100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Ein ganz besonderer Beitrag dazu ist der vorliegende literarische Essay zum Gedicht „Salz und Brot“ von Ingeborg Bachmann (1953).
Der in Berlin lebende Schriftsteller Tom Carthy stellt „Salz und Brot“ in einen umfassenden Werkskontext, der insbesondere auch auf den Roman „Malina“ eingeht und darin das Verständnis von Existenz im Gebundensein von Geschichte und Nachwirkung, Trauma und Gesellschaft wie Mensch und Gegenwart in Perspektive und Zukunft öffnet. Weitere literarische Referenzen gehen auf die Topoi des Übergangs „Schwelle“ in Weg und Grenze ein. Es ist eine sehr spannende literarische Reise zu Leben und Werk Bachmanns entlang eines zentralen lyrischen Textes.
Schuldbuch und Schwelle. Zu Ingeborg Bachmanns »Salz und Brot«. Tom McCarthy. Diaphanes Verlag. Translated by Marie Glassl Softcover, 80 pages EUR 16
Sarah Zaharanski, Schauspielerin_performing „Malina“ _ am Original-Romanschauplatz_Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 6/21
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz „Malina“
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text _ Siegfried Völlger, Schriftsteller_ Augsburg/D
Performance _ Sarah Zaharanski, Schauspielerin _Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Sarah Zaharanski, Schauspielerin_performing „Malina“ _ am Original-Romanschauplatz_Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 6/21
Sarah Zaharanski, Schauspielerin_performing „Malina“ _ am Original-Romanschauplatz_Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 6/21
UNDINE GEHT
Unter der Schar der
Nackten des Geistes
Der Geistesleere und
In der Schlichtheit des Daseins
Nicht übersehen bitte
Engelserscheinungen, verkleidet
Gottlose Gestalten
Eifrigen Tuns
Hilfe suchend
Tod findend und verjagend
Siegfried Völlger, 28.3.26
Sarah Zaharanski, Schauspielerin_performing „Malina“ _ am Original-Romanschauplatz_Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 6/21
Sarah Zaharanski, Schauspielerin_performing „Malina“ _ am Original-Romanschauplatz_Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 6/21
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance am Originalschauplatz „Malina“
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text _ Siegfried Völlger, Schriftsteller_ Augsburg/D
Performance _ Sarah Zaharanski, Schauspielerin _Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Ingeborg Bachmann, Rom 1962
UNDINE GEHT
Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ (1961) und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse in Macht und Zerstörung. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Siegfried Völlger, Schriftsteller_ Augsburg/D
Sarah Zaharanski, Schauspielerin _Wien
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.
Foto: Siegfried Völlger _ privat.
Fotos: Sarah Zaharanski, Schauspielerin_performing „Malina“ _ am Original-Romanschauplatz_Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 6/21
Lieber Jozej, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Die zeitkritische Note in der Lyrik Bachmanns ist ein guter Zugang, aber auch das Träumerische, Sehnsuchtsvolle, die „zottige Nacht“ und die „Lieder von einer Insel“.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Die Verschmelzung von Sinnlichkeit und Begrifflichkeit ist spürbarer als bei Paul Celan, eine erotische Sprache („Ausfahrt“) ist das Innere ihrer Lyrik.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Die frühen Gedichtbände, aber auch einige spätere Gedichte sowie Erzählungen, wie Jugend in einer österreichischen Stadt und – Drei Wege zum See und Simultan – diese Prosa ist von höchster Poetizität, gleichzusetzen mit Kleists und Büchners Prosa, oder auch mit Musils Kurzprosa (s. Die Amsel, Nachlass zu Lebzeiten).
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Eine scharfe und ätzende Kritik, die von einer scharfen Urteilskraft und der Verletzlichkeit der Autorin zeugt, aber auch die Fehler in sich selbst gut einbezieht (Requiem für Fanny Goldmann, Malina, Ein Schritt nach Gomorrha, Simultan)
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns – „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) – wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Wir leiden und genießen, genießen und leiden und vergehen vor Liebe – mit ihr und durch ihr Werk (Der gute Gott von Manhattan, Ein Geschäft mit Träumen).
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
In gewissem Sinne ja, ein Martyrium, ein Leiden an der Zeit, ein übervolles Genießen von Schönheit und Erlebnisfähigkeit, aber es ist auch die Stilisierung einer bewusst gewählten Existenzweise.
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Die Fähigkeit, Sehnsüchte in der Sprache auszuleben (Lieder von einer Insel etc.).
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Warum sie nicht im Gailtal/Ziljska dolina oder in Keutschach/Hodiše gelebt und geschrieben hat.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich habe in meinen Band „Arkadien-Peloponnes 6“ (Ed. Rapial edicija) das Gedicht „Hotel de la Paix“ aufgenommen und ins Slowenische, Griechische und Französische übersetzt.
Darf ich Dich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Die erste Welle der Nacht schlägt ans Ufer
die zweite erreicht schon dich.
Aber wenn du scharf hinüberschaust,
kannst du den Baum noch sehen,
der trotzig den Arm hebt
— einen hat ihm der Wind schon abgeschlagen
— und du denkst: wie lange noch,
wie lange noch
wird das krumme Holz den Wettern standhalten?
Vom Land ist nichts mehr zu sehen.
Du hättest dich mit einer Hand in die Sandbank krallen
oder mit einer Locke an die Klippen heften sollen.
„Ausfahrt“ Ingeborg Bachmann
Anm: Das Gedicht „Ausfahrt“ eröffnet den ersten Lyrikband von Ingeborg Bachmann, „Die gestundete Zeit“ (Piper, 1953)
2026 _ 100.Geburtstag von Ingeborg Bachmann. Ein reiches, unerreichtes literarisches Leben. Ein Werk, das bis in die Gegenwart begeistert, inspiriert und Maßstäbe setzt. Diesem epochalen Werk steht ein Leben in der Öffentlichkeit, das von tiefer Liebe, Glück wie auch Tragik umgeben war.
Alexander Honold geht nun in seinem sehr spannenden Beitrag zum Bachmannjubiläumsjahr den literarischen Spuren in den Liebesbeziehungen zu Paul Celan und Max Frisch nach und überrascht wie besticht dabei in seiner facettenreichen Aufschlüsselung, Analyse der literarischen Chiffren wie direkten Verweise der Personen wie auch der detailreichen biographischen Referenzen Bachmanns dazu.
Sehr interessant sind auch die Zugänge zur jeweiligen literarischen Entwicklung im Zusammenhang der gesellschaftlichen Verfasstheit in Moral und Norm der Zeit. Die gute Kapiteleinteilung ermöglicht da eine spannende Gegenüberstellung und bietet neue Einblicke zu Leben und Werk aller drei.
In Summe ein sehr beachtlicher Beitrag zu Werk und Leben Ingeborg Bachmanns wie der vergleichenden modernen Literaturgeschichte.
Liebeslinien. Ingeborg Bachmann in ihren Literaturbeziehungen mit Paul Celan und Max Frisch. Alexander Honold. Schwabe Verlag.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ (1961) und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse in Macht und Zerstörung. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Melina Nicolussi, Schauspielerin
Zur Person:Melina Nicolussi (sie/ihr)
Schauspielerin _ tätig in Wien und London auf der Leinwand, auf der Bühne und im Puppentheater. Zuletzt gesehen als Leonie im Film „Februar“, als Serena in „The Siren“ oder in verschiedenen Rollen beim Original Wiener Praterkasperl.
Liebe Naoko, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Das Fotoshooting mit dir gab mir die Gelegenheit, mich mit einigen ihrer Werke auseinanderzusetzen. Sonst hätte ich diese Chance wohl nicht gehabt, da ich Bücher lieber auf Japanisch lese und Ingeborg Bachmann in Japan allgemein unbekannt ist. Umso mehr freute es mich, dank deiner Einladung, ihre Texte auf Deutsch lesen zu können, und es war doch schön.
Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?
Unerschütterliche Logik und ihre feingliedrige, brennende Leidenschaft aus ihrem Tiefsten. Und wie diese zusammen in ihrem Text leben.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
„Undine geht“. Das sprach mein Gefühl einfach an und geht unter die Haut. Auch das Element Wasser zog mich an.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich würde mich gerne für ihre wunderschönen und beeindruckenden Werke bedanken, und auch dafür, dass sie überhaupt existiert hat.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Im November plane ich eine kleine Ausstellung mit meinen Arbeiten und Arbeiten meines verstorbenen Mannes Josef Kinz. Ansonsten arbeite ich am liebsten allein und in Abgeschiedenheit an meinen Bildern.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„Ja, diese Logik habe ich gelernt, dass einer Hans heißen muss, dass ihr alle so heißt, einer wie der andere, aber doch nur einer. Immer einer nur ist es, der diesen Namen trägt, den ich nicht vergessen kann, und wenn ich euch auch alle vergesse, ganz und gar vergesse, wie ich euch ganz geliebt habe. Und wenn eure Küsse und euer Samen von den vielen großen Wassern – Regen, Flüssen, Meeren – längst abgewaschen und fortgeschwemmt sind, dann ist doch der Name noch da, der sich fortpflanzt unter Wasser, weil ich nicht aufhören kann, ihn zu rufen, Hans, Hans …“ Undine geht, Ingeborg Bachmann, 1961
2026 _ 100.Geburtstag von Ingeborg Bachmann. Das große Jubiläumsjahr brachte und bringt viele Zugänge zu Leben und Werk dieser so außergewöhnlichen Schriftstellerin, die konsequent, mutig wie erfolgreich ihren Weg in der modernen deutschsprachigen Literatur in Lyrik wie Prosa ging und Leben, Liebe und Gesellschaft genial variantenreich wie kritisch in das Wort setzte. Ein unerreichter Maßstab bis in die Gegenwart.
Lebensorte sind für jedes Leben von großer Bedeutung und prägen wie inspirieren. So auch bei der in Klagenfurt geborenen Büchnerpreisträgerin, die 1946 in Wien ankam und danach längere Lebensstationen in Zürich und Rom hatte. Eine wichtige Station ist dabei auch das Lebens/Arbeitsjahr in München 1957/58, in dem ihre Karriere richtig Fahrt aufnimmt. Es ist ein Jahr der Entscheidung und Entscheidungen…
Nicola Bardola bietet einen wunderbar recherchierten und genial eingeordneten Überblick über das Münchner Bachmannjahr und eröffnet dabei sehr interessante Ein- und Ausblicke zu Leben und Werk.
„Ein sehr spannender Beitrag zum Bachmannjubiläumsjahr, der in Recherche und Zusammenschau besticht und ganz neues Licht auf das Münchner Lebens/Werkjahr und dessen Folgen wirft!“
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Clemens Schittko, Schriftsteller
Marcela Selinger, Sängerin
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto:Clemens Schittko _ privat
Fotos: Marcela Selinger, Sängerin _ Wien _ performing Malina _ Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann,.1971 _ Walter Pobaschnig 9/21.
Hier regiert das Chaos, die Gewalt und die Angst. Hier in dieser Stadt, in der sich alle, die es sich leisten können, auf dem Weg hinaus machen, um dem Tod zu entfliehen. Hin zum Schiff, wohin die zahlungskräftigen Bewohner mit dem Militärhubschrauber gebracht werden. Jetzt warten sie am Dach des bewachten Wohnhauses und hoffen, dass es gelingt, bevor Banden in das Wohnhaus eindringen können…
Im Tumult der Stadt werden Familien getrennt und zu Feinden. Die Spirale der Gewalt dreht sich unerbittlich zwischen Tat und Rache…
Doch wie kann es nun weitergehen? Wer kann retten, gerettet werden und kann es einen neuen Morgen und Aufbruch geben?…
Bestsellerautor Jo Nesbø legt seinen neuen Roman vor, der in eine dystopische Welt führt und dieses urbane Untergangsszenario bietet in gewohnter Nesbø Manier beste Thrillerspannung bis zum furiosen Ende.
„Jo Nesbø beweist einmal mehr, dass er ein Meister moderner Thrillerspannung ist!“
Insel der Ratten, Jo Nesbø. Roman. Ullstein Verlag.
Hardcover, 208 Seiten
Originaltitel: Rotteøya og andre fortellinger
Übersetzung/aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob