Mit den dunklen Wolken zieht der Krieg dahin, das Blut sickert in die Erde ein, Todesschreie hallen zu den Grenzen hin, ein Land brennt im Raketenschein, unschuldige Menschen sterben dahin, die einen nah, die anderen fern, alle mit Qual und Pein!
Die Menschen verlieren ihre Heimat, sie wird vom Krieges Sturm verweht und man weiß, wie elend es dem Volke geht. Um Haus und Hof ist es gekommen, Hab und Gut wurde von Moloch Krieg genommen. Man erinnere sich an damals, Syrien wurde zerbombt und dem Erdboden gleichgemacht, – der Teufel des Krieges hat das vollbracht!
Tausende Minen werden im Schlachtfeld verscharrt, die Ackerscholle liegt durch die Panzer brach, die bittere Not sich offenbart. Wer will für die Gottesgeißel sterben? Beim Bruderkrieg kann es keinen Triumphator geben, denn auf beiden Seiten wollen die Menschen in Frieden und Freundschaft leben!
In der Ukraine wird es keine Ernte geben, – in der 3. Welt wird die Hungersnot mit dem Schnitter ungeahnte Höhen erleben. Jedes Gefecht treibt den Sensenmann vor sich her, erst wenn die Waffen schweigen, gibt es fürs Leben eine Wiederkehr. Das geflossene Blut wird der Flucht zur Farbe, der Tod liegt hinter jeder Feuergarbe. Bis zur Grenze, Angst und Leid, die zertrümmerte Heimat wird zur Vergangenheit!
Kinderaugen, weinende Frauen sehen auf das harte Pflaster in ihrem Leid, dort taumelt die Friedenstaube, sie steckt bereits ihr Köpflein ins lädierte Federkleid. Vielleicht flattert sie nicht mehr lange, – nicht mehr in ihrer Zeit? Stählerne Todesvögel streichen über Ebenen, Flüsse und Dörfer in der Heimat. Der Brandherd des Krieges schwächt ihre Flügel. Bei den Streifzügen sah sie den Endpunkt der friedlichen Welt auf sich zukommen. Die zerbombten Städte des Friedens nahm sie wahr, sie sah die Trümmer, die Ziegelsteine und den Schutt und vernahm keinen Atem aus der Asche!
Wenn der Vogel des Friedens die Kraft verliert, dann haben die Menschen die fundamentale Lebensbasis verloren. Am Himmel flattern nur mehr die Lügen im Namen der ausverkauften Wahrheit. Im ertrunkenen Klang fallen Schüsse, – die letzten Salven erreichen das abgelegenste Dorf!
Die Berge steigen in die Tiefe herab, auch sie müssen den Himmel des Ursprung aufgeben. Am Horizont schießt der erste nukleare Pilz aus dem Boden. – Die Gedanken werden zur Lava, nichts ist mehr Leben, nichts ist mehr Wasser, nichts ist mehr Luft. Am roten Platz kehrt die immerwährende Trauer ein. Der Frieden fließt in die Hölle hinunter und die geronnene Finsternis verklebt mit dem Blut allen Geschöpfen die Augen!
Der Teufel lacht, – Homo sapiens hat es vollbracht, Mutter Erde zittert, verliert ihre Farbe und macht Platz für die Apokalypse. Die demutsvolle Friedenstaube stirbt, die Welt mit ihr. – Doch plötzlich spreizt sie ihre kleinen Flügel, rappelt sich auf und fliegt mit dem Echo der Hoffnung zum ukrainischen Volk und läutet die Glocken des Friedens ein!
Lieber Florian, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mittlerweile ist wieder eine gewisse Ruhe in den Betrieb hier in Coburg eingekehrt. Wie testen uns regelmäßig, tragen Maske in allen Gängen des Theaters und dürfen seit Kurzem wieder ohne Abstände proben und spielen. Hier in Deutschland darf es wieder eine Auslastung von 75 Prozent in den Zuschauerrängen geben. Man merkt allerdings auch, dass es noch ein wenig Zeit braucht, bis die Menschen sich entspannt und ohne Vorbehalte ins Theater trauen.
Durchs Festengagement bin ich natürlich auf der Sonnenseite des Berufs durch die letzten zwei Jahre gekommen.
Florian Graf, Schauspieler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich glaube, wir dürfen wieder offensiver und neugieriger nach vorne schauen. Manchmal hat man das Gefühl, dass wir durch die Kontaktbeschränkungen eine Selbstverständlichkeit im Zusammensein verlernt haben. Das wird auch noch eine Weile dauern, denn noch ist die Situation ungewiss und nicht überwunden. Ich freue mich dennoch auf den Tag, wo Kontakt nicht automatisch mit dem Risiko auf Krankheit verbunden wird.
Gleichzeitig sehen wir gerade, wie schnell eine Gesellschaft gespalten ist, wie zügig der Ton rauer wird und wie schnell Mauern um unsere Meinung gebaut sind. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Freundschaften am Impfstatus zerbrochen sind.
Es bleibt nur zu hoffen, dass wir den Herausforderungen der Klimakrise mit einem anderen Zusammengehörigkeitsgefühl begegnen. Andernfalls sieht es ziemlich trist aus.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ob es ein Neubeginn und ein Aufbruch wird, wird sich zeigen. Ich bin gespannt, wie wir aus dieser Zeit herauskommen und ob sich tatsächlich etwas verändern wird.
Das Theater hat auf alle Fälle seine Tore wieder offen und ich glaube, das Bedürfnis nach guten, spannenden, lustigen und fesselnden Geschichten ist da und groß. Es ist einfach etwas Anderes, wenn Menschen Menschen eine Geschichte erzählen, ohne Bildschirm, ohne Algorithmus, ohne Werbeunterbrechung.
Was liest Du derzeit?
Ich hab derzeit Stapel an Büchern mit Lesezeichen darin in meiner Wohnung verteilt, darunter Yuval Noah Harari, Thimon von Berlepsch, George Tabori und Brigitte Hamann.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Wer auf frischen Wind wartet, darf nicht verschnupft sein, wenn er kommt. (Helmut Qualtinger)
Florian Graf, Schauspieler
Vielen Dank für das Interview, lieber Florian, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Jack Kerouac (*12.3.1922 Lowell, Massachusetts/USA +12.10.1969 Saint Petersburg/Florida/USA) Schriftsteller, wesentlicher Vertreter der „Beat Generation“
Lieber Thomas, Du lebst in den USA. Gab es in Deinen literaturhistorischen wie künstlerischen Projekten bisher Bezüge zu Jack Kerouac?
Ich arbeite seit ungefähr fünf Jahren an einem Forschungsprojekt über die Beat Generation und ihre transnationalen Verbindungen zu Österreich, in dem Kerouac naturgemäß immer wieder eine Rolle spielt, etwa in Form eines bestimmten Kerouac-Romans, in dem sich der Schriftsteller intensiv mit Kafkas Schloss auseinandersetzt, als Freund von ruth weiss in der Biographie, die ich über die österreichisch-amerikanische Beat-Dichterin verfasse, oder auch als jemand, dessen innovativer Stil einige österreichische Autor:innen in ihrem eigenen Schreiben prägte.
One More Step West is the Sea: Ruth Weiss (Thomas Antonic, 2021)
In meinen künstlerischen Projekten spielt Kerouac eigentlich kaum eine Rolle. In etwa zwei Monaten erscheint ein recht umfangreiches literarisches Buch namens United States of Absurdia, in dem Reisen durch die USA eine große Rolle spielen. Aber selbst in dieser Arbeit habe ich mich keinesfalls an Kerouac orientiert. Vielleicht spielt sich das alles auf einer eher unbewussten Ebene ab, da mich Kerouac schon viele Jahre begleitet. Der Sänger meiner ersten Band Heumond aus Mitteleuropa, Martin Urban, schenkte mir zum 17. Geburtstag On the Road, wenige Monate nachdem wir uns kennenlernten. Seither ist dieses Ding irgendwie in meinem Leben. Interessanterweise hat dieser Sänger zwei Jahre davor On the Road von seinem Religionslehrer in der steirischen Provinz geschenkt bekommen. Das passiert wahrscheinlich auch nicht alle Tage.
Thomas Antonic (rechts) mit Michael Fischer 2018 vor dem Beat Museum, San Francisco _ Foto privat.
Wie begegnest Du persönlich seinem umfassenden Werk?
Mit gemischten Gefühlen. Einerseits wirkte sein ungezügelter und enthusiastischer Schreibfluss sehr befreiend, als ich ihn in meinen späten Teenager-Jahren entdeckte, wie auch die Lebensfreude sehr ansteckend war, die in Büchern wie On the Road, The Dharma Bums oder Visions of Cody zu spüren ist. Andererseits ist der fortwährende Sexismus und Rassismus, der sich durchs Werk zieht, nur schwer zu ertragen, selbst wenn man weiß, dass er zur damaligen Zeit alltäglich war und benevolent ist, wie sich am Beispiel der Frauen zeigt, die er liebt, und gegenüber den Jazzmusikern mit dunkler Hautfarbe, die er romantisch verklärt darstellt.
Du hast letztes Jahr Deinen großartigen Film über die amerikanische Schriftstellerin ruth weiss – „One More Step West Is the Sea: ruth weiss“ Thomas Antonic, Dokumentarfilm, AT 2021 – präsentiert. Gab es Begegnungen von ruth weiss und Jack Kerouac?
ruth weiss und Kerouac verband eine kurze aber intensive Freundschaft Mitte der 1950er Jahre, als beide im selben Viertel von San Francisco lebten. Sie tranken öfters bis in die frühen Morgenstunden und schrieben einander Haiku-Gedichte, fuhren gemeinsam mit Neal Cassady durch die Straßen der Stadt. Aber als Kerouac Anfang 1956 zurück nach New York ging, brach der Kontakt ab und sie waren sich danach nicht mehr begegnet.
Thomas Antonic mit ruth weiss in Mission, San Francisco. Foto: Paul Pechmann.
Hast Du in der Erarbeitung Deines Dokumentarfilms auch Treffpunkte der „Beat-Generation“, Lebensstationen Jack Kerouacs besucht?
Ja, ich habe einige Adressen aufgesucht, wie etwa das Wentley Hotel im Tenderloin-Viertel San Franciscos, wo ruth weiss und Kerouac abhingen, den Jazz Club „The Cellar“ in der Green Street usw. Aber diese Orte gibt es heute schon lange nicht mehr.
Thomas Antonic mit dem Dichter Jack Hirschman (1933–2021) vor dem legendären Beat-Treffpunkt Caffe Trieste in North Beach, 2019. Foto: privat.
Wie gestaltete sich die schriftstellerische Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen in der „Beat Generation“?
Wie gesagt: weiss und Kerouac schrieben etwa gemeinsam Gedichte (die leider verschollen sind), andere Beispiele wären die Zeitschrift Beatitude, die der Beat-Poet Bob Kaufman herausgab und in der ruth weiss und auch einige andere Frauen veröffentlichten, ruth weiss organisierte Lesereihen, bei denen Männer wie Frauen auftraten, später gründeten Anne Waldman und Allen Ginsberg gemeinsam die Jack Kerouac School an der Naropa University in Boulder, Colorado, wo auch viele Frauen unterrichteten. Tendenziell wurden Frauen allerdings immer etwas marginal behandelt von den Männern, die die Beat Generation dominerten. In den ersten Jahren des für seine Beat-Publikationen berühmten Verlag City Lights veröffentlichte Verleger Lawrence Ferlinghetti etwa aus Prinzip keine Literatur von Frauen. Ein sehr seltsames Prinzip. Dass es weit mehr Dichterinnen in der Bewegung gab als lange Zeit angenommen, wurde erst Mitte der 1990er Jahre bekannt, vor allem durch die bahnbrechende Publikation Women of the Beat Generation von Brenda Knight.
Thomas Antonic und Judith Nika Pfeifer mit dem Beat-Poeten Neeli Cherkovski in dessen Haus in San Francisco. Foto: Judith Nika Pfeifer.
Du hast auch ein Buch über den Beat Generation Autor William S.Burroughs „Amongst Nazis / Unter Nazis – William S. Burroughs in Vienna 1936/37“ verfasst, der enger Freund Kerouacs war. War Kerouac wie Burroughs in Wien bzw. Europa?
Kerouac war mehrmals in Paris, spürte dort auch seinen französischen Wurzeln nach, wie von ihm in Satori in Paris geschildert, was ein eher desaströses Unterfangen war. In Wien war er nie.
Thomas Antonic_Hotel König von Ungarn_Wien_ Adresse von William S.Burroughs_Wien 1936_ Foto_Walter Pobaschnig 2021
Gegen Ende seines Lebens zog sich Kerouac privat zurück. Unterschied er sich da von anderen „Beats“?
Die Beat Generation war ein bunter Haufen mit sehr unterschiedlichen Individuen, die zum Teil sehr unterschiedliche Ziele verfolgten. Es gibt keinen eindeutigen Kriterienkatalog und „Beat Generation“ ist ein sehr schwammiger Begriff, wie etwa auch „Postmoderne“. Ich will damit sagen, dass es von Anfang an Unterschiede zwischen den Protagonist:innen gab, was beispielsweise Schreibverfahren oder Habitus betrifft. Kerouac in seinen letzten Lebensjahren unterschied sich jedenfalls auch deutlich vom jungen Kerouac. Er wurde zum Einsiedler, kehrte zum Katholizismus seiner Jugend zurück und endete letztlich als verbitterter Reaktionär, der sich zu Tode soff.
Thomas Antonic mitJudith Nika Pfeifer und Dichter, Herausgeber, Beat-Forscher Tate Swindell in der legendären Bar Vesuvio, North Beach, San Francisco, einem Stammlokal Kerouacs in den 1950er Jahren, Foto: Thomas Antonic
Welche Impulse des Schriftstellers Kerouac siehst Du bis heute als wesentliche Wirkung?
Kerouacs Werk besitzt nach wie vor Relevanz für Autor:innen, die nicht darum bemüht sind, gefinkelte Plots zu schmieden, sondern in ihrem Schreiben autobiographisches Material, eigenes Erleben ins Zentrum stellen, unbeschönigt, auch wenn es fiktionalisiert wird. Wobei Kerouac freilich in Bezug auf seine Selbstdarstellung auch nicht immer konsequent darin war. Der Intuition vertrauen. Kerouacs Schreiben lässt sich vielleicht mit einer Jazz-Improvisation vergleichen, während andere wie klassische Musiker:innen vom Blatt spielen, nach einer strengen Methode vorgehen usw. Ein wesentliches Motto Kerouacs lautete first thought = best thought. Nach On the Road schrieb er ein Manuskript von der ersten bis zur letzten Seite nieder und unterzog es keinen Revisionen mehr. Viele Schreibende mögen das strikt ablehnen. Für ein anderes Lager, das aus dieser Tradition kommt, war dieser Leitsatz jedoch revolutionär und besitzt auch heute noch größte Relevanz. Auch wenn ich persönlich die Ansicht vertrete, dass der späte Henry Miller, nicht jener der Skandalbücher wie Tropic of Cancer, sondern der Autobiograf von The Air-Conditioned Nightmare, Big Sur and the Oranges of Hieronymus Bosch, The Colossus of Maroussi usw. – Bücher, in denen Sex nicht einmal vorkommt –, eine solche Herangehensweise mit größerer Virtuosität und bereits ein, zwei Jahrzehnte vor Kerouac beherrscht hat.
Thomas Antonic und Bob Kaufmans Sohn Parker Kaufman in Berkeley. Foto: Tate Swindell.
Was sind Deine kommenden Projekte?
Mein Epos United States of Absurdia oder Die Glorifizierung des Goldenen Westens erscheint im Mai im Ritter Verlag. Momentan arbeite ich an der Fertigstellung meiner Biographie über ruth weiss. In der Beat-Forschung gibt es noch viel zu tun. Kürzere Filmarbeiten und die Wiederaufnahme eines für längere Zeit ad acta gelegten Musikprojekts stehen auch für die nächsten Monate auf meiner Liste.
Thomas Antonic und Fanny Altenburger, Schauspielerin_Hotel König von Ungarn _ Wien _ Foto_Walter Pobaschnig 2021
Herzlichen Dank für Dein Interview, lieber Thomas! Viel Freude und Erfolg weiterhin für alle Film-, Literatur- und Musikprojekte!
100.Geburtstag _ Jack Kerouac (*12.3.1922 Lowell, Massachusetts/USA +12.10.1969 Saint Petersburg/Florida/USA) Schriftsteller, wesentlicher Vertreter der „Beat Generation„.
Im Gespräch_ Thomas Antonic_Regisseur, Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Musiker
Thomas Antonic_Regisseur, Literaturwissenschaftler, Schriftsteller, Musiker _ Point Arena, CA/USA _ Foto_im Hotel König von Ungarn_Wien_Walter Pobaschnig 2021
Interview_Walter Pobaschnig _Wien
Foto_Jack Kerouac by photographer Tom Palumbo, um 1956;
Glaub mir noch einmal die Worte vom Anfang: Und ich sah, dass es gut war. Ich habe das Singen verlernt, als der Name eines Landes Verwehte. Und überall ging der Boden betteln, weil Er nach Menschen dürstete. Aber nur der Regen
Prasselte in seinen rissigen Schlund. Es ist ein Frühlingstag, man hört die Ländergrenzen, wie sie Aneinanderreiben, überall schlagen Chrysanthemen aus, und Eine verlassene Frau ruft Worte, lernt die Sprache der Wölfe,
Aber die Tiere kommen nicht zurück.
Chrēg, crijch, ich erzähle die Geschichte einer alten Welt, Hole mir das Schweigen, denn am Ende geht Alles verloren. Ich habe die Flüsse gezähmt, doch Nicht die Menschen. Chronos wurde in den Fuß getroffen, liegt mit geschlossenen Augen im Feld. Eines Tages wird der Unhold auffliegen, mit den Kugeln um die Wette.