„Geschoss – Gewissen“ Michael Hedwig_ Künstler_Give Peace A Chance _Wien 14.3.2022

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Geschoss

Inspektorenmarke

Vorderlader

Expansivgeschoss

Pistole

Elektrozündung

Anschlag

Colt

Einheitspatrone

Abzug

Cook off

Handfeuerwaffe

Ausreißer

Nitroglyzerin

Center fire

Entladehammer

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Gewissen

Individuelle Freiheit

Verantwortung

Ethik

Prinzip der Freiheit

Entwicklung

Anspruch

Charakter

Empathie

Anderssein

Charakterbildung

Hilfsbereitschaft

Allgemeine Wertvorstellung

Norm

Charakterstärke

Eigenverantwortung

Michael Hedwig_ 13.3.2022

Michael Hedwig_ Künstler

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Michael Hedwig_ Künstler_Wien

https://www.hedwig.at/

Foto_Simina Badea.

Walter Pobaschnig _ 13.3.2022.

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„Aufruhr der Meerestiere“ Marie Gamillscheg. Roman. Luchterhand Verlag

Da ist das Leben. Das Jetzt. Der Beruf als Meeresbiologin. Der Hörsaal. Fern der Herkunft. Hier im Institut ist es eine „Insel“ – „Luise wollte jemand sein, an dem man sich erinnerte. Luise war eine Insel…“.

Mensch und Tier steht im Mittelpunkt ihres Forscherlebens. Die Metamorphosen, die Angst. Lebensräume, die sich teilen, verteidigen, bekämpfen…alltäglich und über Zeitepochen…

Und wo ist Luise darin? Fragen. Wo komme ich hier? Bin ich geworden? Was sind meine Verwandlungen…Noch verborgen.

„Man wächst auf. Eine Mutter, ein Vater, zwei Kinder. Ein Bub, ein Mädchen.“

Eine Reise beginnt…an den Meeresboden der eigenen Herkunft…ein Aufruhr in Erinnerung und Gegenwart…

Wo wird es hinführen? Wo wird es enden?…Was bleibt von der Insel?

Marie Gamillscheg, in Berlin lebende österreichische Schriftstellerin, 2018 mit dem österreichischen Buchpreis Debüt ausgezeichnet, legt mit „Aufruhr der Meerestiere“ einen beeindruckenden Entwicklungs-Roman vor, der in der spannenden wie poetischen Verschlungenheit metaphorisch-assoziativen Erzählens begeistert und gängige Literatur Genres sprengt.

Es ist ein einzigartiger Stil, der Möglichkeiten modernen Schreibens auslotet und gleichsam ein neues Genre kreiert. Gamillscheg setzt hier im einzigartigen Kunstgriff das Stilmittel Sprache, um Fragen von Identität und Lebenswegen zu thematisieren. Das gekonnte wie überraschende Spiel literarischer Möglichkeiten erzeugt ein vielseitiges, ganz besonders Lese- und Literaturerlebnis.

„Marie Gamillscheg erschafft die Welt der Sprache neu. Ein Ereignis.“

Walter Pobaschnig 3_22

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„Es gibt kein Licht in Tschornjanka“ Günter Vallaster_Give Peace A Chance_Schriftsteller_Wien 14.3.2022

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Grodek / Horodok

Ist wieder

Voller „düstrer Sonne“

Ein letzter Vers von Georg Trakl

Panzerspuren im Schlamm der RasputiNza

Eine Marschrutka

Aus Tschornjanka zwischen

Cherson und Melitopol wartet mit zerbrochnen Scheiben

Es gibt kein Licht in Tschornjanka

An der Wiege der Moderne

Chor „dyr bul shchyl“ auf der Flucht nach

Hyläa, dem Biosphären- und Kunstblätterwald

Alexej Krutschonych, David und Wladimir Burliuk, Wladimir Majakowskij

Nicht zu vergessenBenedikt Liwschiz, Wassilij Kamenskij, Velimir Chlebnikov

Chor der Kunst, verfolgt, vertrieben, vereinnahmt vom völkischen Wahn, auch

Elena Guro, die in Piter nur „zwei Wörter“ in die Kamera hielt

Günter Vallaster  _ 13.3.2022

Günter Vallaster  _Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Günter Vallaster  _Schriftsteller_Wien

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Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 13.3.2022.

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„bei Ebbe der Hoffnung zu lauschen“ Jacqueline Forster-Zigerli, Autorin_Give Peace A Chance _Lausanne/Schweiz 14.3.2022

Give peace a chance

Geh und sprich ein Gebet für den Frieden.

Immer ist Blumenzeit die Einladung zur

Vergebung.

Erinnern wir, wie

Persönlich in uns Friede geschieht, wie die

Erde leuchtet, wenn wir einen

Apfelbaum pflanzen oder eine

Christrose, die das Versprechen

Einlösen vom

Anfang, der immer möglich ist in

Cadiz oder China. Mitten in Dir ist es

Himmel und Zeit die

Ahnen zu ehren, bei

Null anzufangen in jedem Moment, beim Hören der Klänge von

Chopin, bei

Ebbe der Hoffnung zu lauschen.

Jacqueline Forster-Zigerli, 13.3.2022

Jacqueline Forster-Zigerli, Autorin

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Jacqueline Forster-Zigerli, Autorin_Lausanne/Schweiz

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Walter Pobaschnig _ 12.3.2022.

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„Chöre, preist das Leben, nicht den Tod“ Eva Filip _Schriftstellerin_Give Peace A Chance_Göppingen/D 14.3.2022

GIVE PEACE A CHANCE

G rauenhaft

I st

V ölkermord,

E in Krieg kennt nur Verlierer.

P otentaten dieser Welt

E s ist Zeit!

A uf einer Erde leben wir alle,

C höre, preist das Leben, nicht den Tod.

E s ist Zeit, den Wahnsinn zu stoppen,

A uf Gewalt zu verzichten.

C aritas und Liebe

H alten die Welt zusammen,

A chtung und Respekt,

N iemals Hass und Gewalt.

C hronos, stopp die Uhr des Krieges, gib

E ine Chance dem Frieden!

Eva Filip, 12.3.2022

Eva Filip _Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Eva Filip _Schriftstellerin_Göppingen/D

Eva Filip. Autorin | KLAK VerlagKLAK Verlag

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Walter Pobaschnig _ 13.3.2022.

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„Literatur soll darüber erzählen, was geschieht, was den Menschen zustößt“ Wilhelm Kuehs, Schriftsteller _ Völkermarkt 14.3.2022

Lieber Wilhelm, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich mache mir einen Kaffee und sehe mir die Nachrichten an. Dann recherchiere ich für ein neues Projekt, und am Abend kehre ich zu den Nachrichten zurück.

Der Krieg in der Ukraine überschattet das tägliche Tun auf eine andere Weise, als etwa die Corona Epidemie. Es ist eine unmittelbar von Menschen gemachte Katastrophe. Das nährt die Hoffnung, dass der von Putin begonnene Krieg auch  durch menschliche Anstrengung bald beendet werden könnte. Doch das ist ein bisschen naiv. Es gibt so etwas wie eine Dynamik des Krieges, und uns wird dieser Konflikt noch lange begleiten.

Wilhelm Kuehs, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich nicht von den Bildern des Krieges überwältigen lassen, und sich gleichzeitig bewusst bleiben, welcher Schrecken sich gerade abspielt. Das scheint mir jetzt entscheidend

Der Krieg in der Ukraine, die anhaltende Epidemie, die Klimakrise und die zahlreichen Konflikte auf der Welt, über die nicht oder nicht sehr prominent berichtet wird, könnten einen in die Verzweiflung treiben. Doch sie können auch Anlass sein, sich damit auseinanderzusetzen und sich dort einzubringen, wo es möglich ist.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Literatur hat den großen Vorzug gleichermaßen für Klarheit und Differenzierung sorgen zu können. Das ist ihre eigentliche Aufgabe in Zeiten des Kriegsgeschreis und der Vereinfachung. Sie soll darüber erzählen, was geschieht, was den Menschen zustößt. Denn mit der Erzählung ist es möglich, in andere Welten und Leben eintauchen. Das fördert den Perspektivenwechsel und die Empathie. Für die LeserInnen und für die AutorInnen kann das ein Weg der Hoffnung sein. Allerdings birgt Literatur auch immer die Gefahr, selbst Teil und Werkzeug der Propaganda zu werden.

Was liest Du derzeit?

Umberto Eco, Auf den Schultern von Riesen – Das Schöne, die Lüge und das Geheimnis.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Weil wir schon bei Umberto Eco sind, möchte ich auf seine 14 Thesen zum Ur-Faschismus hinweisen. Die Lektüre ist gerade jetzt erhellend und zeigt, wie die Denkbewegungen mancher Entscheidungsträger funktionieren und vor welchen ideologischen Herausforderungen wir stehen.

„Für den Ur-Faschismus gibt es keinen Kampf ums Überleben, sondern eher ein ‚Leben für den Kampf‘. Daher ist Pazifismus Kollaboration mit dem Feind. Pazifismus ist schlecht, weil das Leben ein permanenter Krieg ist. Das erzeugt jedoch einen Armageddon-Komplex. Da die Feinde besiegt werden müssen und können, muss es einen Endkampf geben, nach dem die Bewegung die Weltherrschaft antreten wird. Eine solche ‚Endlösung‘ impliziert jedoch eine anschließende Zeit des Friedens, ein Goldenes Zeitalter, das im Widerspruch zum Prinzip des permanenten Krieges steht. Keinem faschistischen Führer ist es jemals gelungen, diesen Widerspruch aufzulösen.“

 Umberto Eco. „Der immerwährende Faschismus“, in „Vier moralische Schriften“

Vielen Dank für das Interview lieber Wilhelm, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Wilhelm Kuehs, Schriftsteller

Foto_Melanie Kuehs

12.3.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Irgendeine Hoffnung für ALLE, an die keiner glaubt“ Pola Polanski, Schriftstellerin_Give Peace A Chance_Stuttgart 13.3.2022

G

Ansammlung pittoresker Gegebenheiten/schwarzes Notizbuch 46 / 9. März 2022

Meine Stimme

verhallt nicht in einer Halle, sondern in einem Kellerloch.

Weiterschreiben im Loch bis irgendjemand irgendetwas hört.

Viel zu viel Zeugs im Kopf, das ich nicht niederschreiben

kann. Doch, …. heute gibt es

irgendeine Hoffnung für ALLE, an die keiner glaubt.

I

V

E

P

E

A

C

E

A

C

H

A

N

C

E

Pola Polanski, 13.3.2022

Pola Polanski, Schriftstellerin, Künstlerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Pola Polanski, Schriftstellerin, Künstlerin_Stuttgart

Romane

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 13.3.2022.

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„Hol sie / aus Mariupol / Nachts wenn Neros / Clowns / Erstarren“ Angelika Stallhofer, Schriftstellerin_Wien 14.3.2022

Give peace a chance

Granaten in

Ihrer Straße zerschellen die

Vasen der Ton schrill

Entstellt ihre Brust

Pustet

Eilt ihr zu

Atem

Cherubim

Eil Löwe

Aus Federn und

Chrom

Hol sie

Aus Mariupol

Nachts wenn Neros

Clowns

Erstarren

Angelika Stallhofer, 13.3.2022

Angelika Stallhofer, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Angelika Stallhofer  __Schriftstellerin_Wien.

http://www.angelikastallhofer.at/

Foto_www.detailsinn.st.

Walter Pobaschnig _ 13.3.2022.

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„FRIEDEN MYR MIR“ Ivana Kampus, Schriftstellerin_Give Peace A Chance_Tösching/Tesinja/AT

  

FRIEDEN

     MYR

        MIR

    PACE

    FRED

        PEACE

  AMANI

Jedes Wort hat einen Buchstaben des deutschen Wortes Frieden_der Reihe nach in dt., ukrainisch, slowenisch, italienisch, norwegisch, englisch, Suaheli!

Ivana Kampus, 13.3.2022

Ivana Kampus, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Ivana Kampus, Schriftstellerin_Tösching/Tesinja/AT

Ivana Kampuš – Der Kärntner Schriftsteller Verband (kaerntner-schriftsteller.at)

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 13.3.2022.

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„Romy Schneider wollte auf Kriege und deren Folgen auf ihre Art reagieren“ 40. Todesjahr Romy Schneider _ im Gespräch_Autor Günter Krenn _ Wien 13.3.2022

Maria Lohn, Schauspielerin _Wien_
acting Romy Schneider _
40.Todesjahr Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris)

Sehr geehrter Herr Krenn, es sind herausfordernde Tage in Krieg, Zerstörung, Fluchtbewegungen wie Friedensbemühungen für die Welt. Hat sich Romy Schneider zu Kriegen wie politischen Spannungen Ihrer Zeit geäußert bzw. Position bezogen?

Es ist schwer, in Worte zu fassen, was man angesichts von so viel Leid, das so vielen Menschen völlig unnötigerweise zugefügt wird, empfindet. Krieg ist ein großer, abstrakter Begriff, der für manche immer noch eigentümlich attraktiv „parfümiert“ zu sein scheint. In Wirklichkeit umschreibt er nur eine Tortur für viele einzelne Menschen, die ihnen völlig unverdientermaßen zugefügt wird. Solche Einzelschicksale wiederum waren etwas, das die Schauspielerin Romy Schneider interessierte. Sie wollte auf Kriege und deren Folgen auf ihre Art reagieren, indem sie den Menschen in ihren Filmen ein Gesicht, einen Namen, ein Schicksal gab. Um uns damit zu berühren und auf das Leid der/des Einzelnen hinzuweisen.

Günter Krenn, Autor, Österreichisches Filmmuseum

Romy Schneider ist 1938 geboren und hat den II. Weltkrieg als Kind erlebt. Hat Sie darüber gesprochen bzw. dies thematisiert – etwa in Filmprojekten?

Ja, das hat sie und es war ihr auch besonders wichtig. Wie wenig andere Schauspielerinnen und Schauspieler ihrer Generation hat sie sich dem Thema sehr früh gestellt und nie davon abgelassen. Beispiele dafür sind Filme wie „Der Kardinal“, „Le train – Nur ein Hauch von Glück“, „Das alte Gewehr“, „Gruppenbild mit Dame“ oder „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“. Letzterer, der gleichzeitig ihr letzter Film war, ging sogar auf ihre Initiative zurück. Sie hatte das gleichnamige Buch von Joseph Kessel gelesen und wollte es unbedingt umsetzen lassen.

Wie ging Romy Schneider mit Ihrer Familiengeschichte in der Zeit des II. Weltkrieges um?

Was ihren Vater betrifft, so sind mir keine Äußerungen Romy Schneiders bekannt, damit dürfte sie sich nicht befasst haben. Vielleicht wusste sie auch zu wenig darüber. Mit Magda Schneiders Filmtätigkeit im Dritten Reich ging sie sehr wohl kritisch um. Man kann sich vorstellen, dass es am Familienanwesen in der Schönau zu einigen Diskussionen kam. Inwieweit Magda Schneider ihrer Tochter ihre Sicht der Dinge verständlich machen konnte, kann man nur erahnen.

Wie kam es zu dem Buchprojekt „Romy Schneider – Die Biografie“?

Ich bin eigentlich zu dem Stoff überredet worden. Zwei deutsche Kollegen von der Kinemathek in Berlin haben mich dem Aufbau-Verlag vorgeschlagen, um eine Biographie über Romy Schneider zu schreiben. Ich war mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich das kann und wollte reagieren, wie es für einen Österreicher typisch ist: Möglichst höflich nein sagen. Das hat bei meinen deutschen Kollegen aber nicht funktioniert… Im Nachhinein bin ich ihnen für ihre Beharrlichkeit sehr dankbar.

Wie gestaltete sich der Entstehungsprozess? Welche Schwerpunkte zu Leben und Werk wurden gesetzt?

Ich habe mir, bevor ich mit der Arbeit begann, angesehen, was es bislang an Büchern zu Romy Schneider gab und bemerkt, dass diese nicht gut recherchiert waren. Auch hatte sich davor niemand die Mühe gemacht, sich wirklich alle Filme anzusehen, in denen Romy Schneider mitwirkt. Das habe ich gemacht, mit der Ausnahme des Fragments von „L‘Enfer“. Das wurde zu der Zeit gerade rekonstruiert und war für die Außenwelt nicht zugänglich. Insgesamt war es mir sehr wichtig, Romy Schneiders Leben und Arbeit in einen historisch korrekten Zusammenhang zu bringen. Es sind schließlich unterschiedliche Voraussetzungen, ob man beispielsweise einen Film im Deutschland der 1950er Jahre oder im Frankreich der 1970er Jahre dreht. Mir war auch wichtig, meine Hauptperson nicht zu vereinnahmen, sie nicht zu „meiner Romy“ zu machen, die sie ja nicht ist, sondern mich ihr empathisch, aber in respektvoller Distanz zu nähern.

Welche biographischen Materialien haben Sie für Ihr Buch herangezogen?

Ich habe alle Dokumente studiert, die verfügbar waren. Manche befinden sich heute leider im Besitz einer, sagen wir so: nicht ganz unkomplizierten außerfamiliären „Nachlassverwalterin“ von Magda Schneiders Besitz. Diverse Zeitschriften boten Details, die längst vergessen waren und natürlich führte ich Gespräche mit Zeitzeugen. Das war allerdings in Frankreich schwierig, da zu jener Zeit manche aus dem Umfeld Romy Schneiders noch mit niemandem reden wollten, der aus Österreich oder Deutschland kam. Man hatte nicht vergessen, wie unfreundlich Romy Schneider von Teilen der deutschsprachigen Presse zeitlebens behandelt wurde.

Ihr Buch ist in zwei Kapitel unterteilt, die im Jahr 1964 einen Übergang finden. Warum haben Sie dieses Jahr gewählt?

Ich hatte das Gefühl, dass sich diese „Grenze“ anbot, da nach dem Ende der Beziehung zu Alain Delon ein neuer Lebensabschnitt für Romy Schneider begann. Kindheit, Jugend und der kometenartige Aufstieg durch den „Sissi“-Erfolg lagen hinter ihr. Die Perspektive war nicht sehr erfreulich, denn die internationale Karriere stagnierte, eine wichtige Beziehung war zerbrochen, in beides hatte sie große Hoffnung gesetzt. Diese Zäsur machte das Jahr für mich so signifikant und zur idealen Brücke hin zum zweiten Abschnitt ihres Lebens.

Sie stellen ein Interview-Zitat Romy Schneiders „Ich bin eine unglückliche Frau von 42 Jahren und heiße Romy Schneider“ (1981) an den Beginn Ihres Buches. Warum wählten Sie dieses zentral aus?

Es ist ein berühmtes Zitat aus einem vielzitierten Interview, das sie in ihren letzten Lebensjahren gab und umschreibt ihre damalige Situation wohl recht genau. Es schien mir ein guter Einstieg zu sein, eine dramatische „Ist-Situation“, von der aus ich ihr Leben Revue passieren lassen konnte. Es besteht dadurch zwar ein bisschen die Gefahr, ihr Leben unter einem rein tragischen Aspekt zu sehen, wie andere das gerne tun, aber ich denke, ich habe das durch meine Darstellung von Leben und Werk insgesamt korrigiert.

Welche Beziehung hatte Romy Schneider zu Ihren Lebensorten Wien, Berlin, Paris?

Wien ist die Stadt, in der sie geboren wurde und später Filme drehte oder wohnte, wenn sie ihre Familie besuchte. Ein Ort für sentimentale Erinnerungen, zu dem sie immer ein gutes Verhältnis behielt. Berlin war einige Jahre ihr Wohnort, an dem auch einige ihrer Filme entstanden. Auch zu dieser Stadt empfand sie große emotionale Verbundenheit. Paris war der Lebensmittelpunkt und wohl der Ort, mit dem sie insgesamt am stärksten in Verbindung trat. Alle drei genannten Städte waren ihr wichtig. Es ist oft so: Wenn man eine Stadt aufmerksam betrachtet, öffnet einem das auch die Augen für andere schöne Orte.

Was waren Beweggründe für Romy Schneider in jungen Jahren nach Paris zu ziehen und hier bis zu Ihrem Tod zu bleiben?

Zunächst war es der Ort, wohin sie Alain Delon folgte, um dort mit ihm zu leben. Sie wäre dafür wohl überall hin gegangen, aber nach Paris zu fliehen fiel ihr leicht, denn sie war in die Stadt, die sie bereits von Filmaufnahmen her kannte, fast ebenso verliebt wie in Delon. Nach einem Zwischenspiel in Deutschland war es dann wieder Paris, wo Romy Schneider anfangs auf Zeit und dann schließlich bis an ihr Lebensende wohnte. Da die meisten Filmangebote in den späteren Jahren aus Frankreich kamen, war es sinnvoll, dort zu leben. Und sie tat es auch gern.

Überlegte Romy Schneider wieder in Wien zu leben?

Ich denke, sie sah ihren Lebensmittelpunkt in Frankreich, in oder rund um Paris, wollte dort den Rest ihres Lebens verbringen. Wien blieb der Ort, an den sie gerne reiste, wo sie Familie und Freunde hatte, die mit ihr Erinnerungen teilten.

Wie waren die Umstände Ihres Todes?

Es wurde von Anfang an viel darüber spekuliert, ob sie Selbstmord begangen hat. Ich denke eher, dass ihr Körper einfach kapitulierte. Das vielzitierte „gebrochene Herz“ scheint mir eine passende poetische Umschreibung. Es gab zu viel psychischen Stress davor und eine ungesunde Mischung aus Alkohol und Tabletten, die für den geschwächten Körper zu viel war. Der Zusammenbruch hätte sich auch einige Zeit früher oder später ereignen können. Sehr schön war die Entscheidung des untersuchenden Pariser Staatsanwalts, der keine Obduktion anordnete – was heute natürlich undenkbar wäre! – und Romy Schneider ihren Tod als ihr Geheimnis beließ.

Das Buch enthält auch einen ausführlichen ganz besonderen Bildteil. Wie kam es dazu und wie schwierig war es diese Fotos zu finden und auch veröffentlichen zu können?

Es ist im Falle von Romy Schneider ziemlich schwierig, Bildmaterial zu finden, das noch nicht so bekannt ist. Ich staune auch immer, wie viele Fotos in ihrem doch recht kurzen Leben von Romy Schneider offenbar gemacht wurden! Bei diesem, meinem ersten Buch kam sehr viel Material aus den Sammlungen der Deutschen Kinemathek, aus Zeitungsarchiven und privaten Quellen. Die Rechteinhaber sind teilweise schwer zu eruieren. In einem Falle meldete sich ein Fotograf, der das Bild gemacht hatte. In so einem Fall hat man sofort Angst vor Nachzahlungsforderungen. Allerdings stellte sich heraus, dass er selbst keine Kopie des Fotos mehr hatte und lediglich eine von uns erbat…

Romy Schneider wurde sehr oft, auch privat, fotografiert? Wie kam es dazu und welche Einstellung hatte die Schauspielerin zu dieser Form der Öffentlichkeit?

Abgesehen von indiskreten Paparazzi-Fotos, die vor allem in den letzten Jahren ihr Leben belasteten, war sie jemand, der sich eigentlich gerne fotografieren lassen wollte. Fotografen wie Robert Lebeck bestätigen, dass sie dabei auch selbst kreativ wurde, Dinge ausprobierte, sich inszenierte und inszenieren ließ. Aber eben mit ihrem Einverständnis, auf freier Basis.

Fotografierte Romy Schneider auch selbst?

Darüber weiß man wenig. Ich denke, außer ein paar Privatfotos, die sie selbst machte, hat sie sich wohl eher fotografieren lassen. Es war offenbar auch fast immer jemand zugegen, um Fotos von ihr zu machen…

Worüber konnte Romy Schneider lachen?

Sie war ein heiterer Mensch, hat gerne gelacht und das durchaus auch über sich selbst. Wenn man vom „Mythos Romy Schneider“ schreibt, so muss man bedenken, dass sie sich selbst absolut ohne Mysterium sah. Im Gegenteil. Sie lachte gerne über sich selbst, etwa, wenn sie meinte, sie hätte Knie wie der Fußballer Franz Beckenbauer. Oder sie beschreibt sich ihrem Bruder gegenüber auf einem Foto von der Kur aus Quiberon, auf dem sie in seltsamer Haltung im Bademantel zu sehen ist, als „vornehme Arscherlhalterin“. Sie hatte also zu sich selbst zeitlebens ein sehr entspanntes Verhältnis. Nur ihre Arbeit, die wollte sie ernst genommen wissen.

Was hat Sie bei diesem Buchprojekt an Romy Schneider am meisten überrascht?

Mir ist ihr Fleiß bewusst geworden, ihr großer Ehrgeiz, sich bei der Arbeit fordern zu lassen, einen schweren künstlerischen Weg zu gehen, es sich nicht leicht zu machen. Sie wollte sich ständig verbessern, mit guten Regisseuren arbeiten, sich unter ihrer Anleitung schwierigen Stoffen stellen. Das finde ich sehr imponierend.

Sind weitere Projekte zu Romy Schneider geplant?

Ich glaube, nach drei Büchern sollte ich mich dezent von dem Thema zurückziehen… Voller Respekt vor einer bemerkenswerten Frau allerdings.

Vielen Dank für das Interview!

Sehr gerne! Danke für Ihr Interesse!

Im Gespräch_Autor Günter Krenn

Zur Person: Günter Krenn, geboren 1961, Studium der Philosophie und Theaterwissenschaft an der Universität Wien. Zahlreiche Publikationen zum Film u. a. über Billy Wilder, Louise Brooks und Walter Reisch. Er lebt in Wien und ist dort Mitarbeiter des Österreichischen Filmmuseums. 
Im Aufbau Verlag ist „Die Welt ist Bühne. Karl-Heinz Böhm. Die Biographie“ lieferbar und im Aufbau Taschenbuch „Romy Schneider. Die Biographie“ sowie „Romy & Alain. Eine Amour fou“. (Text_Aufbau Verlag)

Günter Krenn, Romy Schneider – Die Biographie, Aufbau Verlag

https://www.aufbau-verlage.de/aufbau-taschenbuch/romy-schneider/978-3-7466-7067-6

Walter Pobaschnig 3_22

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