„Geborgt nur war die stille Zeit“ Tina Schlegel, Schriftstellerin – Give Peace A Chance _ Unterallgäu 13.5.2022

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Geborgt nur war die stille Zeit

In der töricht wir uns sicher glaubten

Voller Hoffnung auf die schöne Dauer

Endlos langen Lichtes vor der Nacht.



Prachtvoll bleibt der Trost der blauen Stunde

Ewigkeit für einen kühnen Augenblick.

Auf mäanderndem Goldgelb am Horizont

Choräle aus Rosarot und dunklem Blau

Elegisch-stolze Abschiedsdramaturgie.



Aber irgendwo muss Hoffnung sein.



Cerberus ruht am Rand der alten Welt,

Hält geduldig Wache dort zur Nacht

Am Ende des uns einst geliehenen Glücks

Neigt er sein Haupt, lauscht den fernen

Celloklängen und barmherzig seufzt er:

Es ist geöffnet, Freunde, tretet ein.


Tina Schlegel, 3.5.2022

Tina Schlegel, Schriftstellerin

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Tina Schlegel, Schriftstellerin

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Walter Pobaschnig _ 3.5.2022.

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„dass sich selbst Gutes zu tun auch Gutes ins Allgemeine, ins Viele, einspeist“ Iris Julian, Performance Künstlerin_Wien 13.5.2022

Liebe Iris, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich mag das Adverb „jetzt“ in Deiner Frage – es lässt mich fragen wieviel Zeit „jetzt“ umspannt. Diese Woche? Dieser Monat? Dieses Jahr? Soll ich einen bestimmten Tag in meinem Leben auswählen? Oder eine Zusammenfassung bilden? Ich habe mich für die zweite Möglichkeit entschieden: Jetzt stehe ich morgens auf und mache ein bestimmtes körperliches Training, wobei ich bewusst mit meinem Geist experimentiere. Welche Bewegungen kann ich vor dem Ausführen genau visualisieren? Von welchen Bewegungen habe ich keine genaue physische Vorstellung? Im Anschluss, natürlich, eine schöne Tasse Kaffee und damit mache ich mich an die englische Übersetzung meines PhD. Im Zuge dieser Arbeit traf ich – purer Zufall – einen Lektor, den mir Scribendi (Native Check) zuwies. Wir kommunizieren über Scribendi, ich kenne seinen Namen nicht und dennoch wird aus seinen mitunter scharfen, immer präzisen, Anmerkungen ein Dialog, der uns über den Atlantik hinweg verbindet.

Iris Julian_Performance Künstlerin, Kulturwissenschafterin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was für uns alle wichtig ist, kann ich nicht sagen. Für „uns“ zu sprechen, Plural zu sein, das ist eine Geste aus dem Bereich der Politik, die sich durch das Sprechen einer Stimme für viele auszeichnet. Stattdessen möchte ich fragen, wie andere das Verhältnis von Einem und Vielen, Singular und Plural, denken: Neben meiner Beschäftigung mit westlichen Philosoph*innen insbesondere der politischen Philosophie, die versucht Vielheit und Singularität zu denken, habe ich in der Zeit des Lock-Downs begonnen, mich mit buddhistischen philosophischen Ansätzen zu auseinanderzusetzen. Dort findet sich ebenfalls die Idee, dass wir immer bereits am Mit-Sein partizipieren. Vielleicht ließe sich daraus schließen, dass sich selbst Gutes zu tun auch Gutes ins Allgemeine, ins Viele, einspeist.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz/Theater, der Kunst an sich zu?

Welche Rolle und Erwartungen von der Gesellschaft an den Tanz (Anm.: mein Fokus ist zeitgenössischer Tanz und Performance Arts) herangetragen werden, lässt sich gegenwärtig kaum sagen. Vor 10 Jahren dachte man noch, dass Tanzperformances und das Theater sich gänzlich konzeptuellen und experimentellen Zugangsweisen zuwenden würden, also eine totale Loslösung von bisherigen Traditionen im Theater. Momentan scheint eher das Gegenteil der Fall. In Anbetracht unserer prekären Lebenssituation überträgt sich die Sehnsucht nach Sicherheit auch auf ästhetische Bereiche, das heißt Rückkehr zu traditionellen Formaten. Ich denke übrigens, dass das Prekärwerden von Lebensbedingungen bereits eine viel längere Entwicklung ist, die erst jetzt – vor Pandemie und Krieg – sichtbar wird. Lohnerhöhungen hinken Teuerungen seit langem hinterher. Meine Vision sind Lohnerhöhungen und Kampf der Ausbeutung, damit die Gesellschaft transparent bleibt. Was das Theater meiner Meinung leisten kann – durch alle Zeiten – ist das Einüben in ein Miteinander. Das liegt in der Natur der Sache: Für ein Stück (selbst ein Solo), bedarf es vieler Mitwirkender. Einüben ins Miteinander heißt auch mit Kritik umgehen zu lernen und selbst Kritik zu üben – wohlbemerkt – auf eine produktive Weise. Am zeitgenössischen Theater faszinieren mich Techniken, die für ein Miteinander-Sein entwickelt wurden, egal ob für den Auftritt auf der Bühne oder auch hinter den Kulissen, ich denke etwa an Feedback Sessions.

Was liest Du derzeit?

Ich lese über tibetische Schlaf- und Traummeditationen, verfasst von Tenzin Wangyal Rinpoche parallel mit westlichen Denker*innen wie Isabelle Stengers, Alfred North Whitehead und Gilles Deleuze.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Jean-Luc Nancy „singulär plural sein” (Frz.: 1996/ De.: 2004), S. 19: „Man wiederholt heute oft, dass wir unter Sinnverlust leiden, dass wir Mangel, folglich Bedarf an Sinn haben und folglich auf Sinn warten. […] Der gegenwärtige Diskurs […] macht klar, dass „der Sinn“ derart absolut gebraucht, der entblößte Name unseres Mit-ein-ander-seins ist. Wir „haben“ keinen Sinn mehr, weil wir selbst der Sinn sind, ganz und gar, ohne Rückhalt, unendlich, ohne einen anderen Sinn als „uns“.

Iris Julian_Performance Künstlerin, Kulturwissenschafterin

Vielen Dank für das Interview liebe Iris, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Kunst-, Wissenschaftsprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Iris Julian_Performance Künstlerin, Kulturwissenschafterin

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Alle Fotos_Walter Pobaschnig 5_22.

19.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„gefühlswelten“ Matthias Gysel, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Richterswil/CH 12.5.2022

GIVE PEACE A CHANCE

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Haiku Texte_Matthias Gysel, Schriftsteller, 1.5.2022

Matthias Gysel_Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Matthias Gysel_Schriftsteller

HAIKU – Matthias Gysel (haiku-mgy.ch)

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 1.5.2022.

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„Herzensbildung in Sachen Musik ist mir persönlich sehr wichtig“ Claudia K. Gangl, Sängerin _ Wien 12.5.2022

Liebe Claudia, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich mache – gefühlt jahrzehntelang – dasselbe 😊 Ich stehe nicht zu früh auf, trinke Earl Grey und lese digitale Medien und meine Mails. Dann sind meine Tiere dran, Hund und Katze, Gassi gehen und diverse Beschäftigungen. Dann wird geübt, da gibt es vieeel zu tun, Bass spielen (was ich ja sehr sehr spät begonnen habe, also das mache ich noch nicht jahrzehntelang) mit Metronom Fingerübungen, meist gepaart mit schamanischen Techniken der inneren Einkehr und diversem Räucherwerk.

Dann ein bisschen die Stimme trainieren, denn da gibt es auch viele Muskeln, die bewegt werden wollen. Wenn ich ganz gut drauf bin, ein wenig Obertonsingen. Dabei fühle ich mich leider gehemmt, weil mein Hund mit seinen guten Ohren sehr empfindlich reagiert und sozusagen zu weinen beginnt.

Am frühen Nachmittag beginne ich an Projekten zu Arbeiten wie momentan an „Bunte Vögl am Johann Nepomuk Vogl Platz“ – eine wöchentliche Spielserie über 2 Sommer- Monate, die ich voraussichtlich wieder veranstalten darf.

Und / oder an der Tournee für meine Band „Viennese Ladies“. Wir haben gerade eine CD aufgenommen und jetzt geht es daran, eine Präsentations-Tournee zu organisieren.

Wenn ich dann noch Kraft und Lust habe, widme ich mich dem Komponieren, oder Texten, da sind immer ganz viele Ideen da und ich arbeite parallel an mehreren Stücken. Man kann sich nicht aussuchen, ob und wann einen die Muse küsst, sprich, ob etwas weiter geht oder nicht. Aber wenn man es tut, gibt es zumindest die Chance, dass einem etwas gelingt.

Nicht alltäglich, aber abends gibt es ab und zu Proben oder Konzerte.

Claudia K. Gangl, Bassistin, Sängerin, Komponistin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, wir müssen begreifen, dass alle Bewohner auf dieser Welt dasselbe wollen: In Frieden leben, ein Dach über den Kopf und genug zu Essen haben, sprich, dass die Grundbedürfnisse abgedeckt sind und das sollte auch jedem Menschen selbstverständlich zustehen.

Wir müssen uns bewusst sein, dass mehr als 10% der Weltbevölkerung an akutem Hunger und weitere 10% unter schwersten Mangelerscheinungen leiden und wir schmeißen so viel weg und kümmern uns um die falschen Dinge.  

Wir hätten genug für alle, aber die Reichen wollen nicht teilen, das ist ein großes Problem. Ich würde es gut finden, wenn es keine Börsen gäbe und die Leute ihrem Geschäft mit Verantwortung nach gehen könnten. Die Haltung, ich habe eh nix zu sagen, ich kann eh nix bewegen, lähmt jedes einzelne Geschäft und es gibt Frust auf beiden Seiten.

Ich finde, die Grundbedürfnisse eines jeden Mensch müssen gedeckt sein, bevor irgendwelche reiche Menschen irrwitzige Dinge aufführen, wie ins Weltall fliegen oder sowas in der Art. Auf keinen Fall zu einer Zeit, wo Millionen Menschen hungern! Für Waffen gibt es immer genug Geld. Ich finde, es gehört jede Waffenschmiede geschlossen und verboten. Ich weiß, klingt naiv, aber eigentlich ist es das einzig Logische und Richtige.

Ein weiteres Anliegen ist, das Tierleid zu lindern. Diese Massentierhaltung ist eine einzige Katastrophe und auch ein Schuss ins eigene Knie, denn man isst den Stress, die schlechte Ernährung bei der Massentierhaltung sowie die Medikation mit und das bedingt wieder ganz viele Krankheiten beim Menschen. Für mich hat ein Tier auch ein Recht auf ein Leben, wie es seiner Art entspricht und ich finde das Tierleid unerträglich!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ganz verstehe ich den ersten Satz nicht, aber ich antworte darauf, was ich verstehe 😊

Die Musik ist Stellvertreterin für so viele Gefühle wie Liebe, Angst, Beruhigung, Aufregung, Geborgenheit, verstanden fühlen, Aggressionsabbau etc. etc.. Manchmal ist es sogar so, dass man einen Menschen weniger schätzt, weil er eine Musik hört, die für einen selber blöd oder schlecht ist. Eine gewisse Herzensbildung in Sachen Musik ist mir persönlich sehr wichtig. Egal ob das Herz für Klassik, Jazz, Blues oder Pop schlägt, Hauptsache für eine Art von Wiedergabe, die mit voller Hingabe und Liebe passiert, egal ob mit ohne oder Erfolg. Das kann auch einen langen Weg bedeuten, bis man sich soweit findet, dass das auch für Außenstehende spürbar wird.

Ich denke, das gilt auch für andere Kunstrichtungen. Wenn man sich z.B. ein bisschen mit Malerei beschäftigt, spürt man auch recht schnell was „echt“ ist und was nicht. Ist der/die Künstler/in auf der Suche nach seinem inneren Werk, oder wird gemacht, was gefällt? Ich denke, sowas spürt und sieht man, auch den Weg. Aber das ist meine rein subjektive Betrachtungsweise.

Was liest Du derzeit?

Verschiedenste Bücher über Schamanismus, meist aus der Feder des Anthropologen Michael Harner. Und wenn wir schon bei Anthropologen sind: Da liegen einige Bücher mit vielen kleinen bunten Zettelchen drinnen von Rudolf Steiner.

Als Entspannungsroman habe ich gerade „Kleine Freuden“ von Clare Chambers in der Reißen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Sei gut zu dir und deinen Lieben, es kann sich ganz schnell alles ändern. Und den Satz: „Ich bin halt so“, sollte man ersetzen durch: „Ich arbeite daran, ein besserer Mensch zu werden!“

Claudia K. Gangl, Bassistin, Sängerin, Komponistin

Vielen Dank für das Interview liebe Claudia, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Claudia K. Gangl, Bassistin, Sängerin, Komponistin

Fotos_Gerry Frank.

26.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Geronimo war ein Kriegshäuptling“ Thomas Podhostnik, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Leipzig 11.5.2022

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Geronimo war ein Kriegshäuptling

Irgendwo sein Ruf nach

Vergeltung im entmenschlichten

Einöd, und niemand hört mehr seinen Namen.



Potemkin, Panzerkreuzer bist du!

Eisenstein, dein Vater war ein Architekt!

Aber wir wissen, wie man filmt, und wir schießen gut.

Chimären aus Zelluloid halten und brennen  langsamer als

Einträge bei Wikipedia. Der Wandel der Geschichte. 



Angst ist unangebracht.



Chihuahua, einmal in der Hölle und zurück. Das Vermächtnis von Pancho Villa:

Habenichtse im eigenen Land.

Auf meiner Reise sah ich zwei Giganten

Noch berühren sie sich nur mit Fingern aus Eis.

Charakterlich sind sie Brüder.

Einst werden sie über uns hereinbrechen.


Thomas Podhostnik, 5.5.2022

Thomas Podhostnik, Schriftsteller

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Thomas Podhostnik, Schriftsteller

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Walter Pobaschnig _ 5.5.2022.

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„Das Publikum, für die Dauer des Theaterabends, aus Sorgen und Ängsten zu entführen“ Katrin Fuchs_Sängerin und Schauspielerin _ Wien 11.5.2022

Liebe Katrin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich befinde mich gerade in Vorbereitung auf eine Tournee, die ganz im Zeichen der Musik Freddie Mercury’s steht, aufgrund von Corona letzten Winter nicht stattfinden konnte, nun aber im Mai zumindest teilweise nachgeholt werden wird. In dieser Zeit der Vorbereitung bin ich sehr auf mich fokussiert. Mein Tagesablauf besteht aus intensivem Stimm- und Körpertraining um tip top in Form zu kommen. Ich ernähre mich bewusst und versuche Mindsets aus alten Gedankenkonstrukten aufzuspüren, zu hinterfragen und gegebenenfalls durch neue zu ersetzen. Ich bin überzeugt davon, dass auf mentale Aspekte nicht vergessen werden sollte.

Katrin Fuchs_Sängerin und Schauspielerin 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Im Jetzt leben, dankbar sein, helfen, nichts als selbstverständlich nehmen, sich mit Anderen austauschen. Die Corona-Krise war für viele von uns bereits eine Erschütterung im Kleinen, der Ukraine-Krieg ist eine Erschütterung, die kaum in Worte zu fassen ist.

Wir wissen alle nicht was morgen, in 3, 6 oder 12 Monaten passieren kann, trotzdem bin ich der Meinung, dass wir so gut es geht zuversichtlich bleiben sollten. Alles andere, wäre meiner Ansicht nach, ein Tod auf Raten auf mentaler Ebene.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich bin überzeugt davon, dass Theater und Musik, generell alle kreativen Künste, mehr denn je als „Seelendoktor“ fungieren. Aufgrund von mehreren Gesprächen habe ich den Eindruck gewonnen, dass das Publikum das Angebot an Veranstaltungen derzeit bedachter selektiert als in der Vergangenheit. Ein Großteil möchte derzeit explizit unterhalten werden und empfindet „Problemstücke“ als zusätzliche Erschwernis und Last. Für uns Darsteller ist es, besonders in von Krisen gebeutelten Zeiten, eine nicht zu leicht auf die Schulter zu nehmende Aufgabe, das Publikum, für die Dauer des Theaterabends, aus einem meist nicht enden wollenden Gedankenkarussell aus Sorgen und Ängsten zu entführen. Auch wenn die Konkurrenz an Freizeitangeboten durch Streaming-Dienste, Netflix und Co. derzeit so breit aufgestellt ist wie noch nie, glaube ich fest daran, dass diese Branche niemals ein Live-Ereignis ersetzen werden wird.

Was liest Du derzeit?

The Dictionary of Lost Words von Pip Williams

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Folgendes Zitat habe ich neulich in einem Posting der Süddeutschen Zeitung entdeckt und als äußerst treffend empfunden: „Reif ist, wer auf sich selber nicht mehr hereinfällt“ (Heimito von Doderer)

Vielen Dank für das Interview liebe Katrin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Katrin Fuchs_Sängerin und Schauspielerin 

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Foto_Wolfgang Mayer

26.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Künstlerische Arbeit ist ein beständiges Brücken bauen zwischen Gestern, Heute und Morgen“ Barbara Marie Hofmann, Schriftstellerin _ Berlin 10.5.2022

Liebe Barbara, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

schlafen träumen wachen

aufstehen radio hören viel radio

dann und dabei kaffee trinken

arbeiten mit dem laptop dem handy berichte sehen

mit meiner besten freundin sprechen deren familie aus der ukraine gekommen ist

fragen was und wie und ob man helfen kann mit worten mit taten überhaupt

dann aber auch (und unbedingt) über anderes sprechen über anderes denken

wie die farbe einer kinderjacke oder die unterschiedlichkeit von wochentagen

die arbeit für den tag beenden das was man tut

rausgehen alleine mit anderen

abends: zeichnen schreiben sich fragen was man morgen lesen und hören wird

dann wieder hoffentlich schlafen träumen wachen

Barbara Marie Hofmann, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube wichtig ist es immer, noch da zu sein, hier zu bleiben, mit dem eigenen Kopf. Und nicht in der aufkommenden Panik, den möglichen Zukunftsfragen und Konsequenzen zu verschwinden, aufzugeben. Die Angst ist ein überzeugendes Gewitter. Wenn möglich also irgendwie die eigene Bodenhaftung behalten, um zu sehen, was man von hier aus tun kann, wem oder wie man sinnvoll helfen kann.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Loslassen. Neu beginnen. Auf sich und andere mehr Acht geben. Und Acht geben nicht als etwas Passives, sondern Aktives verstehen.

Und zur Kunst: Für mich ist die künstlerische Arbeit ein beständiges Brücken bauen zwischen Gestern, Heute und Morgen. Reflektieren, weiterdenken. Eine Basis schaffen für Zukünftiges.

Was liest Du derzeit?

Zum zweiten Mal: Margret Kreidl. Eine Schwalbe falten. Eine befreundete Lyrikerin hat es mir geschenkt und mich so auf sie gebracht. Jetzt liebe ich sie sehr und finde mich darin wieder, in ihrer Sprache, ihren Themen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Es sind zwei:

(1)

to be announced:

jede/r hat a angst

leave a reply

reply:

spread the word:

jede/r hat antworten

leave a fear

(Judith Nika Pfeiffer)

(2)

„Einmal wiederholen. Dreimal drehen. Stock oder Feder? Dreimal dreht sich die Seele. Ist das eine Idee? Bitte aufheben.“

(Margret Kreidl)

Vielen Dank für das Interview liebe Barbara, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

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Barbara Marie Hofmann, Schriftstellerin

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26.4.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

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„Größe, wälzend im Wahn sich ergötzt, wieder mal“ Stefan Sprang, Schriftsteller_Give Peace A Chance _ Essen/D 10.5.2022

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Größe, wälzend im Wahn sich ergötzt, wieder mal

Ich aber befehle: HINGEBUNG, brülle

Vernichterei f… dich, no Kapital fürs Totenkonto

Einst lichttönende Träume, tief bewegter Kinderschlaf



Peace statt pinturas negras, erinnert

Erbarmen wir uns schlicht unserer selbst

Auftrag: „Imperial“, Inschrift bloß noch für hohe Hotels

Crazy Menschlichkeitsding – komm, Größe, die sich verneigt

Ende im Wettstreitgelände, null Blutdurst und Herzfresserei



Ach,



Crazy Menschlichkeitsding, Narrengedöns, Nachtgebet

HINGEBUNG

Allem Anfang schafft Anfang, denn dem Ende sowieso

Niemand entrinnt, schreien flüsternd die, die erloschen

Crazy Leben, was wärst du bloß

Einmal endlich, endlich einmal: käme Menschlichkeitsding


Stefan Sprang, 1.5.2022

Stefan Sprang, Schriftsteller

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Stefan Sprang, Schriftsteller

Stefan Sprang, geb. 1967 in Essen, lebt dort im Südviertel und in Frankfurt/M. als Radiojournalist und Schriftsteller. Sein Roman-Debüt „Fred Kemper und die Magie des Jazz“ erschien 2011, sein Roman „Ein Lied in allen Dingen. Joseph Schmidt“ folgte 2019 (2. Auflage 2020), 2021 dann ein „Heimatroman“ „Henry Becker und der Sommer der Erinnerung“. Die Produktion seines akustischen Monodramas „Engel“ ist in Vorbereitung (GehörGang, Berlin).1999 „Kurt-Magnus-Preis“ der ARD. 2016 Einladung zur „Bayerischen Akademie des Schreibens“ und 2020 zum Literaturpreis „Irseer Pegasus“.

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Walter Pobaschnig _ 1.5.2022.

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„: Gib“ Alice Grünfelder, Schriftstellerin _Give Peace A Chance _ Zürich 9.5.2022

: Gib

Ihnen Waffen!!!

Vermutlich werden sie trotzdem

::::::: :::::::::::::::: :::: ::::::::::::::::

Erschossen

: Pass sie ab!

Entwaffne sie mit einem

aufrührerischen Lächeln.

Chrysantheme zwischen Trümmern

.:.:.:.

Erschießt er dich, zeigt sich die Fratze des



Aggresssors

ô ô ô




: Chrysantheme, MUT brauchst du ———-

Hör! Solange

Alle Wege ____________.________________._____________

Noch nicht gegangen sind,

Chrysantheme*, ist

Ein Friede vielleicht möglich

¿

Alice Grünfelder, 6.5.2022

Alice Grünfelder, Schriftstellerin

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Walter Pobaschnig _ 6.5.2022

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„Gegen die Böen des Ostwindes bleibt sie ungehört die Stimme“ Regina Lehrkind, Schriftstellerin _Give Peace A Chance _ Hagen/D 9.5.2022

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Zähmung des Sturmgesangs

Gegen die Böen des Ostwindes bleibt sie ungehört die Stimme

Im Tosen der schlagenden Wellen

Verwehen Worte, zermahlen sich im Sand

Ein aufkommender Sturm peitscht fröstelnde Kälte über die Landschaft



Packt und zerrt an den Schultern, treibt Eiszapfen in die Herzen, lässt sie erfrieren

Eine höhere Gewalt

Aufbrausend, launisch zerklüftet sie das Land unserer Väter

Cholerisch und ohne Verstand, vergiftet die Atemluft

Ein Erhalten des sicheren Hafens scheint unmöglich im blutgetränkten Raum



Ausnahmezustand in der keine Hoffnung stranden mag



Chaos unter zersplitterten Sternen

Herausgerissene Herzen, starre Gesichter, offene Münder

Ausufernd toben die Gedanken im Takt der Sanduhr

Nichts kehrt zurück. Eine Rose blüht im Farbton der unschuldig Hingerichteten.
Carpe Diem! Abgerissen ein Tag im ausgeuferten Bodenlosen.

Er zieht vorbei. Hinter geschlossenen Augen – Zähmung des Sturmgesangs – ICH darf sein!


Regina Lehrkind, 29.4.2022

Regina Lehrkind, Schriftstellerin

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Foto_Studioline Photography.

Walter Pobaschnig _ 29.4.2022.

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