„An das Gute zu glauben, Hoffnung geben“ Ursula Reicher, Sängerin _ Wien 12.4.2022

Liebe Ursula, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Grundsätzlich gestaltet sich bei mir jede Woche etwas anders – das hat davon ab, welche Konzerte und Proben im beruflichen Bereich, welche Termine im privaten Bereich in der jeweiligen Woche anstehen bzw. an welcher Komposition ich in diesem Zeitraum arbeite. Also versuche ich zum einen sehr flexibel zu sein, zum anderen in dieser ständigen Abwechslung einen Rhythmus zu finden. Das kann hin und wieder sehr herausfordernd sein – wenn es gelingt, eine Struktur in den bunten Alltag zu bekommen, schenkt sie ein schönes und beruhigendes Gefühl, überdies ist die Abwechslung sehr motivierend. Ein strukturierter Tag sieht dann folgendermaßen aus:

In der Früh aufstehen, Sport (meistens Laufen), Dusche, Frühstück mit einem guten Kaffee, dann an’s Klavier komponieren/arrangieren (je nachdem, an welchem Stück ich gerade arbeite) – dies meist 4-5 Stunden mit kleinen Pausen, eine größere Pause mit verspäteten Mittagessen, daraufhin Gesang/Klavier/Gitarre üben (je nachdem, welche Programme für Konzerte am Plan stehen – sonst bestimmte Musik/Werke auschecken) – dies meist 2-3 Stunden, wieder komponieren/arrangieren kombiniert mit Werkanalyse/Musikhören von Stücken/Musik, die mich im Moment inspirieren; mit meinem Freund und Partner den Tag rückblickend betrachten, bettfertig machen, am Ende des Tages (meist sehr sehr spät – ich bin eine Nachteule 🙂 noch einen guten Film oder eine Serie/Doku anschauen und schließlich müde einschlafen.

Ursula Reicher, Sängerin, komponistin&arrangeurin, pianistin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Im Moment herrscht eine undefinierbare Stimmung. Es fühlt sich beinahe wie Sprachlosigkeit an. Man ist mit Fragen konfrontiert: Was bringt die Zukunft? Wie flexibel kann ich sein, wie viel Energie kann ich aufbringen? Was ist für mich dabei wichtig?

An das Gute zu glauben, Hoffnung geben, „bewusst“ sein, geben und achtsam, respektvoll nehmen, Wertschätzung zeigen, Großzügigkeit, Energie geben, gut zu den Menschen sein, die man liebt und schätzt, gut zu sich selbst sein, aktiv sein, tun, sich entscheiden, nicht nur versuchen, sondern tun und nie aufhören, immer weitermachen, auch wenn die Umstände einen zweifeln lassen, nie aufgeben.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Derartige Zeiten bringen viel Dunkles mit sich. Diese „Dunkelheit“ hat auch Angst in sich. Ich bin ein Typ Mensch, der gerne an Grenzen geht, gerne risikobereit ist, um das Ungewisse, die Angst zu hinterfragen, sich diesem/dieser zu stellen und in diesem intensiven Prozess zu versuchen, selbst den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren – eine Möglichkeit zu finden, die Tatsachen und die unangenehmen Dinge des Lebens zu akzeptieren. Diese Akzeptanz bringt im besten Fall aus meiner Erfahrung viele Chancen, kann bestärkend wirken, und es schenkt eine unglaubliche Tiefe, die mich dann sehr berührt, ruhig werden lässt, zugleich mit enormer Energie erfüllt. Das klingt nun womöglich „kitschig“ und beinahe „einfach“ solche Herausforderungen anzunehmen – es ist nicht so einfach – es ist wie es ist – ich spreche hier von einer wesentlichen und relevanten Intensität und Empfindsamkeit. Es ist wichtig, dass Musik und Kunst intensiv ist, dass Inhalte eine Bedeutung haben, denn wenn für einen Menschen etwas bedeutend ist (im wahrsten Sinne des Wortes), dann nimmt er es ernst, dann ist er bereit zu empfinden – wenn das Leben, die Musik, intensiv ist, dann spürt der Mensch sich; er empfindet Freude, Lust, Leid, Trauer – alle unterschiedlichen Gefühle, ob gut oder schlecht, aber er empfindet und es hat Bedeutung – die Gleichgültigkeit schwindet. Wenn mir etwas bedeutet, es wesentlich in meinem Leben wird, dann fühle ich mich verantwortlich in all dem Tun mit der Sache; ich bekomme/finde einen Grund, um an etwas zu glauben.

Ich glaube an die Musik, ich glaube an meine Musik und die Art meine Kunst auszudrücken, da sie mir sehr viel bedeutet, da ich in ihr wesentliche Inhalte meines Lebens verarbeite und teile, ob es Freude oder Trauer oder von anderer Natur ist. Ich finde es wichtig, andere Menschen mit meiner Musik zu konfrontieren und vertraut zu machen, um bewusst zu machen, dass man etwas braucht, an das man glauben kann; dass man etwas braucht, das einem sehr viel bedeutet; dass man etwas braucht, wo man den Raum hat, zu empfinden; dass man braucht, dass man gebraucht wird – bedeutend für andere Menschen wird.

Was liest Du derzeit?

Zurzeit habe ich so viele Bücher, die ich lesen bzw. zu Ende lesen möchte. Da bin ich ein Tausendsassa – mich interessieren viele Themen zur gleichen Zeit und ich fange oft 3 Bücher zu gleich zu lesen an. Ich habe nun „Palliativgesellschaft – Schmerz heute“ von Byung Chul Han gelesen und als nächstes möchte ich seine „Philosophischen Untersuchungen zum Tod“ – „Todesarten“ lesen. Es liegt auch ein populär-wissenschaftliches Buch im Bereich der Astronomie, die Biographie „The View From The Back Of The Band“ von dem Jazz-BigBand-Schlagzeuger Mel Lewis, die ich bereits zum zweiten Mal lese, auf meinem Nachtkästchen. Genügend Stoff zu lesen 🙂  

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„I believe in the potential of the human heart, that love should always be our  highest aspiration. We should strive to be gracious and neighborly in all we do.“

Ursula Reicher, Sängerin, komponistin&arrangeurin, pianistin

Vielen Dank für das Interview liebe Ursula, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Ursula Reicher, Sängerin, Komponistin&Arrangeurin, Pianistin

Alle Fotos_Carina Antl

7.3.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Kunst ist spannender, bereichernder und nachhaltiger Austausch“ Peter Pirker, Künstler _ Wien 11.4.2022

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nun, entgegen der weitläufigen Meinung, dass ein Maler in der Früh mit einem fertig geträumten Bild im Kopf aufsteht, Dieses dann malt und am Abend den Pinsel wieder weglegt, ist mein Tagesablauf natürlich viel komplexer, da der eigentliche Malprozess ja immer zuerst mit der entsprechenden thematischen und maltechnischen Inspiration sowie detaillierten Planungen und Vorbereitungen beginnt, Stichwort (teure!) Materialbeschaffung usw.

Dafür muss ich etwa sehr viel lesen und umfassend recherchieren, zu den verschiedensten Themen, die mich gerade ansprechen – meine eigene ‚Kobaltgelb-Membran‘-Serie, an deren Entwicklung ich mehrere Jahre (!) gearbeitet habe, wurde etwa von der fraktalen Geometrie inspiriert, die ‚WomAnubis‘-Reihe von der Ägyptischen Mythologie, ‚Jade Dragon‘ wiederum von den Begräbnisritualen der Chinesischen Han Dynastie.

Malen ist eine sehr vielschichtige, akribische und zeitaufwendige, beinahe 24/7 Tätigkeit, die viel Ausdauer, Konzentration, Durchhaltevermögen und Idealismus erfordert, da jeder Arbeitsschritt gut überlegt sein muss – ein falscher Pinselstrich, oder die falsche Farbwahl kann das ganze Bild = wochenlange Arbeit auf einen Schlag zunichtemachen.

Die Farben sind zudem wie ein Zahlenschloss, mit schier unendlichen Kombinationsmöglichkeiten, den ich bei jedem Malvorgang neu ‚knacken‘ muss.

Und da die besten Ideen während der Arbeit selbst entstehen, bin ich fortlaufend mit Skizzieren, farblich und maltechnisch Experimentieren, Themen sortieren, an mich selbst hohe Ansprüche stellen sowie mental stärken beschäftigt, da es natürlich auch weniger konstruktive Tage gibt, wo man an sich und an seinem Können zweifelt.

Peter Pirker, Künstler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Als passionierter Radfahrer, Hobbygärtner und Hobbykoch finde ich, dass wir uns dringend wieder entschleunigen und mäßigen sollten, regional, saisonal, nachhaltig und möglichst autark, im Einklang mit der Natur und ihren Gesetzen leben, und uns auf das Wesentliche konzentrieren: weniger Gier und Egoismus, Ausbeutung und Turbokapitalismus, dafür mehr Förderung und Ausbau von Menschlichkeit, Achtsamkeit, Empathie, Sensibilität füreinander, Rücksichtnahme, Toleranz, innere Stimme, soziale Kompetenz, Intuition sowie Sinn für Ästhetik und Ethik.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die schönen Künste sind definitiv der Schlüssel zum Erfolg, denn schöne Bilder vermitteln uns als visuelle Botschaften die positiven Inhalte, die unseren Körper, Geist und Seele sowohl aktiv als auch passiv anregen und für innere und äußere Zufriedenheit sowie Wohlbefinden sorgen.

Sie ermöglichen uns wunderbare Reisen durch farbenfrohe Bilder und Themen und bereichern unsere Fantasie sowohl optisch als auch thematisch, und ich als bildender Künstler freue mich sehr, dass ich Raum für das Schöne und zum Nachdenken Anregende schaffen kann und die Gefühle, die ich beim künstlerischen Schaffen durchlebe durch meine Werke auf die Betrachter übertragen kann, wodurch wiederum ein reger, spannender und gegenseitig bereichernder und nachhaltiger Austausch mit ihnen entsteht.

Serie _ ‚WomAnubis‘ , ‚Jade Dragon‘ _ Peter Pirker

Kunst sollte meines Erachtens allerdings auch wieder mehr ästhetisch, authentisch, stilvoll, thematisch und technisch komplex sowie anspruchsvoll, ausdrucksstark und qualitativ hochwertig sein.

Ich habe als Kind sehr gerne mit Knetmasse, Ölmalstiften und kleinen Dinosauriern gespielt und finde, dass jedes Kind die Möglichkeit bekommen sollte, sich mit allen Mitteln der Kunst spielerisch-kreativ auszutoben, anstatt auf Computerbildschirme und Mobiltelefone zu starren, mit verstörenden Inhalten konfrontiert und dadurch zu geistig, körperlich und emotional ‚deformierten‘ Erwachsenen zu werden.

Was liest Du derzeit?

Hans Rath: Manchmal ist der Teufel auch nur ein Mensch

Gedanken von und zu Arthur Schopenhauer

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Das Gegenteil von Kunst ist künstlich.

(Walter Ludin, Schweizer katholischer Theologe, Priester, freischaffender Journalist, Redaktor und Buchautor)

Peter Pirker, Künstler

Vielen Dank für das Interview lieber Peter, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

Ich danke! 😊

5 Fragen an Künstler*innen:

Peter Pirker, Künstler

Fotos_Die Fotos hat Frau Mag. Reka Katona gemacht, in Sorrento, wo 3 Werke aus meiner ‚Kobaltgelb-Membran‘-Serie beim ‚SyArt Festival – International Meetings Of Contemporary Art‘ von Juli bis September 2021 in der berühmten Villa Fiorentino ausgestellt wurden.

4.12.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Sie verschluckte sich am Kaffee“ Julia Hoch, Schriftstellerin_ Give Peace A Chance _ Bochum 11.4.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Sie verschluckte sich am Kaffee. Damit hatte sie nicht gerechnet – mit dieser Nachricht auf dem Schirm. Doch hatten so einige davor gewarnt, hatten informiert, berichtet, gezeichnet, hatten enttarnt. Vor Stunden, vor Tagen, vor Wochen.

Sie starrte den Fernseher an, sah hin, blickte nicht durch, konnte nichts durchdringen. RanG mit sich. Wie nun? RoutIne? Einfach weiter? Voran?

SiE fasste sich ans Herz und sPürte. Nichts. DEn KAffee kippte sie runter – schmeCktE nicht mehr. Sie wusste, sie musste. Zur Bahn. Die käme gleich. Würde nicht wArten. Die Dinge liefen weiter.

Sie sCHAltete ab, stopfte eiNCkchEn Hoffnung in die Tasche. Musste laufen.

Julia Hoch, 31.3.2022

Julia Hoch, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Julia Hoch, Schriftstellerin

https://www.juliahoch.de/

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 31.3.2022.

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„in diese herzgeränderten Tage“ Melanie Katz, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Zürich 11.4.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Nach dem Mittag im März dieses Jahres

Gewalt und Krieg schreiben sich ein

in diese herzgeränderten Tage          einmal mehr

Verdrängen Verschieben Vergessen

Haarrisse Gräben

Erdfälle

     überdecken, wieder auffüllen, unter den Teppich kehren

seinem Kind, dem Geliebten über den Kopf streichen,

vielleicht                                        beiläufig

 lesen von



Panik in den Augen

ein letztes Mal

Atmen, früher hörtest du sie singen, jetzt

hörst du sie schreien und wieder und wieder schreien, Mykyta

Солнышко, Cherub

hast dich verirrt im Hass, in einem betäubten

Entsetzen.


Alltag stolpert zu Tisch in diesen herzgeränderten Tagen    einmal mehr

das Essen schmeckt fahl im



Gegenlicht dieser Bilder

Erinnerungen mischen sich ein

In den Anblick des Sterbens der Anderen

Vergrabener Schmerz

ein Geschoss und wieder



Panik in den Augen

ein letztes Mal

atmen, früher hörtest du sie singen, jetzt

hörst du sie schreien und wieder und wieder schreien, Nikita

Солнышко, Cherub, hast dich verirrt in einem Sonnenblumenfeld, in der Chronik zu Unrecht   

       vergessener Kriege, in einem Geflecht aus Neid und Gier

und im Abwasch, der mahnt, Funktionstüchtig

keit anmahnt, aber

Erinnerung streut

Salz in die Wunden vergangener Tage

füttert sie auf, bis sie halboffen daliegen,

sich tiefer noch einbrennen

wie das Schrapnell, das im Bein des Grossvaters wandert

          bis sie rosig aufglänzen wie der Flaum, den er auf seiner Oberlippe trug, wie das Haar

der jungen Männer, die Söhne, Geliebte, Väter sind.


So schreiben sich Kriege ein in alle herzgeränderten Tage.

Scheinbar leicht wischt sich Alltag, wischt sich Asche vom Tisch.

Melanie Katz, 8.4.2022

Melanie Katz, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Melanie Katz, Schriftstellerin

Kurzvita_Dr. phil. Melanie Katz studierte Sozialpsychologie und Deutsche Literaturwissenschaften und promovierte zu Geschlecht als Kategorie des Wissens an der Universität Basel. Sie lebt in Zürich, forscht zu Wissen um Pflanzen und arbeitet als Autorin und Performerin. Sie leitet das Einsame Begräbnis in der Deutschschweiz.

https://einsamesbegraebnis.ch/

https://salzundkunst.ch/kuenstler/melaniekatz/

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 8.4.2022.

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„Kunst soll für mich eine aufzeigende, aktivierende und tröstliche Rolle spielen“ Armela Madreiter, Dramaturgin/Autorin _ Wien 10.4.2022 

Liebe Armela, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ein bisschen aus den Fugen geraten. Kaffeetrinken. Kochen. Lohnarbeit. Lesen. Schreiben. Ganz viel Nachrichten konsumieren.

Armela Madreiter, Dramaturgin, Autorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich begreife mich selbst als intersektionale Feministin und  denke gerade viel über Solidarität nach. Eines der Worte, das mittlerweile vielleicht ein bisschen zu oft und nicht im ernstgemeinten Sinne verwendet wird. Dabei ist es so wichtig – aufeinander zu achten und füreinander einzustehen. Welche Stimme habe ich durch meine Privilegien und wie kann ich sie am Besten solidarisch nutzen? Wie kann ich das, was ich habe teilen?  Ich glaube, generell würde ich mir auch weniger Egoismus wünschen. Sich mehr nach anderen umsehen und das floskelhafte „Wie geht’s dir?“ sollten wir auch viel ernster nehmen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ein Augenmerk auf gesellschaftlich relevante Diskurse zu legen finde ich wichtig. Jede Künstler*in hat da vielleicht andere Themen, die sie mitbringt und für die sie*er ein Auge hat. Dabei gilt es auch immer, die eigene Perspektive zu hinterfragen. Kunst, zumindest die Bereiche in denen ich mich besser auskenne, Theater und Literatur, kann Menschen abholen und sie begleiten. Dabei spielt Humor für mich auch immer eine zentrale Rolle. Ich bin als Publikum eher bereit, mich auf schwierigere Themen einzulassen, wenn ich auch ein bisschen Lachen darf. Das hat manchmal auch was sehr tröstliches. Generell haben mich insbesondere Bücher, Texte, Gedichte schon oft getröstet. Kunst soll also für mich eine aufzeigende, aktivierende und tröstliche Rolle spielen. 

Was liest Du derzeit?

„Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus. Und „Im Herzen der Gewalt“ von Eduard Louis.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie sagt in einem ihrer Essays sowas wie: Feminismus ist, wie den anderen die Tür aufhalten. Das finde ich ein sehr schönes Bild.

Vielen Dank für das Interview liebe Armela, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Armela Madreiter, Dramaturgin, Autorin

Foto_Johanna Mayerhofer

27.2.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Europa, du Schöne“ Susanne Toth, Poetin_ Give Peace A Chance_Wien 10.4.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Friede ist das Wunderwort

Gib dir die Möglichkeit

Im neuen Zeitalter

Vergebung zu üben

Europa, du Schöne.



Praktiziere jene

Einzigart die du

Angestrebt mit

Charakter Großbuchstaben

Erhabene Union.




Autonomie, besatzungsfreier Kontinent.




Coolness mit diverser Geschichte die

Handelt bitterschwer auch vom Leid

Angetan einander zigmillionen Mal

Nie wieder!die letzte Erkenntnis, im

Chor, nevermore! heißt Waffen weg.

Erinnere das Einssein, lebendiges Herz.



Susanne Toth, 28.3.2022

Susanne Toth, Poetin _ am Platz der Menschenrechte _ Wien

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Susanne Toth, Poetin

www.susannetoth.net

Foto_Christina Gohli.

Walter Pobaschnig _ 28.3.2022.

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„Neugierde für`s Detail, für das Besondere“ Klaus Pohl, Schauspieler _ New York 9.4.2022

Lieber Klaus, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Um 7 Uhr stehe ich auf, messe, weil ich juveniler Diabetiker bin seit 50 Jahren, meinen Blutzucker. Danach dusche ich kalt, mach ne halbe Stunde Gymnastik, dusche wieder kalt und fahr dann, je nach Wind-Situation, an die Bay oder an den Ozean und schwimme eine zwei Minuten währende Runde. Gegen 10 Uhr sitze ich am Schreibtisch und arbeite an einem autobiographischen Roman über den BE Theater-Zwerg Hans Peter Silvester Luppa! Der Nachmittag ab vier Uhr gehört dem Lesen und dem Kritzeln.

Klaus Pohl,
Schauspieler Schriftsteller Regisseur,Gemüsehändler

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Den vielfältigen Manipulationen durch eigene Ideen und Nachforschungen widerstehen!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel/Literatur, der Kunst an sich zu?

Neugierde für s Detail, für das Besondere. Endlich weg von den alles über einen Kamm scherenden Debatten, Dramaturgien und Erzählungen. Formen finden für die Geschichten der einzelnen vereinzelten Menschen.

Was liest Du derzeit?

E.T.A.Hoffmann und Eva Menasse und – immerzu: Schopenhauer.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„ÜBRIGENS WÄRE ES SONDERBAR, IN EINER ZEIT WIE DER UNSRIGEN VON DEN MENSCHEN KLARHEIT ZU VERLANGEN.

Vielen Dank für das Interview lieber Klaus, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Schauspiel-, Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Klaus Pohl, Schauspieler, Schriftsteller, Regisseur, Gemüsehändler

Foto_privat.

31.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Gegen halb fünf“ Andreas Moster_Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Hamburg 9.4.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gegen halb fünf

Im Nieselregen (Hamburg) steigen Yuliia, Georgii, Natalia und Nika aus einem Mercedes

V8, ich weiß nicht, keine Ahnung von Zündkerzen, von Motoren, ob ein Panzer Zündkerzen braucht, auf jeden Fall aber aus

Einem Mercedes (der Stern).



Polen, dort ist mein Mann, sagt Yuliia, eine Woche vor dem Krieg nach Polen, zum Arbeiten.

Ein Glück.

Aber Natalias Mann, sagt Yuliia, ist immer noch dort. Kiev.

Ceylon-Tee, unsere Nachbarn haben nichts anderes. Wir trinken ihn schwarz, in winzigen Schlucken zwischen den Blicken aufs Handy, do you have wi-fi, weil Natalias Mann so lange überlebt, wie sein Gesicht im Display aufscheint, die Stirn müde, in Falten.

Es sind Nudeln für euch da, sage ich, Kekse und Sauce.



Auf dem Klavier spielt Georgii und singt:



Cold Heart, Dua Lipa

Hannover, dort waren sie zuletzt.

Aus dem Hotel mussten sie ausziehen, jetzt ein paar Tage hier, dann weiter. Papiere, Anmelden, Behörde, Schule. We all gonna learn German, it’s a chance for us, I tell Georgii, but he misses his friends.

Nicht nur die Freunde, alles andere auch.

Chaos im Flur. Sie schieben die Plastiktüten (irritierend für mein grünes Auge, darin das Nötigste) eng zusammen, wollen nicht im Weg stehen, nicht zur Last fallen. Bald weiter, soon gone. We are

Embarrassed.

Andreas Moster, 7.4.2022

Andreas Moster_Schriftsteller, Übersetzer

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Andreas Moster_Schriftsteller, Übersetzer

https://www.w1-media.de/produkte/kleine-palaeste-376207?verlag=arche

Foto_Heike Blenk

Walter Pobaschnig _ 7.4.2022.

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„Geängstigt warten“ Kerstin Pukowski, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Nürnberg 8.4.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Geängstigt warten

In einem

Versteck oder

Erste Schritte in die Ungewissheit?



Planbare Zukunft oder

Ein Schritt

Auf den Weg ohne

Chance? Wer

Entscheidet über das wertvolle Leben so



Achtlos?



Chaos, Leid und Trauer verbreiten sie ohne einen Blick zurück.

Haben sie vergessen, wie wertvoll Leben ist?

Ahnen sie, wie lange sie die Bilder

Noch in ihren Träumen verfolgen werden?

Chöre sollen laut

Erklingen und sie endlich zur Vernunft bringen



Kerstin Pukowski, 7.4.2022

Kerstin Pukowski, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Kerstin Pukowski, Schriftstellerin

https://shop.falter.at/liste.php?namen=Kerstin%20Pukowski

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 7.4.2022.

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„Gestern noch haben wir“ Katharina Ingrid Godler_Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Klagenfurt 8.4.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Klagenfurt _ 3_2022 _
Foto _folgende _ Katharina Ingrid Godler

Gestern noch haben wir

Im Garten all die

Vögel gehört bis

Elstern ihr Spiel begannen

Pastellfarben schwinden

Erika, werden

Alle mit ihrem

Center Shock bleiben?

Evgen und Elena?

Aber das Tempelhüpfen!

Chöre schwärmen in die

Handballhaut rissig

An den Nähten will

Niemand sitzen und

Chips verdrücken. Ja?

Engel im Plattenbau

Katharina Ingrid Godler, Text&Fotos 30.3.2022

Katharina Ingrid Godler_Schriftstellerin _
Portrait_Martin Fillafer

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Katharina Ingrid Godler_Schriftstellerin

https://godler.art/home/

Fotos_Klagenfurt _Katharina Ingrid Godler 3_22; Foto_Portrait_Martin Fillafer

Walter Pobaschnig _ 30.3.2022.

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