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„Unbewusst greife ich“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort & Bild _ Ingrid Walter/Jasmin Avissar _ Wien 25.1.2026

Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin _ performing „Malina“ _
Station bei Malina/Romanschauplatz Wien _

Walter Pobaschnig 3/25, folgende.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text _   Ingrid Walter, SchriftstellerinKulturjournalistin

Performance Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin


UNDINE GEHT

Unbewusst greife ich

Notizbuch und Stift

Dichte

Ich

Nie zu

Ende

Ganz

Einfach scheint alles am

Hellen

Tag

 Ingrid Walter, 7.1.2026

Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin _ performing „Malina“ _
Station bei Malina/Romanschauplatz Wien _

Walter Pobaschnig 3/25

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

UNDINE GEHT _ Akrostichon

Text _   Ingrid Walter, SchriftstellerinKulturjournalistin

Performance Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin

Ingrid Walter, Kulturjournalistin, Schriftstellerin 
Jasmin Avissar und Walter Pobaschnig am „Löwentor Ivans“ _ Romanschauplatz Malina/Wien _ 3/25.

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Ingrid Walter, Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ 2/24 _ Walter Pobaschnig.

Fotos: Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin _ performing „Malina“ _
Station bei Malina/Romanschauplatz Wien _ 
Walter Pobaschnig 3/25.

Walter Pobaschnig   1_26

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„Ich war nicht zu empfindlich“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort & Bild _ Anja Knafl, Schriftstellerin _ Klagenfurt 24.1..2026

Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt _
performing _ „Undine geht“ / Donau/Wien _
Walter Pobaschnig, 9/24, folgende.
Ingeborg Bachmann auf der Terrasse der gemeinsamen Wohnung mit Max Frisch in Rom, 1962. Das Foto entstand kurz vor der traumatischen Trennung des Starpaares der Literatur _
Foto: Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Ingeborg _ Akrostichon

Text & Performance  _  Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt

INGEBORG

Ich war nicht zu empfindlich.

Nur zu genau.

Gewalt beginnt lange vor dem Schlag.

Es reicht ein Satz, der falsch gesetzt wird.

Bleiben ist keine Tugend.

Offenheit ein Risiko.

Rettung gibt es nicht – nur Erkenntnis.

Geschrieben ist, was gesagt werden musste.

Anja Knafl5.1.2026

Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt _
performing _ „Undine geht“ / Donau/Wien _
Walter Pobaschnig, 9/24, folgende.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Ingeborg _ Akrostichon

Text & Performance  _  Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt

Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Anja Knafl _ acting „Undin geht“ _ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 9/24.

Walter Pobaschnig   1_26

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„der Sog des „Ungargassenlandes““ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Ingrid Walter, Schriftstellerin _ Offenbach am Main 24.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Ingrid Walter

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962

Im Interview _  Ingrid Walter, Kulturjournalistin, Schriftstellerin

Liebe Ingrid, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ich bin tatsächlich durch die MALINA-Verfilmung 1991 mit der großartigen Isabelle Huppert in der Hauptrolle stärker auf Ingeborg Bachmann aufmerksam geworden. Das Kinoplakat, auf dem die Huppert so lässig eine Kippe im Mundwinkel hält, war wie eine Initialzündung für mich. Der Titel rot unterlegt, prangte über den Kinoeingängen Frankfurts. Ich sah den Film im Olympia in der Weißfrauenstraße. Das Drehbuch stammt ja von Elfriede Jelinek. Sie war durch ihren 1889 erschienen Roman „Lust“ skandalumwittert in aller Munde. Ich hatte in dem Jahr mein Studium der Germanistik an der Goethe-Universität begonnen und es gab in der Nähe einen „Frauenbuchladen“, in dem ich das Buch liegen sah – und daneben eine Ausgabe von Malina, die ich zwar kaufte, aber erst später las – als der Film herauskam. Für mich waren das neben Anaïs Nin, Simone de Beauvoir und Marguerite Duras erste feministische Stimmen. In ihren Büchern schrieben diese Frauen offen über ihr Verlangen, ihr Liebesleben – aber auch über Gewalt, die ihnen angetan worden war und die ihnen das Leben antat. Bisher kannte ich so eine Art des Schreibens nur von Männern wie Henry Miller.

Die Sprache Bachmanns, die jedes Wort sorgsam zu kauen schien, bevor sie es ausspie, zog mich sofort in ihren Bann. Die Handlung trat gegen die Personen in den Hintergrund, wurde nebensächlich. Vielmehr war das Empfinden und das Denken der Protagonistin im alltäglichen Leben wichtig. Das bewunderte ich.

Denn ich selbst begann gerade zu schreiben und suchte meinen eigenen Ton.

Ingrid Walter, Kulturjournalistin, Schriftstellerin _
Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ 2/24 _ Walter Pobaschnig, f.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ich sah zuerst den Film MALINA und las danach das Buch, das schon eine Weile bei mir im Bücherregal gestanden hatte. Doch bereits die ersten Sätze zogen mich hinein in dieses „Ungargassenland“, entfalteten einen regelrechten Sog. Der tagebuchartige Stil, der nichts vormachte, keiner Form folgte und keine Handlung erfand, sprach mich ungeheuer an, faszinierte mich. Ich war damals überzeugt davon, dass das Leben selbst genug Handlung bietet, dass man gar nichts erfinden müsse. Auch heute noch schreibe ich nah am Leben. Damals arbeitete ich an meinem ersten Roman, den ich nie beendete, weil das Studium mich bald ganz forderte. Die Protagonistin Carol entstammte meiner eigenen Arbeitswelt, einer großen Werbeagentur. Sie wechselte von Frankfurt nach Budapest, lernte eine völlig andere Welt kennen.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Bachmanns einziger Roman MALINA faszinierte mich gleich durch seine ungeformte Form. Ich las ihn immer mal wieder in unterschiedlichen Lebensphasen. Hin und wieder las ich nur hinein und fand mich sofort in diese graue zähle Stimmung, getragen von einem verzweifelten Sehnen hinein. Später las ich dann auch den Erzählband DAS DREISSIGSTE JAHR, weil das zu meinem eigenen Alter passte – und auch zu meinen wechselnden Gemütszuständen. Oft fand ich für mein eigenes Schreiben neben Studium und Job keinen Raum, fühlte mich schlecht und unnütz. Bereits Jahre zuvor war mir die Erzählung UNDINE GEHT begegnet, als wir uns auf dem Abendgymnasium mit der Gruppe 47 befassten. Wir sahen uns damals Aufnahmen der Lesungen an. Bachmanns klarer Vortrag, eine gewisse Tragik in der Stimme, der mir wie eine Anklage erschien, drang unvergesslich in mich ein. Auch Gedichte, wie „An die Sonne“ und „Exil“ sind mir von damals noch im Ohr. „Diese Worte, die ich halte, um mich als Haus…“ Eine Formulierung, die ich in meiner späteren Beschäftigung mit der deutschsprachigen Exilliteratur einige Male zitierte. Ich las Artikel von Sigrid Löffler, die sich mit Bachmanns Werk befassten, mit großem Interesse – und sah im TV regelmäßig „Das literarische Quartett“. Kurz, Bachmann und ihre Texte, ihre treffenden Bilder, tauchten in meiner literarischen Beschäftigung immer wieder auf.

Auch ihre Beziehung zu Italien sprach mich an, zumal ich selbst an der Uni  Italienisch lernte, formal als Lateinersatz, aber gleich mit viel Liebe und Sehnsucht. Ein Stipendium in Kalabrien 1990 tat ein Übriges dazu. Völlig verrückt fand ich Jahre später bei einer Recherchereise nach Rom heraus, dass ich eine Unterkunft in der Via Giulia, eine Dienstbotenwohnung im Palazzo Sacchetti gemietet hatte. Der Palazzo, in dem Bachmann gelebt hatte – wo sie bei jenem tragischen Brandunglück ums Leben kam und wo sich ihr chaotischer Nachlass fand. Aus dieser seltsamen Begegnung mit Bachmanns Leben und Tod möchte ich seit langem einen Text machen. Vielleicht schaffe ich das in diesem Jahr. Deshalb möchte ich mir unbedingt noch den Band „Senza Casa“ mit autobiografischen Skizzen besorgen, der 2024 erschienen ist. Ich erhoffe mir davon zusätzliche Inspiration.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Bachmann beleuchtete die zerstörerischen Aspekte einer patriarchalischen Welt und Sprache sowie die Rolle der Frau darin als eine der ersten, wobei ich viele ihrer Beobachtungen noch heute aktuell oder wieder aktuell finde. Rechte Ideologien sind europaweit auf dem Vormarsch, Gewalt gegen Frauen steigt stetig an, Sprache verroht zunehmend. Das sehen wir auch an den Shitstorms, denen Frauen auf Internetplattformen immer wieder ausgesetzt sind. Mit Befremden stelle ich dennoch eine rückläufige Entwicklung des Feminismus und einen wachsenden Antifeminismus in den Medien, auch unter Frauen, fest. Man denke nur auf den Trend des „Tradwife“ (Traditional Wife) auf Instagram. Aufklärung und Widerstand, wie von Bachmann gelebt und in ihrem Werk verewigt, erscheint als dauerhafte Aufgabe unserer Gesellschaft.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Ja, das empfinde ich zuweilen ähnlich, jedenfalls ist das Schreiben auch eine Form der persönlichen Auseinandersetzung mit sich selbst – das kann manchmal sehr anstrengend und auch zermürbend sein. Zugleich ist es beglückend. Die eigenen Ansichten und Verhaltensweisen, aber auch die Möglichkeiten der Sprache im Schreiben immer wieder zu hinterfragen, zu prüfen und auszuloten, betrachte ich als meine wichtigste Aufgabe im Schreiben. Auch die Arbeit daran, sich immer wieder einen eigenen Schreibraum im Alltag zu schaffen, hört scheinbar nie auf – und weibliche Autoren treibt diese Aufgabe stärker um als die männlichen Kollegen. Denn Frauen erledigen immer noch einen größeren Teil der Care-Arbeit im Alltag.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Was war Italien für dich? Wie hat Italien dein Lebensgefühl und dein Schreiben geprägt? Was war Wien dagegen für dich? Das Ungargassenland. Warst du heimatlos? Fühltest du dich verloren? Welches Werk hättest du gern noch zu Ende gebracht?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich habe gerade ein Romanmanuskript abgeschlossen, in dem sich eine Frau in der Pandemie-Phase von einem narzisstisch veranlagten Mann trennt. Diese Neigung verstärkt sich während der Pandemie, treibt ihn rechtem Gedankengut zu. Sie bucht ein One-Way-Ticket nach Sizilien auf der Suche nach ihrem Ich, nach Begegnungen mit Gleichgesinnten und einem Ort für sich, einem Haus, in dem sie leben, schreiben und kulturelle Projekte verwirklichen kann.

Außerdem gibt es einen Gedichtband, der bei einem Verlag liegt, von dem ich hoffe, dass er ihn in diesem Jahr veröffentlicht. Darin geht es ebenfalls um das Reisen und um poetische Selbstvergewisserung.

Und ich arbeite an einem Erzählband von Kaffeehausgeschichten, die alle in Wien spielen. Alltagsgeschichten, die nur in der besonderen Atmosphäre des Wiener Kaffeehauses gedeihen können.

Herzlichen Dank für das Interview!

Ingrid Walter, Kulturjournalistin, Schriftstellerin _
Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ 2/24 _ Walter Pobaschnig.

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Fotos: Ingrid Walter, Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ 2/24 _ Walter Pobaschnig.

Walter Pobaschnig   1_26

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„Und wieder das Wasser“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _ Verena Dolovai/Mara Christine Koppitsch _ Wien 23.1.2026

Mara Christine Koppitsch, Schauspielerin_Wien_
acting „Undine geht“ _ Erzählung_ Ingeborg Bachman
n _ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig, folgende

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

UNDINE GEHT_ Akrostichon

Text _  Verena Dolovai, Schriftstellerin

Performance Mara Christine Koppitsch, Schauspielerin

UNDINE GEHT

Und wieder das Wasser

Nicht schwindend

Die Gefahr

Im

Nass zu versinken

Entrückt


Gehen sie vorüber

Eilen weiter als

Hörten sie nicht den Gesang aus der

Tiefe der dunklen Seele


Verena Dolovai, 19.1.2026

Mara Christine Koppitsch, Schauspielerin_Wien_
acting „Undine geht“ _ Erzählung_ Ingeborg Bachman
n _
Donau/Wien _ Walter Pobaschnig

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962
 Verena Dolovai, Schriftstellerin _
Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ 1/26

Aktueller Roman von Verena Dolovai: „Dorf ohne Franz“ Septime Verlag.

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Foto: Verena Dolovai _ Walter Pobaschnig 1/26

Fotos: „Undine geht“ Mara Christine Koppitsch _ Wien/Donau _ Walter Pobaschnig 8/22.

Walter Pobaschnig 1/26

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„Schreiben als eine Form von Verantwortung“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Linda Treiber, Schriftstellerin _ Wien 23.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Linda Treiber

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf der Terrasse ihrer Wohnung/Bocca di leone,
Rom um 1971

Im Interview _ Linda Treiber, Schriftstellerin _ Wien

Liebe Linda, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Mein Zugang zu Ingeborg Bachmann ist zum einen ein sprachlicher und zum anderen ein biografischer. Bachmann reflektiert immer die Möglichkeiten und Grenzen der Sprache. Dichtung wird bei ihr zu einem Ort des Widerstands – aber auch des Scheiterns.

Zitat: „Was kann Sprache noch sagen, nachdem sie missbraucht wurde?“

Ingeborg Bachmanns Texte stehen oft auch in einem engen Dialog mit ihrem eigenen Leben: Kriegserfahrung, Krankheit, Liebesbeziehungen und ihr früher Tod prägen Motive wie Verletzbarkeit, Angst, Sprachverlust und Selbstbehauptung.

Linda Treiber, Schriftstellerin _ Wien

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ich denke, für Ingeborg Bachmann ist Schreiben kein ästhetisches Spiel, sondern eine Form von Verantwortung. Sie sieht genau hin und gibt dem Leid eine Stimme, auch dort, wo Sprache an ihre Grenzen stößt.

Persönliche Erfahrung wird zur allgemeinen existenziellen Frage.

Ihre Texte sind poetisch verdichtet und zugleich philosophisch reflektiert. Sie denken, argumentieren, fragen, zweifeln. Dadurch entziehen sie sich einfachen Deutungen.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Für mich sind vor allem ihre Essays und kleineren Schriften von Bedeutung. Zum Beispiel ihr Essay über Ludwig Wittgenstein war sehr aufschlussreich für mich. Aber auch Malina und das Gedicht „Die gestundete Zeit“ zählen für mich zu den wichtigsten und schönsten ihrer Arbeiten.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik hat auch heute höchste Relevanz. Bachmann zeigt, wie Sprachstrukturen patriarchale Herrschaft stabilisieren und Normalität suggerieren. Feminine Stimmen werden marginalisiert, die Selbstzerstörung folgt als resignative Reaktion. Besonders ihre Kritik an sprachlicher Gewalt und der Unterdrückung von Frauenstimmen trifft auch heute noch auf heftige Debatten. Ich denke dabei an verschiedene Anti-Gewalt-Bewegungen und Debatten über die Pflegearbeit.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Nein, Schreiben und Kunst sind nicht zwangsläufig eine Form persönlichen Martyriums. Kunst kann genauso gut Freude, Provokation oder ästhetische Erfahrung vermitteln.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte ihr gerne persönlich gedankt, für die großartigen Schriften, die sie der Menschheit hinterlassen hat.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich nutze die kalten Wintertage, um mich von einem arbeitsreichen Jahr zu erholen. Meine Arbeit für die Republik Kugelmugel steht auch 2026 im Vordergrund. Aber auch das Schreiben an meinem schon lange geplanten Buchprojekt möchte ich weiter vorantreiben.

Herzlichen Dank für das Interview!

Linda Treiber, Schriftstellerin _ Wien

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Fotos: Linda Treiber_ privat.

Walter Pobaschnig   1_26

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„Ingeborgs Schreiben war auf das Utopische, eine bessere Welt gerichtet“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Heinz und Sheila Bachmann _ Oxford/GB 22.1.2026

Heinz, Ingeborg und Sheila Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann_

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962 _ Heinz Bachmann

Im Interview _

Dr.Heinz Bachmann und Sheila Bachmann _ Bruder und Schwägerin von Ingeborg Bachmann, Heirat 1971, zwei Söhne, zwei Enkel, Oxford/GB.

Heinz und Sheila Bachmann, Oxford/GB (privat)
Heinz und Sheila Bachmann (Mitte) _ Hochzeit 7. August 1971 in London_
rechts neben Sheila Bachmann Ingeborg Bachmann.
Die Trauzeugen waren Graham und Sue Tarry.
(Familienarchiv Bachmann)
„Mein lieber Bruder…“
Heinz Bachmann und seine Schwester Ingeborg Bachmann,
Klagenfurt 1939 (Familienarchiv Bachmann)
Heinz Bachmann und Isolde Moser (geb.Bachmann), Schwester von Heinz und Ingeborg Bachmann _ im Garten des Elternhauses in der Henselstr./Klagenfurt bei der Übergabe an die Stadt Klagenfurt/Land Kärnten_ September 2021 _
…und glücklich bei der Eröffnung des Elternhauses als Museum _ Juni 2025
Ingeborg Bachmann Museum _ Klagenfurt
Sheila und Heinz Bachmann glücklich bei der Eröffnung des Ingeborg Bachmann Museums bei strahlendem Sonnenschein

Liebe Sheila, lieber Heinz, das große Ingeborg Bachmann Jubiläumsjahr hat begonnen. Wie habt Ihr Ruhe getankt nach den vielen Terminen 2025 und vor den bestimmt vielen kommenden Feierlichkeiten zum 100.Geburtstag Ingeborg Bachmanns, die Euch erwarten?

Wir sind noch nicht zur Ruhe gekommen und haben immer so viele Projekte, die uns daran hindern.

Dieses Jahr wird sehr abwechlungsreich. Im Februar habe ich schon einen Termin in Cambridge, dann füllt sich der Kalender rasch bis Ende Juni an und dann im Oktober wieder. Wir sind sehr gespannt.

Eröffnung des Ingeborg Bachmann Museums in Klagenfurt _ 27.6.2025, folgende

Auf welche Veranstaltungen freut Ihr Euch besonders und wie oft werdet Ihr selbst vor Ort sein?

Einige Orte sind noch nicht fix, aber in Klagenfurt haben wir für die “Geburtstagswoche” schon ein Zimmer reserviert, denn das wird eine ganz besondere Feier diesen Geburtstag zu begehen. Dazu noch die anderen wichtigen Veranstaltungen wie der Jugendwettbewerb, Literaturtage, IB Preis. Wir freuen uns schon sehr auf diese Woche und alle anderen Veranstaltungen.

Festabend zur Eröffnung des Ingeborg Bachmann Museums _
Stadttheater Klagenfurt _ 27.6.2025, folgende
Am Foto von links: Dr.Heinz Bachmann, Bruder von Ingeborg Bachmann, Andreas Babler, Vizekanzler der Republik Österreich, Sheila Bachmann, Frau von Heinz Bachmann, Dr.Peter Kaiser, Landeshauptmann von Kärnten, Christoph Bachmann, Sohn von Heinz und Sheela Bachmann.

Was schätzte Eure Schwester und Schwägerin Ingeborg Bachmann an Geburtstagsfeiern? Wie feierte sie gerne (etwa auch die Preisverleihungen)?

Zu den Geburtstagen waren wir in meiner Kindheit/Jugendzeit nicht so oft beisammen, weil unsere Geburtstage durch das Studienjahr ungünstig lagen und nachher waren wir oft geografisch weit auseinander. Es waren auch ziemlich bescheidene Feiern.

Fröhlicher Geburtstag von Isolde im Hause Bachmann _ Klagenfurt/Henselstr. _
Ingeborg Bachmann (links) und ihre jüngere Schwester Isolde Moser (geb.Bachmann *1928) _ (Familienarchiv Bachmann)

Preisverleihungen wurden immer mit großer Freude aufgenommen, denn Ingeborg wurde dadurch schon sehr früh berühmt. Leider war ich beim Büchnerpreis (1964 wurde der Büchnerpreis an Ingeborg Bachmann verliehen, Anm.) , den ich gerne erlebt hätte, nicht anwesend, sondern in der Zentralsahara.

Heinz Bachmann mit den Preisträger:innen der Tage deutschsprachiger Literatur in Klagenfurt _ Bachmannpreis 2025 für Natascha Gangl
Ingeborg _ Bachmannpreis

Lieber Heinz, die bekannteste und erfolgreichste Fotoserie von Ingeborg Bachmann wurde von Dir 1962 in Rom bei einem Familienbesuch angefertigt. Wie gestaltete sich dieses legendäre Fotoshooting für den Fotografen und die Fotografierte?

Diese Aufnahmen bereiten mir heute noch viel Freude. Mein Vater hatte mir den Apparat, eine Agfa Spiegelreflexkamera, erst kurz vorher geschenkt. Ich hatte damit wohl schon ziemlich viel experimentiert, aber Portraitaufnahmen zu machen war ein neuer Aspekt.

Ingeborg drückte mir nach unserer Ankunft in Rom drei schwarz-weiss- Filme in die Hand um neue Pressefotos zu machen. Meine Schwester gab mir gewisse Anleitungen Vordergrund, Hintergrund betreffend. Einige Aufnahmen waren meine Varianten zu Ingeborgs Anweisungen, so etwa das Foto beim Schachspiel oder vor dem Spiegel. Es machte uns Spaß eben etwas Neues auszuprobieren, teilweise in der Wohnung und bei unseren Spaziergängen durch Rom. Das war sehr erfolgreich, wie sich nach dem Entwickeln der Filme herausstellte.

Ingeborg Bachman, Rom 1962 _ Foto: Heinz Bachmann, folgende
Fotoausstellung „Wie ich meine Schwester in Rom sah“ _ Fotografien Heinz Bachmann _
zum 90.Geburtstag von Ingeborg Bachmann _ Musilmuseum Klagenfurt, 2016
Szenische Ausstellungseröffnung mit Heinz Bachmann und Isabella Jeschke, Schauspielerin _
25.6.2016 Musilmuseum Klagenfurt
Heinz und Sheila Bachmann (sitzend außen) Wien Juni 2016, Probe zur szenischen Ausstellungseröffnung „Ingeborg, wie ich meine Schwester in Rom sah – Fotografien Heinz Bachmann, 1962“ Musilhaus Klagenfurt/2016 _ mit Isabella Jeschke, Schauspielerin, und Walter Pobaschnig (Idee, Regie).
Fotoausstellung _ Heinz Bachmann „Meine Schwester Ingeborg“ _
Literaturhaus Salzburg _ 1/2020
(von links) Tomas Friedmann, Leiter Literaturhaus Salzburg, Ausstellungsorganisation; Magdalena Stieb, Salzburger Literaturforum/Verein Leselampe; Irene Fussl, Salzburger Bachmann Edition; Heinz Bachmann; Alexandra Schmidt, Frauenreferat Stadt Salzburg _ Initiatorin der Ausstellung; Walter Pobaschnig, Ausstellungsvermittlung/organisation.
Großes Publikumsinteresse bei der Vernissage 10.1.2020 Literaturhaus Salzburg
„Mein lieber Bruder, komm` nach Rom“
Szenische Eröffnung mit Heinz Bachmann und Olivia Pflegerl 
_
Text/Regie _ Walter Pobaschnig _ Literaturhaus Salzburg 1/2020

Was sind Deine schönsten Erinnerungen an Deine Schwester?

Vor allem die Treffen zu Weihnachten im Haus in der Henselstraße in Klagenfurt, und auch bei anderen Gelegenheiten in der Henselstraße. Ihre amüsanten Erzählungen, Anekdoten, die besonders unsere Abende füllten.

Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _
acting „Malina“ Ingeborg Bachmann _
Literatur outdoors 2022
Die wunderbare Natalie Maria Melanie Krainer, Schauspielerin, Sängerin, Schauspielerin_Klagenfurt _ acting _ „Drei Wege zum See“ _
Literatur outdoors 2024.

Später dann die Besuche in Rom, am Strand in Ostia, tanzen gehen im berühmten Piper Club, gut Essen gehen, ganz entspannt…Der letzte Besuch in Rom mit meiner Frau war etwas Besonderes und ich war natürlich froh, dass sie sich gut verstanden.

Heinz Bachmann _ Fotoausstellung/Literaturhaus Salzburg _ 1/2020

Sprach Deine Schwester auch privat viel über Ihr Schreiben bzw. Literatur? Welche Themen waren Ihr im Gespräch wichtig?

Mir sind natürlich die “späteren” Jahre besser in Erinnerung. Die Erzählungen “Das dreißigste Jahr”, die ihr viel bedeuteten, dann die Romanentwürfe aus denen sie im Familienkreis las, vor allem aus “Das Buch Franza” und schließlich der große Roman “Malina” mit Worten, dass sie endlich eine Lösung für den Todesartenkomplex gefunden hatte. Die Lösung war für sie die Vaterfigur um die Todesarten erzählen zu können.

Unsere Gespräche bezogen sich auf Filme, Musik, Erlebnisse, den Literaturbetrieb, Politik, sie war ja an allem interessiert. Natürlich auch das Studium, und dann mein Arbeitsleben, das auch etwas ungewöhnlich war, denn das waren ebenso mögliche Themen für ihr Schreiben.

Yvonne Brandstetter, Schauspielerin _
acting „Malina“ _ Literatur outdoors Projekt _ Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig _
Romanschauplatz _ Malina _ Wien, folgende

Woraus schöpfte Deine Schwester Kraft, welche Aktivitäten schätzte sie und worüber lachte sie gerne?

Schon unserem Vater war es wichtig zu wandern und in die Berge zu gehen. Diese Gewohnheit in Bewegung zu bleiben war auch meiner Schwester wichtig. Spaziergänge am Kreuzbergl, Schwimmen in Maria Loretto, in Ostia und auch in Rom im Schwimmbecken des Hilton Hotels. Sie ging auch gerne langlaufen, allerdings nicht in Klagenfurt, sondern in Baden Baden oder in der Schweiz. Natürlich lesen und Musik.

Das Lachen war ihr wichtig, das Lachen über sich selbst und ihre oder unsere kleinen Missgeschicke.

Bachmannweg _ Klagenfurt/Kreuzbergl
Die in Klagenfurt aufgewachsene Schriftstellerin Ingeborg Bachmann liebte bei ihren Besuchen in Klagenfurt lange Spaziergänge am nahen Kreuzbergl_
Foto Christina Wuga, Schauspielerin im szenischen Literaturprojekt „Drei Wege zum See – Ingeborg Bachmann outdoors“ 2015-20  (Idee/Regie _ Walter Pobaschnig) _
Am Weg der Erzählung in einer szenischen Wanderung „Drei Wege zum See“/ 2016/Klagenfurt/Walter Pobaschnig

Was macht für Dich die Literatur Deiner Schwester aus?

Das Positive, das Utopische auf eine bessere Welt gerichtet, und es gibt auch Komisches, was häufig vergessen oder übersehen wird. Sehr viel Ironie die “Condition humaine” betreffend.

Liebe Sheila, Ingeborg Bachmann war Trauzeugin bei Eurer Hochzeit in London 1971, wie war es für Dich als Britin in eine Kärntner Familie zu heiraten und wie hast Du Deine Schwägerin als Familienmenschen erlebt?

Ich fühlte mich in der Familie sehr willkommen, obwohl es anfangs nicht so einfach war, denn ich sprach kein Wort Deutsch. Ingeborgs Englisch war ausgezeichnet und wenn wir uns trafen, war sie herzlich, freundlich und half mir sehr. Sie war darum bemüht, dass ich mich wohlfühlen sollte. Die Eltern, die kein Englisch konnten, kümmerten sich sehr um mich und Mutter entwickelte sich zu einer geduldigen Deutschlehrerin.

Du warst nach dem so schweren Brandunfall Deiner Schwägerin in Rom im Krankenhaus bis zum Tod und den organisatorischen Aufgaben danach vor Ort. Wie hast Du diese so schweren Tage erlebt und wie gehst Du heute damit um?

Heinz und ich haben diese schwierige Zeit im Buch “Ingeborg Bachmann, meine Schwester”, versucht so genau wie möglich zu beschreiben. Es war sehr schwierig nach 50 Jahren das zu Papier zu bringen und ich kann dazu eigentlich nichts hinzufügen. Es tut mir immer noch weh daran zu denken und selbst nach so vielen Jahren fällt es mir sehr schwer darüber zu sprechen.

Erschienen am 31.08.2023, bereits in zweiter Auflage _
128 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-492-07250-2

Was schätzt Du besonders an der Literatur Deiner Schwägerin?

Ich sehe ihren Sinn für Ironie auch Humor in vielen Prosatexten. Manche ihrer Gedichte gefallen mir sehr, andere sind für mich aber schwer zu verstehen, da  Deutsch nicht meine Muttersprache ist und mir dadurch vieles entgeht.

Carmen Pratzner_Choreografin, Tänzerin, Tanzpädagogin –
performing Malina _
am Romanschauplatz_Wien
_ Literatur outdoors 2022

Wie werdet Ihr persönlich den 100.Geburtstag Ingeborg Bachmanns begehen?

Es ist wunderbar, dass Ingeborg so gefeiert wird, wir schätzen das sehr und leisten, wenn möglich einen Beitrag. Im kleinen Kreis der Familie werden wir das Grab besuchen und abends zusammen ein Glas in Erinnerung an schöne gemeinsame Zeiten trinken.

Sheila und Heinz Bachmann in der Ursulinenschule in Klagenfurt, die
Ingeborg Bachmann besuchte
. _ Foto _ Sommer 2025, folgendes
…joyfully back to school
Im Wappensaal _ Landhaus Klagenfurt
Erfrischung im Landhaushof Klagenfurt

Was wünscht Ihr Euch für das literarische Erbe Ingeborg Bachmanns?

Wir sehen, wie geschätzt und aktuell Ingeborgs Werk über die letzten 50 Jahren geblieben ist und wir freuen uns, dass auch junge Leute an ihrem Werk interessiert sind. Es wird bestehen bleiben und das ist uns natürlich wichtig.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962 _ Heinz Bachmann
Patricia Trageser, Schauspielerin _ Berlin _ performing
Malina _ Literatur outdoors
2022
Lara Sienczak _ Schauspielerin _ performing Malina _
Literatur outdoors 2022
Maxi Blaha, Schauspielerin_Wien_Ungargasse _
Malina _ Literatur outdoors _ 2022
Dagmar Bernhard, Schauspielerin _ acting Malina _
Romanschauplatz Malina_Wien
_
Literatur outdoors 2022

Herzlichen Dank für das Interview, liebe Sheila und lieber Heinz! Ein wunderbares Jubiläumsjahr in viel Freude und guter Kondition!

Heinz und Sheila Bachmann _ beim Heurigen in Wien, Juli 2023 _ mit dem frisch gedrucktem Buch _ „Ingeborg Bachmann, meine Schwester“ Heinz Bachmann/Piper Verlag _8/2023

Aktuelles Buch von Heinz Bachmann _

Erschienen _31.08.2023_
128 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
EAN 978-3-492-07250-2

Dr.Heinz Bachmann und Sheila Bachmann _ Bruder und Schwägerin von Ingeborg Bachmann, Heirat 1971, zwei Söhne, zwei Enkel, Oxford/GB.

Interview und alle Fotos (wenn nicht angegeben) _ Walter Pobaschnig 2020-25

Literatur outdoors 1/26

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„Ihre Kompromisslosigkeit und Unbestechlichkeit“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ im Interview _ Martin Meyer, Schriftsteller _ Scheinfeld/D 22.1.2026

 Martin Meyer _ Ingeborg Bachmann

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom, um 1971

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _  Martin Meyer, Schriftsteller _ Scheinfeld/Bayern

Lieber Martin, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

In dem Gymnasium im nordbayerischen Schweinfurt, an dem ich 1986 meine Matura ablegte, spielte die österreichische Literatur leider keine große Rolle, jedenfalls bei den Lehrern, die mich in Deutsch unterrichteten. Aber zumindest eines ihrer Gedichte lasen wir damals im Unterricht: „Reklame“. Und es ist bemerkenswert, dass ich den Ablauf der Schulstunde noch vor Augen habe, wie wir uns anhand der beiden Sprachbänder des Gedichts zum Kern seiner Aussage vorarbeiteten. Auch das „Böhmen-Gedicht“ könnten wir damals im Unterricht besprochen haben. Bachmanns Prosa lernte ich damals leider noch nicht kennen. An Autoren las ich, meist abseits der Schule, eher Joseph Roth, Friedrich Torberg, auch Stifter und Grillparzer.

Den aktuellen Zugang hast Du mir eröffnet, lieber Walter, in der Ungargasse, bei unserem inzwischen dritten Shooting. Zweimal war ich 2025 in Wien, das erste Mal im Jänner und eben beim Shooting im August. Beim ersten Besuch galt das Shooting Doderers „Strudlhofstiege“, aber just damals im Jänner gab das Volkstheater Ingeborg Bachmanns „Malina“ zum Besten, ein ganz neuer Blick auf die Autorin für mich und auf ihren leidenschaftlichen Kampf gegen das Patriarchat. In den ich mich erst finden musste, und recht betrachtet, fand ich erst zu unserem August-Shooting in der Ungargasse wirklich rein.

Martin Meyer, Schriftsteller _ performing „Ivan“ Malina_
Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Walter Pobaschnig 8/25, folgende

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Die Kompromisslosigkeit und Unbestechlichkeit der späten Prosa. Sie hat dort manche vor den Kopf gestoßen. Doch gerade dort ist sie ganz Ingeborg, darin hat sie ihr Thema gefasst. Inmitten ein geheimnisumwitterter Rest, Unschärfe, nur zwischen den Zeilen zu lesen. Es passt zu ihrer Vita und zu ihrem rätselhaft gebliebenen frühen Tod.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

„Malina“ ist vielleicht ihr kompromisslosestes und unbestechlichstes Werk. Man muss sich dem stellen, sich ganz hinein verkrallen, wie auch schon bei „Undine“, sonst tut man den Roman leicht als märchenhaft, abgehoben oder geschwätzig ab, wie es in der Literaturkritik tatsächlich geschah.

Womöglich bin ich dafür zu zart besaitet; daran mag es liegen, dass mich eher ihre Lyrik anspricht.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ist heute so aktuell wie eh und je, und das weiß die Welt nicht erst seit Donald Trump.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Ja. Schreiben ist einsam, sehr einsam, weil man nicht nur räumlich, sondern auch innerlich vereinsamt. Du ringst mit dir allein, denn letztlich schreibst du stets um dein Leben. Schreiben ist deswegen nicht nur einsam, sondern auch lebens-gefährlich.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Wieso sie letztendlich mit dem Gedichteschreiben fast ganz und gar aufgehört hat.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Aktuell schreibe ich an mehreren Kurzgeschichten über sehr unterschiedliche Themen, trotz Deadline ein angenehmer Ausgleichssport, der für mich mental weniger lebens-gefährlich ist und mir Raum lässt, mich neuen Großprojekten viel entspannter zu nähern, als es mir zuletzt auch familiärer Obliegenheiten wegen vergönnt war – gern mit einem Abstecher in weitere Genres als Krimi und Historischem Roman, vielleicht sogar ins dramatische Fach.

Herzlichen Dank für das Interview!

Martin Meyer, Schriftsteller _ performing „Ivan“ Malina_
Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Walter Pobaschnig 8/25, folgende

Aktueller Roman von Martin Meyer: „Die Orgelbauerin“ Gmeiner Verlag, 2024 https://literaturoutdoors.com/2024/10/24/die-orgelbauerin-martin-meyer-roman-gmeiner-verlag/

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, Rom, um 1970.

Fotos: Martin Meyer: Walter Pobaschnig _ Romanschauplatz „Malina“ _ Wien 8/25

Walter Pobaschnig   1_26

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„Ein starkes literarisches Ritual, das Sichtbarkeit ermöglicht“ 50 Jahre Bachmannpreis _ Sophie Reyer, Schriftstellerin _ Wien 21.1.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt _

Bachmannpreisnominierte 2025 _ Sophie Reyer

Im Interview _  Sophie Reyer, Schriftstellerin, Wien.

Liebe Sophie, welche Zugänge gibt es von Dir zum jährlichen Bachmannpreis (BP) in Klagenfurt, dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum?

Der Bachmannpreis ist für mich vor allem ein starkes literarisches Ritual: ein Ort der Sichtbarkeit, der Verdichtung, aber auch der Zuspitzung. Ich verfolge ihn seit vielen Jahren mit Interesse, manchmal mit Begeisterung, manchmal mit Skepsis. Mich fasziniert, dass dort Texte in einem öffentlichen Raum entstehen, der Urteil, Streit und Aufmerksamkeit bündelt. Gleichzeitig ist mir dieses Format nie ganz unschuldig erschienen – es produziert nicht nur Literatur, sondern auch Bilder von Autor:innenschaft, Erwartungen und Ausschlüsse. Mein Zugang ist daher ein beobachtender, fragender, kein affirmativer.

Preisverleihung _ Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt 2025 :
Die Bachmannpreisträgerin & BKS Publikumspreisträgerin Natascha Gangl (Mitte) _
Boris Schumansky (von links, weitere) – Deutschlandfunk Preis _
Tara Meister – Carinthischer Sommer Stipendium _
Almut Tina Schmidt – 3 sat Preis_
Nora Osiagobare – Kelag Preis.
mit Heinz Bachmann, Bruder von Ingeborg Bachmann (Mitte) _
Bachmannpreis 2025
Die Bachmannpreisträger:innen

Hast Du Dich schon einmal beworben bzw. hast Du es vor?  Wenn ja/nein, warum?

Nein, ich habe mich nie beworben, und ich habe es auch nicht vor. Ich weiß – oder glaube zu wissen –, dass man für den Bachmannpreis gefragt werden muss. Und dieses Wissen ist für mich nicht nebensächlich, sondern zentral. Es verweist auf Strukturen, auf Netzwerke, auf Sichtbarkeit, die nicht allein mit Textqualität zu tun haben. Ich habe mich entschieden, meinen Weg ohne diese Form der Bewerbung zu gehen, auch weil ich mir meine literarische Arbeit nicht an ein solches Auswahl- und Bewertungssystem binden wollte.

gespannte Erwartung vor der Auslosung der Lesereihenfolge

Du bist Schriftstellerin und auch Universitätslehrende, wie siehst Du das Setting des BP und welches Bewusstsein, welche Vorbereitung brauchen Schriftsteller:innen, wenn sie sich dieser Herausforderung und der Kritik/Bewertung stellen?

Das Setting des Bachmannpreises verlangt ein hohes Maß an Selbstreflexion. Wer dort liest, stellt nicht nur einen Text vor, sondern sich selbst als Figur im literarischen Betrieb. Man braucht ein Bewusstsein dafür, dass Kritik dort performativ ist, öffentlich, manchmal gnadenlos. Vorbereitung heißt für mich daher nicht nur Textarbeit, sondern auch mentale Arbeit: Wie gehe ich mit Zuschreibungen um? Mit Missverständnissen? Mit der Tatsache, dass ein Text auf wenige Minuten und schnelle Urteile reduziert wird? Das ist eine Herausforderung, die nicht jede Schreibhaltung mitträgt – und das ist auch legitim.

Bachmannpreis Jury 2024/25_
von links, Laura De Weck, Philipp Tingler, Mara Delius, Thomas Strässle, Klaus Kastberger – Juryvorsitzender,Mithu Melanie Sanyal, Brigitte Schwens-Harrant.

Du hast schon zahlreiche Literaturpreise gewonnen. Was bedeutet ein Preis persönlich und für den Weg des Schreibens?

Ein Preis kann Anerkennung sein, manchmal auch Erleichterung – finanziell wie emotional. Aber er ist kein Ziel an sich. Für mein Schreiben ist entscheidend, dass es sich weiterentwickeln darf, auch jenseits von Preislogiken. Preise können Türen öffnen, sie können Sichtbarkeit schaffen, aber sie sagen nichts Endgültiges über die Qualität oder Notwendigkeit eines literarischen Weges aus. Schreiben bleibt eine einsame, langfristige Arbeit, die sich nicht dauerhaft von Auszeichnungen tragen lässt.

Bachmannpreisorganisator Horst L.Ebner, ORF Kärnten (Mitte) _ Bachmannpreisträgerin 2025 Natascha Gangl _ Heinz Bachmann, Bruder von Ingeborg Bachmann

2026 planst Du ein Projekt mit Schreibenden, die sich vor dem bzw. im Einstieg als Schriftsteller:in befinden. Wie kam es zu dieser Idee und wie ist dieser Literaturkurs angelegt?

Die Idee entstand aus vielen Gesprächen mit Studierenden und Schreibenden, die zwischen Anspruch, Markt und Selbstzweifel stehen. Mich interessiert besonders dieser fragile Moment vor der sogenannten „Professionalisierung“. Der Kurs ist prozessorientiert angelegt: Es geht um Texte, ja, aber ebenso um Haltungen, um das Finden einer eigenen Stimme, um das Sprechen über Bedingungen des Literaturbetriebs. Nicht Anpassung steht im Zentrum, sondern Ermutigung zur Eigenständigkeit.

Mithu Melanie Sanyal, Schriftstellerin, Bachmannpreis Jurorin mit Familie Bachmann.
Heinz Bachmann, Bruder von Ingeborg Bachmann, mit Gattin Sheila Bachmann (Heirat 1971 London, Ingeborg Bachmann war Trauzeugin) und Sohn Christof Bachmann.


Die Familie Bachmann lebt in Oxford/GB und reiste zur Eröffnung des Bachmannpreises wie der Eröffnung des Bachmann Elternhauses in Klagenfurt als Museum (Henselstr. 26, 9020 Klagenfurt) an und kam auch zur Preisverleihung des 49.Bachmannpreises im ORF Kärnten.

Was wünscht Du dem Bachmannpreis zum Geburtstag und was möchtest Du Lesenden, Jury und dem Publikum als Gruß senden?

Ich wünsche dem Bachmannpreis Offenheit – für neue Formen, für leise Texte, für Stimmen, die nicht sofort funktionieren. Weniger Erwartung, mehr Risiko. Den Lesenden wünsche ich Neugier und Geduld, der Jury Mut zur Ambivalenz und dem Publikum die Lust am Widerspruch. Literatur lebt nicht von Eindeutigkeit, sondern von Reibung – und davon, dass man sich ihr aussetzt, ohne sie sofort festzulegen.

Ingeborg _ Bachmannpreis

Herzlichen Dank für das Interview und viel Freude und Erfolg für Deinen neuen Literaturkurs!

Sophie Reyer, Schriftstellerin, Wien.
Klagenfurt _ Kiki Kogelnik Brunnen

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Familiengrab Bachmann in Klagenfurt/Annabichl _
Ingeborg Bachmann ist hier mit ihren Eltern begraben

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Interview und Alle Fotos _ Walter Pobaschnig.

Walter Pobaschnig 18/1/26

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„genauer hinsehen, was wirklich gebraucht wird“ Eva-Maria Anja Daniela Grothues, Autorin _ Münster/D 21.1.2026

Liebe Eva-Maria, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe morgens um 5 Uhr auf und mache mich in Ruhe fertig, das ist mir wichtig, weil ich es nicht mag, morgens Stress zu haben. Ich mache mir auch immer leckeres Essen für meinen Arbeitstag zurecht und 15-20 Minuten Kraftübungen und Dehnen sind auch Teil meines Morgenrituals.
Um 6.50Uhr fahre ich los zur Arbeit und um 7.40Uhr beginne ich mit meinen Therapiesitzungen, meist 10 am Tag mit zwei Pausen dazwischen. In den Pausen spreche ich mit meinen Kollegen, esse was, mache Schreibkram, telefoniere mit Patienten oder lege mich auch mal in der Pause auf die Couch in meinem Büro. Abends komme ich nach Hause und werde von meinem tollen Ehemann bekocht. Ich darf mir da jeden Tag etwas wünschen, das ist wirklich ein sehr großer Luxus 🙂 Beim Essen sprechen wir über den Tag und alles, was uns beschäftigt und danach machen wir meist noch irgendwelche kleineren Dinge, die anstehen, z.B. Post fertigmachen, Dinge planen, Wäsche waschen etc. oder gehen im Sommer noch spazieren, dann ist es meist schon 20Uhr und den Rest des Abends verbringen wir dann meist gemeinsam auf der Couch oder vor dem Kamin und gehen spätestens um 22Uhr ins Bett, damit wir morgens fit sind. Zwischendurch treffen wir auch abends noch Freunde. Zweimal pro Woche gehen wir abends noch zusammen ins Fitnessstudio und alle 14 Tage zum Tanzkurs. Am Wochenende habe ich immer einiges an Schreibkram zu erledigen und schreibe an meinen Büchern, während mein Mann den Großteil des Haushalts macht. Zudem treffen wir uns mit Freunden, kochen, gehen gerne spazieren oder auch shoppen und machen zwischendurch auch gerne mal ein Schläfchen auf der Couch :).

Eva-Maria Anja Daniela Grothues, Autorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen immer kränker und gestresster werden. Sowohl körperliche Erkrankungen wie Adipositas, Krebs, Herz- Kreislauferkrankungen, Schmerzsyndrome, Darmerkrankungen, rheumatische Erkrankungen und viele weitere, sowie psychische Erkrankungen und extreme Verhaltensweisen wie Aggressionen, Süchte und Kriminalität, haben in den letzten 20 Jahren extrem zugenommen und es ist kein Ende in Sicht. Wichtig ist in diesen Zeiten vor allem, dass wir lernen, genauer hinzusehen, was wirklich gebraucht wird, sowohl in unserem eigenen Leben als auch im größeren Rahmen, um dem entgegenzuwirken. Viele von uns leben ihr Leben nicht so, wie unser Körper und unsere Psyche es brauchen. Wir stressen und sorgen uns zu sehr wegen Dingen, haben keine gute Selbstfürsorge, haben schlechte Verhaltensmuster und unterhalten Gedankenschleifen, die uns belasten. Häufig wissen wir über Jahre, was wir in unserem Leben ändern sollten, und tun es nicht oder trauen uns nicht.
Wir sehnen uns nach Klarheit, Sicherheit, Frieden, Ruhe, Verlässlichkeit, Liebe, Nähe, Zufriedenheit, Wertschätzung und Anerkennung, wissen aber häufig nicht, wie wir das bekommen können. Viele von uns werden noch viel zu sehr von ihren destruktiven Anteilen gesteuert und wir merken es oft nicht einmal bewusst, sondern sehen es als normal an. Ich habe begonnen, zu schreiben, um Menschen dabei zu unterstützen, sich selbst besser zu verstehen und ihr Leben so verändern zu können, wie sie es brauchen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wichtig ist es nun für unsere Gesellschaft und für jeden einzelnen, viel sensitiver zu werden, mehr zu reflektieren, Dinge wirklich in Frage zu stellen und herauszufinden, welche Veränderungen wir in unserem eigenen Leben als auch auf globalerer Ebene brauchen. Zum Beispiel müssten wir unser Erziehungs- und Schulsystem komplett verändern und Kinder müssten sowohl durch ihre Eltern als auch durch jeden Lehrer alles lernen, was im Leben wirklich wichtig ist, um psychisch und körperlich gesund zu bleiben: ein adäquater Umgang mit Gefühlen, z.B. Trauer, Verlust, Liebeskummer, Leistungsdruck, Angst oder Ärger / Wut, der Aufbau einer sehr guten Selbstfürsorge mit guter Ernährung, ausreichend Schlaf und sehr guter Stressbewältigung, das Erlernen von sehr guten kommunikativen Fähigkeiten, ein sehr guter und liebevoller Umgang mit anderen Menschen, die Lösung von Konflikten, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, die adäquate Aufarbeitung schmerzhafter Erfahrungen, immer ehrlich und aufrichtig zu sein, gerne zu arbeiten, fleißig zu sein und etwas zu einer guten Entwicklung unserer Gesellschaft beizutragen, nicht gierig zu sein, sich nicht ständig zu vergleichen, nicht oberflächlich zu sein, sich selbst zu lieben und wertzuschätzen und vieles mehr. Auch jeder Erwachsene sollte das alles lernen, sofern es noch gebraucht wird. Wenn diese Dinge von Anfang an, sowie auch im Laufe unseres Lebens ein wichtiger Schwerpunkt in unserem Leben wären, würde es uns allen viel viel besser gehen und es gäbe kein überlastetes Gesundheits- und Sozialsystem, viel weniger Kriminalität und keine langen Wartezeiten auf Psychotherapieplätze.

Die Literatur und Kunst sind wichtige Medien, um Menschen bei all diesen Dingen zu unterstützen. Bücher, die uns innerlich stärken und unterstützen, können einen wahrer Schatz in unserem Leben sein. Sie können uns Kraft geben, uns weiterzuentwickeln, unsere Probleme anzugehen und unser Leben zu verändern. Wir werden in nächster Zeit mehr Bücher brauchen, die jeden Einzelnen, aber auch die Gesellschaft voranbringen. Literatur inspiriert und berührt uns, deshalb liebe ich es, wenn Autoren und Autorinnen auf eine Art und Weise schreiben, die Menschen aufweckt, ihnen neue Wege aufzeigt und Kraft gibt.

Was liest Du derzeit?

Gerichtsakten und Untersuchungsberichte zum Schreiben meiner neuropsychologischen Gutachten und ansonsten nutze ich meine freie Zeit momentan lieber zum Schreiben meines nächsten Buches als dafür, selbst zu lesen 🙂

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die beiden ersten Zitate aus meinem Buch „Engelchen und Teufelchen“

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir in dieser Welt wünschst“

Arleen Lorrance

„Das wahre Wissen kommt von Herzen“

Leonardo Da Vinci

Vielen Dank für das Interview, liebe Eva-Maria, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen: Eva-Maria Anja Daniela Grothues, Autorin

Zur Person/über mich: Eva-Maria Anja Daniela Grothues wurde 1986 in Oberfranken geboren, wo sie mit ihren zwei älteren Geschwistern aufwuchs. Seit einem schweren Unfall im Alter von 16 Jahren sitzt sie im Rollstuhl. Die frühe Auseinandersetzung mit einem derart belastenden Lebensereignis führte sie zu dem Entschluss, in Bochum Psychologie zu studieren, wo sie auch ihre Weiterbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin abschloss. Seit 2016 ist sie gemeinsam mit anderen Fachärzten und Fachärztinnen für Neurologie, Psychotherapie und Psychiatrie und zwei weiteren Psychologischen Psychotherapeuten im Neurologisch-Psychotherapeutischen Zentrum Ruhr (NPTZ Ruhr) in Herne tätig. Neben ihrer psychotherapeutischen Arbeit ist sie als Zusatzgutachterin für Sozialgerichte tätig und arbeitet an einer Dissertation, die sich mit dem Einfluss gewalthaltiger Medien auf die Suizidbereitschaft befasst. Ihre berufliche Tätigkeit und persönliche Erfahrungen motivieren sie, Bücher zu schreiben, die Menschen unterstützen, ein selbstbewusstes und erfülltes Leben zu führen. Mit ihrem fundierten psychologischen Wissen und ihrer Fähigkeit, schwierige Themen verständlich und praxisnah zu vermitteln, möchte Eva-Maria Anja Daniela Grothues Menschen dazu inspirieren, ihr Leben nachhaltig zu verändern. Sie lebt mit ihrem Ehemann im Münsterland.

Aktuelles Buch von Eva-Maria Anja Daniela Grothues:

Foto: privat

20.1.2026_Interview_Walter Pobaschnig

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„Inkonsequent. Konsequent. Büchner und Lenz“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _ Ines Edith Oppitz/Naoko Muneoka _ Wien 21.1.2026

Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ performing _
Walter Pobaschnig 7/25, folgende

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962 _
Foto: Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

INGEBORG_ Akrostichon

Text _  Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ

Performance_ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien

Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ performing _
Walter Pobaschnig 7/25, folgende

INGEBORG

Inkonsequent. Konsequent. Büchner und Lenz

Namen, die leuchten

Gestalten, Straßen, die  Stadt

Ein Ort für Zufälle

Bäume rundum

Orplid, Atlantis, Berlin

Register, Worte und Karten

Gedächtnis im Gewitter der Rosen

Ines Edith Oppitz, 5.1.2026

Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ performing _
Walter Pobaschnig 7/25

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text _  Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ.

Performance Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien.

Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ.
Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _
Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Walter Pobaschnig 7/25

Foto _ Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto _  Ines Edith Oppitz _ privat.

Fotos _ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ Walter Pobaschnig 7/25

Literatur outdoors 1/26

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