Erzählen, erzählen, schöne Geschichten mit guten Enden; Erzählen und daran glauben“ Tania Rupel Tera, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ München 12.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Geschichten erzählen, Lieder singen, während draußen Raketen explodieren

Im Bunker, in der U-Bahn ausharren; nachts ohne Tränen heulen

Vor den Kindern gefasst sein, sich stark zeigen

Eine Mutter weiß, wie das geht

Pragmatisch bleiben

Ein Tag nach dem anderen; Schritt für Schritt voran

Am besten sich selber laut schwören: Wir schaffen es, wir überleben. Sogar:

Carpe diem! – sich sagen

Eines Tages siegen wir, unsere Heimat wird frei sein, wir alle

Angst hat trotzdem das Herz durchbohrt

Codiert fast jede Planung im Hinterkopf mit ihren zitternden Fingern

Heiliges Wort Hoffnung – das Mantra bewährt sich wieder

Anderswo suchen die Gedanken einen Platz, manchmal weit weg; Erinnerungen tauchen auf

Nicht vergessene fröhliche Momente werden fast magisch

Chöre aus hellen und dunklen Stimmen hallen weiter im Inneren … Dennoch

Erzählen, erzählen, schöne Geschichten mit guten Enden; Erzählen und daran glauben




Tania Rupel Tera, 12.9.2022

Tania Rupel Tera _Schriftstellerin und Künstlerin  

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Tania Rupel Tera _Schriftstellerin und Künstlerin  

Foto: privat

Walter Pobaschnig _ 12.9.2022.

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„Kunst und Literatur bereichern die Menschheit qualitativer zu lieben“ Noshin Shahrokhi, Schriftstellerin _ Hannover _ 12.10.2022

Liebe Noshin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich meistens gegen Mittag zur Arbeit fahre, gehe ich erst in den Garten, schaue nach den Blumen und Vögeln und tanke Energie und gute Laune, um den ganzen Tag energisch und fröhlich Erwachsene und Kinder zu unterrichten.

Noshin Shahrokhi, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Erde wird von vielen Menschen zerstört und die meisten tragen ihren Teil dazu bei. Wir sollten unsere „Natur-GöttInnen“ wiedererkennen und Wasser, Luft und Erde schätzen und pflegen.

Der Mensch hat die Gabe zwischen Gut und Böse zu wählen. Aber um die richtige Wahl zu treffen, braucht die Person nicht nur Bewusstsein und Verantwortung, sondern auch die Erkenntnis, die in der Mystik als Liebe bezeichnet wird. Die Liebe besteht aus Frieden und Toleranz, vertreibt Gier, Zorn und andere Dämonen und lässt keine Kriege zu. Was der Menschheit in unserer Zeit fehlt, ist die Liebe zu Natur, zu Tier und auch zu Menschen und die Erkenntnis, dass die Muttererde ihre Kinder alle gleich liebt, egal wo sie geboren und aufgewachsen sind.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur und Kunst kennen keine Grenzen, keinen vergänglichen Körper, keine Landesgrenzen und sind nicht in einem beschränkten Raum gefangen. Sie sind die Seelen der Menschheit, die ewig in uns leben. Sie sind wie das fließende Wasser, die uns mit ihren Tropfen (Wörtern), Wellen (Sätzen) und Strömungen (neunen Ansichten) Tiefe gibt. Wenn die Musik unsere Seele zum Tanzen bringt, wenn ein Gemälde oder ein Skulptur Geschichten erzählt, eröffnen sie uns unbekannte Welten, die auf reiche Sprachen und Gedanken schweben und uns ins Reich der Fantasie, Mehrdeutlichkeit, unterschiedlichen Wahrheiten, oder schmerzhafte Realität bringen, die wir in menschlichen oder tierischen Gestalten wie das eigene Leib fühlen und durch die Schönheit der Kunst nicht mehr ignorieren können.

Die Kunst und Literatur bereichern die Menschheit tiefer zu fühlen, fruchtbarer zu denken und auch qualitativer zu lieben, was ich als Ästhetik eines Kunstwerkes verstehe.

Was liest Du derzeit?

Nach vielen Jahren lese ich wieder „Der Garten“ von Saadi, dem großen Dichter aus dem dreizehnten Jahrhundert, der mich jedes Mal überrascht, wie tiefsinnig ein Dichter sein könnte. Seine Lektüren sind auch für unsere Zeit geeignet, aber leider nicht die alte deutsche Übersetzung:

O ihr Gebornen eines Weibes-

Seid ihr nicht Glieder eines Leibes?

Kann auch ein Glied dem Weh verfallen,

Dass es nicht wird gefühlt von allen?

Du, den nicht Menschenleiden rühren,

Kannst auch den Namen Mensch nicht führen.

Saadi (Übers. Rückert)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Um die Finsternis zu bekämpfen, ziehe ich kein Schwert, sondern zünde ein Licht!“ Zarathustras zugeschriebenes Zitat

Und die Dichter und Künstler waren und sind unsere Lichter!

Vielen Dank für das Interview liebe Noshin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Noshin Shahrokhi, Schriftstellerin

Noshin Shahrokhi ist Autorin und hat mehrere Bücher publiziert. Sowohl auf Persisch als auch auf Deutsch hat sie Romane, Erzählungen, Satiren und auch Gedichte geschrieben.  Ihr neuer Roman heißt: „So leicht kommst du nicht ins Paradies“ (Alibri Verlag, 2021)

Sie wohnt in der Nähe von Hannover und hat in Hannover Germanistik und Religionswissenschaft studiert und Jahrzehnte als Journalistin für die persischen Redaktionen (darunter auch bei der deutschen Welle) gearbeitet. Zurzeit arbeitet sie als Dozentin bei der Arbeitsgemeinschaft Arbeit und Leben.

Foto_privat

10.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Der Literatur Kalender 2023“ Momente des Miteinanders. Texte und Bilder aus der Weltliteratur. edition momente

Es gibt Traditionen und Rituale im Jahr, zu denen unbedingt die Wahl der Bücher und jene des neuen Jahreskalender gehören. Wenn sich beides impulsgebend verbinden lässt, ist das ein Glücksfall. Der Literaturkalender der edition momente ist seit Jahren ein solcher.

Das so gelungene wie inspirierende Miteinander von Literatur und Jahreskreis findet sich diesmal auch als Jahresthema 2023. Gemeines Erleben, Gehen, Durchstehen, Ermutigen und Erfreuen ist wesentliches Momentum unseres Menschseins wie auch im künstlerischen Prozess des Schreibens.

Ganz besondere literarische Lebensmomente dieses menschlichen Grundgefühls werden nun hier Woche für Woche geöffnet und überraschen in Textform wie Bild. Der Bogen spannt sich dabei von Colette bis zu Friederike Mayröcker und David Foster Wallace bis zu Pablo Picasso. Da ist eine außergewöhnliche Jahresmischung gelungen, die wie ein guter Tee neugierig lesen, Fotos genießen und träumend die Augen schließen lässt.

„…nichts muss in uns brach liegen; am wenigsten Menschenverkehr…: was macht denn sonst wohl das eigentlichste Wesen des Menschen aus…“

Rahel Varnhagen  (Zitat, Monat März/2023)

„Der Literatur Kalender 2023“ Momente des Miteinanders. Texte und Bilder aus der Weltliteratur. edition momente

Walter Pobaschnig 9_22

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„Theater soll uns motivieren auch unangenehmen Tatsachen ins Auge zu schauen“ Andre Turnheim, Regisseur _ Haag am Hausruck/OÖ 11.10.2022

Lieber Andre, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Sehr unterschiedlich, meistens früh aufstehen, Kaffee trinken, im Garten nachschauen, und hoffen das alles weiterwächst, staune darüber, und dann abreiten, entweder nach Wien fahren zum ORF oder Schreiben. Später draußen sitzen und das warme Wetter genießen, lesen, wieder schrieben…und dann meistens so gegen 22 Uhr ins Bett gehen.

André Turnheim, Regisseur

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

An erster Stelle würde ich sagen Klima; z.B. schauen wie ich in meinem kleinen Umfeld darauf achten kann, dass ich selber weniger CO2 bei meinen Tätigkeiten verschleudere.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Theater und Kunst im Allgemeinen kommt immer eine besondere Rolle zu, hier können wir neue Perspektiven, Sichtweise, Atmosphären schaffen, die unseren Horizont erweitern können. Das finde ich heute von sehr großer Bedeutung. Kunst und Theater sollen uns motivieren auch schwierigen und unangenehmen Tatsachen ins Auge zu schauen. 

Was liest Du derzeit?

Zurzeit beende ich meine Lektüre von „Der lange Sommer der Theorie“ von Philipp Felsch

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich merke mir die immer nicht, deswegen erlaube ich mir hier nichts zu sagen, aber ein Zitat das mir immer einfällt ist aus Goethes Faust, 2. Teil, ungefähr so …im schönen Abglanz haben wir das Leben…er beschreibt wie im Wasser die Sonne sich spiegelt, und er ihre Pracht erst in der Spiegelung erfähren kann…das finde ich tolles Gleichnis, wie Verstehen an sich und wie Kunst im Besonderen gelesen werden kann.

Vielen Dank für das Interview lieber André, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Film-, Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

André Turnheim, Regisseur

Projekte

3.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„НАДІЯ (Nadya, ukrainisch: die Hoffnung)“ Kirstin Stehnke, Musikerin und Autorin _ Give Peace A Chance _ Hamburg 11.10.2022

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НАДІЯ (Nadya, ukrainisch: die Hoffnung)


Gebet. Sie spricht

in einer Sprache

violett schimmernder Silben.

Erlöse uns. Niemand hört.

Psalm. Müde schweigt die

Ewigkeit zu ihren Zweifeln.

Alles hat seine Zeit. Aber auch das Töten?

!Christus! Seinen Namen ritzt sie

ein in verblutendes Holz.

Auf ausgeweideten Mauern wiegt sie sich.

Chronistin aller Unschuldigen.

Heute wie morgen flicht sie Gebete

aus allem was sichtbar wird

nach dem Krieg.

Choral. Kyrie

Eleison


Kirstin Stehnke, 20.9.2022

Kirstin Stehnke, Musikerin und Autorin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Kirstin Stehnke, Musikerin und Autorin

https://kirstinstehnke.de/

Foto_Martin Behrend

Walter Pobaschnig _ 20.9.2022.

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„Das Geheimnis des Tutanchamun“ Der goldene Pharao und seine abenteuerliche Wiederentdeckung. Nadja Tomoum

1922. Ägypten. Tal der Könige. Es ist eine archäologische Sensation als der britische Archäologe Howard Carter mit seinem Forschungsteam ein nahezu unversehrtes Pharaonengrab entdeckt. Es ist jenes des sehr jung verstorbenen Pharaos Tutanchamun, das unermessliche Schätze als Grabbeigaben enthält und bis heute fasziniert und zahlreiche Inspirationen wie Impulse weit über die Welt der Archäologie hinaus gibt.

Wer war nun der sagenumwobene Pharao? Wie kam es zur Grabentdeckung? Und wie war die weitere Wirkungsgeschichte?

Nadja Tomoum, Ägyptologin und Kunsthistorikerin, viele Jahre auch in Kairo tätig, gibt in ihrem vorliegenden Buch „Das Geheimnis des Tutanchamun“  einen fundiert archäologischen, historischen wie kulturhistorischen Überblick über Leben und Werk, Grabentdeckung wie Wirkungsgeschichte einer der geheimnisvollsten wie prägendsten Herrschergestalten des faszinierenden Pharaonenreiches.

Die renommierte Wissenschaftsautorin gliedert ihr Buch in fünfzehn Kapitel, das mit dem Zeitalter des Alten Ägyptens und damit der Epoche des Tutanchamun beginnt, ihn selbst wie seinen Vater Echnaton ausführlich vorstellt, die archäologische Spurensuche und schließlich den Fund der Mumie und dessen Grabbeigaben wie deren so intensive weitreichende mediale Wirkung bis in die Gegenwart.

Ein ausführlicher Anhang mit Zeittafel, Bibliographie wie Register macht dieses fundierte wie gut und spannend lesbare Sachbuch auch zu einem kompakten Nachschlagewerk zu Zeit, Welt und Mythos des Tutanchamun.

„Ein faszinierendes archäologisches wie kulturwissenschaftliches Sach- wie Abenteuerbuch“

Walter Pobaschnig 9_22

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„Gute Literatur rührt immer etwas an und bewegt“ Tanja Dückers, Schriftstellerin _ Wisconsin/USA 10.10.2022

Liebe Tanja, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe früh auf, weil ich mich immer noch nicht ganz vom Jet lag (sieben Stunden Zeitunterschied) gewöhnt habe. Das finde ich jedoch sehr gut, denn morgens kann ich besser arbeiten – bevor andere Leute Mails schreiben oder das Telefon klingelt. Oder der Sohn in die Schule muss… Ich bin derzeit writer-in-residence in Madison, der Hauptstadt von Wisconsin, zweieinhalb Stunden nordwestlich von Chicago gelegen. Mit dem Stipendium ist ein Lehrauftrag an der University of Wisconsin – Madison verbunden. Mein Mann und unser Sohn sind mit dabei.

Tanja Dückers, Schriftstellerin

Madison, die Hauptstadt von Wisconsin, liegt zwischen zwei Seen, dem Lake Monona und dem Lake Mendota.
Von der Uni sind es wenige Minuten hierher.
Man tritt aus der Bibliothek und ist bald in der nordischen Wildnis.

Wenn ich unterrichte, dann radele ich nachmittags eine halbe Stunde an die Uni. Es gibt viele Fahrradwege hier, die Stadt ist diesbezüglich recht fortschrittlich. Auf den Radwegen ist man trotzdem meistens allein. Sieht man einen anderen Radfahrer lächelt man sich komplizenhaft an. Die Leute, die hier Radfahren, nehmen diese Form der Fortbewegung sehr ernst und tragen oft schnittige Sportkleidung. Ich überhaupt nicht, ich habe es gern unschnittig und fahre gemütlich, schaue mich dabei um, Radfahren als eine Form von Spazierengehen. Innerhalb der Nische „Radfahrende“ im Mittleren Westen bilde ich nochmal die Nische „nicht-sportiver Radlerin“. Aber ich fahre sehr gern Rad, auch zuhause in Berlin. Ein Auto hier zu mieten, wäre für den Zeitraum einfach zu teuer für uns gewesen. Seit Corona sind die Preise für Rentals Cars in den USA durch die Decke gegangen.

Einer von uns bringt unseren Sohn – mit Rad – in die Schule. Am Nachmittag wird er wieder abgeholt. Ich bin ganz gut hier eingespannt, ich lehre einen Kurs über Literatur aus Berlin von Fontane bis zur Gegenwart, halte aber auch noch Lesungen und Vorträge, nicht nur in  Wisconsin. Das Unterrichten macht mir immer viel Spaß. Meine Studis sprechen gut Deutsch und lesen selbst Walter Benjamin  („Berliner Kindheit um 1900“) oder Christa Wolf („Unter den Linden“) ohne Probleme.  Wir lesen auch ganz aktuelle Texte, Bücher, die erst vor ein oder zwei Jahren erschienen sind. Es ist spannend, wie die Studis hierauf reagieren, manche waren schon im Berlin.

Dieser Pavillon im Park ist beliebt als Unterstand für Picknicks etc.
Und man kann ihn auch bei nebligem trübem Wetter gut auf die Ferne erkennen…
es gibt viele ausgedehnte Parks hier.

Abends esse ich immer etwas Schokolade, so wie andere Leute ein Glas Bier oder Wein trinken. 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich nicht abzukapseln in gesellschaftlichen Denk-Ghettos, in denen die eigene Meinung unwidersprochen bleibt, in denen kein Widerspruch zu erwarten ist, man „unter sich“ ist. Sich auch mal zum Zweifel zu bekennen. Nicht immer zu wissen glauben, was jetzt „das Richtige“ ist. Gespräche zu beginnen ohne in erster Linie den Impuls zu haben, den anderen überzeugen zu wollen und selber keinen Millimeter „abzuweichen“. Ja, einfach: Gesprächsoffenheit.

Neben dieser eher allgemeinen Aussage, die eine innere Haltung beschreibt: als besonders empfinde ich im Moment – ich spreche hier aus Berliner Perspektive – Engagement für Geflüchtete, konkrete Hilfestellung, zum Beispiel für Kolleginnen und Kollegen aus der Ukraine, die bei uns angekommen sind und irgendwie auch unter den äußerst erschwerten Bedingungen weiterarbeiten, lesen, publizieren wollen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Als Schriftstellerin bin ich natürlich geneigt, die Rolle der Literatur hoch einzuschätzen. Aber das könnte eher eine falsche Beurteilung aufgrund einer gewissen beruflichen Deformation meinerseits sein als wirklich der derzeitigen gesellschaftlichen Bedeutung der Literatur entsprechen. Als Filmemacherin, Musikerin oder Grafittikünstlerin würde ich in Berlin sicher mehr Menschen erreichen. Spannend finde ich im Moment, was aus der Ukraine geflüchtete Kolleginnen und Kollegen schreiben, auch Geflüchtete aus anderen Ländern. Ihrer Literatur kommt also unter Anderem eine informierende Kraft zu, für sie selber hat das Aufschreiben ihrer Erlebnisse oder ihrer Erinnerungen an ihre Heimat noch eine ganz andere Funktion.  In Umbruchszeiten kann Literatur schon auf eine persönlichere, subjektivere Weise als ein Zeitungsartikel oder ein Nachrichtenbeitrag „sinnliche Geschichtsschreibung“ betreiben. Manchmal kann man mit Literatur, mit Geschichten aufgrund der figuralen Identifizierungsvorlage mehr Empathie bei Menschen erreichen als mit sachlich gehaltenen „News“.

Aber Literatur kann – auch jetzt – einfach nur erfreuen, mit der Leichtigkeit einer Matisse-Zeichnung, und das ist absolut nicht verwerflich. Literatur darf trösten und ablenken. Sie muss nicht in einem aktionistischen Sinne „aufrütteln“ (was auch immer das eigentlich genau heißt). Sie kann auf ganz unterschiedliche Weise wirksam sein.

Ich selber schreibe schon gern Texte mit einem soziologischen Fundament, selbst in meiner Lyrik, aber wehre mich gegen Vorgaben z.B. aus der Literaturkritik, wie „Literatur in Krisenzeiten“ sein sollte. Wenn oft gesagt wird, wie etwas zu sein hat, ist die Krise, die Not meist groß, und die Bevormunder leisten ihren Beitrag zu dieser Not. „Politische Literatur“ ist ein etwas ermüdendes Schlagwort geworden. Gute Literatur rührt immer etwas an und bewegt – im weiteren Sinne.

Was liest Du derzeit?

Hier in den USA habe ich viele Bücher für das Seminar, das ich unterrichte, nochmal gelesen, z.B. – sehr empfehlenswert – „Nachrichten aus Berlin. 1933 – 36“ von Antoni Graf Sobanski, einem großartigen polnischen Journalisten, Essayisten und Übersetzer, der den Aufstieg der Nazis auf der alltagskulturellen Ebene beobachtet und für eine polnische Zeitung als Korrespondent fungiert hat. Sehr lesenswert und tief erschreckend. Leider starb der exzentrische, hochgebildete Bohemian (er sprach sechs europäische Sprachen fließend, darunter Deutsch) ziemlich jung schon im Jahr 1941.

Ich lese derzeit Texte von aus der Ukraine geflohenen Autorinnen und Autoren, die oft noch nicht in Buchform erschienen sind, sondern verstreut auf verschiedenen Webseiten oder Literaturzeitschriften bzw. in ganz informellen Kontexten.

An Sachbüchern liegt bei mir gerade auf dem Tisch: Lukas Hermsmeiers „Uprising. Amerikas Neue Linke“.

Immer gern lese ich Martin Amanshauser, eigentlich alles vom ihm, belletristisch oder journalistisch. Ein guter Kompass.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Zitat von Fernando Pessoa, das nach meinem Empfinden für einen grundhumanistischen Ansatz, für Partizipation, Lebensfreude und Neugierde steht. Es hängt über meinem Schreibtisch zuhause in Berlin:

„Ah, dass ich nicht alle Menschen und überall sein kann“.

Tanja Dückers, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview liebe Tanja, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Tanja Dückers, Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin, Publizistin _ Berlin _ aktuell writer-in-residence-Aufenthalt in den USA

www.tanjadueckers.de

Schokoladenedition
Preussisch süß
http://www.preussisch-suess.shop

Fotos_Anton Landgraf

3.10.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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“Eskalationsdominanz” Stephan Orth, Reporter/Autor_Give Peace A Chance _ Hamburg 10.10.2022

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Stephan Orth, 22.9.2022

Stephan Orth, Reporter/Autor

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Stephan Orth, Reporter/Autor

https://www.stephan-orth.de/

Foto_Rikkart

Walter Pobaschnig _ 22.9.2022.

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„TARAB by Ulduz Ahmadzadeh“ _ im Interview_ Desi Bonato_dancer, choreographer_Wien 9.10.2022

Desi Bonato_dancer, choreographer_Wien

Dear Desi, your are part of the dance project TARAB by Ulduz Ahmadzadeh. What is it about?

Tarab is a dance piece which has the intention to present on a european/western stage, traditional dances from Iran. The aim is to embody these dances to give voice to the people that still practise them with the purpose of healing, for the sense of community, for resistance, to pass on the tradition which is intertwined with beliefs and spiritual practices.

The choreographer Ulduz Ahmadzadeh guided us to dive into iranian culture by sharing spiritual practices, traditional steps, instruments and rhytmical patterns on which we build up the choreography

The piece is also about showing how the role of women has changed with the years, by presenting a solid and equal community at the beginning of the piece, where everyone has a specific and important individual role, for later underline the polarization between men and women. A clear submission and serving role for the girls and stong masculine attitude for the boys. Eventually we play also with sarcasm and shif of roles to make fun of it and shows how twisted and sad this polarization is. The piece doesn’t want to make a statement of that because the main focus is to give voice and spaces to these dances, how they can be integrated in our European contemporary dance environment and be the inspiration for our dance material.

What means the word „Tarab“?

Loosely translated to “enchantment,” tarab is an Arabic word describing a deep, stirring musical performance that launches the audience into a trance-like state of ecstasy.

How do you develop the project as a dancer and choreographer?

As mentioned above, the starting point of the creation began with learning the traditional dances from different regions of Iran, understanding their meaning and intentions. The main focus is on movement. We got inspired also by traditional paintings, textures, patterns in the carpets, in ceramics and from the visual element we will have on stage. Costumes, lights etc.

How important is music in „Tarab“?

The music is essential to the piece and it’s played live by Mohammad Reza, who is known as the man with the fastest hands in the world. As TARAB means the moment where the music takes over the body (and the mind controlling it), the music is supporting all the different dances, makes the atmosphere and allows us dancers to enjoy fully the movement.

When and where are the performance dates?

TARAB will Premiere on Thursday 13th October at 7.30pm in Tanz Quartier Wien, Halle G. Second and last chance to see would be Friday 14th October, same place, same hour.

TARAB
Konzept, Choreografie Ulduz Ahmadzadeh Konzept, Szenografie Till Krappmann Komposition, Live-Musik Mohammad Reza Mortazavi Tanz, Choreografie Desi Bonato, Naline Ferraz, Flora Virag, Luca Major, Ofer Dayani, Axel Hampusson, Jassi Murad Lichtdesign Jan Wielander Produktion Julia Haas, Mascha Mölkner Szenografie in Kollaboration mit Alice Ursini – Eine Koproduktion von ATASH عطش contemporary dance company und Tanzquartier Wien.

https://tqw.at/event/tarab-ahmadzadeh/

Foto_Claude Hofer

Thank you very much for the interview, dear Desi, and for visiting the very interesting reherseal session last saturday!

Much joy and success for this extraordinary wonderful dance project!

Desi Bonato_dancer, choreographer_Wien

Walter Pobaschnig 10_22

Interview&alle Fotos (except noted) _ Walter Pobaschnig

„ich muss mich verstecken“ X. _Give Peace A Chance _ St.Petersburg 9.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE

(Einladung zum Akrostichon „Give Peace A Chance“)

„Guten Abend. Vielen Dank! Hier habe ich vorübergehend Schwierigkeiten, ich wurde aufgrund der aktuell schwierigen Situation in Russland praktisch arbeitslos. Ich kann nicht gehen, es ist sehr schmerzhaft. Auf der Suche nach einem Job. Wenn meine Hände das Akrostichon erreichen, sende ich es Ihnen gerne zu. Vielen Dank für den Vorschlag!

Die Situation wird durch die Tatsache erschwert, dass in Russland eine Mobilisierung angekündigt wurde. Ich bin ein politischer Dichter und Aktivist, der gegen den Krieg ist, ich muss mich verstecken. Der Verlust meines Arbeitsplatzes wirkt sich negativ auf meinen psychischen Zustand aus.“

X., St.Petersburg 5.10.2022

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

X St.Petersburg

Walter Pobaschnig _ 5.10.2022.

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