Da ist das Leben und da die Erinnerung. Der 10.Oktober in der Schule, die Polizeistation und der Führerschein. Stationen und Wege von Sprache und Leben.
Und jetzt Tehran. „Is it nice where you live?“„Wo ich lebe, Sir, liegt über allen ein Schweigen…Dirndln…Bierzelt…“ „Nice, nice, Baby!“
„Wenn mich die Traurigkeit längere Zeit nicht besucht, beginne ich mich heimlich nach ihr umzusehen…“
Jetzt Maulbeeren und Märtyrerbilder am Weg. Bilder am Weg im Kopf. Heute und damals. Da und dort.
„Inschallah! „Inschallah!“
Und da ist in der Erinnerung die Diva und der Leichenschmaus. Die Todesarten, nein Sterbensarten. Das Ende der Kindheit und der saure Regen…und die Sonne…da und dort…
Die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin, Anna Baar, legt mit „Divan mit Schonbezug“ einen Erzählband vor, der in seiner sprachlichen Virtuosität wie seiner kaleidoskopartigen historisch-biographischen kritischen Zeitreise begeistert.
Anna Baar lädt zu einem fliegenden Teppich von Sprache, Nation, Identität, Schein und Sein von Lebenswelt und Gesellschaft, der alles scheinbar Feststehende unter den Füßen wegzieht und im Fliehen oder Bleiben erstaunt wie erschüttert darauf blicken lässt. Bei Anna Baar geht es im Schreiben immer um das Ganze des Lebens in Zeit und Raum. Und das Ankommen im Lesen ist dabei immer offen.
„Anna Baar schreibt mit so schonungsloser aufmerksamer Zärtlichkeit über Mensch und Welt wie es nur Liebende vermögen“
Lieber Klaus, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich wache ca. um 6:30h auf, obwohl ich mir den Wecker für 6:55h gestellt habe. Kaffee, der zwanghafte Griff zum Handy (man könnte ja etwas versäumen), dann normalerweise ins Studio/Büro… doch im Moment eher nur Vermarktung/PR- Tätigkeiten, daher auch von zu Hause möglich.
Gerade (also heute) der erste Teil meiner 4 teiligen Jubiläumsreihe „20 Jahre Dope Noir“ erschienen. Konzerte im Moment kaum… die Pandemie hat ihre Verwüstung in den Köpfen der Menschen hinterlassen. Planungsunsicherheit bei Konzertveranstaltern…
Klaus Waldeck, Musiker/Produzent/Komponist
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Zusammenhalt. Halt in der Familie – sofern vorhanden. Ein optimistischer Blick in die Zukunft wäre zwar nötig… irgendeine Vision. Leider fast nicht möglich. Daher stehen wir eher am Beginn eines neuen Biedermeier Zeitalters.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Wesentlich wird sein, die Gräben die die Pandemie verstärkt hat wieder langsam zu schließen. Leider sehe ich hier keine baldige Lösung, eher im Gegenteil. Soziale Medien fungieren als Brandbeschleuniger und Echo-Kammern. Tendenziell sehe ich eher ein weiteres Auseinanderdriften.. angefeuert insbesonders von Gruppierungen, die sich moralisch über andere erheben.
Die Kunst kommt hierzulande oft als Letztes und sie kann gesellschaftlich auch wenig bewegen. Das gilt auch für die Musik. Bis zu einem gewissen Grad ist das verständlich.
Was liest Du derzeit?
Habe gerade von Kazuo Ishiguro „Klara and the Sun“ gelesen. Er ist einer der wenigen Autoren, von denen ich bisher noch nie entäuscht wurde
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich habe das Buch schon weitergegeben.. Auswendig weiß ich daraus kein Zitat;-).
Vielen Dank für das Interview lieber Klaus, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
„Auf ein Wort“ ist das erste Gedicht dieses neu erschienen Bandes der Rauriser Schriftstellerin und Fotografin Susanne Rasser betitelt und umreißt damit bereits metaphorisch Inhalt und Stil dieses außergewöhnlichen Werkes, welches die Kraft und den Zauber poetischer Sprache mit Leben und Zeit in allen Schattierungen verbindet.
Die poetische Sprache Susanne Rassers zeichnet eine Klarheit, Direktheit wie Aufmerksamkeit für das Leben in Gegenwart, Erinnerung und Ausblick aus. Das Wort ist dabei ein Impuls des Sehens und Wahrnehmens und miteinander Teilens. Dies kann ein Gespräch oder eine Feststellung sein. Ein Fragen oder Aussagen über Mut, Traurigkeit, Verlust oder Hoffnung. Immer ist sehr viel Behutsamkeit für Sprache und Leben dabei. Eine gleichsam literarische Beobachtung im Innen und Außen voll umfassender zärtlicher Empathie.
„Atme den Himmel“ ist ein poetisches Vademecum zu jeder Tages-, Nachtzeit, welches das Leben in großer Aufmerksamkeit zu fassen und auszudrücken vermag. Es ist ein Plädoyer für das „Wort“, für seine Kraft und Wirkung, von dem Ingeborg Bachmann sagte „Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht“.
Susanne Rasser steht mit Ihrem Gedichtband in großer Tradition deutschsprachiger Literatur, die direkt und gehaltvoll Leben und Welt benennt und dabei der Sprache alles zutraut.
„Ein Gedichtband, der in Form und Inhalt begeistert und zur rechten Zeit kommt“
Lieber Markus, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Morgens aufwachen, hoffen, dass die Zeitung gute Nachrichten überbringt, in der Regel enttäuscht sein und mich dann meiner kleinen Welt widmen, in Gedanken daran, was in der großen Welt geschieht.
Mein Tagesablauf ist streng durchgetaktet durch Familie und juristische Arbeit. Es überrascht mich immer wieder, dass doch neue Texte geschrieben werden, und zwar von mir selbst und keinem Ghostwriter.
In den letzten Wochen habe ich meine Schreibzeit in die Finalisierung meines Debütromans „Die Dringlichkeit der Dinge“ investiert. Davor hätte ich mich – basierend auf dem, was ich täglich so getan habe – als Vater, Autor und Jurist bezeichnet. Mit dem ersten Buch sind nun weitere Funktionen hinzugetreten, weil es ja um mehr geht als den Text – um ein Cover, um Werbung und um Lesungen sowie Veranstaltungen. Es ist eine neue Erfahrung. Der Reiz ist aber groß, wieder zum Anfang, also zum Schreiben und zum Lesen, zurückzufinden.
Markus Grundtner Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Nicht resignieren. Mit schweren Situationen wachsen. Immer wieder durchatmen. Ich will nichts kleinreden in diesen Zeiten von Krieg und Krankheit, aber in meinem Alltag merke ich, dass ich auftauchende Hürden grundsätzlich höher bewerte als sie in Wahrheit sind. Wichtig finde ich, jedem Problem die Energie zu widmen, welche es zu seiner Lösung braucht – nicht mehr, nicht weniger – um nicht leer zu laufen und das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Aus den Erfahrungen der letzten zwei Jahre ließe sich der Schluss ziehen: Selbst, wenn eine Herausforderung akut ist, kehren Menschen immer wieder zu alten und wenig hilfreichen, ja, kontraproduktiven Verhaltensmustern zurück. Oder anders gesagt: Es gibt kein Lernen aus Fehlern. Einen Schritt weitergedacht: Wenn das Handeln schon nicht zielführend ist bei Bedrohungen, die der Menschheit aktuell auf der Brust hocken, mit welchem Erfolgsgrad sollen dann jene bewältigt werden, die sich gerade erst am Horizont zeigen?
Literatur und Kunst können hier schaffen, einen anderen Blickwinkel zu geben, die Menschen immer wieder daran zu erinnern, dass man wirklich alle Dinge anders sehen kann und dass nicht immer alles gleich bleiben muss wie bisher. Es geht darum in der Trostlosigkeit nie den Glauben daran zu verlieren, dass Vernunft und Zusammenhalt irgendwann nicht mehr nur flüchtige Erscheinungen sind, sondern Bestand haben.
Was liest Du derzeit?
In meiner antrainierten Rolle als Simultanleser besteht mein Bücherstapel aktuell aus: „Ein Giro in Triest“ von Christian Klinger, „Justizpalast“ von Petra Morsbach, „Das Journal der Valerie Vogler“ von Constantin Schwab, „Die Frau im Atelier“ von Elke Steiner und „Und das Universum schweigt“ von Johanna Wurzinger.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Einen Gedanken, der für Juristen und Nicht-Juristen gleichermaßen fruchtbringend sein kann – aus dem letzten Interview von Roger Willemsen auf die Frage, worin der Sinn des Lebens besteht: „Der Sinn besteht darin, die gegebene Frist sinnvoll zu nutzen.“
Vielen Dank für das Interview lieber Markus, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!