„Dass wir Farbe bekennen zu welchen Werten wir stehen“ Edgar Bangert, Schauspieler _ Berlin 5.10.2022

Lieber Edgar, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Chaotisch. Der Morgen beginnt mit einer Tasse Kaffee und zwei Zigaretten. Danach meditiere ich und spreche ein Gebet. Einigermaßen angekommen in der Gegenwart, versuche ich, die unterschiedlichen Aufgaben miteinander abzugleichen: Meinen Job im sozialen Bereich, Theaterproben, Text lernen und schreiben, dazu Sport.

Edgar Bangert_Schauspieler, Theaterregisseur, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es fällt mir schwer, für andere zu sprechen. Ich kann nur wieder geben, was ich in meiner Umgebung wahrnehme, und das ist eine gefährliche Mischung aus Orientierungslosigkeit und Angst. Darum ist Orientierung das Erste, was mir zu dieser Frage einfallen würde. Ich vertrete die Überzeugung, dass Orientierung nur möglich ist durch nüchterne Dialektik und Selbstfürsorge. Und ich behaupte nicht, dass mir das immer gelingt. Viele Debatten werden derzeit extrem emotionalisiert geführt, angefeuert durch soziale Netzwerke und Medien. Einer Frage auf den Grund zu gehen, braucht aber Zeit. Das haben wir vergessen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wesentlich wird sein, dass wir Farbe bekennen und  klar formulieren, zu welchen Werten wir stehen. Die banale Frage, wie wir leben wollen, haben wir – aus welchen Gründen auch immer – einfach nicht gestellt. Die Multikrisen wären niemals ohne Prokrastination entstanden. In Deutschland bin ich ein Kind der Ära Helmut Kohl. Rückblickend betrachtet war das eine Zeit des bequemen Nihilismus, weil wir finanziell abgesichert waren. Unabhängig davon, dass es selbstverständlich sehr engagierte NGO‘ s gegeben hat: Die Sorgen, die wir hatten, waren zum Großteil privater Natur. Das hat sich radikal geändert. Darum hat meine Generation, die der Post 68er gegenüber der nachfolgenden Generation eine besondere Bringschuld. Die Klimakatastrophe hätte verhindert werden können. Wahrscheinlich war meine Generation zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Aber das soll keine Ausrede sein. Der Geist, der damals herrschte, war apokalyptisch. Ich bin ein Post-Punk-Kind. Bis sich das änderte, musste ich das 30. Lebensjahr erreichen.

Zum zweiten Teil der Frage:

Ich glaube, dass Theater, Literatur und Kunst überhaupt keine Aufgabe haben. Das wird manche jetzt verwundern, besonders deshalb, weil ich ein glühender Anhänger des Epischen Theaters bin. Gemeinhin erwarten wir von Kunst, dass sie uns Antworten liefert. Antworten liefert lediglich die Philosophie, und selbst in dieser Disziplin ist es so, dass eine Antwort eine neue Frage voraus wirft (abgesehen von materialistischen Strömungen). Die Kunst gehört erst einmal sich selbst. Jemand schreibt ein Gedicht, weil diese Person ein Gedicht schreiben muss, sie kann rein organisch nicht anders. Etwas in uns will freigelegt werden, abgeschält. Wenn wir uns durch die Pandemie an etwas erinnert haben, dann daran, dass wir Menschen sind, die nach Begegnung lechzen. Diesbezüglich ist das Internet lediglich ein Surrogat.

Um die Frage abzurunden, kann ich aber durchaus sagen, was ich mir von der Kunst erhoffe:

Das ist vor allem mehr Wagemut. Viele Künstlerinnen und Künstler leben knapp über dem Existenzminimum und werden dafür von der Gesellschaft geächtet. Gewiss, niemand in unserem Kulturkreis, der oder die Theater macht, muss heute noch um sein Leben fürchten. Aber eine gewisse Form der Ächtung ist geblieben, wenn jemand von seiner Kunst nicht leben kann, was nicht das Allergeringste über den Wert eines Werkes aussagt. Überhaupt ist Theater wohl die undankbarste Gattung , weil sie endlich ist. Ein Text bleibt, ein Gemälde bleibt, das gleiche gilt für den Film. Darum haben es Theatermacher, erst recht in der Zeit der digitalen Revolution, ganz besonders schwer. Es spielt keine Rolle für mich, dass Inszenierungen aufgezeichnet werden können. Das spiegelt nicht im Entferntesten wider, was auf der Bühne geschieht, zum Beispiel die Atmosphäre einer Aufführung. Was also tun? Pädagogisch lösen wir das Problem jedenfalls nicht. Pädagogik in der Kunst halte ich für einen absoluten Irrglauben. Dafür darf man mich gern kritisieren. Allerdings glaube ich an glückliche Zufälle. Und ein glücklicher Zufall wäre, dass das Theater (ich würde lieber im Plural sprechen, denn es gibt unzählige Formen außerhalb unserer Stadttheaterkultur, welche nicht nur nicht gewürdigt, sondern nicht einmal beachtet werden, mittlerweile haben geschätzte 90 Prozent der Schauspieler und Schauspielerinnen in der freien Szene eine Ausbildung!) einen Weg finden kann, der es dieser Kunst möglich macht, gleichberechtigt existieren zu können neben der Filmkunst und den Angeboten aus dem Internet. Zudem wünsche ich mir eine radikale Entschleunigung in nahezu allen Lebensbereichen. Dafür müssen wir kein Meditationsseminar besuchen. Der Romanautor Karl Ove Knausgard hat dies radikal umgesetzt. Jede Sekunde ist von Bedeutung, obwohl rein gar nichts passiert.

Was liest Du derzeit?

Wundervolle Werke, und zwar:

Lyrik: „In den Pfützen der Stadt wächst ein Stück Himmel“ von Fabian Lenthe.

Prosa: „Tagebücher 1910 – 1923“ von Franz Kafka und „Ahasver“ von Stefan Heym.

Philosophie: „Die Seele des Menschen – Ihre Fähigkeit zum Guten und zum Bösen“ von Erich Fromm.

Ein großartiges Lehrbuch, mit welchem ich dreißig Jahre verbringen könnte: „Die Kunst des Schauspielers“ von Michael Tschechow.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Für ihre Nahrung und Kleidung arbeiteten sie nur wenig und leicht. Sie kannten weder Streit, noch Eifersucht und wussten nicht einmal, was das bedeutet… Eine ruhige, tiefe, beschauliche Ekstase.“

F.M. Dostojewski

Edgar Bangert_Schauspieler, Theaterregisseur, Schriftsteller

Vielen Dank für das Interview lieber Edgar, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Edgar Bangert_Schauspieler, Theaterregisseur, Schriftsteller

http://www.edgarbangert.de/traum.html

Fotos_1 Jeanne Prager; 2,3 Sven Christian Schramm; 4 Zartelli; 5 Edgar Bangert.

31.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Geht es auch anders?“ Fenja Lukas, Sopran _ Give Peace A Chance _ Linz 4.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Geht es auch anders?

Ist es das was wir können, was wir tun?

Vergewaltigung, Mord, Hass, Blutvergießen und der ständige Lärm der Zerstörung.

Ein – nein – alle Leben zu entwürdigen?

Passiert uns das immer wieder?

Ein unaufhaltsamer Kreislauf?

Aufbau, Zerstörung, Aufbau, Zerstörung, Aufbau, Zerstörung

Chancen ersticken, Potentiale versiegen, Gesänge verstummen.

Eine Geschichte geschrieben von Historikern.


Aber wir sind nicht so. Du bist nicht so. Ich bin nicht so.


Choräle, Duette, Arien werden geschrieben während sie gesungen werden.

Herauszuarbeiten den Klang unserer Geschichte, diese Aufgabe liegt bei uns.

Alle sind gefragt unsere Lieder mitzuschreiben.

Niemand ist alleine auf dieser Welt, niemand darf verstummen.

Charaktere – verwoben in der Weltmusik.

Es geht auch anders!


Fenja Lukas, 10.9.2022

Fenja Lukas_Sopran

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Fenja Lukas_Sopran

https://www.fenja-lukas.de/

Foto_Stefan Weiss

Walter Pobaschnig _ 10.9..2022.

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„Sich üben im vertrauen“ Martina Stilp, Schauspielerin _ Baden/NÖ 4.10.2022

Liebe Martina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Danke sagen, Tee kochen und meditieren.

Yoga, frühstücken und Ordnung machen. Lesen für mich oder fürs Theater oder proben im Theater. Essen. Im Garten arbeiten, Freunde oder Verwandte treffen oder ruhen. Essen. Abendvorstellung oder Probe oder Kino oder Garten.  Ein guter Wein. Gute Gespräche.

Danke sagen und bewusst entspannen.

Martina Stilp  Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich üben im VERTRAUEN. Ein Grundvertrauen schaffen, das Entspannung und Angstlosigkeit ermöglicht. Was sind meine ganz persönlichen LEBENSFREUDEN? Bei was beginnt mein Herz vor Freude zu hüpfen? Selig, wer das für sich findet und praktiziert.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“ (Rilke)

Empathie! Miteinander! Konzentration auf das was funktioniert im Leben!

Es ist ja nicht ALLES total bescheuert. Dankbar sein für das, was man hat! Gesundheit, Kinder, warmes Wasser beim Duschen…das ist für jede und jeden verschieden.

Die Rolle, die jetzt das Theater, die Oper, die Kunst überhaupt einnimmt, ist eine ganz wunderbare! Sie wird zu einem wunderbaren „Fluchtort“. Oder einem Ort, der auch ohne dass man gleich zu ihm flüchten muss, mir Regeneration, Ablenkung, Vertiefung, Bereicherung, Lachen, Weinen, Entführung, Unterhaltung, Heilung & Begegnung schenkt. Das ist seeeehr fein.

Ich könnte ohne die vielen wunderbaren Kunstsparten nicht glücklich leben.

Was liest Du derzeit?

Das LOLA-Prinzip

von René Egli

Sommergäste

von Maxim Gorki

Die Alm – Ein Ort für die Seele

von Martina Fischer

und ein Buch über Hildegard von Bingen

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Die Liebe ist der einfachste und wirkungsvollste Prozess zur Vermehrung der Erkenntnis im Universum.“

(René Egli)

„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“

(Jesus)

„Liebt das Böse gut“

(Christian Morgenstern)

Martina Stilp  Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview liebe Martina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Martina Stilp, Schauspielerin

https://www.martinastilp.at/

Fotos_Moritz Schell

30.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Ein brillianter satirisch messerscharfer Theaterabend!“ „Die Hinrichtung“ _ „IL Vero Teatro“ _ Premiere Theater Arche_Wien 3.10.2022

„Die Hinrichtung“ Qualtinger/Merz. „IL Vero Teatro“_Premiere 3.10.2022 _ Theater Arche_Wien

Da ist das Leben in der kleinen Wohnung. Das Kreuz im Winkel und der Wein am Tisch. Vater, Mutter, drei Kinder. Wenn der Vater da ist, soll Ruhe sein…

Und dann ist da plötzlich der Besuch.  Und das große Geld für den Vater winkt – 10 Millionen! – wenn er…das muss jetzt besprochen werden.

Das Angebot der Herren für die festliche Matinee steht bereit. Wie auch das schon lange nicht mehr in Gebrauch stehende…

Aber Personal ist schnell gefunden…Der Fußpflegeberuf ist ja kein Ersatz für früher…und auch anderes Personal findet sich im Dunklen…

Die Zustimmung vom Amt ist auch da…

Der Zahnarztbesuch ist auch absolviert.

Und auch das Pantscherl am Küchentisch…

Zwischendurch Zwischenfälle am Weg zur Matinee…

Aber das Publikum findet sich schon interessiert zum Festakt ein… Jetzt könnte es losgehen…

Und probiert mal….

Und jetzt geht der echte Wiener zum großen, letzten Auftritt, Zutritt, Abtritt…

Oder doch nicht?…

Sehen Sie sich das an!

Das Wiener Schauspielensemble „IL Vero Teatro“ setzt das satirische Drama der vielseitigen wie prägenden Künstler der österreichischen Kabarett-, Fernseh-, und Theaterszene nach 1945 Helmut Qualtinger (1928-1986) und Carl Merz (1906-1979) in einem brillanten tiefschwarz komödiantischen Feuerwerk auf die Bühne, das begeisternd staunen lässt.

Die Neuinszenierung (Uraufführung 1965, Volkstheater Wien) von Veronica Buchecker lässt den schwarzen Humor in rasanten Pointen dieses nicht leicht dramaturgisch zu bauenden Wiener Theaterklassikers eindrucksvoll 2022 lebendig werden.

Die acht Aufzüge werden im ausdrucksstarken, wunderbar direkten wie dialogischen Spiel des hervorragenden Ensembles zum Schauplatz von Seelenabgründen, die Lachen und Gänsehaut verbinden und damit punktgenau Qualtinger/Merz wie Mensch und Zeit treffen. In mitreißender Präsenz im turbulenten Riesenrad von Emotion und Situation schaffen es Inszenierung und Ensemble aus den satirischen Etappen der Grundkonzeption ein Bühnenwerk zu formen, das in bester Theaterkraft ab- und hintergründig unterhält. Die Szenen im variablen bestens abgestimmten Bühnenbild sind getragen von intensiv-variantenreicher Dynamik des satirischen Rhythmus, der bis zum umjubelten Ende großartig funktioniert – Gratulation!

„Die Hinrichtung“ Qualtinger/Merz. „IL Vero Teatro“_Premiere 3.10.2022 _ Theater Arche_Wien

„Eine tiefschwarze Satire, die „IL Vero Teatro“ dramaturgisch messerscharf wie spielerisch begeisternd auf die Bühne bringt!“

„Die Hinrichtung“ Qualtinger/Merz. „IL Vero Teatro“_Premiere 3.10.2022 _ Theater Arche_Wien

Inszenierung: Veronica Buchecker

Ensemble: Nina Batik, Nicole Locker, Julia Manhardt, Nala Helga Oppenauer, Nina Pjanic, Peter Buchecker, Fabian Köll, Jürgen Pfaffinger, Rudolf Pfister, Michael Pockberger, Peter Rothkappel und Alexander Schrei

Weitere Termine: 3. bis 8. Oktober 2022

Beginnzeit: 19:30 Uhr

TheaterArche _ Münzwardeingasse 2A, 1060 Wien

Die Hinrichtung – Il vero teatro


Walter Pobaschnig  10/22

Alle Fotos_Walter Pobaschnig

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„Diokletian“ Kaiser zweier Welten. Alexander Demandt. Eine Biographie. C.H.Beck Verlag.

Die Wende des 3. zum 4.Jhdt ist eine Zeit der Krise für das römische Weltreich. Kriege sind bestimmend und traditionelle Herrschaftsstrukturen beginnen sich aufzulösen. Soldatenkaiser werden ausgerufen und das „Imperium Romanum“ droht in Ost und West zu zerbrechen, dabei sind auch religiöse Entwicklungen ganz wesentlich. Das Christentum gewinnt Raum und wird von manchen im Reich als Bedrohung gesehen. Wie soll es nun weitergehen?…

Am 20.November 284 wird der aus einfachen Verhältnissen stammende Diokletian, der nun Kommandant der kaiserlichen Garde ist, zum „imperator“ ausgerufen. Die Ereignisse sind von Gewalt und Tod begleitet. Diokletian setzt sich durch und beginnt jetzt das Reich in Militär, Gesellschaft und Religion, Kultur neu zu organisieren. Ein neues Zeitalter beginnt, dass seine prägende wie unerbittliche gnadenlose politische Handschrift tragen wird…

Alexander Demandt, emeritierter Professor für Alte Geschichte an der Freien Universität Berlin, legt mit seiner Diokletian Biographie eine wegweisende Studie vor, die in ihrem umfassenden Wissen des neuesten Forschungsstandes wie der übersichtlichen und spannend lesbaren Darstellung beeindruckt.

In XIII Kapitel, die von der Quellenlage, über das politische Modell der Tetrarchie, der Christenverfolgung wie Abdankung, Tod, Nachfolge reichen, wird sowohl die Persönlichkeit Diokletians in allem individuellen wie politischen Facettenreichtum wie auch im Kontext der Zeit der Spätantike und deren Entwicklungen erläutert. Zusätzlich finden sich in den Anhängen weiterführende Informationen, die sehr bemerkenswert und hervorzuheben sind.

„Eine wegweisende Biographie Diokletians, die in Fachwissen wie spannender Lesbarkeit begeistert!“

Walter Pobaschnig  9_22

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„Aufwachen, nach Traumresten fragen, in den blauen Himmel schauen“ Eberhard Geisler, Schriftsteller _ Mainz 3.10.2022

Lieber Eberhard, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Aufwachen, nach Traumresten fragen, in den blauen Himmel schauen. Eventuell schon ein paar Sätze notieren. Dusche, Kaffee, Müsli oder Toastbrot. Arbeit am Schreibtisch, bis ich einigermaßen mit mir selbst zufrieden bzw. auf der Höhe meiner eigenen Vorstellungen bin.

Fragen, ob ich Freunden eine Mail schreiben kann. Alltagsdinge: Einkaufen, Sachen erledigen. Mineralwasser in den Kühlschrank legen.

Eberhard Geisler, Schriftsteller,
Literaturwissenschaftler, Übersetzer, Literaturkritiker

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht die Nerven verlieren. Verstehen, dass die Anderen von der augenblicklichen Situation genauso genervt sind wie man selbst. Schöne Einfälle. Gesprächsfäden nicht abreißen lassen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur, Kunst und Musik führen vor, was die Menschheit Großartiges und Erhabenes geleistet hat, und geben uns Kraft, uns für die Erhaltung und Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.

Was liest Du derzeit?

Heute trafen die „Notas. Unzeitgemäße Gedanken“ von Nicolás Gómez Dávila bei mir ein. Ich habe vor Jahren eine scharfe Kritik dieses umstrittenen Autors geschrieben und werde das neue Buch für eine Tageszeitung rezensieren. Ich werde auf der Notwendigkeit einer Kontextualisierung dieser Aphorismen bestehen, die teils abscheulich antidemokratisch, teils aber – in philosophischer bzw. theologischer Hinsicht – zumindest diskutabel sind. Der Philosoph Vittorio Hösle hat den großartigen Einfall gehabt, Gegenaphorismen zu Gómez Dávila zu schreiben, die soeben beim Verlag zu Klampen in Springe erschienen sind.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Zitat von Gómez Dávila, in dem er sich endlich einmal nicht arrogant, sondern bedürftig zeigt: „Es gibt Geister, die einsam genug sind, um sich in ihrem inneren Schweigen die Frucht ihrer Erfahrungen selbst mitteilen zu können. Doch ich gehöre nicht zu einer derart abweisenden Verstandesordnung; ich brauche das Gespräch, das sich dem schwachen Geräusch des Bleistifts zugesellt, wenn er über das unberührte Blatt gleitet.“

Vielen Dank für das Interview lieber Eberhard, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Eberhard Geisler, Schriftsteller, Literaturwissenschaftler, Übersetzer, Literaturkritiker

Foto_Isabel Jasnau

11.8.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Black Box“ Christoph Danne, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Köln 3.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE


BLACK BOX

oft lieGen wir jetzt wach

warten darauf dass es gleichgültig wIrd

dass es Verödet insgeheim

doch Es gelingt uns nicht

dieses monstrum Passt

nicht hinter unserE vorhAenge nicht unter unsere warmen matratzen aCh

wir warten auf Einen neuen tAg wie auf das zusChlagen

einer türe im wind

erwarten das bersten des Holzes Als vergeltung für die

taten die ratloseN

für uns verstummte

die wir noch immer waCh liegEn



Christoph Danne, 10.9.2022

Christoph Danne, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Christoph Danne, Schriftsteller

Christoph Danne (christoph-danne.de)

Foto: privat

Walter Pobaschnig _ 10.9.2022.

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„Was bleibt übrig? Kunst. Unsere Kunst.“ Laura Bilgeri, Schauspielerin _ Wien 2.10.2022

Liebe Laura, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf ist täglich anders. Das Leben als Schauspielerin ist ein Abenteuer. Ich weiß oft am Abend noch nicht, welches Casting oder welches Projekt mich am nächsten Tag wohin zieht.

Die letzten zwei Jahre jedoch, waren für uns Künstler sehr schwer. Während der Pandemie ist natürlich die ganze Casting Szene sehr digital geworden, dh. ich bekomme von meinem Management aus New York oder Berlin eine E-Mail, mit Details über das Projekt, einige Szenen und das Drehbuch. Meistens habe ich nur wenige Tage oder Stunden Zeit, den Text komplett auswendig zu lernen, dann mit meinem Handy & einem Szene Partner aufzunehmen und loszuschicken. Dann heißt es abwarten, etwas frische Luft & wieder abwarten.

Wenn ich jedoch am Drehen bin, wie jetzt momentan, dann hab` ich einen sehr gestaffelten Tagesablauf. Was auch der Psyche gut tut. Es ist ein Privileg in Zeiten wie diesen an einem Filmset zu stehen. Nichts ist mehr selbstverständlich. Jeder Tag ein Nervenkitzel. Beim Film beginnt der Tag meistens sehr früh, was für mich immer eine lustige Herausforderung ist, da ich ein Langschläfer und Nachtmensch bin, aber sobald sich mein Körper auf den Dreh einstellt hat, wache ich sogar vor dem Weckerklingeln auf 🙂 Für mich persönlich gibt es nix besseres, als an einem Set zu stehen und in verschiedene Rollen zu schlüpfen.

Seit Beginn der Pandemie habe ich mich auch sehr auf die Musik fokussiert. Jazz war immer schon eine große Liebe von mir. Ich gründete eine kleine Jazzband & veröffentlichte Anfang der Jahres mein erstes Jazz Album. Nach einigen Lifestream Konzerten geht es jetzt auch mit echten Live Konzerten vor Publikum los. Ein tolles Gefühl. Jazz ist zeitlos & gibt mir immer das Gefühl, die Welt ist in Ordnung. Grad in turbulenten Zeiten wie diesen, Balsam für die Seele. Momentan arbeite ich an mehreren TV & Streaming Produktionen in Wien & Berlin. Nebenbei bin ich im Studio & arbeite an meinem neuen Album.. diesmal wird es eher in die Pop/R&B Richtung gehen… Musik & Schauspiel zu kombinieren ist für mich das schönste.

Laura Bilgeri_Schauspielerin, Sängerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich finde, grad in Zeiten wie diesen, ist der Zusammenhalt sehr wichtig. Ich habe das Gefühl, so eine getrennte Gesellschaft wie momentan, hatten wir noch nie. Die Menschen leben an sich vorbei… & social media macht das ganze nicht besser. Es wird nicht mehr miteinander kommuniziert & der Respekt geht verloren. Wir müssen uns täglich vor Augen setzten, in welch privilegiertem Land wir leben- trotz Krise. Ich lebe & arbeite sehr viel im Ausland und denke mir jedes Mal, wenn ich nach Hause komme, wie gut es uns hier in Oesterreich geht.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Wenn wir alle irgendwann nicht mehr sind, was bleibt übrig? Kunst. Unsere Kunst. Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie wichtig Kunst in unserem Leben ist. Sie bereichert, inspiriert & gibt uns Kraft.

Was liest Du derzeit?

Derzeit lese ich die Biografie von Julie Andrews “Home“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?“

Laura Bilgeri_Schauspielerin, Sängerin

Vielen Dank für das Interview liebe Laura, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Laura Bilgeri_Schauspielerin, Sängerin_ Wien, Bregenz & New York

Foto 1, 3_Alan Ovaska; 2 Christof Waibel.

24.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Erklärtes Ziel“ Felix Grundhöfer, Bildender Künstler _ Give Peace A Chance_ Brig/CHE 2.10.2022

GIVE PEACE A CHANCE


Gesellschaftliche

Integration

Verlangt ab, von zu Integrierenden viel

Ein

Plurales

Eingehen

Aller, auf erwähnte

Charaktere, ebenfalls ein Muss, erklärtes Ziel

Erforderlich, zeugt von sozialer –

Art

Charisma

Hilfe

Anbieten

Nicht

Contraste aufbauen, weiteres Muss,

Erklärtes Ziel




Felix Grundhöfer, 9.9.2022

Felix Grundhöfer  _ Illustrator, Bildender Künstler, Comic 

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Felix Grundhöfer  _ Illustrator, Bildender Künstler, Comic 

https://www.felixgrundhoefer.ch/

Fotos/Ilustrationen_Felix Grundhöfer 

Walter Pobaschnig _ 8.9.2022.

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„Ohne Krieg zu leben!“ Arturas Valudskis, Regisseur _ Salzburg 1.10.2022

Lieber Arturas, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Schlafen, essen, denken und lieben!

Arturas Valudskis, Regisseur  _
Fotos _Generalprobe „Onkel Wanja“ A.Tschechow, Regie: Arturas Valudskis_
TAG Theater Wien 9_22

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ohne Krieg zu leben…

und lächeln…

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Nicht das Neue suchen, sondern das Alte wiederentdecken.

Was liest Du derzeit?

„5 vor dem Anfang der Welt“ Marius Martynenko

(Arturas Valudskis liest und übersetzt dieses Buch des litauischen Autors Marius Martynenko. Anm.)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl` ihm von deinen Plänen.

Arturas Valudskis, Regisseur 

Vielen Dank für das Interview lieber Arturas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theaterprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Arturas Valudskis, Regisseur 

Arturas Valudskis

wurde 1963 in Litauen geboren. Musikstudium in Kaunas. Ab 1986 Regie- und Schauspielstudium an der Kunstakademie in Vilnius. Förderstipendium der Stadt Salzburg, dort 1994 Gründung des Theater Panoptikum. Zahlreiche Produktionen u. a. für das Toihaus Salzburg, die Musikwochen Millstatt, das Landestheater Salzburg sowie für das Schauspielhaus Salzburg. 2011 Gründung des Aggregat Valudskis mit Julia Schranz, Martin Bermoser und Markus Kofler. Im TAG war zuletzt seine Inszenierung KIRSCHGARTEN zu sehen. Valudskis lebt in Salzburg.

Aktuelle Premiere _ „Onkel Wanja“ von Anton Tschechow, Fassung und Regie Arturas Valudskis_1.10.2022 _ TAG Theater Wien

https://www.dastag.at/onkelwanja

Alle Fotos_Anna Stöcher

28.9.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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