Da ist Roswitha und der Arbeitskollege, der beim ersten Date in der Champagnerbar seine Geldtasche vergisst. Danach kein Kuss und auch dann nichts weiter. Dann die Nachricht, dass Sascha nicht mehr in der Firma ist. Roswitha liest in seinem Notizbuch im Büro, dass er auch Geld aus ihrer Kaffeekasse genommen hat. Und dann sieht sie ihn wieder…
Und da ist Mathilde und Paulus. Im Urlaub. Doch jetzt will Mathilde nicht mitgehen am Weg. Und Paulus geht allein, weiter und weiter, bis er zurückkehrt und alles anders ist…
Da war Milli und drei schöne Tage…
Und dann die Erinnerung an die Gruppenreise mit den Eltern zu Ostern nach Ägypten. Und da war Christine. Und das Gartenfest…und…
Daniel Wisser, österreichischer Schriftsteller und Musiker, ausgezeichnet 2018 mit dem Österreichischen Buchpreis, legt mit „Die erfundene Frau“ einen Erzählband mit 22 Kurzgeschichten vor, die in ihrer direkten, rasanten Sprachform wie der Variation begeistern.
Wisser öffnet Erfahrungsrealitäten von Begegnung, Beziehung und Liebe in schonungsloser Offenheit und Abgründigkeit menschlicher Sehnsucht und dessen Scheiterns. Es ist ein Bild des Menschen in aller Zerbrechlichkeit wie auch Einmaligkeit. Die Liebe wird zum Spielbild von Fülle und Leere eines Lebens. Einer Bewegung, in der nichts sicher aber alles möglich ist, in Licht und Schatten. Der Mensch und die Liebe sind was sie sind. Und Daniel Wisser erzählt unvergleichlich davon.
„Daniel Wisser zerfetzt die dichten Romantikschleier der Liebe und rettet sie damit – vielleicht.“
Neophytischer Niedergang, notständiges No Man´s Land, so
carry me
„Engelhäuser‟ –
So nannte ich die Häuser, die mir in E. begegneten, als ich noch keine vier Jahre auf der Welt war. Zuvor war ein Urteil gefällt worden. Wir waren zurückgekehrt in die Geburtsstadt meiner Mutter, zurück in der DDR. Ich fühlte mich entführt aus dem Paradiesgarten meiner Großeltern, der mein ganzes kindliches Sehnen und Wachsen bestimmte. Es waren die Häuser am so genannten „Ring“, die mir meine Mutter gleich zu Anfang zeigte mit all den reichen Stuckgesichtern und mein Ich war sich sicher: darin müssen Engel wohnen, Menschen dürfen das nicht. Meine erste Erinnerung profunder Zerstörung ist mit diesen nun jenseitigen Engelhäusern, die ich, sooft ich nur konnte, zu sehen verlangte, bis heute verbunden. So nahm mich meine Mutter auch mit, sie alle anzusehen, als sie abgerissen wurden. Die Abrissbirne schwang über ihnen und zerschmetterte die liebgewonnenen steinernen Engel-Gesichter, meinen Halt in der fremden Stadt. Am nächsten Tag sollte ich mit anderen Kindern des Kindergartens das Lied „Überall, wohin man schaut, wird aufgebaut“ singen. ̶
Ich weigerte mich.
Julia Kulewatz, 26.3.2022
Julia Kulewatz _Schriftstellerin, Literaturwissenschafterin, Verlagsleitung bei kul-ja! publishing
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Julia Kulewatz _Schriftstellerin, Literaturwissenschafterin, Verlagsleitung bei kul-ja! publishing
At the moment when I’m not around for concerts and I’m not teaching at the conservatory of Venezia I study music, I read a lot and I play basketball, I try to take care of my mind, my soul and my body…
Andrea Massaria, musician
What`s now particularly important for all of us?
In this very difficult period for all of us in my opinion is very important not to allow problems and circumstances to interrupt our journey … focus on our lives and move in the direction in which we want to go and build a future that is worth fighting for …
New start, new beginning. What will be essential and which roles will music and art play?
I answer you talking about my trio’s conception…I love playing in a trio and I love non-idiomatic improvisation in a trio… …the trio is a „poor“ formation where the „color“ is almost completely missing …. and for me it is something very similar to black and white photography… …and, just as black and white photography suggests much more than reality, not by showing it but by pointing it out, so the trio suggests much more than timbres and their richness, not by making them heard but only imagined… ..one finds oneself (I find myself) improvising in a trio, in a sort of limbo where reality, things, feelings are suspended…suspended, not cancelled as music for trio does not forget reality but suspends it momentarily while keeping it always present… …the real is there, behind the door…you can perceive it…but fortunately, in the not fictitious and honest improvisations, this aspiration to perfection is never realized… …the art of the unspoken and the suggested is the true essence of the black and white trio….the role of the art…
What are you reading?
I am currently reading „Beyond Biocentrism“ by Rober Lanza and „Wabi Sabi“ by Tomas Navarro
Which quote, text will you propose to us?
Two quotes of mine…the worst enemy of efficiency is a lack of limits…and…getting what you set out to do isn’t as important as the kind of person you’ve become in pursuit of it….
Andrea Massaria, musician
Thank you very much for the Interview, dear Andrea, much success for your wonderful music projects, all the best in these days!
Liebe Jacqueline, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Jeder Tag sieht bei mir anders aus. Wenn man als freiberufliche Schauspielerin und Theaterpädagogin arbeitet, so wie ich, dann arbeitet man projektorientiert. Selbst während der doch eher ruhigeren Phasen der Lockdowns war ich stets herausgefordert meine alten Gewohnheiten über Bord zu werfen, umzudenken und umzustrukturieren. Trotz allem habe ich bemerkt, dass obwohl in dieser Zeit viele neue digitale Formate entstanden sind, die Menschen doch sehr froh waren, sich dann wieder im echten Leben sehen zu dürfen und miteinander arbeiten zu können.
Derzeit arbeite ich gerade an meinem Abschlussprojekt für die Universität der Künste in Berlin. Das biografisch-dokumentarische Projekt soll eine kritische Auseinandersetzung werden, die in weiterer Folge, ausgehend von der weiblichen Identität, verschiedene persönliche Verlusterlebnisse von zehn Frauen in eine partizipatorische Inszenierung beziehungsweise performative Intervention einfließen lassen soll.
Jacqueline Sattler, Schauspielerin und Theaterpädagogin _ Wien/Berlin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wir müssen gerade alle mit der Situation zurechtkommen, dass wir im Begriff sind unser kollektives Sicherheitsgefühl zu verlieren. Derzeit stecken wir in einem riesigen Vakuum fest und denken, dass diese Ohnmacht, die uns übermannt, nie wieder enden wird. In den Medien jagt eine globale Katastrophe die andere. Die immer wieder vor uns hergeschobene Klimakrise wurde von der aktuellen Pandemie ebenso abgelöst, wie jetzt die Pandemie von einem Krieg mitten in Europa. Wie bei jedem Verlust durchwandern wir verschiedene schmerzhafte Phasen. Wir dürfen in diesem Bewältigungsprozess jedoch nicht in der Depression verharren. Wir müssen aufhören uns kleinzumachen und endlich anfangen Verantwortung zu übernehmen. Ich denke, es ist wichtig, dass Räume geschaffen werden, in denen wir uns alle zusammensetzen und wieder lernen uns besser zuzuhören. Jede*r von uns hat Ängste, Sorgen aber auch Sehnsüchte. Oft stimmen diese überein, auch wenn wir das am Anfang gar nicht vermuten würden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Was mich gerade sehr berührt ist, dass im Moment die Gemeinschaft in unserer Gesellschaft wieder in den Fokus rückt. Nach dieser langen Durststrecke sehnen sich die Menschen wieder danach, gemeinsam ins Theater zu gehen und mit anderen im selben Raum zu sitzen und ihre Erlebnisse zu teilen. Aber nicht nur im Passiven, sondern auch im Aktiven sehe ich einen Trend, der weg von hierarchischen Strukturen hin zu einem vermehrten kollektiven Handeln führt.
Wir Kunstschaffende setzen uns größtenteils das Ziel, den Ist-Zustand abzubilden und damit zum Nachdenken anzuregen. Ich denke, es ist Zeit, dass wir in die Zukunft sehen und damit einen Wandel in Gang bringen. Wir alle sind jetzt herausgefordert, selbst anzupacken und utopische Projekte in die Realität umzusetzen — und das kann nur gemeinsam klappen.
Was liest Du derzeit?
„Über Menschen” von Juli Zeh- ein Buch über den Versuch Mensch zu sein in dieser doch recht überfordernden unmittelbaren Gegenwart.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Ich halte es nicht für erforderlich, genau zu wissen, was ich bin. Das Wichtigste im Leben und in der Arbeit ist, etwas zu werden, was man am Anfang nicht war.” (Michel Foucault)
Vielen Dank für das Interview liebe Jacqueline, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Jacqueline Sattler, Schauspielerin und Theaterpädagogin _ Wien/Berlin
Foto_Jeremy Spieß.
24.3.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Gehen wir nachhause In den Augen Vadims wimpernschwarz Ein Hof und ein Baum – nur noch Stamm
Packen wir Sachen Einen Arm eine Hand einen Hund Auch der Nachbar waffenschwer Codes in Sand und Meer Ebbezeit wird schäumen
Am lebendigen Leib
Comebacks sind immer sauschwer Halt, wenn wir in die Augen gehen, An, wo die Brücke schwingt Nimm dein Herz ins Schaukeln Campieren im Hof wo Ein Rest Stamm Baum