Liebe Sabrina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Bunt, abwechslungsreich und organisiert. Ich beginne mit mir und balanciere dann zwischen Sprechaufnahmen, Castings, Rollenvorbereitung, Coachings, Menschen, Hunde und Pferd.
Sabrina Worsch, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich denke dasselbe wie immer: Sich selbst vertrauen und verzeihen lernen um dies auch mit seinen Mitmenschen zu können.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich glaube es ist immer wichtig mit Neugier und einem konkreten Ziel vor Augen in die Zukunft zu blicken. Es steckt viel Energie in einer Krise, die wir alle individuell und gemeinsam produktiv nutzen können, sodass sie uns motiviert neue Ideen und Wissen in die Tat umzusetzen. Als Schauspielerin ist es mir wichtig Geschichten zu erzählen, die zeitlos sind und die Kraft besitzen Empathie für Fremdes zu erwecken. Wenn es der Kunst gelingt Menschen zu inspirieren ihre eigene Kreativität einzusetzen, dann hat sie ihre Aufgabe erfüllt. Und mit Kreativität meine ich unser aller zur Verfügung stehende Veranlagung eigenständig, offen und spontan zu sein – sei es arbeitstechnisch, zwischenmenschlich oder rein gedanklich mit sich selbst.
Was liest Du derzeit?
Reiten nur mit Sitzhilfe – Ausbildung von Pferd und Reiter.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Nie entscheidet bei einem schöpferischen Menschen, wovon er ausgegangen, sondern einzig, wohin er gelangt ist. (Stefan Zweig)
Sabrina Worsch, Schauspielerin
Vielen Dank für das Interview, liebe Sabrina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Da ist der Händedruck mit Rechtsanwalt Dr.Gehringer. Ein Kräftemessen. Wie das Bewerbungsgespräch. Die erste Hürde scheint geschafft. Dann das Warten danach. Auf den Anruf…und die Gedanken…
Am Weg aus der Rechtsanwaltskanzlei geht er zum offenen Bücherschrank. Ein Geben und Nehmen. Wie im Gespräch vorhin. Er greift nach dem Buch. Doch neben ihm eine Stimme. Ein Besitzanspruch darauf. Ein Wort. Ein Blick. Klaudia…
Und dann geht der Weg weiter. Gemeinsam. In Beruf, Recht und Leben, Liebe. Venedig, Wien…Stationen, Momente des Alltäglichen und Besonderen…bis zum letzten Willen.
Markus Grundtner, Schriftsteller und Jurist, legt mit „Die Dringlichkeit der Dinge“ ein Romandebüt vor, in dem das Leben in allen Facetten direkt, turbulent, spannend, unterhaltsam und tiefgründig zu Wort kommt. Der Wiener Schriftsteller versteht es einmalig Leserin und Leser in eine Lebensgeschichte und dessen Stationen, Herausforderungen und Wirrungen mitzunehmen und gleichsam zu ermöglichen, mittendrin zu sein.
Es ist ein besonders Sprachflorett in Stil und Inhalt, das Grundtner gekonnt führt und damit zu überraschen wie zu begeistern weiß. Hier traut jemand der Sprache alles zu und die Sprache gibt dies tausendmal in eindringlichen Sprachbildern von Lebenssituationen, Erfahrungen und Erlebnissen, zurück.
„Ein Romandebüt, das beeindruckender und mutiger nicht sein könnte!“
„…meine Urgroßmutter war Köchin beim Linzer Bischof, eine meiner Tanten war eine exzellente Pfarrerköchin…“ diese christliche Familientradition in der Verbindung von religiösem Leben und der dazugehörigen Festkulinarik erweitert und vertieft die Psychologin, Ethnologin, Paar- und Familientherapeutin, Renate Riedler-Singer, in dem vorliegenden Buch, das Kultur-, Religions- wie Kochgeschichte wunderbar verbindet, auf eindrucksvolle Weise.
Es ist ein spannender wie vielseitig überraschender Rundgang durch das christliche Kirchenjahr und dessen inhaltlichen wie kulinarischen Stationen. Die Autorin hat hier umfassende Recherchearbeit geleistet und fördert dabei wahre Schätze der christlichen Kochkunst zutage und auch liefert auch kompakte Rezeptanleitungen dazu.
Dabei sind die kulinarischen Highlights auch sprachlich ein Leckerbissen wie etwa „Gefallener Engel“ , „Versüßtes Fegefeuer“ oder „Herrgottsb`scheißerle“. Diese kulinarisch-christlichen Geheimnisse zu ergründen, dazu lädt das Buch wunderbar ein – und vor allem diese auch zu verkosten.
Hervorzuheben ist auch wiederum die großartige graphische Gestaltung in Bild und Wort des Verlages – auch das ein Genuss!
„Eine ganz außergewöhnliche sinnliche Rundreise durch Kirche und Küche übers Jahr“
Wesentlich verändert sieht mein Tagesablauf nicht aus. Ich arbeite für den Eichborn Verlag in Köln und durch Corona hat sich – wie in vielen Unternehmen – das Arbeiten von Zuhause aus etabliert. Ich bin dankbar, dass uns dies ermöglicht wurde, aber inzwischen fahre ich wieder fast jeden Tag in den Verlag und genieße es sehr, einen Arbeitsweg zu haben, durch die Stadt zu radeln und am Kaffeeautomaten Kolleginnen und Kollegen zu begegnen. Ansonsten schreibe ich für meinen Literaturblog Kaffeehaussitzer zwei bis drei Beiträge im Monat – auch das hat sich nicht verändert und gab mir in den Zeiten des Lockdown Halt und Struktur. Der Blog ist seit über acht Jahren ein wichtiger Bestandteil meines Lebens.
Uwe Kalkowski, Literaturblogger
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Innerhalb des Kulturbetriebs ist die Literaturbranche – gesamt betrachtet – recht stabil durch die Krise gekommen. Hart war es aber besonders für Autorinnen und Autoren, deren Debütromane mitten in der Zeit der Ladenschließungen und abgesagten Veranstaltungen erschienen sind. Überhaupt Veranstaltungen: Lesungen digital zu besuchen mag zu Beginn der Coronakrise ein Ersatz gewesen sein, inzwischen hat sich das nach meinem Empfinden etwas abgenutzt, zumal auch die Monetarisierung stets das Problem digitaler Auftritte ist. Nun sind Live-Events wieder möglich, wenn auch mit Einschränkungen. Aber genau jetzt ist es besonders wichtig, jede Möglichkeit zum Besuch einer kulturellen Veranstaltung zu nutzen, die sich bietet. Um die auftretenden Künstlerinnen und Künstler zu unterstützen und um ein Zeichen dafür zu setzen, wie wichtig die Kunst in all ihren Facetten für unser Leben ist.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ohne eine flächendeckende Impfung gegen Covid19 wird es kein Zurück zur Normalität, wird es keinen gesellschaftlichen Aufbruch geben. Das Bekämpfen und Eindämmen von Krankheiten mittels eines Impfstoffs ist eine der großen Leistungen der Menschheit. Impfungen haben dafür gesorgt, dass wir heute nicht mehr durch Polio, Keuchhusten, Diphterie oder Pocken gefährdet sind, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die momentan grassierende Wissenschaftsskepsis verbunden mit diffusen Ängsten oder kruden Verschwörungsmythen halte ich für eines unserer größten Probleme und nicht nur Künstlerinnen und Künstler sollten nicht müde werden, gegen diese Skepsis anzugehen. Das ist für mich eine der wesentlichen Aufgaben unserer Zeit und genauso wichtig wie ein Engagement gegen rechte Populisten – zumal die Überschneidungen hier sehr groß sind. #ImpfenSchuetzt ist der Hashtag der Stunde.
Was liest Du derzeit?
Gerade habe ich das Buch »Februar 33: Der Winter der Literatur« von Uwe Wittstock beendet. Er schildert darin die Auswirkungen der nationalsozialistischen Machtübernahme auf die deutsche Literaturszene. Innerhalb von wenigen Wochen verwandelte sich im Februar 1933 das Land in eine Diktatur, in der die Jagd auf Andersdenkende eröffnet war. Anhand von Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und anderen Zeitzeugnissen rekonstruiert der Autor die dramatischen Ereignisse und bringt uns die persönlichen Erlebnisse vieler betroffener Schriftsteller sehr nahe. Und beschreibt, wie schnell sich alles ändern kann und es dann nur noch darum geht, das eigene Leben zu retten. Ein wichtiges Buch.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Einer meiner Lieblingsorte ist der Dorotheenstädtische Friedhof in Berlin. Er ist eine kleine Oase der Ruhe mitten in der Stadt. Und wirkt wie ein Who is who der deutschen Kulturgeschichte; man kommt an den Gräbern von Hegel und Fichte vorbei, von Bertolt Brecht und Helene Weigel, Heinrich Mann, Schinkel, Schadow, Anna Seghers, Wolfgang Hilbig, Christa Wolf und vielen anderen. Besonders beeindruckend finde ich den Grabstein von Herbert Marcuse, denn neben seinem Namen und den Lebensdaten ist noch ein einziges Wort eingraviert, tröstlich und ermutigend gleichzeitig:
Weitermachen!
Vielen Dank für das Interview lieber Uwe, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Blogprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Uwe Kalkowski, Literaturblogger
Foto_privat.
1.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
G egebene tatsachen und I m falle von zweifel an dingen wie der echtheit von regen V erlierst du nach und nach den verstand wie durch einen grobgestrickten beutel E inen korb fallen die tage heraus stundenbündel P apierene minuten auf denen ein kapitel leben steht notierst du in E inzelnen roten buchstaben gleis und ankunftszeit für alles was einem nicht mehr gehört eine A uswahl an katzen kindern und hüten eine tüte brot seife und C ornflakes schweigen ist eine frage des ausdrucks geworden das tägliche wort unauffindbar die A usbleibende fähigkeit über die farbe des himmels zu sprechen ohne darin spuren zu suchen die C hronologie des verstehens ist immer nur etwas für danach jetzt H äuft sich staub auf etwas das einmal warm war A ngesichts von unsichtbarem vertrauen wir den eigenen augen nicht mehr auch die atemkraft leidet N achhaltig es bietet sich deshalb an den körper zurückzulassen vielleicht findet man sich selbst wieder unter einer C hiffre in der tageszeitung eines anderen landes bis dahin reist man mit kleinem gepäck in E infacher strecke
Ich glaube uns nicht. Ich glaube dir nicht, ich glaube mir nicht, während wir in dieser Brühe schwimmen und dabei denken, wir seien ehrlich. Wir sind es nicht.
Verdammt, was hat man davon. Das hat man davon: unregelmäßiges Zwitschern zwischen den Obstbäumen.
Eine flimmernde Sonne zwischen Landschaften, die ich nie sehen wollte. Diese tiefen Seen. Diese Abgründe. Diese Hügel. Nie wollte ich diese Hügel sehen und nie wollte ich, dass du sie siehst. Nie. Ehrlich, nie.
Perfide sind diese Landschaften, die Sonne bösartig, ich warne dich. Sie scheint überall. Sie steht auf dem Kopf und sie scheint so hell, dass wir nie wieder den Mond sehen können.
Eben jetzt, wo ich endlich gehen will, ist das Wasser so gelb. Als ich hineinstieg, dachte ich, es hätte eine andere Farbe. Schwarz. Grün oder blau. Darum hatte ich keine
Angst. Ich hatte tatsächlich keine Angst.
Chacun à son goût, höre ich dich rufen. Ich sehe dich. Ich kann dich sehen. Dort bist du. Du bist ganz klein, zwischen den Obstbäumen. Du bist kaum zu
erkennen, ich erkenne dich nur, weil ich weiß, dass du es bist. Du bist es doch.
Auch ich rufe: Ich schreibe alles auf, eins nach dem anderen. Die Obstbäume, die Sonne, die Landschaften, das Wasser.
Chronographisch werde ich alles notieren.
Hörst du mich? Du kannst deine entgleiste Sonne behalten. Behalt sie einfach. Ich weiß nicht, ob ich es bin, die ruft.
Aber es ist doch nur eine Sonne, antwortest du.
Nur eine Sonne.
C ’est la vie, höre ich mich rufen. Ganz klein stehst du dort zwischen den Obstbäumen und bist kaum zu erkennen. Unter meine Kopfhaut brennt die Sonne einen