„Im Metroschacht“ Verena Dolovai, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Klosterneuburg/NÖ 4.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

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Verena Dolovai, 20.6.2022

Verena Dolovai  _Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Verena Dolovai, Schriftstellerin und Übersetzerin

Verena Dolovai

Foto_Julia C. Hoffer

Walter Pobaschnig _ 18.6.2022.

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„Grauenvolles“ Vivienne Causemann, Schauspielerin _ Give Peace A Chance _ Hard/Vbg. 3.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Give Peace A Chance _ Vivienne Causemann, Schauspielerin

Grauenvolles

immer

verloschen

einmal, zweimal, dreimal…



Persönliches

erstmal

allemal

charmanter

ergreifender



Aber



Chance

heute

auf

neue

chronologisch charakterstarke

entscheidungen



Vivienne Causemann, 13.6.2022

Vivienne Causemann, Schauspielerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Vivienne Causemann, Schauspielerin

Foto_Thomas Leidig

Walter Pobaschnig _ 13.6.2022.

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„Dass das Miteinander vielleicht Gestalten annimmt, die wir uns nie hätten vorstellen können“ Brigitte Wilfing, Choreografin, Performerin _ Wien 3.7.2022

Liebe Brigitte, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Immer anders. Gerade undiszipliniert und unproduktiv im herkömmlichen Sinn. Eine Zeit, in der ich das „Jetzt“ in deinen Fragen als jenen Moment, in dem sich das Zukünftige formt, adressieren kann. Daher anworte ich: ich werde getanzt, gelesen und geschrieben haben, meinem Doktorat näher gekommen sein und in dieser besonders wahnsinnigen Zeit besonders sanft gewesen sein.

Brigitte Wilfing, Choreografin, Performerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das kann ich nur für mich beantworten. In Zeiten zunehmender Re-Ideologisierung der Gesellschaft, reaktionärer Identitätsphilosophie und ödipaler Identifikationspolitiken versuche ich über den Tellerrand meiner eigenen Meinung zu blicken. Die widerspiegelt bloß meinen Horizont. Der erscheint mal weiter, mal enger, aber in jedem Fall nicht so wichtig, als dass ich ihn äußern müsste. Es sei denn, ich werde gefragt.

Zuhören hilft, jenseits des Eigenen zu schnuppern und immer wieder zwischen Meinung und Wissen zu differenzieren und zu verschieben. Letztendlich aber existieren viele Wahrheitsverständnisse nebeneinander, diese Ambiguität gilt es auszuhalten. Wenn ich das eigene Verständnis nicht so ernst nehme, muss ich es auch nicht verteidigen und mich auch nicht bestimmten Ausschlusslogiken ergeben. So bleibt Energie für das was mir wichtiger ist.

So gelassen das jetzt klingt, ich beantworte diese Fragen in der Ausrichtung einer Anrufung, den Weg dahin gehe ich – mal gerade, mal komme ich ab.

Brigitte Wilfing _‘Land of the Flats’

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz, der Kunst an sich zu?

Wir stehen immer vor einem Neubeginn. Aber ja, der Ausblick ins Morgen war schon mal heiterer und von größerer Zuversicht getragen. Als ich jünger war, ging ich davon aus, dass alles gut werden würde. Diese Zukunft, wie ich sie früher kannte, existiert nicht mehr in mir. Heute geht es mir darum, die Schwierigkeiten auszuhalten und damit zu arbeiten: was zeigt und lehrt uns diese verwundete Welt, was können wir anders machen, zu welchen Weisen des Zusammenlebens ruft uns dieser zerstörte Planet?

Der Kunst kommen dabei alle und keine Rollen zu, sie hat per se keine bestimmte Funktion. Sie operiert auf vielen Ebenen und entzieht sich einer einheitlichen Wirkweise und Lesart. Ihre Bedeutung gehört niemandem, sondern zeichnet sich durch die Pluralität der Begegnungen aus, die sie hervorbringt. Kunst, die jemand als gewalttätig empfindet, kann für jemand anderen erhellend und reinigend sein. Kunst ist Berührung. Es wäre eindimensional, wenn wir nur von Kunst, die schön ist, politisch korrekt, in der verbindende, fürsorgliche oder dekoloniale Praktiken und andere durchaus notwendige Impulse unserer Zeit zentral sind, berührt werden könnten. Mit Rancière gesprochen, ist Kunst ganz oft da emanzipatorisch, wo sie es gar nicht darauf anlegt. So wie nach Auschwitz weiterhin Gedichte geschrieben wurden, finde ich Kunst, in der Nabelschau betrieben wird, genau so bedeutsam, wie Kunst, in der neue Formen des Zusammenseins imaginiert werden.

Brigitte Wilfing _‘Land of the Flats’

Wichtig finde ich und jetzt spreche ich doch von einem Wir: wichtig ist, dass wir Künstler:innen auf so vielen Ebenen wie möglich auch tun, wovon wir sprechen. Es bedarf keiner weiteren schönen Worte und Gedanken, wenn das entsprechende Handeln ausbleibt. Wenn wir neue Räume und Seinsweisen imaginieren, von politics of care, relational aesthetics und speculative ethics sprechen, dann müssen wir bereit sein, die Konsequenzen dieser neuen Räume zu tragen. Konsequenzen, die uns vielleicht nicht immer gefallen, weil sie bedeuten, Gewohntes aufzugeben, weil sie unser Wissen demontieren vermögen, weil ein Fair Pay aller Beteiligten vielleicht heisst, mit weniger Performer:innen zu arbeiten, als es der Arbeit „stehen“ würde, weil andere Arbeitsweisen vielleicht auch danach verlangen, das Ruder abzugeben oder es anders in die Hand zu nehmen, weil es bedeutet, etwas zu riskieren, zu riskieren, dass das Miteinander Regie führt und dies vielleicht Gestalten annimmt, die wir uns nie hätten vorstellen können.

Brigitte Wilfing, „‚growing sideways‘

Was liest Du derzeit?

Ich bin gerade dabei, Bücher für den Sommer zu sammeln. Wie oben schon gesagt, ich werde ja viel gelesen haben. 🙂

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich schreibe mit zwei Katzen an meiner Seite, während ich an euch denke. Möge ich sie niemals verraten, denn damit verriete ich mehr als mich selbst, ich verriete das Beste vom Menschen.

Hélène Cixous „Liebes Tier – Für Kinder und Erwachsene“

Vielen Dank für das Interview liebe Brigitte, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanz-, Performance-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Brigitte Wilfing, Choreografin, Performerin

Fotos _ 1 Portrait Andrea Peller; 2-4 Markus Sepperer.

16.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Literatur hat die Aufgabe über Landesgrenzen hinaus zu verbinden und offen zu sein“ Sam Bennet, Schriftstellerin _ Aalen/D 2.7.2022

Liebe Sam, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Er sieht wie immer aus. Ich stehe auf, trinke meinen Kaffee und mach dann ein kleines Yoga-Programm. Wobei das von meiner Schlafqualität, die Nacht zuvor, abhängt. Dann setze ich mich an den Schreibtisch und arbeite, wie jetzt gerade, an meinem Manuskript.

Sam Bennet, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Mehr solidarischen Zusammenhalt und weniger Egoismus

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Es liegt doch auf der Hand; Frieden zu schaffen, Hände zu reichen und endlich aufhören Natur und Mensch auszubeuten.

Literatur hat die Aufgabe über Landesgrenzen hinaus zu verbinden und offen zu sein und zu bleiben.

Was liest Du derzeit?

Da ich gerade an meinem neuen Roman schreibe, lenke ich mich eher nicht mit Literatur ab. Ich habe zuletzt den dritten Band von Stephen Kings „Der dunkle Turm“ gelesen.

Und vom großartigen Aladin El-Mafaalani, „Wozu Rassismus?“ – kann ich wirklich jedem ans Herz legen

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wer keinen inneren Frieden kennt, wird auch in der Begegnung mit anderen keinen inneren Frieden finden.

Dalai Lama

Vielen Dank für das Interview liebe Sam, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Sam Bennet, Schriftstellerin

Foto_Christian Frumolt

16.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Größenwahn“ Susanne Huck, Künstlerin _ Give Peace A Chance _ Maria Rain/Ktn 2.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Größenwahn

In

Vorbereitung auf das

Elend erwacht nur der Trauermarsch.



Porzellan zerbricht

Erschreckt uns und

Ankert als Kuckucksei wie ein

Chemisch veränderter

Essigsaurer pH-Wert – heißt das von nun an –



Achtung! Die Instrumente des Friedens sind abgetaucht?



Cherub sucht seine Brüder im

Hafen, in den

Algenwäldern, unter den Luftschlössern. 

Namenlos viele Soldaten beschreiben das Wetter dort schwarz.

Cherub findet containerweise – nichts als verbrannte

Erde


Susanne Huck, 27.5.2022

Susanne Huck_  Acryl auf Leinwand 60x80cm, 2021
Susanne Huck_Künstlerin, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Susanne Huck_Künstlerin, Schriftstellerin

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 23.5.2022.

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„Einen neuen Ansatz für die Musikalität zu finden“ Noa Kleisen, Pianistin _ Wien 1.7.2022

Liebe Noa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Im Moment gibt es bei mir keinen bestimmten Tagesablauf. Da ich viele verschiedene Dinge gleichzeitig mache, muss ich in meinem Tagesablauf flexibel sein. Im Moment konzentriere ich mich zum Beispiel auf drei verschiedene Dinge: Ich bin Pianistin, also muss ich tägliches Üben in meinen Tag einbauen, ebenso wie Proben und Unterrichte. Dann organisiere ich auch noch das internationale Kammermusikfestival Joie de Vivre – was von alleine schon aus einer Vielzahl von Aufgaben besteht. Das dritte Projekt, an dem ich arbeite, ist der Dreh eines Dokumentarfilms über „Frauen in der Welt der klassischen Musik“. Im Moment bin ich dabei, das Drehbuch fertig zu stellen, denn wir werden demnächst mit den Dreharbeiten beginnen.

Noa Kleisen, Pianistin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Diese Frage finde ich schwer zu beantworten, weil sie für jeden anders ist. Wenn Sie mich nach meiner persönlichen Meinung fragen, würde ich sagen, dass es vielleicht wichtig ist, ein (erneuertes) Gemeinschaftsgefühl zu schaffen, bei dem wir uns der gegenseitigen Unterstützung bewusster werden. Ich habe das Gefühl, dass wir während der Pandemie viele Verbindungen zueinander verloren haben, wodurch sich viele von uns ein wenig verloren und allein fühlten. Dies ist auch der Grundgedanke meines Festivals „Joie de Vivre“, und ich hoffe wirklich, dass ich dadurch zu einem allgemeinen Gemeinschaftsgefühl beitragen kann.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ich denke, die einfache Antwort auf diese Frage ist, dass wir alle unsere Motive und unseren Standpunkt im Leben überdenken mussten. Da Musik oder jede andere Kunstform eng mit unserem inneren Wesen verbunden ist, denke ich, dass es fast unmöglich ist, diesen Prozess voneinander zu trennen, wenn man ein Künstler ist. Für Musiker oder Künstler bedeutet ein Neuanfang also möglicherweise auch einen neuen Ansatz für die Musikalität oder den Ausdruck.

Ich selbst habe eine Phase von fast einem Jahr durchgemacht, in der ich kein Klavier angefasst habe und mich auf ganz andere Dinge konzentriert habe. Ich habe viele Interessen, und es war sehr erfrischend sowie sehr wichtig, mich diesen eine Zeit lang hinzugeben. Als ich mich schließlich entschied, zum Klavier zurückzukehren, war ich ein völlig anderer Mensch. Ich bin viele meiner Unsicherheiten losgeworden und ich hatte definiert, warum ich diesen Beruf ausüben möchte.

Was liest Du derzeit?

Ich lese wirklich gerne, aber ich muss leider gestehen, dass ich im Moment kaum Zeit habe, viel zu lesen. Wenn ich aber zum Lesen komme, dann lese ich abwechselnd „Die gute Erde“ von Pearl S. Buck und „Kapitän Corellis Mandoline“ von Louis de Bernières.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Mut hat Genie, Kraft und Zauber in sich“. Goethe.

Vielen Dank für das Interview liebe Noa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Noa Kleisen, Pianistin

Foto_Andrej Grilc

30.5.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gräber“ Andreas Unterweger, Schriftsteller _Give Peace A Chance _ Leibnitz/AT 1.7.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gräber sind keine Auswege, auch wenn sie sich

In alle Richtungen auftun, und auf so einem Friedhof

Verirrt man sich schnell. Nicht nur hier in St. Peter –

Es reicht schon, Nachrichten zu hören oder aus Mein Freund




Pax vorzulesen. Hinterher solltest du dem Kind freilich

Erklären, was der Unterschied ist zwischen Romana und

Americana (es gibt keinen, und wenn, dann ist er winzig,

Ca. 2000 Jahre nur, kaum ein Christentum also, sprich:

Einen langen Kreuzzug, gut gemeint, aber grausam).




Auf so einen Friedhof verirrt man sich schnell, deshalb




Check Ort für Wort, wohin du trittst, ob nun in Lebring oder

Hier im Freizeitzentrum Flavia Solva, über dessen streets kein Dylan je sang

Are filled with rubble, obwohl die Knochen nach der Landesausstellung

Nur notdürftig verscharrt worden sind. – Für dich, mein Vager, frei und froh, stehen die

Chancen freilich denkbar schlecht. O du süszer, holder, lieber, goldner

Ein Wort wie ein Friedhof, da verirrt man sich schnell.


Andreas Unterweger, 13.6.2022

Andreas Unterweger,
 Schriftsteller und Herausgeber der Literaturzeitschrift manuskripte

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Andreas Unterweger, Schriftsteller und Herausgeber der Literaturzeitschrift manuskripte

Am 24.6. erscheint sein Roman „So long, Annemarie“ , Droschl Verlag.

Foto_Helmut Lunghammer

Walter Pobaschnig _ 13.6.2022.

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