst und andere köstliche Wildpflanzen sowie Wiener Stadthonig werden zu genussvollen Mehlspeisen, Desserts und einzigartigem Zuckerwerk verarbeitet. So wird aus den sternchenförmigen Blüten vor der historischen Sternwarte in Ottakring der süße Holunder-Zabaione, aus der orientalischen Maulbeere im Türkenschanzpark die erfrischende Maulbeer-Joghurt-Torte und aus dem Dirndl vor dem Wiener Heurigen ein köstliches Fruchtgelee.
Über 40 Rezepte sowie Anekdoten und Wissenswertes zu den vorgestellten Sehenswürdigkeiten ergeben eine einzigartige Mischung aus spannendem City-Guide und verführerischem Kochbuch.
Alexandra Rath, Preisträgerin des »Swiss Gourmet Bookaward«
» Mit 13 Top-Sehenswürdigkeiten und über 40, eigens kreierten Rezepten
» Die süße Küche von Welt, zubereitet mit Wildpflanzen aus der Stadt
» Von der Altwiener Topfentorte über italienische Struffolis bis hin zum französischen Creme Caramel
» Mit Speisen-Fotos des Fotografen Stefan Mayer (Fotostudio Mayer mit Hut) sowie einer wunderschönen Buchgestaltung des Art Directors David Maninger und Handzeichnungen von Alfons Theininer
Fotos_Portrait: Philipp Knoll
22.12.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
„Austropop – von Mozart bis Falco“ Ausstellung _ Theatermuseum Wien 2023
12. Oktober 2022 bis 4. September 2023
Es ist eine ganz außergewöhnliche und begeisternde gleichsam Konzertbühne des 18. bis ins 21.Jahrhundert, die das Theatermuseum Wien in der Ausstellung „Austropop“ aufleben und einmalig in Bild, Ton und Text vielseitig klingen lässt.
Einmalige Artefakte wie Bühnenkostüme von Mozart, Nestroy bis Falco, ein nachgebauter Videodrehset von „Jeanny“, eine Sitzecke des legendären Künstler*innen Cafè Hawelka, eine 80er Disco und zahlreiche einzigartige Fotos, LP`s, Videoclips und nicht zuletzt eine Fülle an 70/80er Artikel im Museumsshop lassen diesen Museumsbesuch zu einem Erlebnis werden!
Der zur Ausstellung erschiene Begleitband „Austropop“ verbindet Informationen wie Analysen von Zeitzeugen und Kennern der Musikszene Österreichs und vertieft wie erweitert die so packenden Eindrücke der Ausstellung.
„Eine Ausstellungssensation zu Musik und Leben Österreichs, die im umfassenden sinnlich-anschaulichen Erleben wie in kompakter Information und Reflexion Maßstäbe setzt! Sehen, Hören und Fühlen Sie sich das an!“
Liebe Nadja, Dein Tanztheaterstück „ONXT! oder: Die Realität sägen.“ Hat am 13.12. in der Theater Arche/Wien Premiere. Dabei steht das Thema Angst/ONXT! im Mittelpunkt. Welche Aspekte sind Schwerpunkte Deiner Stückentwicklung und wie kam es zu diesem Projekt?
ONXT! ist mein erstes Solo-Projekt und hat daher eine ganz besondere Bedeutung für mich. Das Stück setzt sich mit dem Phänomen der physischen Isolation als Folge eines totalen psychischen Rückzugs auseinander. Im Mai 22 habe ich bereits eine Erstversion des Stückes im kleinen Rahmen gezeigt – jetzt freue ich mich darauf, die weiterentwickelte, gereifte Fassung präsentieren zu können.
Der Ausgangspunkt für die Arbeit an ONXT! war das eigenartige Gefühl, das mich während der Corona-Lockdowns 2020 und 2021 beschlichen hat: wie gut wir Menschen doch unser Leben auch ohne direkte menschliche Kontakte leben können, wie anpassungsfähig wir doch sind! Und: wie gut wir uns doch selbst für eine gewisse Zeit vormachen können, dass „eh alles normal“ ist!
Vor Jahren hat mich ein Theaterstück sehr beeindruckt, in dem eine dystopische Welt beschrieben wurde, in der alles – vom Einkaufen bis zur persönlichsten Kommunikation – ausschließlich über Internet stattfindet und in der es keine physischen Kontakte mehr gibt.
Was damals völlig utopisch erschien, wurde im Frühjahr 2020 plötzlich Wirklichkeit: wie viele andere saß ich wochenlang allein in meiner Wohnung und hatte große Angst davor, einkaufen zu gehen oder ein öffentliches Verkehrsmittel zu benutzen. Dank der technischen Möglichkeiten, Berufliches auch per Video-Call zu erledigen, blieb das Leben irgendwie am Laufen.
Das unheimliche, diffuse Gefühl einer unkontrollierbaren Bedrohung von außen, wie man sie vorher nicht gekannt hatte, war aber nicht wegzuleugnen.
Eine Frage, die mich in während dieser Zeit zu beschäftigen begann, war außerdem: Was ist jetzt eigentlich noch „echt“? Können zwischenmenschliche Beziehungen zur Gänze in den digitalen Raum verlegt werden?
Social Media rückte dank der Ausgangsbeschränkungen plötzlich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Täglich sah ich das Leben der anderen – aufwendig dekoriert, verfeinert und auf dem Silbertablett serviert. Alle schienen mit der außergewöhnlichen Situation viel besser zurechtzukommen als ich, fotografierten sich selbst mit dem Lockdown-Achterl am Balkon im Sonnenuntergang, kommunizierten und flirteten über Apps, die mir mehr Angst machten, als das Virus selbst. War ich die einzige, die von Zukunftsängsten, Einsamkeitsgefühlen und einer gewissen Torschlusspanik gequält wurde? Was ist, wenn ich nie wieder auf der Bühne tanzen kann? Wenn ich nie wieder die Gelegenheit bekomme, einen Mann kennen zu lernen? Wenn der Lockdown andauert, bis ich alt bin?
Echt – das war für mich schon immer das Meer. Wenn ich mir vorstelle, dass mein Körper sich der Urkraft des Meeres anvertraut, spüre ich Ganzheit, Heilung, Freiheit. Deshalb habe ich in ONXT! das Meer ganz bewusst als Symbol für die Sehnsucht nach dem „Echten“ ausgewählt.
Andersens kleine Meerjungfrau, die in ONXT! eine wichtige Rolle spielt, war hingegen nicht geplant. Sie ist während der Proben irgendwann plötzlich aufgetaucht und hat ihren Platz vehement eingefordert.
Sie symbolisiert für mich einerseits das mir nur allzu bekannte Gefühl „anders als man möchte“, „nicht richtig“, „abgetrennt“ zu sein. Andererseits steht sie für die Angst, nicht geliebt zu werden, wenn man einfach so ist, wie man eben ist. Sie nimmt für die Liebe des Prinzen schmerzhafte Veränderungen auf sich und verkauft dafür das einzige, was sie an sich wirklich mag – ihre Stimme – an die Meerhexe.
Warum fühle ich mich ihr so verbunden? Versuche ich nicht auch mein ganzen Leben lang auf verschiedenen Ebenen – darunter natürlich auch in meinem Beruf als Tänzerin – eine andere, perfektere zu werden oder zumindest als solche zu erscheinen? Welche Rollen spiele ich in meinen verschiedenen Lebenssituationen, und was davon bin wirklich ich?
Angst ist ein Phänomen unserer Zeit. Welche Gründe siehst Du dafür?
Ich denke, dass wir in einer Zeit leben, in der wir einerseits beruflich und technisch fast unbegrenzte Möglichkeiten haben und durch Globalisierung und Digitalisierung mit der ganzen Welt verbunden sind, andererseits auf persönlicher Ebene feststellen müssen, dass wir immer mehr auf uns selbst gestellt sind. Soziale Gefüge, die noch vor wenigen Jahren selbstverständlich waren, verschwinden bzw. werden von virtuellen Communities ersetzt. Ich denke, dass Angst viel mit Einsamkeit zu tun hat, mit fehlender Einbindung in eine funktionierende Gemeinschaft, mit den Gefühl, sich auf nichts und niemanden verlassen zu können.
Wie gehst Du persönlich mit Angst um?
Hmm. Ich habe oft Angst, vor allem auf sozialer Ebene, z.B. Angst vor Zurückweisung, Angst mich zu blamieren (was manchmal zu einem übertriebenen Perfektionismus führt). Ich bin mir oft unsicher bzw. „traue“ mich einfache Dinge nicht sofort, wie z.B. einen bestimmten Anruf machen oder jemanden um Hilfe bitten. Und dann sind da natürlich auch gewisse Zukunfts- oder Versagensängste, dass mich niemand liebt oder dass ich nicht „gut genug“ bin, dass meine Kunst nichts „wert“ ist.
In den letzten Jahren habe ich gelernt, meinen Ängsten mit Meditation bzw. meditativem Yoga zu begegnen. Das hilft nachhaltig, finde ich.
Und ich kann große Ängste überwinden, wenn ich etwas wirklich will: dann springe ich zu meinem eigenen Erstaunen plötzlich ohne Zögern über meinen Schatten ;-).
Dein Stück thematisiert auch die Balance, Ambivalenz von Realität und Phantasie. Wie siehst Du den Zugang, Umgang damit persönlich?
Ich war ein extrem phantasievolles Kind, dass oft auch in eine Art Parallelwelt abtauchte. Ich habe z.B. lange fest daran geglaubt, dass ich eigentlich von einem anderem Planeten komme, nur versehentlich auf der Erde gelandet bin und bald wieder von einem Raumschiff abgeholt werde.
Als ich älter wurde, habe ich zum Glück auch praktische Eigenschaften entwickelt, konnte aber immer gut träumen und mich Phantasiewelten einlassen, natürlich auch inspiriert durch Bücher, Theaterstücke und Musik.
Ich bin sehr froh über meine blühende Phantasie, die mich beim Geschichtenerzählen, Choreografieren und Schreiben so gut wie nie im Stick lässt. Andererseits muss ich mich schon manchmal einbremsen, wenn ich zu sehr ins Träumen abdrifte. Oder noch gar nicht eingetretene (Wunsch- oder Angst-)Situationen in meiner Vorstellung schon so realistisch erlebe, dass ich mich dabei ertappe, sie bereits als real zu empfinden.
Welche Möglichkeiten sind Du im Tanz mit Angst und den Spannungen von Realität und Phantasie umzugehen?
Ich denke, dass der Tanz ein gutes Medium ist, um das Unbewusste durch den Körper sprechen zu lassen. Sowohl in der Improvisation als auch beim Entwickeln von Stücken. Ich habe schon viele Choreografien zum Thema Angst gemacht, besonders als junge Tänzerin. Das war immer sehr befreiend, hat mich in meiner persönlichen Entwicklung jedes mal einen Schritt weiter gebracht.
In meinen Stücken mische ich gerne Phantasie und Realität. Es gibt meistens sowohl Szenen, die sehr realistisch bzw. „aus dem Leben gegriffen“ sind, als auch Sequenzen, die ins Mystische, Absurde oder Surreale gehen. Ich denke, dass das auch ein guter Weg ist, um das Publikum auf bewusster und unbewusster Ebene anzusprechen und zum Träumen und Nachdenken anzuregen.
Wie war Dein Weg zum Tanz und was sind Deine weiteren Projektpläne?
Die Entscheidung, Tänzerin zu werden, habe ich mit vier Jahren getroffen, nachdem ich eine Verfilmung des Balletts „Der Nussknacker“ gesehen hatte.
Trotz dieser klaren Ausrichtung von klein auf war mein Weg zum (professionellen) Tanz alles andere als geradlinig. Nach einer zu spät begonnen Ballettausbildung landete ich nach einem Abstecher zum Musical beim modernen und zeitgenössischem Tanz und schließlich auch beim Schauspiel.
Die Pandemie war ein Einschnitt in meinem künstlerischen Leben: auch bei mir sind viele geplante Projekte zum Erliegen gekommen und konnten nicht mehr fortgesetzt werden. Durch mein Engagement bei der Initiative Tanz und Bewegungskunst Österreich, deren Obfrau ich bin, und bei der gewerkschaftlichen Initiative vidaflex haben sich auch viele neue Möglichkeiten ergeben die mein Leben bereichern.
Im Moment bin ich gerade dabei, meine berufliche Zukunft zu planen und zu strukturieren. Ein großer Wunsch ist es jedenfalls, mit meinen Tanztheaterstücken wieder mehr zu reisen und sie öfter zu spielen.
Was macht für Dich die Faszination der Kunstform Tanz aus?
Die besondere Spürbarkeit, Die Verständigung ohne Worte. Der großzügige Interpretationsspielraum. Die Vielfalt. Die Emotionalität.
Was wünscht Du Dir für die Tanzszene in Wien?
Für die Tanzszene in Wien wünsche ich mir, dass sie sich traut, offener, soldarischer, selbstbewusster und toleranter zu werden. Toleranter auch gegenüber den Tanz-Kolleg*innen, die sich weigern, sich den künstlerischen Anforderungen, die von „aktuellen zeitgenössischen Strömungen“ bzw. von den Fördergeber*innen vorgegeben werden zu unterwerfen. Ich denke, dass Kunst und insbesondere auch der Tanz eine Vielfalt braucht, die frei, mutig und unkonventionell sein darf. Und dass der Tanz tanzen dürfen muss, ohne als „zu wenig innovativ“ abgetan zu werden.
Außerdem wünsche ich der Tanzszene in Wien einen Ort, wo sie in all ihrer Vielfalt sichtbar gemacht und gewürdigt wird.
Was möchtest Du angehenden Tänzer*innen mitgeben?
Seid aufmerksam, spürt in euch hinein und lasst euch nicht einreden, dass etwas an euch nicht richtig, zu viel oder zu wenig ist. Dass ihr zu klein, zu groß, zu dick, zu dünn, zu rund, zu eckig, zu einwärts oder zu introvertiert seid. Ihr seid wunderbar, genau so wie ihr seid!
Was wünscht Du Dir im Umgang mit Angst für unsere Gesellschaft?
Ich wünsche mir für den Umgang mit Angst, dass man darüber reden darf. Dass man zugeben darf, dass man Ängste hat, ohne gleich komisch angeschaut oder als „schwach“ abgetan zu werden.
Ich denke, dass gerade die Menschen, die nicht die lautesten, extrovertiertesten und unempfindlichsten sind, eine ganze Menge zu sagen haben, das unsere Gesellschaft bereichern kann. Hören wir ihnen zu! Vielleicht fassen wir so ja auch Mut, unseren eigenen Ängsten ins Auge zu sehen.
Darf ich Dich abschließend zu einem Akrostichon bitten?