Lieber Sven, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Um 7 Uhr aufstehen, Text lernen und Kaffee trinken bis um 9 Uhr. Von 10-15 Uhr Probe… dann nach Hause, was essen, Text lernen, im Garten arbeiten… um 18 Uhr am Theater sein, um 19:30 die Vorstellung spielen. Spätestens um 12 Uhr nachts ins Bett gehen.
Sven Sorring_Schauspieler, Komponist, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Bildung, Empathie … Weitermachen
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Geduld, Durchhaltevermögen! Theater: Theater kann ablenken, zum Denken anregen, spiegeln und reflektieren. Theater bietet Bildung.
Was liest Du derzeit?
Die Textbücher zu den Theaterstücken, die ich spiele (Thomas Bernhard)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Wenn du am Boden liegst, steh auf, und mach einfach weiter. Sei emphatisch, mitfühlend, und helfe anderen.
Vielen Dank für das Interview lieber Sven, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Sven Sorring_Schauspieler, Komponist, Schriftsteller
Lieber David, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
In der Frühe schreibe (und lese) ich. Später am Tag fahre ich gelegentlich noch zu Büchergesprächen ins WDR Funkhaus Köln. Sonst erledige ich Büroarbeit, bin verabredet (oder bei meiner bettlägerigen Mutter), mache Ausflüge (den Rhein stromabwärts genau wie stromaufwärts) und treffe mich abends mit Freunden zum Gespräch. Alle haben Examen in Philosophie – nur ich nicht J
David Eisermann, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
In Verbindung bleiben – gerade wegen der Einschränkungen, die uns durch die Corona-Krise auferlegt worden sind. Ansteckung vermeiden (schon aus Verantwortung gegenüber meinen Angehörigen).
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
„Vor einem Aufbruch“ haben die Menschen noch stets gestanden – so lange ich mich erinnern kann (und das ist lang). Wesentlich erscheinen mir heute die Versöhnung gesellschaftlicher Gegensätze (die bisweilen unvereinbar erscheinen) und die Umweltpolitik, die uns als Klimapolitik nicht nur vor technisch-wissenschafliche, sondern gerade auch vor gesellschaftliche Herausforderungen stellt. Literatur und Kunst allerdings lassen sich hier nicht in die Pflicht nehmen und sind frei.
Was liest Du derzeit?
Colm Tóibín, Der Zauberer [Originaltitel The Magician, 2021], übersetzt von Giovanni Bandini, München: Carl Hanser Verlag, 2021; 556 S.; 28 Euro; ISBN 978-3-446-27089-3.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Textimpuls“ Was Schreiben für uns bedeutet. Aus: Colm Tóibín, Der Zauberer [Originaltitel The Magician, 2021], übersetzt von Giovanni Bandini, München: Carl Hanser Verlag, 2021
[S. 39ff] Thomas war bewußt, daß Armin häufig von ihren Klassenkameraden wegen ihrer Freundschaft verspottet wurde. Er, Thomas, galt als jemand, dem die edleren männlichen Tugenden ermangelten, der zu sehr von sich eingenommen und zu sehr an Poesie interessiert war, sich zuviel auf die einstige Bedeutung seiner Familie in Lübeck zugutehielt. Er wußte, daß Armin das mit einem Lachen abtat und nicht einsah, warum er Thomas nicht als Freund behalten sollte. Es war offensichtlich, daß Armin ihn aufrichtig mochte. Dann würde es ihn doch wohl auch nicht überraschen, sollte Thomas ihm die Gedichte zeigen oder ihm auf andere Weise seine Gefühle offenbaren? […] Armin gab Thomas die Gedichte zurück und boxte ihm sanft und leicht spöttisch in die Brust. „Sieh zu, daß niemand diese Gedichte findet. Was dich angeht, haben sich meine Freunde schon eine Meinung gebildet, aber mein Ruf wäre ruiniert.“ „Meine Gedichte bedeuten dir nichts?“ „Mir sind Schiffe lieber als Gedichte, und Mädchen lieber als Schiffe, und so solltest du es auch halten. Armin ging voraus. Als er zurückblickte und sah, daß Thomas noch immer die beschriebenen Blätter in der Hand hielt, lachte er. „Steck das Zeug weg, sonst sieht es noch jemand und schmeißt uns ins Wasser!“
Vielen Dank für das Interview lieber David, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
David Eisermann, Schriftsteller
Über mich:
Mein Buch „Crèvecoeur oder Die Erfindung Amerikas: ein literarischer Gründervater der Vereinigten Staaten“ (CMZ-Verlag, Rheinbach-Merzbach 1985 ISBN 3-922584-35-7) war die erste Studie über einen franko-amerikanischen Schriftsteller, der im amerikanischen Revolutionskrieg (1775-83) zwischen die Fronten geriet. Aus meiner Zusammenarbeit mit Florian Steinbiß resultierten zahlreiche Arbeiten für den literarischen Almanach „Der Rabe“ im Haffmans Verlag sowie der Dokumentarfilm „Propaganda Swing: Dr. Goebbels’ Jazz-Orchester“ für das Südwestfunk-Fernsehen. Bevor ich zwanzig Jahre als Moderator und Autor für das Kulturradio WDR3 gearbeitet habe, war ich Übersetzer aus dem Französischen und dem Englischen (u. a. „White Jazz“ von James Ellroy). Bis 2018 Vorsitzender des Vereins Literaturhaus Bonn. Seit 2020 erscheinen meine Texte in dem Literaturmagazin WORTSCHAU, herausgegeben von Johanna Hansen und Wolfgang Allinger. Ich bin Lehrbeauftragter an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität.
Mein neuer Text im Heft 38 der Zeitschrift WORTSCHAU ist angelegt als autofiktionaler Tagebucheintrag, in dem sich unvermutet die Geschichte eines Wiedersehens entwickelt. Eine breite, baumbestandene Straße steht gleichzeitig für Fernweh und die Frage, wie Sprache und Gedächtnis uns gegen die Endgültigkeit helfen mögen, die der Tod für uns bereithält. Erschienen im Literaturmagazin WORTSCHAU, Ausgabe 38: „Fernweh“, Oktober 2021, ISBN 978-3-944286-33-4
C chemie, ist sie das, die uns menschen verbindet? die chemie stimmt? nichts stimmt.
H hunger-grau sind die bilder. und schattig-braun. dabei ist frühling. und es sind nur bilder. die wahrheit ist vielerorts längst rot. rot-braun-krustig. risse wie auf den ölgemälden der alten meister. ein bild, kein abbild.
A aber
N nein. es gibt kein niemals. niemals ist nicht das gegenteil von immer
C c: abc-waffen-alarm. weißt du noch?
E ein friede. einfriedung. fremd sind wir uns. abc, als wenn man auf der tastatur klavier spielen lernte
Da ist der Wald. Die Dunkelheit. Die Stille. Wie ein Leben.
Und dann das Licht. Da und dort. Wenige Worte und dieselben.
Dann unter die Oberfläche gehen. Unter das Zugedeckte. Was war da? Was ist da? Wo war ich? Und was ist geschehen? Wurde mir angetan?
In meiner Kindheit. Und dann am Weg als Mädchen, Frau.
Und es geht weiter..
Die Uraufführung „Federn lassen“ nach der Novelle von Regina Düring in der Inszenierung von Anna Laner und Blanka Rádóczy, Bühne und Kostüm von Andrea Simeon, Sound&Video von Moritz Wallmüller, Assistenz von Elena Höbarth, gespielt von Birgit Stöger, Tamara Semzov und Thomas Kolle im Kosmos Theater Wien begeistert in einem genialen dramaturgischen Rhythmus von Schilderung, Aktion und Stille, der den literarischen Stoff einer weiblichen Biographie im Ausgeliefertsein an die dominierende patriarchale Welt von Männern, Räumen und Dingen großartig auf die Bühne schmettert und im Publikum in Dramatik und Betroffenheit mitreißend ankommt.
Die Spielpräsenz der hervorragenden Schauspieler*innen Birgit Stöger, Tamara Semzov und Thomas Kolle ist von Präzession in Sprache wie Körperausdruck geprägt und nimmt Bühnenbild und Requisiten in gleichsam unerträglicher Leichtigkeit des Seins mit ins dramatische dialogische Spiel und so wird im Swimming Pool die Ente, der Melonenschwimmreifen und die Seifenblasenmaschine zum Ausdruck der Ohnmacht im stockenden Erinnerungsimpuls. Diese patriarchale Macht der Dinge in das Spiel aufzunehmen und gleichsam in aller Dissonanz eines ohnmächtigen Lebens vielstimmig dramatisch klingen zu lassen, ist höchste Schauspielkunst.
Ebenso ist das Bühnen- und Kostümbild in Setting und Raumausdruck, Farbe und Struktur als Spiegel innerer Ambivalenz wunderbar gesetzt. Der Spielraum wechselt gleichsam immer wieder im Erzählen vom Leben zum (inneren) Tod. Das ist ein ganz besonderer Kunstgriff, der bestens gelingt.
„Ein Theaterabend, der in höchster Inszenierungs-, Spiel-, und Bühnenkunst dramatisch erschüttert wie begeistert“
FEDERN LASSEN _ Uraufführung Kosmos Theater Wien
nach der Novelle von Regina Dürig
In einer Bühnenfassung von Anna Laner & Blanka Rádóczy
Regie & Bühne: Blanka Rádóczy | Bühne & Kostüm: Andrea Simeon | Sound & Video: Moritz Wallmüller | Assistenz: Elena Höbarth | Dramaturgie: Anna Laner
Mit: Thomas Kolle, Tamara Semzov & Birgit Stöger
Premiere: Mi, 04. Mai. 2022 | 20:00
Uraufführung | Eigenproduktion
Dauer: ca. 75min
Weitere Spieltermine: Fr, 06. Mai., Sa, 07. Mai., Mi, 11. Mai., Do, 12.Mai, Fr, 13.Mai, Sa, 14.Mai, Mi 18.Mai, Do 19.Mai, Fr. 20.Mai, Sa. 21.Mai 2022
Kosmos Theater Siebensterngasse 42 1070 Wien/Vienna Austria
Zur täglichen Routine gehören in erster Linie Gesang und Gesangsübungen, Körperliche Ertüchtigung, mentale Training, Spiritualität. Zurzeit arbeite ich an meiner neuen CD, die im Frühling 2022 erscheinen wird. Ich bin Dozentin für Gesang an der Jam Music Lab Universität in Wien und bilde dort sehr viele junge Studenten im Bereich Jazz und Popularmusik weiter. Und nicht zu vergessen, sehr wichtig; mit Katzen rumhängen und kuscheln!
Maja Jaku, Sängerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Empathie, fühlen und spüren von Kräften, die man nicht sehen und tasten kann, Echtheit und Ehrlichkeit, im Jetzt zu leben und handeln, Komfortzone und sichere und vorgeschriebene Wege zu verlassen.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Die Musik hat für mich immer heilende und sogar weltverändernde Kräfte gehabt. So eine Seelennahrung brauchen wir gewiss fortwährend und zur jetzigen Zeit umso mehr.
Wir Künstler brauchen, besonders im Bereich Jazz, ein aktives Publikum für Live Auftritte da eine Symbiose die geben und nehmen heißt, nur auf diesem Wege entstehen kann.
Was liest Du derzeit?
Zurzeit lese ich wieder die „Bhagavad Gita“.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Wer sich nicht getraut hat, hat nicht wirklich gelebt“
Vielen Dank für das Interview liebe Maja viel Freude weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Liebe Claudia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf sieht ganz unterschiedlich aus. Morgens nach dem Aufstehen gönne ich mir meistens einen Kaffe, nehme mir ein paar Minuten für mich selbst, meditiere oder bewege mich und erledige dann Schritt für Schritt meine To Do’s, die ich mir für den jeweiligen Tag vorgenommen habe.
Mehrmals die Woche bin ich im Studio und arbeite an neuen Songs bzw. meinem Album. Ich würde lügen zu sagen, dass momentan jeder einzelne Tag höchstproduktiv ist, aber prinzipiell ist jeder meiner Tage so gefüllt, dass ich an meinen persönlichen Zielen arbeite und mit meinen Projekten vorankomme. Dazwischen koche ich mir gerne ein gutes Essen, gehe spazieren und abends schaue ich mir gerne eine Serie zum Abschalten an, oder lese ein Buch.
Syannah, Singer/Songwriterin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Meiner Meinung nach ist eines der wichtigsten Dinge momentan innere Ruhe zu bewahren und gut für sich selbst zu sorgen. Wir befinden uns in einem Ausnahmezustand und da ist alles leicht einmal überfordernd. Dabei ist es meiner Meinung nach essentiell sich in Selbstfürsorge zu üben, immer wieder mal 2 Schritte zurück zu gehen, anstatt 5 nach vorne und sich immer wieder einmal bewusst zu machen „Wie geht es mir gerade? Was brauche ich gerade? Was kann ich mir gerade Gutes tun?“. Ich glaube, dass innere Ruhe und ein guter Zugang zu sich selbst, vor allem in Krisenzeiten, extrem wichtig sind, um auch mit äußeren Umständen besser umgehen zu können.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Ich bin der Ansicht, dass ein gesunder Umgang mit sich selbst, aber auch klare Kommunikation nach Außen, Wertschätzung und ein respektvoller Umgang miteinander besonders wichtig sind. Gerade in Krisenzeiten führen Hass, Konflikt, und Spaltung zu keiner Lösung. Nicht alles ist immer nur schwarz oder weiß. Ich denke es geht um Verständnis sich selbst und anderen gegenüber, Offenheit für andere Meinungen, (innere) Balance, bewusste und klare Kommunikation, aber auch um gesunde Grenzen-Setzung —> man muss nicht alles emotional an sich heranlassen. Diese Punkte sind meiner Meinung nach eine wertvolle Basis für ein gesundes Miteinander, vor allem in Krisenzeiten.
Die Rolle der Musik ist dabei denke ich auch nicht zu unterschätzen – Musik verbindet. Durch Musik können Dinge ausgedrückt werden, die durch Sprache alleine oft nicht möglich sind. Und Musik kann auch, vor allem in schweren Zeiten ein enormer Halt für Menschen sein.
Was liest Du derzeit?
„Die 5 Sprachen der Liebe“ von Gary Chapman „Du bist das Placebo“ von Joe Dispenza
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
“Our heads are round so our thoughts can change direction” – Francis Picabia „Energie folgt der Aufmerksamkeit“ – Hawaiianische Weisheit „Let’s get back to the moment.“ – Syannah „We were Born to inspire!“ – Syannah
Vielen Dank für das Interview liebe Syannah, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!