Zur Person_Sybille Lengauer, Jhg. 1980, Schwerpunkt Gedichte und Kurzgeschichten, Letzte VÖ „Ziemlich schlechte Nachrichten“ bei Rodneys Underground Press.
Liebe Sophie Benedikte Stocker, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Der kann sehr unterschiedlich aussehen, je nachdem, ob ich gerade in Proben oder im Homeoffice bin oder welches Projekt gerade ansteht. Aktuell steh ich gegen halb acht auf und versuche am Vormittag so viel Schreibtischarbeit wie möglich zu erledigen und fahre gegen Mittag ins Theater zur Probe. Nach der Probe besprechen die Regisseurin und ich uns noch für 1-2h, und versuchen bis zum nächsten Vormittag das Besprochene umzusetzen, wie eine neue Szene fürs Stück oder eine Textänderung, einen Pressetext oder Einladungen.
Sophie Benedikte Stocker _ Dramaturgin, Regisseurin, Autorin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Gesund bleiben oder werden, körperlich wie mental. Die Pandemie-Jahre müssen wir alle noch verdauen und diverse Krisen, die danach gekommen sind, ich denke an die Klima- & Energiekrise, den Krieg in der Ukraine, aber auch die Lage der Menschen im Iran, Afghanistan, Syrien oder auch aktuell nach dem Erdbeben in der Türkei…es gäbe so viel zu tun. Um nicht am Zustand der Welt als Gesamtes zu verzweifeln, muss man sich schon zusammenreißen und auf sich schauen.
HERSTORY. No more excuses. No more abuses. (weitere) Ein Doku-Theaterstück von Sophie Benedikte Stocker _ laufende Vorstellungen _ Werk X ´- Petersplatz 1, 1010 Wien
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Die Kunst und vor allem die Kunstschaffenden müssen aufhören sich wegzuducken und der Politik aus dem Weg zu gehen. Wir haben kaum eine politische Lobby, deshalb sind die Lebensrealitäten von freischaffenden Künstler*innen auch nach wie vor so prekär. Kunst und Kultur ist kein reines Privatvergnügen. Es ist auch ARBEIT für viele Menschen, die davon leben sollen und ein gesellschaftlich essentielles Tool, um Themen zu verhandeln, die sich nicht mit einer Stammtisch-Diskussion klären lassen. Kunst und vor allem Theater bietet die Möglichkeit neue, andere Realitäten zu entwerfen.
Was liest Du derzeit?
Die Brücke über die Drna von Ivo Andric und Bad Feminist von Roxane Gay
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Das Private ist politisch! Diese feministische Kampfansage ist heute noch genauso wahr wie vor 50 Jahren.
Vielen Dank für das Interview liebe Sophie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Sophie Benedikte Stocker _ Dramaturgin, Regisseurin, Autorin
Zur Person_Sophie Benedikte Stocker, geboren 1990, ist freischaffende Theatermacherin. Als Regie-/Dramaturgieassistentin arbeitete sie mit David Bösch, Robert Borgmann, Gil Mehmert, Martin Laberenz, Babett Grube, Florian Fiedler u. v. a. m. In der Spielzeit 2019/2020 war sie feste Regieassistentin am Theater Oberhausen in Deutschland und gab dort ihr Kurzfilm-Debüt „Der Dachs schreit“ nach einem Text von Pedro Martins Beja (2020). Neben Tätigkeiten für und mit dem Theaterkollektiv handikapped unicorns, ist sie Mitbegründerin von „PERIPETEIA“. Als Autorin widmete sie sich bisher hauptsächlich politischen und feministischen Themen: „Zum Wilden Mann“ (handikapped unicorns, 2018), „Die auf dem Zaun reitet“ (SpielBar Ensemble, 2019) – beide uraufgeführt im WERK X-Petersplatz, sowie „Marie“ (PERIPETEIA.Theater & Unfug, Ateliertheater Wien, 2022).
Aktuelle laufende Produktion_
HERSTORY. No more excuses. No more abuses. Ein Doku-Theaterstück von Sophie Benedikte Stocker Eine Produktion von handikapped unicorns in Kooperation mit WERK X-Petersplatz Uraufführung Inszenierung: Ursula Leitner
Premiere: 16.03.2023 Weitere Vorstellungen: 22.-25.03.2023 Beginn: jeweils 19.30 Uhr,
Liebe Ursula Leitner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Nach der coronabedingten Pause und Entschleunigung bin ich mittlerweile zum Glück wieder recht gut beschäftigt. Das heißt, ich habe täglich Probe oder bereite mich auf meine nächsten Projekte vor, indem ich recherchiere, an Textfassungen feile, Termine organisiere und Probenpläne austüftle.
Ursula Leitner, Regisseurin
Momentan bin ich in der Aufführung von HERSTORY. No more excuses. No more abuses. Ein absolutes Herzensprojekt (Premiere: 16. März, Werk-X Petersplatz, laufende Vorstellungen). Es geht dabei um die unverständlich hohe Toleranz für Gewalt an Frauen in unserer Gesellschaft. Darauf will ich aufmerksam machen, gleichzeitig auch anklagen. Täglich steht mir dabei ein tolles Team und Ensemble – bestehend aus Frauen – zur Seite. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit diesem Stück etwas bewirken können.
HERSTORY. No more excuses. No more abuses. (weitere) Ein Doku-Theaterstück von Sophie Benedikte Stocker _ laufende Vorstellungen _ Werk X ´- Petersplatz 1, 1010 Wien
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Eine Rückbesinnung auf sich selbst und den Umstand, dass wir als Gesellschaft nur gemeinsam funktionieren können. Weg von den Befindlichkeiten und Kontroversen. Mir fehlt es an Respekt im Umgang miteinander. Wir sollten die Aufmerksamkeit auf die Solidarität miteinander richten und einsehen, dass Menschen unterschiedliche Meinungen haben können und dürfen, dabei aber nie vergessen, dass wir kommunizieren müssen. Kommunikation ist das A und O.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Das Theater bzw. die Kunst bietet die Möglichkeit der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten und Probleme aufzuzeigen. Man darf dabei nicht erwarten, dass es Lösungen parat hat. Doch die Kunst, insbesondere das Theater kann die Kommunikation fördern, Denkanstöße liefern und zu Diskussionen anregen. Wenn ich das nicht glauben würde, könnte ich eine Produktion wie HERSTORY nicht verwirklichen.
Was liest Du derzeit?
„Heimat bist du toter Töchter“ von Yvonne Widler, darin geht es um die zahlreichen Femizide in Österreich. Zur Erholung lese ich dann „Die
Verlorenen“, einen Thriller von Simon Beckett.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Nehmt ihr uns eine, antworten wir alle.“
Zur Person _ Ursula Leitner, geboren 1987, arbeitet als freischaffende Regisseurin und Theatermacherin. Sie ist Mitbegründerin des Theaterkollektivs handikapped unicorns. In Wien inszenierte sie erfolgreich „Zum Wilden Mann“ im WERK X-Petersplatz sowie „Sherlock Holmes“ von Tex Rubinowitz im WERK X. Zudem führt sie regelmäßig im Theater Westliches Weinviertel Regie (u. a. „Ladies Night“, „Die 39 Stufen“, „Krach im Hause Gott“) und war vier Jahre für die Sommerspiele Melk als Regiemitarbeiterin tätig. Ihre Inszenierung von „Hödlmoser“ von Reinhard P. Gruber tourt seit Herbst 2022 nun auch 2023 durch die Steiermark. Weitere Arbeiten waren u. a. „Im Auftrag Charles Mansons“ im ehemaligen WERK XEldorado. Ihre Inszenierungen von „norway.today“ und der Romanadaption „Bienensterben“ waren im Ateliertheater Wien zu sehen. Für das jährliche Stationentheater im Erlebniskeller Retz fungiert sie als künstlerische Leiterin. Zuletzt inszenierte sie „Sauschneidn“ von Ewald Palmetshofer, das im Februar 2023 seine Premiere im Hoftheater Höf-Präbach feierte und im April 2023 im OFF THEATER in Wien zu sehen sein wird.
Seit April 2021 ist sie zudem als Assistenzdozentin für das Fach Rollengestaltung am Max Reinhardt Seminar tätig; weiters Produktionsleiterin und Dramaturgin u. a. am Burgtheater (2011-2014), Kosmos Theater, Salzburger Festspiele.
Aktuelle laufende Produktion_
HERSTORY. No more excuses. No more abuses. Ein Doku-Theaterstück von Sophie Benedikte Stocker Eine Produktion von handikapped unicorns in Kooperation mit WERK X-Petersplatz Uraufführung Inszenierung: Ursula Leitner
Premiere: 16.03.2023 Weitere Vorstellungen: 22.-25.03.2023 Beginn: jeweils 19.30 Uhr,
Liebe Franziska, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Strukturiert. Aber nicht entspannter als vorher. Ich schreibe nach wie vor täglich zu möglichst festen Zeiten. Allerdings kümmere mich auch um einen True-Crime-Podcast, der ab Januar 2023 erscheint. Das neue Audiomedium setzt sich seit der Corona- Pandemie weiter durch. Ich werde, gemeinsam mit einem bekannten Rechtsmediziner, über wahre Verbrechen berichten. Die Podcasts werden vierzehntägig ausgestrahlt.
Franziska Franz, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zusammenhalt. Wir können nur gemeinsam etwas bewirken, nicht durch Krieg und Zerwürfnis.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt der Literatur, der Kunst an sich zu?
Dass wir zuversichtlich bleiben, ist von großer Wichtigkeit. Schwierige Zeiten erfordern Flexibilität und Innovation. Dies sind nicht die ersten Krisen, die weltweit bewältigt werden müssen.
Literatur und Kunst sind nicht vergänglich. Selbst wenn Papier teurer wird, Haptik bleibt geschätzt.
Zunehmend spielen starke Frauen in der Literatur eine große Rolle. Und alle Formen der Kunst werden auch künftig den Zeitgeist widerspiegeln.
Was liest Du derzeit?
Ich lese gerade einen Krimi aus dem Jahr 1975. `Anita Drögemöller`, von dem Schriftsteller und Fernsehjournalisten, Jürgen Lodemannn.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Es kommt der Tag, der alles lösen wird.“ Friedrich Schiller.
Vielen Dank für das Interview liebe Franziska, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Es ist ein ganz besonders Biografieprojekt zweier der bedeutendsten Künstler*innen&Liebenden des 20.Jahrhunderts und der Gegenwart, welches der renommierte Leipziger Kunstverlag Zweitausendeins hier präsentiert.
Nicola Bardola, Autor, Journalist und Übersetzer gelingt dabei eine ausgezeichnete Darstellung von persönlichem wie gemeinsamen künstlerischen Weg von Ono/Lennon. Der erfahrene Schweizer Autor verbindet Sachwissen mit Fingerspitzengefühl und Inspiration und so wird diese Doppelbiographie zur Information, Erinnerung und in jedem Fall zum umfassenden Erlebnis.
Yoko Ono, die japanische Künstlerin, Filmemacherin, Komponistin, Musikerin, (*18. Februar 1933, Tokio), feiert 2023 ihren 90.Geburtstag und zahlreiche Veranstaltungen wie Publikationen würdigen diese herausragende vielseitige Künstlerin, die seit den 1950er Jahren in den USA lebt.
1966 lernt Yoko Ono im Zusammenhang ihrer Ausstellung in London den Musiker und Beatles Gründer John Lennon (* 9. Oktober 1940 Liverpool; ermordet 8. Dezember 1980 New York) kennen. 1969 heiratet sie John Lennon. Ihr Sohn Sean (Musiker, *9.Oktober 1975) wird in New York ihrem Lebensmittelpunkt geboren. Zahlreiche gemeinsame Musik-, Kunst-, und Friedensprojekte – „War is over“/ „Give Peace A Chance“, weitere – machen Yoko Ono und John Lennon zu einem der bedeutendsten, innovativsten wie einflussreichsten Künstlerehepaar.
Die vorliegenden Biographien öffnen Kunst und Leben dieser einzigartigen wie schillernden Kunstpersönlichkeiten in einem klar strukturiertem Biografiekonzept, das jeweils in Kapitelschwerpunkten Lebens- und Kunstetappen in Entwicklung und Fortgang öffnet und umfassend vorstellt. Ausführliche Anhänge ermöglichen dabei weiterführende Zugänge.
In Summe ist von einer spannenden Idee einer Doppelbiografie zu sprechen, die inhaltlich wie auch im Design hervorragend umgesetzt wird und für Fans wie Interessierte gleichermaßen spannend und inspirierend ist!
Yoko Ono & John Lennon: Die Doppelbiografie (2 Bände). Nicola Bardola.Verlag Zweitausendeins.
Yoko Ono, Format 21 x 14,5 cm. 272 Seiten. Fester Einband.
John Lennon. Format 21 x 14,5 cm. 287 Seiten. Fester Einband.
Es ist ein Leben als Hochschaubahn, das im Wiener Arbeiterbezirk Margarethen 1957 beginnt und zu einem Top-Star der internationalen Musikszene der 1980/90er führt. Beeindruckende Songs im unverwechselbaren Charakter Wiener Sprachakzentuierung und avantgardistischen Rhythmusstil der Zeit katapultieren Falco zur Nummer 1 in den US Billboard Charts 1986.
Im Olymp der Musikwelt gilt es nun sich zu orientieren und der Künstler ist sich schon im Moment des ungeahnten Erfolges der vielen Herausforderungen, Schattenseiten, die nun auf den Musiker Falco wie Menschen Hans Hölzel zukommen, bewusst. Und es sind Geister der Vergangenheit der persönlichen Biografie, der musikalischen Stationen, des Erfolgsdruckes und unsicherer Zukunft, die schwer auf Seele, Kreativität und Orientierung lasten. Es ist ein sehr persönlicher Bereich abseits des Bühnenlichtes, der in Euphorie, Zweifel und Verzweiflung nur erahnt werden kann und der zum spannenden Bereich künstlerischer Zugänge wird, die sich hier dem Geheimnis und den facettenreichen Hintergründen von Erfolg und Leben stellen.
Der Wiener Illustrator und Zeichner Arnulf Rödler stellt sich dem Musikstar und Menschen Falco in kraftvoller, hintergründiger wie impulsgebender Form einer Graphic Novel. In eindrücklichen, dunkel psychodelisch gehaltenen Bildern und pointierten Dialogen werden Leserin und Leser gleichsam in die Seele Falcos in allen Facetten von Träumen, Ängsten und schließlich dem Tod und dem Danach mitgenommen. Und dies gelingt. Die Kraft der Bilder umfängt und es wirkt Seite um Seite nach. Wie ein guter Falcosong. Dunkel, direkt, eindringlich.
Um Falco treten in diesem sehr spannenden Comic Projekt auch Wiener Musikgrößen der Zeit wie Stefan Weber oder Hansi Lang auf und Rödler lässt die Größe und Dunkelheit auch der Musikstadt Wien darin vieldeutig wirken.
„Ein spannendes, gelungenes Kunstprojekt, das Falco bestimmt gefallen hätte!“
Arnulf Rödler, Falco – Leben und Sterben des Hans Hölzel – Knesebeck Verlag 2023.
Gebunden, ca. 96 Seiten, durchgehend farbig illustriert.
Lieber Thomas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf ist ganz stark durch meinen Beruf als Lehrer bestimmt.
Aufstehen um 5 Uhr 30. Nach einem veganen Frühstück, für das ich mir viel Zeit nehme, studiere ich ausführlich die Wetterkarten im Internet. Die Versuche der Computer, das Chaos der Vorgänge in der Atmosphäre zu bändigen, faszinieren mich. In allen meinen Romanen spielen Beschreibungen von Wetterlagen eine große Rolle.
Thomas Himmelbauer, Schriftsteller
Dann Fahrt in die Schule und Unterricht ab 8 Uhr. An den Nachmittagen folgen Vorbereitungen und Verbesserungen und so fällt meine schriftstellerische Tätigkeit in den Abend und in die Nacht hinein, falls der Tag meine schöpferische Kraft nicht verbraucht hat.
Anders natürlich in den Ferien und am Wochenende. In den Morgenstunden fahre ich da sehr gerne mit dem Fahrrad durch das Südburgenland. Von den Eindrücken, die ich auf diesen Touren sammle, kann man in meinen Kriminalromanen lesen. Danach arbeite ich meist sehr intensiv.
Mein Lieblingsplatz zum Schreiben ist unser Glashaus im Garten. Hier ist es auch an sonnigen Wintertagen angenehm warm und in den Sommernächten leuchten die Sterne über mir am Himmel oder die Blitze ferner Gewitter erleuchten die Finsternis, wenn ich am Ende des Tages ein Buch lese.
Thomas Himmelbauer, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Die Stürme um die Insel der Seligen werden heftiger. Noch sind die meisten nur am Bildschirm zu sehen, doch die einsamen, dünnen Schneebänder in grüner Landschaft lassen sich nicht einfach wegwischen.
Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte sind mit vollen Bäuchen, vom Urlaub gebräunten Körpern und vollgetankten SUVs leicht aufrecht zu erhalten. In Krisen, wenn die Mauer des Wohlstand bröckelt, liegt es an uns allen den „Populären, starken Mann“ zu verhindern. Zu große Unterschiede zwischen Arm und Reich müssen mit aller Macht verhindert werden.
Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben. Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. Schiller ist leider wieder mehr als aktuell. Aufrüstung darf nicht die einzige Antwort sein.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Noch können wir die Tore unserer Burgen schließen und reiten nur zum Vergnügen hinaus und durch die ärmlichen Siedlungen der Umgebung, um uns zu unterhalten. Der Adel des 21. Jahrhunderts sind wir. Wir müssen rasch lernen zu verzichten, sonst ist weder die Klimaerwärmung noch die nächste Revolution der Armen zu verhindern. Persönlich werden wir uns die unangenehme Frage stellen müssen, ob wir uns nicht zu gern hinter dem Satz: „Was kann da ein einzelner schon machen?“ verstecken.
Literatur ist besonders gut geeignet, der Gesellschaft einen Spiegel vor Augen zu halten. Sie darf übertreiben, um deutlich sichtbar zu machen, was im Trubel des Alltages gerne übersehen wird, denn Künstler fürchten keine nächste Wahl und auch den Verlust von Followern und Likes nicht. Ein Kunstwerk muss sich auch nicht die Frage stellen: Wozu ist es gut? Wer hat was davon? Kunst folgt keinen Aktienkursen. Oft können sich die Mächtigen nur helfen, indem sie Kunst vernichten, Bücher verbrennen, so wirkungsvoll ist Kunst. Ich bin sicher, dass Kunst einen ganz wichtigen Betrag leisten wird, die kommenden Veränderungen bewältigen zu können.
Was liest Du derzeit?
Graham Greene Das Ende einer Affäre
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Das Problem dieser Welt ist, dass die intelligenten Menschen so voller Selbstzweifel und die Dummen so voller Selbstvertrauen sind.“
Bertrand Russell nach William Butler Yeats
Vielen Dank für das Interview lieber Thomas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Thomas Himmelbauer, Schriftsteller
Zur Person_ Thomas Josef Himmelbauer geboren am 2.10.1960 in Wien.1979-1984 Lehramtsstudium für Mathematik und Physik an der Universität Wien.Ab 1984 Lehrer am Gymnasium Wien 2, Zirkusgasse1984-1987 Doktoratsstudium Mathematik bei Univ. Prof. Harald RindlerDissertation über „Lineare Gleichverteilung“.
In den Jahren 1979-1984 entstand der Roman „Mosaik“ über das Leben von Jugendlichen im Wien der 70-Jahre, der unveröffentlicht blieb.
Ab 1988 bis 2023 Lehrer am katholischen Privatgymnasium Neulandschule in Wien Grinzing.Seit 1989 verheiratet. Zwei Kinder.
Im Frühjahr 2007 entstand der Kriminalroman „Tod in Pannonien“, der im Südburgenland in der Umgebung von Güttenbach spielt.Im April 2009 erscheint der Kriminalroman im Verlag Federfrei und befindet sich momentan in der 2. Auflage.
Es folgen die Kriminalromane:„Tod im Gymnasium“ 2010; „Tod am Güttenbach“ 2011; „Tod auf der Weißwandhütte“ 2013; „Tod bei Güssing“ 2015; „Tod im Zickenwald“ 2019
Zur Person_ Thorsten Nesch lebt in Lethbridge, Kanada. Traditionell veroeffentlichte Romane auf Englisch und Deutsch. Seit Januar 2022 veroeffentlicht er 1 EP pro Monat als Songwriter (Bandcamp, Spotify etc.).