„Mein Hundemund“ Werner Schwab, fulminant mutige Inszenierung am Werk X-Petersplatz, Wien, 27.4.19.

„Mein Hundemund“ Werner Schwab am Werk X-Petersplatz, Wien, 27.4.19.

Hundemund _ 3

Sein Bein und viel mehr an Seele blieb im Krieg. Fortgerissen. Jetzt ist es ein Kriechen, Verstecken und Warten auf das Ende zwischen all dem Müll, der sich in schweren schwarzen Säcken türmt wie die Macht und Ohnmacht eines Lebens in dieser vollen leeren Welt. Die Kraft fehlt ihm, um neue Lebensziele zu erkennen oder zu gewinnen. Für ihn und für alle um ihn ist alles längst verloren…

 

Hundemund _ 2

 

Seine Frau versucht ihn verzweifelt an seinen Platz und seine Aufgabe in Beruf und Familie zu erinnern. Doch er kann längst nicht mehr. Es ist ein Requiem der Resignation und ein Manifest der Anklage, das er starr zwischen Blut und Gedächtnis spricht, flüstert und schreiend wiederholt. Der Schmerz menschlicher Natur holt sich hier alles und auch seinem Sohn gelingt es nicht, seine Aufmerksamkeit zu motivieren. Doch bevor er seinen Abschied nimmt, müssen Frau und Sohn, Himmel und Erde seine sprachliche Wut und Wucht ertragen. Draußen warten die Hunde und da sein Schmerz – der Blitz und Donner endloser Nacht. Bis zur Grabesstille zwischen einer Handvoll Erde oder was davon noch übrig ist…

 

Hundemund _ 1

Alexandru Weinberger-Bara inszeniert das sprachgewaltige Werner Schwab Stück „Mein Hundemund“ (Uraufführung 1992, Schauspielhaus Wien) als existentielles Requiem in einer erdrückenden Welt, die, in Geschichte und Gegenwart, jeglichen Lebensimpuls zerstört. Mittels eines eindrücklichen Kostüm-und Bühnenbildes, in welchem Müllberge zentral Bewegung einengen und damit bestimmen, hebt der Regisseur in einem wagemutigen Kunstgriff die wuchtige kritische Ansprache Schwabs in einen Kontext globaler Herausforderungen des 21.Jahrhunderts.

Hundemund _ 5

 

Ein Wagnis, welches Regisseur Weinberger-Bara hier eingeht und dem zu gratulieren ist. Es ist ein höchst beachtlicher dramatischer Transfer und öffnet mutig wie anspruchsvoll Möglichkeiten zeitgenössischen Theaters in Ansprache und Dialog von Bühne und Publikum. So war Schwab noch nie zu hören und vor allem zu sehen.

Jens-Ole Schmieder, mit sensationell eindrücklichen Spiel, wie das Ensemble mit Sonja Kreibich und Benjamin Vanyek setzen diese aufmerksame Inszenierung in bester Schauspielkunst um.

Ebenso ist das Kostümbild hervorzuheben – Antoaneta Stereva trifft die Inszenierung großartig, insbesondere auch Mutter und Sohn als Abbild in Kleidung und Style der 1980er Jahre. Hervorragend auch Musik/Sound_David Lipp und die Technik/Regieassistenz – Andreas Stockinger.

 

„Bahnbrechendes Theater, welches die Sprachwucht Werner Schwabs an den globalen Fragestellungen und Friedhöfen der Gegenwart fulminant ankommen lässt.“

 

„Mein Hundemund“ Werner Schwab

Inszenierung Alexandru Weinberger-Bara

Weitere Vorstellungen: 2., 3., 4., 8., 9. und 10.5.2019, jeweils 20h.

Werk X-Petersplatz, Petersplatz 1, 1010 Wien.

Hundemund _ 4

 

 

Walter Pobaschnig, Wien 4_2019

https://literaturoutdoors.com

 

Alle Fotos_Walter Pobaschnig

 

 

 

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