„genauer hinsehen, was wirklich gebraucht wird“ Eva-Maria Anja Daniela Grothues, Autorin _ Münster/D 21.1.2026

Liebe Eva-Maria, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe morgens um 5 Uhr auf und mache mich in Ruhe fertig, das ist mir wichtig, weil ich es nicht mag, morgens Stress zu haben. Ich mache mir auch immer leckeres Essen für meinen Arbeitstag zurecht und 15-20 Minuten Kraftübungen und Dehnen sind auch Teil meines Morgenrituals.
Um 6.50Uhr fahre ich los zur Arbeit und um 7.40Uhr beginne ich mit meinen Therapiesitzungen, meist 10 am Tag mit zwei Pausen dazwischen. In den Pausen spreche ich mit meinen Kollegen, esse was, mache Schreibkram, telefoniere mit Patienten oder lege mich auch mal in der Pause auf die Couch in meinem Büro. Abends komme ich nach Hause und werde von meinem tollen Ehemann bekocht. Ich darf mir da jeden Tag etwas wünschen, das ist wirklich ein sehr großer Luxus 🙂 Beim Essen sprechen wir über den Tag und alles, was uns beschäftigt und danach machen wir meist noch irgendwelche kleineren Dinge, die anstehen, z.B. Post fertigmachen, Dinge planen, Wäsche waschen etc. oder gehen im Sommer noch spazieren, dann ist es meist schon 20Uhr und den Rest des Abends verbringen wir dann meist gemeinsam auf der Couch oder vor dem Kamin und gehen spätestens um 22Uhr ins Bett, damit wir morgens fit sind. Zwischendurch treffen wir auch abends noch Freunde. Zweimal pro Woche gehen wir abends noch zusammen ins Fitnessstudio und alle 14 Tage zum Tanzkurs. Am Wochenende habe ich immer einiges an Schreibkram zu erledigen und schreibe an meinen Büchern, während mein Mann den Großteil des Haushalts macht. Zudem treffen wir uns mit Freunden, kochen, gehen gerne spazieren oder auch shoppen und machen zwischendurch auch gerne mal ein Schläfchen auf der Couch :).

Eva-Maria Anja Daniela Grothues, Autorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen immer kränker und gestresster werden. Sowohl körperliche Erkrankungen wie Adipositas, Krebs, Herz- Kreislauferkrankungen, Schmerzsyndrome, Darmerkrankungen, rheumatische Erkrankungen und viele weitere, sowie psychische Erkrankungen und extreme Verhaltensweisen wie Aggressionen, Süchte und Kriminalität, haben in den letzten 20 Jahren extrem zugenommen und es ist kein Ende in Sicht. Wichtig ist in diesen Zeiten vor allem, dass wir lernen, genauer hinzusehen, was wirklich gebraucht wird, sowohl in unserem eigenen Leben als auch im größeren Rahmen, um dem entgegenzuwirken. Viele von uns leben ihr Leben nicht so, wie unser Körper und unsere Psyche es brauchen. Wir stressen und sorgen uns zu sehr wegen Dingen, haben keine gute Selbstfürsorge, haben schlechte Verhaltensmuster und unterhalten Gedankenschleifen, die uns belasten. Häufig wissen wir über Jahre, was wir in unserem Leben ändern sollten, und tun es nicht oder trauen uns nicht.
Wir sehnen uns nach Klarheit, Sicherheit, Frieden, Ruhe, Verlässlichkeit, Liebe, Nähe, Zufriedenheit, Wertschätzung und Anerkennung, wissen aber häufig nicht, wie wir das bekommen können. Viele von uns werden noch viel zu sehr von ihren destruktiven Anteilen gesteuert und wir merken es oft nicht einmal bewusst, sondern sehen es als normal an. Ich habe begonnen, zu schreiben, um Menschen dabei zu unterstützen, sich selbst besser zu verstehen und ihr Leben so verändern zu können, wie sie es brauchen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wichtig ist es nun für unsere Gesellschaft und für jeden einzelnen, viel sensitiver zu werden, mehr zu reflektieren, Dinge wirklich in Frage zu stellen und herauszufinden, welche Veränderungen wir in unserem eigenen Leben als auch auf globalerer Ebene brauchen. Zum Beispiel müssten wir unser Erziehungs- und Schulsystem komplett verändern und Kinder müssten sowohl durch ihre Eltern als auch durch jeden Lehrer alles lernen, was im Leben wirklich wichtig ist, um psychisch und körperlich gesund zu bleiben: ein adäquater Umgang mit Gefühlen, z.B. Trauer, Verlust, Liebeskummer, Leistungsdruck, Angst oder Ärger / Wut, der Aufbau einer sehr guten Selbstfürsorge mit guter Ernährung, ausreichend Schlaf und sehr guter Stressbewältigung, das Erlernen von sehr guten kommunikativen Fähigkeiten, ein sehr guter und liebevoller Umgang mit anderen Menschen, die Lösung von Konflikten, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, die adäquate Aufarbeitung schmerzhafter Erfahrungen, immer ehrlich und aufrichtig zu sein, gerne zu arbeiten, fleißig zu sein und etwas zu einer guten Entwicklung unserer Gesellschaft beizutragen, nicht gierig zu sein, sich nicht ständig zu vergleichen, nicht oberflächlich zu sein, sich selbst zu lieben und wertzuschätzen und vieles mehr. Auch jeder Erwachsene sollte das alles lernen, sofern es noch gebraucht wird. Wenn diese Dinge von Anfang an, sowie auch im Laufe unseres Lebens ein wichtiger Schwerpunkt in unserem Leben wären, würde es uns allen viel viel besser gehen und es gäbe kein überlastetes Gesundheits- und Sozialsystem, viel weniger Kriminalität und keine langen Wartezeiten auf Psychotherapieplätze.

Die Literatur und Kunst sind wichtige Medien, um Menschen bei all diesen Dingen zu unterstützen. Bücher, die uns innerlich stärken und unterstützen, können einen wahrer Schatz in unserem Leben sein. Sie können uns Kraft geben, uns weiterzuentwickeln, unsere Probleme anzugehen und unser Leben zu verändern. Wir werden in nächster Zeit mehr Bücher brauchen, die jeden Einzelnen, aber auch die Gesellschaft voranbringen. Literatur inspiriert und berührt uns, deshalb liebe ich es, wenn Autoren und Autorinnen auf eine Art und Weise schreiben, die Menschen aufweckt, ihnen neue Wege aufzeigt und Kraft gibt.

Was liest Du derzeit?

Gerichtsakten und Untersuchungsberichte zum Schreiben meiner neuropsychologischen Gutachten und ansonsten nutze ich meine freie Zeit momentan lieber zum Schreiben meines nächsten Buches als dafür, selbst zu lesen 🙂

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die beiden ersten Zitate aus meinem Buch „Engelchen und Teufelchen“

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir in dieser Welt wünschst“

Arleen Lorrance

„Das wahre Wissen kommt von Herzen“

Leonardo Da Vinci

Vielen Dank für das Interview, liebe Eva-Maria, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen: Eva-Maria Anja Daniela Grothues, Autorin

Zur Person/über mich: Eva-Maria Anja Daniela Grothues wurde 1986 in Oberfranken geboren, wo sie mit ihren zwei älteren Geschwistern aufwuchs. Seit einem schweren Unfall im Alter von 16 Jahren sitzt sie im Rollstuhl. Die frühe Auseinandersetzung mit einem derart belastenden Lebensereignis führte sie zu dem Entschluss, in Bochum Psychologie zu studieren, wo sie auch ihre Weiterbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin abschloss. Seit 2016 ist sie gemeinsam mit anderen Fachärzten und Fachärztinnen für Neurologie, Psychotherapie und Psychiatrie und zwei weiteren Psychologischen Psychotherapeuten im Neurologisch-Psychotherapeutischen Zentrum Ruhr (NPTZ Ruhr) in Herne tätig. Neben ihrer psychotherapeutischen Arbeit ist sie als Zusatzgutachterin für Sozialgerichte tätig und arbeitet an einer Dissertation, die sich mit dem Einfluss gewalthaltiger Medien auf die Suizidbereitschaft befasst. Ihre berufliche Tätigkeit und persönliche Erfahrungen motivieren sie, Bücher zu schreiben, die Menschen unterstützen, ein selbstbewusstes und erfülltes Leben zu führen. Mit ihrem fundierten psychologischen Wissen und ihrer Fähigkeit, schwierige Themen verständlich und praxisnah zu vermitteln, möchte Eva-Maria Anja Daniela Grothues Menschen dazu inspirieren, ihr Leben nachhaltig zu verändern. Sie lebt mit ihrem Ehemann im Münsterland.

Aktuelles Buch von Eva-Maria Anja Daniela Grothues:

Foto: privat

20.1.2026_Interview_Walter Pobaschnig

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„Inkonsequent. Konsequent. Büchner und Lenz“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _ Ines Edith Oppitz/Naoko Muneoka _ Wien 21.1.2026

Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ performing _
Walter Pobaschnig 7/25, folgende

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962 _
Foto: Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

INGEBORG_ Akrostichon

Text _  Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ

Performance_ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien

Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ performing _
Walter Pobaschnig 7/25, folgende

INGEBORG

Inkonsequent. Konsequent. Büchner und Lenz

Namen, die leuchten

Gestalten, Straßen, die  Stadt

Ein Ort für Zufälle

Bäume rundum

Orplid, Atlantis, Berlin

Register, Worte und Karten

Gedächtnis im Gewitter der Rosen

Ines Edith Oppitz, 5.1.2026

Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ performing _
Walter Pobaschnig 7/25

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text _  Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ.

Performance Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien.

Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ.
Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _
Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Walter Pobaschnig 7/25

Foto _ Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto _  Ines Edith Oppitz _ privat.

Fotos _ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ Walter Pobaschnig 7/25

Literatur outdoors 1/26

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Wo das Gestern geblieben ist. Gedichte. Michael Hillen. Königshausen&Neumann Verlag

Michael Hillen ist eine ganz besondere lyrische Stimme, die sich in ganz außergewöhnlicher feiner Sprachkraft in Form und Thema manifestiert. Es ist ein sehr aufmerksamer Blick auf Leben in Weg und Erinnerung und die Begegnungen, Erfahrungen, Besonderheiten darin, der sich poetisch narrativ wie ein Fluss durch Ort, Welt und Zeit still und ausstrahlend bewegt. Und wie an einem Fluss ist gleichsam das Lesen ein Öffnen der Sinne und Einlassen auf Wasser und Stein am Weg des Lebens.

Der Gedichtband selbst ist in drei große Kapitel – „Geruch aus fernen Tagen“ / „Aus mittlerer Entfernung“ / „Heute noch“ – gegliedert, die Stationen und Blitzlichter von Erinnerung, Gegenwart und Zukunft ausdrucksstark wie eindrücklich poetisch lebendig werden lassen. Und darin ist der Autor ein Meister, ein poetischer Zauberer, der in großer Faszination wie Geheimnis Sprachbilder auftauchen, wirken, strahlen und sanft entschwinden lässt.

Wo das Gestern geblieben ist. Gedichte. Michael Hillen. Königshausen&Neumann Verlag

Broschürt, 100 Seiten  

ISBN: 978-3-8260-7426-4

14,80 €

Walter Pobaschnig 1/26 

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„Immer wachsam, immer kritisch“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort & Bild _ Franziska Bauer/Franziska Serokina Lindenthaler _ Wien 20.1.2026

Franziska Serokina Lindenthaler, SchauspielerinModeratorin_Wien _ 
acting Malina _
Wien 4/23, Walter Pobaschnig 4/23, folgende

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Ingeborg _ Akrostichon

Text _ Franziska Bauer, Schriftstellerin

Performance _ Franziska Serokina Lindenthaler, SchauspielerinModeratorin

INGEBORG

Gedankenschnipsel zu einem berühmten Vornamen

Immer wachsam, immer kritisch

Niemals unbeteiligt

Gleichmut angesichts von Ungerechtigkeit ist verwerflich

Emanzipation des Weiblichen sei unser Hauptanliegen

Blauäugigkeit ist von Schaden und soll durch Literatur eliminiert werden

Ohne Wahrheit keine Menschlichkeit, sie ist dem Menschen zumutbar

Realität ist nicht durch Drogen, wohl aber durch Widerständigkeit veränderbar

Glückssuche gelingt leider nur zeitweilig

Franziska Bauer, 6.1.2026

Franziska Serokina Lindenthaler, SchauspielerinModeratorin_Wien _ 
acting Malina _
Wien 4/23, Walter Pobaschnig 4/23, folgende

Ingeborg Bachmann ist 1946 in Wien angekommen und lebte hier bis 1953. In dieser Lebensphase kommt es zu wesentlichen Begegnungen, Inspirationen ihrer Texte. Ebenso ist es die Zeit erster Anerkennung als Schriftstellerin. Mit Wien bleibt die später in Rom lebende Schriftstellerin zeitlebens verbunden. Ihr einziger Roman Malina spielt in Wien, ebenso nehmen viele Gedichte darauf Bezug.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

INGEBORG _ Akrostichon

Text _ Franziska Bauer, Schriftstellerin _ Großhöflein/AT

Performance Franziska Serokina Lindenthaler, SchauspielerinModeratorin_Wien 

Franziska Bauer, Schriftstellerin

Aktuelles Buch von Franziska Bauer:

Foto _ Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto _ Portrait/Franziska Bauer _ privat.

Fotos _ Franziska Serokina Lindenthaler, Schauspielerin, Moderatorin_Wien _ 
acting Malina _ Wien _ Walter Pobaschnig 4/23

Literatur outdoors 1/26

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„dass sie es gewagt hat, ihre Stimme zu erheben“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Kirstin Breitenfellner, Schriftstellerin _ Wien 20.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Kirstin Breitenfellner

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann am Pressegger See/Kärnten.
Die Familie verbrachte hier regelmäßig Sommer/Urlaubstage bei den Verwandten väterlicherseits im Gailtal.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Kirstin Breitenfellner, Schriftstellerin _ Wien

Liebe Kirstin, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ingeborg Bachmann habe ich früh, in meiner Jugend, zu lesen begonnen, in einem Alter, als es noch undenkbar war, dreißig Jahre alt zu sein. Diese Phase dauerte etwa zehn Jahre. Seitdem habe ich Bachmann aber mehr gelesen. Vielleicht kommt ja irgendwann eine neue Phase … Den Beginn damals machten Gedichte im Schulbuch oder in Lyrik-Anthologien wie etwa die „Gestundete Zeit“ oder die „Anrufung des großen Bären“. Die Melancholie Ingeborg Bachmanns hat gut zu meiner Weltuntergangsstimmung in den 1980er Jahren gepasst, wo man sich noch vor dem Waldsterben durch sauren Regen, dem Treibhauseffekt und einem Atomkrieg zwischen Ost und West gefürchtet und der „Spiegel“ prognostiziert hat, dass im Jahr 2000 kein Baum mehr in mitteleuropäischen Innenstädten stehen würde. Die Zeile „Es kommen härtere Tage“ aus „Die gestundete Zeit“ hat bei mir Resonanz ausgelöst. Ebenso die Konsumkritik in dem Gedicht „Reklame“. Oder die Hymne an die Natur „Freies Geleit“. „Die Erde will keinen Rauchpilz tragen“, heißt es darin, was jene, die den Button „Atomkrieg, nein danke“ an der Brust getragen haben, so wie ich, natürlich politisch verstanden haben.

Kirstin Breitenfellner, Schriftstellerin _ „Station bei Ernst Jandl“ _ Wien _
Walter Pobaschnig 12/25, folgende.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Das Besondere ihres Schreibens hat für mich damals die Mischung aus Verletzlichkeit und Aufbegehren ausgemacht. Und natürlich, dass Ingeborg Bachmann eine der wenigen Frauen war, die in den Anthologien vorkamen. Sie war eine Frau, die gesprochen hat – und schon insofern ein großes Vorbild. Und sie war eine Frau, die nicht versucht hat, ihre Weiblichkeit zu leugnen – auch das hat mich angesprochen. Dass sie sich dagegen aufgelehnt hat, wie Frauen gesehen und behandelt werden – und trotzdem als Frau gekämpft hat.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Nach den Gedichten habe ich dann angefangen, ihre Prosa zu lesen, den Roman „Malina“ oder die Erzählung „Das dreißigste Jahr“. Die Probleme der Autorin schienen mir aber eher weit weg. Das lag zum einen daran, dass ich noch zu jung war, um erwachsene Beziehungen zu verstehen. Und zu anderen daran, dass wir geglaubt haben, eh schon voll emanzipiert zu sein und nicht mehr von Männern abhängig werden zu können. Das war vielleicht ein Irrtum, aber trotzdem war das Geschlechterverhältnis damals – den 1968ern sei gedankt – bereits ein anderes als jenes der Welt von Ingeborg Bachmann, die vierzig Jahre vor mir geboren wurde.

Auch ihr Pathos erschien damals schon ein bisschen antiquiert. Als ich Ingeborg Bachmann zum ersten Mal lesen gehört oder gesehen habe – wahrscheinlich im Fernsehen –, bin ich richtig erschrocken, weil sie plötzlich ganz weit weg schien. Genauso wie Thomas Mann, der seinen „Tonio Kröger“ so theatralisch und altvaterisch vorgelesen hat, dass ich mich posthum für ihn geniert habe. Auch Ingeborg Bachmanns Pathos, ihr Leidenspathos, hat auf uns Jugendliche, die cool sein wollten, eher abschreckend gewirkt. Gleichzeitig war man in den 1980er- und 1990er-Jahren immer noch an der existenzialistisch angehauchten Nachkriegsliteratur geschult – und hat nicht wie heute erwartet, von einem Buch unterhalten zu werden. Günter Anders, Max Frisch, Thomas Bernhard – sie alle waren, so wie Ingeborg Bachmann, gesellschaftskritisch. Natürlich aus männlicher Perspektive.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Wenn man sich die Welt von heute, zu Beginn des Jahres 2026 ansieht, kann man Zweifel daran hegen, ob es überhaupt Sinn macht, „zerstörerische“ Kräfte zu kritisieren. Kriege gibt es seit Menschengedenken. Und alle, die geglaubt haben, die Katastrophe der letzten beiden Weltkriege sei ein abschreckendes Beispiel für zukünftige Konflikte, haben nicht mit der Zeit gerechnet. Damit, dass die Generation ausstirbt, die Kriege erlebt hat und es deswegen als ihre Lebensaufgabe sieht, einen weiteren zu verhindern. Und damit, dass Menschen immer gleich „dumm“ auf die Welt kommen und sowieso Teufel tun, auf ältere Generationen zu hören.

Unter anderem deswegen glaube ich auch nicht, dass Ingeborg Bachmanns Werk Antworten auf Fragen der Jetztzeit bieten kann. Ihre politische und persönliche Situation ist zu anders, zu weit weg. Ihr Vermächtnis besteht eher darin, dass sie es gewagt hat, ihre Stimme zu erheben. Auch gegen die gesellschaftliche Mehrheit ihrer Zeit – und etwa den Nationalsozialismus als eine der Ersten schonungslos kritisiert hat. Sich gegen die Mehrheit zu stellen erfordert auch heute noch einen starken Charakter. Ingeborg Bachmann hat Generationen von Frauen beigebracht, dass man nicht warten muss, bis man gefragt wird, sondern dass Frauen etwas zu sagen haben. Manche von ihren Gedichten lösen bei mir auch heute noch Gänsehaut aus, etwa „Freies Geleit“ von 1957 mit Versen wie folgenden: „(…) Die Erde will keinen Rauchpilz tragen, / kein Geschöpf ausspeien vorm Himmel, / mit Regen und Zornesblitzen abschaffen / die unerhörten Stimmen des Verderbens. // Mit uns will sie die bunten Brüder / und grauen Schwestern erwachen sehn, / den König Fisch, die Hoheit Nachtigall / und den Feuerfürsten Salamander. // Für uns pflanzt sie Korallen ins Meer. / Wäldern befiehlt sie, Ruhe zu halten, / dem Marmor, die schöne Ader zu schwellen, / noch einmal dem Tau, über die Asche zu gehn. (…)“

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Wie oben erwähnt, hat der Pathos von Ingeborg Bachmann bereits zehn Jahre nach ihrem Tod antiquiert gewirkt. Genauso die Vorstellung, dass Dichterinnen und Dichter leiden müssen. Ingeborg Bachmann war ein gefeierter Star ihrer Zeit, sie hat vermutlich mehr Bewunderung erfahren und Gedichtbände verkauft als jede lebende Autorin heute. Insofern wird sie von vielen von uns Heutigen wohl eher beneidet. Lyrik galt damals als der Gipfel der Kunst. Während heute Menschen, die „nur“ Gedichte schreiben, eher belächelt werden. In der Nachkriegszeit passierte genau dasselbe mit Prosaautoren – Marlen Haushofer etwa wurde nicht annähernd so ernst genommen und verehrt wie Ingeborg Bachmann, weil sie „nur“ Romane geschrieben hat (nachzulesen in Daniela Strigls formidabler Haushofer-Biografie aus dem Jahr 2000). Das zeigt uns aber auch, dass Moden kommen und gehen. Derzeit erfährt die Lyrik jedenfalls wieder einen kleinen Aufschwung …

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ingeborg Bachmann hat auf mich immer sehr unnahbar gewirkt. Deswegen konnte ich mir nie vorstellen, sie etwas zu fragen. Auch heute nicht.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich überarbeite gerade meinen Roman über ein Frauenschicksal der Kriegs- und Nachkriegszeit, meine Protagonistin ist etwa zehn Jahre jünger als Ingeborg Bachmann – und keine Künstlerin. Deswegen sind ihre Lebenswege kaum vergleichbar.

Herzlichen Dank für das Interview!

Kirstin Breitenfellner, Schriftstellerin _ „Station bei Ernst Jandl“ _ Wien _
Walter Pobaschnig 12/25

Aktueller Roman von Kirstin Breitenfellner: „Maria malt“ Picus Verlag, 2022 _ dabei steht Leben&Werk der österreichischen Künstlerin Maria Lassnig (1919 – 2014) im Mittelpunkt. https://literaturoutdoors.com/2022/08/29/maria-malt-kirstin-breitenfellner-picus-verlag/

Foto: Ingeborg Bachmann: am Presseggersee/Gailtal, um 1939 _ Familienarchiv Bachmann,

Fotos: Kirstin Breitenfellner: Walter Pobaschnig _ Station bei Ernst Jandl _ Wien 12/25

Walter Pobaschnig   1_26

https://literaturoutdoors.com

„ihre Kernanliegen sind nach wie vor aktuell“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Felix Kucher, Schriftsteller _ Klagenfurt 19.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Felix Kucher

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom, auf der Terrasse ihrer Wohnung in der Bocca di Leone, um 1971

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Felix Kucher, Schriftsteller

Lieber Felix, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Viele unterschiedliche in verschiedenen Lebensabschnitten. Da waren zuerst – noch zu Schulzeiten – die Gedichte, später die Lektüre von Malina (das für mich als 20jähriger natürlich ein völlig anderes Buch war als 30 Jahre später).
Dann die Erzählungen, als Klagenfurter kommt man ja nicht um „Drei Wege zum See“ und „Jugend in einer österreichischen Stadt“ herum; viel später habe ich auch die anderen Erzählungen und vor allem ihre Hörspiele gelesen, dann auch gelungene und weniger gelungene Dramatisierungen ihrer Prosawerke auf verschiedenen Bühnen gesehen. Erst im letzten Jahr (2025) bin ich auf ihre Frankfurter Poetik-Vorlesungen gestoßen.

Felix Kucher, Schriftsteller _
vor den Rosenhügel Filmstudios Wien _
Bezugspunkt zu seinem aktuellen Roman „Von Stufe zu Stufe“, Picus Verlag 2025 _
Walter Pobaschnig 2/25, folgende.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Schwer zu sagen, ich bin kein Literaturwissenschaftler. Bachmann ist Lyrikerin, Dramatikerin, Autorin von Prosa und jemand, der über Literatur und Philosophie mit einem enormen Hintergrundwissen reflektiert. Ich bewundere, wie sie alle diese Genres beherrscht und zugleich deren Konventionen auf ihre Art Konventionen bricht.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Die oben genannten Frankfurter Vorlesungen, vor allem „Warum schreiben? Wozu?“ und „Über Namen“.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Obwohl gerade ihre Gesellschafts- und Patriarchatskritik natürlich klar die Patina ihrer Entstehungszeit aufweisen, sind ihre Kernanliegen nach wie vor aktuell.  

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Natürlich, Himmel, Hölle und Fegefeuer in einem.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich arbeite am nächsten Roman, wie immer ist es ein Seiltanz. Ich hoffe, dass es was wird.

Herzlichen Dank für das Interview!

Felix Kucher, Schriftsteller

Aktueller Roman von Felix Kucher: „Von Stufe zu Stufe“, Picus Verlag 2025 _ darin die reiche wie spannende Wiener Filmgeschichte im Mittelpunkt steht. https://literaturoutdoors.com/2025/04/17/von-stufe-zu-stufe-felix-kucher-roman-picus-verlag/

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Fotos: Felix Kucher: Walter Pobaschnig 2/25

Walter Pobaschnig 1/26

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Willkommen in der Lyrikwerkstatt. Reiseführer in die Welt der Poesie. Franziska Bauer. Pohlmann Verlag.

Franziska Bauer, sehr vielseitige wie renommierte Schriftstellerin und Pädagogin, legt ein sehr beachtliches kompaktes Grundlagenwerk zum lyrischen Schreiben in Theorie und Praxis vor, das einem Gedicht gleich mit fließender Leichtigkeit und Verständlichkeit wesentliche Horizonte von Formsprache, Gattung öffnet und erläutert wie sehr inspirativ einlädt, eigene poetische Schritte in diesem hervorragenden Rahmen zu setzen.

Eine Lyrik-, Sprachwerkstatt im besten Sinne also, die Werkzeuge und Raum bietet, zu entdecken, zu verstehen und selbst an Sprache, Vers und Welt im Sinne des großen Poeten Walt Whitman (US; Schriftsteller) weiterzubauen:

„Ich und mein Leben, die immer wiederkehrenden Fragen…Wozu bin ich? Wozu nutzt dieses Leben?

Die Antwort: Damit du hier bist. Damit das Leben nicht zu Ende geht, deine Individualität. Damit das Spiel der Mächte weitergeht und du deinen Vers dazu beitragen kannst.“ Walt Whitman

Willkommen in der Lyrikwerkstatt. Reiseführer in die Welt der Poesie. Franziska Bauer. Pohlmann Verlag.

Format: Heft, A4, ca.48 Seiten

Sprache: Deutsch

Erscheinungsdatum: 22. August 2025

Verlag: Pohlmann Verlag

1. Auflage, Originalausgabe

ISBN: 978-3-948552-60-2

17,40 EUR

Walter Pobaschnig 1/26

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„Grundwasserwesen“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _ Felix Kucher/Nadja Puttner _ Wien 19.1.2026

Nadja Puttner, Tänzerin, Choreographin _ performing „Undine geht“ _
Donau/Wien _
Walter Pobaschnig 4/25, folgende.

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

UNDINE GEHT_ Akrostichon

Text _  Felix Kucher, Schriftsteller

Performance_ Nadja Puttner, Tänzerin, Choreographin


UNDINE GEHT

Und

Niemals

Dient

Ingeborg

Nutzlosen

Etiketten

Grundwasserwesen

Erleidet

Hilflosen

Trottelmann


Felix Kucher, 8.1.2026

Nadja Puttner, Tänzerin, Choreographin _ performing „Undine geht“ _
Donau/Wien _
Walter Pobaschnig 4/25, folgende.

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962
Felix Kucher, Schriftsteller _
vor den Rosenhügel Filmstudios Wien _
Bezugspunkt zu seinem aktuellen Roman „Von Stufe zu Stufe“, Picus Verlag 2025 _

Aktueller Roman von Felix Kucher: „Von Stufe zu Stufe“, Picus Verlag 2025 _ darin die reiche wie spannende Wiener Filmgeschichte im Mittelpunkt steht. https://literaturoutdoors.com/2025/04/17/von-stufe-zu-stufe-felix-kucher-roman-picus-verlag/

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Foto: Felix Kucher: Walter Pobaschnig 2/25

Fotos: Nadja Puttner, Tänzerin, Choreographin _ performing „Undine geht“ _
Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 4/25.

Walter Pobaschnig 1/26

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„Mit gutem Grund zurück ins Wasser“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _ Franziska Bauer/Lisa Fertner _ Wien 18.1.2026

Lisa Fertner, Schauspielerin _ Salzburg_
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
Walter Pobaschnig 6/24, f.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Undine geht _ Akrostichon

Text _ Franziska Bauer, Schriftstellerin

PerformanceLisa Fertner, Schauspielerin

Mit gutem Grund zurück ins Wasser

Akrostichon zu Ingeborg Bachmanns Erzählung UNDINE GEHT
aus dem Erzählband „Das dreißigste Jahr“

                                               Undine ist ein Wasserwesen,

                                               Nur eine Seele hat sie nicht.

                                               Das hofft für sich sie so zu lösen,

                                               Indem sie sich von Hans verspricht,

                                               Nie enden wollend, dessen Liebe.

                                               Er würd’ ihr, wenn er treu ihr bliebe,

                                               Genau so eine Seele schenken.

                                               Er scheitert just an dieser Pflicht.

                                               Hans kann man dies wohl kaum verdenken:

                                               Treu auszuharren liegt ihm nicht.

Franziska Bauer, 6.1.2026

Lisa Fertner, Schauspielerin _ Salzburg_
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
Walter Pobaschnig 6/24, f.

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962 _
Foto: Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Undine geht _ Akrostichon

Text _ Franziska Bauer, Schriftstellerin

PerformanceLisa Fertner, Schauspielerin

Franziska Bauer, Schriftstellerin

Aktuelles Buch von Franziska Bauer:

Foto _ Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto _ Portrait/Franziska Bauer _ privat.

Fotos _ Lisa Fertner_ „Undine geht“ Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 6/24

Literatur outdoors 1/26

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„eine zeitlos gültige, visionäre Schriftstellerin“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Brigitta Huemer, Schriftstellerin _ Nötsch/Kärnten 18.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Brigitta Huemer

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom, um 1971

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Brigitta Huemer, Schriftstellerin

Liebe Brigitta, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Es manifestiert weibliches Hindurchsterben und Anfragen; Zeugt von erkämpftem Selbstverständnis, von konsequentem Sich – auffinden und Wiederzusammenfügen, an den zentralen Wendepunkten und Bruchlinien menschlicher Existenz. Auch meiner eigenen dicht gedrängten, wie unsteten Biografie. Es steht für eine nachhaltige Lebenserschütterung im allerbesten Sinn. Ingeborg Bachmann war mir Verhinderung, Maß und Anlass zugleich, den eigenen literarischen Ausdruck aufzuspüren, ihm zu trauen und ein früh verinnerlichtes ‚Schreibverbot‘ sukzessive zu überwinden.Meine Annäherung an ihr Werk, ist von einer forschenden und lernenden Haltung getragen; Einer achtsamen Auseinandersetzung, auf Basis großer Wertschätzung und geistiger Nähe, die weit zurückreicht und auf Lebenstangenten beruht. Ausreichend, um die ‚Hand des Schicksals‘ für den Umstand zu bemühen, dass ich heute – wie von ungefähr – ausgerechnet in unmittelbarer Nähe ihrer Herkunft lebe.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Ingeborg Bachmann ist eine kritische, visionäre Schriftstellerin und Philosophin. Eine „lodernde Fackel“ für Freiheit und monetäre Unabhängigkeit.Eine Feministin, die den großen Themen der Menschheit einen klugen, radikal weiblichen Blick schenkt und den Finger in die Wunden des Zusammenspiels patriarchaler Strukturen und Unterdrückung legt. Bis zur Selbstaufopferung.

„Mit meiner verbrannten Hand, schreibe ich von der Natur des Feuers.“

Ihr gesamtes Werk ist von Musikalität durchdrungen. Es ist ausschließlich vor ihrem biografischen Hintergrund lesbar und politisch, psychologisch – philosophisch, weitgehend auch theosophisch interpretierbar. Nichts darin ist zufällig, in Allem verbirgt sich Wahrheit, Erkenntnis und Bezugnahme. Bachmann bedient eine tiefgründige Metaphorik und greift häufig auf Elemente der Mythologie zurück. Sie deutet an, verschlüsselt, gibt Rätsel auf, mahnt, mutet zu und deckt auf. Sie zielt auf ernsthafte Auseinandersetzung, auf Verstehen und entzieht sich einer oberflächlichen Deutung. In ihrer Prosa, wie auch in der Lyrik, verschreibt sie sich der Phänomenologie der Wahrheit. Sie ist eine präzise Analytikerin der Gelechterdifferenz und grassierenden Geschichtsvergessenheit.

MENSCH SEIN
(Hommage an Ingeborg Bachmann)


Als randvolle Gestalt
als Gegründete im Grundlosen
im Wissen um Wagnis
vor dich hinzutreten ist viel
Denn es ist was uns eint
nicht bloße Tändelei
Das zuunterst Erworbene
das Hindurch-Gestorbene
ist das Anfragende
Benennendes `Du`
Anderes /unterscheidbares SEIN

Nicht Lockung / noch Kurzweil
Nicht Andeutung
Spiel und Flammenwurf
Nicht betörend kluge Wortgirlanden
Meisterhafte Sprachimpulse
Wundersam geschlungen
um Sinnleere und ach –
so fragile Seele

Nein
Es ist was ich bin – das Urbare
Der dammbrechende Ruf
ins bekennende Lieben
Schnörkellos / zweifelsfrei
und ohne den raffiniert
hingestreuten Anreiz
eines `Vielleicht`
und `Irgendwann`

Brigitta Huemer
Aus: ‚GEDANKEN AN ROT‘
ISBN 978-3-903190-03-0

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Neben den Gedichtbänden ‚Die gestundete Zeit‘ und ‘Anrufung des großen Bären‘, natürlich den Roman ‚Malina‘, die Romanentwürfe ‚Requiem für Fanny Goldmann‘ und ‚Der Fall Franza‘; Den posthum erschienenen Lyrikband ‚Ich weiß keine bessere Welt – unveröffentlichte Gedichte‘, mit herausgegeben von den Geschwistern Isolde Moser und Heinz Bachmann;

Unter Vorbehalt, den Briefwechsel mit literarischen Größen ihrer Zeit. Setzt er doch voraus sich dem Spannungsfeld – Intimität und Geheimnis, versus literarisch relevantes Allgemeingut, bewusst zu stellen. Vielleicht legitimiert eine pietätvolle Haltung, den mannigfach darin enthaltenen Erkenntniszuwachs.

‚Undine geht‘, im Erzählband ‚Das dreißigste Jahr‘, hat mich in meinem Frausein besonders angesprochen und für ihre literarische Genialität eingenommen. Eine schonungslose Thematisierung der Geschlechterdifferenz, die dem Ursächlichen nachgeht und einem reif agierenden Feminismus das Wort redet. Dieser Text ist ein emanzipatorisches Monument und als solches zu meinem ‚persönlichen Evangelium‘ avanciert. Das Mann- Frau – Paradigma ist heute auch in meinem eigenen Schaffen zentral auffindbar.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

In dieser generalisierenden Aussage scheinen mir ihre zahlreichen Kontakte und unterschiedlich gelagerten Beziehungen zu bekannten Männern der Literatur, Philosophie und Psychologie, ausgenommen zu sein.

Ingeborg Bachmann hielt ihre Dankesrede anlässlich der Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden (1959), für ‚Der gute Gott von Manhattan‘ vor Kriegsversehrten. Im jüngsten Film von Margarethe von Trotta: ‚Reise in die Wüste‘, spricht sie symbolträchtig vor einer Armada von Männern mit Augenbinden und versteinerter Miene. Ob die Regisseurin diese Assoziation gezielt einsetzt oder nicht; Es drängt sich einem unweigerlich die Frage auf: Hat sich an dieser zur Schau gestellten Blindheit – auf zumindest einem Auge – bis heute etwas zum Besseren gewendet? Die Antwort darauf, gaben in ihrer Zeit und geben heute wieder, beklemmende Aktualitäten.

„Wir müssen wahre Sätze finden.“ riet Ingeborg Bachmann. Eindringlich. Sie hat sich selbst beim Wort genommen. Wahr ist ihr Satz. Er wagt den Alleingang. Er schält sich aus dem Kontext, steht frei. Ein Satz, wird zum Monument im Text. Er setzt sich aus. Er hält die Botschaft hoch. Ein Satz der bleibt. Schlicht und vollkommen:
„Die Geschichte lehrt dauernd, sie findet aber keine Schüler.“                   (Ingeborg Bachmann)     

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Ja, “es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren“. Vor Allem dann, wenn Schreiben Obsession ist, Überlebensmotiv, innerer Auftrag, alles bestimmende Notwendigkeit.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Einsamkeit, in die ich dir nachfolge. Und: „Wohin aber gehen wir?“

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ein weiteres Buchprojekt

Mehrere Beiträge zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann

Unter Anderem:

Kulturforum Amthof Feldkirchen (Kärnten)

SA, 13. Juni 2026, 20h

WAS WAHR IST

Musikalische Lesung anlässlich des 100. Geburtstags von INGEBORG BACHMANN, mit anschließender Podiumsdiskussion zu Leben und Werk

Es lesen: Brigitta Huemer & Claudia Rosenwirth-Fendre

Moderation & Diskussionsleitung: Ingrid Schnitzer

Musik: Friedegund Rainer (Violoncello)

Lieber Walter, ich danke für Dein vielfältiges Wirken im Dienst der Kultur, vornehmlich der Literatur.  

Herzlichen Dank für das Interview!

Brigitta Huemer, Schriftstellerin _im Bachmannmuseum Klagenfurt

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze.

Fotos: Brigitta Huemer _ Station bei Bachmann/Klagenfurt _ Walter Pobaschnig 7/25

Walter Pobaschnig 1/26

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