„Gleichberechtigung leben“ Anna Ortmann, Schauspielerin _ Give Peace A Chance_ Berlin 24.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE

G_leichberechtigung leben

I_nternalisierten Selbsthass abbauen

V_erliebtsein in sich selbst

E_mpathie entwickeln

P_atriarchat abschaffen

E_ntwicklungen anstoßen

A_ngst aushalten üben

C_is-Normativität überwinden

E_nt-kolonialisieren

A_chtsamkeit ≠ Selbstoptimierung

C_hristliche Perspektiven (ver-) orten

H_eteronormativität dekonstruieren

A_ufmerksamkeit für Klimagerechtigkeit schaffen

N_ein sagen zu Sexismus, Rassismus, Klassismus, Antisemitismus, Islamophobie, Homophobie, Transphobie, Mysogynie, Adultismus und Ableismus.

C_SD besuchen

E_infach niemals aufgeben


Anna Ortmann, 30.9.2022

Anna Ortmann_Schauspielerin, Regisseurin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Anna Ortmann_Schauspielerin, Regisseurin

Foto_Claudi Engl

Walter Pobaschnig _ 30.9..2022.

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„we should all be aware of the real human values“ Djanay Tulenova, Violinistin _ Wien 24.10.2022

Liebe Djanay, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

It’s very busy at the moment, preparing with my Rubik Quartet for the Haydn Chamber Music Competition and also working as a concertmeister at VBW. Also preparing for the upcoming French CD with Duo “Beauvoir”, a project with my dear friend and pianist Noa Kleisen and trying to finish my music management course.

Djanay Tulenova, Violinistin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Staying sane, thinking critically, be kind and appreciative. I can’t speak for all people but I personally think, today, with the war situation in the world, we should all be aware of the real human values, stay truth to ourselves and be conscious about hypocrisy. It’s a difficult time for all of us, full of cruelty, racism and propaganda. We can stand by only if we will stay truth to our values as humans and always be aware that there are people who needs help and have way worse live situations than us. It is a luxury to indulge in aesthetics such a music and art from a position of comfort and safety. We tend to easily forget how blessed we are, having a roof, food, friends, work and music in our lives, whereas a lot of people live in a harsh reality where music and art are only brief escapes instead of luxury to be enjoyed. And read, read and read, to educate ourselves and have sources to build our own opinion and judgment.


Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

The tumultuous time of pandemic should make musicians feel both modest and proud. Firstly modest, because during times of crisis it is the nurses, the scientists, the suppliers of food and necessities that have proven to be essential to all of us. However, we as musicians can be proud that within a society that has secured our survival and our basic needs, we add beauty and meaning to our existence.


Was liest Du derzeit?

Simone de Beauvoir “Second Sex”


Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Don’t get bitter – get better!

Djanay Tulenova, Violinistin

Vielen Dank für das Interview liebe Djanay, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Djanay Tulenova, Violinistin

Fotos_Andrej Grilc

16.10.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Drachenbanner“ Rebecca Gable. Historischer Roman. Bastei Lübbe Verlag.

Da ist die Burg, thronend und herrschend. Und rundherum die Hütten und das Leben darin, das von Arbeit und Unfreiheit bestimmt ist. Die riesigen Wälder und Wiesen sind tägliche Orte der Herausforderung und Plage. Es ist gefährlich und jeder Moment könnte das Ende sein…

Brodric und sein Vate wissen das und müssen sich diesen Gefahren stellen.  Doch heute geschieht ein Unglück, das für Brodric alles verändern wird. Er ist vierzehn Jahre alt und sehnt sich nach Freiheit, einem neuen Leben…

Und da ist Adela von Waringham, die als Hofdame am Königshof in London ist und deren Leben, Liebe bestimmt wird…

Doch die Welt ist in Bewegung…hier und dort…die Mauern bröckeln…und jetzt berühren sich die Welten von Brodric und Adela und eine neue Zeit beginnt…

Die gefeierte Bestsellerautorin Rebecca Gable legt mit „Drachenbanner“ einen weiteren Roman der legendären mitreißenden „Waringham-Saga“ vor. Wie Gable es schafft Charaktere in mittelalterlicher Welt lebendig werden, ist einzigartig. Diese Erzählkraft begeistert auch im vorliegenden siebten Waringham-Roman.

„Die Königin des historischen Romans regiert wieder – god save the Queen!“

Drachenbanner“ Rebecca Gable. Historischer Roman. Bastei Lübbe Verlag.

Walter Pobaschnig 10_22

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„Gesprächsoffen bleiben. Weitherzig, nicht hartherzig sein“ Mathias Jeschke, Schriftsteller _ Stuttgart 23.10.2022

Lieber Mathias, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich arbeite gemischtkalkuliert – in einer Teilzeitanstellung als Verlagslektor einerseits, als freier Autor andererseits – und habe jetzt eine sehr lange Phase ausschließlich im Home-Office hinter mir. Nun aber wird mich mein Weg für drei Tage die Woche wieder ins Verlagsbüro führen. Das ist auch deswegen nicht ganz schlecht, da ich mit dem Fahrrad fahre – die Bewegung hat mir doch spürbar gefehlt …

Mathias Jeschke, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Gesprächsoffen bleiben. Weitherzig, nicht hartherzig sein. Viel Geduld haben miteinander, doch auch – wo nötig – klare Grenzen setzen. Nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, dennoch differenziert und konkret kommunizieren. Für mich persönlich ist die Trias aus Glaube, Liebe und Hoffnung eine gute, zukunftsweisende Lebensgrundlage, auch für das Miteinander in allen sozialen Zusammenhängen, in denen ich mich bewege.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wie immer und zu jeder Zeit – und welche Zeit wäre nicht in irgendeiner Weise exzeptionell – ist die Aufgabe der Kunst, auch der Literatur, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten und sollte es nur dazu dienen, um festzustellen, ob überhaupt noch ein Lebenshauch in ihr ist. Die Kunst tut der Gesellschaft einen großen Gefallen, indem sie sie mit den ihr eigenen so besonderen, weil ungewöhnlichen Mitteln immer wieder beharrlich vor den Kopf stößt und sie damit aus dem Schlaf reißt, in den sie so gerne leichtfertig verfällt. Ästhetischer Kunstgenuss ist nicht möglich ohne das Element der Irritation, ohne, dass Menschen um wenigstens ein paar Neuronen-Mikrometer aus der Bahn ihrer alltäglichen Gewohnheiten geworfen werden und begreifen, dass sie umdenken müssen, wenn Frieden und Gerechtigkeit ihnen wirklich etwas bedeuten.

Was liest Du derzeit?

Mario Schlembach, „Heute graben“. Kremayr & Scheriau, Wien 2022

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Dann stieg A. in den Zug und es war mir sofort klar, dass es nur einen einzigen Zweck für Worte gab: sie! Meine Welt lag jetzt in ihren Augen.“ (Schlembach, S. 8)

Vielen Dank für das Interview lieber Mathias, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

Sehr gerne, lieber Walter!

5 Fragen an Künstler*innen:

Mathias Jeschke, Schriftsteller

https://www.mathiasjeschke.de/

Foto_Wolfgang Irg

31.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kein Herz“ Armin Steigenberger, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ München 23.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE

In den letzten Monaten habe ich einige Male angesetzt, um ein Akrostichon zu verfassen, das die Anfangsbuchstaben des bekannten Satzes GIVE PEACE A CHANCE bildet. Leider führten meine Versuche bisher zu keinem Ergebnis, das aus meiner Sicht dem Thema auch nur annähernd gerecht geworden wäre.

Stattdessen entschloss ich mich, eine spezielle Doppelseite meiner Kladde einzucscannen, auf der ich zu Beginn des Ukrainekrieges auf die Ereignisse am Bildschirm reagiert habe. Dazu folgende Erklärung:

Am 24. Februar 2022 vormittags ging ich auf dringendes Anraten meiner Hausärztin, die ich am Nachmittag zuvor aufgesucht hatte, in die Notaufnahme einer Klinik im Münchner Stadtteil Pasing, weil ein 24-Stunden-EKG eine kritische Auffälligkeit zeigte, die es abzuklären galt. Ich blieb nur bis zum darauffolgenden Abend, da sich bald herausstellte, dass der besagte Bereich im Ausdruck des EKG ein “Artefakt” war, also ein Messfehler.

Schon bevor ich nach Pasing aufbrach, las ich kurz die Meldung, dass der russische Einmarsch in die Ukraine tatsächlich stattgefunden habe und war sehr durcheinander. Wiederholt musste ich im Wartebereich der Notaufnahme Platz nehmen, da für mich im Haus zunächst kein Bett zur Verfügung stand. So verfolgte ich nolens volens auf dem Bildschirm den News Ticker von ntv. Später auf dem Zimmer vervollständigte ich, auch im heftigen Gespräch mit meinem Zimmerkollegen, meine Aufzeichnungen.

Herauskam ein Fragment zu einem Gedicht, das auch als kleiner Zyklus gelesen werden kann. Der kurze Einstieg vorher ist am Abend vorher entstanden. Ich habe die Texte bisher nicht ausgearbeitet, um seine Unmittelbarkeit nicht zu zerstören. Unleserliche oder fragwürdige Stellen habe ich mit [] und Punkten unterlegt.

Armin Steigenberger, Schriftsteller

*  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  * 

KEIN HERZ                                                   23.2.22

in meiner letzten stunde schlug

mein herz vieltausendmal

wie eine verstimmte bass-

gitarre A, B, C, D, E, F, G, H in einer Dur

auf Kante geklöngt[.]

I und J und das hohe K.

24.2.

(Keine Dur in Sicht.) Etwas Moll am Verband,

leises Austreten von Blut an der Einstichstelle

des Zugangs. Die Nadel piekt in der Vene.

Warten. Die Nacht sticht      fire and forget.

Sabotageakt.

ein nimmermüder kalter stein

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Raketenwerfer                              Vehikel mit dem […]ickel

gefechtstauglich

hypersonische Flugkörper

7-10fache Schallgeschwindigkeit

strategische Waffe

Ladegrad           Goldene Visa

200 eingebürgerte Russen

200.000 €

H[elmut] Schmidt: “Obervolta mit Nuklearwaffen”

wirtschaftl. Zwerg

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KEIN KRIEG

In einer anderen Welt aufgewacht.

Schweregrad: Heimtücke.

Breakin’ News per Rachenabstrich.

Auf mögliche Bes(n)etzungslücken achten.

Komplett zerstört.

Panikkäufe. Aktuell abgesägter Lauf: verurteilt Einmarsch

stirbt offenbar bei Besch(l)uss anhand ihrer Eskalationssymptome

Scharfes Verurteilen, Raketenangriffe.

Daumen, Fingerkuppen, Nagelfalze und liefern harte Sanktionen

Gegen – nicht vergessen – Sondergipfel Widerstand.

In Fachrichtung links. Scharfer Unterton von.

Von Finanzmärkten abgeschnitten.

Zivile Opfer suchen Schutz in Kellern             Gazprom           Grenzschutz

Ausreichend Händedesinfektion in die

trockenen Hände geben weltweite Unterstützung

bricht diplomatische Beziehungen zu

Moskau ab.                     Oberster Verteidigungsrat

Sorgen um unsere Landsleute                             will destabilisieren

mit sauberen, unlackierten Fingernägeln      wird bitteren Preis zahlen,

Kein Schmuck an Händen und Unterarmen.

Unsere Hotline beantwortet Fragen zu russischem

Eindringen.                     ruft Kriegszustand aus

wird hart getroffen                                                                 kill the trochäus

International Strohhalm der Hoffnung

Armin Steigenberger, 11.10.2022

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Armin Steigenberger, Schriftsteller

Fotos_privat

Walter Pobaschnig _ 11.10.2022.

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„Es fasziniert mich, wie Romy Schneider ihre Grenzen auslotet“ Julia Gradl, Musikerin _40.Todesjahr Romy Schneider _ Wien 23.10.2022

Julia Gradl _Musikerin _ Wien _
acting Romy Schneider _ 40.Todestag _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris)
Julia Gradl _Musikerin _ Wien _
vor dem Elternhaus von Romy Schneider _ Wien/Döbling
Julia Gradl _Musikerin _ Wien _
vor der Geburtsklinik von Romy Schneider _ Wien/Döbling
Julia Gradl _Musikerin _ Wien _
acting Romy Schneider _
40.Todestag _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris)

Liebe Julia, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Am intensivsten wirkt ein erst kürzlich gesehenes und 2017 veröffentlichtes Interview / Gespräch von Alice Schwarzer und Romy Schneider aus dem Jahr 1976 in Köln nach. Zwei Frauenseelen, die sich in einem Urvertrauen verbinden und Schmerzliches und Unausgesprochenes einen Raum bekommt… Das hat mich sehr berührt.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

Ich muss gestehen, dass ich noch nicht ausreichend Filme ihrer Filmografie gesehen habe…. Aber erstaunlich ist, wie sie in „Swimmingpool“ mit Alain Delon ein verliebtes Paar spielen konnte. Mir gefällt, dass in ihrer Rolle als Marianne, sie es dann war, die sich von ihm getrennt hat.

Romy Schneider spielte in ihren Filmrollen sehr intensiv und ausdrucksstark, auch körperlich, und ging bis an die Grenzen des persönlich Möglichen. Etwa in den Filmen „Nachtblende“, „Trio infernale“ oder „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“. Wie siehst Du als Künstlerin die Darstellerin Romy Schneider in Ihrem Kunstgenre?

Es fasziniert mich, wie sie ihre Grenzen auslotet, wie sie sich in ihren Rollen vom „braven lieben Mäderl“ zur wilden, ungezähmten, verruchten und emanzipierten Frau entwickelt. Ich bewundere ihre Natürlichkeit, Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit im Darstellen.

Wie nah müssen sich Mensch und Kunst intensiv verbinden, um das Publikum erreichen und auch berühren zu können?

In einem ersten Impuls gehe ich davon aus, dass der Mensch selbst die purste Form von Kunst ist: Werden und Vergehen. Vergehen und Werden. Wenn man es als Künstler:in schafft, sich dieser zu ergeben und anzuvertrauen und das Publikum dafür empfänglich ist, kann es zu tiefen Berührungen kommen.

Gibt es Momente in der Kunst, in der sich gleichsam die Kontrolle verlieren kann? Und wenn ja, was holt einen dann zurück?

Das Wort Kontrolle begegnet mir oft, es beschäftigt mich schon lange. In diesem Rahmen ist es mir tatsächlich zu negativ konnotiert und darum versuche ich es, mit einem für mich positiven Gegenüber, nämlich dem aus dem altgriechisch stammenden Wort „mania“ auszudrücken. Sokrates beschreibt es mit den Worten „von etwas ergriffen zu sein und es dadurch zugleich zu verkörpern“. Ich verstehe es als einen Aufruf zum Momenthaften und auch zum Risiko. Für den Verstand ist es glaub ich ein Leichtes, seinen Zensor wieder aufzuschlagen…die Kunst ist es, über ihn hinweg zu walten und durch die Abwesenheit von Kontrolle wahre Intensität zu erspüren.

Würdest Du einen Film von Romy Schneider gerne vertonen und wenn ja, warum?

Wenn ichs mir aussuchen könnte, würde ich eher eine Annäherung an ihre Person bzw. ihr Leben wagen. Vielleicht ein musikalisches Projekt, das dokumentarisch beginnt und sich in Fiktionen verliert… Da kommen mir einige Ideen.

Es gibt von Romy Schneider sehr viele Fotoserien. Gibt es eine Serie, die Du hervorheben möchtest?

Es ist keine bestimmte Fotoreihe, sondern eher ihre Ausstrahlung ab den späten 1960er Jahren, die mich in ihren Bann zieht.

Auch unser Projekt ist ein szenisches Foto/Interviewprojekt. Wie hast Du Dich im Vorfeld darauf vorbereitet und was ist Dir dabei wichtig?

Das mag vielleicht komisch klingen, aber die Vorbereitungen passierten eher zufällig, noch bevor ich wusste, dass dieses Interview-/Fotoprojekt stattfinden wird. Eingeleitet durch das anfangs erwähnte Interview, das mir sprichwörtlich „zugefallen“ ist, und fortgeführt durch einen Aufenthalt Nähe Gmunden vor ein paar Monaten, der an dem von Romy Schneider besuchten Internat vorbeiführte. Und tatsächlich kann ich jetzt sagen, dass mir genau diese „ungeplante“ Art des in-Kontakt-tretens auch für das bevorstehende Fotoshooting kostbar ist.

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich im Kunstberuf?

Zum Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Romy Schneider als Schauspielerin kann ich wenig sagen… Aber generell ist es glaub ich wichtig sich bewusst zu machen, dass es die „Öffentlichkeit“ nicht immer gut mit einem meint, dass aber immer die Möglichkeit besteht, den Blick auf etwas anderes zu richten. Je nachdem, auf welche Weise man mit der „Öffentlichkeit“ in Berührung ist. Es kann andererseits gerade die „äußere“ Anerkennung sein, die ermutigt, anspornt oder Energie bündelt.

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er Jahren das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Kunstberuf?

Jedes neue Projekt als Musiker:in ist eine neue Herausforderung, ein neues Wagnis, ein Wachsen und Entwickeln. Ein Kennenlernen der eigenen Stärken und Schwächen, ein Bewältigen von Höhen und Tiefen, das Risiko, zu versagen, obwohl man eigentlich schon gewonnen hat!

Wie war Dein Weg zur Musik und welche Erfahrungen hast in Wien gemacht?

Das Erlernen von Instrumenten wurde von den Eltern früh gefördert. Gemeinsam wurde gerne gesungen und musiziert. Musikalisch sozialisiert habe ich mich zunächst über die Klarinette. Im Laufe des Studiums befreite ich mich aber zunehmend über und durch das Singen und die Atem-, Körper- und Stimmarbeit, was mich letztlich auch auf die Fährte des Komponierens gelockt hat. Die Stimme ist für mich ganz klar Lichtbringerin und Lichtspenderin.

Relativ bald nach meinem Ankommen und Einfinden in Wien 2019 kündigten sich Corona-Lockdowns und das Einstellen des Kunst- und Kulturbetreibes an… dennoch begann damit auch die musikalische Zusammenarbeit mit der Sängerin und Perkussionistin Jasmin Meiri, mit der ich seither im Duo (KARDAMOM.T) Konzerte spiele. Langsam beginne ich, die Vielfältigkeit der Stadt zu begreifen, was auch die Herausforderung birgt, inmitten so vielen Musiker:innen und Künstler:innen einen Platz einzunehmen.

Was wünscht Du Dir für den Musikberuf?

Im Wort Beruf steckt das Wort „Ruf“, an das ich, um die Frage zu beantworten, anknüpfen möchte. Ich wünsche mir, dass der „Ruf“, der von so vielen engagierten und außergewöhnlichen Musiker:innenpersönlichkeiten in die Welt gesendet wird, Gehör findet. Dass dieser Ruf dazu beiträgt, die ganz großen Themen, die unser Zusammenleben auf der Erde betreffen und prägen, in den Blick zu nehmen und sich selbst als handlungsfähig zu erkennen.

Ich wünsche mir, dass der Beruf ernst genommen, geschätzt und fair honoriert wird. Dass durch ihn möglichst viele Menschen einen Zugang zur Musik und den heilsamen und verbindenden Qualitäten bekommen.

Die Liste geht noch weiter…

Was sind Deine kommenden Projekte?

Musikalisch möchte ich an meinem Herzensprojekt „Kardamom.T“ dranbleiben, sowie das Singen im a capella Vokalensemble wieder aufnehmen. Was das Pädagogische betrifft arbeite ich mit einer Kollegin an Workshop-Konzepten zum Thema atemtypische Stimmentfaltung. Eine Vision ist, mich experimenteller/zeitgenössischer Musik/Kunst anzunähern…aber da plaudere ich jetzt aus dem Nähkästchen.

Was möchtest Du Musikstudenten*innen mitgeben?

Erstens, die Semester nicht zu voll mit Lehrveranstaltungen packen und die Freizeit genießen, Konzerte besuchen und an der Kulturszene der Stadt teilhaben. Zweitens, wenn die Möglichkeit besteht, über das Erasmus-Programm einen Auslandsaufenthalt wahrnehmen. Drittens, sich im kritisch-hinterfragen üben und aufs Bauchgefühl hören J

Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?

Dass sie so früh aus dem Leben geschieden ist, ist tragisch und erschütternd. Das, was wir über die Umstände wissen, ist so wenig. Ich glaube, das meiste wissen wir nicht.

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Mir würde es schon genügen, im selben Raum wie sie zu sein und ihre Aura und Präsenz zu spüren. Vielleicht könnten wir dann noch gemeinsam was singen. Und vielleicht würde sie mir ihr momentanes Lieblingslied verraten…

Was kann eine Künstlerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

Mut zum Aufbruch, zur Emanzipation und zum Folgen der Intuition, auch wenn dadurch Erwartungen anderer nicht erfüllt werden.

Romy Schneider hat auch viele Interviews gegeben. Gibt es ein Interview, das Dich besonders anspricht und möchtest Du vielleicht ein Zitat hervorheben?

Hier möchte ich ein weiteres Mal das eingangs schon erwähnte Interview mit Alice Schwarzer nennen und folgendes zitieren:

„Ich habe keine Lust mehr zu lügen. Ich will endlich meine Wahrheit sagen.“ „Ich habe keine Angst mehr, mich gehen zu lassen oder mich frei zu fühlen.“

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Achrostikon bitten?

R         Rarität

O         Offenbarung

M        Mutter

Y         Ysop, eine Heilpflanze

Julia Gradl _Musikerin _ Wien _
acting Romy Schneider _
40.Todestag _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris)

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Julia Gradl, Musikerin _ Wien

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien_10.2022

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Walter Pobaschnig 10_22

„Ging“ Jakob Leiner, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Freiburg/D 22.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Ging

Isidor

Versehentlich

Ernst

Papa

Ernst

Ausgebrochen

Chance

Ernst

Ausgebrochen

Chance

Half

Ausgebrochen

Notgedrungen

Chance

Ernst



Jakob Leiner, 14.9.2022

Jakob Leiner, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Jakob Leiner, Schriftsteller

https://www.jakobleiner.com/

Foto_Philippe Petiot

Walter Pobaschnig _ 14.9.2022.

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„Ja, lesen! Jeden Tag und zu jeder Tageszeit“ Undine Materni, Schriftstellerin _ Dresden 22.10.2022

Liebe Undine, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jetzt könnte ich ja die Mär von der Dichterin im Elfenbeintürmchen erzählen, die den ganzen Tag wundersame Dinge sieht und dann in Verse gießt … Aber so ist es nicht, ich schreibe meist, wenn der Kessel voll ist, also, wenn ein Gedicht vorbei kommt, das ausgerechnet mich ausgesucht hat. Was ich sagen will: Jeder Tag ist anders. Manchmal gehe ich früh im vier ins Bett, manchmal stehe ich zu dieser Zeit auf. Seit 17 Jahren bin ich freiberufliche Autorin, Lektorin, Kuratorin … Als Lektorin muss ich zuweilen Projekte kurzfristig fertigstellen und auch Manuskripte bearbeiten, deren Inhalt mich weniger interessiert, schließlich muss ich ja auch meine Miete bezahlen und will ab und an ein Buch kaufen.

Ja, lesen! Jeden Tag und zu jeder Tageszeit. Eigentlich lese ich immer, beginne morgens im Bett und ende damit auch abends. Musik! Musik ist auch jeden Tag dabei, ich kann gar nicht ohne. Seit der Pandemie ist ein regionaler Kultursender mein treuer Begleiter und wenn es mal ohne Stimmen gehen muss, dann höre ich Klaviermusik. Die tröstet, wenn ein Manuskript besonders schlimm ist. Ansonsten gehe ich natürlich auch aus, treffe Freunde, lausche Lesungen, stromere durch Ausstellungen. Oder trinke gern Gin Tonic auf dem Balkon mit meinem wunderbaren Sohn Jakob.

Undine Materni, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Frage ist ja: Wer ist hier mit uns gemeint? Wer sind wir? Das hat sich doch gerade in den letzten drei Jahren gezeigt, dass diesbezüglich die Ansichten sehr weit auseinander gehen. Ich glaube, wir sollten jeden Tag beim kleinsten Nenner beginnen, der besteht unter anderem darin, respektvoll miteinander umzugehen, der Bäckersfrau ein Danke über die Theke zu reichen, dem alten Nachbarn Kekse zu schenken (er legt mir dafür Gemüse aus seinem Garten vor die Tür) und auch Dinge ohne unmittelbare Gegenleistung zu tun. Ja, Respekt und … wie soll ich sagen? Auch Demut und Dankbarkeit gegenüber den Dingen und Lebensumständen, die wir hier in Mitteleuropa haben – im Gegensatz zu Menschen, die jeden Tag um Anwesenheit in ihrem Leben kämpfen müssen.

Wir sollten verstehen, dass die Gier und die Maßlosigkeit im Umgang mit den Ressourcen der Erde Katastrophen wie die Pandemie, Hochwasser, Erderwärmung eingebrockt haben. Lange waren diese Dinge weit weg, aber wenn du morgens aufwachst und es riecht hier in Dresden verbrannt, das Fensterbrett ist voller Ruß, weil es in der Sächsischen Schweiz brennt, weil dort irgendwelche Idioten im Wald Shisha geraucht haben, dann bist du mittendrin und fragst dich, ob das Ganze irgendwie noch aufzuhalten ist.

Ja, und bisher waren die Kriege ja auch weit weg, und jetzt mitten in Europa, an Orten, die wir bereist haben und kennen, wie Odessa zum Beispiel. Und dann ist da immer wieder dieser Hass, diese Niederträchtigkeit von Leuten, die glauben, zu kurz gekommen zu sein, die sitzen dann in ihren weichen Sesseln und verfassen niederträchtige Nachrichten, um Schwächere zu beleidigen und zu denunzieren. Hier dürfen wir nicht aufhören, solidarisch zu sein, dem etwas entgegen zu setzen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wenn Kunst und Literatur authentisch sind, dann ist sie auch lebendig und im besten Fall engagiert. In den letzten drei Jahren hat sich auch gezeigt, wie engagiert und kreativ die Kulturszene sein kann, auch wenn ihr das Wasser am Hals steht. Es wurden neue Formate gefunden, um Kunst und Kultur zu vermitteln und auch Menschen zu erreichen, die vielleicht etwas weiter weg davon waren. So ist beispielsweise während der Pandemie mal ein LKW mit einem Piano auf der Ladefläche nach Berlin Marzahn gefahren und jemand spielte ein paar Stunden für die Bewohner*innen, die nach und nach aus den Häusern kamen und sehr berührt und begeistert waren.

Insofern können wir den Kunstschaffenden vertrauen, dass sie in Bewegung bleiben, ihre Themen finden und diese auch wirkungsvoll vermitteln.

Was liest Du derzeit?

Viel, das kann ich hier nicht alles aufzählen. Was mich kürzlich aber ganz besonders beeindruckt hat, ist das Buch Kinder von Hoy. Freiheit, Glück und Terror von Grit Lemke.Die Autorin arbeitet auf mitreißende Weise die Biografie ihrer Generation auf. In einem dokumentarischen Roman verschränkt sie virtuos die Stimmen der Kinder von Hoyerswerda zu einer mitreißenden Oral History.

Ja, und dann lese ich natürlich auch Gedichte. Die letzte großartige Entdeckung ist der Berliner Dichter Gabriel Wolkenfeld, er ist einer von den Stillen, feinen klugen Stimmen in dieser lärmenden Welt.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Poesie –

was aber ist Poesie.

Manch wacklige Antwort

ist dieser Frage bereits gefolgt.

Aber ich weiß nicht, ich weiß nicht. Ich halte mich daran fest,

wie an einem rettenden Geländer.

Wisława Szymborska

(übertragen von Karl Dedecius)

Vielen Dank für das Interview liebe Undine, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Undine Materni, Schriftstellerin

https://www.undine-materni.com/

Foto_Anja Schneider

6.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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Dass dieser unselige Krieg ein Ende findet“ Gabriel Wolkenfeld, Schriftsteller _ Gelsenkirchen/D 21.10.2022

Lieber Gabriel, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf ähnelt meinem Tagesablauf nicht: Ich gehe zu früh schlafen und stehe zu früh auf, ernähre mich zu gesund und lebe enthaltsam. Über den Tag verstreut lese ich, höre Menschen zu, die über sich sprechen, mache Notizen, auf die ich nur im äußersten Notfall zurückgreife, schreibe, auf Basis dieser Gespräche, Porträts von Menschen, die in Gelsenkirchen gelebt haben oder leben. Das ist eines der Projekte, mit denen ich mich als Stadtschreiber in Gelsenkirchen beworben habe. Nebenbei bereite ich mit Steffen Marciniak die Publikation meines zweiten Lyrikbands vor. „Nebelkinder“ enthält Gedichte, die sich mit der Ukraine befassen, Porträts der Städte, die ich in meinem Ukrainejahr bereist hab

Gabriel Wolkenfeld, Schriftsteller
Ukraine _ Fotos_Gabriel Wolkenfeld

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass dieser unselige Krieg ein Ende findet, Russland entmilitarisiert wird, die Ukraine die besetzten Territorien zurückerhält und die europäischen Staaten die Ukraine beim Wiederaufbau unterstützen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wesentlich bei Aufbruch und Neubeginn ist, ob man bereit ist, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Ich würde mir für uns wünschen, dass es gelänge, Wohlstand nicht einzig in wirtschaftlichen Dimensionen zu denken, sondern Abhängigkeiten abzubauen, die Länder stärken, in denen Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Literatur spiegelt, was in dem Raum passiert, den wir Welt nennen. Sie öffnet Augen, regt zum Nachdenken an, zum Überdenken und Ausdenken – eines Erachtens eine Voraussetzung für jeden Aufbruch.

Ukraine _ Fotos_Gabriel Wolkenfeld

Was liest Du derzeit?

Ich lese parallel und mit großer Begeisterung „Im Bauch der Königin“ von Karosh Taha, „Samson und Nadjeschda“ von Andrej Kurkow, „Der Himmel muss warten“ von Sandra Reichert, „Die Füchse haben Gruben, die Vögel haben Nester“ von Yvonne Zitzmann, „Eiscafé Europa“ von Enis Maci und, wild durcheinander, eine Reihe von Gedichtbänden, momentan v.a. von Gertrud Kolmar, Ossip Mandelstam, Wisława Symborska, Christoph Wenzel.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich kenne die Rolle, die ich spiele, nicht. / Ich weiß nur, sie ist unauswechselbar mein.“ (Wisława Symborska : „Ein Leben im Handumdrehen“, aus „Die große Zahl“, übersetzt von Karl Dedecius)

Gabriel Wolkenfeld, Schriftsteller

Vielen Dank für das Interview lieber Gabriel, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Gabriel Wolkenfeld, Schriftsteller

Fotos_Gabriel Wolkenfeld

7.10.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ganze Landstriche“ Hung-min Krämer, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Wuppertal/D 21.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Ganze Landstriche

Im Innern der Welt

Vögel fallen

Empathie

Psychopathen

Entweder Oder eine

Ausnahme von Zuständen Ausnahmezustand

Chrysanthemen auf dem Beistelltisch

Enzymketten gesprengt

Asche zu Asche aber nicht so

Cremefarbene Wetterverhältnisse

Halt

Auf Autobahnen

Nicht wenden

Chlor wird in Gruben geschüttet

Etwas fehlt schon zu lange



Hung-min Krämer   _ 18.9.2022

Hung-min Krämer, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Hung-min Krämer, Schriftstellerin

Foto_Simone Scharbert

Walter Pobaschnig _ 2.9.2022.

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