Neophytischer Niedergang, notständiges No Man´s Land, so
carry me
„Engelhäuser‟ –
So nannte ich die Häuser, die mir in E. begegneten, als ich noch keine vier Jahre auf der Welt war. Zuvor war ein Urteil gefällt worden. Wir waren zurückgekehrt in die Geburtsstadt meiner Mutter, zurück in der DDR. Ich fühlte mich entführt aus dem Paradiesgarten meiner Großeltern, der mein ganzes kindliches Sehnen und Wachsen bestimmte. Es waren die Häuser am so genannten „Ring“, die mir meine Mutter gleich zu Anfang zeigte mit all den reichen Stuckgesichtern und mein Ich war sich sicher: darin müssen Engel wohnen, Menschen dürfen das nicht. Meine erste Erinnerung profunder Zerstörung ist mit diesen nun jenseitigen Engelhäusern, die ich, sooft ich nur konnte, zu sehen verlangte, bis heute verbunden. So nahm mich meine Mutter auch mit, sie alle anzusehen, als sie abgerissen wurden. Die Abrissbirne schwang über ihnen und zerschmetterte die liebgewonnenen steinernen Engel-Gesichter, meinen Halt in der fremden Stadt. Am nächsten Tag sollte ich mit anderen Kindern des Kindergartens das Lied „Überall, wohin man schaut, wird aufgebaut“ singen. ̶
Ich weigerte mich.
Julia Kulewatz, 26.3.2022
Julia Kulewatz _Schriftstellerin, Literaturwissenschafterin, Verlagsleitung bei kul-ja! publishing
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Julia Kulewatz _Schriftstellerin, Literaturwissenschafterin, Verlagsleitung bei kul-ja! publishing
At the moment when I’m not around for concerts and I’m not teaching at the conservatory of Venezia I study music, I read a lot and I play basketball, I try to take care of my mind, my soul and my body…
Andrea Massaria, musician
What`s now particularly important for all of us?
In this very difficult period for all of us in my opinion is very important not to allow problems and circumstances to interrupt our journey … focus on our lives and move in the direction in which we want to go and build a future that is worth fighting for …
New start, new beginning. What will be essential and which roles will music and art play?
I answer you talking about my trio’s conception…I love playing in a trio and I love non-idiomatic improvisation in a trio… …the trio is a „poor“ formation where the „color“ is almost completely missing …. and for me it is something very similar to black and white photography… …and, just as black and white photography suggests much more than reality, not by showing it but by pointing it out, so the trio suggests much more than timbres and their richness, not by making them heard but only imagined… ..one finds oneself (I find myself) improvising in a trio, in a sort of limbo where reality, things, feelings are suspended…suspended, not cancelled as music for trio does not forget reality but suspends it momentarily while keeping it always present… …the real is there, behind the door…you can perceive it…but fortunately, in the not fictitious and honest improvisations, this aspiration to perfection is never realized… …the art of the unspoken and the suggested is the true essence of the black and white trio….the role of the art…
What are you reading?
I am currently reading „Beyond Biocentrism“ by Rober Lanza and „Wabi Sabi“ by Tomas Navarro
Which quote, text will you propose to us?
Two quotes of mine…the worst enemy of efficiency is a lack of limits…and…getting what you set out to do isn’t as important as the kind of person you’ve become in pursuit of it….
Andrea Massaria, musician
Thank you very much for the Interview, dear Andrea, much success for your wonderful music projects, all the best in these days!
Liebe Jacqueline, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Jeder Tag sieht bei mir anders aus. Wenn man als freiberufliche Schauspielerin und Theaterpädagogin arbeitet, so wie ich, dann arbeitet man projektorientiert. Selbst während der doch eher ruhigeren Phasen der Lockdowns war ich stets herausgefordert meine alten Gewohnheiten über Bord zu werfen, umzudenken und umzustrukturieren. Trotz allem habe ich bemerkt, dass obwohl in dieser Zeit viele neue digitale Formate entstanden sind, die Menschen doch sehr froh waren, sich dann wieder im echten Leben sehen zu dürfen und miteinander arbeiten zu können.
Derzeit arbeite ich gerade an meinem Abschlussprojekt für die Universität der Künste in Berlin. Das biografisch-dokumentarische Projekt soll eine kritische Auseinandersetzung werden, die in weiterer Folge, ausgehend von der weiblichen Identität, verschiedene persönliche Verlusterlebnisse von zehn Frauen in eine partizipatorische Inszenierung beziehungsweise performative Intervention einfließen lassen soll.
Jacqueline Sattler, Schauspielerin und Theaterpädagogin _ Wien/Berlin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Wir müssen gerade alle mit der Situation zurechtkommen, dass wir im Begriff sind unser kollektives Sicherheitsgefühl zu verlieren. Derzeit stecken wir in einem riesigen Vakuum fest und denken, dass diese Ohnmacht, die uns übermannt, nie wieder enden wird. In den Medien jagt eine globale Katastrophe die andere. Die immer wieder vor uns hergeschobene Klimakrise wurde von der aktuellen Pandemie ebenso abgelöst, wie jetzt die Pandemie von einem Krieg mitten in Europa. Wie bei jedem Verlust durchwandern wir verschiedene schmerzhafte Phasen. Wir dürfen in diesem Bewältigungsprozess jedoch nicht in der Depression verharren. Wir müssen aufhören uns kleinzumachen und endlich anfangen Verantwortung zu übernehmen. Ich denke, es ist wichtig, dass Räume geschaffen werden, in denen wir uns alle zusammensetzen und wieder lernen uns besser zuzuhören. Jede*r von uns hat Ängste, Sorgen aber auch Sehnsüchte. Oft stimmen diese überein, auch wenn wir das am Anfang gar nicht vermuten würden.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Was mich gerade sehr berührt ist, dass im Moment die Gemeinschaft in unserer Gesellschaft wieder in den Fokus rückt. Nach dieser langen Durststrecke sehnen sich die Menschen wieder danach, gemeinsam ins Theater zu gehen und mit anderen im selben Raum zu sitzen und ihre Erlebnisse zu teilen. Aber nicht nur im Passiven, sondern auch im Aktiven sehe ich einen Trend, der weg von hierarchischen Strukturen hin zu einem vermehrten kollektiven Handeln führt.
Wir Kunstschaffende setzen uns größtenteils das Ziel, den Ist-Zustand abzubilden und damit zum Nachdenken anzuregen. Ich denke, es ist Zeit, dass wir in die Zukunft sehen und damit einen Wandel in Gang bringen. Wir alle sind jetzt herausgefordert, selbst anzupacken und utopische Projekte in die Realität umzusetzen — und das kann nur gemeinsam klappen.
Was liest Du derzeit?
„Über Menschen” von Juli Zeh- ein Buch über den Versuch Mensch zu sein in dieser doch recht überfordernden unmittelbaren Gegenwart.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Ich halte es nicht für erforderlich, genau zu wissen, was ich bin. Das Wichtigste im Leben und in der Arbeit ist, etwas zu werden, was man am Anfang nicht war.” (Michel Foucault)
Vielen Dank für das Interview liebe Jacqueline, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Theater-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Jacqueline Sattler, Schauspielerin und Theaterpädagogin _ Wien/Berlin
Foto_Jeremy Spieß.
24.3.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Gehen wir nachhause In den Augen Vadims wimpernschwarz Ein Hof und ein Baum – nur noch Stamm
Packen wir Sachen Einen Arm eine Hand einen Hund Auch der Nachbar waffenschwer Codes in Sand und Meer Ebbezeit wird schäumen
Am lebendigen Leib
Comebacks sind immer sauschwer Halt, wenn wir in die Augen gehen, An, wo die Brücke schwingt Nimm dein Herz ins Schaukeln Campieren im Hof wo Ein Rest Stamm Baum
Elke Steiner, Schriftstellerin_Wien _ Station bei Ingeborg Bachmann_Wien
Liebe Elke, ich sitze gerade im Zug und eine Sitzreihe dahinter telefoniert jemand – „Wer weiß, wie lange die Welt noch steht?“ – wie siehst, erlebst Du unser so dramatisches Zeitgeschehen derzeit?
Ich kann es nur schwer begreifen. Ich beschäftige mich im Alltag oft mit Worst-Case-Szenarien. Was ist das Schlimmste, was passieren kann? In Anbetracht der Antwort relativiert sich ein Problem meist schnell und scheint zumindest bewältigbar. Das wirkt jetzt wie eine Micky-Maus-Strategie und lässt sich leider nicht auf die Weltpolitik umlegen und trotzdem erfahren wir gerade, dass sich die Politik mit der Frage nach dem Worst-Case-Szenario nicht auseinandergesetzt hat. Das wird langsam allen bewusst, es ist ein Gefühl des Grauens, macht betroffen und ist bitter. Unweigerlich fallen mir Ingeborg Bachmanns Zeilen aus „Alle Tage“ ein:
(…) Das Unerhörte ist alltäglich geworden. Der Held bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache ist in die Feuerzonen gerückt. Die Uniform des Tages ist die Geduld (…)
Was bedeutet diese Situation im Moment für Dich als Schriftstellerin? Gibt es unmittelbare Auswirkungen?
Ja die gibt es definitiv, weil ich an einigen Texten gleichzeitig arbeite. Und jene, in denen etwas Lustvolles oder vergnügliche Töne schwingen, von denen habe ich mich in der ersten Betroffenheit abgewandt, weil ich es unpassend fand. Nach vielen Gesprächen mit Autor*innen und anderen Künstler*innen war aber recht bald klar – und die Message ist eindeutig: Weitermachen. Stark bleiben. In dem was wir tun, in dem was wir können. Sich nicht beherrschen lassen von negativen Gefühlen oder gar in seiner Arbeit innehalten. Das würde niemandem helfen. Wir alle wollen mit viel Feingefühl in der Kunst weiterarbeiten.
Im Literaturbetrieb gibt es unzählige Aufrufe, Gedichte und Texte gegen den Krieg zu schreiben, es entstehen Anthologien, Videos, neue Plattformen, Künstlerkollektive, etc. In manchen Fällen geht es um das Sammeln von Spenden, in anderen Fällen kann man nur sagen: Das alles hat eine Kraft, und die brauchen wir.
Wir sind hier beim Wohnhaus von Ingeborg Bachmann in Wien. Deine Wiener Arbeitswohnung befindet sich in Sichtweite, um die Ecke. Welche Bedeutung hatte und hat dies für Deine literarischen Projekte?
Die Wohnung hier hat große Bedeutung als Arbeits- und Rückzugsort. Viele Menschen brauchen ein Rückzugsort am Land, ein Wochenendhaus etc., bei mir ist es umgekehrt. Wenn ich mein Gehirn nicht zwischendurch in urbane Energie tauchen kann, fehlt etwas. Die meisten meiner Arbeitsbeziehungen und sehr viele persönliche Beziehungen spielen sich in Wien ab. Projekte, Termine, Lesungen, etc. Sitze ich jedoch im Zug und verlasse Wien, atme ich auf. Ich brauche beides. Aber da diese Haltung und überhaupt freier Wohnraum derzeit für mich moralisch kaum vertretbar ist, wird die Wohnung demnächst von einer ukrainischen Familie bezogen.
Welche Bezüge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann?
In erster Linie bin ich Leserin ihrer Texte und Hörerin ihrer Gedichte. Als ich zu diesem szenischen Interview eingeladen wurde, habe ich mir noch angehört, was andere über sie sagen, da gibt es eine Fülle von Videos im Internet, manche sind sehr interessant, das grässlichste ist von Reich-Ranicki.
Mein stärkster Bezug ist wohl der Bachmann Preis, sprich die „Tage der deutschsprachigen Literatur“ in Klagenfurt. Sie werden sehr früh im Kalender eingetragen und wenn möglich freigehalten. Dann sitze ich vor dem Fernseher und niemand darf mich ansprechen. Da verhalte ich mich wie ein Fußballfan bei der Champions-League, statt zu jubeln schreibe ich allerdings. Ich mache meine eigene Textanalyse, lausche, vergleiche, staune. Danach muss ich mich unbedingt noch mit anderen darüber austauschen, das volle Programm also. Da bin ich wie im Textrausch. Das gibt mir unglaublich viel.
Ansonsten gibt es noch diesen kleinen geografischen Bezug zu diesem Haus hier in Wien. Ingeborg Bachmann hat in der Severingasse in ihrer ersten Zeit in Wien gelebt, als Zwischenstation, gleich nachdem sie aus Kärnten zum Studium nach Wien gezogen ist und bevor sie in den dritten Bezirk gezogen ist. Aber ich glaube, die Severingasse war nicht so sehr ein Sehnsuchtsort wie die Ungargasse. Soviel ich weiß, hat sie nicht sehr lange hier gewohnt. Besser bekannt ist ja ihre Liebe zum „Ungargassenland“ die sie in „Malina“ der Protagonistin zuschreibt.
Eine meine Lieblingspassagen:
„Ich bin wieder in Sicherheit, nicht mehr am nächtlichen Stadtpark, Hauswände entlanghetzend, nicht mehr auf dem Umweg in der Dunkelheit, sondern schon ein wenig zu Hause, schon auf der Planke der Ungargasse, schon mit dem Kopf gerettet in mein Ungargassenland, ein wenig auch mit dem Hals aus dem Wasser. Schon beim ersten Gurgeln von Worten und Sätzen, schon beim Einsetzen, beim Anfangen.“
Eine traumhafte Liebeserklärung an eine Gasse, so etwas Ähnliches erlebe ich hier, rund um die Währinger Straße. Ich bin sehr gerne hier. Und ich frage mich, wie es ihr damals in dieser Gegend ergangen ist, ob ihr Blick auf die Stadtbahnbögen beim Hinaufgehen in der Severingasse der gleiche war wie meiner, ob sich Blicke aus unterschiedlichen Zeiten überlappen können, ob ihre Schritte womöglich im Trottoir gespeichert sind.
Ingeborg Bachmann hat wiederholt gesellschaftspolitisch Position bezogen, auch unter schweren persönlichen Konsequenzen. Wie siehst Du dies, die Position als Künstlerin heute, angesichts der aktuellen Situation?
Es würde mich sehr interessieren, was Ingeborg Bachmann heute schreiben würde. Sie hat intensiv gegen den Krieg angeschrieben, als er ja offiziell vorbei war. Während die Welt um sie herum sich in einer Wiederaufbau-Euphorie befand, wurde sie nicht müde, die Dinge zu sehen, die noch da waren. Die Risse und Brüche, das Verdrängen. Mehr oder weniger verschlüsselt.
Hier fällt mir der großartige Satz aus der Erzählung „Das dreißigste Jahr“ ein: (…) Ich, ernährt von Abfall aus Geschichte (…)
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Politik beginnt in jedem und jeder von uns, wie wir uns in der Gesellschaft wahrnehmen, darüber zu schreiben ist wichtig, in welcher Form und wie fiktiv auch immer.
Welche Bedeutung kommt Ingeborg Bachmann heute literarisch und gesellschaftlich zu?
Gesellschaftlich weiß ich nicht, aber literarisch wird sie immer eine Größe bleiben, weil sie polarisiert hat, sie hat verzaubert und verstört. Durch ihre Texte sowieso, aber auch durch ihre Stimme, ihre Auftritte, durch ihr ganzes Wesen, ihre Ambivalenz. Mir selbst ist sie auch ein Rätsel. Und genau deshalb wird sie vermutlich immer im Gespräch bleiben. Philipp Tingler hat sie vor längerer Zeit im Literaturclub als eine der meistüberschätzten Autorinnen des zwanzigsten Jahrhunderts bezeichnet. Das ist für mich pure Unterhaltung, die Literatur lebt ja von diesen kontroversiellen Diskussionen und Spannungen. Und das ist gut so. Es ging aber damals um „Male oscuro“ und die Frage, wie notwendig dieses 2017 erschienene und von Ingeborg Bachmann nie autorisierte Buch für die Gesellschaft wirklich ist.
In Deinem großartigen aktuellen Roman „Die Frau im Atelier“ steht ein Künstler im Mittelpunkt, der Lebensereignisse, Erfahrungen und Sehnsüchte im kreativen Prozess reflektiert wie sich diesen hingibt. Wie kam es zur Entstehung dieses Romans und welche Bedeutung hat Kunst als Weg mit/zum Leben?
Mir war die Schilderung einer außergewöhnlichen Annäherung ein großes Anliegen. Eine Annäherung über ein Schweigen, ob und wie lange so etwas funktionieren kann. Die Geschichte ist stark verknüpft mit dem Thema der Schuld. Und Schuld ist ja – wie Liebe – eines der größten Themen in der Literatur und schon abertausend Male abgehandelt. Genau deshalb war es für mich eine Herausforderung, an dieser Linie entlang zu schreiben. Es geht auch sehr stark um die Frage, wie sehr kann sich ein „unschuldiges“ Kind schuldig machen? Das ist die essentielle Frage.
Marius, der Protagonist in meinem Roman, ist davon überzeugt, sich die Zacken im Bauch, die durch seine Schuldgefühle dort rumoren, „herausmalen“ zu können. Er hat Obsessionen und spleenige Rituale entwickelt, er stellt sich unzählige Wecker, weil er Angst vor dem Verschlafen hat. Er malt Bilder, auf denen immer die gleiche Frau zu sehen ist. Aus allen möglichen Perspektiven, aber niemals von vorne. Das alles führt zurück auf ein sehr spezielles Ereignis, von dem der versucht loszukommen. Wir können uns selbst aber nicht einfach abstreifen. Nicht durch die Kunst und nicht durch die Liebe. Aber beides hilft.
Welche Kraft hat Liebe in Krieg und Frieden, den persönlichen wie gesellschaftlichen?
Irgendjemand hat mal gesagt: Man kann doch nicht über die Liebe schreiben, wenn ringsum alles zugrunde geht. Ich meine, man kann. Denn die Liebe ist es doch, die nicht alles zugrunde gehen lässt und die Dinge zusammenhält, die Zuversicht bringt.
Wie wichtig ist das Moment familiärer wie erfahrungsbezogener lebensgeschichtlicher Emanzipation, um lieben zu können?
Ich denke, dass dafür das Bewusstsein für sich selbst in erster Linie ausschlaggebend ist. Sich selbst kennenzulernen, zu finden, wie auch immer man das ausdrücken möchte. Wenn ich meine Lebensgeschichte in meine Liebe ungefiltert mit hineinnehme, möchte ich vielleicht aus Bedürftigkeit oder aus Egozentrismus oder anderen Gründen geliebt werden und möchte Ähnliches vom anderen. Wenn ich mich davon emanzipieren und darüber reflektieren kann, kann ich lieben, mich selbst und andere. Dann wird vieles leichter. Aber wer kann das schon in vollem Umfang? Es ist meist die Lebensaufgabe schlechthin für uns alle.
Was macht die Kunst des Liebens aus?
Vielleicht genau diese lebensgeschichtliche Emanzipation. Für mich geht es darum, die Liebe in den kleinsten Dingen zu suchen und immer der Frage nachzuspüren, wie zu handeln wäre, würde man nur aus Liebe handeln.
Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
Eine neue Buchidee befindet sich sehr fragmentarisch in meinem Kopf und auf wenigen Seiten Text, ich weiß nicht, wann ich das angehe. Vermutlich im Frühsommer.
Derzeit schreibe ich sehr gerne für Literaturzeitschriften, es sind einige Lesungen geplant, eine Radiosendung und ein Schreibaufenthalt in Triest.
Mein größtes Projekt – und große Liebe! – ist die Schreibpädagogik. Hier befinde ich mich im Endspurt einer zweijährigen Ausbildung und arbeite gerade an einem Abschlusstext. Im Mai steht dann noch ein letztes Kolloquium im Kalender.
Darf ich Dich abschließend zu einem Ingeborg Bachmann Achrostikon bitten?
Im
Nebelriss
Geburt
Einer
Berstenden
Oper
Raketen
Gesungen
Elke Steiner, Schriftstellerin_Wien _ Station bei Ingeborg Bachmann_Wien
Herzlichen Dank, liebe Elke, für Deine Zeit in Wort und Bild hier am Lebensort Ingeborg Bachmanns in Wien! Viel Freude und Erfolg für alle Literaturprojekte!
Station bei Ingeborg Bachmann _ Wien_ im Gespräch und Fotoporträt:
Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien, 1090
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.