„Das Projekt der Moderne müssen wir verteidigen“ Jay M. Walther, Schriftstellerin _ Hiddingsel im Münsterland/D 17.4.2022

Liebe Jay, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ein Milchkaffee, die Nachrichten, dann lerne ich eine halbe Stunde Französisch. Danach arbeite ich bis zwei Uhr und noch einmal von vier bis sechs Uhr. Ich schreibe an den „Fluchtlinien – wie sich die Welt in Innen und Außen teilte“. Dann kochen und essen wir in Ruhe. Das ist der ideale Tag, aber natürlich ist es oft anders. Es gibt Besuch, es gibt viel zu kümmern und zu erledigen. Gerade im Augenblick.

Jay M. Walther _Schriftstellerin, Regisseurin   

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dass wir begreifen, dass sich der Glaube an Fortschritt in allem als eine Illusion erwiesen hat. Nicht nur dieses ökonomische Wachsen wollen, sondern auch das Ausbreiten von Zivilisation, Demokratie, Moral und Recht. ‚Das Projekt der Moderne‘ müssen wir verteidigen, für unsere Werte und für den Frieden einstehen. Wir müssen uns engagieren, auch wenn der Erfolg nicht garantiert ist. Denn die Diktaturen und die faschistischen Bewegungen nehmen zu. Frieden geschieht nicht von alleine.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wir müssen in Deutschland endlich wieder geschichtlich und geopolitisch und grundsätzlich denken lernen und Entscheidungen treffen, statt in allem nur zu reagieren, zu zögern und überrascht tun. Das alte Normal von vor 1990, vor dem Krieg in Bosnien, vor Georgien, Syrien, vor der Pandemie vor dem faschistischen Überfall der russischen Nation auf die Ukraine gibt es nie wieder. Diese Party ist vorbei.
Schreiben ist ein Traum; Schreiben ist Verantwortung: wo stehe ich mit meinen Worten, wovon erzähle ich, wo widerstehe ich der Gesellschaft mit meiner Arbeit. Es geht um Positionen in dieser Gesellschaft. Und es geht um die Arbeit in der Traumwäscherei und auf der Insel Utopia.

Was liest Du derzeit?

Adelheid Duvanel: Fern von hier. Erzählungen. Und Kriminalromane, zur Beruhigung, weil dort ab und an aus der menschlichen Mörderei wieder Ordnung entsteht, aber auch nie die Alte.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Eden

„Die kantige Erde

eine Kugel

zerdrückt zwischen Händen

Menschen fallen durch

schwarze Löcher

auf eine Wiese mit

Schlüsselblumen und

sprudelndem Bach

ertrinken auf der Flucht

hungern werden gefangen.

Fallen zurück ins Paradies

zwischen Distel und Mohn.

Diesmal ist Gott gnädig

keine Schlange keine Äpfel

keine Pforten zur Welt.

Ein Garten Eden ewig Eden

die kantige Kugel flachgeklopft.

Die Menschen kringeln sich

vor Freude in Feriengondeln

Abenteuerrutschbahnen

in Schnee und Sahne

Coffee to go.

Gott macht seinen Frieden,

nimmt die Scheibe und

wirft sie in die Unendlichkeit –„

aus © Nachtzüge J. Monika Walther

Vielen Dank für das Interview, liebe Jay, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Filmprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Jay M. Walther _SchriftstellerinRegisseurin

http://www.jmonikawalther.de/index.html

Foto_Barbara Dietl

8.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Gut kann man das wirklich nicht nennen“ Martin Amanshauser, Schriftsteller_Give Peace A Chance_Wien 16.4.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gut kann man das wirklich nicht nennen

Ich möchte wirklich nichts damit zu tun haben

Viel kann man davon wirklich nicht profitieren

Es hat wirklich kaum vorteile




Punkbewegung war weitaus zarter und softer als krieg, sogar die punkbewegung

Engerlinge schmecken mir immer schon besser als krieg, sogar engerlinge

Achselgrind schluckte ich lieber einen mund voll als krieg, sogar achselgrind

Clerasilversuchsgelände meiner haut – würd ich einem krieg vorziehen, clerasilversuchsgelände

Elektrogrills besäße ich lieber als krieg, sogar diese scheußlichen elektrogrills





Achrostichone schreiben macht weniger spaß als früher




Charkiv ebenso. ich mag die zeitenwende nicht

Horliwka ebenso. will sie nicht erleben.

Antrazyt ebenso. sehe keinen vorteil in ihr.

Nikopol ebenso. man könnte sie sein lassen.

Cherson ebenso. man soll diese orte in ruhe lassen.

Enerhodar ebenso. man soll sie lassen.


Martin Amanshauser, 29.3.2022

Marin Amanshauser, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Martin Amanshauser, Schriftsteller_Wien

Foto_(c) corn.

Walter Pobaschnig _ 29.3.2022.

https://literaturoutdoors.com

„Ich glaube, dass wir innehalten müssen“ Johanna Beisteiner, klassische Gitarristin und Sängerin _ Wien 16.4.2022

Liebe Johanna, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe mir einen strengen Arbeitsplan auferlegt, um das von mir entwickelte solistische Aufführungskonzept, in dem ich virtuoses Instrumentalspiel auf der Gitarre mit klassischem Gesang, Flamenco-Tanz und Sprechen verbinde, erfüllen zu können. Feinmotorik, Stimme und Körper müssen genau aufeinander abgestimmt werden. Am Vormittag stehen meistens zwei bis drei Stunden technische Übungen auf dem Plan, nachmittags und Abends widme ich mich dem Werkstudium und Tanzen. Dazwischen benötige ich natürlich mehrere Pausen, um mich physisch und mental nicht zu überlasten. Phasenweise arbeite ich an eigenen Arrangements und kommuniziere mit Veranstaltern.

Wahrscheinlich fragt man sich, warum ich mir eine derartige Rosskur antue und nicht einfach beim Repertoire für klassische Gitarre bleibe. Einerseits möchte ich eine im 20. Jahrhundert weitgehend verloren gegangene Aufführungspraxis wiederbeleben: die eigenständige Instrumentalbegleitung während eines mit Belcanto-Technik vorgetragenen Kunstliedes, eine Praxis, die wir nur mehr aus Werken der bildenden Kunst und historischen Aufzeichnungen kennen. Zum anderen erweitert diese Kombination von Techniken die künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten und eröffnet somit neue Perspektiven in der Gestaltung von Soloprogrammen. Ich kann nun ein Rezital nicht nur unter ein bestimmtes Thema zu setzen, sondern auch im Rahmen eines durchgehenden Handlungsablaufes präsentieren. Vom Publikum erhalte ich dafür viele positive Reaktionen, die mich bestärken, dieses innovative Konzept weiterzuentwickeln.

Johanna Beisteiner, klassische Gitarristin und Sängerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir leben in einer Zeit gesellschaftlicher Spaltung, die sich Tag für Tag vertieft. Ich glaube, dass wir innehalten müssen, um uns zu fragen, wie es dazu gekommen ist, und wie wir diese negative Entwicklung umkehren können. Es findet ein enormer globaler Umbruch statt, der nicht nur von Digitalisierung und Klimawandel geprägt ist. Ich habe den Eindruck, dass in unserer Gesellschaft das Gefühl für sozialen Zusammenhalt, Freiheit, Demokratie und gesunder Alltagskultur zunehmend schwindet. Die immer derbere Umgangskultur fängt bei dem in jüngerer Zeit salonfähig gemachten Gruß mittels Faust- und Ellbogentechnik an und zieht sich in gesteigerter Form durch Bereiche, die unser aller Grund- und Freiheitsrechte betreffen. Politische oder wirtschaftliche Ziele, die nicht mittels Verordnung durchgebracht werden können, werden zunehmend durch Drohungen zu erreichen versucht. Wir alle sollten uns Gedanken darüber machen, ob solche Drohungen das gesunde Zusammenleben der Menschen fördern oder diesem vielmehr schaden. Warum greift man überhaupt zu derart aggressiven rhetorischen Mitteln? Gibt es einen Mangel an aus Vernunft erwachsenen Argumenten, um angestrebte Ziele durchzusetzen?

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Im Zusammenhang mit Aufbruch erinnere ich mich an eine der prägendsten Erfahrungen meiner frühen Jugend. Im Alter von etwa dreizehn Jahren ist mein Gitarrenspiel soweit entwickelt gewesen, dass mein Umfeld begonnen hat, mir dabei gebannt zuzuhören, und diese Konzentration auf den Klang der Musik hat die Atmosphäre in einem Raum verändert. Menschen unterschiedlichen Alters, denen man davor eine gewisse Unausgeglichenheit oder Nervosität angemerkt hat, sind beim Zuhören ruhiger und entspannter geworden, haben vielleicht auch zu klareren Gedanken gefunden. Ich habe die Musik nicht nur aus persönlicher Leidenschaft zu meinem Beruf gemacht, sondern ebenso aus dem Bewusstsein heraus, mit ihr etwas bewirken zu können. Für einen gelungenen gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Aufbruch braucht man sowohl mentale Kraft als auch Besonnenheit. Ich bin überzeugt, dass die positive Wirkung, die Musik und Kultur auf unseren Gemüts- und Geisteszustand ausüben können, eine äußerst wichtige Rolle in unserem Leben spielen wird, um die nötigen Grundlagen zum Erreichen von innerer Balance zu schaffen. Nur so können wir die Herausforderungen des bevorstehenden Aufbruchs meistern.

Was liest Du derzeit?

Ich lese Stefan Zweigs „Sternstunden der Menschheit“. Der Autor fasziniert mich mit seinem scharfen Blick, mit dem er verschiedene Ereignissen der Geschichte durchleuchtet. Ebenso frage ich mich bei dieser Lektüre, wie unser Umgang mit den Herausforderungen der Gegenwart aus dem Blickwinkel künftiger Generationen bewertet werden wird.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein Zitat aus Zweigs Vorwort zum eben genannten Buch erscheint mir treffend: „Kein Künstler ist während der ganzen vierundzwanzig Stunden seines täglichen Tages ununterbrochen Künstler; alles Wesentliche, alles Dauernde, das ihm gelingt, geschieht immer nur in den wenigen und seltenen Augenblicken der Inspiration. So ist auch die Geschichte, in der wir die größte Dichterin und Darstellerin aller Zeiten bewundern, keineswegs unablässig Schöpferin. …. Immer müssen Millionen müßige Weltstunden verrinnen, ehe eine wahrhaft historische, eine Sternstunde der Menschheit in Erscheinung tritt.“

Johanna Beisteiner, klassische Gitarristin und Sängerin

Vielen Dank für das Interview liebe Johanna, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Johanna Beisteiner, klassische Gitarristin und Sängerin

Home DE

Fotos_privat.

28.10.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Grausam“ Christina Jonke_Schriftstellerin_ Give Peace A Chance _ Klagenfurt 15.4.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Grausam

Ist die

Verschwendung von Leben – nur

Einer Idee nach Macht und Gier folgend.





Panik

Erfasst

All jene, die ihre

Chancen, nach auch nur

Einem




Augenblick Frieden, zu vergessen gezwungen sind.




Chaos

Hunger

Angst

Not.

Collage des Grauens.

Egoismus des Einzelnen – Tod von Vielen.




Christina Jonke, 29.3.2022

Christina Jonke_Schriftstellerin, Regisseurin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Christina Jonke_Schriftstellerin, Regisseurin _ Klagenfurt

https://www.texte.jonkeonline.at/

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 26.3.2022.

https://literaturoutdoors.com

„grabverdunkelt weht poesie“ Karin Prucha, Schriftstellerin _Give Peace A Chance _ Klagenfurt 15.4.2022

GIVE PEACE A CHANCE

grabverdunkelt weht poesie

in leere blicke

völker hört ihr hört ihr die signale

eines nur eines

ein sterben über den tod hinaus




pronomina politica

ein letztes wort stirbt nicht

am anfang

cismollschwarze asche legt sich auf die

erde

weht die warnenden worte in

erdentodesfugen

angst und widerstand verbrannt vereint und tod




all dem grauen fliegt die sprache fort




chor der stimmen engelsflügel

helfen worte in diesem krieg in irgendeinem die poesie im

arsenal der waffen kann

nicht neutral sein

charkiw fließt auf beiden seiten

eingebrannt die zeit auf ewigkeit

ein flügelschlag der zeit noch hoffnung

karin prucha 27.3.2022

Karin Prucha, Schriftstellerin, Künstlerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Karin Prucha, Schriftstellerin, Künstlerin

https://www.kultur.klagenfurt.at/kultur-a-z/kuenstlerdatenbank/literatur/karin-prucha.html

Foto_Karin Prucha

Walter Pobaschnig _ 27.3.2022.

https://literaturoutdoors.com

„auf dem Stein. Das letzte Wort/ist immer unser Name“ Gerald Jatzek, Schriftsteller _ Krems 15.4.2022

Lieber Gerald, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der ist nicht festgelegt: Schreiben, Recherche, musizieren, Korrespondenz, ein paar Kilometer gehen, lesen, Musik hören (sowohl ziel- und planlos wie Interpretationen von Liedern, die ich spielen will), ab und zu Zoom-Meetings, kleine Mail-Art-Projekte…

Gerald Jatzek, Autor und Musiker

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, das Bewusstsein, wie dünn die Decke der Zivilisation ist. Vor kurzem habe ich mir Ingmar Bergmans „Das siebente Siegel“ wieder angesehen. Der Film zeigt die Reaktionen auf eine Seuche: Flagellanten, Eiferer, die eine Hexe verbrennen wollen, Plünderer, all das ist ein paar Hundert Jahre her, ein winziger Zeitraum der Menschheitsgeschichte.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Aufgabe der Kunst wird sich nicht ändern: Fragen zu stellen, die Möglichkeiten zwischen dem Nicht-mehr und dem Noch-nicht aufzeigen, das Unbegriffene, das Unbewusste sichtbar zu machen…

Gerald Jatzek mit Thomas Raber in der MICA Austria

Was liest Du derzeit?

Eine Studie über Max Ernst; nach 30 Jahren wieder einmal Giorgio Manganellis „Irrläufe“; als Langzeitprojekt immer wieder in Norbert Elias‚ „Über den Prozess der Zivilisation“; die aktuelle Ausgabe von „Das Gedicht“, der wohl wichtigsten deutschsprachigen Lyrik-Zeitschrift; Francis J. Child: „The English and Scottish Popular Ballads“ und Miyazawa Kenji: „Poems“.

Du siehst: Ich bin beim Lesen ebensowenig konsequent wie beim Schreiben.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein kurzes Gedicht darüber, wie wenig Bedeutung es hat, was ich hier sage.

Bleiben Berge

Wie schön die Berge werden,

wenn man keine Rückkehr plant.

Wir zeichnen Geister in die Felsen,

riechen Salbei, schmecken Harz,

Tiere wir, in Zeichen eingesperrt,

schreiben: Kälte, schreiben: Wind.

Die Finger folgen einer Flechte

auf dem Stein. Das letzte Wort

ist immer unser Name.

Gerald Jatzek, Autor und Musiker _ Konzert Kreta

Vielen Dank für das Interview lieber Gerald, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Gerald Jatzek, Autor und Musiker

Fotos_1 Gerhard Winter;

27.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Tanz als Begegnungsort, Tanz als Sprache ohne Landgrenze“ Gisela Elisa Heredia, Tänzerin und Choreografin _ Wien 14.4.2022

Liebe Gisela Elisa, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mmhh…gute Frage, das ist jede Woche und jeden Monat anders. Gerade jetzt, stehe ich früher auf, bereite ich meine Proben vor – natürlich mit ein bisschen Frühstück- und gehe in die Proben für ein paar Stunden.

Ende letzten Jahres spazierte ich etwa durch die unbekannte Stadt (Timisoara, Rumänien) und ließ die Gedanken zu der Probe durch meinem Kopf fließen. Anschließend kam ich nach „Hause“ und die Gedanken flossen weiter … ich hörte Musik oder schrieb Ideen für die nächste Probe auf…

Jetzt bin ich wieder in meiner zweiten Heimat Wien…

Gisela Elisa Heredia, Tänzerin und Choreografin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich weiß nicht ob ich für alle sprechen kann aber ich spüre, dass die meisten von uns ihr normales Leben wieder zurückhaben wollen. Ein Leben, in dem wir nicht so viele Verbote haben, eines in dem wir uns wieder normal begegnen können. Die meisten Leute vermissen dieses Gefühl einer normalen Berührung ohne Angst. 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz, der Kunst an sich zu?

Ja, ich warte auf diesen Aufbruch aber ich glaube eigentlich sind wir schon mittendrinnen. Das Spannende ist, was wir alle mit dieser neuen Ära machen, wie können wir gemeinsam diese Ära leiten und so entwickeln dass es für uns gut ist? Wesentlich für mich ist, dass man sich nicht von Banalitäten treiben lässt und dem Neubeginn die Hand gibt, um auch mit dieser neuen Ära mitzugehen.

Im Tanz würde ich sagen, dass es jetzt noch wichtiger wie sonst ist, zu zeigen was Tanz schon immer war: eine Kunst, die biologisch gesehen auch durch die Zellen geht, die den Kreislauf in Bewegung bringt und somit auch dem Körper und Geist ein sehr qualitatives Leben schenkt. Tanz als Medium der Freiheit, Tanz als Begegnungsort, Tanz als Sprache ohne Landgrenze…so glaube ich sollten wir den Tanz wieder neu entdecken, gerade in Zeiten wie diesen. Kunst ist für mich auch ein Spiegelbild unseres Daseins, unserer Natur und unserer Gesellschaft. Vielleicht sollten wir manchmal öfter überlegen, welches Spiegelbild wir eigentlich sehen wollen.   

Was liest Du derzeit?

Zur Zeit lese ich Hermann Hesse „Auf dem Rad“ , das ich eigentlich in Form einer Lesung zuhause betreibe. Ich lese sehr gerne laut für andere…

Noch lese ich den „Lumpenroman“ von Roberto Bolan(i)o.  Beide wunderbare Bücher.

Und viel Fachliteratur für meine neue Ausbildung im Medizin Bereich.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Machen wir aus jeder schwierigen Situation eine neue Herausforderung.

„Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von Neuem beginnen“.

Buddha

Vielen Dank für das Interview liebe Gisela Elisa, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Tanz-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Gisela Elisa Heredia, Tänzerin und Choreografin

Foto_Christian Ariel Heredia.

28.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„Gegeben, dass wir alle hier, gerade jetzt“ Peter Karoshi, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Wien 14.4.2022

GIVE PEACE A CHANCE

Gegeben, dass wir alle hier, gerade jetzt,

In Zeiten einer Flucht und Krieg ja eigentlich darauf

Vertrauen müssten, dass das

Eigene, das Selbst, auch

Politisch von oben zugunsten

Eines allgemeinen Fahrplans,

Anderen zu helfen – 

Charakteristischerweise also das

Eigene im Sinne gegen

Allgemeines Wohl – zurückgenommen werden müsste … ist nur zu sehen:

Cäsarenwahn ist auch da unten, wenn so viele einzelne

Hundert Mal zuerst auf sich

Alleine selbst nur schauen und

Nie die Anderen auch als

Chance erkennen, als Möglichkeit, wirklich

Etwas für sich selbst zu tun.


Peter Karoshi, 28.3.2022

Peter Karoshi, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Peter Karoshi, Schriftsteller _ Wien

Zu den Elefanten

Foto_Walter Seidl.

Walter Pobaschnig _ 28.3.2022.

https://literaturoutdoors.com

„Theatergruppen können ihre Produktionen nur durch Selbstausbeutung auf die Bühne bringen“ Peter Buchecker, Schauspieler _ Wien 13.4.2022

Lieber Peter, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Eigentlich wie immer, und schön langsam keimt die Hoffnung, dass sich auch alles um mich herum irgendwann wieder normalisiert. Als im Brotberuf freiberuflicher Übersetzer bin ich ja immer schon ganzjährig im Homeoffice, daher hat mich die Pandemie in diesem Bereich eigentlich gar nicht betroffen. Den Künstler in mir natürlich schon. Mehrere Aufführungen wurden verschoben oder abgesagt, Stücke geprobt und dann doch nicht aufgeführt und der Verwaltungsaufwand für die Schauspielgruppe Il vero teatro ist durch die Pandemie natürlich enorm angestiegen.

Peter Buchecker _ Schauspieler/Musiker

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht durchdrehen und uns darauf besinnen, dass es nicht immer nur um einen selbst geht und die eigenen Handlungen auch Auswirkungen auf andere haben. Zusammenhalten und sich freuen, wenn man sich auf gute Freunde verlassen kann. Aber auch nicht im Schneckenhaus verstecken, sondern das, was möglich ist, auch in Anspruch nehmen. Theater, Künstler und Gastwirte brauchen ihr Publikum!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Musik, der Kunst an sich zu?

Es ist recht deutlich geworden, welchen Stellenwert Kunst und Kultur im Kulturland Österreichs wirklich hat. Es wäre wichtig, dafür zu sorgen, dass sich Künstler entfalten können, ohne sich ständig Sorgen ums wirtschaftliche Überleben machen zu müssen. Die etablierten Bühnen erhalten Förderungen in Millionenhöhe und unzählige kleine Theatergruppen, die professionell arbeiten wollen, können ihre Produktionen nur durch Selbstausbeutung auf die Bühne bringen und ihren SchauspielerInnen keine adäquaten Gagen bezahlen. Kunst ist ein wichtiger Bereich des Lebens, kann aber leider allein durch Eintrittskarten nicht finanziert werden. Es wäre schön, wenn die Menschen nicht nur ins Burgtheater oder in die Josefstadt gehen, sondern auch den vielen kleinen freien Bühnen einen Besuch abstatten.

Was liest Du derzeit?

Da ich berufsbedingt den ganzen Tag lesend vor dem Bildschirm verbringe, bin ich ein Hörbuchfan. Derzeit lese ich neben dem aktuellen Rollenbuch für die nächste Produktion „Olympia“ von Volker Kutscher.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist!“, Friedrich Torberg: Tante Jolesch

Peter Buchecker _ Schauspieler/Musiker

Vielen Dank für das Interview lieber Peter, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Peter Buchecker _ Schauspieler/Musiker

https://www.peter.buchecker.at/

Fotos_1,2 Veronika Pengg; 3 Jakub Kavin.

14.2.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

„es gibt sie – die Städte, die Flüsse, das Land“ Raoul Eisele, Schriftsteller _Give Peace A Chance _ Wien 12.4.2022

GIVE PEACE A CHANCE

es gibt sie – die Städte, die Flüsse, das Land

Gluchow (Глухів)

Iwano-Frankiwsk (Івано-Франківськ)

Vinnyzja (Вінниця)

Es gibt sie noch


Poltowa (Полтава)

Enerhodar (Енергодар)

Antrazyt (Антрацит)

Charkiw (Харків)

Es gibt sie

Aluschta (Алушта)

Cherson (Херсон)

Horyn (Горинь)

Altschewsk (Алчевськ)

Nikopol (Нікополь)

Chmelnyzkyj (Хмельницький)

Es gibt sie auch weiterhin –

            die Städte, die Flüsse, das Land: UKRAINE


Raoul Eisele, 28.3.2022

Raoul Eisele, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Raoul Eisele, Schriftsteller _ Wien

https://www.raouleisele.com/

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 28.3.2022.

https://literaturoutdoors.com